Primeval - der Kampf gegen Urzeit und Zukunft

GeschichteAbenteuer, Freundschaft / P12
Abby Maitland Claudia Brown / Jenny Lewis Connor Temple Danny Quinn Nick Cutter Stephen Hart
11.06.2015
07.07.2019
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*Nachts im Museum*

Die Horrormumie

Vier Monate später saß Nick noch lange nach Feierabend im ARC. Er konnte einfach nicht schlafen und so wollte er noch ein wenig an seinem Modell arbeiten. Er war kurz davor, die erste eigene Anomalie voraus zusagen. Doch irgendwie kam er nicht weiter.
„Nick? Nick!“
Jemand anderes holte ihn zurück in die Gegenwart. Es war Jenny, die über seinen Schreibtisch gebeut ihn anstarrte. Sie lächelte.
„Wo warst du mit deinen Gedanken?“
„Weit weg...“, antwortete Nick nur und erwiderte das Lächeln.
„Du schläfst kaum noch!“
„Ach wirklich? Wie kannst du das denn wissen?“ Nick schaute die hübsche Brünette grinsend an. Sie lachte kurz auf und streckte dann ihre Hand nach Nick aus.
„Komm. Wir zwei gehen etwas Essen!“
„Sehr gerne!“

Die beiden verließen gemeinsam das Büro und traten dann durch die Haupthalle. Gerade wollte Jenny fragen, in welches Restaurant Nick gerne gehen würde, da ertönte um sie herum die Alarmanlage des ADD. Eine neue Anomalie war aufgetaucht.
„Ich ruf unsere Leute an!“, brummte Jenny und zückte ihr Handy. Nick lief zum ADD hin und las die Adresse der neuen Anomalie laut vor:
„Britisches Museum. Ich rufe Abby an!“
„Gut... Ich übernehme dann noch Stephen!“
„Den brauchst du nicht anrufen, er ist ein paar Wochen zu seinen Eltern gefahren. Seine Mutter hat sich das Bein gebrochen und braucht nun Hilfe...“
„Okay... Hallo, Grace? Tut mir Leid, aber wir haben eine Anomalie!“

Jenny hatte die junge Brünette aus dem Tiefschlaf geholt. Nuschelnd nahm sie den Anruf entgegen. Becker, der einen Arm um sie geschlungen hatte, grunzte und drehte sich dann auf die andere Seite des Bettes. Er schlief weiter.
„Och Jenny... nö!“, maulte sie genervt. „Ich bin müde!“
„Komm schon! Nimm Becker mit!“
„Hm! Wo ist das Übel denn?“
„Im Britischen Museum!“
„Wenigstens ein eingesperrter, mehr oder wenig überschaubarer Ort!“, jammerte Grace und schwang die Beine über die Bettkante. Sie nahm ein Kissen und schlug damit auf Beckers Kopf ein.
„Los, Captain, die Arbeit ruft!“
„Warum können wir keine einfachen Verkäufer sein?“, brummte ihr Freund und drehte sich auf den Rücken. Er legte sich einen Arm übers Gesicht, während Grace sich von Jenny verabschiedete und schließlich eine Nachttischlampe anschaltete. Sie lief zum Ankleidezimmer hinüber und warf Becker seine Soldatenuniform aufs Bett, die er immer zuhause hatte – für eben genau solche Fälle.
„Los, Schlafmütze! Desto schneller das vorbei ist, desto schneller können wir wieder ins Bett!“
„Ist ja gut!“, knurrte ihr Freund und schnappte sich seine Kleidung. „Manchmal muss ich wirklich überlegen, wer von uns beiden die Soldatenausbildung gemacht hat, Drill Sergeant!“ Grace nahm ihre eigene Kleidung und grinste Becker an.
„Ich dachte du liebst genau das so sehr an mir!“
„Hm. Mal mehr und mal weniger!“, nuschelte Becker und lief ins Badezimmer. Sie folgte ihm.

