Zuflucht oder Alptraum

von Durah
GeschichteAllgemein / P16 Slash
Corvo Attano Daud Der Outsider
20.06.2015
02.08.2015
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Kapitel 1

Der Schiffskapitän sah ihn nicht an, keiner sah ihn an, den großen, starken mann, der mit hängendem Kopf das Schiff verließ, rein in eine Stadt, die nicht weniger schlimm war, wie die, die er zurückgelassen hatte.
Corvo Attano hob den Kopf, als der große Uhrenturm zweimal laut läutete. Der Himmel war von dunklen Wolken verhangen, Bettler trieben sich auf den Straßen rum, eine Seuche raffte sie dahin.
/Alles wie zuhause…/ dachte er sich und schulterte sein bescheidenes Gepäck, ehe er die Stadt betrat und sich nach einer Bleibe umsah.
Dunwall war Geschichte für ihn. Nachdem er versagt hatte seine kleine Emily zu retten und zu beschützen, nachdem das Blut Hunderter an seinen Händen klebte, der Outsider ihm jede Nacht seine Taten vor Augen führte und er kaum noch seine Blutgier unterdrücken vermochte, war Corvo einfach geflohen.
Feige hatte er sich davon gemacht, seine einstige Heimat ihrem Schicksal und den Ratten überlassend.
„Jessamine…Emily…verzeiht mir…”
Die Bettler und auch die Stadtwache ignorierend zog er weiter und fand in der Dämmerung eine kleine Bleibe, nahe des Turms. Wegen des Glockenlärms wollte dort keiner leben, doch Corvo nahm die Bleibe dankend an.
Seine Sachen einfach fallen lassend sank der Attentäter aufs Bett und vergrub das Gesicht in den Händen.
Das Symbol des Outsiders auf seinem linken Handrücken leuchtete auf und wenig später stand oder besser schwebte dieser vor Corvo, etwa 10 Zentimeter über dem Boden. Die schwarzen Augen fixierten den Ehemaligen Leibwächter.
“Nun hier bist du also, Corvo.” Sagte er ruhig.
„In einer Stadt, die Dunwall in den Tod folgen wird. Die nicht mal einen Namen hat. Unter der Herrschaft eines Raffgierigen Barons und nachts heimgesucht von einem Geist, den jeder kennt, doch kaum einer sah. Ich frage mich, was willst du hier tun? Was ist es, was du hier suchst?”
Corvo sagte nichts und sah zu Boden.
Er konnte dem Blick dieser schwarzen Augen nicht standhalten.
„Oder suchst du gar nichts sondern flohst vor deiner Vergangenheit? Den schmerzhaften Erinnerungen an den Tod der Kaiserin und ihrer süßen Emily?“
„HÖR AUF!!“ Corvo war aufgesprungen und sah den Outsider wütend an. Der jedoch lächelte nur hämisch.
“Könnte noch interessant hier werden. Gute Nacht Corvo.” Damit verschwand der Outsider wieder und Corvo setzte sich wieder aufs Bett, nicht wissend, dass ihn jemand beobachtete.
Der Attentäter legte sich hin und pustete die Kerzen aus, den Blick an die Decke gerichtet.
Er hatte es sich einfacher vorgestellt alles hinter sich zu lassen, aber es plagten ihn Schuldgefühle und ein unglaublicher Hass gegen sich selbst.
Er hatte nicht nur eine, sondern gleich zwei Kaiserinnen verloren, konnte sie beide nicht schützen. Wie viele Menschen hatte er in Dunwall getötet aus blinder Wut und dem Wunsch nach Rache? Er erinnerte sich an seine einzigen Verbündeten und sein Hass schürte sich nur noch mehr. Diese Männer und Frauen, die ihn befreiten, die in ihn Hoffnung hatten, die ihn zur Drecksarbeit losschickten, nur um ihn danach zu vergiften.
Aber er hatte sie dafür büßen lassen, einen nach dem Anderen, alle hatten sie ihre Rechnung bekommen.
„Ich komme besser alleine klar. Kein kaiserlicher Babysitter mehr, kein Corvo tu dies, tu das, geh dahin, geh hierhin, töte den, töte die, hol die Infos, mache hier die Dreckarbeit, mach sie dort, leg uns die Stiefel, VERGESST ES!!!! Ich bin endlich mein eigener Herr!” sagte er zu sich selbst und sah aus dem Fenster in den bedeckten Himmel.
„Emily, Jessamine, wacht über mich, es war nicht mein Wunsch euch zu verlieren.“

