Kälter als Eis

GeschichteDrama, Romanze / P18 Slash
Balto Boris Jenna Steele
17.06.2015
17.06.2015
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Dass es die perfekte Liebe oder den perfekten Partner nicht gibt, das war mir natürlich bewusst. In jeder Liebesbeziehung gibt es hin und wieder Meinungsverschiedenheiten und dementsprechend auch Streit. Natürlich war mir auch klar, dass es hin und wieder zu lautstarken Wortgefechten und Rangeleien kommen würde. Er war eben schon immer ziemlich impulsiv und aufbrausend gewesen und wenn ich ehrlich bin, war es genau das, was mir so an ihm gefiel. Ich habe wirklich alles für ihn gegeben, war so blindverliebt, so naiv und gutgläubig. Ich habe gedacht, dass diese Ausraster einfach zu ihm gehören und dass er das, was er mir im Streit an den Kopf warf, niemals ernst meinte. Viel zu spät habe ich erkannt, wie abweisend und kaltherzig er wirklich ist. Dass das einzige, was für ihn zählt, er selbst ist. Dass ich und meine Gefühle ihm komplett egal sind. Viel zu lange habe ich mir eingeredet, dass alles gut wird und wir irgendwann ein ganz normales, glückliches Paar sein werden. Zu lange habe ich seine Demütigungen ertragen und seine Ausraster und Übergriffe anderen gegenüber heruntergespielt. Zu spät bin ich aus meinem heilen Weltbild aufgewacht und habe versucht, die Sache zu beenden. Wenn ich nicht so verblendet und von Anfang an ehrlich zu mir selbst gewesen wäre, wäre es vermutlich niemals so weit gekommen. Aber ich war so unsterblich verliebt, dass ich einfach zu blind war, die Wahrheit zu erkennen. Ich habe mir ständig eingeredet, dass es besser wird, habe mir etwas vorgemacht. Habe mich selbst belogen. Nur, weil ich nicht wollte, dass meine scheinbar heile Welt zusammenbricht. Nur, weil ich mein Herz und meinen Verstand viel zu lange vor der Wahrheit verschlossen habe. Weil ich nicht gesehen habe, was er wirklich im Sinne hatte. Nur, weil ich blind war. Blind vor Liebe.
Doch alles auf Anfang: Noch bis vor kurzem war ich der glücklichste Wolfshund auf der ganzen Welt. Ich war gerade frisch verliebt und im wahrsten Sinne des Wortes beflügelt und übermannt von mir bisher unbekannten Gefühlen. Ich hatte zuvor noch nie erfahren dürfen, was es bedeutet, verliebt zu sein. Was es heißt, mit jemandem seine intimsten Gedanken zu teilen. Und plötzlich war Steele da. Steele, mein ehemaliger Rivale. Als er mir damals gesagt hat, dass sein feindseliges Verhalten mir gegenüber nur gespielt war und er in Wahrheit in mich verliebt ist, war ich anfangs ziemlich durcheinander. Aber schließlich habe ich mich nach langen Überlegungen dann doch dazu entschlossen, unserer Liebe eine Chance zu geben. Heute weiß ich natürlich, dass es ziemlich dumm von mir war, mich auf eine Beziehung mit meinem Rivalen einzulassen. Ich hätte wissen müssen, dass es mit uns beiden nicht gut gehen kann. Aber damals habe ich nicht darüber nachgedacht, meinen Verstand komplett abgeschaltet und mich auf ihn eingelassen. Die erste Zeit habe ich das auch keineswegs bereut. Wir waren frisch verliebt und unbeschwert glücklich. Er hat mich mit Geschenken und Komplimenten überhäuft und mir das Gefühl gegeben, gebraucht und geliebt zu werden. Mein Leben hatte einen neuen Sinn bekommen und ich verbrachte wirklich jede einzelne Minute mit ihm. Seine Nähe tat mir gut und ich habe mich ihm voll und ganz hingegeben. Habe meine Freundschaften vernachlässigt und war nur noch für ihn da. Und genau damit hatte er sein Ziel erreicht. Denn bereits kurze Zeit später kam es zum ersten Streit mit ihm. Alles was ich wollte, war ein bisschen in die Stadt zu gehen und etwas Zeit mit meinem besten Freund Boris zu verbringen. Doch er wollte mich nicht gehen lassen, hat unbedingt darauf bestanden, dass ich bei ihm bleibe. Das ganze ist dann in einem lautstarken Streit eskaliert und er hat mich zum ersten Mal seit unserer Zusammenkunft geschlagen. Es war zwar nur eine Ohrfeige, aber trotzdem tat es verdammt weh. Weniger körperlich, mehr seelisch. Ich konnte nicht begreifen, wie er mir das antun konnte. Natürlich hat er sich augenblicklich dafür entschuldigt und mir versprochen, dass so etwas niemals wieder vorkommen würde. In den darauffolgenden Wochen hat er mich dann als Wiedergutmachung mit Geschenken überhäuft und alles erdenkliche getan, um mich wieder um den Finger zu wickeln. Und ich habe ihm sein Schauspiel natürlich abgenommen. Kurze Zeit später gab es dann den zweiten großen Streit. Angeblich hat er gesehen, wie ich mit einem anderen geflirtet haben soll. Natürlich habe ich ihm versichert, dass das Quatsch ist und ich nur ihn allein liebe. Doch von da an hat er mich dann immer mehr eingeengt und mir jeglichen Freiraum geraubt. Und mit den Nettigkeiten war es ein für alle Mal vorbei. Er hat angefangen, mich einzusperren und zu fesseln. Seine körperlichen Übergriffe wurden schlimmer und es blieb nicht mehr nur bei Ohrfeigen. Er hat mich gekratzt und mit einer Peitsche solange geschlagen, bis ich geblutet habe. Dabei musste ich ihm immer wieder sagen, dass ich ihm gehöre und ihn niemals verlasse. Es schien ihm zu gefallen, mich derart zu quälen und zu misshandeln. Ich weiß gar nicht mehr wie, aber irgendwann ist es mir gelungen, zu flüchten. Das hat ihn natürlich erst recht in Rage versetzt und er hat mich verfolgt und bedroht.
Es tut auch heute noch weh, zu wissen, wie sehr ich mich in ihm getäuscht habe. Aber vermutlich stimmt es, was man sagt: Wenn man verliebt ist, ist man zu blind, die Wahrheit zu sehen. Mein Name ist Balto und dies ist die Geschichte meiner ersten großen Liebe, die sich mehr und mehr zu einem Alptraum entwickelte.
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