Zeitgleich wurde auch Abby aus ihren Träumen gerissen. Sie sprang sofort aus dem Bett und lief in den Hauptraum ihrer riesigen Wohnung. Dort lief sie die schmale Holztreppe empor in Connors Ecke.
„Hey – aufstehen! Eine Anomalie!“
Doch Connor bewegte sich nicht. Er regte sich nicht einmal, sondern schnarchte munter weiter. Seufzend lief Abby in die Küche und öffnete den Kühlschrank. Sie suchte nach einer Tupperdose, in der sich Salat befand. Auf der Dose stand in Großbuchstaben REX.
Abby warf ein paar der Salatblätter auf Connor, der jedoch immer noch tief und fest schlief. Ein größeres Stück Salat fiel direkt in seinen Mund.
„Rex, komm, es gibt Frühstück!“, rief Abby, während sie die Tupperdose wieder in den Kühlschrank stellte. Das ließ sich die hungrige Echse nicht zweimal sagen und in einem hohen Bogen flog sie sofort zu Connor und setzte sich auf seine Brust. Dann schnappte Rex sich das Salatblatt, wodurch Connor doch noch wach wurde.
„Bah. Was- oh!“, rief Connor verschlafen. „Rex! Guten Morgen!“ Die Urzeitechse quietschte vergnügt und flog dann wieder davon.
Seufzend strich Connor sich mit beiden Händen durchs Gesicht und stand dann schließlich auf. Er und Abby machten sich wenig später auf den Weg zum Britischen Museum.


