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Scorpion

GeschichteDrama, Freundschaft / P16 / Gen
Asuna Kirito Leafa Sinon Yui
16.06.2015
20.09.2015
30
38.159
18
Alle Kapitel
50 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
07.09.2015 1.720
 
Diesmal ein längeres Kapitel, deshalb kommt das nächste Kapitel erst am Freitag. Trotzdem viel Spaß beim Lesen :)
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Suguha öffnete die Augen und blickte direkt auf das Poster von ALO. Sie riss sich die Brille vom Kopf, sprang vom Bett und eilte zu ihrem Holzschwert. Rasch zog sie es aus dessen Tasche, drehte sich zur Tür und hielt das Schwert vor sich, bereit einen Angriff abzuwehren oder selber zu starten.
Sie lauschte.
Jedes Geräusch versuchte sie wahrzunehmen. Sie schloss die Augen und versuchte ruhig zu atmen. Ihr Puls raste und das Pochen ihres Herzens konnte sie klar und deutlich in ihrem Kopf hören.
Die Geräusche um sie herum schienen klarer zu werden und sie nahm jedes Geräusch deutlich wahr.
Ein Vogel, der unten im Hof vor sich hinpiepste.
Die Zimmeruhr, die tickend die Sekunden zählte.
Das leise Knatschen der Diele, als jemand im Flur umherging. Ein Knatschen, dache Suguha, aber Mama ist doch gar nicht da und Kazuto ist doch noch in ALO. Ihr Adrenalinspiegel stieg. Das musste dieser Scorpion sein. Sie lauschte weiter.
Wieder das Knatschen.
Dann eine kurze Pause.
Ein leises Klicken, als ob eine Türklinke betätigt wird.
Dann wieder ein Knatschen.
Die Geräusche wurden lauter.
Er sucht nach mir, schoss es Suguha durch den Kopf. Sie hatte noch immer die Augen geschlossen und lauschte weiter.
Pause.
Wieder ein Klicken.
Knatschen.
Die Geräusche waren jetzt nahe.
Pause.
Klicken.
Das leise Quietschen einer sich öffnenden Tür.
Dann fiel die Tür ins Schloss und es war still.
Schweiß rann ihr von der Stirn am Gesicht hinunter. Sie öffnete langsam die Augen, bereit sich sofort zu verteidigen.
Sie sah – nichts. Niemand stand in ihrem Zimmer oder in dessen Tür. Sie entspannte sich etwas. Aber wo war er dann.
Kazutos Nachricht schoss ihr durch den Kopf. Gleich darauf folgte eine böse Ahnung. War es vielleicht möglich, dass nicht sie das Ziel war, sondern ihr Bruder?
„Oh nein.“
Sie eilte zur Tür und riss sie auf. Niemand war zu sehen. Sofort spurtete sie zu Kazutos Zimmer. Fast angekommen, sah sie, dass die Tür geschlossen war. Sie packte mit der freien Hand die Türklinke, drückte sie herunter und stürmte ins Zimmer. Ihr Schwert positionierte sie sofort vor sich.
Dort war er. Ein großgewachsener Mann beugte sich gerade über den im Bett liegenden Kazuto. In der Hand hielt er einen langen Gegenstand aus Metall. Erst auf den zweiten Blick erkannte sie, dass es ein Dolch war. Als er Suguha sah, ließ er von Kazuto ab und wandte sich ihr zu.
„Verdammt.“, fluchte er zähneknirschend.
Sein Gesicht war dünn und er hatte eingefallene Wangen sowie dicke Augenringe. Offensichtlich hatte er in letzter Zeit nicht viel geschlafen. Er trug lange Haare, die unterschiedlich lang gewachsen und ungepflegt waren. Sein Vollbart passte in keiner Weise zu seinem Gesicht und ein silberner Ohrring blinkte an seinem rechten Ohr. Seine Kleidung war dunkel und schien wahllos zusammengeworfen. Alles in allem machte er einen sehr verlebten Eindruck, ganz so, als sei er tagelang durch Wälder marschiert.
„Wer bist du?“, schrie Suguha ihn an. „Was willst du hier?“
„Ganz ruhig, Kleines.“, begann er leise und hob dabei seine Hände auf Brusthöhe.
Er hatte schwarze Handschuhe an. In der einen Hand hielt er den Dolch, während die andere leer war. Seine Stimme war für einen Mann ungewöhnlich hoch, wenn auch nicht feminin.
