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Scorpion

GeschichteDrama, Freundschaft / P16 / Gen
Asuna Kirito Leafa Sinon Yui
16.06.2015
20.09.2015
30
38.159
18
Alle Kapitel
50 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
10.09.2015 1.674
 
Ich konnte nicht abwarten und musste das Kapitel einfach schon jetzt hochladen :)
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Als Asunas Bericht endete, griff sich Kirito mit der Hand ans Kinn.
„Ihr scheint hier ja auch viel erlebt zu haben.“, stellte er fest. „Wo ist Suguha jetzt?“
„Wie schon gesagt, die anderen suchen sie gerade. Als ich deine Nachricht bekam, habe ich sofort nach ihr geschaut. Zuerst war sie noch online, aber schon kurz darauf war sie wieder verschwunden.“, antwortete Asuna ihm.
„Ich habe Suguha ebenfalls eine Nachricht geschrieben.“, Kirito schoss seine eigene Nachricht durch den Kopf. „Oh nein, sie will sich doch nicht etwa mit Scorpion anlegen.“
Schnell rutschte er aus dem Bett und öffnete das Menü. Gerade fuhr er mit dem Finger über den Logout-Button, als die Schlafzimmertür aufsprang und der Suchtrupp in Person von Silica, Lisbeth, Agil, Klein und Sinon hereinstolperte.
„Kirito!“
Sie stürmten auf ihn zu, allen voran Klein. Überrascht und reflexartig machte Kirito einen Schritt zurück und ließ Klein vorbeifliegend, der mit dem Gesicht voran gegen die Schlafzimmerwand segelte. Mit schmerzendem Gesicht glitt er langsam an ihr herunter.
„Ich freue mich, euch zu sehen.“, sagte er grinsend.
„Seit wann bist du wieder wach?“, fragte Silica erfreut.
„Seit etwa zehn Minuten.“
„Echt? Dann bist du ja ungefähr zur selben Zeit aufgewacht, als wir den Boss besiegt haben oder er sich vielmehr selber besiegt hat.“, sagte Lisbeth.
„Boss? Welcher Boss? Und was meinst du mit ‚selber besiegt‘?“, fragte er verwirrt.
„Der Boss von Ebene neunundzwanzig.“
„Was? Ihr habt den Boss nochmal herausgefordert? Aber warum?“
„Es war Leafas Idee.“, meldete sich Silica, die sich inzwischen zu Yui auf das Bett gesetzt hatte. „Sie wollte diesen Scorpion noch einmal herausfordern und herausfinden, was er mit dir gemacht hat. Als wir sie schließlich eingeholt haben, sind wir zusammen in den Boss-Raum gegangen und haben ihn bekämpft.“
„Aber als wir ihn in den roten Bereich gedrängt haben“, fuhr Lisbeth fort. „Erschien eine Fehlermeldung und-“
„Was für eine Fehlermeldung?“, unterbrach Kirito sie.
„Äh, wie war das nochmal?“
„‘Skriptfehler – Skript nicht gefunden. Programm wird beendet.‘“, antwortete Klein für sie, während er sich seine Nase rieb.
„Was?“, fragte Kirito geschockt.
„Was hast du, Kirito?“, fragte Asuna beunruhigt.
„Ich habe dieselbe Fehlermeldung gesehen, kurz bevor ich aufgewacht bin.“
Die anderen blickten ihn überrascht an.
„Und was heißt das?“, fragte Sinon nach.
„Das heißt, dass in dem Moment ein neues Skript hätte beginnen müssen.“, antwortete auf einmal Yui. „Es wurde aber keines gefunden, deswegen wurde das Programm vom System beendet. Es scheint ganz so, als hätte jemand ein anderes Programm an dieser Stelle des Spiels eingefügt.“
„Also ein Hacker?“, hakte Agil nach.
„Ja, so scheint es.“, bestätigte sie. „Aber offensichtlich wurde das Programm immer wieder verschoben, damit Cardinal es nicht findet. Doch dieses Mal ist es nicht verschoben worden. Offenbar war derjenige, der das Programm eingeschleust hat, nicht imstande, es zu verschieben, weshalb Cardinal den Fehler finden und beseitigen konnte. Das heißt also, dass der Boss-Raum nun ganz normal zu bewältigen sein dürfte.“
„Und was ist mit Kiritos Fehlermeldung?“, hakte Asuna bei ihrer Ingame-Tochter nach.