Es dauerte bis Corvo endlich eingeschlafen war und sein Beobachter nutzte das aus, um sich näher heranzuschleichen.
Leise kletterte der, kleinere, hagere Dieb durch das offene Fenster und betrachtete den Schlafenden.
Er wandte sich ab und durchwühlte leise das Gepäck, welches noch eingeschnürt in einer Raumecke lag.
Er unterdrückte es, einen Laut zu machen, als er sich den Finger an einem Armbrustbolzen verletzte.
Vorsichtig legte er die Armbrust zur Seite, danach ein Schwert und eine seltsame Maske, doch es war nichts Wertvolles zu finden. Der Dieb legte alles zurück an seinen Platz und begab sich leise zum Bett und bemerkte einen kleinen Geldbeutel am Mantelgurt des Mannes.
Vorsichtig streckte er die Hand danach aus und er schnappte sich den Geldbeutel. So nah an dem Schlafenden hörte er ein seltsames klopfen, aus dessen Innentasche und vorsichtig schob er seine schlanke Hand in die Tasche und zog tatsächlich ein Herz hervor. Es wurde durch metallteile zusammengehalten und pochte in seiner Hand.
Verwirrt betrachtete der Dieb es, steckte es aber auch ein, als eine Frauenstimme, ganz sacht, durch die Stille hallte.
„Unruhen plagen seine aufgebrachte Seele. Großer Schmerz und Leid zerfressen sein Herz.“ Sagte die Stimme und der Dieb betrachtete den Schlafenden.
„Interessant…“ Er schwang sich aus dem Fenster und verschwand in die Nacht.

Als Corvo am nächsten morgen erwachte spürte er zuallererst seinen Rücken. Dieses Bett war härter als dass, was er im Houndpits Pub hatte.
Er streckte sich und merkte sofort, etwas stimmte nicht. Er merkte recht schnell dass das Herz, welches der Outsider ihm einst gab weg war. Es war nicht in seiner Innentasche. Schnell durchwühlte er alles und bemerkte Blutstropfen auf seiner Reisetasche. Jemand war hier und hatte das Herz gestohlen, während er geschlafen hatte.
„Das darf doch nicht wahr sein!!“ Fauchte Corvo laut und weckte die Nachbarschaft auf.
„Was ist los Corvo?“ Der Angesprochene seufzte und wandte sich um. Der Outsider war wieder bei ihm, zum morgendlichen Besuch wie es schien.
„Hat der Geist der Stadt dich etwa besucht?“
„Er hat das Herz gestohlen!“
„Ich weiß.“ Der Outsider blieb völlig ruhig.
„Es dürfte doch wohl kein Problem für dich sein es zurück zu holen, oder?“ Ein grinsen huschte über die dünnen Lippen und Corvo schluckte.
Er wollte nicht mehr töten, doch die diebische Ratte würde bezahlen.
„Du wirst ihn suchen und richten Corvo. Ich mag es nicht wenn man meine Geschenke stiehlt.“ Der Outsider kam micht seinem Gesicht dem Corvos erschreckend nah.
“Bringe mir etwas von ihm und ich werde nachsichtig sein, dass du so unvorsichtig warst.”
„Was soll ich denn holen?“ fragte Corvo ruhig und sah in die pechschwarzen Augen.
„Sein rechtes Auge.“
„Sein Auge?“
„Ja, es hat seltene Kräfte, die mich interessieren. Die Kraft eines mächtigen Gesteins, gefangen in seinem Auge in Form eines kleinen Splitters. Reiße es ihm aus dem Kopf Corvo. Was du mit den Rest von ihm machst ist deine Sache.”
„Da ist nicht mehr viel zu tun, er wird sterben.“
„Ja mag sein. Ach und Corvo, sei nicht zu spät. Der Dieb weiß immer die Zeit.” Der Outsider verschwand und ließ Corvo alleine.
„Der Dieb weiß immer die Zeit…?” murmelte er verwirrt. Was sollte das nun bedeuten?

Wie aus dem Nichts durchbrach das laute Läuten einer Glocke die Stille und Corvo sah aus dem Fenster hoch zum Glockenturm und die große Uhr.
„Ach, da versteckst du dich also, Dieb.“
Corvo grinste, rüstete sich aus und schnappte sich seine Maske.
Zeit diesem Dieb einen Besuch abzustatten.
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