Das Blut einer Elfe

von Ketsu
GeschichteDrama, Horror / P18 Slash
OC (Own Character)
11.06.2015
11.06.2015
1
1552
 
Alle Kapitel
1 Review
Dieses Kapitel
1 Review
 
 Datenschutzinfo
 
 
 
Es war einmal, eine kleine Elfe.
Diese Elfe war ein fröhliches Kind, lebte um zu tanzen und um mit ihrem besten Freund zu spielen.
Bis zu dem Tag, an dem sich alles änderte.
Die Menschenkinder mochten den Freund der kleinen Elfe nicht und als sie wieder einen ihrer finsteren Späße mit ihm machten, wehrte er sich und die kleine Elfe sah zu.
Niemals hätte sie es sehen dürfen, denn der Freund der kleinen Elfe musste deswegen verschwinden, um sie zu beschützen.
Mit Tränen im Gesicht und auf dem Blute wandelnd, sagte er: „Vergiss mich!“, und verschwand.
Da zerbrach das Herz der kleinen Elfe zum ersten Mal...

Es war ein schöner Tag im Frühling, die Sonne schien und überall sah man Menschen, die geschäftig hin und hergingen, plauderten und lachten. Es war ein ziemlich warmer Tag für Ende Mai, fand ein Mann, der vor dem Eingang eines großen Krankenhauses stand und seelenruhig eine Zigarette rauchte. Ohne Eile sog er den giftigen Rauch ein, der ihn eines Tages mit Sicherheit umbringen würde, doch ihm war das egal. Kurz sah er auf seine Armbanduhr. Schon zwanzig vor Drei. Genussvoll nahm er einen letzten Zug, bevor er die Zigarette auf den Boden warf und austrat, bis sie ganz aus war, um kurz darauf das Gebäude zu betreten. Ohne Umschweife ging er zum Aufzug und wählte den sechsten Stock. Dort wurden Patienten im Koma behandelt.
Kaum trat er aus dem Aufzug, als auch schon ein Mann im Arztkittel auf ihn zukam.
„Schön Sie zu sehen“, sagte der Doktor, woraufhin der Mann nickte. „Sie sind?..“, fragte der Mann.
„Oh, tut mir leid, ich dachte Sie kennen mich noch. Mein Name ist Doktor Akaya Tōdō, wir hatten telefoniert“, stellte sich der Doktor vor und führte den Mann zeitgleich durch einen langen Gang, bevor er ihn in ein kleines Büro am Ende des Ganges lotste und ihm einen Platz auf einem Stuhl anbot.
„Also, Doktor“, sagte der Mann der sich setzte und nach vorne lehnte. „Was haben Sie für mich so wichtiges, dass ich dafür extra aus Europa hierher musste?“, fragte er. Der Doktor setzte sich ruhig hin und sagte: „Vor etwa einem Jahr fand ein kleines Fischerboot ungefähr dreihundert Meilen vor der Küste von Yuigahama ein riesiges Trümmerfeld. Als sie unerlaubterweise dieses Feld durchsuchten, bargen sie einen lebenden Menschen, um die sechzehn Jahre alt und mit schweren Verletzungen am ganzen Körper. Sie brachten sie erst an Land und dann hierher, wo wir sofort mit der Behandlung begannen.“
„Sie?“, fragte der Mann und zog eine Augenbraue hoch. „Habe ich vergessen zu erwähnen, dass es sich um eine Frau handelt? Das tut mir leid. Jedenfalls begannen wir mit der Behandlung, und versuchten gleichzeitig herauszufinden, wer sie ist. An ihr fand man keinen Anhaltspunkt, keinen Ausweis, nichts mit einer Unterschrift, rein gar nichts. Außer einer Sache: Ein kleines Brandmal an ihrem Hals, das man als die Ziffern 66 identifizieren konnte. Wir haben keine Ahnung wer sie ist, noch woher sie kommt, doch mir und meinen Kollegen erscheint allein ihr Leben als ein medizinisches Wunder.“ „Wieso?“, fragte der Mann wieder, woraufhin Dr. Tōdō mehrere Röntgenaufnahmen aus einer Schublade seines Schreibtisches nahm und dem Mann vorlegte.
Der lehnte sich weiter nach vorne, betrachtete die Bilder und man sah, wie etwas Farbe aus seinem Gesicht wich. „Großer Gott“, murmelte er, während er fassungslos auf die Aufnahmen starrte. Der Doktor nickte. „Das dachte ich mir auch. Wie man sieht, hat sie sich sämtliche Knochen außer Schädel und Halswirbel im Körper gebrochen, und das mindestens zwei, an manchen Stellen auch dreimal. Außerdem hatte sie mehrere tiefe Schnitt- und Stichwunden am ganzen Körper, ebenso wie