Wenig später tauchten auch Becker und Grace dort auf.
Dieses Museum war eines der bedeutensten und größten kulturgeschichtlichen seiner Art. Das klassizistische Museum umfasst drei Stockwerke und hat vom Grundriss her eine quadratische Form. Es gibt einen Innenhof (Great Court), dessen Dach aus einer Stahl- Glaskonstruktion besteht und das bisher größte in ganz Europa ist. Am Eingang gab es eine breite aber nur mit wenigen Stufen ausstaffierte Mamortreppe, die von hohen Säulen stabilisiert wurde.
„Ah, da seid ihr ja endlich!“, begrüßte Nick das Paar im leicht tadelnden Ton. Grace hatte nur einen müden Blick für ihn übrig.
„Hast du mal auf die Uhr gesehen?“, knurrte sie und nahm die kleine Pistole entgegen, die Hempel ihr überreichte.
„Ich weiß. Aber Anomalien halten sich nunmal ungern an unsere Schlafgewohnheiten!“, erwiderte Nick grinsend. „Kommt!“
Sie liefen als große Gruppe durch das untere Stockwerk. Ein paar Soldaten gingen mit ihren Taschenlampen an den Gewehren voran. Alle hielten ihre Waffe schussbereit nach vorne gestreckt und waren sichtlich angespannt.
Sie durchliefen die halbe Eingangshalle, die aus einem gigantischen, quadratischen Raum bestand. Die Wände waren schneeweiß gestrichen. Dann liefen sie am halbkreisförmigen Infostand vorbei und weiter ins Innere des Museums.
Links von der Eingangshalle befand sich die Römische Ausstellung, genau auf der anderen Seite konnte man den Gang zu den Toiletten und Souvenirshops erreichen.
In der Eingangshalle standen einige der ägyptischen Figuren. So konnte man zum Beispiel eine Statue von Ammit, der Göttin der Unterwelt sehen. Sie war gigantisch und irgendwie auch ziemlich unheimlich.
Vor dem Sockel der Statue lag eine rote Baumwolljacke mit weißen, großen Knöpfen. Hempel war der Erste bei der Jacke und hob sie hoch. Drei ziemlich große, mit Blut verschmierte Kratzer hatten den Stoff zerfetzt. Becker erfasste mit seiner Taschenlampe etwas viel Schlimmeres: Hinter dem Sockel konnte man zwei Schuhe und zwei Füße sehen. Die beiden Anführer unserer Soldateneinheit gingen darauf zu und entdeckten die Leiche einer älteren Frau. Sicherlich gehörte auch ihr die Jacke.
„Also haben wir hier ein Wesen!“, brummte Nick.
„Das muss ein Raubtier sein!“, erklärte Grace. „Also ein Fleischfresser!“
„Na toll!“, knurrte Connor genervt.
„Aber wo?“, fragte Abby entsetzt. „Das Museum ist so riesig – das könnte überall sein!“
„Stimmt!“, meinte auch Hempel. „Wir sollten in kleinen Gruppen das gesamte Gebäude durchsuchen!“
„Gut. Wer läuft mit wem?“
„Grace, Connor-“
„Wieso denn das?“, kam es von beiden im Chor.
„Das ist nicht euer Ernst!“
„Immer wir zwei!“
„Ich gehe mit!“, rief Abby grinsend.
„Gut. Ihr drei dann!“, stimmte auch Hempel zu. „Ihr könnt ja alle schießen!“
„Ja“, sagte Connor mit leuchtenden Augen, „ich darf es auch!“
„Dürfen. Aber das heißt nicht, dass du es auch kannst!“, kam prompt die Antwort von Jenny.
„Menno-“
„Reißt euch mal zusammen!“, fuhr Becker sie an. „Wir haben hier ein Raubtier! Los jetzt! Ihr drei Quasselstrippen geht jetzt hier links entlang!“
Grace' Freund teilte noch alle anderen Gruppen auf und dann liefen sie los.
Nachdem Connor, Abby und Grace alleine waren, benahm Connor sich wie ein kleiner Idiot, indem er so tat als wäre er ein Polizist aus dem Fernsehen: hinter jeder Ecke blieb er stehen, schaute kurz um die Ecke herum und sprang dann mit gerichteter Waffe vor. Abby und Grace warfen sich nur einen müden Blick zu. Unfassbar, dachte Grace seufzend, so Connor- typisch eben!
„Connor!“, flüsterte Abby. „Wir verfolgen keine Einbrecher, sondern ein Urzeitwesen!“
„Oder eins aus der Zukunft!“, verbesserte Grace ebenfalls sehr leise und fing sich sofort einen leicht genervten Blick von der Blondine ein.
„Ich habe ein klitzekleines Problem mit Museen!“, gab Connor kleinlaut zu und nachdem er ihre verwirrten Blicke gesehen hatte, fügte er hinzu: „Als Achtjähriger bin ich mal hiergewesen... ich dachte, die Statuen und Gemälde würden nachts zum Leben erwachen. Darum hatte ich mich abends auf der Toilette versteckt!“
Grace musste leise kichern.
„Und?“, fragte Abby ebenfalls grinsend.
„Außer dass ich drei Stunden auf dem Klo eingesperrt war, ist nichts passiert. Seitdem habe ich ein Problem mit Museen!“
„Müsstest du nicht eins mit Toiletten haben?“
„Das habe ich überwunden!“, murmelte Connor und machte wieder sein Fernsehpolizistending.

In diesem Moment hatte Grace eine Idee: sie hielt Abby am Arm fest und hielt sie zurück. Connor lief vor. Schnell flüsterte Grace Abby ein paar Worte zu und mit jedem Wort leuchteten Abbys Augen mehr und ihr Grinsen wurde größer. Sie nickte und ging dann weiter.

