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Scorpion

GeschichteDrama, Freundschaft / P16 / Gen
Asuna Kirito Leafa Sinon Yui
16.06.2015
20.09.2015
30
38.159
18
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17.09.2015 1.336
 
Zwei Wochen später…

Nach dem Vorfall im Haus der Kirigayas war Suguha umgehend ins Krankenhaus gebracht. Sie wurde noch am selben Abend operiert und nach ein paar Tagen auf der Intensivstation war sie in ein normales Krankenzimmer verlegt worden. Die Ärzte meinten, sie müsse in nächster Zeit viel liegen, damit die Wunde ordentlich verheilen kann. Suguha hielt sich meistens dran und nutzte die Zeit im Bett zum Ausschlafen. Oft solange, dass sie erst kurz nach Mittag aufwachte.
In den zwei Wochen war Kazuto noch kein einziges Mal zu Besuch gewesen. Sie machte sich Sorgen und teilte das auch ihrer Mutter mit, die sie jeden Tag besuchen kam.
„Wie geht es Kazuto?“, fragte sie, ohne ihre Enttäuschung über seine Nicht-Besuche zu verbergen.
„Es geht ihm gut.“, log ihre Mutter. Suguha las in ihrem Gesicht, dass sie sich Sorgen um ihn machte.
Midori sah die strenge Miene ihrer Tochter, die sie genau beobachtete. Sie lächelte mild angesichts ihrer gescheiterten Lüge.
„Es…“, begann sie langsam. „Es geht ihm nicht besonders. Er spricht nicht viel, zieht sich den ganzen Tag in sein Zimmer zurück. Nicht einmal mit seinen Freunden redet er.“
„Was ist mit Asuna?“
„Vor zwei Tagen kam sie vorbei und wollte mit ihm sprechen, aber er ließ sie einfach vor seiner Zimmertür stehen. Sie sagte, er würde auch nicht auf ihre Anrufe reagieren.“, Midoris Augen wurden feucht. „Es ist, als wäre er wieder der Kazuto, der vor kurzem seine Eltern verloren hat. Damals war er genauso. Er hat sich zurückgezogen, hat kaum gesprochen und sich wohl nur in Online-Spielen wohlgefühlt.“
„Vielleicht ist er ja viel in ALO unterwegs.“, vermutete Suguha.
Midori schüttelte den Kopf.
„Laut Asuna ist er die letzten zwei Wochen nicht ein einziges Mal am Spielen gewesen. Sie sagte, sie habe gemeinsam mit euren Freunden online auf ihn gewartet, aber er ist kein einziges Mal aufgetaucht.“
Der traurige Blick ihrer Mutter bereitete Suguha nur noch mehr Sorgen. Sie versuchte, ihre Mutter aufzumuntern.
„Es geht ihm sicher gut, Mama.“
Sie lächelte ihre Mutter so glaubwürdig an, wie es ihr in diesem Moment möglich war, denn sie selbst machte sich nun noch mehr Sorgen. Es würde noch einige Zeit dauern, bis sie das Krankenhaus verlassen dürfte und somit dauerte es auch, bis sie Kazuto wiedersehen würde.
Midori wischte sich die Tränen aus den Augen.
„Du hast Recht. Es geht ihm bestimmt gut.“, sie stand auf und griff nach ihrer Tasche. „Also dann, mein Schatz, es ist spät. Ich werde nach Hause gehen.“
Sie gab Suguha einen Kuss auf die Stirn.
„Sag meinem Bruder, dass es mir gut geht.“, bat Suguha.
„Das werde ich. Ich komme morgen wieder vorbei.“
„Okay.“
Mit einem Lächeln verließ Midori das Krankenzimmer und ließ Suguha im Bett zurück. Diese blickte aus dem Fenster in die Abenddämmerung. Der Horizont war in ein orangerotes Licht getaucht und warf einen riesigen Schatten auf die Häuser.
„Ach, Bruder…“


