Disco Fred

GeschichteAbenteuer, Humor / P6
Freddie Faulig Sportacus Stephanie
13.06.2015
13.09.2015
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Bürgermeister Meinhard Meintsgut kam gerade vom Einkaufen zurück und summte auf dem Nachhauseweg fröhlich vor sich hin. „Ich freue mich schon auf den Gemüsekuchen, den ich gleich backen werde“, sprach er zu sich. Vor seinem gelben Haus angekommen blieb er für einen Moment verträumt davor stehen. „Wie ich mein Zuhause liebe“, sagte er. „Ich liebe meine Blumen und meinen Garten, aber vor allem liebe ich die Ruhe und den Frieden...“
BOMM! BOMM! BOMM! BOMM! dröhnte es urplötzlich inmitten dieser Stille, dass Meinhard vor Schreck fast die Einkaufstüten fallen gelassen hätte. „Ach Gottchen! Das hört sich an, als würde jemand mein Haus abreißen!“ Meinhard öffnete nervös die Tür. Das Wohnzimmer war zur Tanzfläche geworden. Stephanie und ihre Freunde hatten Sessel, Tisch und Stühle zur Seite geräumt und tanzten und sprangen zur dröhnenden Musik, die aus Stephanies CD-Player kam.

BOMM! BOMM! BOMM!
BADOMM BADOMM!
BOMM! BOMM!

Der Boden erzitterte und das Geschirr in den Schränken vibrierte klirrend im donnernden Takt der Musik. Die Kinder waren so ausgelassen, dass sie den fassungslosen Meinhard zunächst gar nicht bemerkten. Als Stephanie ihn endlich in der Tür stehen sah, schaltete sie sofort den CD-Player ab.
„Ach Gottchen! Um Himmels willen! Was war das?!“
„Musik, Herr Bürgermeister!“, antwortete Trixie.
„Musik? Diesen donnernden und dröhnenden Krach nennt ihr Musik? “
Stephanie lief zu Meinhard und nahm ihm die vollen Einkaufstüten ab. „Und was habt ihr mit meinen Möbeln gemacht?“, fragte er weiter.
„Nur zur Seite geräumt“, erklärte Pixel. „So hatten wir einfach mehr Platz.“
„Das verstehe ich, aber ihr hättet mich vorher fragen müssen.“
„Ja, äh, das stimmt, Herr Meintsgut“, entschuldigte sich Pixel. „Es sollte nur ein kurzes Experiment werden.“
„Veranstaltet solche Experimente bitte nur in euren Zimmern“, sprach Meinhard. „Aber in einer angenehmeren Lautstärke!“
„Das alles hier war meine Idee“, gab Trixie zu. „Ich wollte nur mal sehen, wieviel Platz wir hier für eine Disco haben! In unseren Zimmern geht das leider nicht. Es wäre einfach zu eng für uns alle.“ Meinhard ging zur Küche hinüber. „Eine Disco?“
„Ja, eine Disco! Ein Tanzschuppen!“, erklärte Trixie. „Sie wissen doch, was das ist?“
„Natürlich weiß ich das. Als ich jung war, gab es sowas auch schon. Eine Disco oder ein Tanzlokal. Ich bin sehr gerne dort hingegangen.“

