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John Wick - Last Orders

von B-Duncan
Kurzbeschreibung
KurzgeschichteDrama, Thriller / P18 / Gen
14.06.2015
14.06.2015
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2.887
 
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John zog das Messer aus der Kehle des Mannes. Blutgurgelnd brach er zusammen. Er lebte noch einen Augenblick, konnte aber keinen Hilferuf mehr von sich geben.

John sah sich um, ob seine Aktion einen anderen angelockt haben konnte. Der Garten, wenn man ihn so bezeichnen wollte – das Grundstück war verschwenderisch groß – bestand aus einer weiten Fläche Grüns, auf derer sich hier und dort ein, vom Herbst verfärbter, Baum zeigte. Die Wege waren mit weißem Kies übersäht und von quarterförmigen Hecken, die in einem gnadenlosen Akt der Perfektion, auf die exakte Höhe getrimmt waren, gekennzeichnet. Wie Wegepunkte waren in exaktem Abstand Heckensäulen geschnitten worden. Nichts rührte sich.

John hatte zuerst gezögert den Mann anzugreifen. Es war nicht so, dass er Winstons Informationen anzweifelte – der Mann hatte ihm gesagt, wo er zuschlagen musste – aber es war nicht seine Art, ohne Grund zu töten. Jetzt nicht mehr. Der Mann hatte den Fehler gemacht, sich in Höhe seiner Niere zu kratzen und hatte so den Blick auf seine Waffe freigegeben. Damit war er ein Hindernis, das John aus dem Weg haben wollte.

Er drehte den Toten um und fing an, ihn einer schnellen Untersuchung zu unterziehen. Er lüftete das Sakko und zog die Waffe aus ihrem Halfter. Es war eine Tokarev. Das erkannte er am Stern, der in die Griffschalen eingelassen war. Dies und die Tätowierung am linken Handrücken des Mannes – eine Schlange, die sich um ein Kampfmesser wickelte – wiesen den Toten eindeutig als ein Mitglied des Oromov-Kartells aus. Sie waren die einzige Gruppe, die sich ausschließlich auf russische Waffen verließ. Winston hatte Recht gehabt.

John packte den Kerl an den Füßen und schleifte ihn mit sich, um ihn hinter einer dieser Hecken zu verbergen. Er machte sich jedoch nicht die Mühe, die Blutspuren zu verschleiern. Wenn jemand bis hierhin kommen würde, könnte er es ohnehin erkennen. John musste sich eben ranhalten. Er ging in einer halbgebückten Haltung weiter. Er war während des Sonnenuntergangs dem Anwesen, aus westlicher Richtung näher gekommen, ganz in schwarz gekleidet. Sein Anzug war bei dem Überwinden der Mauer schmutzig geworden, er würde ihn wohl wieder zur Reinigung geben müssen. Er schob den Gedanken von sich. Er hatte zu arbeiten.

Auf Höhe eines Kunstbrunnes ging er in Deckung. Er hatte von dieser Position aus einen guten Ausblick, ohne Gefahr zu gehen, dass er selber entdeckt wurde.

Der Hof des Anwesens war beachtlich. Nun konnte er erkennen, dass sich die Hecken im Zentrum zu einem kleinen Irrgarten ausbreiteten. Zwischen den Hecken liefen einige Wachen ihre Runden. Jeder von ihnen trug einen grauen oder braunen Anzug, mit weißem Hemd und schwarzer Krawatte, und hatte entweder sehr kurzes Haar oder eine Glatze. An vereinzelten Stellen standen weiße Statuen, die leicht bekleidete Knaben darstellten, die in tanzenden Bewegungen erstarrt zu sein schienen. Vielleicht waren sie aus Marmor, das wusste er nicht. Außerdem konnte er einen Pool sehen, der aber im Moment nicht benutz und mit einer Schutzplane überdeckt war. Aber was seine Aufmerksamkeit wirklich auf sich zog, war das Tennisfeld zu seiner linken. Oder besser gesagt, der Wachmann, der an den Zaun gelehnt stand, ins Nirgendwo starrte und telefonierte. Denn anders als seine Genossen, war er alleine. Für John war eines klar, wenn er es schaffte, diesen Kerl ruhig zu stellen, könnte er, im toten Winkel des Zauns, ungesehen bis zu Rand eines Gewächshauses gelangen, das scheinbar mit dem zweistöckigen Herrenhaus verbunden war. Das Herrenhaus war ein Traum. Wenn Winstons Informationen stimmten, war es bereits im 18. Jahrhundert erbaut worden und war weit mehr wert, als sich der Durchschnitt leisten konnte. Es war in einer L-Form gebaut und im viktorianischen Stil gehalten. An den roten Ziegelsteinen zogen sich vereinzelt ein paar Stränge Moos nach oben, bis unters Dach.