„Connor, benimm dich endlich mal!“, knurrte Abby als die beiden weitergingen. Sie befanden sich nun in einem weiteren Raum der ägyptischen Ausstellung. Hier standen mehrere Mumien oder lagen auf Podesten, alle meist hinter Glas.
Diese Mumien sahen wirklich ekelig aus: alt, verdorben mit schon zum Teil zerrissenen, dunklen, vermoderten Bandagen. Münder zu einem stummen Schmerzensschrei weit aufgerissen.
Ebenfalls in dem Raum befanden sich einige Sarkophage. Einige mit einer Mumie gefüllt, andere wiederum leer. Genauso ein großer, hübscher Sarkophag, der mitten im Raum stand, auf einem breiten aber niedrigen Podest und nur von einem roten, dicken Seil vor den Besuchern geschützt. Der Deckel war ein Stück weit geöffnet.
Connor und Abby dachten sich nichts weiter dabei. Der Schwarzhaarige drehte sich mit gerunzelter Stirn um und starrte dann Abby an.
„Wo ist Grace?“
Auch die Blondine blickte in den Gang aus dem die beiden gekommen waren. Sie setzte eine besorgte Mine auf und drehte sich nervös gespielt zu allen Seiten um.
„Stimmt... sie war doch gerade noch hinter uns!“, flüsterte Abby und ging zum Sarkophag in der Mitte des Raumes zu. Sie stellte sich mit dem Rücken zum Sarg und seufzte.
„Sollen wir die anderen rufen?“
„Wäre wohl besser... obwohl: sie hätte doch geschrien, wenn das Wesen sie angegriffen hätte!“, überlegte Connor.
„Wahrscheinlich-“
In diesem Moment hörten die beiden ein leises Stöhnen, das aber eindeutig aus ihrer Nähe kam. Dem jungen Mann standen die Nackenhaare zu Berge und er drehte seinen Kopf entsetzt zu allen Seiten.
„Hast du das gehört?“, hauchte er, aber Abby starrte ihn nur verwirrt an und schüttelte leicht den Kopf.
„Was denn? Ich höre nichts!“
Wieder hörte Connor das leise Stöhnen. Dieses Mal war es intensiver. Als ob die Ursache für das Stöhnen seine Tonlage erhöht hatte. Es kam jedoch nicht näher. Connor schaute wieder zu Abby hin, öffnete den Mund, um etwas zu sagen – und ließ ihn schließlich offen. Vor Angst. Der Schreck stand dem Schwarzhaarigen ins Gesicht geschrieben. Er starrte auf Abby. Jedenfalls auf etwas, das sich nahe bei Abby befand. Genauer gesagt starrte Connor auf die Finger, die sich langsam aus dem Sarkophag schlängelten, direkt auf Abbys Arm zu. Doch Connor war so erschrocken, dass er keinen Ton herausbrachte. Er hob seine rechte Hand und deutete zitternd auf Abby.
„Was denn, Connor?“
Nun sah man die gesamte Hand. Durch das wenige Licht in dem Raum schien die Hand noch gruseliger zu sein. Connor stotterte vor sich hin. Seine Beine schienen nicht mehr ihm zu gehören. Seine Hand zitterte noch heftiger.
„A- Abby!“, quietschte der junge Mann ängstlich.
In dem Moment packte die Hand aus dem Sarkophag Abby am Arm und drei Schreie waren zu hören, gefolgt vom Lachen zweier Frauen: Grace schrie mit einer dunklen, fauchenden und wütenden Stimme, Abby schrie kurz vor Angst. Aber Connor – der schrie so schrill und laut, dass Abby und Grace lachen mussten. Das Lachen hörte gar nicht mehr auf. Abby kringelte sich vor Lachen, beugte sich nach vorne und hielt ihren Bauch fest. Unterdessen schrie Connor immer noch und Grace stieg irgendwie aus dem Sarkophag heraus und schüttelte sich vor Lachen. Schritte waren zu hören und im nächsten Moment erschienen Becker, Jenny und Nick vor den dreien. Connors Schreie erstarben.
Doch Abby und Grace mussten immer noch lachen und auch die bösen, anklagenden Blicke von den drei Neuankömmlingen konnten nichts daran ändern.
„Schluss jetzt!“, rief Nick mehr als wütend. „Wir haben eine Tote hier und ein Raubtier irgendwo in diesem riesigen Gebäude und ihr habt nichts besseres zutun als Connor zu erschrecken?!“
„Kindisch!“, zischte Jenny nur.
„Neue Teams!“, war Beckers einziger Kommentar. „Connor, Abby mit mir – Grace mit Jenny und Nick. Los!“
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