Während Stephanies Freunde das Wohnzimmer wieder in einen ordnungsgemäßen Zustand versetzten, half sie selbst, die Einkäufe auszupacken und begann zu erklären. „Es ist nur so, Onkel Meinhard. Wir wünschen uns einen Ort, an dem wir ungestört laute Musik hören und tanzen können.“
„Und dann wolltet ihr aus meinem Wohnzimmer einen, äh, Tanzschuppen machen?“ Meinhard schien jetzt nicht mehr ganz so aufgeregt wie zuvor.
„Naja“, druckste Stephanie herum, „Wir hätten dich schon vorher um Erlaubnis gefragt.“
„Wir wollen so richtig abtanzen!“, ergänzte Trixie. „Die ganze Nacht lang bis in den frühen Morgen!“
„So ist das also!“, sprach Meinhard belustigt. „Ihr wollt die Nacht zum Tag machen! Na, das glaube ich gern! Aber ich fürchte, dafür ist mein Schuppen – ich meine, mein Haus – vollkommen ungeeignet! Und ihr braucht doch euren Schlaf. Ich weiß nicht, ob das für euch Kinder das Richtige ist.“
„Aber wir haben doch Ferien! Und wir tanzen ja nicht jede Nacht durch. Bloß ab und zu. Ach kommen Sie, Herr Meintsgut!“, bettelte Trixie.
„Weißt du denn gar keinen Ort für uns, wo wir unsere laute Musik hören können?“, fragte Stephanie. „Und wo es keinen stört?“
„Tja, auf Anhieb leider nicht. Aber wenn euer Herz so daran hängt, dann werde ich euch doch erlauben, das Wohnzimmer zur Tanzfläche zu machen. Natürlich nicht immer, aber zumindest hin und wieder. Ihr könnt dann bei mir übernachten.“ Die Kinder jubelten.
„Aber ab 22 Uhr muss Ruhe sein!“, mahnte Meinhard. „Dann müsst ihr eure Musik zumindest auf Zimmerlautstärke runterdrehen.“
„Warum denn das?“, wollte Trixie wissen.
„Das sind gesetzliche Ruhezeiten, die eingehalten werden müssen.“
„Ist das wieder so eine neue Regel, die Sie jedes Jahr verkünden?“
„Nein, Trixie. Das ist eine ganz alte Regel, und die gilt nicht nur bei uns. Das ist überall so.“
„Nie davon gehört! Und für mich gelten eh keine Regeln!“, behauptete Trixie.
„Wenn jeder so denken würde, hätten wir Tag und Nacht Lärm und laute Musik. Niemand käme mehr zur Ruhe und an Schlaf wäre gar nicht mehr zu denken. Und Schlaf ist wichtig, das wisst ihr!“
„Ja! Von Sportacus!“, rief Ziggy. „Gerade er braucht den Schlaf, sonst wäre er zu müde, um jemanden zu retten!“
Meinhard nickte. „Ganz genau, Ziggy. Aber auch tagsüber darf die Musik nicht zu laut sein. Und ab Mittag gilt die Mittagsruhe.“
„Wir machen einfach alle Fenster zu, dann geht das schon“, sagte Stephanie.
Doch ihr Onkel schüttelte den Kopf. „Ich fürchte nicht. Meine Fenster und Wände sind nicht schalldicht. Euch hat man in der ganzen Nachbarschaft gehört! Muss denn die Musik wirklich so laut sein? Ihr werdet ja selbst taub dabei! Lärm auf Dauer ist vor allem schädlich für die Ohren!“
„Ohne laute Musik macht's doch keinen Spaß!“, behauptete Trixie.
„Wir werden schon aufpassen, dass wir nicht taub werden“, versprach Stephanie. „Schade, dass das mit der Disco wohl nichts wird. Ich meine, mit der richtigen Disco, ganz für uns allein.“

Meinhard band sich seine Kochschürze um. „Ich kann euch nur diesen Kompromiss anbieten, den ich euch gerade gemacht habe.“
„Danke, Onkel Meinhard. Wir werden es uns überlegen. Brauchst du Hilfe in der Küche?“
„Nein, nein, ich komme zurecht. Du kannst ruhig noch spielen gehen, bis das Essen fertig ist.“
„Okay! Bis nachher, Onkel Meinhard!“ Stephanie nahm ihren CD-Player mit und ging mit ihren Freunden durch Lazy Town. „Ist doch voll blöd!“, raunte Trixie und kickte einen Stein weg. „Wer hat denn solche dämlichen Regeln aufgestellt?“
„Es stimmt schon, was Onkel Meinhard gesagt hat“, räumte Stephanie ein. „Aber das wäre alles kein Problem, wenn es eine Disco für uns gäbe.“
„Gibt es hier denn keine in Lazy Town?“, wollte Ziggy wissen.
„Nur für die Erwachsenen“, antwortete Pixel. „Für uns Kinder gibt es hier sowas nicht. Aber hey! Wie wäre es denn mit dem Lazy Town Theater? Das wäre doch genau das Richtige für uns!“ Die Freunde waren hellauf begeistert. Stephanie betrat das Theater, während die anderen draußen warteten. Kurz darauf kam sie jedoch enttäuscht wieder. „Das geht leider nicht, Freunde. Hier finden zur Zeit ständig Proben statt und alle Räume sind belegt.“
„Wäre auch zu schön gewesen!“, seufzte Meini.
„Ja, das wär's wirklich!“, stimmte Trixie zu. So zogen sie sich erst einmal auf den Sportplatz zurück. Zumindest war hier genug Platz für sie alle.  Sie schalteten den CD Player an – jedoch nicht zu laut – und tanzten nach Herzenslust. Nach einigen Minuten drehte Trixie die Musik dann doch voll auf. „Das hier ist die beste Stelle von dem Lied!“, rief sie und begann ihre selbst ausgedachten Tanzschritte vorzuführen.