John überlegte, ob er kurz warten sollte, bis der Wachmann sein Telefonat beendet hatte, entschied sich dann aber dagegen. Wenn er hätte raten müssen, hätte er behauptet, dass der Mann mit seinem Sohn telefonierte und ihm versuchte eine Beziehung zu einem Mädchen auszureden. John konnte nur schätzen, wie lange das noch dauern konnte und befand, dass er nicht so lange warten würde.

Der Mann wurde mit jedem Augenblick, den das Gespräch andauerte, ein wenig hitziger. Als er dann anfing am Zaun auf und ab zu schreiten, wusste John, was zu tun war. Er wartete, bis der Mann ihm wieder seinen Rücken präsentierte und ging gebückt auf ihn zu. Er erreichte ihn unbemerkt und gerade als der Wachmann sich wieder zu ihm drehen wollte, schoss John nach oben. Er schlug ihm mit der linken Hand das Handy aus der Hand, und presste ihm dann auch schon selbige fest auf den Mund. Mit seinem Fuß brachte er das Knie zum Einknicken und der Kerl stürzte rücklings ins Gras. Noch während die Schwerkraft ihren Dienst leistete, hatte John mit der anderen Hand sein Tanto-Messer wieder gezogen und rammte es nun diesem Kerl in den Hals.

Anders als der Erste, verlor dieser Kerl nicht gleich seinen Lebenswillen und versuchte sich nochmal zu befreien. John riss ihm einfach das Messer aus der Kehle und platzierte einen weiteren Treffer in seinem Solarplexus. Der Kerl zuckte unter den neuen Schmerzen und versuchte sie in die Welt hinaus zu schreien, jedoch hatte John einen eisernen Griff, um den Mund. Erst als das Gezucke aufgehört und der Typ einen trüben Glanz in den Augen hatte, nahm John seine Hand wieder fort, zog das Messer aus der Wunde und säuberte die Klinge flüchtig an dessen Sakko. John hob seinen Kopf weit genug, dass er durch den Zaun spähen konnte. Keine eiligen Bewegungen unter den Wachen und keine lauten Alarmrufe. Niemand schien etwas bemerkt zu haben. Wäre das ein offener Auftrag gewesen, hätte John zu glauben anfangen können, dass man ihn in eine Falle locken wollte aber das war in diesem Fall unmöglich. Er beschloss die Leiche genau dort liegen zu lassen, wo sie war. Dort würde man sie nur entdecken, wenn man den Kiespfad verließ und um den Tennisplatz lief. Er nahm noch das Telefon und horchte hinein. Der Anruf war von der anderen Seite aus beendet worden. Sicherheitshalber drehte er es trotzdem so fest in den Händen, bis das Display zersprang und er letztlich zwei Teile in den Händen hatte, die er dann wieder fallen ließ. Er ging weiter.

Im Schutz des grünen Zauns und dank des immer schwächeren Lichts war es ein Leichtes für John unerkannt das Gewächshaus zu erreichen. An einer mittelhohen Hecke suchte er erneut Deckung und spähte zum Eingang des Gewächshauses. Im Eingang standen zwei Gärtner und unterhielten sich, daneben ein Wachmann, der gelegentlich einen Kommentar einwarf. Im Gewächshaus selber sah es recht tropisch aus. Es war selbst unter den schlecht informierten Leuten bekannt, dass Arkady Grigorovich Oromov einen Tick für ungewöhnliches hatte. Dazu zählten neben alten Gemälden, und antiken Vasen und Statuen eben auch Pflanzen, die man in den Staaten nicht oder eben nur schwer bekam. Jedenfalls würde John in dem Gewächshaus, wenn er überhaupt unbemerkt hinein kam, auffallen wie ein bunter Hund. Jedoch war er bereits sehr nahe ans Herrenhaus herangekommen. Er blickte am angrenzenden Haus entlang, suchte nach einem Schwachpunkt. Wenn er doch nur – um Haaresbreite hätte er ein offenes Fenster im Erdgeschoss übersehen. Das war schon fast zuviel Glück. Damit hatte er nun eine Möglichkeit hinein gefunden, er musste sie nur noch nutzen können. Dumm war nur, dass der Blick des Wachmanns ihn auf alle Fälle erfassen würde, wenn er einfach loslief. Er sah sich um. Einer der Steine, die seiner Nähe lagen, war um einiges größer, als der Rest der Kiesel. Er hob ihn auf und zielte auf eine Statue, die sich hinter den drei Leuten befand. Er schmiss und es knallte laut. Praktisch sofort wirbelte der Wachmann herum und seine Hand fuhr unter sein Sakko. Er rief nach jemand, der nicht da war. Auch die Gärtner waren nun abgelenkt und John nahm seine Chance wahr. Er stürmte auf das Fenster zu und ging darunter in die Hocke. Er horchte zum einen in den Raum, der dahinter liegen mochte, zum anderen sah er sich das Gelände hinter sich an, ob er verfolgt wurde. Da er niemanden mehr entdeckte lenkte er seine ganze Konzentration auf das Zimmer. Er hörte leise Musik. Ansonsten war es still. Er riskierte einen schnellen Blick. Zunächst kam ihm das Zimmer wie das eines Hotels vor. Es war sehr edel renoviert. Rötliches Holz verzierte sowohl die Wände wie auch den Boden, jedoch waren die Wände zum Großteil weiß tapeziert. Ein großes Bett nahm den meisten Platz ein. An dessen Fußende standen eine kleine Bank aus dunklem Holz und eine mit Gold verzierte Truhe. In einer Ecke stand ein Sessel, ebenfalls rötlich, aber aus Leder, neben dem ein runder Tisch stand, auf dem sich eine Kristallkaraffe mit rotem Wein und ein dazugehörendes Glas befanden. An jeder Wand hingen ein oder zwei Gemälde. Über ihren Wert hätte John nichts sagen können, er kannte sich mit sowas einfach nicht aus.

Auf dem Nachttisch entdeckte er eine Bibel, auf derer ein Kreuz lag. Es befanden sich augenscheinlich keine Personen in dem Raum. Er stieg durch das Fenster.

Ein dicker Läufer dämpfte seine Schritte zu einem leichten Flüstern. Bald schon hatte er die Quelle der Musik ausgemacht. Der Raum hatte ein eigenes Bad. Die Tür zu diesem Stand offen. Darin lief ein Radio. Außerdem lag eine Blondinne in der Badewanne, mit dem Blick zur Wand. Er schenkte ihr keine weitere Beachtung und ging weiter. Die Tür war von innen verriegelt. Langsam, fast schon vorsichtig, drehte er den Schlüssel herum und öffnete die Tür einen Spalt weit. Auf dem Flur sah es ein wenig so aus, wie in einem Internat. Es wirkte sehr ordentlich aber irgendwie steril.

»Oromov ist ein sehr paranoider Mann, John«, hatte Winston ihm erklärt. »Er hat sich bereits seit zwei Jahren kaum aus seinem Haus gewagt. Er ist nicht mal auf die Beerdigung seines Sohnes gegangen. Er lebt im oberen Stock seines Hauses. Nur zwei Bediensteten ist es erlaubt ihn zu besuchen und auch das nur vier Mal am Tag. Seine Wachen sind jedoch nie wirklich weit. Unterschätze sie nicht. Sie sind alle Ex-Militärs; gut ausgebildete Männer, die genau wissen, wie man tötet.«

John war kein dummer Mensch und er zweifelte auch nicht an den Worten des Mannes aber was er bisher von den Wachen Oromovs gesehen hatte, ließ ihn irgendwie daran zweifeln, dass sie wirklich so gefährlich sein sollten. Aber egal.

Er wusste, wer sein Ziel war und er kannte dessen ungefähren Aufenthaltsort. Alles was jetzt noch fehlte, war der Weg dorthin.