„Diese beiden Dinge dürften im direkten Zusammenhang zu einander stehen. Vermutlich ist der Hacker gerade nicht an seinem Computer.“, vermutete Kirito und mit einem Blick zu Yui versicherte er sich, dass er mit seiner Annahme richtig lag.
„Moment mal!“, meldete sich Lisbeth. „Leafa meinte, sie müsse schnell nach Hause, weil du ihr geschrieben hast, dass sich dieser Scorpion auf dem Weg zu euch befindet. Heißt das dann nicht-“
„Oh, verdammt! Suguha ist in Gefahr! Ich muss sofort los!“
Und ohne ein weiteres Wort, öffnete er erneut sein Menü und betätigte den Logout-Button. Seine Freunde verschwanden und kurz darauf erblickte er seine Zimmerdecke.
Er brauchte einen kurzen Moment, nahm dann aber das NerveGear ab und setzte sich auf. Im selben Augenblick sah er zwei Personen in einer Ecke seines Zimmers. Eine davon war Suguha und sie lag am Boden. Offenbar war sie bewusstlos. Ein großgewachsener Mann kroch im selben Moment zu ihr - mit einem Dolch in der Hand. Er überlegte nicht lange, was die beiden in seinem Zimmer machten. Blitzschnell sprang er aus dem Bett. Aus dem Augenwinkel konnte er ein Holzschwert erkennen und war sich sicher, dass es Suguha gehörte. Er packte es mit beiden Händen und machte einen großen Schritt auf den Mann zu.
„Hey, du Mistkerl, Finger weg-“, er schleuderte das Schwert herum. „-von meiner Schwester!“
Das Gesicht des Mannes hatte sich gerade zu ihm umgedreht, als ihn das Holzschwert mitten im Gesicht traf. Jaulend und blutend wurde der Angreifer nach hinten geschleudert und knallte mit dem Kopf gegen den Schreibtisch. Das Messer flog dabei in hohem Bogen davon und landete irgendwo auf diesem.
Da der Mann zusammensackte, wandte sich Kazuto um, legte das Schwert beiseite und schüttelte Suguha. Erst jetzt sah er ihre schlimmen Verletzungen und das Blut, dass ihre Kleidung rot gefärbt hatte und nun langsam eine Pfütze auf dem Boden hinterließ.
„Oh Gott, bitte nicht.“, hauchte er. Vorsichtig schüttelte er sie. „Sugu, wach auf, bitte wach auf.“
Sie öffnete leicht die Augen, schien ihn aber nicht zu verstehen.
„Sugu, hörst du mich? Kannst du mich hören? Bleib ruhig liegen, ich werde Hilfe holen und etwas zum Verbinden. Bleib ganz ruhig hier liegen. Ich bin gleich wieder da.“
Etwas rührte sich hinter ihm.
„Du wirst niemanden holen, Kirito!“
Der Mann war schon wieder bei Bewusstsein, hatte sich das Messer wiedergeholt und wollte Kazuto nun damit erstechen. Dieser konnte gerade eben noch das Holzschwert greifen und es über seinen Kopf heben. Das gesamte Gewicht des Mannes kam ihm entgegen und drückte ihn zu Boden. Das Messer hielt er verkehrt herum, sodass die Dolchspitze zu Kazuto zeigte. Dieser hatte mit dem Schwert den Unterarm des Mannes geblockt. Mit der einen Hand hielt er den Schwertgriff fest und mit der anderen drückte er gegen das Schwertende. Er selber lag auf dem Boden und versuchte, die Dolchspitze von seinem Gesicht fernzuhalten.
„Ich werde dich umbringen, Kirito, für alles, was du mir angetan hast.“, grinste der Mann.