Im selben Moment war Freddie Faulig in seinem Versteck schwer beschäftigt. Er hatte eine riesige, siebenstöckige Sahnetorte gebacken. Ein sahniger Traum, überzogen mit hellviolettem Marzipan! Freddie stand auf einer Leiter und garnierte sein Kunstwerk gerade mit Kirschen, als die laute Musik durch seine Lautsprecher dröhnte. Freddie umklammerte ängstlich seine wackelnde Leiter. Der ganze Boden vibrierte! „W-was ist das?! Wo kommt das her?! Zu Hilfe!“ Die Torte auf dem Tisch zitterte wie ein Wackelpudding und die Kirschen hopsten im Takt. Freddie war zu ängstlich, um den Grund für diesen Lärm herauszufinden. Er stand verkrampft auf seiner Leiter, hielt sich die Ohren zu und hoffte, dass sein sahniges Meisterwerk nicht zusammenbrach. Die Torte ähnelte inzwischen mehr dem schiefen Turm von Pisa. Die ersten Kirschen kullerten herunter und hopsten rhythmisch über die Tischplatte.
Senta Senfdazu hingegen war alles andere als ängstlich. Sie stand verärgert auf dem Balkon und sah sich um. „Wo kommt denn dieser Krach her? Das ist ja nicht zum aushalten!“, schimpfte sie. Sie suchte die Gegend ab und glaubte beinahe zu wissen, wo die Musik herkam. Dabei beugte sie sich jedoch so weit über die Balkonbrüstung, dass sie das Gleichgewicht verlor und vornüber fiel. Sie konnte sich aber gerade noch mit einer Hand am Geländer festhalten.

„HILFE! HIIIIIILLLFFEEEE!!“ Ihre gellenden Hilfeschreie gingen jedoch in der lauten Musik unter. Nur gut, dass Sportacus' Kristall diesen Notfall bemerkte.
„Jemand hat ein Problem!“, sagte Sportacus. Er sprang in den Flugschrauber, schnallte sich an und sauste durch Lazy Town. Er bemerkte die Kinder, aber bei ihnen schien alles in Ordnung zu sein. Bis auf die sehr laute Musik war alles normal. Da entdeckte er Senta. „Halten Sie durch!“, rief Sportacus ihr zu.
„Sie hört dich nicht“, sprach der Luftschiffcomputer durch den Lautsprecher des Flugschraubers, „Die Musik ist viel zu laut!“ Sportacus trat mit aller Kraft in die Pedale. Hoffentlich hielt Senta wirklich noch durch, bis er bei ihr war. Aber genau in der letzten Sekunde verließen Senta alle Kräfte und ihre Hand rutschte vom Geländer ab. Sportacus ging sofort in den Sturzflug. Als Senta ihre Augen öffnete, lag sie in Sportacus' Armen. Der Flugschrauber stand beinahe auf dem Erdboden. „Gerettet..!“, seufzte Senta voller Erleichterung und sah dem Superhelden für einen Moment kokett in die Augen.

