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Wenn Träume wahr werden

von Anmiwin
GeschichteAbenteuer, Liebesgeschichte / P18
OC (Own Character) Old Shatterhand Winnetou
13.06.2015
09.08.2017
26
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13.06.2015 5.180
 
Winnetou und ich betraten den heruntergekommenen Saloon des kleinen Nestes am Nordrand New Mexicos, in dem die Luft fast zum Schneiden dick war, so übel roch es dort. Ein derart widerliches „Etablissement“ hatte ich schon lange nicht mehr gesehen; man hätte es eigentlich auch kurz und knapp als simples „Drecksloch“ bezeichnen können, damit wäre es mehr als treffend beschrieben worden. Unter anderen Umständen hätten wir um diesen Schuppen einen großen Bogen gemacht, aber mein Blutsbruder und ich waren beide doch recht erschöpft von den vorangegangenen Kämpfen und unserer gerade überstandenen Gefangenschaft  – und vor allen Dingen waren wir so durstig, dass wir diese Spelunke hier als das kleinere Übel ansahen.
Wir taten also, als beachteten wir die schmutzigen Gestalten gar nicht, die an den roh gezimmerten und vor Dreck starrenden Tischen saßen oder an den nicht besser aussehenden Tresen herumlungerten und uns mit finsteren Blicken betrachteten. Vor allem beim Anblick Winnetous zogen sich ihre Augenbrauen auf vielsagende Weise zusammen – offenbar gehörten die Kerle, wie so viele hier in der Gegend, zu der Sorte Männer, die einen Indianer nur dann gerne sahen, wenn er tot vor ihnen lag.

Mit einem Male ertönte ein lautes Gepolter, woraufhin ein ebenfalls äußerst zerlumpt aussehender Mann mit einem regelrechten Ganovengesicht in den Saloon stürmte. Er erstarrte einen kurzen Moment, als er uns gewahr wurde, schlich sich dann mit einem möglichst großen Abstand an uns vorbei und gesellte sich anschließend zu seinen Kumpanen an einem Tisch in der Ecke des Raumes, woraufhin er mit diesen sofort zu tuscheln begann. Ich hatte ihn schnell als einen der Umstehenden erkannt, die bei unserer Prügelei mit den Tramps vorhin auf der Straße zugegen gewesen waren, und es war unschwer zu erkennen, dass er da definitiv nicht für uns Partei ergriffen hätte. Seiner Gestik und Mimik nach zu urteilen hatte er auch jetzt den ein oder anderen Einwand gegen unsere Anwesenheit vorzubringen und bemühte sich daher gerade offenbar nach Kräften, die anderen Männer zu demselben Schluss kommen zu lassen.

Wir kümmerten uns aber nicht darum, sondern gingen schnurstracks zur Theke, wo uns die dort stehenden, teils betrunkenen Gestalten nur ganz widerwillig Platz machten, und das auch erst, nachdem ich ihnen einen strengen Blick zugeworfen hatte.
Der Barkeeper, dessen Schürze und auch das über die Schulter geworfene Handtuch vor lauter Dreck kaum noch als solche zu identifizieren waren, fragte knapp und mit deutlichem Unwillen im Gesicht nach unseren Wünschen – auch er schien von unserer Anwesenheit alles andere als begeistert zu sein, doch das störte uns nicht weiter. Ich dachte bei mir, wenn ich in einem solchen Laden jemals erwünscht sein sollte, dann muss ich irgend etwas verkehrt gemacht haben!
Aufgrund des Schmutzes, der sich uns hier überall offenbarte, entschieden wir uns für Flaschenbier,  für jeden zwei, da durch die Flaschen die geringste Gefahr bestand, den nächsten Tag mit einem verdorbenen Magen im Bett verbringen zu müssen. Die Bezahlung übernahm diesmal ich, obwohl ich gerade ziemlich knapp bei Kasse war, aber ich wollte nicht, dass Winnetou in dieser Spelunke seine Goldkörner offen sehen ließ; das hätte nur unnötige Gefahren für ihn heraufbeschworen. Sämtliche Anwesende hier sahen aus, als wenn sie einen Indianer auch für viel weniger als Gold sofort hinterrücks erschießen würden, wenn es ihnen gerade in den Sinn kam.

Mit den Getränken in der Hand setzten wir uns an einen Tisch am Fenster, weit entfernt von den anderen Ganoven, und leerten die ersten beiden Flaschen beinahe in einem Zug. Das Gesöff war zwar in keinster Weise mit gutem deutschen Bier zu vergleichen, aber danach fragt eine staubtrockene Kehle nicht, die seit fast zwanzig Stunden keinen einzigen Tropfen Flüssigkeit genießen konnte. Im Gegenteil, zumindest ich hatte das Gefühl, selten so etwas Köstliches getrunken zu haben, was aber in keinster Weise an der hohen Qualität des Bieres lag, sondern eher an meinem beinahe unstillbaren Durst. Winnetou schien es genauso zu ergehen; er leckte sich genießerisch die Lippen, öffnete zeitgleich mit mir seine zweite Flasche, und dann hingen wir beide erst einmal unseren Gedanken nach, die sich wahrscheinlich auch bei meinem Blutsbruder um die berüchtigte Clarkson-Bande drehten, die uns in den vergangenen zwei Tagen das Leben so schwer gemacht hatten.

