Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Im Nebel sind alle gleich

von samphira
Kurzbeschreibung
GeschichteMystery, Fantasy / P16 / Gen
D OC (Own Character)
21.06.2015
01.07.2020
45
46.034
4
Alle Kapitel
10 Reviews
Dieses Kapitel
noch keine Reviews
 
02.01.2016 1.056
 
Nyx mustert den anderen Mann angespannt und forschend.
Er versucht, seine Gabe bei ihm einzusetzen, aber alles bleibt wie in Nebel gehüllt.

„Solltet Ihr es wirklich wagen, Selene auch nur an der falschen Stelle zu berühren, sterbt Ihr unter unendlichen Qualen!“, flüstert er.

Der Jäger nickt.
Ihm ist mehr als klar, dass er und Samphira haarscharf einer Katastrophe entkommen sind.
Ich darf es nicht mehr zulassen, das wir uns berühren, legt D für sich selbst die Regel auf.

Heute Morgen, als der Mann hochfuhr, da lag Samphira auf ihm.
Natürlich hatte er in der Nacht, kurz bevor er wirklich einschlief, mitbekommen, wie sie sich an ihn kuschelte.
Aber was dann im Schlaf geschah, ist ihm auch unbekannt.

Aber dem Mädchen schien es nicht schlecht zu gehen, wenn nicht sogar das genaue Gegenteil.

„Ich kann Euch beruhigen, Kárámás“, erklärt D,“ ich empfinde nichts für die Prinzessin Samphira Selene.
Ich helfe nur, dass sie sicher wieder nach Hause kommt.“

„Sie sagte, dass Ihr unbedingt mitkommen müsst. Weil Ihr sonst kein Geld bekommt.
Denkt Ihr, ich oder auch sie würden Virkinoff belügen?“

Verachtung blitzt in den Augen des Sprechers auf.

Der Jäger schüttelt den Kopf: „Ich werfe niemanden etwas vor.“

„Wer wirft wem was vor?“, fragt Samphira nach, als sie aus dem Zimmer tritt.
In den Händen befindet sich das Schwert von D, sein Hut hingegen sitzt schief auf ihrem Kopf, verdeckt beinahe ihre Augen komplett.

„Ich dachte, wir müssen hier so schnell wie möglich wieder weg sein“, meint sie einfach nur zu den beiden Schweigenden,“ außerdem habe ich keine Lust, irgendwelchen Fremden zu begegnen.
Also schimpfst du bitte erst, wenn wir unter uns sind, Nyx.“

Der Angesprochene nickt irritiert.

Selbst D muss sich eingestehen, dass Samphira in Männerkleidung immer noch sehr fraulich wirkt, und daraus folgend eine ziemlich  ungelegene Anziehungskraft ausstrahlt.
Bestimmt würde ihr sogar ein einfacher Sack noch Würde verleihen, denkt sich ihr Freund und spricht eindringlich: „Ich bin brav. Gebe das Zeug bitte zurück.“

Traurig seufzt seine Prinzessin auf und reicht dem Jäger das Schwert mit einem zarten Lächeln.

„Den Umhang aber behalte ich erst einmal“, erklärt sie mit trotzig vorgeschobenen Kinn,“ er wärmt so schön.“

„Wo ist dein eigener hingeraten?“ „

Bei de Zanges abhanden gekommen“, antwortet die Prinzessin ihrem Freund und geht zu der Treppe.

Dabei schleift sie den Umhang des Jägers wie einen Schleier hinter sich her.
Der Brautschmuck einer Todeskandidatin, denkt sich Nyx ordentlich verstimmt.

D folgt Samphira bereits und beobachtet sie.

Durch das Kleidungsstück wirkt die junge Frau noch jünger und kleiner, vergleichbar mit einem richtigen Kind.
Der Eindruck kann oft trügen, denkt sich D und nimmt seinen Umhang von ihren Schultern.

Verwirrte blassgraue Augen blicken zu ihm auf.
Was soll denn das jetzt, liest er aus ihnen, da er seinen Umhang wieder anlegt.

„Wir werden auch für Euch wieder etwas wärmende Kleidung finden.“

Verwirrung steht der Angesprochenen klar ins Gesicht geschrieben, als sie dem Jäger nach draußen folgt.