Senta war gerettet, aber für Freddies Sahnetorte kam leider jede Hilfe zu spät. „NEEEIIIIIN!“, schrie er und wollte die kippende Torte mit beiden Händen festhalten, als er selbst von der Leiter fiel und mitten in die Sahnetorte klatschte. Nun lag er quer auf dem Tisch. Die Sahne, der Kuchen und die Kirschen waren überall verteilt. Freddie war voller Schlagsahne und mitten auf der Nase klebte eine Kirsche. Er stand auf und rannte – nein, er rutschte – zum Periskop. Die Sahne unter seinen Schuhsohlen war wie Schmierseife. Er bekam gerade noch mit, wie Sportacus aus dem Flugschrauber ausstieg und die gerettete Senta am Boden absetzte. „Danke, Sportacus!“, sprach sie erleichtert. „Vielen, vielen Dank! Das kommt davon, wenn man sich vor lauter Neugierde zu weit hinauslehnt! Ich wollte nur wissen, wo dieser Krach herkommt!“
„Er kommt von da hinten“, sagte Sportacus, „Von den Kindern.“
Währenddessen tanzten die Freunde noch immer und hatten endgültig alle Ermahnungen vergessen, bis Senta Senfdazu mit Sportacus erschien und den CD-Player ausschaltete. „Da hört sich ja wohl alles auf! Was soll dieser Lärm?“, rief sie.
„Oh! Äh! Oh!“, brachte Stephanie nur hervor. „Das...tut uns leid..! Wir hatten gar nicht mehr drauf geachtet...“
„Es war wirklich sehr laut“, bestätigte Sportacus. „Und Senta war vorhin in Not. Man konnte noch nicht einmal ihre Hilfeschreie hören.“
Die Kinder erschraken. „Was?!“, rief Meini ungläubig. „Was ist denn passiert?“
„Ich bin vom Balkon gestürzt! Zugegeben, ich war etwas ungeschickt. Wie auch immer, eure Musik ist Ruhestörung und wenn ich nur einen lauten Ton höre, nur einen einzigen, dann nehme ich euch den CD-Player weg!“
„In Ordnung, Frau Senfdazu“, versuchte Meini zu schlichten. „Das kommt bestimmt nicht mehr vor.“
„Na, dann wäre das ja hoffentlich geklärt!“ Senta drehte sich auf dem Absatz um und dampfte wütend ab.
„Das war knapp“, seufzte Trixie. „Aber es wäre ja auch nur dein CD-Player gewesen, Pinkie!“
„Ich hatte vollkommen vergessen, dass wir keinen Krach machen dürfen“, sagte Stephanie und sah entschuldigend zu Sportacus. „Dabei hat uns Onkel Meinhard extra daran erinnert! Hast du vielleicht eine Idee, Sportacus? Wir suchen einen Ort, an dem wir Tag und Nacht laute Musik spielen und tanzen können. Aber wir wollen niemanden stören.“
„Und uns soll auch niemand stören“, bekräftigte Trixie.
„Hm, leider nein. Habt ihr den Bürgermeister schon gefragt?“
„Haben wir“, sagte Stephanie. „Aber einen richtigen Ort für uns alleine haben wir nicht. Und er müsste vor allem schalldicht sein. Am liebsten wäre uns eine Disco. Damit wir auch mal abends unseren Tanzspaß haben können.“
„Das ist schwierig“, meinte Sportacus. „Ansonsten könntet ihr es ja bei mir Zuhause versuchen.“
„Ja! Das wäre toll!“, rief Ziggy begeistert. „Dein Luftschiff wäre eine tolle Disco!“
„Aber das ginge auch nicht immer“, sprach Sportacus weiter. „Gerade spät abends. Ich brauche meinen Schlaf. Und ihr eigentlich auch.“
„Ja, das wissen wir“, sagte Pixel. „Das hat uns auch der Bürgermeister gesagt. „Aber ab und zu, und vor allem in den Ferien, ist das doch nicht so schlimm, wenn wir mal lange aufbleiben. Oder etwa doch?“
„Natürlich nicht. Ich versteh' euch schon“, sagte Sportacus.
„Gehen wir doch ins Clubhaus rüber“, schlug Ziggy vor.
„Ja, versucht es dort einmal“, stimmte auch Sportacus zu. „Ich werde mir auch Gedanken darüber machen. Wenn mir was einfällt, sage ich euch Bescheid. Ich muss jetzt aber weiter. Bis später!“ Er vollführte seine Heldenpose und spurtete los. Freddie war richtig wütend. „Diese musikverrückten Gören!“, schimpfte er und rannte zum Tisch zurück. Er breitete voller Wehmut die Arme aus. „Sie haben mein Kunstwerk auf dem Gewissen!“, jammerte er. „Das sollen sie mir büßen! Ich weiß noch nicht wie, aber das Tanzen werde ich ihnen schon austreiben – FÜR IMMER!!!“ Er pickte die Kirsche aus seiner Sahnenase und kaute wütend darauf herum.

Das Clubhaus lag am Stadtrand, also würde die Musik vielleicht nicht stören, aber dafür hatten die Kinder ein anderes Problem. „Kein Platz!“, stöhnte Pixel. Er hatte sich das Schienbein angeschlagen, als er versucht hatte, Breakdance zu tanzen.
„Also wenn man richtig abtanzen will, tritt man sich wirklich auf die Zehen!“, sagte Trixie genervt. „Ansonsten wäre das Clubhaus ganz okay.“
„Und wie ist es mit dem Baumhaus?“, wollte Ziggy wissen.
„Ich glaube, das hält das Baumhaus nicht aus“, befürchtete Meini. „Wenn wir da alle so herumspringen...“
„Tanzen!“, korrigierte Trixie.
„Meinte ich doch“, sprach Meini, „Also wenn wir da tanzen, könnte das Baumhaus auseinander brechen.“
„Und jetzt?“, fragte Ziggy enttäuscht.
„Gehen wir mal auf die Wiese“, sagte Stephanie. Sie entfernten sich vom Stadtrand und gingen weit hinaus ins Grüne. „Das ist weit genug“, glaubte Stephanie. „Also hier dürften wir niemanden stören.“
„Höchstens die Marienkäfer und die Schmetterlinge“, sagte Meini.
„Ohhh...die Armen...“, sprach Ziggy mitleidig. „Dann können wir hier auch nicht hin.“
„Die suchen sich schnell einen anderen Ort“, tröstete Stephanie. „Und jetzt los! Tanzen wir!“