Leider war uns diese Ruhe nicht lange vergönnt. Wieder öffneten sich die Türflügel des Saloons, und herein kam – der Sheriff! Vorhin, als wir von den Desperados auf offener Straße bedroht und angegriffen worden waren, hatte er sich nicht sehen lassen; wir hatten nur noch einen Zipfel von ihm erhaschen können, als er beim ersten Anflug von Ärger in der Tür seines Office verschwunden war. Nun aber näherte er sich uns mit gewichtigen Schritten, baute sich vor unserem Tisch auf und maß uns mit finsteren Blicken. Um uns herum breitete sich auch sogleich gespannte Stille aus, und die Mienen der Anwesenden drückten einvernehmlich die unverhohlene Freude auf die kommenden Unannehmlichkeiten aus, die wir von ihrem Gesetzeshüter ihrer Ansicht nach jetzt zu erwarten hatten.
Der Sheriff war eigentlich nicht groß, eher untersetzt, dabei fast zu kräftig gebaut, mit einem überaus ausladenden Bauchumfang, dem es anzusehen war, dass er gutem Essen und einem kräftigen Schluck nicht oft abgeneigt zu sein schien. Sein Gesicht war von einem dichten Vollbart umrahmt, aber seine ganze Gestalt konnte man im Grunde nicht gerade als sehr beeindruckend bezeichnen.
Trotzdem kam er sich offenbar sehr wichtig vor, denn seine Mimik konnte man nur als hochmütig und herablassend bezeichnen, als er uns ansprach, vielmehr mich, denn Winnetou strafte er mit geringschätziger Ignoranz. Da er sich deutlich bewusst war, dass die Augen seines Publikums mit größtmöglicher Aufmerksamkeit auf ihn gerichtet waren, hielt er sich auch gar nicht mit langen oder höflichen Vorreden auf, sondern warf sich in Positur und kam dann gleich zur Sache:

„So, Freunde, ihr habt euch lange genug hier aufgehalten – verschwindet jetzt, und zwar schnell! Wir dulden keine dreckigen Rothäute in unserem schönen Ort, und da du Sonntagsjäger dich offenbar so gut mit dem Indsman da verstehst, kannst du dich gleich mit vom Acker machen!“
Fast hätte ich laut aufgelacht. Schöner Ort! Eine unpassendere Bezeichnung hätte man für dieses Rattenloch gar nicht finden können! Und da mir der Mann auf dem ersten Blick absolut unsympathisch gewesen war und er uns auch sofort mit einer Beleidigung „begrüßt“ hatte, sah ich jetzt überhaupt keinen Grund, ihm in höflicher Weise zu antworten. Also entgegnete ich mit einer Miene, die meine ganze Verachtung für diesen zweifelhaften Helden ausdrückte:
„Wir haben gar keine Veranlassung, hier sofort zu verschwinden! Mein Freund und ich haben für dieses Gesöff hier, welches der Wirt so hochtrabend als „Bier“ bezeichnet, ehrlich bezahlt, und zwar den vollen Preis, und wir haben daher das Recht, in Ruhe auszutrinken!“

Mit erstaunter Miene sah der Sheriff von mir zu Winnetou, der sich naturgemäß in Schweigen hüllte und mit unbewegtem Gesichtsausdruck vor sich hin sah, und dann wieder zu mir zurück. Anscheinend hatte dieser seltsame Hüter des Gesetzes noch nicht oft Bekanntschaft mit Menschen gemacht, die ihm so offen widersprachen, und dann auch noch ganz frech inmitten von finster dreinblickenden Ganoven, die deutlich zeigten, auf wessen Seite sie standen. Die Folge war, dass sein Kopf im Nu eine interessante Ähnlichkeit mit einer reifen Tomate aufwies. Dann aber zog er seinen Revolver, richtete ihn auf Winnetou, sah dabei aber mich an und grollte im tiefsten Bariton, mit einem drohenden Unterton in der Stimme:
„Hier wird das getan, was ich sage, und ansonsten hältst du deine Klappe, da dein Freund es sonst sofort büßen wird, verstanden, Fremder? Ihr werdet jetzt augenblicklich das Weite suchen, sonst muss ich wohl ein wenig nachhelfen, und das wird euch überhaupt nicht bekommen!“
Winnetous Miene war weiterhin ausdruckslos, doch an minimalen Anzeichen wie das leise Zusammenziehen seiner Augenbrauen konnte ich erkennen, dass er jeden einzelnen seiner Muskeln angespannt hatte und nur darauf wartete, von dem Kerl angegriffen zu werden. Ich wollte gerade eine passende Erwiderung von mir geben, da rief der Mann, der kurz hinter uns den Saloon betreten hatte, unserem Widersacher laut zu:
„He, Sheriff! Das sind doch die beiden dreckigen Halunken, die soeben Spencer da draußen niedergeschossen haben!“

