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Im Nebel sind alle gleich

von samphira
GeschichteMystery, Fantasy / P16 / Gen
D OC (Own Character)
21.06.2015
01.07.2020
45
46.034
4
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05.12.2015 956
 
Samphira kuschelt sich enger an die beruhigende Wärmequelle.
Langsam wacht sie wieder auf.
Verwundert und blinzelnd schnuppert das Mädchen.

Leder, Quellwasser und noch etwas dunkles, chaotisches und weitaus sehr, sehr gefährliches.
So jedenfalls würde sie diese seltsame Geruchsmischung beschreiben.

Stirnrunzelnd öffnen sich ihre Augen komplett.
Zuerst völlig orientierungslos, setzt sich alles wieder zusammen.
Der Schreck fährt dem Mädchen in alle Glieder.

Denn sie liegt in einer sehr eindeutigen Position auf D.
Glücklicherweise schläft er, aber Samphira spürt seinen Arm schwer auf ihren Rücken, kurz vor ihrem Poansatz.
Ganz ruhig, versucht sie sich gut zuzureden im Stillen, doch die Schamröte steigt ungehindert in ihre Wangen.

Sie liegt vollständig auf dem Körper des Jägers, hat sich regelrecht an diesen geschmiegt.
Ihre eine Hand ruht auf seiner Schulter, von der Anderen will sie nicht einmal denken.
Diese findet den Platz auf der Hüfte des Mannes nämlich viel zu bequem.
Ihr eines Bein liegt etwas angewinkelt, was weiter unbedenklich ist.
Das Zweite hingegen ruht zwischen seinen Schenkeln und Samphira muss zitternd durchatmen, da das Knie leicht gegen den Verbindungspunkt dieser drückt.

Wie peinlich kann es noch werden, fragt sie sich selbst und gibt die Antwort sofort, weil ihr Kopf fast unter seinem Kinn liegt.

Als wären wir ein Liebespaar.

Samphira beißt sich etwas auf die Lippen und überlegt, wie eine vorteilhafte Befreiung stattfinden könnte, immer unter dem Gesichtspunkt, ihn nicht aufzuwecken.
Als sie sich aber sacht bewegt, schlingt sich sein Arm enger um ihren Körper und D murmelt vor sich hin, wacht glücklicherweise aber nicht auf.

Kurz bevor es an der Türklinke rüttelt und sich jemand mit leisen Gefluche an dem Schloss zu schaffen macht.
Sofort fährt D hoch, drückt dabei automatisch Samphira an sich und flüstert ihr leise zu: „Ganz leise.“
Er steht auf und geht zur Tür.

Samphira unterdessen hüllt sich schnell in seinen Umhang und schaut angespannt zur Tür.
Der Jäger schließt blitzschnell auf und Nyx fällt nach vorne in den Raum.
Fluchend fängt er sich mit den Händen ab und anklagend will er etwas erfahren: „Wieso habt ihr abgeschlossen?“

„Weil sonst ungebetener Besuch hier ins Zimmer gekommen wäre.“

„Nyx, beruhige dich“, versucht es das Mädchen und steht, geschickt in den Umhang gehüllt, auf.
Der Angesprochene mustert sie durchdringend.

Nein, wir haben nichts angestellt, was du dir jetzt so denkst, versucht Samphira mit ihrer ganzen Haltung auszudrücken.

Ihr Freund geht zu ihr und umarmt sie fest und besitzergreifend.
Sie gehört mir, denkt sich dieser, und wenn der Kerl seine Hand auch nur falsch bewegt, schlitze ich ihn auf.

„Es ist wirklich alles in Ordnung, er hat nur auf mich aufgepasst“, flüstert seine Prinzessin, seine Selene, in avalonisch und streicht beschwichtigend über seine Wange.

D spürt einen seltsamen, beunruhigenden Stich in seiner Brust beim Anblick der Beiden.
„Habt Ihr Kleidung für sie gefunden, Kárámás?“

Der Angesprochene nickt und reicht Samphira einige Kleidungsstücke.
„Wir warten draußen“, meint er und zieht den anderen Mann mit sich vor die Tür.

