Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Scorpion

GeschichteDrama, Freundschaft / P16 / Gen
Asuna Kirito Leafa Sinon Yui
16.06.2015
20.09.2015
30
38.159
18
Alle Kapitel
50 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
 
16.06.2015 1.242
 
[LINK START]---------------


„Haaah!“, Kirito atmete tief durch. Endlich war er wieder hier, endlich war er wieder in seinem Spriggan-Körper, endlich wieder in der virtuellen Welt. Er schaute sich im Zimmer um, in das er gespawnt worden war. Es war das Wohnzimmer und immer noch so ordentlich und gemütlich wie bei ihrem letzten Besuch in Neu-Aincrad. Er öffnete das Menü und legte seine Kampfausrüstung ab und schlüpfte stattdessen in etwas Gemütliches. Farblich änderte sich bei Kirito nie etwas, denn die schwarzen Klamotten hatten ihm schließlich in SAO seinen damaligen Ruf eingebracht – Schwarzer Schwertkämpfer. Während er sich auf der Terrasse am Geländer abstützte und sich die Abendsonne angenehm auf die Haut strahlen ließ, erinnerte er sich an die zwei Jahre damals.
Es war ein Schock, als Kayaba ihm und den anderen Spielern sein tödliches Spiel offenbarte. Doch so groß die Überraschung auch war, Kirito bereute die zwei Jahre in SAO nicht. Im Gegensatz zu den meisten Spielern lebte er sein Leben in SAO wie im realen Leben. Natürlich war ihm bewusst, dass dies kein Dauerzustand bleiben konnte, doch er versuchte damals das Beste daraus zu machen. Er levelte hoch, lernte Asuna kennen und bildete mit ihr eine Gruppe. Anfangs nur Kameraden wurden sie erst Freunde und schließlich ein Paar. Seit dieser Zeit damals genoss er jeden Tag mit ihr in SAO – bis zum Schluss. Doch selbst jetzt noch – im Jahr 2026 – quälten ihn Albträume und die Erinnerung an Asunas Tod in SAO. Das Bild, wie sie vor ihm verschwand, ließ ihm bis heute keine Ruhe. Die Jahre in SAO waren nicht spurlos an ihm vorbeigegangen.
Sein Griff verkrampfte sich und das Geländer knarzte unter der Kraft seiner Hände. Sein ganzer Körper versteifte sich und er war unfähig, sich zu bewegen. Immer mehr Bilder durchfluteten seinen Kopf. Heathcliffs Schwertstreich, der Asuna tötete , Klein und die anderen Spieler, wie sie gelähmt am Boden lagen , Kobatz und seine Leute , Lisbeth, die in das Drachennest fällt, Silica, die um ihren kleinen Begleiter Pina weint , Sachi und die anderen Mitglieder der „Schwarzen Katzen der Nacht“.
Die Bilder drängten sich in seinem Bewusstsein aneinander und schwirrten durch seinen Kopf. Das Geländer vor seinen Augen begann zu verschwimmen. Die Bäume und der See waren nur noch als Silhouetten zu erkennen. Die Abendsonne wurde dunkel. Kiritos Atmung ging schneller und die Krämpfe wurden stärker. Es war, als ob ihm jemand die Kehle zuschnürte.
„Kirito?“
Er vernahm eine vertraute Stimme. Sie schien von weit her zu kommen. Er versuchte sich zusammenzureißen. Seine Sicht wurde wieder klarer. Die Bäume und der See waren wieder deutlicher zu sehen. Die Sonne wurde heller und sein Griff löste sich langsam. Er merkte, wie ihm der Schweiß am Gesicht herunterlief.
„Kirito?“
Asuna stand hinter ihm auf der Terrasse. Als er sich zu ihr umdrehte, lächelte er um den Schein zu wahren.
„Du bist aber früh dran.“, lächelte sie ihn an.
„Ja, ich konnte nicht mehr schlafen.“
Sie umarmten sich herzlich zur Begrüßung. Eine Woche hatten sie sich nicht mehr gesehen, da Asuna in Kyoto war und deshalb auch nicht online kommen konnte. Er hatte sie vermisst und war sich sicher, dass es ihr nicht anders ergangen war. Nun aber blickten ihn ihre wunderschönen blauen Undinenaugen an.
„Kirito, du siehst erschöpft aus. Ist alles in Ordnung?“, Asunas Blick war gefüllt mit Besorgnis.
Er lächelte sanft und sank dann mit dem Kopf in ihre Schulter, während er sie weiterhin umarmte. Überrascht erwiderte sie die Umarmung aber und legte ihren Kopf an seinen. Sie sah in den Sonnenaufgang und genoss ihre Wärme und die ihres Freundes.
„Ich habe dich vermisst, Kirito.“
Seine Umarmung wurde inniger.
„Ich habe dich auch vermisst.“
„Ist wirklich alles in Ordnung?“
„Ich habe Albträume, Asuna.“, sprach er nach einer Weile, noch immer den Kopf in ihrer Schulter begraben.
„Albträume?“
Er richtete sich wieder auf und lächelte sie an.
„Aber es ist nichts Schlimmes. Ich bin nur froh, dass du wieder da bist.“
Sie lächelte zurück.
„Ich auch.“