„Dein Bruder hier und ich haben noch eine Rechnung zu begleichen.“
„Woher weißt du, dass er mein Bruder ist?“, fragte Suguha mit entschlossenem Blick. Der Schweiß lief immer noch am ihrem Gesicht herunter.
„Ich weiß so einiges über deinen Bruder und dich.“, grinste er. „Ich weiß zum Beispiel, dass du in ALO eine Sylphe spielst mit dem Namen Leafa und dort eine begabte Schwertkämpferin bist. Und so wie es aussieht, scheinst du auch im realen Leben ein Schwert führen zu können.“
Sein Blick verharrte kurz auf ihrem Holzschwert.
„Hör zu, Kleine. Ich will dir nichts tun. Diese Angelegenheit, die zu klären ist, geht lediglich deinen Bruder und mich etwas an. Wenn du jetzt gehst, werde ich dir auch nichts tun – versprochen.“
Ein irres Grinsen huschte über sein Gesicht. Suguha war ohnehin klar, dass er log, aber sie würde ihren Bruder auf keinen Fall sterben lassen.
„Hast du gehört, Kleine?“
Sie umschloss das Schwert noch kräftiger.
„Ich werde nicht zulassen, dass du meinem Bruder etwas antust. Ich werde ihn vor dir beschützen.“
„Lass es lieber.“
Sie stürmte los, hob ihr Schwert an und schwang es nach unten. Der Mann wich aus und einige Meter zurück.
„Oh, Kleines, das ist nicht gut.“, sprach er mit gespielt traurigem Ton, während er Suguhas Schlägen auswich.
„Ich hatte gehofft, dich nicht töten zu müssen.“
„Hör auf zu lügen!“, schrie sie und attackierte ihn weiter.
Er drehte seinen Körper und ließ Suguha an sich vorbeistürmen. Als sie es bemerkte, blickte sie zu ihm zurück. Breit grinsend schleuderte er seinen Dolcharm und verletzte sie am Arm.
„Aaah!“
Sie wich zurück, blieb aber aufmerksam. Das Schwert hielt sie weiterhin vor sich. Schwitzend und stark atmend spürte sie die pochende Wunde. Ein langer Schnitt verlief über ihrem Oberarm
„Tut mir leid, aber du wolltest nicht hören.“
Der Blick des Mannes war erfüllt mit Freude. Es schien ihm nur recht zu sein, dass sie ihn angegriffen hatte. Suguha wich zurück.
„Ich muss dich jetzt beseitigen. Ich kann keine Zeugen gebrauchen-“
Suguha stieß mit dem Fuß gegen die Wand. Sie war in die Enge getrieben. Jetzt blieb ihr nichts anderes übrig als anzugreifen. Sie machte einen großen Schritt nach vorne, hob erneut ihr Schwert und schmetterte es auf ihren Gegner. Doch der Angriff kam nie an. Stattdessen hob der Mann seine leere Hand und packte ihr Schwert, kurz bevor es seinen Kopf traf. Suguha versuchte es freizubekommen, doch die Kraft des Mannes war unglaublich. Ihr Schwert rührte sich nicht mal einen Millimeter. Sie bekam es mit der Angst zu tun. Scheinbar mit Leichtigkeit hob er den Arm an und somit ihr Schwert. Aufgrund seiner Größe streckten sich Suguhas Arme und Körper, da sie ihr Schwert noch immer fest umklammert hielt. Durch ihre Arme sah sie, wie er mit der Dolchhand ausholte. Wie in eine Starre verfallen konnte sie nicht loslassen.
„-und du bist leider eine Zeugin.“
Der Schmerz war unerträglich. Es brannte und schmerzte höllisch. So sehr, dass sie nicht mal imstande war zu schreien. Ihr Griff lockerte sich. Alles schien wie in Zeitlupe abzulaufen. Sie konnte den verrückten, freudigen Gesichtsausdruck des Mannes sehen und wie er in gebeugter Haltung dastand. Er sah ihr nach, während sie zu Boden fiel. Nach einer Ewigkeit spürte sie den harten Holzboden. Krachend fiel sie zu Boden. Mit dem Rücken an der Wand lag sie dort und hielt sich die klaffende Wunde am Bauch so gut es ging zu. Sie weinte vor Schmerz.
