Eine lange Weile Langeweile

GeschichteHumor, Freundschaft / P18 Slash
Harry Potter Severus Snape
13.06.2015
15.03.2016
53
191.246
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13.06.2015 3.024
 
Titel: Eine lange Weile Langeweile

Autorin: KrissyNightwish

Pairing: Es kann nur das Eine geben! :-) Harry und Severus!

Genre: Humor und auch ein bisschen Drama ;-)

Zusammenfassung: Voldemort ist besiegt und überraschenderweise breitet sich in Harrys Leben etwas aus: Langeweile. Aber damit ist er nicht allein - auch Professor Snape langweilt sich. Sie treffen aufeinander wie zwei kollidierende Sterne - und sorgen für jede Menge Furore.

Warnung: Ein bisschen OOC ist es natürlich. :-D

Anmerkung: Diese Geschichte wird lustig. (Hoffe ich ;-)) Allerdings finde ich "sinnlos" humorvolle Geschichten zwar amüsant, aber es liegt mir nicht so, daher wird es hier auch Charakterentwicklung und zeitweise ein wenig Ernstes geben. :-) Aber keine Sorge, in erster Linie wird hier gelacht - und der Kitsch hält sich in Grenzen. :-D Viel Spaß!

An alle Leser von "Die Saat des Bösen": *ggg* Glaubt ihr wirklich, ich kann eine Snarry-FF so enden lassen? :-D Schaut für mehr Infos in mein Profil. (Dankesbriefe nehme ich gerne entgegen. ;-))

Und nun beste Unterhaltung mit meinem neusten Werk. :-)


Kapitel 1: Und dann kam Snape

Harry starrte an die Decke des Klassenraums. Die dunklen Flecken rührten sicherlich von den unzähligen Kesseln her, die hier bereits explodiert waren; seine miteingeschlossen. Wie lange war es nun her, dass ihm so etwas das letzte Mal passiert war? Viel zu lange, entschied Harry. Alles wäre ihm recht gewesen, um ihn von diesem unerträglichen Zustand abzulenken: Langeweile.

Voldemort war nun seit vier Monaten tot, seit drei war er wieder zurück in Hogwarts und seit zwei Monaten langweilte er sich zu Tode. Den ersten Monat seines siebten Schuljahres hatte er noch mit exzessivem Lernen überbrücken können, bis ihm schließlich vor zwei Monaten jedes Fach leicht fiel. Wer hätte gedacht, dass seine früher durchschnittlichen Noten daran lagen, dass ihn jahrelang ein wahnsinniger Zauberer im Nacken gesessen hatte. Nun, da die Bedrohung vorbei war, war alles von ihm abgefallen und Harry hatte offenbart, was für ein großartiger Zauberer er war. Jedes Fach fiel ihm leicht; sogar in Zaubertränke erreichte er ein Ohnegleichen! In jedem seiner Fächer, abgesehen von Geschichte der Zauberei hatte er Bestnoten. Geschichte der Zauberei war einfach viel zu langweilig; etwas, das seinem aktuellen Gemütszustand nicht sonderlich zuträglich war.

Harrys Blick schweifte umher und blieb an Snape hingen. Auch er hatte sich verändert. Seine Stimme klang so gelangweilt, wie Harry sich fühlte. Die Bösartigkeit war von ihm abgefallen, stattdessen war auch dort nur noch Monotonie. Auch Snapes Gang war anders geworden. Der einst so stolze, hochmütige und furchteinflößende Gang war langsamer geworden; irgendwie gebückter.

Hätte Harry es nicht besser gewusst, hätte er angenommen, dass auch Snape sich langweilte; und sogar Gefallen an seinen beiden Fächern verloren hatte. Ja, Snape unterrichtete inzwischen Zaubertränke und Verteidigung. Harry grinste bei der Vorstellung, dass Snape nicht ausgelastet war, und deswegen jeden Posten annahm.

Sie hatten heute eine theoretische Stunde, in der Snape über den Trank der lebenden Toten dozierte, den sie nächste Stunde brauen und in dieser vorbereiten sollten. Harry hatte sich bereits einen Plan zurecht gelegt, wie er den Trank brauen wollte und hörte deswegen nur mit halbem Ohr hin. Obwohl er inzwischen spielend gute Noten in Zaubertränke erreichte, wollte ihm nicht in den Sinn, was man daran spannend finden konnte. Und Snape machte es zur Zeit auch nicht gerade leicht, Begeisterung für dieses Fach zu entwickeln.

Die Pausenglocke ertönte. "Wir sehen uns in fünfzehn Minuten im Verteidigungsklassenraum", hörte Harry Snape sagen.

