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Der fremde Planet

Kurzbeschreibung
GeschichteAllgemein / P12 / Gen
19.06.2015
14.10.2016
40
25.026
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Es war eine Mission. Eine Mission, welche den Fortbestand des ganzen Planeten gewährleisten sollte. Denn der Planet hatte nicht mehr lange zu leben. Die Menschen hatten ihn kaputt gemacht. Die Regenwälder waren schon lange zerstört, jeder Fleck Land war zubetoniert worden und vor einiger Zeit haben die Menschen sogar angefangen die Ozeane und Flüsse zu bebauen. Frische Luft gab es auf unserem Planeten nicht mehr. Wer durch das, was von der Natur übrig geblieben war, spazieren wollte, musste eine Gasmaske aufsetzen.

Die Umweltverschmutzung hatte einen Level erreicht, der das Leben – sowohl Mensch als auch Tier und Pflanze – außerhalb geschlossener Räume nicht mehr ermöglichte. Und das obwohl inzwischen jeder auf Elektroautos umgestiegen war. Dies lag allerdings vor allem daran, dass das komplette Spritvorkommen der Erde aufgebraucht war.

Obwohl die Menschheit so erfolgreich war, wenn es um die Zerstörung ihres Heimatplaneten ging, war die Technologie doch recht unerfolgreich, wenn es darum ging, weitere bewohnbare Planeten zu erreichen.

Eines Tages fanden Astronomen in der Nähe des Saturns ein Wurmloch. Niemand wusste, wo es so plötzlich herkam, es war einfach da. Durch dieses Wurmloch hatte die Menschheit nun die Möglichkeit eine andere Galaxie zu erreichen. Dass dort Planeten waren, konnten die klugen Gelehrten schnell herausfinden. Ob sie allerdings auch bewohnbar waren? Das war eine andere Frage.

Nun konnte man natürlich nicht einfach die gesamte Menschheit ins Ungewisse schicken, man konnte die Menschheit nicht einfach komplett durch dieses Wurmloch in eine fremde Galaxie schicken, bevor man überhaupt wusste, dass dort bewohnbare Planeten waren.

Daher wurden zehn mutige Astronauten durch das Wurmloch geschickt, um die Planeten in diesem weit entfernten Punkt des unendlichen Universums zu erforschen. Zehn Ein-Mann-Missionen sollten zehn verschiedene Planeten untersuchen.

Das war für diese Astronauten natürlich sehr heikel. Kamen sie auf einem unbewohnbaren Planeten an, würden sie niemals wieder zurückkommen. Würden sie aber einen bewohnbaren Planeten finden, sollten sie die Daten zurück zur Erde schicken und dann hoffen, dass weitere tapfere Pioniere folgen würden.

Die Reise dauerte zehn lange Jahre. Für jeden einzelnen Astronauten hieß es Abschied nehmen von jedem, den er kannte, denn die Chancen auf eine Rückkehr – das war ihnen allen bewusst – waren minimal. Den größten Teil der zehnjährigen Reise konnte man im Kaltschlaf verbringen.




Auch ich war einer dieser Pioniere. Von meinen Eltern fiel der Abschied nicht so schwer – sie waren alt und hätten eh nur noch ein bis zwei Jahre zu leben gehabt. Ich selber hatte keine weiteren Angehörigen, denen ich fehlen konnte. Also beschloss ich die Möglichkeit ein Held zu werden wahrzunehmen.

Nun war es endlich soweit. Ich erwachte planmäßig und konnte durch das Fenster den Planeten sehen. So vom optischen her sah er wirklich sehr gut aus, wie unsere gute alte Erde. Nun würde es sich also zeigen, ob ich tatsächlich die Rettung der Erde sein würde oder ob ich als namenloser Held auf einem unbewohnbaren Planeten sterben würde. Mein Raumschiff stellte sich so ein, dass es hier parkte, und stieg in eine Raumkapsel, in der ich meine Ausrüstung hatte: meine Funkausrüstung, Astronautennahrung für zwei Jahre, eine Forschungsstation und viele Instrumente, mit denen ich die Gegebenheiten des Planeten messen konnte.