schwere Verbrennungen, die von einer Explosion zu stammen scheinen. Dann wären da noch eine Menge Blutergüsse an Armen, Beinen und Brustbereich und Würgemale am Hals. Und dann kommt noch die starke Unterkühlung hinzu. Ein normaler Mensch wäre an diesen Verletzungen schon längst gestorben. Viermal. Ironischerweise war sie auch in der Zeit seit ihrer Einlieferung viermal klinisch tot, konnte jedoch jedes Mal erfolgreich wiederbelebt werden.“, beendete der Doktor seinen Bericht. „Was ist das?“, fragte der Mann, auf ein Bild vom Schädel der Patientin zeigend. Der Doktor schüttelte den Kopf. „Wenn wir das wüssten“, sagte er. „Es scheint eine harmlose, wenn auch merkwürdige Schädelanomalie zu sein.“ „Die sehen ja aus, wie...“ „Hörner, ich weiß“, beendete der Doktor den Satz des Mannes. „Genauer gesagt, ist es nur ein Horn, nämlich das Linke. Wo das Rechte sein sollte, ist eine Bruchstelle, als hätte es jemand gewaltsam entfernt.“ Tief ausatmend, lehnte sich der Mann zurück und strich seinen schwarzen Anzug zurecht. Langsam ließ er sich nochmal alles Gesagte und Gesehene durch den Kopf gehen. „Dürfte ich sie sehen?“, fragte er. Der Doktor nickte. „Natürlich“, sagte er. „Doch noch eine Sache...“ „Was denn?“, fragte der Anzugträger mit einer leicht genervten Stimme. „Nun ja...“, antwortete Tōdō etwas nervös. „Man fand des Öfteren Handabdrücke in ihrem Zimmer... sogar an der Decke. Und eine Schwester sagte, dass plötzlich neben ihr ein Glas zersprang. Außerdem sollen andere Pfleger einen kalten Luftzug gespürt haben, dabei war das Fenster geschlossen. Bevor Sie fragen, keiner von ihnen hat gelogen oder stand unter dem Einfluss von Alkohol, Drogen oder Medikamenten. Ich selbst habe die Handabdrücke gesehen.“ „Und das soll ich Ihnen glauben?“, fragte der Anzugträger leicht belustigt.
„Ja“, antwortete der Doktor. „Es ist... wissen Sie was? Sehen Sie sich es doch selbst an.“ Mit diesen Worten führte der Doktor den Mann aus dem Büro und den Gang entlang, wo sie nach kurzer Zeit vor einer Tür stehenblieben. „Ist sie da drin?“, fragte der Mann und man merkte an seiner Stimme, dass er sehr aufgeregt war. Der Doktor nickte und öffnete die Tür, hinter der sich ein ganz normales Krankenzimmer befand. Mitten im Raum stand neben mehreren Maschinen ein Bett, in dem an die Geräte angeschlossen, eine Person lag. Als der Mann näherkam, erkannte er ein Mädchen, höchstens sechzehn Jahre alt. Sie hatte langes, blutrotes Haar und sie war so zierlich und unscheinbar, als könnte sie jeden Moment zerbrechen. Ihre blasse Haut war wie Porzellan oder Papier und ihr Gesicht verlieh ihr einen ruhigen und friedlichen Ausdruck. Deutlich sah der Mann das Horn auf der rechten Seite ihres Kopfes und konnte, wenn er genau hinsah, auch die Bruchstelle auf der anderen Seite erkennen. Sie sah aus wie eine Puppe. Eine schöne, schlafende Puppe in ihrem Puppenbett. Es dauerte, bis er seinen Blick von ihr lösen konnte und Tōdō ansah, der in der Tür stand. „Das ist sie“, sagte er. „Ihr körperlicher Zustand hat sich seit ihrer Einlieferung extrem verbessert, doch konnten wir sie bis jetzt nicht aufwecken.“ „Gibt es sonst noch etwas, was ich wissen muss?“, fragte der Mann etwas abwesend. Irgendwie erinnerte dieses Mädchen ihn an jemanden, doch wusste er nicht, an wen. Er hatte die Gerüchte wegen der Handabdrücke schon wieder vergessen. „Eine einzige Sache wäre da noch“, antwortete der Doktor. „In letzter Zeit scheint sie unruhig zu sein. Vielleicht wacht sie bald auf. Es scheint, als würde sie... träumen.“ „Wie meinen Sie das?“, fragte der Anzugträger. „Ihre Augen bewegen sich unter den Lidern und manchmal scheint es, als würde sie etwas murmeln. Wie es der Zufall will, traten auch in diesem Zeitraum der letzten vier Wochen dieses Verhaltens diese seltsamen Phänomene wie die Handabdrücke auf.“ Kurz dachte der Mann nach. Dann durchfuhr es ihn wie ein Blitz. „Ich müsste kurz mal telefonieren. Wo ist das nächste Telefon?“, fragte er, worauf der Doktor den Gang hinunter zeigte. „Einfach den Gang runter und dann im zweiten Raum links“, antwortete er. Der Mann nickte dankend und verließ den Raum. Als der Doktor mit dem Mädchen alleine war, ging er leise zu ihrem Bett. „Wer bist du nur?“, murmelte er kaum hörbar. Als hätte seine Frage ein Wunder bewirkt, denn als etwas Anderes konnte man folgendes nicht beschreiben, öffnete das Mädchen langsam die Augen. Keuchend wich der Doktor zurück, als zwei dunkelrote Augen ihn anschauten. „Oh mein Gott“, flüsterte der Doktor noch immer verwundert. Langsam öffnete das Mädchen den Mund und sagte mit einer glasklaren Stimme, die klang, als könnte eine einzelne Berührung sie zerbrechen: „I-ich bin... M-mein Name ist... Akira.“ Begeistert kam der Mediziner näher. „Du kennst also deinen Namen. Das ist wunderbar. Du bist in einem Krankenhaus, weißt du das? Kannst du mir sagen, woher du kommst?“, fragte er das Mädchen. Die antwortete mit der Gegenfrage: „K-kannst du mir sagen... wer ich bin? Ich weiß nur noch meinen Namen, doch wer bin ich?“ Tränen liefen über die Wangen des Mädchens. „Bitte...“, sagte sie. „Wer bin ich?!“
Review schreiben