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Am Wegesrand

GeschichteHumor / P12 / Gen
20.06.2015
20.06.2015
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Rahjan schmollte. Anders konnte man es wohl nicht nennen, wenn ein 13 jähriger mit grimmigem Gesicht auf dem Kutschbock saß und nicht einmal für die Zugtiere ein freundliches Wort übrig hatte. Es war ja auch so etwas von ungerecht! Wenn ihre Gauklertruppe irgendwo eine Aufführung gab, wurden alle (ja auch er) bewundert. Viele Kinder träumten davon, heimlich davonzulaufen und sich ihnen anzuschließen. Sollten sie doch. ER würde alles dafür geben, jeden Tag im gleichen Dorf aufzuwachen und seiner geregelten Arbeit nachzugehen. Wogegen sich seine Eltern sträubten. Besonders jetzt, wo sich herausgestellt hatte, dass er wie sein Großvater magiebegabt war.

„Na Rahjan, versuchst Du den Göttern den Tag zu vermiesen?“ Großvater schwang sich neben ihm auf den Kutschbock und bewies damit mal wieder sein unglaubliches Gespür für den falschen Moment. „Immer noch sauer wegen des Streits?“ Rahjan nickte unglücklich. Großvater war jemand, der ihn immerhin manchmal verstand. Wenn er nicht vorzog, schlechte Witze zu reißen. „Weißt Du was, im letzten Dorf hat der Großbauer noch einen Knecht gesucht. Wenn Du willst, kehr um.“ Rahjan sah Großvater überrascht an. „Nun mach‘ schon. Ich regle das mit Deinen Eltern. Es soll niemand ein Leben führen, bei dem er so unglücklich ist.“

Rahjan merkte schnell dass er für diese Tätigkeit nicht geschaffen war. Geregeltes Leben bedeutete anscheinend von morgens bis abends zu schuften und am Praiostag in den Tempel zu gehen. Immer öfter ertappte sich der Junge bei Tagträumen während er heimlich mit Äpfeln jonglierte. Bis der Bauer ihn eines Tages anbrüllte, er solle verschwinden.
„Bestaunen Sie den großen Rahjan aus Drakonia, den Meister der magischen Künste!“ Nach der Vorstellung und mehrerer Zugaben rannte der junge Mann zurück in den Zirkuswagen. „Du hast das gewusst, gib es zu!“ Doch der alte Mann lächelte nur. Großvater war halt schon immer ein Schelm gewesen.
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