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Cold to the touch

von Alaiya
GeschichteKrimi, Suspense / P16 / Gen
OC (Own Character)
13.06.2015
19.09.2016
6
14.925
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19.09.2016 2.963
 
War es nur ein Zufall? Etwas sagte Joanne, dass dies nicht der Fall war.
Sie arbeitete seit fünf Jahren im Hafen und nie hatte sie einen der Logistiker nachts allein im Hafen gesehen. Und dann, ziemlich genau eine Woche später, kommen ein paar Runner und überfallen den Hafen an genau derselben Stelle?
Noch einmal betrachtete sie die Videoaufzeichnung, die Michael Förster – wie er sich ihnen vorgestellt hatte – in der Nacht vor über einer Woche zeigten. Es war nicht nur auffällig, dass er alleine unterwegs war. Nein, obwohl er sich sehr ruhig und routiniert verhielt und eine entspannte Körperhaltung zeigte, fiel auf, dass er sich sehr geschickt von den Kameras fernhielt. Nachdem er den Sichtbereich der Kamera am Gebäudeausgang verlassen hatte, erschien er nur noch drei Mal kurz am Rand von Kamerabildern – kaum mehr als ein Schatten.
Joanne erinnerte sich, dass sie in jener Nacht gemeint hatte, etwas zu sehen und war sich nun sicher, dass es er gewesen war.
Und die Container, deren Daten er angeblich abgefertigt hatte, waren im selben Bereich des Hafens gewesen, auf den der Shadowrun stattgefunden hatte.
„Du bist noch immer hier?“, lies eine Stimme sie aufschrecken.
Sie sah zu Markus, einem Elfen mit kurzgeschorenem dunklen Haar, der in der Tür saß und sie ansah.
„Solltest du nicht langsam gehen?“
Joanne zögerte. „Ja, sollte ich“, meinte sie dann.
„Was ist es überhaupt, dass du so dringend nachschauen musst?“, fragte er.
Wieder zögerte sie, schüttelte dann aber den Kopf. „Nichts“, erwiderte sie.
„Und für 'nichts' habe ich Ärger mit Dante riskiert?“ Der Elf verschränkte die Arme.
„Tut mir leid“, erwiderte sie, auch wenn es sie einige Überwindung kostete. „Ich habe nur eine Sache einfach nicht aus meinem Kopf bekommen.“
Markus hob eine Augenbraue. „Was für eine Sache?“
„Ich habe nur gemeint, etwas gesehen zu haben... Aber es ist nichts gewesen“, erwiderte sie und zwang sich ihre Stimme freundlich klingen zu lassen. „Danke, dass du mich an die Aufzeichnungen gelassen hast.“
Noch immer sah er sie leicht misstrauisch an. „Schon in Ordnung“, sagte er dann sehr langsam und vorsichtig.
Joanne nahm ihren Motorradhelm und ging zur Tür des Kontrollraums, in deren Rahmen er gerade lehnte. „Gute Nacht“, meinte sie und ging an ihm vorbei.
„Gute Nacht, Jo“, grummelte er, nicht ganz überzeugt.
Bedacht darauf, nicht zu schnell zu gehen, machte sie sich auf den Weg zu ihrem Motorrad und setzte erst dort ihren Helm auf, der noch immer unangenehm gegen die geklebte Wunde an ihrem Hinterkopf drückte.
Die Frage, so musste sie zugeben, war, was sie nun tun sollte. Sie hatte keine handfesten Beweise, dass dieser Michael Förster irgendetwas mit den Shadowrunnern zu tun hatte. Immerhin hatte er ganz offenbar die Berechtigung gehabt, dort zu sein, wo er gewesen war. Entsprechend konnte sie es ihm kaum vorhalten.
Neonreklamen und Hologramme rauschten an ihr vorbei, während sie ihr Motorrad wieder Richtung Lauenburg lenkte. Es war die Nacht von einem Freitag auf einen Samstag, und entsprechend waren die Straßen bevölkerter, als in anderen Nächten, was sie zwang, sich zumindest halb auf den Verkehr zu konzentrieren.
Ihr blieben zwei weitere Fragen: Hatte der Typ auch irgendetwas mit Shadowruns in der Vergangenheit zu tun gehabt? Und waren die Container, die er markiert hatte, vor zwei Tagen – entgegen seiner Worte – noch da gewesen?
Doch war das Problem, dass Joanne keinen Zugriff auf entsprechende Daten hatte. Sie konnte nicht einsehen, wann welcher Container wohin verschifft wurde. Immerhin war sie nur eine Sicherheitsbeauftragte und wohin Container kamen, wenn sie auf regulärem Weg den Hafen verließen, hatte sie genau so wenig zu interessieren, wie ihr Inhalt.