Vorsichtig verließ er das Zimmer und schritt auf den Flur. Er ging nicht länger gebückt. Er versuchte zwar weiterhin keinen Laut von sich zu geben, aber es würde nur die falsche Art Aufmerksamkeit auf ihn lenken, wenn er sich wie einer dieser Filmspione verhielt. Es hatte ihn in der Vergangenheit schon öfter den Hals gerettet, wenn er sich ganz natürlich verhielt. Und so ging er den Flur entlang, in der Hoffnung, dass er den Richtigen Weg gewählt hatte und nicht zufällig in den Aufenthaltsraum der Wache lief. Das könnte sonst peinlich werden.

Die Flure sahen alle relativ gleich aus. Lange Läufer waren auf Parkettboden ausgerollt, an den Wänden hingen Gemälde, in verschiedensten Motiven und Stilen, und es standen hier und dort irgendwelche Ablagen, auf denen beispielsweise ein Vase oder eine alte Uhr einstaubten.

Er erreichte einen Türbogen und stellte sich mit dem Rücken dagegen. Im Flur voraus standen zwei Wachen, direkt vor einer großen marmorierten Treppe, die nach oben führte. Er hatte also wirklich den Richtigen Weg gewählt. Schwein gehabt.

John zog sein Messer. Er war zwar kein perfekter Messerwerfer aber es klappte vier von fünfmal. Und wenn er es richtig machte, konnte er tatsächlich Arkady erreichen, ohne dass es jemand bemerkte.

Er schoss um die Ecke. Bevor die Wache, welche in seine Richtung blickte, etwas unternehmen konnte, versenkte John sein Messer in dessen Auge. Der andere sah geschockt zu seinem Kameraden herab. Zu spät wandte er sich John zu. Dieser hatte bereits seine Waffe gezogen. John hielt seine P30 von Heckler und Koch wie einen Hammer und drosch damit auf den dicken Adamsapfel des Kerls. Als dieser bereits mit großen Augen zu Boden ging, ließ John noch sein Knie nach oben schießen und knockte den Typen endgültig aus.

Bevor John sich jedoch freuen konnte, ließ ihn ein hoher Frauenschrei zusammenfahren. Nur eine Ecke weiter stand eine Bedienstete des Hauses, die alles gesehen haben musste. John ließ eine Sekunde lang seine Gedanken kreisen. Er konnte die Kleine ausschalten oder weiter gehen. Er entschied sich für zweiteres und rannte los, immer zwei Stufen auf einmal. Das Mädchen war egal. Niemand wusste, weshalb sie geschrien hatte. Wenn er sie erschoss, wäre das etwas anderes. Er schätzte, dass er noch zwei, vielleicht drei Minuten hatte, bevor die Party stieg.

Oben angekommen ging er instinktiv nach rechts, es war eine Angewohnheit. Der Gang war, anders als die unten, mit Wandteppichen geschmückt. Zudem wurde die Decke von Marmorsäulen gehalten, was irgendwie römisch wirkte. Laute Stimmen unter ihm kündigten davon, dass die Wachen eingetroffen waren. Eine Minute.

Weiter hinten im Flur, konnte er hören, wie etwas Schweres bewegt wurde. John beschleunigte seine Schritte. Er konnte sich denken, was vorging. Wenn ein Mann, der paranoid war, einen Schrei vernahm, versuchte er sich vor möglichen Feinden zu schützen.

John erreichte eine große Tür, die sich von den anderen abhob. Sie war um einiges reicher verziert und schrie geradezu: »DER BOSS IST HIER!«

John drückte den Henkel nach unten – verschlossen. Von drinnen konnte er eine Stimme wahrnehmen, die auf Russisch und sehr eindringlich sagte: »Hier ist ein Mörder! Er ist hier!« Dreißig Sekunden.

Jetzt musste John schnell handeln. Nein – schneller! Er betrat den Nachbarsraum und verschloss die Tür hinter sich. Er zog eilig eine Kommode vor die Tür, wohl wissend, dass sie nicht viel Widerstand bot, wenn jemand wirklich diesen Raum betreten wollte. Zwanzig Sekunden.