Ein Raunen ging durch die Menge. Auf dem Gesicht des Angesprochenen entwickelte sich langsam ein hämisches Grinsen, welches immer breiter wurde, und seine Stimme enthielt einen äußerst gehässigen Unterton, als er jetzt begann: „So so. Mord – das auch noch! In unserer sauberen und gesetzestreuen Stadt! Ihr bringt also einen unserer unschuldigen Bürger um und glaubt dann auch noch, ihr könntet euch hier wie Könige bedienen lassen? Das wird euch nun aber teuer zu stehen kommen, das könnt ihr mir glauben! Die einzig richtige Antwort auf solch eine Unverschämtheit kann da nur der Galgen sein!“
Nicht nur sein Revolver war jetzt auf uns gerichtet, auch die anderen anwesenden Ganoven hatten ausnahmslos ihre Colts gezückt und zielten damit teils auf Winnetou, teils auf mich selbst.

Das war nun wirklich eine ganz und gar unschöne Situation! Hätten Winnetou und ich vorher geahnt, in was für ein Räubernest wir hineingeraten würden, als wir uns dem kleinen Ort hier näherten, wären wir wohl schleunigst umgekehrt. Doch nein, eigentlich hatten wir ja keine andere Wahl gehabt – aufgrund unserer Gefangenschaft bei den Clarkson-Banditen und unserer anschließenden strapaziösen Flucht waren Reiter und Pferde mehr als aufgerieben worden, und daher war uns gar nichts anderes übrig geblieben, als an dem nächst bewohnten Ort Station zu machen, zumal wir uns ja auch noch mit Munition und sonstigen Vorräten versorgen mussten, die gerade jetzt rapide zur Neige gingen.

Vor allem unsere Rappen benötigten dringend zwei, drei Tage Erholung, und auch Winnetou sollte sich meines Erachtens nach ruhig eine Zeit lang schonen, da er sich bei dem Kampf mit den Clarksons einige kleinere Verletzungen zugezogen hatte. Zwar hatte er mir meinen Wunsch verwehrt, mir zumindest seine linke Schulter anzusehen, die über mehrere Stunden heftig geblutet hatte, mit der Begründung, es sei nichts Ernstes, aber gerade dieser Umstand machte mich misstrauisch und ließ mich ahnen, dass mein Blutsbruder das wahre Ausmaß seiner Verwundung vor mir verbarg.
Ich selbst hatte zwar bei den doch recht heftigen Kampfhandlungen auch einige Schrammen und Knüffe erhalten, aber die waren hier eigentlich gar nicht der Rede wert.
Und ausgerechnet jetzt wurden wir schon wieder von dem nächsten Ärger eingeholt! Nicht, dass ich mir große Sorgen machte, denn Winnetou und ich waren Manns genug, mit diesem Gesindel ohne große Schwierigkeiten fertig zu werden – aber das würde uns ein weiteres Mal eine Menge Kraft kosten, und je nach Ausgang der Geschichte stand wahrscheinlich nicht zu erwarten, dass wir uns dann noch hier mit dem Notwendigsten versorgen konnten.

Also, alles in allem barg eine Auseinandersetzung mit dem in einer lächerlich achtunggebietender Pose vor mir stehenden Sheriff für uns nichts als unangenehme Umstände, und daher sann ich einen Moment lang nach, wie wir uns dieser  nun friedlich entziehen konnten.
Übrigens betraten jetzt unaufhörlich weitere Personen den Raum, Leute, die vorhin noch von dem Geschehen auf der Straße angezogen worden waren und die jetzt hofften, hier im Saloon ein weiteres Schauspiel verfolgen zu können. Obwohl sogar einige „Damen“ dabei waren, brauchte ich mir hier nicht die geringste Hoffnung zu machen, dass auch nur einer der vermeintlich rechtschaffenen Bürger dieses Ortes für uns Partei ergreifen würde.
Der Hüter des Gesetzes jedenfalls schien es auf eine Konfrontation regelrecht anzulegen, denn er hielt jetzt die Mündung seines Colts direkt an Winnetous Stirn und sprach ihn mit vor Hohn triefender Stimme an:
„Für dich brauche ich den Henker gar nicht erst zu holen; dich Bastard knüpfe ich eigenhändig am nächsten Baum auf!“
Ich sah, dass mein Freund nur einen Sekundenbruchteil vor einer Explosion stand, aber da ich ihn gerne schonen wollte und in meinem Kopf immer noch ein Fünkchen Hoffnung existierte, dass man die Situation vielleicht doch mit vernünftigen Argumenten entschärfen könnte, ging ich fast schon höflich dazwischen.
„Mister, bitte, hört mir jetzt einmal kurz zu! Ihr seid hier der Sheriff, also ein Vertreter des Gesetzes der Vereinigten Staaten. Ich habe noch nie gehört, dass dieses Gesetz besagt, dass man einen Menschen von offizieller Seite her zum Tode verurteilen und hinrichten kann, ohne dass diesem ein ordentlicher Prozess gemacht worden ist!“
„Ich habe gesagt, du sollst das Maul halten – hörst du schlecht??“, brüllte der Mann mich sofort an.
„Offenbar fällt dir selbst gar nicht der Widerspruch in deiner Rede auf: Einem MENSCHEN  muss ein ordentlicher Prozess gemacht werden, hier aber handelt es sich um eine widerliche Rothaut, das ist etwas ganz anderes! Nur ein toter Indianer ist ein guter Indianer, und je mehr wir von diesen stinkenden Kreaturen in die ewigen Jagdgründe befördern, um so besser ist es für die hiesige Bevölkerung! Also fangen wir mit dem hier gleich einmal an!“