Eventuell könnte sie es schaffen, an ältere Videoaufzeichnungen zu kommen, aber selbst dafür müsste sie einen Antrag ausfüllen und Dante war derjenige, der solche Anträge genehmigen musste.
Einer Sache war Joanne sich sicher: Sie würde Dante nicht von ihrem Verdacht erzählen. Bestenfalls würde er ihr glauben und sich am Ende selbst mit Lorbeeren schmücken, aber sie hielt es für wahrscheinlicher, dass er es nur als „weibliche Paranoia“ sehen und es eventuell sogar als einen Grund nutzen würde, sie zu feuern.
Nein, sie musste der Sache selbst auf den Grund gehen. Sie kannte auch eine Möglichkeit – es war nur so, dass ihr diese Aussicht nicht gefiel.

Fünf weitere Tage vergingen, ehe sie endlich wieder zur Arbeit zugelassen wurde. Noch immer waren ein paar der Streifschüsse noch nicht ganz verheilt, doch spürte sie keine Schmerzen mehr und wurde auch ansonsten nicht mehr von den Wunden eingeschränkt.
Dieses Mal war sie froh, dass sie erneut für die Nachtschicht eingeteilt war, da abseits der Security der Betrieb im Hafen eingeschränkt war. Vor allem arbeiteten nur wenige Lohnsklaven bei Nacht in den Bürogebäuden, was ihr Vorhaben einfacher machen sollte.
Sie verbrachte die ersten drei Stunden auf Patrouille mit Markus, der ebenfalls wieder Nachtschicht hatte.
„Was war es denn jetzt, was du letztens nachgeschaut hast?“, fragte er, kaum dass sie zwanzig Minuten gelaufen waren.
„Habe ich doch schon gesagt“, erwiderte sie gereizt, ehe sie sich darauf besann, dass sie mit niemanden streiten wollte. „Nichts“, fügte sie daher ruhiger hinzu.
„Du weißt, dass das nicht sonderlich überzeugend klingt, oder?“, murmelte der Elf.
Joanne zuckte nur mit den Schultern.
Sie würde ihre Vermutung auch niemand anderem Erzählen, nicht bevor sie handfeste Beweise hatte und auch dann... Sie war sich nicht sicher, wem sie es dann sagen sollte.
Offenbar verstand Markus, dass er dazu keine weitere Antwort bekommen würde, doch sah er sie immer wieder misstrauisch von der Seite an.
„Stimmt es eigentlich?“, begann Markus nach einigen Minuten erneut ein Gespräch.
„Hmm?“ Joanne warf ihm einen Seitenblick gehört.
„Ich habe Gerüchte gehört, dass du dich ganz allein mit den Runnern letzte Woche angelegt hast“, meinte er beton ruhig.
Erneut zuckte sie mit den Schultern. „Vielleicht.“ Auch darüber wollte sie nicht reden.
Der Elf schien es jedoch als ein „Ja“ zu deuten. „Wie hast du das geschafft?“, fragte er.
Ein weiteres Schulterzucken. „Ich habe Glück gehabt.“ Sie sah ihn an. „Ich will nicht darüber reden.“
Wieder verfielen sie in Schweigen, schwiegen für über eine halbe Stunde, während sie den Zaun entlang schritten.
Als Markus das nächste mal zu reden begann, konzentrierte er sich auf nebensächliche Themen. Klatschthemen, wenn man so wollte. Und während Joanne an diesen Dingen nicht wirklich Interesse hatte, antwortete sie, bemühte sich freundlich zu sein, weil sie nicht noch mehr Feinde brauchte.
Dennoch war sie froh, als sie nach drei Stunden allein im Monitorraum saß und ihre Ruhe hatte.
Sie wartete zehn Minuten, ehe sie eine ID-Karte aus dem Schreibtisch im Aufenthaltsraum nahm. Die ID war für Notfälle gedacht, in denen sie in die Bereiche des Gebäudes mussten, in denen sie eigentlich nicht zugelassen waren. Mit ihr kamen sie in die Büroräume und ein paar andere Räumlichkeiten – auch in das Archiv.
Und genau dahin wollte sie.
Das Archiv beinhaltete – natürlich in digitaler Form – alte Daten, zumindest jene Daten, die nicht als höchst vertraulich galten oder aus einem anderen Grund streng geheim waren. Doch dankbarer Weise gehörten gespeicherte Sicherheitsaufzeichnungen nicht zu diesen und das war zumindest ein Anfang.