Als die Kinder ausgelassen getanzt und getobt hatten, ruhten sie sich auf der Wiese aus. „Und, was meint ihr?“, fragte Stephanie.
„Tja, Platz ist hier genug“, fand Pixel.
„Und beschwert hat sich auch keiner“, sagte Meini.
„Aber so ganz das Richtige ist das auch nicht“, meinte Trixie. „Da fehlt noch was.“
„Die Lichteffekte“, sagte Pixel. „Es fehlt buntes Discolicht. Man könnte hier Scheinwerfer aufstellen...“
„Ich glaube nicht, dass wir das dürfen“, wandte Meini ein. „Dafür gibt es bestimmt auch Regeln. Das Licht könnte jemanden stören.“
„Und überhaupt fehlen einfach richtige vier Wände und ein Dach!“, seufzte Trixie. „Wenn es regnet, dann...stehen wir im Regen!“
Stephanie holte aus ihrer pinkfarbenen Schultertasche einen Notizblock und einen Stift hervor. „Also: Auf der Wiese haben wir Platz und die Musik stört niemanden“, notierte sie. „Aber es fehlt Discolicht und wir haben keinen Regenschutz.“
„Das Clubhaus wäre okay, aber dort ist es zu eng für uns alle“, zählte Pixel auf. Er rieb sich noch immer das schmerzende Schienbein.
„Und das Baumhaus ist zu gefährlich“, ergänzte Meini. „Es könnte beim Herumspringen...“
„Tanzen!“, korrigierte Trixie abermals.
„Meinte ich doch! Also beim Tanzen könnte es vermutlich auseinander brechen.“
„Und wenn wir ganz vorsichtig tanzen?“, fragte Ziggy. „Auf Zehenspitzen? Wie beim Ballett?“
„Wenn du ein Tutu für Meini übrig hast?“, kicherte Trixie.
„Nein – kein Tutu für Meini!“, sagte Meini und schüttelte energisch den Kopf.
„Tu...tu?“, fragte Ziggy unwissend. „Du meinst ein Auto? Das hat Meini doch schon. Aaaach, du meinst diese kleinen Röckchen! Äh – muss ich dann auch eins tragen? Dann lieber kein Ballett.“
„Kein Ballett. Keine Röckchen. Notiere das bitte, Stephanie“, diktierte Meini.
„Hat jemand noch eine Idee?“, fragte Stephanie. „Wie wäre es mit einem Keller? Unser Keller ist leider zu voll, das würde nicht gehen. Aber wie sieht es bei euch aus?“
Ihre Freunde schüttelten betreten die Köpfe. „Unser Keller ist auch bis obenhin voll“, sagte Trixie. „Und in der Garage steht auch zuviel Zeug rum. Genauso wie auf dem Dachboden.“
„Wie bei mir“, bestätigte Pixel.
„Ich glaube, meine Mama erlaubt das nicht“, sagte Ziggy kleinlaut.
„Meine Eltern erlauben das auch nicht“, sagte Meini. „Da brauche ich gar nicht erst anfragen. Unsere Lieblingsmusik, und dann noch so laut, ist ihnen ein Greuel. Über klassische, ruhige Musik ließe sich jedoch reden.“
„Also müssten wir doch Ballett tanzen?“, fragte Trixie.
„Ich fürchte fast, ja.“
„Also haben wir nur noch Onkel Meinhard und Sportacus. Das ist immerhin besser als gar nichts.“
„Ja, aber die ideale Lösung ist es auch nicht“, sagte Trixie.

Freddie hatte die ganze Zeit mitgehört und war sehr zufrieden. „Anscheinend habe ich mir zu früh Sorgen gemacht“, meinte er. „Nirgendwo scheinen sie einen geeigneten Ort zu finden. Trotzdem muss ich mir überlegen, wie ich sie dazu bringe, überhaupt nicht mehr zu tanzen...Dafür brauche ich Ruhe...außerdem müsste ich mich waschen und was neues anziehen.“ Freddie sah seine mit Sahne bekleckerte Weste und Hose an. „Ich glaube, ich werde ein richtig schönes und entspannendes Wannenbad nehmen. Das ist genau das Richtige! Jaaaa! Quietsche-Entchen, ich komme!“ Freddie verließ das Periskop und schaltete seine Lautsprecher ab. So bekam er gar nicht mehr mit, dass Trixie soeben einen Einfall hatte.
„Augenblick mal! Mir kommt da gerade eine Idee.“
„Echt? Was für eine?“, wollte Ziggy wissen.
„Ich muss erst gucken, ob diese Idee auch wirklich gut ist. Wenn ja, dann sage ich euch Bescheid. Klar?“
„Klar! Und wie lange wird das dauern?“, fragte Pixel.
„Wenn alles so klappt wie ich mir das denke, dann bis heute Abend. Aber ich weiß wirklich noch nicht, ob das auch funktioniert. Also macht euch bitte noch keine großen Hoffnungen.“ Ihre Freunde versprachen es und warteten ab.