Obwohl ich solche Reden schon oftmals gehört hatte, war ich wieder einmal fassungslos ob des Menschenbildes, welches dieser Kerl mir hier offenbarte. Und er war bei weitem nicht der Einzige, der so dachte, denn alle Anwesenden hatten während seiner Ausführungen zustimmend und mehrfach genickt. Ich wusste ja, dass gerade in den gesetzlosen Weiten des Wilden Westens solcherlei Ansichten gang und gäbe waren unter den Eindringlingen, die sich als rechtmäßige Herren des Landes aufspielten, aber hier und jetzt ging es um meinen Winnetou, der soeben schwer beleidigt worden war, und ich spürte nun in mir eine Wut hochkochen, die ich wohl kaum wieder unter Kontrolle bekommen würde.
Gerade wollte ich mich vor dem schmierigen Sheriff aufbauen, um ihm gehörig die Meinung zu sagen, und auch Winnetou war im Begriff, diese Beleidigung nicht ungestraft auf sich sitzen zu lassen, da gingen die Schwingtüren des Saloons ein weiteres Mal auf und herein trat, mit angelegtem Gewehr, welches direkt auf den Kopf des Sheriff zielte, zu unser aller Erstaunen eine junge Dame - und dann auch noch eine Frau von einer solchen Schönheit, wie sie mir im Leben noch nicht begegnet war.

Langes, dunkelblondes, fülliges und bis weit in den Rücken fallendes Haar zierte ein schmales, aber unsagbar schönes Gesicht, dichte, lange Wimpern umrahmten ein Paar samtig braune Augen, die man nur als wahre Rehaugen bezeichnen konnte, darunter eine schmale, gerade Nase in genau der richtigen Länge, hohe Wangenknochen, die das zierliche Gesicht noch ein wenig mehr hervorhoben; und als absolutes Schmuckstück dieses wunderhübschen Antlitzes formten halbvolle, schön geschwungene rote Lippen einen bezaubernden Kussmund, der allein durch seinen bloßen Anblick wohl sämtliche Männerherzen höher schlagen ließ.

Die Dame war von äußerst schlankem Wuchs, fast zierlich zu nennen, dabei aber etwas größer als der Durchschnitt. Sie trug ein praktisches Lederkostüm – Bluse, Weste, ein weiter Rock, der ihre schlanken Beine zumindest bis in Wadenhöhe freigab, dazu hohe Stiefel. Alles war gut geschnitten und offenbar von sehr guter Qualität. Außerdem hing ihr, von einer langen Kordel gehalten, ein Cowboyhut hinten am Rücken herunter.
Aufgrund ihrer Schönheit und ihrer fast elfenhaften Erscheinung musste man beim ersten Erblicken dieser Lady vermuten, dass es sich um eine wohlerzogene junge Dame aus gutem Hause handelte, immer hofiert, gewohnt, sich bedienen zu lassen und sich niemals die Hände schmutzig zu machen; die immerzu beschützt wurde und wahrscheinlich noch nie mit dem harten Leben der einfachen Leute in Berührung gekommen war. Gerade deshalb wirkte ihr Auftritt hier in diesem vor Dreck starrenden Saloon wie von einem anderen Stern.

Doch all das offenbarte sich einem nur auf dem ersten Blick. Sah man etwas genauer hin, erkannte man, dass die junge Frau von einer unglaublichen Aura umgeben war, die, verbunden mit ihrer grandiosen Schönheit, sämtlichen Anwesenden sofort die Kinnlade heruntersinken ließ. Sie schien genau zu wissen, was sie wollte und auch mit beiden Beinen fest im Leben zu stehen. Dabei wirkte sie keinesfalls ängstlich, obwohl sie offensichtlich ohne Begleitung war und hier einer Horde bewaffneter und wild aussehender Kerle gegenüberstand. Ihr ganzes Erscheinen in dieser Spelunke war einfach vollkommen fehl am Platz.
Nachdem die Ganoven an den Tresen und auch an den Tischen sich von ihrem ersten Schock erholt hatten, machten sie ihrem Aussehen und ihrer abartigen Lebensweise alle Ehre und begannen, ihr gewohnt rüpelhaftes Benehmen an den Tag zu legen. Manche pfiffen, andere machten obszöne Gesten, wieder andere sparten nicht mit schmutzigen Kommentaren, was die junge Dame aber überhaupt nicht zu interessieren schien.