Joanne war sich dessen bewusst, dass die automatische Sicherheit feststellen würde, dass sie es war, die die Tür geöffnet hatte, weshalb sie sich erst Zugang zu dem normalen Bürobereich verschaffte – nur damit es am Ende glaubhafter klang, wenn sie sagte, sie hätte etwas gehört.
Gerne hätte sie gewusst, welche der Bürozellen Michael Förster gehörte, auch wenn sie sich sicher war, dass er nichts, was ihn belasten könnte, dort zurückgelassen hätte.
Joanne ließ sich Zeit, ging sämtliche Büros der ersten Etage ab, ehe sie zum Archiv ging.
Die Tür öffnete sich und ließ sie in den Raum, in dem de facto nichts, als einem Server stand, an dem ein befestigtes Deck angeschlossen war. Sie ging an das Deck und weckte es aus dem Standby auf, nur um im nächsten Moment zu fluchen.
„Drek...“
Als jemand, der die Technik von International Shipping kaum gebrauchte – vom Comlink einmal abgesehen – hatte sie nicht daran gedacht, dass diese Dinge alle über die Accounts gesichert waren. Sie versuchte sich einzuloggen, doch natürlich hatte ihr Account keine Freigabe.
„Fuck...“, zischte sie, als ihr ein „Authorization needed“ entgegenblinkte.
Also war auch dies eine Sackgasse.
Sie stellte das Deck wieder in Standby und wusste, dass sie sich eine Ausrede dafür einfallen musste, warum sie überhaupt versucht hatte sich anzumelden.

Und so verging die Zeit. Tage. Wochen. Joanne vergeudete die Zeit jedoch nicht.
Sie hatte Glück, dass ihrem versuch sich einzuloggen keine weitere Aufmerksamkeit geschenkt wurde, nachdem sie im Wochenbericht vermerkte, dass sie in der Nacht Geräusche aus der ersten Etage gehört hatte.
Vielleicht hatte sie aber auch nur Glück, dass Dante nicht viel mehr auf entsprechende Technik gab, als sie.
Letzten Endes änderte es aber nichts an der Tatsache dass sich niemand um ihren nicht erfolgreichen Besuch des Archivs kümmerte. Allerdings war sie derweil noch immer weit davon entfernt, irgendwelche Beweise zu finden, die ihren Verdacht bestätigten.
Doch zumindest eine Sache hatte sie in Erfahrung bringen können, da dies zumindest Teilweise in den Protokollen der Security aufgezeichnet worden war und es sich ohnehin rumsprach: Die Shadowrunner, die das International Shpping Gelände in der Vergangenheit überfallen hatten, waren oftmals gezielt vorgegangen. Ja, es hatte auch Runs gegeben, bei denen rein zufällig Container aufgebrochen worden waren, aber oftmals hatten sie scheinbar genau gewusst, was sie wollten.
Dies war an sich vielleicht nicht so überraschend, waren Runner meistens doch von der Firmensicherheit gefürchtet, weil sie meist besser organisiert waren, als andere Verbrecher, dennoch war ein gewisses Muster darin zu erkennen, dass die Runner es scheinbar immer auf Waren abgesehen hatten, die entweder ohnehin für mehrere Tage oder sogar Wochen im Hafen lagerten oder Waren, bei denen es aus irgendwelchen Gründen zu Verzögerungen gekommen war.
Und Joanne ging jede Wette ein, dass sie wusste, was der Grund für die Verzögerungen war.
Was gestohlen wurde, variierte allerdings. Natürlich war militärische, technische und medizinische Ausrüstung – jedenfalls solche, die überhaupt mit Schiffen transportiert wurde – am häufigsten. Allen voran Waffen. Aber auch Kleidung, Stoffe, Leder und vergleichbare Stoffe waren gestohlen werden. Und während Leder bei heutigen Echtlederpreisen verständlich war, kam ihr ein Shadowrun auf Container mit normaler Kleidung seltsam vor.
Doch letzten Endes war es ohnehin egal, was in der Vergangenheit verschwunden war. Viel mehr interessierte Joanne, was als nächstes das Ziel eines Runs werden sollte. Denn darauf wartete sie. Nicht darauf, dass ein weiterer Run durchgeführt wurde, sondern darauf, dass sie Michael Förster erneut zwischen den Containern herumlungern sah.
Dabei konnte sie nur hoffen, dass er sich wieder Nachts darum kümmerte. Zumindest ging sie dazu über, freiwillig die Nachtschicht zu übernehmen und, wenn es sich anbot, die Monitore zu übernehmen.