Es war schon Abend und fast dunkel, als sich Trixie telefonisch bei Stephanie meldete. „Also seid ihr bei Trixie?“, fragte Meinhard seine Nichte.
„Ja. Sie hat einen Platz zum Tanzen gefunden, sagt sie. Darf ich gehen? Ich weiß, es ist schon spät...“
„Schon in Ordnung“, sagte Meinhard. „Aber wenn ihr die Nacht zum Tag macht, dann sage mir bitte vorher Bescheid, damit ich mir keine Sorgen mache.“
„Geht klar, Onkel Meinhard! Tschüss!“
„Ach Gottchen!“, sagte der Bürgermeister lächelnd, als er seiner Nichte nachschaute. „Jung müsste man wieder sein!“
Als Stephanie am Rathaus vorbei ging, traf sie bereits auf ihre beste Freundin. „Wolltest du mich abholen?“, fragte Stephanie überrascht. „Davon hast du nichts gesagt. Wohin gehen wir? Zu dir nach Hause?“
„Sag' ich gleich. Wir müssen nur noch auf die anderen warten.“ Bald waren alle Freunde versammelt. „Ich habe einen Platz gefunden“, verkündete sie ihnen geheimnisvoll. „Folgt mir!“ Sie drehte sich um und ging auf das Rathaus zu.
„Äh, Trixie?“, fragte Stephanie unsicher. Aber Trixie sagte nichts und ging weiter. Dann machte sie jedoch einen Bogen um das Rathaus. Stephanie war erleichtert. Sie hatte schon eine böse Vorahnung gehabt. Aber dann musste sie mitansehen, wie sie auf der Rückseite des Gebäudes ein Fenster öffnete und einstieg. Stephanie war entsetzt. „Trixie...!“
„Es ist alles okay. Das Fenster war nicht richtig zu. Also komm!“
„Das werde ich nicht!“
„Dann bleib' hier stehen. Und was ist mit euch?“ Meini, Pixel und Ziggy waren unschlüssig.
„Hat der Bürgermeister das erlaubt?“, fragte Ziggy.
„Er hat es zumindest nicht verboten!“, meinte Trixie.
„Und warum klettern wir durch das Fenster?“
„Weil ich keinen Schlüssel für die Tür habe! Darum! Mensch Ziggy, jetzt komm aber! Ich habe mir so eine Mühe gegeben!“ Stephanie wurde immer unwohler. Was hatte ihre Freundin wohl angestellt? Das konnte doch kein gutes Ende nehmen!
„Kommt wenigstens einmal gucken!“, bettelte Trixie. Die Freunde ließen sich überreden und kletterten nun doch hinein. „Aber lasst das Licht aus!“, warnte Trixie.
„Warum?“, fragte Ziggy. „Dann sehe ich doch nichts!“
„Weil ich es sage, darum! Kommt mir nach! Immer ganz geradeaus und dann rechts! Passt auf, dass ihr euch nicht stoßt.“
Trixie führte ihre Freunde durch das Büro und dann eine Treppe hinunter, die in den großen Keller führte. Hier lagerte der Bürgermeister alle alten Akten, Ordner und Dokumente fein säuberlich in großen und hohen Regalen. Trixie schaltete das Licht an. „TADAAAAAA!“
Stephanie erschauerte. An der hintersten Wand, an der ein hohes Regal stand, hatte Trixie ihre Musikanlage und ihr Mischpult postiert. Davor auf dem Boden, standen drei bunte Scheinwerfer und an der Decke hing sogar eine Discokugel. Die Regale ringsherum waren mit bunten Glittergirlanden geschmückt, die sonst nur am Weihnachtsbaum zu finden waren.