Irritiert schaut ihm das Mädchen nach und seufzt auf.
Er hat doch nichts Falsches gemacht, also kann Nyx sein Platzhirschgehabe aufgeben.
Leider nur sieht ihr Freund jedes Mal bestimmte Dinge, welche oft in einem größeren Zusammenhang ein anderes Bild malen.

Wie bei einem Illusionsbild, bei dem man eine Vase oder zwei gegenüber liegende Gesichter erkennt, überlegt sich Samphira und legt den Umhang auf das Bett, was ist da aber richtig?
Die perfekte Antwort lautet normalerweise beides, doch viele sehen nur eines.

Das rötliche Wams entlockt dem Mädchen ein makaberes Grinsen, als sie es überstreift.
Denn rot ist nicht allein eine königliche Herrscherfarbe, sondern verdeckt auch Blutflecken.

Hoffentlich hat er dafür keine Toten gefleddert, denkt sich Samphira und kichert bei dem Bild vor ihren geistigen Auge, wie Nyx angeekelt einen Toten auszieht.
Er hat, trotz seiner Arbeit, eine ziemlich niedrige Ekelgrenze.

Früher hat es ihr immer eine ganze Menge Spaß gemacht, ihn mit Würmer, Schnecken und dergleichen zu erschrecken.
Sein Quietschen damals war aber auch einfach niedlich, erinnert sich die junge Frau versonnen und schlüpft in die dunkle Hose.
Natürlich ist diese wieder viel zu lang, sitzt ansonsten aber angegossen.
Schnell krempeln ihre Finger die Hosenbeine nach oben und greifen automatisch nach dem schwarzen Umhang auf dem Bett.
Ohne nachzudenken hüllt sich das Mädchen in diesen.

So schön wärmend, denkt sie, fast wie eine richtige Decke.
Neugierig streichen ihre Fingerspitzen über den samtenen Stoff.
Automatisch kehrt die Erinnerung von seinen Händen auf ihrer Haut zurück.
D hat die Situation nicht im Geringsten ausgenutzt, im Gegenteil sie sogar entschärft.

Jedenfalls zum Anfang.
Hoffentlich hat er nichts bemerkt, in was für einer Position wir beide geschlafen haben.

Wenn Nyx davon wüsste, wie eng der Jäger und das Mädchen aneinander geschmiegt dalagen, dann hätte er D schon lange die Kehle zerschnitten und das Herz als makaberes Mitbringsel Virkinoff gebracht.
Mit mir, gefesselt, geknebelt und sicherlich bewusstlos, als Zugabe.

Samphira spürt ein sanftes Ziehen in der Magengegend, als sie wieder über den Umhang streicht.

D hat ein gutes, edles Herz, dessen ist sie sich absolut sicher, aber verbirgt dieses hinter einer undurchdringlichen Maske aus Gefühllosigkeit und Monotonie.
Er ist durch und durch ein Hunter, sein ganzes Leben besteht aus einer nie endenden Jagd.

In ihr kommt der Wunsch auf, ihm irgendwie zu beweisen, dass es mehr gibt als nur dieser ewige Kreislauf.
Aber sie darf sich nicht weiter mit diesem Jäger abgeben, sondern muss gekrönt werden und diesen einen Kerl, ihren Verlobten, heiraten.
Da stört ein Fremder wie D nur.

Traurig seufzend setzt sich die junge Frau auf das Bett.

Wenigstens die Erinnerung an ihre gemeinsame Zeit kann nichts und niemand ihr fortnehmen.
Auf Samphiras Gesicht erscheint unbewusst ein kleines, irgendwie deprimiertes Lächeln, was ihr selbst nicht auffällt.

Denn schließlich haben die beiden zusammen keine Zukunft, somit sind solche Gefühle einfach nur ein sinnloses Unterfangen.
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