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Besser spät als nie

von laviajera
Kurzbeschreibung
GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P12 / Gen
Ellen Bannenberg Nikolas Heldt
10.06.2015
10.06.2015
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10.06.2015 2.292
 
Hallo zusammen!

Eine kleine Story zu der Renovierungssache, denn als Ellen in 3x14 die Anspielung darauf machte, schrie es für mich nach einer kleinen Fortsetzung dazu. Ich hoffe, es gefällt euch und natürlich würde ich mich sehr über jegliche Art von Rückmeldungen, Kritik, Anregungen oder Sonstigem freuen!
Viel Spaß :)


Ziemlich erschöpft kam Heldt zu Hause an. Die gefakte Pokerrunde hatte zwar den gewünschten Erfolg gebracht, aber da dies eine nicht ganz legale Aktion gewesen war, auch gleichzeitig den Ärger mit Grün. Wie sie davon erfahren hatten, wusste er nicht und eigentlich war es ihm auch egal, aber nun hatte er Ellen als Staatsanwältin doch mit in die Sache hineingezogen, was er eigentlich hatte vermeiden wollen.

Schließlich hatte er ihr im Auto versprochen, ihr nur dann zu erzählen, worum es ging, wenn sie Ergebnisse gehabt hätten. Das war irgendwie ein bisschen nach hinten losgegangen.

Dennoch grinsend ging Heldt zum Kühlschrank und nahm sich ein Bier. Obwohl die Ausrede mit dem Renovieren ziemlich schlecht gewesen war, hatte sie ihm freie Hand gelassen. Was hatte sie nochmal gesagt? Zum Renovieren würde er sich niemals beeilen und man könne froh sein, wenn er überhaupt käme.

Amüsiert nahm er einen großen Schluck aus der Flasche. Wo sie Recht hatte – siedendheiß fiel ihm plötzlich etwas ein und er verschluckte sich fast an dem Bier, von dem er gerade im Begriff war, es hinunterzuschlucken.

Renovieren! Fluchend schlug er sich mit der Hand vor die Stirn. Wie hatte er nur so dumm sein können? Ellen machte nie irgendwelche Andeutungen ohne Hintergedanken und der Kommentar zu seiner Ausrede war zu seltsam gewesen, um von niedriger Bedeutung zu sein.

Schnell zog er sein Handy aus der Hosentasche und rief seine Mailbox auf. Tatsächlich, an dem Abend, an dem er ihr eigentlich beim Renovieren hatte helfen wollen, hatte sie ihm noch eine Nachricht hinterlassen. Am nächsten Morgen, nachdem unbequem in seinem Auto aufgewacht war, hatte er sie zwar gesehen, aber sich nichts weiter dabei gedacht und das Abhören auf später verschoben, woraufhin er es natürlich vergessen hatte.

Deshalb drückte er jetzt entschlossen auf den Abspielknopf. Besser spät als nie.

Eine halbe Minute später stand ihm das schlechte Gewissen förmlich ins Gesicht geschrieben. Keine Sekunde lang nahm er Ellen ab, dass sie ihre kleine Verabredung vergessen hatte. Viel wahrscheinlicher war, dass sie Ewigkeiten auf ihn gewartet hatte und er dann einfach nicht gekommen war, denn die Enttäuschung in ihrer Stimme konnte er trotz guter Versteckkünste ihrerseits heraushören.

Er ließ sich auf einen Stuhl fallen. Irgendwie nagte diese Sache an ihm und die Tatsache, dass Ellen es nochmal erwähnt hatte, verstärkte diesen Effekt zusätzlich. Also musste er etwas tun. Nur was?
                                                                                         
                                                                                                                                                                                           *
Ellen Bannenberg saß auf dem Sofa ihrer elegant eingerichteten Wohnung und gönnte sich zum Feierabend noch ein Glas Rotwein, nachdem sie bei ihrer Tochter Emily noch einmal nach dem Rechten gesehen hatte, als es an der Tür klingelte.
Verwundert sah sie auf. Wer wollte denn um diese Uhrzeit noch persönlich etwas von ihr? Doch als sie durch den Spalt in der Tür sah, seufzte sie halb amüsiert, halb genervt auf.  ´Das hätte ich mir ja denken können´, schoss es ihr durch den Kopf und schloss auf.

„Hallöchen!“, mit einem überdimensionalen Grinsen auf den Lippen betrat Heldt die Wohnung, unter dem Arm seine gesamte Werkzeugkiste tragend.