Ihr Gewehr weiterhin in der angelegten Stellung haltend und dabei unentwegt auf den Kopf des Sheriff zielend, trat sie nun vollends ein und bewegte sich langsam und gemessenen Schrittes auf unsere kleine Gruppe zu.
Der Sheriff war von ihrer Erscheinung offensichtlich ebenso umgehauen worden wie alle anderen männlichen Anwesenden, selbst den Frauen standen die Münder offen. Er ließ sogar unwillkürlich die Pistole sinken, und das wäre nun eigentlich die perfekte Gelegenheit für Winnetou und mich gewesen, ihn zu überwältigen, als Geisel zu nutzen und somit ohne weitere Schwierigkeiten wieder aus dem Ort herauszukommen. Aber – und das gebe ich hier gerne zu – auch ich war geradezu hingerissen von dieser bezaubernden Person, die den Raum mit ihrer Anwesenheit im Augenblick geradezu erhellte, und als ich zu Winnetou sah, konnte ich es kaum glauben – selbst er, der sich sonst immer vollständig unter Kontrolle hatte, schien wie gebannt von dieser fast schon überirdischen Schönheit und ließ sie keine Sekunde mehr aus den Augen, wenn auch mit seinem üblichen unbewegten Gesichtsausdruck.

Die junge Dame blieb jetzt stehen, aber in einem solch ausreichenden Abstand, dass der Sheriff keine Möglichkeit erhalten konnte, den Lauf des Gewehres zu ergreifen und es ihr aus der Hand zu reißen. Ich war allerdings der Meinung, dass man ihm das auch nicht raten sollte, denn den Ausdruck auf dem schönen Gesicht der Lady  konnte man nicht anders als energisch bezeichnen; sie schien genau zu wissen, was sie tat, und die Art, wie sie ihr Gewehr hielt, ließ darauf schließen, dass sie so ein Ding nicht zum ersten Mal in den Händen hielt.
Und nun begann sie zu sprechen, mit einer glockenhellen und wunderbar melodisch klingenden Stimme, die geeignet war, jedes Herz, und sei es noch so versteinert, sofort zu erweichen. Allerdings schien sie ihren Umgangston den hier gegebenen primitiven Umständen etwas angepasst zu haben, doch ich war mir sicher, dass sie sich in einer zivilisierteren Gesellschaft völlig anders zu benehmen wusste.

„So, Dicker, Schluss jetzt mit der Vorstellung!“ war das erste, was wir von der wundervollen Erscheinung zu hören bekamen, und diese Ansprache zielte ganz klar auf den Sheriff, den sie mit äußerst verächtlichen Blicken musterte.
„Du lässt jetzt augenblicklich die Waffe fallen und behandelst dann die beiden Herrschaften vor dir mit dem ihnen zustehenden Respekt, ist das klar?“
Wie unschwer zu erkennen war, verzichtete sie ganz bewusst auf jegliche Art einer höflichen Anrede dem „Arm des Gesetzes“ gegenüber, und nicht nur ihre Worte, sondern auch ihre ganze Haltung drückte mit aller Deutlichkeit aus, was sie von dem Kerl hielt.
Dieser war völlig überrascht von der eindeutigen Missbilligung, die ihm von der hübschen Frau entgegenschlug, aber diese Überraschung bewirkte, dass er tatsächlich ihrer Aufforderung sofort Folge leistete und den Revolver einfach zu Boden fallen ließ. Er schluckte, versuchte zu sprechen, brachte aber nur ein heiseres Krächzen heraus – wahrscheinlich war ihm die Kehle eingetrocknet aufgrund der Tatsache, dass auch ihm seit dem Eintreten der jungen Frau der Mund permanent offen gestanden hatte. Nun versuchte er es wieder, aber seine vorhin so tiefe Stimme erklang mit einem Male im höchsten Fistelton, und er musste sich mehrfach räuspern, bevor er sich einigermaßen verständlich äußern konnte.

„Aber... aber Miss... ich will doch nur die Stadt von diesem Gesindel hier befreien... die dreckige Rothaut hier hat schließlich vorhin auf der Straße einen kaltblütigen Mord begangen...“
Unwillkürlich schnappte ich nach Luft. Das war ja eine bodenlose Frechheit! Jetzt beschuldigte er schon Winnetou direkt des Mordes, ohne überhaupt von irgendjemandem eine Aussage zu den Geschehnissen gehört zu haben! Mein Blut geriet derart in Wallung, dass ich drauf und dran war, den Mann einfach niederzuschlagen, aber die sanfte, jedoch eindringliche Stimme der jungen Dame hielt mich davon ab.