Seufzend erhob sich Harry und ging dann den gewohnten Weg in den anderen Raum. Wer war auf die Idee gekommen nach einer Doppelstunde Zaubertränke, eine Doppelstunde Verteidigung zu legen? Harry seufzte erneut und trottete den Gang entlang; versuchte die Langeweile aus seinen Gliedern zu vertreiben, doch es half nichts. Es war gähnend langweilig. Hermine und Ron waren mit sich beschäftigt, seitdem sie sich ihre Gefühle eingestanden hatten, seine Mitschüler mit dem Unterricht oder ihren belanglosen Liebschaften und unzähligen, hanebüchen Gerüchten, die täglich in der Schule kursierten.

Pünktlich wie immer betrat auch Snape den Klassenraum und begann seinen Monolog von eben fortzusetzen; nur dieses Mal über unvorhergesehene Angriffe. Harry starrte auf einen Punkt an der Wand hinter Snape. Wegnicken durfte er sich hier nicht erlauben. Snape war zwar seit ihrem Sieg über Voldemort bei Weitem nicht mehr so gemein zu Harry, aber anspruchsvoll war er noch immer; und erwartete einen gewissen Respekt und Anstand von seinen Schülern; ignorierte Harry aber ansonsten. Was gab es auch noch zu sagen?

Snape war immer auf ihrer Seite gewesen und hatte seine Rolle als Doppelspion bis zum Schluss mit Bravour gespielt und mit seinen Informationen maßgeblich zum Sturz des Dunklen Lords beigetragen. Seitdem war Ruhe eingekehrt und Snape war nicht mehr als ein etwas unheimlicher, anspruchsvoller Lehrer geworden.

Seit klar geworden war, dass Harry inzwischen jedes Fach spielend meistern konnte, hatte Snape ihn jedoch noch mehr links liegen lassen, was Harry nur recht war; auch wenn es dazu beitrug, dass seine Langeweile noch größer wurde.

"Mister Potter!" Die dunkle, ölige Stimme sprach seinen Namen. Es war ewig her, dass Snape ihn direkt angesprochen hatte. "Kommen Sie bitte nach vorne!"

Leicht irritiert stand Harry auf, ließ dabei Snape keinen Moment aus den Augen, der ebenfalls seinen Blick auf Harry fixiert hatte. Ein Schauer rann über Harrys Rücken. Irgendwas stimmte nicht. Harry spürte es. Der Blick, der Snape ihm zuwarf, war ihm nicht geheuer. Was hatte Snape vor? In seinen Augen stand ein Glanz, den Harry ewig nicht mehr gesehen hatte, da war etwas Herausforderndes, Lauerndes.

Es war ein jahrelang antrainierter Reflex. Innerhalb des Bruchteils einer Sekunde zog Harry seinen Zauberstab. Keinen Moment zu früh, denn Snape zückte seinen und schoss einen Fluch auf Harry ab. Dieser blockierte ihn augenblicklich, sah Snape leicht irritiert an, während er registrierte, wie einige Schüler die Hand vor den Mund schlugen. Gemurmel wurde laut. "Wieso greift er ihn an?" "Darf ein Lehrer das?"

Doch Harry nahm es nur am Rande wahr. Er sah das Funkeln in Snapes Augen, als dieser wieder einen ungesagten Fluch zu ihm schickte, den Harry parierte. Was sollte das werden? Und dann kam noch ein Fluch. Und noch einer. Nun war es Harry genug. Er schickte nun seinerseits den ersten Angriffszauber ab, was doch tatsächlich ein leichtes Grinsen auf Snapes Gesicht zauberte, als er den Fluch abwehrte.

Aber auch jetzt war es nicht genug. Snape schickte einen Fluch nach dem anderen auf Harry ab, der sich selbst nun nicht mehr aufs Verteidigen beschränkte. Immer stärker wurden die Zauber, die er sprach, bis er richtige Angriffszauber benutzte. Wenn Snape einen Kampf wollte, sollte er ihn bekommen. Kaum dass Harry den ersten starken Angriffszauber ungesagt "gesprochen" hatte, sah er wieder das kleine Lächeln auf Snapes Gesicht. Hatte Snape Freude daran?

Harry duckte sich, als er einen Fluch nicht mehr abwehren konnte und hörte nur, wie das leere Aquarium hinter ihm zerbarst. Kurz sah er sich um, grinste und griff Snape weiter mit diversen Flüchen an. Er merkte, wie Aufregung seinen Körper flutete, höchste Konzentration sich in ihm aufbaute. Es war fantastisch.