„Was für eine Tragödie.“, schauspielerte er theatralisch. „Die kleine Schwester versucht ihren Bruder zu retten und lässt dabei ihr eigenes Leben. Was für eine Ironie, findest du nicht auch?“
Er schmiss das Holzschwert hinter sich, ging zu Suguha und beugte sich zu ihr hinunter. Mit der Dolchspitze fuhr er ihr über das Gesicht. Sie hatte Todesangst und weinte.
„Ssch, ssch, ssch, keine Sorge.“, sagte er beruhigend, wobei der Wahnsinn in seiner Stimme die Oberhand hatte. „Ich töte dich noch nicht. Erst einmal werden wir beide etwas Spaß miteinander haben…ehehehe.“
Er führte die Dolchspitze an ihrem Hals vorbei zur Brust, wo er einen Moment lang zwischen ihren Brüsten innehielt.
„Eigentlich eine Schande.“, meinte er, wobei er sich mit der Zunge schmatzend die Lippen befeuchtete.
Suguha blickte ihn panisch und mit weit aufgerissenen Augen an. Er bemerkte den Blick.
„Oh, da brauchst keine Angst haben. Das interessiert mich nicht wirklich.“, erklärte er ihr ruhig.
Er nahm das Messer weg und schaute sie an.
„Du hast Angst, richtig? Hätte ich auch.“
„W-Waru-?“
„Du fragst ‚warum‘? Ganz einfach.“, er deutete mit dem Dolch auf Kazuto. „Dein Bruder dort hat vor vier Jahren dafür gesorgt, dass eine wunderbare Welt zerstört worden ist. Eine Welt, in der ich mich mit Gleichgesinnten zusammengetan hatte und in der wir gefürchtet waren für unsere Taten. Dieses Gefühl war so herrlich, aber dein missratener Bruder musste alles kaputt machen. Alles, was ich mir damals aufgebaut hatte, war auf einmal verschwunden. Für immer verschwunden.“
Seine Stimme überschlug sich und er begann irre zu kichern.
„Und dann vor etwa einem Jahr hat er es wieder getan. Wieder hat er sich mir in den Weg gestellt und wieder hat er eine Welt zerstört, in der ich berühmt war und für mein Können gefürchtet wurde.“
Sein Blick wurde glasig und er schien in Erinnerungen zu schwelgen. Suguha wollte die Gelegenheit nutzen. Möglichst unbemerkt bleibend rappelte sie sich ganz langsam auf. Da der Mann inzwischen mit dem Boden zu sprechen schien, konnte sie sich aufsetzen. Mit einer Hand drückte sie weiterhin auf die Wunde am Bauch, während sie sich mit der anderen abstützte. Sie musste den richtigen Moment abwarten und dann schnell handeln. Da der Mann während seines Selbstgesprächs auch mit den Händen gestikulierte, wartete sie den richtigen Moment. Als dieser gekommen und der Arm mit dem Dolch etwas weiter vom Körper des Mannes weg war, stürzte sie sich auf ihn, umklammerte seinen Arm und biss hinein.
„Aauuu!“
Vor Schmerz ließ er das Messer fallen. Er wollte sich befreien, doch Suguha hielt und biss sich fest. Sie rangen am Boden, bis Suguha das Messer erblickte. Sie ließ die Wunde am Bauch los und griff mit der blutverschmierten Hand danach. Kurz berührte sie den Griff, spürte aber im selben Moment einen gewaltigen Ruck am Kopf. Der Mann hatte ihre Haare mit der freien Hand gepackt und zurückgezogen. Da sie sich nicht festbeißen konnte, wurde ihr Kopf gewaltsam zurückgerissen.
„Aaah“, schrie sie.
„Du kleines Biest!“, zischte er.
Der Mann hielt sie an den Haaren gepackt, befreite seinen anderen Arm, holte in weitem Bogen aus und schlug ihr mit der Handfläche ins Gesicht. So fest, dass Suguha zur Seite fiel und mit dem Kopf gegen die Wand knallte. Sofort verschwamm alles vor ihren Augen. Wie unter Wasser sah sie den Mann nach etwas greifen und sie wusste, dass es nur das Messer sein konnte. Seine Silhouette bewegte sich langsam auf sie zu. Gedämpft nahm sie seine Stimme war.
„Das wirst du mir büßen!“, dröhnte die dumpfe Stimme in ihrem Kopf. Sie sah ihn noch verschwommen über sich und wie er mit dem Dolch ausholte, dann verlor sie das Bewusstsein.
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