John ging zum Fenster und öffnete es. Direkt und dem Fenster verlief ein großes Brett, welches an jedem Fenster vorbeiführte, auch an Oromovs. Fünfzehn Sekunden. John stieg durch das Fenster und ging hinüber. Sieben Sekunden. John blieb vor dem großen Fenster stehen. Arkady Grigorovich Oromov war vor vielen Jahren ein großer, respektierter und gefürchteter Mann gewesen. Nun war er nur noch ein kleiner alter Mann, der sich mit seiner versilberten Stechkin hinter seinem Schreibtisch gekauert hatte und wie ein Junge zitterte. John hörte, wie die Wachen anfingen, die Tür, welche er verschlossen hatte, zu bearbeiten. Drei Sekunden. John hob vorsichtig seine Waffe auf Brusthöhe, den Lauf ungefähr in Oromovs Rücken. Seine linke Hand hielt er über die Waffe, damit ihm keine Hülsen ins Gesicht flogen. Ein kleiner Trick, den er vor Ewigkeiten von Marcus gelernt hatte.

Wenn der alte Mann nicht so von seiner Angst gelähmt gewesen wäre, hätte er vielleicht Johns Schatten gesehen, doch jetzt…

John drückte ab. Zweimal. Das ohrenbetäubende Dröhnen drang ihm durch den Körper. Das Glas brach und splitterte, die Projektile schlugen in den alten Mann – eins in seinen Nacken, eins in seinen Hinterkopf – und er stürzte nach vorne. Null.

Die Tür zu >Johns Zimmer< wurde zerbrochen. Schnelle Schritte näherten sich, begleitet von den Rufen der Wache.

John hatte sich gleich in Bewegung gesetzt und versuchte weiter zu kommen. Jedoch musste er auf seinen Stand achten. Ein falscher Schritt und es ging gute sechs Meter in die Tiefe.

Ein Kopf erschien im Fenster und spähte nach ihm. John verlor keine Zeit. Er schoss. Die Stirn des Wachen wurde von dem Geschoss regelrecht zerrissen. Hirn spritzte aus der Austrittswunde.

»Scheiße!«, schrie ein Mann auf Russisch. »Das Schwein hat Sergeus getötet!«

Ein zweiter Mann nahm die Position des ersten ein. Nur dieser hielt seine Knarre schussbereit. Er feuerte, aber nicht sehr zielsicher, ganz anders als John. Sein Schuss fraß sich in die Schläfe und der Kerl starb.

John erreichte das nächste Fenster. Aus irgendeinem Gefühl heraus sah er hindurch und erblickte einen weiteren Russen. Dieser hatte, anders als seine Kollegen, einen Revolver zur Hand. John wollte seine P30 nach dem Kerl ausrichten, blieb jedoch mit seinem Kompensator, der an der Spitze seiner Waffe befestigt war an der Scheibe hängen.

Sie schossen fast zeitgleich. John hätte schwören können, dass seine Kugel in die Kehle des Russen eindrang, wusste es jedoch nicht genau. Er wurde nämlich selber getroffen, jedoch in die Brust. Der Schuss wurde von einer Weste gedämpft, die John bei jedem Auftrag trug, dennoch war der Einschlag gewaltig. Es fühlte sich an, als sei John von einem D-Zug erfasst worden. Er stürzte. Helen!

Nach seinem Aufprall wundernte sich John noch zu leben, oder zumindest nicht schwer verletzt zu sein. Er hatte Glück gehabt – mal wieder. Sein Absturz war von einem dieser gewaltigen Heckenmonster gedämpft worden. Nur einen Meter weiter rechts und es wäre aus gewesen. Mühsam kämpfte John sich wieder auf die Beine. Von oben wurde er bereits wieder das Feuer eröffnet und jemand brüllte Befehle, man möge ihn verfolgen.

John blieb kurz in der Hocke und schoss noch dreimal. Dann rannte er los. Er wusste noch, von wo er gekommen war. Dort musste er wieder lang. Es ging nicht anders. Es war inzwischen fast dunkel geworden. Er kannte das Gelände nicht so gut, wie es die Russen taten. Er hatte erreicht, weshalb er gekommen war. Oromov war der letzte seines Blutes gewesen, ohne Erben oder Verwandte. Sein Kartell würde zerbrechen und von den anderen Familien geschluckt werden.

Da waren´s nur noch drei…
 
 
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