Thorgrims Geschichte

GeschichteAbenteuer, Romanze / P18 Slash
12.06.2015
20.10.2018
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Kapitel 03 – Eine schwierige Entscheidung

Nach einer wundervollen Woche, die wir unbehelligt in unserem kleinen Haus verbracht hatten, war meine Verletzung vollständig verheilt, und wir beschlossen, uns so bald wie möglich auf den Weg nach Rifton zu machen, um den Termin für unseren grossen Tag festzulegen.

„Ich freue mich so auf unsere Hochzeit, mein Schatz“, sagte mir mein Liebster an einem Morgen, als wir gerade beim Frühstück sassen, und ich küsste ihn zärtlich, auch ich war schrecklich aufgeregt und von einer grossen Vorfreude erfüllt. „Wann wollen wir aufbrechen, mein Liebling? Es ist eine weite Reise nach Rifton, wir werden mindestens eine Woche lang unterwegs sein.“ „Wir können aufbrechen, wann immer Du willst, aber ich.....möchte mich noch von Vilkas verabschieden. Trotz allem, was geschehen ist, er ist mein Zwilling, und wir waren noch nie für so lange voneinander getrennt. Ich möchte nicht, dass er sich unnötig Sorgen macht, und ausserdem......möchte ich die Gesichter unserer Schildgeschwister sehen, wenn sie erfahren, dass wir heiraten werden!“

Mein Farkas strahlte über das ganze Gesicht, aber ja, diese Freude wollte ich ihm nicht vorenthalten.

Sobald unser Heim wieder in altem Glanz erstrahlte, viel war liegengeblieben, hatten wir doch alle Hände voll damit zu tun gehabt, gewisse Dinge nachzuholen, die man uns vorenthalten hatte, zogen wir uns um, unschlüssig, ob wir uns in Rüstung nach Jorrvaskr aufmachen sollten. Wir machten uns gegenseitig Vorschläge, was uns an unserem Liebsten am besten gefallen würde und kamen nach etlichen fruchtlosen Versuchen lachend zu dem Schluss, dass wir einander am liebsten in der Fellrüstung sahen, die den Oberkörper ganz freiliess. Sogar das Diadem suchte mein Schätzchen für mich aus, eines aus Silber mit Saphiren darin, das passe so schön zu meinen blauen Augen, schwärmte er. Er selbst war nicht dazu zu bewegen, eines zu tragen, obwohl es mir so grosse Freude machte, ihn mit dem Schönsten und Besten zu überhäufen, das ich besass, aber wenn er sich damit nicht wohlfühlte, hatte auch ich keine Freude daran.

Schliesslich verliessen wir unser Häuschen, mein Farkas, nun stolzer Hausbesitzer, schloss hinter uns ab und griff dann nach meiner Hand. Obwohl ich diese Geste sehr anrührend fand und es liebte, egal, wo auch immer wir uns aufhielten, möglichst viel Körperkontakt zu ihm zu haben, musste meine Neugierde ihm trotzdem eine Frage stellen.

„Schätzelein?“ „Hmm......stimmt etwas nicht, mein süsser Prinz?“ fragte Farkas besorgt. „Oh, es stimmt alles, mein Liebling, aber....ist es Dir nicht unangenehm, wenn die Leute uns so sehen......Hand in Hand?“ „Warum sollte mir das unangenehm sein, Thorgrim?“ „Nun, die Gefährten haben weithin den Ruf, harte Kerle zu sein, die nur das Kämpfen im Sinn haben, in deren Leben kein Platz ist für echte Gefühle. Der Eine oder Andere könnte es als......Schwäche auslegen, Gefühle zu zeigen, tiefe Gefühle machen verletzlich. Wir beide, mein Herz, wissen das nur zu gut.“

Sofort blieb mein Geliebter stehen, legte seine Hände auf meine Schultern und sah mir tief in die Augen. „Wir beide, mein Dovahkiin, wir lieben uns und gehören zusammen, und das kann von mir aus die ganze Welt wissen. Ich schäme mich dessen nicht und werde meine Liebe zu Dir niemals verstecken. Ich empfinde es als mein grösstes Glück, dass Du in mein Leben getreten bist, ich werde meine Gefühle für Dich niemals verleugnen, nur, um irgendeinen Schein zu wahren, dafür bist Du mir zu kostbar. Es gibt nichts und niemanden, der mir wichtiger ist als Du.“

Ich lächelte glücklich über diese Liebeserklärung und küsste ihn flüchtig auf die Nasenspitze, schliesslich standen wir hier mitten auf der Hauptstrasse von Weisslauf, heute Abend, wenn wir wieder zu Hause waren, würde es eine mehr als ausgiebige Fortsetzung geben. Erneut griff Farkas nach meiner Hand, und als wir unseren Weg zur Methalle antraten, schloss ich meine Hand fest um die seine.

Auf dem Weg dorthin begegneten uns viele Bekannte, die uns zum grössten Teil freundlich grüssten, es waren aber auch Leute darunter, die beim Anblick eines männlichen Liebespaares die Nasen rümpften. Wir beide waren uns bewusst darüber, dass wir ein Ausnahmepaar bildeten in der Welt Himmelsrands. Auch wenn gleichgeschlechtliche Beziehungen nicht verboten waren und Männer Männer und Frauen Frauen heiraten durften, so waren doch diese Paare sehr selten in der Öffentlichkeit zu sehen und führten ihre Beziehungen überwiegend im Verborgenen und hinter verschlossenen Türen. Es sollte sogar Provinzen geben in Tamriel, wo intime Kontakte zum gleichen Geschlecht völlig verboten waren und mit hohen Strafen geahndet wurden, kamen sie ans Tageslicht.

Doch das galt glücklicherweise nicht für Himmelsrand, die Nord waren in dieser Hinsicht weit offener, die meisten jedenfalls, und so lehnten wir es ab, uns in der Öffentlichkeit eine Maske aufzusetzen, nur um für irgendwelche Leute einen Schein zu wahren, der für uns keinerlei Bedeutung besass. Das Leben war zu hart und zu kurz, um auch nur eine Minute zu vergeuden, in der man dem geliebten Wesen seine Zuneigung zeigen konnte. Amren, mein rothwardonischer Freund, grüsste uns ganz besonders herzlich und sagte uns ganz unverblümt, wie sehr er sich darüber freue, dass zwei so geachtete Gefährten zueinander gefunden hatten. Ich freute mich so sehr über seine Worte, dass ich es nicht für mich behalten konnte, ihm von unserer bevorstehenden Hochzeit erzählte und ihn herzlich einlud, daran teilzunehmen. Er versprach, zu kommen, wenn er jemanden fände, der seine kleine Tochter für ein paar Tage zu sich nehmen könne, denn das Mädchen war noch zu jung für eine so weite Reise.

Anschliessend besuchten wir noch kurz den Laden von Belethor, um eine gute Flasche Wein zu kaufen, als Mitbringsel für Vilkas. Auch er zeigte sich begeistert, als er von unseren Plänen hörte und wünschte uns viel Glück. Hier, hinter verschlossener Tür, nutzte ich die letzte Gelegenheit, meinem Geliebten noch einmal einen leidenschaftlichen Kuss zu geben, bevor wir den Anderen gegenübertreten würden.

Am Fuss der Treppe zögerten wir noch einmal kurz, sahen uns in die Augen und begannen mit dem Aufstieg. Endlich betraten wir nach einer langen Zeit der Abwesenheit wieder die Methalle, blieben einen Augenblick stehen und sahen uns um. Athis und Ria sassen beim Essen, überhaupt kam es mir so vor, als sei der Dunkelelf ständig irgendwie am Kauen zu sein, Tilma begrüsste uns freudig, und als wir auf der Suche nach Vilkas an Brill vorbeikamen, erzählte er mir zum ich-weiss-nicht-wievielten-Male seine Geschichte mit dem Ruder. Ich musste wirklich sehr tief Luft holen, um ihn nicht einfach an den Schultern zu packen, zu schütteln und bei Androhung von Strafe um die Ohren zu hauen, in meiner Hörweite niemals wieder dieses Wort zu gebrauchen. Glücklicherweise hatte mein Geliebter meine Hand fest im Griff und bewahrte mich so davor, eine Dummheit zu begehen.

Vilkas war nirgends zu sehen, Farkas drehte sich nach Tilma um und fragte sie, ob sie wisse, wo sein Bruder sei. „Er ist draussen, auf dem Trainingsplatz, er ist still geworden, mein Junge. Er nimmt sehr schwer, was geschehen ist, und er leidet darunter, dass er dabei einen nicht unwesentlichen Teil gespielt hat.“ „Macht Euch keine Sorgen, Tilma, es wird alles gut werden.“ Mein Liebster hatte eine Gewissheit und eine Überzeugungskraft in seiner sinnlichen Stimme, die die alte Frau gleich wieder lächeln liess. Sie sah mit bedeutsamem Blick auf unsere ineinander verschränkten Hände und sagte nur einfach: „Ich wünsche Euch alles Glück dieser Welt, meine lieben Kinder.“ Ich muss zugeben, dass mich ihre Worte tief berührten, ich liess kurz Farkas Hand los, nahm sie flüchtig in die Arme und drückte ihr einen Kuss auf die Wange.

Dann griff ich sofort wieder nach ihm, und gemeinsam öffneten wir die Tür zum Hof.
Vilkas sass auf einem der Stühle auf der linken Seite und starrte vor sich hin, er hatte unsere Ankunft scheinbar gar nicht bemerkt. Als wir immer näher auf ihn zukamen, erschrak ich; er hatte zusätzlich zu seiner Kriegsbemalung schwere, schwarze Ringe unter den Augen, ein Zeichen dafür, dass er sehr wenig geschlafen hatte in den letzten Tagen. Seine Wangen waren eingefallen, und er hatte deutlich an Gewicht verloren. „Bruder?“ Sanft löste sich Farkas von meiner Hand und legte seinem Zwilling eine Hand auf die Schulter, der bei der unerwarteten Berührung erschrocken zusammenzuckte. „Farkas? Du bist das? Wo ist Dein.....?“ „Ich bin hier, Vilkas, wir wollten Euch besuchen.“ „Herold.“ Nun stand Vilkas auf, um sich leicht zu verbeugen, und wir sahen erst jetzt, wie schlecht es ihm wirklich ging.

Er wirkte unsicher auf seinen Beinen, er schwankte leicht, und als er mich ansah, nahm ich einen schwachen Alkoholgeruch an ihm wahr, seine Augen glänzen fiebrig. Er schien um Jahre gealtert.„Setzt Euch doch wieder, Vilkas. Ist soweit alles in Ordnung hier?“ Das war eine ziemlich dümmliche Frage, denn ich sah ja mit eigenen Augen, dass NICHTS in Ordnung war, aber ich war verwirrt, meinen zukünftigen Schwager in diesem Zustand vorzufinden, damit hatte ich nicht gerechnet. Scheinbar hatten ihn die Geschehnisse der letzten Wochen doch wesentlich mehr mitgenommen, als ich vermutet hatte.

Farkas nahm sich einen Stuhl und zog ihn neben den seines Bruders. „Vilkas, was tust Du Dir an? Du trinkst?“ „Trinkst Du etwa nicht?“ kam die vorwurfsvolle Antwort zurück. „Wir alle trinken unseren Met, und auch mal ein Bier oder Wein, aber ich kann sehen, dass Du es nicht mehr bei einem oder zwei Bechern belässt. Was ist denn los mit Dir?“ „Was mit mir los ist, willst Du wissen? Ich habe meinen Bruder verraten, ihm unsägliches Leid angetan, und beinahe wäre ich noch zum Mitschuldigen geworden am Mord an dem Menschen, den er über alles auf der Welt liebt. Und Du fragst mich, was mit mir los ist?“ „Aber Vilkas, wir haben doch über alles gesprochen, bevor wir fortgegangen sind, und wir beide haben Dir verziehen.“ „Farkas! Junge! Begreifst Du denn nicht, dass ich mir selbst niemals werde vergeben können? Wenn ich die Augen schliesse, sehe ich Dein Gesicht vor mir, das Gesicht meines geliebten kleinen Bruders, den ich geschworen habe, zu behüten und zu beschützen, es ist voller Tränen, voller Schmerz über das, was Dir Dein Geliebter angetan haben soll. Ich sehe, wie sich Thorgrims Körper aufbäumt vor Schmerzen, die ihm Aelas Mixturen bereitet haben. Und ich habe das zugelassen! Wie soll ich nur mit dieser Schuld weiterleben, Farkas? Kannst Du mir diese Frage beantworten?“ Ich war erschüttert darüber, zu erfahren, wie tief Aelas Verrat, ihr bösartiger Versuch, mich zu vergiften, Vilkas zugesetzt hatte, den sie ebenfalls in ihr böses Spiel miteinbezogen hatte, und so traf ich von einem auf den anderen Moment eine Entscheidung.

„Farkas, mein Liebling, kann ich Dich bitte kurz sprechen?“ Ich hatte mich während der Unterhaltung der beiden Brüder etwas zurückgezogen und stand mittlerweile an der Einganstür zur Methalle. Mein Liebster erhob sich von seinem Stuhl, drückte kurz die Hand seines Bruders und kam dann zu mir. „Er macht mir Angst, Thorgrim, ich habe Vilkas noch niemals so gesehen.“ „Er ist ein echter Nord, mein Herz, und er ist durch und durch Krieger, jemand, der nach aussen hin nur Härte und Entschlossenheit zeigt und sich niemals irgendwelche Schwächen erlauben würde. Aber er ist wie Du, mein Schatz, rauhe Schale, weicher Kern. Er hat Gefühle, so wie jeder von uns, und er liebt Dich sehr. Ich kann ihm nachempfinden, dass er sich schuldig fühlt, aber wir müssen ihn aus dem Dunkel, in dem er sich momentan befindet, herausholen, sonst geht er zugrunde, und das kann ich nicht zulassen.“ Mein Geliebter sah mich traurig an. „Du hast recht, aber was wird aus unserer Hochzeit? Ich habe mich so sehr darauf gefreut!“

Ich sah meinem geliebten Nord tief in die Augen, fuhr mit meiner Hand sanft über seine Wange und erzählte ihm von meinem Entschluss. „Oh, wir WERDEN heiraten, mein Schätzchen. Ich habe überlegt, dass Du bei Deinem Bruder bleiben solltest, er braucht Dich jetzt, Du bist der einzige Mensch, dem er vertraut, dem er sich rückhaltlos überlassen kann. Ich werde alleine nach Rifton reisen, und ich werde unseren Hochzeitstermin auf einen Tag in etwa vier Wochen festlegen. Ich möchte gerne während der ersten Saat heiraten, wenn wir davon ausgehen können, dass wir schönes, sonniges Wetter haben werden, jetzt regnet es noch viel zu viel. Einverstanden?“

Farkas versuchte, zu lächeln, aber er hatte sich noch nie gut verstellen können, er hatte es nicht nötig. Ich merkte sofort, dass er über meine Entscheidung alles andere als glücklich war. „Es gefällt mir nicht, dass Du alleine eine so weite Reise auf Dich nehmen willst, es ist gefährlich dort draussen.“ Ich küsste meinen Geliebten zärtlich, zutiefst bewegt über seine Besorgnis. „Ich habe viele Jahre in der Wildnis gelebt, weisst Du. Und bevor ich zu den Gefährten kam, habe ich grosse Teile Himmelsrands bereist, Du weisst sehr gut, dass ich auf mich aufpassen kann.“ „Ja, das weiss ich“, brummte er missmutig, „Aber das bedeutet nicht, dass es mir auch gefallen muss.“ „Komm, lass es uns Vilkas sagen, und dann werde ich gleich aufbrechen, umso schneller bin ich wieder zurück.“

Er griff nach meiner Hand und setzte sich diesmal auf eine der Bänke gegenüber, sodass ich neben ihm Platz nehmen konnte. „Bruder,“ sprach er Vilkas an „wir sind hierhergekommen, um Dir etwas zu erzählen. Hörst Du mir zu?“ Unter scheinbar unmenschlicher Anstrengung hob der andere Zwilling seinen Kopf. „Ich höre Dir zu, Bruder. Was wolltet Ihr mir erzählen?“ Wir hatten uns so sehr darauf gefreut, allen von unseren wunderbaren Neuigkeiten zu berichten, aber nun war ein Schatten auf dieses frohe Ereignis gefallen. „Thorgrim und ich – wir werden heiraten.“ „Heiraten? Das...ist.....ich freue mich für Euch. Wann werdet Ihr nach Rifton gehen?“

„Wir werden nicht zusammen gehen, Thorgrim wird die Vorbereitungen übernehmen, ich werde hierbleiben. Du brauchst mich jetzt.“ „Aber Farkas, das......kann ich nicht zulassen. Du hast durch meine Schuld schon genug Leid erfahren! Ich will nicht, dass Ihr Euch meinetwegen schon wieder voneinander trennen müsst!“ Mein Liebster erhob sich und ging vor seinem Bruder in die Hocke. „Keine Widerrede, Vilkas. Ich bleibe bei Dir, und ich werde Dich aus der Finsternis herausholen, die Dich gefangen hält. Ich möchte auf meiner Hochzeit nämlich auch mit Dir tanzen, hörst Du?“ Mein Farkas war ein echtes Phänomen, für mich sowieso, denn er war der perfekte Mann für mich, in allen Belangen, und nun schaffte er es mit ein paar kleinen, gut durchdachten Worten, diesem zutiefst unglücklichen Mann ein Lächeln zu entlocken. „Ich freue mich auf Eure Hochzeit, Bruder.“ Farkas drückte ihm einen Kuss auf die Stirn und wandte sich dann wieder mir zu.

„Und Du, Du unverschämt gut aussehendes rothaariges Mannsbild von einem Nord, versprich mir, dass Du auf Dich aufpassen wirst. Und vergiss mich nicht unterwegs!“ Der Humor in seinen Worten, das spürte ich ganz genau, sollte nur seinen Unmut darüber verdecken, dass ich alleine gehen würde, er hatte Angst um mich, wollte aber nicht, dass ich es merkte, jedoch, wie gesagt, mein Liebster war nicht gut darin, sich zu verstellen. Ich spürte die Furcht, die von ihm ausging, fast körperlich. „Ich verspreche es, mein Liebling, und Dich vergessen kann ich gar nicht – ich weiss nicht, wie das geht.“

Plötzlich stürzte er sich auf mich, nahm mich mit seinen mächtigen Armen wie in einen Schraubstock.und presste mir die Luft aus den Lungen. „Komm schnell wieder zu mir zurück, mein Herz, ich werde Dich furchtbar vermissen!“ „Das werde ich, mein Farkas, ich liebe Dich so sehr.“ Wir küssten uns leidenschaftlich, es tat weh, sich von ihm verabschieden zu müssen, aber wie konnten wir unbeschwert unser Glück geniessen, wenn wir gleichzeitig wussten, dass Farkas Bruder in einer dunklen Verzweiflung gefangen war und ohne Hoffnung vor sich hindämmerte? Nein, es war so die beste Lösung, und das wussten wir beide. Das bedeutete nicht, dass es uns gefallen musste, dachte ich bitter, da mein Liebster diesen Satz eben noch verwendet hatte.

Dann wandte ich mich noch einmal Vilkas zu, der uns beobachtet hatte. „Vilkas, ich möchte Euch um einen Gefallen bitten.“ „Was kann ich für Euch tun, Herold?“ „Oh, bitte, Vilkas. Ihr werdet bald mein Schwager sein, bitte nennt mich Thorgrim.“ „Also gut, Thorgrim, wie lautet Eure Bitte?“ „Ich möchte, dass Ihr auf Euren jüngeren Bruder hört, und zwar in allen Belangen. Er wird für Euch immer Euer KLEINER Bruder sein, aber glaubt mir, er ist ein selbstbewusster und kluger Mann, auf den man sich jederzeit verlassen kann, ich hätte ihm sonst nicht so rückhaltlos mein Herz geöffnet. Er ist der Mensch, der Euch am nächsten steht, Ihr wisst, dass Ihr ihm bedingungslos vertrauen könnt, also hört auf ihn und folgt seinen Ratschlägen, er würde Euch niemals etwas Schlechtes tun, denn er liebt Euch sehr. Ich werde in etwa zwei Wochen wieder zurück sein, und dann möchte ich den Vilkas wiedersehen, den ich einmal kennengelernt habe. Und eine letzte Bitte noch. Behandelt ihn mit dem Respekt, den er verdient. Ich weiss, dass Ihr ihn in der Vergangenheit gerne hin und wieder aufgezogen habt, aber ich werde das nicht länger dulden. Er ist mein Bräutigam, mein Auserwählter, mein Glück, meine ganze Welt, und ich bin stolz auf ihn. Ich habe mich für ihn entschieden, weil er etwas ganz Besonderes ist. Bitte vergesst das nicht.“

Nachdem Vilkas zum Zeichen des Verstehens kurz genickt hatte, legte ich noch einmal meine Arme um meinen geliebten Gefährten. „Ich werde Dich auch furchtbar vermissen, mein Schatz, besonders nachts.“ Nun hatte auch ich meinen besorgten Farkas zum Grinsen gebracht. Unsere gemeinsamen Nächte waren stets von so viel Freude und Glücksseligkeit erfüllt, dass es ein grosses Opfer für uns beide darstellte, für so lange darauf zu verzichten, aber wir hatten keine Wahl. „Auf bald, mein Liebling, sieh zu, dass Dein Bruder bald wieder auf den Beinen ist, ich werde so bald wie möglich zu Dir zurückkommen, ich liebe Dich, mein schwarzes Bärchen.“ Diesen Kosenamen hatte ich ihm in einer dieser zauberhaften Nächte gegeben, weil es mir so viel Freude machte, die vielen schwarzen Haare an seinem Körper zu kraulen und zu liebkosen.

„Auf bald, mein Herz, komm bald zurück, ich brauche Dich, Du wirst mir schrecklich fehlen.“ Nach einem letzten, hungrigen Kuss lösten wir uns voneinander, und ich verliess Jorrvaskr, meinen Liebsten, und meine neue Heimat Weisslauf. Uns beiden standen zwei einsame Wochen bevor.