Dann brach es richtig los. Unentwegt griffen sich die beiden an, schickten um Fluch um Fluch auf den anderen, schützten sich im selben Augenblick vor den ankommenden Flüchen. Harry trippelte von einem Bein aufs andere, duckte sich, hechtete zur Seite, rollte, nahm seinen Stuhl zum Schutz, der von einem Fluch zerschlagen wurde, woraufhin er das letzte Stück Holz auf Snape warf und ihm gleichzeitig einen Fluch mitschickte. Dieser drehte sich in einer eleganten Bewegung weg, wich dem Fluch aus und sendete einen neuen auf Harry. So ging es hin und her. Ein Gewitter aus Geräuschen und Farben war entstanden, brannte vor aller Augen im Verteidigungsklassenzimmer ab.

Zum ersten Mal seit Monaten war Harry hellwach; spürte Adrenalin durch seine Adern pumpen, fühlte sich lebendig. Snape war ein herausragender Duellant, aber er selbst hatte es auch drauf. Harry wich erneut aus, sein Atem ging inzwischen heftig und er sah auch bei Snape erste Schweißperlen auf der Stirn, doch der Ausdruck in seinen Augen war unglaublich: Es brannte regelrecht in ihnen, ein unlöschbares loderndes Feuer, das Harry auch in seinem eigenen Innern spürte.

Gerade blockierte Snape einen weiteren seiner Flüche, nicht ohne eine gewisse Anstrengung im Gesicht zu zeigen, Harry hatte viel Kraft in diesen Fluch gelegt, und rief dann "Finite Incantatem."

Augenblicklich ließ Harry den Zauberstab sinken, spürte sein Herz laut schlagen und seine Lungen brennen. Als Snape sich nun der Klasse zuwandte, tat es Harry ihm gleich. Der Ausdruck auf den Gesichtern seiner Mitschüler wechselte zwischen Begeisterung, Unglauben, Erschütterung und Überraschung.

"Und so, Damen und Herren, verteidigt man sich gegen unvorhergesehene Angriffe", erklärte Snape. "50 Punkte für Gryffindor."

Nun starrten alle, inklusive Harry, Snape so voller Fassungslosigkeit an, als wäre er verrückt geworden. Keiner wagte es mehr sich zu bewegen, geschweige denn zu atmen; alle warteten auf den großen Knall; das schicksalsbestimmende Ereignis, das vom Himmel gelenkt dafür sorgen würde, dass dies nicht geschah. Doch es passierte gar nichts.

Erst das Schrillen der Pausenglocke ließ alle aus ihrem Trance erwachen und wie die Ameisen bei einem Feuerangriff ergriffen sie die Flucht, konnten nicht glauben, was hier geschehen war. Harry war wie angewurzelt stehen geblieben und sah Snape noch immer schwer atmend an. Dieser hatte dem letzten Schüler, der gerade den Klassenraum verlassen hatte, nachgesehen.

Nun blickte er Harry direkt an, hob dabei seine Augenbrauen. Ein leichtes Lächeln huschte über Harrys Züge. "Danke, Sir", sagte er nur. Snape nickte, woraufhin Harry sich seine Tasche schnappte und den Klassenraum verließ; sich so lebendig wie seit vielen Monaten nicht mehr fühlend.

***

Das Abendessen war nur eine halbe Stunde nach dieser denkwürdigen Stunde, doch da kochte die Gerüchteküche bereits über. Noch während Harry zu seinem Platz am Gryffindortisch ging, hörte er, wie sich die Nachricht weiter verbreitete und welche Theorien seine Mitschüler hatten, warum dies passiert war.

"Snape hat Potter Punkte gegeben!", flüsterte ein Hufflepuff. "Was?", schrie ein entsetzter Drittklässler daraufhin.

Ein Ravenclaw analysierte sachlich: "Er hatte bestimmt einen Streit mit seinen Slytherins und wollte es ihnen heimzahlen."

"Er will zeigen, dass er auf Harrys Seite ist", mutmaßte ein anderer. "Warum? Voldemort ist tot", gab sein Freund zu bedenken. "Stimmt. Hm, vielleicht fand er es lustig." "Bist du blöd? Sieht Snape so aus, als würde er irgendwas lustig finden?"

"Die beiden haben eine Affäre", flüsterte ein Mädchen aus Hufflepuff. "Spinnst du?", fragte ihre Freundin. Das Mädchen zuckte mit den Schultern. "Welchen Grund sollte Snape sonst haben, als seinen Loverboy zu belohnen." "Du bist krank."

Als Harry sich niederließ, hörte er vom benachbarten Ravenclawtisch, wie ein Fünftklässler meinte: "Potter hat ihn bestimmt erpresst." "Wie?" "Er hat ihn in einer peinlichen Situation erwischt." "Welche Situation könnte so peinlich sein, dass er Potter dafür Punkte gibt?" "Sex." "Snape hat doch keinen Sex." "Mit sich selbst." "Das würde doch eh keiner glauben." "Er hat Fotos." " Ist Potter unter die Voyeure mit Kamera gegangen, oder was?"

Harry senkte den Kopf über seine Suppe und biss sich auf die Lippe, um das Lachen zu unterdrücken, das in ihm aufgestiegen war. Wie köstlich! Da gab ihm Snape einmal Punkte und schon stand die Schule Kopf.

"Snape hat eine Wette verloren", flüsterte ein anderer.

"Potter hat ihn verhext", lautete eine weitere Theorie.

"Das war einen Gegenleistung für einen Blowjob." "Potter hat Snape einen geblasen!?" "Was sonst?"

Harry wären seine Augen wahrscheinlich in seine Suppe gefallen, wenn sie nicht festgewachsen wären. Er spürte, wie seine Schultern vor Lachen bebten. Wie kamen seine Mitschüler nur auf solche Ideen? Ehrlich gesagt, war es ihm egal. Er wusste nur eines: Er langweilte sich gerade nicht das kleinste bisschen.

***

So amüsant es auch war den Gerüchten zu lauschen, so todbringend langweilig war die Stunde Geschichte der Zauberei am nächsten Nachmittag. Dass sein Kopf nicht laut auf die Tischplatte knallte, war auch alles. Ständig schlummerte er weg, wachte dann mit einem leichten Schrecken wieder auf; nur um dann wiederum festzustellen, wo er war und wieder einzunicken. Er musste raus hier.

Kaum, dass es zur Pause klingelte, sprang Harry auf. Seine letzte Stunde für heute. Welcher Idiot legte dieses Fach auf Freitagnachmittag? Kaum dass frische Luft seine Lungen füllte, atmete er erleichtert auf. Endlich etwas, dass sein Gehirn wieder belebte. Bei Professor Binns hatte er immer das Gefühl, sein Gehirn würde eingeäschert werden.

Harry zog seinen Mantel enger um seinen Körper, die Luft war kalt. Im Licht des Schlosses sah er, wie sein Atem als gespenstige Gestalt aufstieg. Harry beschleunigte seine Schritte, um ein wenig Wärme in seine Glieder zu befördern. Zügig schritt er auf den See zu, als er plötzlich im Dunkeln jemanden ausmachte. Der wallende Umgang, die hohe Gestalt. Das war eindeutig Snape, der gerade am See entlang ging; den Rücken Harry zugewandt. Harry überlegte nur für einen kleinen Augenblick. Dann wusste er, was er wollte.

"Professor!" Er gab ihm nur diesen einen Versuch.

Als Snape sich umwandte, hatte Harry schon seinen Zauberstab gezückt und schickte den ersten Fluch auf seinen Lehrer los. Der Ausdruck in Snapes Gesicht hatte etwas mörderisches, als er den Fluch parierte. Er kam einige schnelle Schritte auf Harry zu, doch dieser griff Snape abermals an. Es dauerte noch einen weiteren Fluch von Harry, dann endlich erwiderte Snape; griff ihn nun im Halbdunkeln seinerseits an.

Noch erbitterter schickten sie Flüche hin und her. Das Farbenspektakel in der einsetzenden Dämmerung war unglaublich; Flüche mit alle ihren Farben wirbelten durch die kalte Luft, die die erhitzte Haut der beiden Duellanten kühlte, während sie sich erbarmungslos angriffen. Hinter jeden Fluch legte Harry besonders viel Kraft und er spürte, dass Snape dies ebenfalls tat; seine Angriffe waren fokussierter, stärker, gefährlicher.

Harry spürte, wie Aufregung ihn positiv erzittern ließ. Es blieb keine Zeit zum Denken, er handelte instinktiv, fing die Flüche ab und sandte neue los; es war beinahe wie atmen, natürlich, geschah ohne nachzudenken. Er sprang hinter einen Busch, der in Flammen aufging. Er hatte spüren können, dass er diesem Brandzauber nicht ausweichen konnte. Noch während er den Brand löschte, schützte er sich vor neuen Flüchen und griff wiederum an. Dies geschah alles in so atemberaubender Geschwindigkeit, dass es für einen Zuschauer zu einem undurchsichtigen Spektakel aus Flüchen geworden war. Und Harry genoss jede Sekunde davon.

Er hörte den Fluch lauter als die anderen zuvor und als er sich umwandte, erwischte ihn der Fluch an der Wange, hinterließ eine blutende Schramme. Harry keuchte auf, sah Snape an, der ihn leicht triumphierend taxierte. So nicht. Harry schwang wieder seinen Zauberstab, legte noch mehr Kraft in seine Flüche. Er traf nun seinerseits, doch Snape war schnell. Das ratschende Geräusch ließ vermuten, dass Harry nur seinem Umhang getroffen hatte. Doch es blieb keine Zeit für Vermutungen.

Hin und her gingen die Flüche. Es war anstrengender als jemals zuvor und Harry hielt durch. Doch irgendwann wurde er so erschöpft, dass es gefährlich wurde. Snape würde ihn nicht davonkommen lassen. So rief er "Finite Incantatem." Und wie auch er gestern im Unterricht, ließ nun Snape seinen Zauberstab sinken.

Die Sonne war gänzlich hinter den Hügeln versunken. Nun standen sich die beiden im Dunkeln gegenüber; das Licht des Schlosses erhellte ihre Gesichter; ihre Blicke hielten sich fest. Dort war wieder dieses Feuer zu sehen. "Erwarten Sie nicht, dass ich Ihnen wieder Punkte gebe", äußerte Snape außer Atem.

Harry grinste. "Ich bin froh, dass Sie mir keine abziehen für das Attackieren eines Lehrers, Sir."

"Richtig erkannt, Mister Potter. Aber ich bin auch nicht irgendein Lehrer", gab Snape dunkel zurück. Harry konnte ihm nur nickend zustimmen. Es war ein berauschendes Gefühl, das er gerade erlebte.

"Hungrig?", fragte er dann. Als Snapes Augenbrauen in die Höhe schossen, fügte er hinzu: "Das Essen in der Großen Halle hat angefangen. Wollen wir hineingehen?"

"Zusammen?", fragte Snape kritisch. Harry lachte auf. "Sie meinen, schlimmer kann es um meinen Ruf, nachdem ich Ihnen Punkte gegeben habe, nicht mehr stehen?", fügte Snape dunkel hinzu, doch da war noch etwas anderes in seiner Stimme.

"Richtig, Sir", erwiderte Harry. Snape blieb stumm, funkelte Harry nur aus seinen dunklen Augen an, die eindeutig eine Spur Amüsement zeigten. Es war offensichtlich, dass Snape ihre Aufeinandertreffen so sehr genoss wie er selbst. "Es ist nach Einbruch der Dunkelheit Schülern nicht gestattet, sich allein auf dem Gelände zu bewegen. Ich begleite Sie."

Es war vollkommen klar, dass dies eine Ausrede war, falls er mit Potter gesehen werden würde, daher konnte sich Harry auch ein gemurmeltes "Schließlich trauen sich weder Bezwinger noch Spion des Dunklen Lords allein durch die Dunkelheit." nicht verkneifen. Snapes Blick streifte ihn, während sie zurück zum Schloss gingen.

Als sie vor den Türen zur Großen Halle standen, meinte Snape: "Ein bisschen meinen Rufes möchte ich mir noch erhalten. Nach Ihnen", sagte er und vollführte eine angedeutete Verbeugung, die nichtsdestotrotz sarkastisch wirkte. Harry nickte ihm zu und trat in die Große Halle, Snape folgte in einigen Metern Abstand.

Harry fühlte sich so gut wie schon lange nicht mehr und konnte auch sein Grinsen nicht verbergen, während er sich am Tisch neben seinen Freunden niederließ. Dort entging niemandem das große Grinsen auf Harrys Gesicht, während Professor Snape mit einem dermaßen erhobenen Gang nach vorne schritt, dass seine Robe so beeindruckend hinter ihm herwallte wie schon seit vielen Monaten nicht mehr. Entsprechend zog er alle Blicke auf sich und diesen entgingen nicht, dass sein Umhang an der Schulter zerfetzt war und Blick auf ein bisschen Haut frei gab; war doch das Hemd darunter ebenfalls zerrissen.

"Was hast du an der Wange?", fragte Hermine besorgt. Harry sah auf und befühlte überrascht die Schramme an seiner Wange, die er vollkommen vergessen hatte.

Wieder musste er lächeln. "Nichts", log er, senkte den Kopf und begann so herzhaft reinzuhauen, wie seit vielen Wochen nicht mehr.

***
Der Auftakt zu meiner neuen Geschichte. Wie hat es euch gefallen?
Bis zum nächsten Kapitel!
Krissy
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