Kazuto saß indes in seinem Zimmer auf dem Schreibtischstuhl und starrte die Stelle an, an der der tote Angreifer gelegen hatte. Je länger er auf die Stelle starrte, desto klarer wurde das Bild von ihm. Die zerzausten Haare, die dicken Augenringe und das Messer. Das Messer, das tief in seiner Brust steckte. Jenes Messer, das ihm Suguha mehrmals in den Körper gerammt hatte, bevor Kazuto sie wegziehen konnte. Kazutos Blick wanderte zur Wand, an der er mit Suguha gelegen und an der sie in seinen Pullover geweint hatte, bis sie wegen ihrer Bauchverletzung bewusstlos wurde. Er konnte noch überall das Blut sehen. An der Wand, auf der Brust des Angreifers, auf Suguhas Jacke und an seinen Händen. Diese hoben sich fast wie von selbst und er starrte mit aufgerissenen Augen darauf. An den Fingerspitzen erschienen kleine Schlitze, ganz so, als ob er sich geschnitten hätte. Blut floss aus den Wunden und lief an seiner Hand herunter. In den Handflächen kräuselten sich die Blutlinien und bildeten Buchstaben. Während auf der linken Hand der Wortteil ‚Mör‘ zu sehen waren, bildete sich auf der rechten Handfläche der Wortteil ‚der‘. Mörder. Ja, das war er. Er wusste nicht wieso, aber er akzeptierte es einfach. Er schaute sich im Zimmer um. Alles war ganz normal. Schnell blickte er wieder auf seine Hände. Das Blut war verschwunden und seine Hände unverletzt. Der Schweiß rann ihm von der Stirn und er begann zu hyperventilieren. Krampfhaft hielt er sich an den Stuhllehnen fest und drückte seinen Oberkörper in die Rückenlehne. Er atmete hektisch. Gepackt von blanker Panik schrie er so laut, dass man ihn draußen gehört haben musste. Immer weiter und immer lauter schrie er. Wie ferngesteuert wurde sein Kopf von seinen Händen gepackt. Er riss den Kopf zurück und schrie wie von Schmerzen geplagt. Er rutschte vom Stuhl und knallte auf den Boden, wo er sich zu winden begann. Die Hände stets am Kopf behalten und feste zugreifend rollte er sich über den Boden. Bilder von toten Spielern aus SAO wie Kuradeel oder Sachi erschienen vor seinem geistigen Auge. Die Opfer von Death Gun folgten. Sie alle schwirrten in seinem Kopf.
„Mörder! Mörder! Mörder!“
Kazuto schrie lauter.
„Mörder! Mörder!! MÖRDER!!!“
Er riss die Augen auf und sah die stark verschwommene Zimmerdecke. Sein Kopf schmerzte. Er fühlte sich an, als würde jemand immer wieder mit einer Nadel hineinstechen. Sein Körper begann zu verkrampfen. Mit getrübtem Blick konnte er eine dunkle Silhouette durch die Tür und auf ihn zukommen sehen. Panisch robbte er nach hinten und streckte die Hände verteidigend nach vorne.
„NEIN! NEIN! WEG! WEEEG!!“, brüllte er und fuchtelte mit den Armen herum.
Er hörte jemanden rufen, doch verstand nicht, was es war.
Er fuchtelte mit den Händen herum um die Silhouette auf Abstand zu halten, die ihn immer wieder zu greifen versuchte. Dabei schrie er noch lauter, in der Hoffnung, dass das Geschrei den Schatten verjagte. Dies war nicht der Fall.
„Kazuto!“, hörte er jemanden undeutlich seinen Namen sagen. „Kazuto!“
Ruckartig hörte er mit dem Armfuchteln auf und verharrte regungslos am Boden. Er starrte den Schatten an, der deutlicher zu werden schien, je mehr er sich beruhigte.
„Kazuto!“, hörte er wieder. Es war eine Frauenstimme.
Sein Blick wurde klarer und er erkannte seine Tante und Ziehmutter.
„Kazuto! Hörst du mich?“
Er starrte entgeistert in ihr Gesicht. Midori kniete sich langsam neben ihm und streichelte sanft seine Wange.
„Kazuto, ich bin es.“, versuchte sie ihn zu beruhigen. „Ich bin da, ganz ruhig.“
Sein Atem wurde ruhiger und der panische Blick wich der Verängstigung. Er blickte sich hektisch umher und setzte sich langsam auf. Mit dem Gesäß voran rutschte er zur Bettkante und kauerte sich dort hin. Midori folgte ihm auf Knien und setzte sich neben ihm. Sie legte ihren Arm um seine Schultern und zog ihn zu sich heran. Kazuto legte seinen Kopf auf ihre Brust und begann zu weinen.
„Ist gut, Kazuto.“, beruhigte sie ihn, während sie seinen Kopf streichelte. „Es ist alles gut.“
„Su-Su-Su-Suguha…i-ich bin…si-sie ist…“, stammelte er unter Tränen.
„Suguha geht es schon viel besser.“, beruhigte sie ihn weiter. „Die Ärzte sagen, wenn es so weitergeht, darf sie vielleicht schon Ende nächster Woche das Krankenhaus verlassen.“
„I-Ich bin…“
„Du trägst keine Schuld an ihrer Verletzung, Kazuto.“
Diesen Satz hatte sie in den letzten Tagen so oft gesagt, dass es ihr fast schon normal vorkam. Sie machte sich große Sorgen um ihn. Vor einigen Tagen hatten diese Anfälle begonnen und wurden mit jedem Mal schlimmer. Sie saßen noch einige Minuten am Rand des Bettes. Als Midori feststellte, dass Kazuto eingeschlafen war, hievte sie ihn auf das Bett, wo sie ihn zudeckte und alleine ließ.
Bevor sie das Zimmer verließ, blickte sie noch einmal traurig auf den schlafenden Kazuto. Sie wusste sich nicht mehr zu helfen.
Leise schloss sie die Tür, ging hinunter ins Wohnzimmer, griff nach dem Telefon und wählte die Nummer auf einer Visitenkarte, die neben dem Telefon lag. Es dauerte eine Weile, doch schließlich nahm jemand ab.
„Herr Kikouka, hier spricht Midori Kirigaya. Ich denke, es wird Zeit.“

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Soo, am Sonntag gibt es einen Doppelupload. Dies sind dann leider die letzten zwei Kapitel.
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