So befand ich mich nun im Anflug auf den neuen Planeten, doch kaum hatte ich die Atmosphäre erreicht, streikten plötzlich alle Bordinstrumente. Damals wusste ich noch nicht, dass auf diesem Planeten völlig andere physikalische Gesetze galten als auf der Erde, und versuchte panisch den Flieger wieder in den Griff zu kriegen. Doch das gelang nicht. Die Schwerkraft funktionierte hier tadellos und meine Raumkapsel fiel nun wie ein Klotz durch die Luft. Ich befand mich im freien Fall auf den Planeten und um mich herum verglühte meine Kapsel in der Atmosphäre. Ich konnte durch die Fenster sehen, wie die Tragflächen abbrachen und hoffte noch, dass zumindest die Hülle die Reibung überstehen würde – auch wenn  mir das nichts gebracht hätte, einen derartigen Aufprall konnte man nicht überleben.

Dann verglühte um mich herum meine gesamte Raumkapsel mit meiner gesamten Ausrüstung. Das letzte, was ich vor meinem Tod verspürte, war Ärger. Ärger darüber, dass hier wahrscheinlich der perfekte Planet war und dass die Menschheit dies nun nie erfahren würde, weil ich Depp nicht richtig landen konnte. Wenn von mir keine Nachricht zur Erde kam, musste das Forschungsteam ja davon ausgehen, dass dieser Planet unbewohnbar war.

Damals wusste ich noch nicht, dass man auf diesem Planeten nicht sterben kann. Wie hätte ich auch darauf kommen sollen? Wer hatte den schon mal von einer Gegend gehört, in der man nicht sterben konnte?

Natürlich war ich dann auch sehr überrascht, als ich plötzlich spürte, dass ich mit intaktem Körper auf einem Boden lag. Wie konnte ein Mensch einen Sturz von 500 km quer durch alle Schichten der Atmosphäre ohne einen einzigen Kratzer überleben? Aber ich lebte eindeutig und spürte keine Verletzung.

Ich hörte Meeresrauschen, doch bevor ich die Augen öffnete, tastete ich über meinen Körper. Ich trug nicht mehr mein Astronautenoutfit. Ich trug mein T-Shirt, das ich unter dem Astronautenanzug getragen hatte, und meine Jeans. Angesehen von ein paar Löchern war meine Kleidung intakt. Nun setzte ich mich auf und schaute mich um.
Hinter mir schien ein großer Ozean zu sein, vor mir eine saftig-grüne Wiese. So grün müssen die Wiesen auf unserer Erde auch mal gewesen sein. Eine Wiese wie diese kannte ich nur aus Geschichtsbüchern. Was mir aber auch direkt auffiel: Die Bäume waren eckig! Die Stämme waren eckig und selbst die Blätter waren in Würfeln angeordnet. Ich kannte Bäume nur aus botanischen Gärten, aber ich war mir relativ sicher, dass freiwachsende Bäume früherer Zeiten auf der Erde anders ausgesehen hatten.

Selbst das Gelände war eckig, ich war auf einer kleinen Landzunge, rechts und links war Wasser, aber der Weg vom Wasser zu mir auf den Hügel verlief wie eine Treppe. Die Fläche hier war absolut gerade. Hätte ich eine Wasserwaage zur Hand gehabt, hätte ich wohl auch beweisen können, dass die Wiese hier komplett eben war.

Ich ging rechts zum Wasser herunter. Tatsächlich wandelte ich wie auf einer Treppe. Vorsichtig ging ich Stufe für Stufe hinab. Am Strand war Sand. Selbst der Sand gehorchte dieser seltsamen Würfelphysik. Ich hinterließ auch keine Fußspuren. Zwar fühlte der Sand sich angenehm weich an, aber er zeigte keine Veränderung, wenn ich über ihn lief. Auch hier musste ich Stufen hinab gehen.

Eine ebenso eckige Schatztruhe stand direkt am Wasser, beleuchtet von zwei Fackeln. Darin fand ich vier Holzstämme. Wie passten die bloß da rein? Sie waren ebenso eckig wie die Bäume und jeder einzelne war so groß wie die Truhe. Ich fand auch sechs Holzbretter, die waren ebenso groß, waren aber schon bearbeitetes Holz und kein Naturstamm mehr. Zudem waren in dieser scheinbar unendlichen Truhe noch zwei Stöcke, eine Holzspitzhacke und eine Holzaxt.
Das wichtigste aber waren zwei Laibe Brot. Diese wollte ich mir gut einteilen, denn sie waren das einzige Essen, das ich bisher gefunden habe, nachdem meine eigentliche Nahrung verglüht war. Als ich mich umdrehte, um meine Fundsachen zu begutachten, waren sie nicht mehr da!
 
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