So verpasste sie ein kleines Ghul-Gerangel, als sich einmal wieder ein paar der MMVV-Infizierten in den Hafen geschlichen hatten, aber davon abgesehen passierte wieder einmal nicht viel.
Ihre größte Sorge blieb, dass sie ihn verpasste, und je mehr Zeit verging, desto angespannter wurde sie.
Doch sie sollte auch dabei wieder Glück haben. Denn es war an einem Montag, fünf Wochen später, dass sie eine Gestalt aus dem Gebäude kommen sah, die keine Security-Uniform trug. Eine zweite Kamera bestätigte ihr, dass es Förster war.
Sie wartete, um zu sehen, wohin er ging. Wie auch beim letzten Mal war er sehr geschickt darin, sich vom Sichtfeld der Kameras fern zu halten, doch zumindest grob konnte sie erahnen, in welchem Teil des westlichen Hafenbereichs er wollte.
Also steckte sie ihre Pistole ein und machte sich auf den Weg, wobei sie selbst so gut es ging verhinderte, auf zu vielen Kameras zu sehen zu sein. Auch mied sie die üblichen Patrouillenwege, um nicht zufällig auf zwei ihrer Kollegen zu treffen.
Sie schlich durch einen Mittelgang, der die Containerreihen miteinander verband.
Dabei verzichtete sie auf eine Taschenlampe, um nicht zu viel Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Doch schließlich sah sie den Schein einer anderen Lampe, die offenbar wieder dieselbe in eine AR-Brille integrierte Lampe war, die er schon das letzte Mal verwendet hatte. Dies gab ihr eine gute Möglichkeit ihn zu lokalisieren.
In der Nähe, so stellte sie fest, waren auch ein paar Hafenarbeiter, die Pause machten, doch lehnten diese sich an die letzten Container der Reihe, nur wenige Meter vom Hafenbecken entfernt und mehr als 30 Meter von ihnen entfernt.
Da Förster sich ihrer aktuellen Position zugewandt hatte, schlich sie um zwei Container herum, um sich ihn von hinten nähren zu können. Sie bemühte sich leise zu sein, doch er war ohnehin zu vertieft auf die Anzeige seines Comlinks, um etwas um sich wahrzunehmen.
Sie packte ihn und zog ihm seine Arme auf den Rücken, ehe sie ihn so gegen einen der Container drückte – bemüht dabei nicht zu laut zu sein.
„Gibt es schon wieder Ausfuhrbescheide, die noch so spät fertig gemacht werden müssen?“, zischte sie.
Sein Gesicht ließ eine leichte Überraschung ablesen, jedoch keine Angst. „Was soll das werden?“, fragte er mit deutlichem Amüsement in der Stimme. „Ein Überfall?“
„Du weißt genau, was das werden soll“, erwiderte sie mit gedämpfter Stimme. „Du bist derjenige, der die Runs auf das Gelände plant.“
„Ich stehe unter Verdacht?“, meinte er mit übertriebener Naivität. „Weswegen denn?“
„Überstunden hier draußen um diese Uhrzeit?“, erwiderte sie.
„Ist das alles, was du mir vorwirfst?“, erwiderte er, nun mit gelangweilter Stimme. „Hast du irgendwelche Beweise?“
Joanne zögerte nur für einen Moment und musste zugeben, dass dieser Teil der Aktion nicht unbedingt durchgeplant war. „Genug“, sagte sie dann.
„Nein, hast du nicht“, entgegnete Förster und grinste. . „Hättest du genug Beweise, würdest du mich nicht hier hinterrücks überfallen, sondern hättest mich gemeldet. Was war dein Plan? Mich zu einem Geständnis zwingen?“
Eigentlich hatte sie damit gerechnet, dass er überraschter war und zumindest so etwas wie Angst zeigte.
„Lässt du mich los oder willst du, dass es am Ende du bist, die gemeldet wird?“, erwiderte er.
Sie zögerte, ließ ihn dann aber los. Sie kam sich etwas albern vor. Denn tatsächlich stellte sie fest, dass es klüger gewesen wäre, hätte sie gewartet, bis der nächste Run stattfand und hätte danach Meldung erstattet. Wobei es selbst in dem Fall fragwürdig gewesen wäre, ob man es als Beweise angesehen hätte...
„Und sollte es dir nicht aufgefallen sein: Ich komme öfter hier heraus, um Dinge zu erledigen.“ Er grinste selbstzufrieden und strich sich sein Hemd glatt. „Meistens am Tag oder frühen Abend. Manchmal auch Nachts. So fällt es nicht auf, wenn es sich einmal um interessante Ware handelt.“
„Soll das ein Geständnis sein?“, knurrte sie.
Förster zuckte mit den Schultern. „Wie man es nimmt.“ Er betrachtete sie für einen Augenblick prüfend, wobei die Lampe an seiner Brille sie blendete. „Weißt du, ich habe mir gedacht, dass du etwas vermutest und wollte eigentlich nur sehen, ob ich richtig liege. Allerdings bin ich doch überrascht. Ich hätte einen durchdachteren Angriff erwartet.“
Sie kniff die Augen zusammen. „Wovon redest du?“
„Oh, dich blendet das Licht, ja?“, meinte er beiläufig und knipste die Lampe aus. „So besser?“
Sie antwortete nicht, sondern sah ihn nur voll unterdrückter Wut an. Sie fühlte sich verarscht und das war ein Gefühl, dass sie so gar nicht leiden konnte.
„Nun, wie dem auch sei. Es ist sozusagen mein Hobby Dinge zu wissen, weißt du?“ Wieder grinste er selbstgefällig. „Daher weiß ich auch, dass du es warst, die sich das letzte Mal mit den Shadowrunnern angelegt hat. Beeindruckend, wenn du mich fragst, wenngleich unpraktisch für mich. Davon einmal abgesehen weiß ich auch, dass dein Name Joanne Snyder ist und du seit fünf Jahren hier arbeitest. Ich weiß auch, dass du trotz guter Arbeit bisher nicht befördert wurdest, was nicht zuletzt an Dante O'Brien liegt, der dich eigentlich lieber gefeuert sehen würde, da er der Meinung ist, dass Sicherheitspersonal kein Beruf ist, der auf eine Frau passt. Ebenso weiß ich, dass die Hälfte deiner männlichen Arbeitskollegen dich für eine Lesbe und zumindest ein weiteres Viertel für einen Transsexuellen hält. Ich weiß auch, dass du versucht hast, Zugriff auf die alten Sicherheitsaufzeichnungen zu bekommen und in letzter Zeit vermehrt nach vergangenen Runs auf dieses Gelände gefragt hast. Kurz gesagt: Ich weiß eine ganze Menge.“
Mit jedem seiner Worte war die Wut in Joanne mehr und mehr hochgekocht, so dass sie sich nicht beherrschen konnte. Sie packte ihn bei der Kehle und drückte ihn gegen den Container, während sie die Waffenmündung öffnete. „Was willst du mir damit sagen?“, knurrte sie. „Dass du ein verfluchter Stalker bist?“
Noch immer schien er sich zu bemühen, sein Lächeln zu halten, doch konnte sie sehen, dass er einen so frontalen Angriff nicht erwartet hatte. „Ich kann dir versichern, dass ich kein Stalker bin“, keuchte er, wobei seine Stimme verzerrt klang. „Ich bin nur jemand, der viel weiß.“
„Und was bringt dir dieses Wissen?“, fragte sie, ohne ihre Hand zu lockern.
„Geld“, antwortete er kurz und versuchte ihre Hand wegzudrücken. „Verflucht noch mal, lass mich los, wenn du mich nicht umbringen willst!“
Sie sah ihn wütend an, lockerte ihren Griff aber nicht. „Und wie sollte es dir Geld bringen, solche Dinge über mich zu wissen?“
Förster schnappte noch immer nach Luft und sein Gesicht nahm langsam eine bedenklich rote Farbe an. „Du verstehst das falsch“, schnaubte er, keuchte wieder.
Joanne sah ein, dass sie ihren Griff zumindest etwas lockern musste, damit er sprechen konnte. Sie ließ ihn jedoch nicht ganz los.
„Es geht nicht um dieses spezifische Wissen“, sagte er. „Ich weiß generell Dinge. Ich weiß, dass dein so verhasster Chef einen Fetisch für blonde Elfendamen hat, dass Mike Daniels der Anti-Ork Bewegung angehörte, dass Sören Amedick seine Frau mit einem Kerl betrügt... Alle möglichen Dinge. Ich weiß auch, woher man in dieser Stadt am besten Waffen bekommt und an wen man sie am besten verkauft, wen man bestechen muss, um bestimmte Dinge zu bekommen und wenn man erpressen kann.“
„Dann willst du mich also erpressen?“, fauchte sie.
„Nein“, keuchte er, als sie fester zupackte. „Eigentlich hatte ich vor, dir einen Job anzubieten.“
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