„Ich habe keine Ahnung, wer sie sind.“, entgegnete ihm Kazuto mühsam, während er ihn auf Abstand hielt. „Und ich lasse mich garantiert nicht umbringen.“
Günstiger weise hatte sich der Mann so über ihn gebeugt, dass ihm Kazuto zwischen die Beine treten konnte. Er zog ein Bein so kräftig wie möglich nach oben und trat seinem Widersacher in die Weichteile. Dieser schrie auf und fiel jaulend zur Seite, wobei er sich mit beiden Händen in den Schritt fasste. Das Messer hatte er zuvor wieder losgelassen und es lag nun direkt neben Kazuto Kopf. Der rappelte sich aber auf und schlug mit dem Schwert auf ihn ein. Der Mann wusste nicht, was er zuerst schützen sollte und rollte sich mehrmals von ihm weg. Kazuto schlug immer weiter auf ihn ein bis sich der Mann nicht mehr rührte. Das dauernde Schlagen hatte an seinen Kräften gezerrt und ließ ihn nun hastig atmen. Vorsichtig beugte er sich zum Mann hinunter. Er wollte seinen Puls überprüfen. Er setzte Zeige- und Mittelfinger an der Halsschlagader an und fühlte den Puls. Der Mann lebte noch.
Plötzlich drehte dieser sich herum, ergriff Kazutos Arm und zog ihn über sich hinweg. Kazuto flog in hohem Bogen über ihn und landete mit dem Nacken voran auf dem Bett. Seine Füße schlugen hart gegen die Wand. Er drehte sich auf dem Bett und wollte aufstehen, doch der Angreifer war schon auf den Beinen. Mit beiden Händen packte er ihn am Hals und drückte ihn an die Wand. Kazuto knallte mit dem Kopf gegen die Wand und merkte sofort, wie ihm die Luftröhre zugedrückt wurde und er keine Luft mehr bekam. Mit keuchenden Lauten und wild mit den Arm fuchtelnd versuchte er den Angreifer loszuwerden, doch die Arme des Mannes waren zu lang, sodass er den Kopf nicht erreichen konnte. Schläge auf die Arme waren wirkungslos. Langsam schwanden seine Kräfte und seine Sicht begann zu verschwimmen. Das ist wohl mein Ende, dachte er.
„Wuaaaargh!!!“, schrie sein Widersacher ohrenbetäubend auf. Er ließ von Kazuto ab und wich zurück. Der hustete und schaute nach der Ursache für seine Rettung um. Der Mann fasste sich mit einer Hand an den Rücken. Hinter ihm stand Suguha, die mit kreideweißem Gesicht das blutige Messer in der Hand hielt. Der Mann fiel auf die Knie. Sie nutzte die Gelegenheit und trat ihm in die Seite. Vor Schmerzen schreiend fiel er auf den Rücken. Suguha stürzte sich auf ihn und stach ihm mit dem Messer in die Brust.
„Wuaaah!“, das Mädchen schrie laut, während sie immer wieder zustach. Das Blut spritzte ihr ins Gesicht und auf ihre Kleidung.
„Sugu, nicht!“, schrie Kirito so gut er konnte und eilte zu den beiden. Er packte seine Schwester und riss sie von dem Mann herunter. Er landete mit dem Gesäß voran auf dem Boden und hielt seine Schwester festumklammert. Durch den Schwung glitten sie bis zur Wand, gegen die Kazuto mit dem Rücken stieß.
Sie schrie weiterhin, allerdings war aus dem wilden Geschreie ein klagendes Weinen geworden. Sie heulte in sein T-Shirt. Nachdem er durchgeatmet hatte, dabei aber nie den Mann aus den Augen gelassen hatte, streichelte er der immer noch weinenden Suguha sanft über die Haare.
„Es ist vorbei, Sugu.“, versuchte er sie und sich selbst zu beruhigen. „Es ist vorbei.“
Er blickte zu dem regungslos daliegenden Mann. Dessen Augen waren weit aufgerissen und starrten in Richtung Decke. Das Messer steckte in seiner Brust und nur der Griff war noch zu sehen.
Er war tot.
„Es ist endlich vorbei.“, sagte er nochmals, als ob er sich einreden müsste und tatsächlich half es ein wenig.
Er schaute zu Suguha hinunter. Sie weinte nicht mehr, aber sie rührte sich auch nicht.
„Sugu?“
Er schüttelte sie sachte.
„Sugu? Oh nein, bitte nicht. Bitte stirb nicht.“
Langsam legte er sie auf die Seite und kontrollierte Atmung und Puls. Beides war noch vorhanden, aber schwach.
„Sugu! Wach auf!“, rief er und Tränen liefen ihm über das Gesicht. „Ich lasse dich nicht sterben.“
Er eilte zu seinem Schreibtisch, griff nach seinem Handy und tippte mit stark zitternden blutenden Händen die Notrufnummer ein.
Der Wählton erklang.
„Notrufzentrale.“
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