Zwei Stunden nachdem Kirito und Asuna sich eingeloggt hatten, waren auch Liz, Silica und Leafa online. Klein und Agil waren beide am Arbeiten und konnten deshalb nicht in ALO sein. Da die anderen Ferien hatten, konnten sie öfter über den Tag verteilt online gehen. Gegen Mittag beschlossen sie, gemeinsam den Boss auf Ebene neunundzwanzig herauszufordern. Kirito hatte während Asunas Abwesenheit mit den anderen Informationen über den Boss gesammelt und sie hatten zusammen eine Strategie erarbeitet. Bisher hatte es noch niemand geschafft, den Boss auf dieser Ebene zu schlagen, aber die Freunde waren fest davon überzeugt, dass sie es packen würden.
„Ist der Boss denn so stark?“, fragte Asuna die anderen, während sie im Wohnzimmer  um den Tisch herumsaßen und den bevorstehenden Kampf besprachen.
„Es soll zumindest kein Monster sein. Nach den Informationen, die wir sammeln konnten, soll es sich um eine Art menschlichen Boss handeln.“, erzählte Kirito.
„Einen menschlichen Boss?“
„Ja, er soll angeblich so aussehen wie ein Spieler aus ALO und nicht wie ein Monster.“, meldete sich Silica, die Pina wie üblich auf dem Kopf trug.
„Darüber hinaus soll es bisher noch niemand geschafft haben, seinen HP-Balken bis in den gelben Bereich zu bringen.“, bemerkte Liz.
„Wie stark ist der denn?“, staunte Asuna.
„Keine Ahnung, aber wir werden es schon schaffen.“, grinste Kirito, der sich schon auf den Kampf freute. Jetzt, wo Asuna wieder da war, fühlte er sich wieder stärker und allgemein viel fitter.
„Aber wenn selbst ganze Gilden es nicht geschafft haben, ihn zu besiegen. Sollten wir nicht lieber auf Sinon-san und die anderen warten?“, schluf Asuna vor. „Wenn wir mehr Leute sind, dann sind doch auch unsere Chancen höher, gegen den Boss zu gewinnen.“
Yui, die kurz nach Kiritos und Asunas Ankunft erschienen war und nun neben Asuna auf der Couch saß, schaute Kirito gegenüber ernst an.
„Papa, Mama hat Recht. Einem Gegner mit solch einer Kraft sollten wir mit so vielen Leuten wie möglich angreifen.“
„Aber je mehr Leute wir sind, desto mehr müssen wir uns koordinieren und das könnte zu unserem Nachteil werden.“, gab Kirito zu bedenken.
„Mit Koordinieren hast du doch eh nicht viel am Hut. Wer stürmt denn immer voran und bekämpft mit Feuereifer jedes Monster, das seinen Weg kreuzt, häääh?“, warf Liz trocken ein.
„Hey, so ist das doch gar nicht. Die Monster greifen doch an, ich wehre mich doch nur!“, verteidigte Kirito sich nervös.
„Die greifen dich auch nur an, weil du wie ein Berserker mit dem Schwert auf sie losgehst.“, stellte Liz klar.
„Aaah, Asuna, sag doch auch mal was dazu!“, wandte Kirito sich Hilfe suchend an Asuna.
„Naja, wo Liz Recht hat…“, gab Asuna grinsend zurück.
„Aaah?“, jammerte der Spriggan.
Die anderen lachten laut, während er sich beschwerte, dass alle gegen ihn seien.
Nachdem sie sich alle wieder beruhigt hatten, beschlossen sie, den Raid auf abends zu verschieben, damit auch Sinon, Agil und Klein beim Kampf mitmachen könnten. Sie verabredeten, sich um neunzehn Uhr wieder zu treffen und loggten sich anschließend einer nach dem anderen aus, sodass nur noch Asuna, Yui und Kirito da waren.
„Also, dann sehen wir uns nachher.“, sagte Asuna und öffnete das Menü.
„Asuna“, begann Kirito nervös, bevor sie den Logout-Button betätigte. „Können wir uns später treffen?“
Sie sah ihren Freund an, doch konnte seine Augen nicht erkennen, da er seinen Kopf gesenkt hatte und ihm das Haar ins Gesicht fiel. Sie lächelte.
„Natürlich.“
Yui stand zwischen den beiden und strahlte über das ganze Gesicht. Sie umarmte ihre selbst gewählten Eltern und verabschiedete sich bis zum Abend.
Review schreiben
 
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast