Thorgrims Geschichte

GeschichteAbenteuer, Romanze / P18 Slash
12.06.2015
20.10.2018
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Kapitel 02 - Der Antrag

Irgendwann in der Nacht wurde ich wach und bemerkte, dass sich mein Kopf sanft hob und wieder senkte. Ich sah auf und stellte fest, dass er auf dem mächtigen Brustkorb meines Geliebten lag, der friedlich schlummerte und sogar im Schlaf ein Lächeln auf den Lippen hatte.

Behutsam legte ich seinen Arm beiseite, der auf meiner Hüfte gelegen hatte und richtete mich auf. Für einen Moment blieb mein Blick auf dem Gesicht meines Liebsten liegen, er sah so wunderschön aus im blassen Licht des Mondes, das durch die Fenster fiel, so zufrieden, so glücklich. Ich konnte dieser Versuchung nicht widerstehen, ich senkte meine Lippen auf die seinen, die im Schlaf leicht geöffnet waren und küsste ihn zärtlich, um ihn nicht aufzuwecken. Ach, es schmeckte so süss, ich konnte nicht anders, als mit meiner Zunge zuerst über die Ober- und dann über die Unterlippe zu fahren, ich wollte, ich musste ihn schmecken, zu lange waren wir voneinander getrennt gewesen.

Ich gab mich ganz dieser Wärme und Geborgenheit hin, als sich plötzlich zwei starke Arme wie Zangen aus Stahl um meinen Körper schlossen. Farkas richtete seinen Oberkörper auf, drehte mich so, dass ich wieder auf dem Bett zu liegen kam und küsste mich, bis ich keine Luft mehr bekam. „Mmhhhh........ Thorgrim, mein leckerer Nord, ich will Dich.....jetzt!“

Als wir später erschöpft, aber glücklich, eng umeinander gewickelt, in unserem Bett lagen und unser Atem zur Ruhe gekommen war, kam die Frage von Farkas, auf die ich schon eine ganze Weile gewartet hatte. „Liebling?“ „Hmm?“ „Warum um alles in der Welt hast Du dieses Amulett getragen?“ „Ach Farkas, Liebes, weisst Du das wirklich nicht?“ Der Blick seiner hellblauen Augen, die fast weiss leuchteten, als sie das Mondlicht reflektierten, sagte mir, dass er wirklich keine Ahnung hatte, wofür dieses vermaledeite Amulett stand.

Ich befreite mich sachte aus seiner Umarmung und stand auf. „Wo willst Du denn jetzt hin, mein Schatz?“ wollte Farkas wissen, und ich hörte einen leichten Unterton von Panik in seiner Stimme. „Ich bin gleich wieder zurück, bitte warte hier auf mich.“ Dann drehte ich mich zu meinem Nachttisch, nahm besagtes Amulett heraus und flitzte, nackt, wie ich war, nach unten.

Auf dem Esstisch unseres Küchenbereiches im Erdgeschoss stand immer eine Vase mit frischen Blumen. Meine Mutter hatte immer darauf Wert gelegt, Blumen im Hause zu haben, und diese Liebhaberei hatte ich damals mitgenommen, als ich fortgegangen war, es war das Einzige, was mich noch mit meiner Heimat und mit meiner Familie verband.

Ich legte mir das Amulett um den Hals, schnappte den Strauss gelb-lila-farbener Drachenbaumblüten und ging wieder die Stiege hinauf in unser Schlafzimmer, wo mein Farkas im Schneidersitz auf unserem Bett sass und auf mich wartete. Er hatte während meiner Abwesenheit ein paar Kerzen angezündet und sah mir nun neugierig entgegen. Als er jedoch das Amulett auf meiner Brust sah, verfinsterte sich sein Blick und es schien mir, als wolle er aufstehen. „Bitte, Liebling, bleib, wo Du bist“, bat ich ihn, und er blieb.

Der verwirrte Blick in seinen Augen verunsicherte auch mich etwas, aber ich musste jetzt handeln, sonst würde es immer wieder Missverständnisse geben zwischen uns beiden, und das wollte ich unter allen Umständen vermeiden.

Ich trat auf die Seite des Bettes, auf der Farkas sass, bei Talos, überlegte ich kurz, die Götter müssen mir wohlgesonnen sein, mir einen so wundervollen Mann an die Seite zu geben. Einige bange Sekunden, bevor ich meinen Plan in die Tat umsetzte, blieb ich noch stehen, sah ihm in die Augen, holte dann tief Luft und liess mich schliesslich auf ein Knie nieder.

„Mein geliebter Farkas, Du bist die Sonne an meinem Himmel, meine Luft zum Atmen und mein Licht in der Dunkelheit. Willst Du mich heiraten und mein Mann werden? Ich verspreche Dir, Dich zu lieben, zu beschützen und Dich glücklich zu machen an jedem Tag Deines Lebens. Ich will für Dich sorgen, für Dich da sein und Dein Herz mit Wärme füllen, jetzt, für immer, und bis ans Ende aller Tage.“

Ich streckte die Hand aus und hielt meinem Nord den Blumenstrauss unter die Nase. Lange Sekunden, die sich wie eine Ewigkeit anfühlten, war Stille im Raum. Eine Stille, die mir Angst machte, die an meinen Nerven zerrte. Was, wenn Farkas diese Art von Beziehung nicht wollte, wenn er nicht für immer mit mir zusammen bleiben wollte, wenn seine Liebe zu mir nicht so tief ging wie meine zu ihm? Meine Unruhe begann, sich in Panik zu verwandeln. Noch immer hielt ich die Blumen in der Hand und kam mir allmählich sehr albern vor, ich hatte wohl einen Fehler begangen.

Doch dann sah ich, dass sich in den Augen meines Geliebten Tränen bildeten. Er nahm mir den Blumenstrauss aus der Hand, strich kurz mit der Hand darüber, als wolle er ihn liebkosen und legte ihn dann schliesslich neben sich auf das Bett. „Komm, mein Liebling, komm zu mir.“ Seine Stimme war ganz leise, ganz tief, ich hörte den Unterton des Verlangens darin, der mir, wie immer, eine Gänsehaut verursachte und setzte mich ihm gegenüber, ebenfalls im Schneidersitz.

„Du willst MICH heiraten? Du hast dieses Amulett für MICH getragen?“ „Ja, das habe ich, aber während mich halb Weisslauf darauf angesprochen hat, hast Du niemals darauf reagiert. Ich wollte es schon wieder ablegen, weil ich mir langsam lächerlich vorkam, ich habe sie alle abgewiesen, weil ich auf Dich gewartet habe, aber......Farkas, würdest Du mir bitte antworten?“

Es war ein Moment, als mein Liebster seine grosse, starke Hand zärtlich an meine Wange legte, als sei Mara persönlich in unser Zimmer getreten und webe einen unsichtbaren Zauber um unsere Körper. Farkas rückte noch näher an mich heran und schlang seine langen Beine um meine Hüften. Ich tat es ihm nach und sah ihm voller Ungeduld in seine warmherzigen Augen.

„Ich will Dein Mann werden, mein Herz, aber ich stelle eine Bedingung.“ Eine Bedingung? Ich erschrak, was um alles in der Welt sollte diese Bedingung sein? Doch dann sah ich wieder dieses freche Glitzern in seinem Blick. „Nun, Du sagtest, dass Du mich glücklich machen möchtest, an jedem Tag meines Lebens. Wenn Du mir zusätzlich versprichst, mich auch jede......Nacht glücklich zu machen, dann werden wir so schnell wie möglich heiraten!“

Das war mal wieder typisch mein Farkas. Sogar in einem so ernsten und bedeutsamen Moment musste er seine Scherze machen! Und trotzdem war ich unendlich erleichtert. Ich löste mich von ihm, warf ihn auf das Bett und legte mich auf ihn, um ihn zu küssen. Für eine ganze Weile rauften wir miteinander, glücklich und erleichtert, dass jetzt endlich Klarheit zwischen uns herrschte. Und nachdem wir uns ein weiteres Mal geliebt hatten in dieser zauberhaften Nacht, kehrten wir zurück ins Reich der Träume, die uns einen Blick in die Kapelle von Mara erlaubte, in der wir uns auf ewig miteinander verbinden würden.