Trixie sah ihre Freunde erwartungsvoll an. „Und, was sagt ihr?“, fragte sie.
„Genug Platz zum Tanzen hätten wir“, überlegte Pixel. „Und es sieht super aus! Wirklich!“
„Aber es ist verboten!“, betonte Stephanie. „Trixie! Was hast du dir dabei gedacht, einfach in das Rathaus einzusteigen? Wenn Onkel Meinhard das herausfindet, bekommen wir alle Ärger und dürfen bestimmt nirgendwo mehr tanzen! Hier hebt er alle wichtigen Sachen auf! Wenn wir was kaputt machen, dann...“
„Wir machen nichts kaputt, Pinkie. Okay, vielleicht war die Idee nicht ganz so gut. Aber jetzt habe ich das ganze Zeugs hier. Ich mache dir einen Vorschlag: Wir tanzen nur heute im Rathaus. Und dann bauen wir alles ab und die Sache ist vergessen.“
Stephanie atmete tief durch. „Gut. Meinetwegen. Nur hoffe ich, dass uns in der Zwischenzeit keiner sucht. Und wir dürfen nicht zu lange hier bleiben! Onkel Meinhard wollte nämlich, dass ich vorher anrufe, wenn es länger dauert.“
„Anrufen kannst du auch von hier aus. Das ist kein Problem.“
„Ja, aber wenn er vorher bei dir anruft, Trixie – bei dir Zuhause – und deine Eltern wissen von nichts, dann...“
„Was hast du eigentlich deinen Eltern erzählt, wo du bist?“, fragte nun Meini.
„Ich-ich habe gesagt, wir sind im Clubhaus. Die ganze Nacht über.“
„Und das haben sie geglaubt? Sie werden bestimmt nachsehen wollen, ob alles in Ordnung ist.“
„Wir werden nicht die ganze Nacht hierbleiben, Meini. Ihr könnt alle ganz entspannt sein. Ich habe übrigens noch eine besondere Überraschung, die ich euch nachher zeigen will.“

Von Trixies sogenannten Überraschungen hatte Stephanie schon jetzt genug. Am liebsten wäre sie sogar gegangen, aber dann hätte sie erst recht ein ungutes Gefühl gehabt. Sie wollte auf keinen Fall Trixie und ihre Freunde hier alleine lassen. Wer weiß, was ihrer besten Freundin noch eingefallen wäre! So versuchte sie für kurze Zeit ihre Sorgen wegzutanzen. In der Mitte des großen Kellers war genug Platz für sie alle. Die bunten Scheinwerfer flackerten und die Discokugel und die Girlanden glitzerten um die Wette.  
„Aber mach' die Musik nicht zu laut!“, bat Stephanie.
„Ich pass' schon auf. Aber ich bin sicher, uns wird niemand hören!“ Trixie legte ihre heißesten Scheiben auf. Sie hatten noch nicht lange getanzt, da fand Stephanie, dass es hier stickig wurde. „Das kommt von dem vielen Staub hier drin“, sagte Meini. „Und wir haben hier auch kein Fenster. Am besten, wir lassen die Kellertür offen und machen im Büro alle Fenster auf. Dann haben wir richtig Durchzug und frische Luft kommt rein.“
„Gute Idee“, sagte Stephanie. „Das werde ich mal tun. Aber schaltet die Musik kurz aus, sonst hört uns jemand!“ Stephanie stieg die Stufen hinauf und öffnete die Tür. Sie erschrak: Im Büro war Licht! Stephanie schloss die Tür und lief die Treppe hinunter. „Onkel Meinhard ist da!“, rief sie aufgebracht. „Mein Onkel ist im Büro!“
Ihre Freunde wurden starr vor Schreck. „WAS?“, rief Pixel. „Bist du ganz sicher?“
„Er ist es!“ Mit einem Schlag war die gute Stimmung dahin. Trixie, Ziggy, Meini und Pixel verfielen in Panik. „Ssssccchhhhtt!“, zischte Stephanie. „Seid doch still! Er geht bestimmt gleich wieder!“
„Was sucht er um diese Zeit hier?“, fragte Trixie.
„Vielleicht hat er was vergessen“, flüsterte Stephanie. In der Tat vermisste Meinhard etwas und hoffte es hier zu finden. „Wo habe ich denn nur meine Geldbörse?“, fragte er sich. „In der Jacke ist sie nicht, Zuhause finde ich sie auch nicht, also kann sie doch nur hier sein! Wenn ich sie nur nicht verloren habe!“
Die Freunde liefen die Treppe hoch, drückten sich alle an die Tür und versuchten zu horchen. „Er sucht seine Geldbörse“, flüsterte Stephanie.
„Er wird sie doch nicht hier im Keller suchen wollen?“, fragte sich Meini nervös.
„Ich will's nicht hoffen“, sagte Stephanie.
„Meine Nase kribbelt“, klagte Ziggy. „Das kommt von dem Staub!“
„Untersteh' dich zu niesen!“, wies ihn Meini zurecht. „Das verbiete ich dir!“
„I-ich kann nichts dagegen...mach..ha- ha- ha...“
Meini hielt ihm die Nase zu. Gerade noch rechtzeitig. „Danke!“
„Am besten wir warten einfach ruhig ab“, schlug Stephanie vor, „und machen das Licht aus. Geht ihr schon mal runter.“