„Hast du noch etwas Gold bei dir, Selene?“
Die Angesprochene nickt ihrem Freund zu: „Ich weiß aber nicht wie viel.
Warum? Wegen Frühstück?“

„Nicht nur, sondern auch wegen einem Umhang und einem Pferd.“

Mit diesen Worten legt der Sprecher ihr seinen Umhang um die Schultern und befestigt diesen geschickt.

„Der ist viel zu lang“, beschwert sich Samphira alles andere als begeistert,“ und ich steige auf kein Pferd mehr. Ein solch gutes Tier ist eines, was fein verarbeitet wurde und als Lasagne auf dem Tisch steht.“

„In Avalon gibt es wohl keine Pferde, oder?“

Anders kann sich der Jäger dieses echte Antiphatie nicht erklären.

„Natürlich haben wir welche im Nebelreich“, erklärt Nyx während des Weitergehens,“ nur Selene hält sich eher von diesen fern.
Auch von einigen anderen großen Tieren.“

„Diese Viecher sind viel zu groß aus meiner Sicht.
Und jetzt soll ich auch noch auf einem solchen reiten? Das ist weder gut für die leicht vorhandene Höhenangst noch dem Kontrollverlust.
Nein, danke, Jungs.“

Der lange Umhang schleift auf dem Boden entlang, als das Mädchen zwischen den beiden Männern zum Markt geht.
Ihre Begleiter schauen sich suchend um.

„Ich habe Hunger, Nyx, und denke nicht eine Sekunde lang daran, mich von dir wieder auf  ein Pferd setzen zu lassen.“

Der Angesprochene seufzt auf und meint mit einem schiefen Blick zu ihr:“ Du scheinst gar nicht gut geschlafen zu haben, oder?“

Samphira nickt und schaut nicht zu D.
Aus Angst, dieser könnte sich an heute morgen oder die Nacht erinnern.

„Ansonsten gehe ich etwas organisieren und ihr beide frühstücken.“

Der Sprecher lächelt beruhigend und eindringlich.
Stimme bitte zu, liest Samphira aus seinem Blick.

Ich will nicht, das ihr alle immer über mich bestimmt.

Auf einmal wird ihr klar, wieso genau einer von ihnen sie begleiten soll.
Reine Wut rinnt dickflüssig durch ihre Adern.

Die denken wirklich, ich bin so, dass ich einen plumpen Fluchtversuch starte.

„Danke, ich habe es mir überlegt, ich habe ein Hunger mehr“, erklärt das Mädchen stolz und faucht regelrecht.

Nyx spricht in avalonisch: „Prinzessin, sei bitte nicht sauer.“

„Wieso denn?
Ihr bringt mich beide wieder nach Avalon, ich heirate den elendigen Kerl, den ich kaum kenne und ihr beide könnt euer Leben weiter fröhlich leben.
Ich will nicht wieder gefangen sein, selbst wenn der Käfig aus Gold ist.

Nyx, ich dachte, du als mein Freund würdest das verstehen.
Aber ich leide leider, leider an Wahnvorstellungen.“

Ihre Stimme trieft vor Sarkasmus und Ironie.
Der Angesprochene schaut die Sprecherin richtig erschrocken an.
Ihr anderer Begleiter schweigt. Ohne das er etwas verstanden hat, weiß er trotzdem, was genau mit den Mädchen ist.

„Mister Kárámás, besorgt Ihr am Besten, was Ihr für die weitere Reise benötigt. Wir anderen beiden finden Sie schon.“

Der Jäger merkt, dass der andere Mann mehr als nur etwas dagegen hat, aber ignoriert ihn.
Stattdessen folgt er schnell Samphira, die sich entschlossen  auf den Weg zu den Ständen gemacht hat.

Alles an ihrer sehr geraden Haltung strahlt reinen Trotz und Traurigkeit aus.

„Warte, Samphira“, bittet D leise und bleibt stehen.
Die Angesprochene hadert sichtlich mit sich, was er nur allzu deutlich sieht. Etwas scheint sie doch beruhigt zu haben, vielleicht ist es aber auch ihre seltsame Logik und ihr Gewissen.

Denn das Mädchen kommt zurück zu ihm.

Ihre blassgrauen Augen funkeln herausfordern, als wollen sie sagen, mache mir doch eine Szene hier mitten auf dem Marktplatz, vor all diesen Leuten.

Ich werde kein Stück weit zurückweichen oder nachgeben.
Review schreiben
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast