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Scorpion

GeschichteDrama, Freundschaft / P16 / Gen
Asuna Kirito Leafa Sinon Yui
16.06.2015
20.09.2015
30
38.159
18
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13.08.2015 1.422
 
Von den Geschehnissen in der virtuellen und realen Welt bekam Kirito nichts mit. Er war weiterhin in der Dunkelheit gefangen. Er wusste nicht, wie spät es war, wo er war und vor allem wusste er nicht, wie er hier rauskam. Inzwischen saß er wieder auf dem unsichtbaren Boden und versuchte einen klaren Kopf zu kriegen. ‚Die schwarzen Katzen der Nacht‘ und Kuradeel…sie alle waren Spieler in SAO, die er entweder selber oder indirekt umgebracht hatte. Hatte das irgendwas zu bedeuten? Traurig senkte er den Kopf.
„Ist das eure Rache?“, fragte er in die Dunkelheit hinein.
Keiner antwortete.
Er schaute sich um, auf der Suche nach anderen Menschen, die ihn vielleicht nicht gleich tot sehen wollten, doch außer der Dunkelheit konnte er nichts erkennen. Er stand auf und tastete nach einer Wand oder ähnlichem. Nachdem er einige Schritte nach vorne gegangen war, berührten seine Fingerspitzen etwas. Vorsichtig drückte er mit seinen Händen gegen den Widerstand. Es fühlte sich wie eine raue Wand an. Er drehte sich langsam nach rechts und schritt an der Wand entlang, die er mit der linken Hand immer in der Nähe wusste. Die rechte Hand streckte er nach vorne und versuchte den nächsten Widerstand zu ertasten. Nach genau acht Schritten stieß Kirito mit den Fingerspitzen gegen eine weitere Wand, die ebenso rau war, wie die andere. Er wiederholte das Prozedere, wandte sich nach rechts, blieb mit der linken Hand an der Wand und mit der rechten tastete er nach der nächsten Wand. Nachdem er einmal im Kreis gelaufen war, bestätigte sich Kiritos Vermutung. Er war in einem geschlossenen Raum gefangen. Es gab weder eine Tür noch sonst eine Öffnung. Zumindest keine, die er aus seiner Position erreichen konnte. Vorsichtig ging er zur Mitte des Raumes, jedenfalls vermutete er, dass sich dort die Mitte befand. Plötzlich stieß er mit dem Fuß gegen etwas. Es war hart und schien recht stabil zu sein. Er beugte sich runter und tastete den Gegenstand von unten nach oben ab.
„Ein Kasten?“
Der Gegenstand schien die Größe einer Truhe zu haben. Oben angelangt konnte Kirito eine Art Buzzer ertasten. Sofort wich er zurück, da er befürchtete, ihn aktiviert zu haben. Es tat sich allerdings nichts und Kirito bewegte sich nach ein paar Sekunden wieder vorsichtig zum Kasten und den Buzzer zurück. Langsam fuhr er mit seinen Händen über den rundlichen Auslöser. Er zögerte. Sollte er den Buzzer drücken oder nicht.
Er versuchte noch einmal, irgendwas oder irgendjemanden in der Dunkelheit zu erkennen, doch es hatte sich nichts geändert.
„Hallooo?“
Seine Stimme echote in der Dunkelheit. Da keine Antwort kam, zuckte er kurz mit den Schultern und schlug dann mit voller Kraft auf den Buzzer. Ohne abzuwarten, was geschehen würde, wich er zurück und drückte sich an die nächste Wand. Zeitgleich heulte eine Sirene auf und rotes Licht begann im regelmäßigen Abstand aufzuleuchten, sodass Kirito die Umrisse des Raumes erkennen konnte. Es war ein kleiner Raum und in der Mitte konnte er den Kasten mit dem Buzzer sehen. Die Wände als auch Boden und Decke waren verspiegelt, sodass er mehrmals sein Spiegelbild betrachten konnte. Ohne Vorwarnung begann sich der Boden unter ihm von der Mitte aus aufzulösen. Kirito presste sich noch mehr an die Wand. Seltsamerweise verschwand der Kasten in der Mitte nicht. Stattdessen schwebte er unverändert an seinem Platz. Als nur noch wenig Boden zwischen Kirito und dem Kasten übrig war, fasst er sich kurzerhand ein Herz und sprang in die Mitte. Mit beiden Händen versuchte er den Kasten zu umklammern, rutschte aber ab und konnte sich noch gerade eben mit einer Hand am Buzzer festhalten.
„Mist!“
Er blickte nach unten und sah wieder einmal nichts weiter als Dunkelheit. Das schwarze Nichts entwickelte eine Sogwirkung, denn sein Körper wurde immer schwerer und es fühlte sich an, als ob ihn jemand an den Füßen hinabziehen wollte. Er griff mit der anderen Hand nach oben und versuchte Halt zu finden um sich hoch zu ziehen. Die Hand gerade richtig platziert und mit dem Gesicht zum Kasten gedreht, begann sich dieser langsam aufzulösen. Die Wände taten es ihm gleich.
„Nein, nein, nein, nein!!“, rief Kirito und versuchte sich so schnell er konnte nach oben zu ziehen. Der Buzzer war das Letzte, was Kirito mit beiden Händen greifen konnte, bevor der Kasten gänzlich verschwand. Kurz darauf löste sich auch der Buzzer selbst auf und Kirito wurde hinabgezogen in die Dunkelheit. Während er zu fallen schien, sah er auch den Rest der Decke verschwinden und zeitgleich erlosch auch das rot blinkende Licht. Er fiel weiter ohne unter sich ein Ziel zu erkennen. Vermutlich würde er irgendwo hart aufschlagen. Er bereitete sich darauf vor, jeden Moment den harten Aufprall zu spüren. Doch entgegen seiner Befürchtung verlangsamte sich sein Fall und er landete sanft mit den Füßen auf einer Art Boden.
„Und wo bin ich jetzt?“, fragte er leicht genervt in die Dunkelheit. Wenn das so weiterginge, würde er sich an die Dunkelheit gewöhnen.
„Bist du das, Bruder?“, fragte ihn eine vertraute Stimme.
Er wirbelte auf der Stelle herum und erblickte in einiger Entfernung seine Adoptivschwester.
„Suguha? Bist du es wirklich?“, fragte Kirito glücklich.
„Hä? Wie meinst du das?“, fragte sie verwirrt. „Natürlich bin ich es, wer sollte ich denn sonst sein?“
Ihre Worte brauchten eine Weile bis sie ihn erreichten.
„Bin ich froh, dich zu sehen!“
Überglücklich lief er zu ihr hin.
„Bruder, hinter dir!!“, schrie Suguha plötzlich und deutete mit dem Finger hinter Kirito.
Der drehte verwundert den Kopf und sah etwas aufblitzen. Reflexartig zog er sein Schwert, hielt es mit beiden Händen über den Kopf und leitete den Angriff über sich hinweg. Die Wucht des Angriffs riss Kirito um und Suguha hinter ihm machte sich klein um den Angriff auszuweichen. Nachdem der Angriff vorbei war, richteten sich beide schnell wieder auf.
„Alles in Ordnung, Sugu?“
„Ja, alles klar. Was ist das hier für ein Ort?“
„Keine Ahnung. Ich bin hier schon eine ganze Weile gefangen, aber was machst du hier, Sugu?“
„Wie? Was meinst du damit?“
„Deckung!“, rief Kirito und deutete hinter Sugu. Er griff ihre Schulter und zog sie zu Boden. Im selben Moment schoss ein weiterer Angriff über ihnen hinweg.
Beide richteten sich sofort wieder auf, stellten sich Rücken an Rücken und blickten sich nach möglichen Angriffen um.
„Hast du ein Schwert dabei?“, fragte er sie, wandte seinen Kopf und bemerkte erst jetzt, dass sie nicht ihre ALO-Kleidung anhatte, sondern ihre Kleidung aus der realen Welt. Er drehte sich komplett zu ihr um.
„Wieso hast du diese Klamotten an?“
Sie blickte kurz an sich herunter, dann schaute sie Kirito an und wollte gerade etwas dazu sagen. Es gab ein kurzes dumpfes Geräusch und Suguha riss ihre Augen auf. Auch Kiritos Augen weiteten sich voller Entsetzen. Ein großer stachelartiger Gegenstand hatte Suguha von hinten durchstochen und ragte nun aus ihrem Bauch heraus.
„Was-?“, Suguha spuckte Blut und krümmte sich. Der Stachel zog sich zurück. Mit beiden Händen versuchte sie die Wunde zuzudrücken. Sie fiel nach vorne. Kirito fing sie auf und ließ sie langsam zu Boden sinken. Gleichzeitig schaute er sich immer wieder um, darauf gefasst, jeden Moment wieder angegriffen zu werden. Er hielt Suguha in den Armen, die bereits am Weinen war.
„Halte durch, Suguha! Alles wird gut. Ich verspreche es dir!“, sagte Kirito hastig und versuchte dabei zu lächeln, wobei auch ihm die Tränen kamen.
„B-Bruder-“, sprach Suguha leise und spuckte kurz darauf wieder Blut.
„Ich bin hier, Sugu, ich bin hier. Ich bin bei dir! Mach dir keine Sorgen, alles wird gut.“
„Wird es das?“, erklang eine dunkle Stimme in der Dunkelheit.
Kirito sah sich hektisch um. Das Adrenalin strömte nur so durch seinen Körper.
„Wer ist da?“, rief er hastig. „Helfen Sie uns! Bitte!“
„Sag, Kirito, wird alles gut?“, wiederholte die Stimme.
„Wer ist da verdammt noch mal?“, schrie er wütend.
Ein Kopf, so groß wie ein erwachsener Mensch, wurde langsam mitten vor ihnen sichtbar. Er kannte das Gesicht.
„Scorpion!?“
Suguha spuckte erneut. Ihre Augen waren bereits halb geschlossen.
„Suguha, bleib bei mir!“
„Sag, Kirito, wird alles gut?“, fragte Scorpion zum dritten Mal. Sein Gesicht war nun komplett sichtbar.
„Natürlich wird es das!“, entgegnete Kirito ihm.
„Du bist nicht mächtig genug, dies zu entscheiden.“, grinste der Kopf. „Versprich nicht, was du letztendlich doch nicht halten kannst.“
„Ich werde Suguha retten.“, entgegnete Kirito mit Tränen in den Augen. „Ich werde nicht zulassen, dass du sie tötest!“
„Das ist auch nicht mehr nötig!“, antwortete der Kopf kühl und blickte auf Suguha.
Kirito schaute ebenfalls zu ihr.
Ihre leeren Augen und der halb geöffnete Mund offenbarten ihm die schreckliche Wahrheit.

Sie war tot.
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