Die Kinder gingen leise die Treppe hinab. „Macht die Scheinwerfer ganz zuletzt aus“, sagte Stephanie leise. „Sonst sehe ich nichts mehr.“ Sie schaltete das Kellerlicht aus und ging als Letzte die Treppe hinunter. Dann setzten sie sich an Trixies Mischpult und Pixel schaltete die Scheinwerfer aus. „Ich hab' aber Angst im Dunkeln!“, bibberte Ziggy.
„Wir sind ja bei dir!“, tröstete Stephanie. „Und jetzt still!“
Die Kinder warteten einige Minuten im Dunkeln ab. Sie beobachteten das Licht, das durch das große Schlüsselloch und durch die Türritzen fiel. Sie wollten abwarten, bis Meinhard im Büro das Licht löschte.
„Au!“, rief Trixie halblaut.
„Pscht!“, zischte Meini.
„Ich hab' mich auf was draufgesetzt“, flüsterte Trixie. Kurz darauf vernahmen sie ein zischendes Geräusch. „Hört ihr das?“, wisperte Ziggy.
„Ja. Was ist das?“, flüsterte Meini. „Trixie! Kommt das von deiner Anlage?“
„Ich habe sie ausgestellt.“
„Irgendwie wird die Luft hier so dick!“, sagte Pixel. Der Lichtschein, der durch das Schlüsselloch fiel, verschleierte sich. „Spinn' ich, oder qualmt es hier?“
„Neeeiiinnn..!“, quietschte jetzt Trixie. „Ich habe die Nebelmaschine angemacht!“
Stephanie erschrak. „Die was?!“
„Nebelmaschine! Das war meine Überraschung, von der ich gesprochen habe!“
„Mach sie aus!“
„Ich glaube, es geht nicht! Ohne Licht finde ich den Schalter nicht!“
„Dann setze dich noch mal drauf, dann geht sie vielleicht aus!“
„Hähä, sehr witzig, Meini!“
„Versuch's doch erst mal, bevor du mich auslachst!“
„Ich finde den Schalter nicht mehr! Ich sehe nichts!“
„Ich versuch mal das Licht anzuschalten“, sagte Stephanie und tastete sich ganz vorsichtig voran.

Sie ging dem schwachen Lichtschein aus dem Schlüsselloch nach, den sie noch eben sehen konnte und versuchte, auf der Treppe nicht zu stürzen. Sie schaltete das Licht an. Der ganze Keller war bis zur Decke von dichten Nebelschwaden durchflutet. „Trixie, kriegst du die Maschine aus?“, hörte sie Pixel aus dem Nebeldunst fragen.
„Nein! Sie ist kaputt! Ach Maaaann! Da kommt immer mehr raus!“ Stephanie stand an der Tür und guckte durch das große Schlüsselloch. Ihr Onkel war noch immer da. Verzweifelt sah Stephanie in den dichten, weißen Nebel. Man konnte nicht mal die eigene Hand vor Augen sehen!
„Ich wusste, dass die Maschine nicht richtig funktioniert!“, lamentierte Trixie. „Hätte ich mal die Finger von gelassen!“
„Zieh' doch den Stecker!“, sagte Pixel.
„Auuaa!“ Meini war über einen Scheinwerfer gestolpert. Rotes Licht durchflutete plötzlich den Keller. „Leise! Leise!“, flehte Stephanie inständig ihre Freunde an. Der dichte Nebel zog bereits durch die Türritzen. Meinhard hatte seine Geldbörse endlich gefunden, als ihm jetzt der Qualm auffiel. „Ach Gottchen! Ist das Rauch? Aber...der kommt ja aus dem Keller!“
„Onkel Meinhard kommt!“, rief Stephanie halblaut ihren Freunden zu. Sie löschte das Kellerlicht.
„Nebel aus!“
„Scheinwerfer aus!“
„Seid ruhig!“, flüsterte es durch den Nebel. Stephanie hatte keine Zeit mehr, sich selbst zu verstecken. Als Meinhard kam, blieb sie einfach an der Wand, direkt hinter der geöffneten Tür stehen und hoffte, nicht entdeckt zu werden. Der rote Scheinwerfer war noch immer an und warf ein flackerndes Licht durch den dicken Nebel. Geschockt starrte Meinhard in den rötlichen Rauch.
„FEUER!“, schrie er plötzlich. „FEUER! FEEEUUUUEER!!“ Dann lief er weg. Der ganze Qualm breitete sich im Büro aus. Vor Aufregung konnte Meinhard weder den Feuerlöscher finden, noch die Feuerwehr anrufen. Er rannte nach draußen. „ZU HIIILFEEE!! FEEEUUUEEERRR!!!“, brüllte er vor dem Rathaus. Schlimmer hätte es für die Kinder nicht kommen können.
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