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Im Nebel sind alle gleich

von samphira
Kurzbeschreibung
GeschichteMystery, Fantasy / P16 / Gen
D OC (Own Character)
21.06.2015
01.07.2020
45
46.034
4
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21.06.2015 898
 
Die Kleinstadt schlummert noch tief. Die Sonne stiehlt sich bereits über den Horizont. Im Wirtshaus hört man die Frühaufsteher und Arbeiter schon ihr Frühstück essen.

Das Mädchen fährt erschreckt aus dem Halbschlaf hoch.
Sie wird seit ihrer Flucht von ihrem eigenem Gewissen, diesem elendigen Verräter, geplagt und kann kaum richtig ordentlich schlafen.
Zu groß die Gefahr, ein Häscher ihres Bruders könnte sie finden, schnappen und zurück schaffen. Virkinoff wird nicht so dumm sein, einfach zu warten, kommt ihr wieder der Gedanke, er wird selbst suchen und andere schicken.
Aber ich kehre nicht zurück.

So trotzig, steht Samphira auf.
Ihre Haare sind ein einziges großes Knäuel und haben dringend eine Wäsche nötig.
Auch ihr blaugrünes Kleid ist ramponiert. Doch für sie stellt das alles kein Ärgernis dar, sondern der Schutz vor Entdeckung.
Lediglich ihren hellgrauen Umhang hat sie erst gestern für einige Münzen bei der Wirtsfrau zum Flicken gegeben. Denn nur mit dem lässt sich wirklich alles verbergen.
Schnell versucht das Mädchen ihre Haare zu einer angemesseneren Frisur zu bändigen, doch erfolglos.
Samphira unterdrückt einen leisen Fluch und macht sich einen mehr oder weniger beständigen Pferdeschwanz und versteckt diesen unter der Kapuze.

Sie muss an den königlichen Hof, um dort eine Arbeitsstelle zu erbitten.
Natürlich könnte das Mädchen auch einfach als Lehrling hier bei einem Handwerker anfangen,aber sie hat keinen direkten Schutz.
Schutz vor ihrem Bruder und gefährlichen, mächtigen Fremden. Getarnte Dämonen, Hexer und machtgierige Adlige.

Eine Woche ist sie jetzt schon unterwegs.
Ihr einziges Hab und Gut ist der inzwischen ziemlich weit aufgebrauchte, kleine Beutel mit Goldstücken und die Kleider am Leib.
Mit kleineren Hilfsdiensten wie Hühner einfangen, Beeren pflücken und verschiedene Tiere melken hat das Mädchen immer ein Bett und zumindest eine Mahlzeit am Tag bekommen gehabt bei den jeweiligen Bauersleuten. Selbst wenn es oft nur ein wenig Käse und ein Stück Brot war, schmeckte das ihr.

Das Mädchen schaut aus dem Fenster.
Heute zum Glück kein Regenwetter, obwohl die Wolken etwas anderes prophezeien. Schnell geht das Mädchen nach unten in den Schankraum.
Auf der Treppe zieht Samphira ihre Kapuze so weit über den Kopf, dass nur ihr Gesicht sichtbar ist. Sie legt zehn Goldstücke auf den Tresen und lächelt zart, als der Wirt ihr zunickt.

Leider kann und darf das Mädchen keine besonderen Kräfte anwenden, ansonsten würde Virkinoff diese mit seiner eigenen Macht spüren.
So will sie nun auf gar keinen Fall auffliegen, denn das wäre einfach nur eine unverzeihliche Dummheit. Die kann sich Samphira auf keinen Fall in der jetzigen Situation leisten.

Schnell verspeist das Mädchen ein einfaches Frühstück, was die Wirtin als eine Art Buffet hergerichtet hat.
Sie merkt die fragenden Blicke einiger Frühaufsteher, aber glücklicherweise kommt niemand näher zu ihr. Vielleicht halten sie mich für eine Art Nonne, kommt ihr der Gedanke.
Das ist Samphira nur recht.

Als sie nach draußen geht, hat der Markttag bereits begonnen. Von überall hört man die Händler ihre Waren anpreisen.
Verstohlen schaut sich das Mädchen einige Auslagen von exotischen Obstsorten an. Doch sie darf der Versuchung nicht nachgeben, egal wie einladend alles aussieht.

Schnell geht das Mädchen an den Fischstand vorbei. Ein paranoides Gefühl steigt in ihr auf, da die toten Augen sie anzustarren scheinen.

Der Dorfrand kommt immer näher.

Aus den Augenwinkel bemerkt Samphira eine Gruppe Gaukler ihre Kunststücke proben. Nur zu gerne würde sie mit diesen gemeinsam losziehen. Vielleicht würde ihr Gesang und ihr Tanzen den Leuten gefallen.
Aber die große Unsicherheit und das Gejagtwerden verhindert auch diesen Wunsch.

Kurz nach ihrer Flucht ist sie geradewegs einem getarnten Dämonen in die Arme gelaufen. Der hatte zum Glück gerade was anderes zu tun, erinnert sich das Mädchen und erschaudert.
Die kalten, durchdringend gelben Augen bohrten sich direkt in ihre Seele.
So schnell sie konnte, versteckte Samphira sich in einer Scheune und blieb dort bis zum Morgen.

In Gedanken versunken folgen ihre Schritte der breiten Straße.
Die Sonne verschwindet immer mehr hinter Wolken.

Hoffentlich hat er Nyx und Liza nicht bestraft.
Sie können doch gar nichts dafür, dass ich weggelaufen bin.

Ein kalter Regenschauer reißt Samphira aus ihren Schuldgefühlen. Schnell schwillt der Schauer zu einem regelrechten Sturm an.

In Gedanken fluchend stolpert das Mädchen halbblind zu einer verkrüppelten Baumgruppe auf der Suche nach ein wenig Schutz. Leider erfüllt sich dieser Wunsch nicht.
Samphira kauert sich an einem der dicksten Stämme zusammen.

Ein Kälteschauer erfasst den durchnässten Körper. Ich sollte wohl zurück gehen, überlegt sie und kuschelt sich enger in den Umhang, was mache ich aber, wenn da schon jemand auf mich wartet?

Ein Blitz erhellt alles wie bei einer Fotografie.

Das Mädchen zuckt wegen dem ohrenbetäubenden Donner kurz darauf heftig zusammen.
Hier kann ich auf keinen Fall bleiben. Schnell huschen ihre Augen umher. Nur der nun schlammige, matschige Weg verläuft zwischen sturmgepeitschten Feldern.

Gewitter üben, wie auch Vampire, eine gefährliche Faszination auf sie aus.
Doch wie es bei sowas immer ist, darf man das nur aus der Ferne betrachten, bestaunen, erforschen.
Niemals wirklich in einem Gewitter stecken oder einem Vampir Aug in Aug gegenüber stehen.

Dies erkennt Samphira wieder einmal.

Blitze zucken über den Himmel. Sehr interessant, doch absolut tödlich.
Der Donner lässt das Mädchen immer wieder zusammenzucken. Sie friert und Angst fließt zähflüssig wie Blei durch ihre Adern.
Eng schlingen ihre Finger den Umhang fester um den zitternden Körper.

Reue und Hoffnungslosigkeit prügeln auf sie ein.
Es war alles nur ein riesengroßer Fehler, das Wegrennen. Diese Erkenntnis lässt schlussendlich die mühsam zurückgehaltenen Tränen fließen.
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