„Hat er nicht!“, erwiderte sie in solch einem bestimmten Ton, dass jedem im Raum klar wurde, dass sie keinerlei Widerspruch duldete.
„Erstens hat dieser rote Gentleman hier gar nicht den tödlichen Schuss abgegeben, und zweitens wurden die beiden Herrschaften da draußen zuerst angegriffen; es war also reine Notwehr, wie Du Feigling auch ganz genau weißt! Du hattest dich zwar so schnell wie möglich aus dem Staub gemacht, aber ich habe deutlich gesehen, wie du die Auseinandersetzung anschließend hinter den Gardinen deines Office beobachtet hast! Wolltest dich wohl vor der Verantwortung drücken, hm? Oder war es doch eher die Sorge, von einer umherfliegenden Kugel getroffen zu werden? Aber im Gegensatz zu dir habe ich die ganze Geschichte aus der Nähe genauestens beobachtet, und ich werde vor jedem Gericht dieser Welt bezeugen, dass die beiden Männer hier absolut unschuldig sind!“

Die Mienen der Umstehenden drückten jetzt absolute Fassungslosigkeit aus, aber auch ich musste wohl kein besonders geistreiches Gesicht dargeboten haben, wie mir das knappe, aber herzliche Lächeln der Dame bewies, das sie mir für einen kurzen Moment offenbarte. Von einer solchen Schönheit so vehement verteidigt zu werden, konnte man ja fast schon als Privileg bezeichnen, welches ich mir gerne gefallen ließ!
Der Sheriff hingegen wurde puterrot im Gesicht, als er so direkt und vor allen Leuten als Feigling bezeichnet wurde. Das aber wollte er keinesfalls auf sich sitzen lassen und darum versuchte er jetzt erneut sein Glück:
„Ja – aber.. .Verehrteste, man sieht doch auf den ersten Blick, dass die Burschen hier nichts Gutes im Schilde führen! Von einer Rothaut kann man ja sowieso nur Schlechtigkeiten erwarten, und wenn sich dann auch noch ein Weißer mit solch einem stinkenden Kojoten abgibt, da muss es doch...“

Weiter kam er nicht, denn jetzt presste ihm die Frau die Mündung ihres Gewehrs so fest an sein rechtes Nasenloch, dass ein Stück des Eisens fast darin zu verschwinden schien und der Rest der Nase feuerrot wurde, der tapfere Held aber im gleichen Augenblick vor Angst erbleichte. Ihre Augen versprühten Blitze, als sie mit vor Zorn bebender Stimme – die aber trotzdem noch wie Engelsgesang in meinen Ohren klang – dem Gesetzeshüter drohte:
„Ein Wort noch, du Mistkerl – ein einziges abfälliges Wort noch, eine einzige Beleidigung diesem Mann gegenüber“ - bei diesen Worten deutete sie auf Winnetou - „und ich schieße dir die Zähne einzeln aus dem Gesicht, das schwöre ich dir!“
Sie funkelte den Sheriff in einer solch bedrohlichen Weise an, dass dieser vor Schreck ein paar Zentimeter zu schrumpfen schien. Seine Augen schielten auf den Gewehrlauf in seinem Gesicht, soweit er ihn mit seinen Blicken überhaupt noch erfassen konnte, und er wagte nicht die geringste Bewegung.
Allerdings kam aus einer anderen Ecke des Raumes nun die nächste Reaktion:
„Seit wann dürfen Weiber mit einem Gewehr in der Hand einen Hüter des Gesetzes bedrohen? Und seit wann ist es Frauenzimmern eigentlich erlaubt, dreckiges Gesindel öffentlich zu verteidigen? Weiber gehören an den Herd und haben ansonsten das Maul zu halten!“

Mein Blutdruck begann schon wieder zu steigen, diesmal aber aus Zorn über diese Frechheit einer Dame gegenüber. Was erlaubte sich der Kerl eigentlich? Gerade wollte ich ihn scharf zurechtweisen, da wurde mir ein weiteres Mal bewiesen, dass diese Dame meiner Unterstützung gar nicht bedurfte. Sie wehrte die Worte des Sprechers mit einer fast schon gleichgültig wirkenden Handbewegung ab, wobei sie ihre Körperhaltung nicht einen Deut änderte und unseren Widersacher weiterhin scharf im Auge behielt. Dann antwortete sie dem Mann, fast schon etwas belustigt:
„Ist dir eigentlich bewusst, dass wir nicht mehr im Mittelalter leben, du Depp? Wenn hier einer die Klappe halten wird, dann bist du das, verstanden?“
Ihre ganze Haltung drückte eine solche Autorität und gleichzeitig die unbedingte Fähigkeit aus, ihren Worten Taten folgen zu lassen, dass der Angesprochene genau wie der Sheriff keine weitere Entgegnung wagte, zumal die Lady jetzt auch noch mit ihrer linken Hand einen Colt aus der Rocktasche zog und diesen, ohne den Blick vom Sheriff zu nehmen, auf den Sprecher richtete.

Der aber war nun endgültig bedient und verstummte, was aber einen der anderen Ganoven nicht davon abhielt, jetzt auch noch seine Meinung kundzutun, und zwar über das Verhalten des Sheriff:
„Hey, Will! Du wirst dich doch wohl nicht von so einem Weibsbild einschüchtern lassen?“
Dem Angesprochenen wurde wohl erst durch diese Worte bewusst, dass seine Lage nicht gerade dazu diente, sich großartig Respekt zu verschaffen. Er tat darum eine Bewegung, als wolle er sich straffen und in Positur stellen, kam aber nur wenige Millimeter weit, dann befand sich die Mündung des Gewehres tatsächlich ein Stück weit in seiner Nase – und er stand sofort wieder starr, wurde sogar um noch eine Nuance blasser.
Der zweite Sprecher nahm diese Reaktion nun zum Anlass, weiterhin Wasser auf die Mühlen zu gießen:
„Oho! So geht das aber nicht! Jetzt wird es aber Zeit, dass du hier verschwindest, verdammtes Luder, sonst werden wir hier alle mal so richtig ungemütlich!“

Die stumme Reaktion der Lady erfolgte prompt. Sie befand es gar nicht für nötig, auf diese flegelhaften Worte in irgendeiner Weise zu antworten, sondern schwenkte den Revolver in ihrer linken Hand genau in Richtung des Sprechers. Dieser aber wollte sich davon durchaus nicht beeindrucken lassen; er ergriff mit einer raschen Bewegung seine eigene Pistole, während er wütend ausrief:
„Jetzt reicht es aber wirklich, du Miststück! Ich werde dir nun mal zeigen, was mit aufmüpfigen Weibern geschieht, die...“
Weiter kam er nicht, denn nun ertönte ein Schuss, der fast alle Anwesenden heftig zusammenzucken ließ, gefolgt von einem lauten Schrei. Die schöne junge Frau hatte dem Kerl kaltblütig seinen Revolver aus der Hand geschossen, und dieser hielt sich jetzt völlig überrascht und mit schmerzverzerrtem Gesicht seine getroffene Rechte.  Das Ganze war so dermaßen schnell gegangen, dass man die Dame überhaupt nicht hatte zielen sehen, und dabei hatte sie sogar mit links geschossen!

Auf allen Gesichtern war jetzt absolute Verblüffung zu erkennen, die Schützin selber aber stand schon wieder unbeweglich in ihrer vorherigen Position, wobei sie den Sheriff immer noch in der für ihn so unangenehmen Lage hielt. Dadurch hatte sich dessen zuvor wachsbleiches Gesicht inzwischen in einen hochroten Ballon verwandelt, aber er getraute sich weiterhin nicht, auch nur einen Ton von sich zu geben. Sie allerdings hatte noch etwas zu sagen, und zwar eine handfeste Drohung, die alle umstehenden Ganoven betraf:
„Möchte noch einer von euch etwas von sich geben? Oder noch besser, seine Waffe gegen uns erheben? Nur zu! Ich bin bereit, jedem von euch die gleiche Antwort zu erteilen, gerne auch etwas ausführlicher!“
Niemand rührte sich. Damit hatte keiner gerechnet, und daher achteten jetzt auch alle darauf, die junge Dame nicht unnötig zu reizen, um ja nicht ihre Treffsicherheit noch weiter erforschen zu müssen.

Die ganze Szene hatte sich seit dem Eintreffen der hübschen Frau innerhalb von höchstens zwei Minuten abgespielt, und weder Winnetou noch ich hatten vor lauter Erstaunen über diesen so ungewöhnlichen Auftritt Gelegenheit gefunden, das Heft in die Hand zu nehmen und die Kontrolle über die Situation zurückzugewinnen. Ich konnte Winnetous Mimik unschwer entnehmen, dass er ebenso dachte, und das minimale Muskelspiel seines Körpers verriet, dass er gerade jetzt zu handeln gedachte.
Dazu kam es aber nicht, noch nicht, denn nun getraute sich doch noch einer von den an der Theke herumlungernden Männern, der bezaubernden Schönheit mitzuteilen, was er von der ganzen Sache hielt.

„Ja, ist das denn die Möglichkeit? Ihr seht aus wie eine Lady, und dann seid Ihr Euch nicht zu schade, Euch mit solch kriminellen Bastarden abzugeben und sie auch noch zu verteidigen?“
„Wieso?“, kam es von der jungen Frau im unschuldigen Tonfall zurück.
„Ich habe doch gar nicht vor, mich mit euch allen hier abzugeben!“
Trotz der doch recht ernsten Lage bewies die Dame nun auch noch eine gehörige Portion Humor, was mich innerlich schmunzeln ließ. Sie aber hatte noch mehr davon in petto, wovon wir gleich Zeuge werden sollten, denn jetzt entwickelte sich sogar ein kleines Streitgespräch zwischen den beiden.

Der Halunke an der Theke hatte den Witz in den Worten der jungen Frau offenbar nicht verstanden, denn er versuchte es jetzt mit einer weiteren Erklärung:
„Nein, nein, ich meinte doch den Indsman mitsamt dem Weißen dort! Wie kommt so ein hübsches Ding wie Ihr eigentlich dazu, so eine dreckige Rothaut auch noch zu verteidigen?
Die Antwort bestand wider Erwarten aus einem lang anhaltenden, schallenden Lachen der Lady.
„Du nennst den Gentleman dort dreckig?“, kicherte sie, als sie wieder einigermaßen sprechen konnte.
„Du nennst ihn tatsächlich einen schmutzigen Bastard? Ausgerechnet du? Sag mal, hast du eigentlich jemals in einen Spiegel geschaut?“
Erneut wurde sie von einem heftigen Lachanfall überwältigt, dass es ihr fast die Tränen in die Augen trieb. Sie konnte sich kaum beruhigen, als sie weitersprach:
„So sauber und ordentlich wie dieser junge Mann dort“ - dabei wies sie ein weiteres Mal auf Winnetou - „so sauber bist du doch in deinem Leben noch nicht gewesen, du Schmutzfink!“
Wieder musste sie lachen, und auch ich konnte nun ein Grinsen nicht mehr zurückhalten. Sie hatte ja recht, gerade weil der Kerl an der Theke vor Schmutz nur so starrte. Als ich dann auch noch in das völlig erstaunte Gesicht meines Blutsbruders sah, der es gar nicht fassen konnte, dass er von einer solchen Schönheit so vehement verteidigt wurde, da musste auch ich lachen.
Aber es war wirklich noch nie vorgekommen, dass eine weiße Frau, und dann auch noch eine aus offenbar gutem Hause, einem Indianer öffentlich den Rücken stärkte, entgegen einer Übermacht von weißen Männern – zumindest ich hatte so etwas noch nie erlebt, und Winnetou wahrscheinlich erst recht nicht.

Doch der Ganove hatte noch nicht genug, im Gegenteil, er schien jetzt seine Wut kaum mehr zügeln zu können, was sich auch dahingehend äußerte, dass seine Bemerkungen über die schöne Frau immer unflätiger wurden.
„Ich kann es einfach nicht glauben, dass dieses Frauenzimmer sich freiwillig auf die Seite einer stinkenden Rothaut begibt! So etwas...“
Er stockte einen Augenblick, denn schon hob sich der Revolver der hübschen Dame erneut und stand kurz davor, in seine Richtung zu zielen. Doch er konnte wohl nicht anders, er wollte seine Beleidigung unbedingt noch loswerden.
„So etwas tut doch kein anständiges Weib! Da ist es ja fast schon sicher, dass wir hier eine Hure vor uns...“

Er kam schon wieder nicht weiter, diesmal aber wurde er weder von der jungen Lady, noch von uns unterbrochen, obwohl ich ihn aufgrund dieser hässlichen Bemerkung unter Garantie zur Rechenschaft gezogen hätte. Ich kam aber nicht mehr dazu. In diesem Augenblick zerriss ein weiterer Schuss die angespannte Atmosphäre, dieses Mal kam er aber vom Fenster her und wurde von einem sehr energisch aussehenden, kräftig gebauten und exzellent bewaffneten jungen Mann abgegeben, der dem Halunken damit kurzerhand die Schulter durchschossen hatte.

Einen Augenblick stand alles wie erstarrt, selbst die junge Frau, nur der Fremde schwang sich mit einer drahtigen Bewegung durch das zerschossene Fenster, dessen Glas sowieso an nur noch wenigen Stellen intakt gewesen war. Mit raschen Schritten ging er auf den Verwundeten zu, der zu Boden gesunken war und sich nun laut jammernd seine Schulter hielt. Den Schützen kümmerte das aber überhaupt nicht, im Gegenteil, er verpasste dem Verletzten jetzt gnadenlos drei, vier saftige Ohrfeigen, griff ihm dann ins Haar und riss so heftig daran, dass der Halunke gezwungen war, seinem Widersacher ins Gesicht zu schauen. Dieser herrschte ihn laut und voller Wut an:
„Du wagst es, Mrs. Pfeiffer derart zu beleidigen? Du wirst dich dafür augenblicklich entschuldigen, du Bastard, ansonsten wirst du den Rest deines Lebens irgendwo in den dunkelsten Untiefen eines Kerkers verbringen, hörst du? Niemand, schon gar nicht so ein schmutziger Lump wie du, beleidigt ungestraft die Tochter des Vizepräsidenten der Vereinigten Staaten!“
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