Zunächst war Ellen perplex, doch dann konnte sie das Lachen nicht zurückhalten. „Sie wissen schon, dass das, was Sie da anhaben, ein Imkeranzug ist, oder?“ Immer noch glucksend hielt sie sich die Hand vor den Mund.

„Na klar, Frau Staatsanwältin. Hab´ ich zu ´nem Sonderpreis bekommen von unserer Imkerin, die brauchte ihn nach der Freigabe von der KTU eh nicht mehr und die Farbspritzer machen das Ganze auch nicht besser“, sehr zufrieden mit sich selbst sah er sie an.

Ellen dagegen verging das Lachen. „Sie haben noch Kontakt mit dieser Imkerin?“, hakte sie argwöhnisch nach.

Innerlich verfluchte sich Heldt. Unkluger Schachzug, Herr Kriminalkommissar…

„Nein, nein, nur das eine Mal wegen des Anzugs“, beeilte er sich deswegen zu sagen und lenkte die Sprache sofort wieder auf ein anderes Thema, um keine unangenehme Stimmung aufkommen zu lassen, denn die konnte er jetzt gar nicht gebrauchen.

„Aber weswegen ich eigentlich hier bin“, begann er deshalb und ging einfach weiter bis ins Wohnzimmer durch, „ist, weil wir da ja noch eine kleine Verabredung offen haben“, schwungvoll setzte er den Kasten in der Mitte des Raumes ab.

„Was für eine Verabredung?“, fragte Ellen, die ihm gefolgt war, verwundert.

„Na die wegen des Renovierens“, grinsend drehte er sich zu ihr um. „Und sagen Sie jetzt nicht, dass das nichts war“, hielt er sie davon ab, etwas zu erwidern, als er sah, wie sie zu sprechen ansetzte. „Ich weiß, dass ich´s verbockt hab´ und dass Sie es garantiert nicht vergessen haben, aber deswegen bin ich ja hier, ok?“

Seine Bitte hatte so etwas Ernstes, Untypisches für ihn, dass sie ihm sie einfach nicht abschlagen konnte. „Ok“, willigte sie also ein, und ein kleines Lächeln umspielte ihre Mundwinkel, was Heldt natürlich nicht verborgen blieb.

„Aber es gibt keine Pizza!“, setzte sie noch nach und das war es, was das Eis endgültig zum Brechen brachte. Denn daraufhin konnte Heldt nicht anders, als zu lachen und irgendwie froh, dass er doch noch, wenn auch etwas sehr verspätet, gekommen war, stimmte sie erleichtert mit ein.

Als sie sich wieder beruhigt hatten, schaute Heldt sich um und täuschte vor, etwas zu suchen. „Was fehlt denn noch? Ich hab alles hier, nur her mit den Problemen“, sagte er und deutete auf seine Ausrüstung.

Ellen musste wider Willen schmunzeln. „Also erstens gibt es hier keine Probleme, und zweitens, Heldt, finde ich es ja sehr löblich von Ihnen, dass Sie sich so bemühen, aber soll ich Ihnen mal was sagen: Das nehme ich Ihnen nicht ab“, neckend sah sie ihn an.

Heldt seufzte betont traurig auf. „Was hat mich verraten?“, fragte er mit traurigem Augenaufschlag.

„Alles!“, lachte Ellen. „Also ziehen Sie jetzt dieses unmögliche Ding aus und setzen Sie sich gefälligst auf die Coach.“ Auffordernd hob sie den Arm.

„Sie wollen also tatsächlich, dass ich mich ausziehe“, provozierte er sie anzüglich grinsend, „Frau Staatsanwältin, Sie überraschen mich immer wieder.“    

Sie wurde rot. „Heldt!“, halb verärgert, halb verlegen, blitzte sie ihn an. „Müssen Sie immer zweideutig denken?“

Immer noch amüsiert, hob er abwehrend die Hände. „Ok, ok, ich ergebe mich. Aber während ich mich umziehe, können Sie mir vielleicht trotzdem auch ein Glas mit diesem köstlichen Rotwein holen“, er deutete auf ihr Glas, welches vergessen auf dem Tisch stand und verschwand in einen Nebenraum.

                                                                                                                                                                                        *

Ein paar Stunden später saßen die beiden lachend und ziemlich angetrunken auf dem Sofa. Da es ja nichts mehr zum Renovieren gab, hatten sie beschlossen, sich mit Wein und guter Unterhaltung einen netten Abend zu machen. Gerade amüsierten sie sich über eine von Heldts vergangenen schrägen Ermittlungsmethoden, als Ellen sich noch Wein nachschenken wollte und feststellte, dass auch die letzte Flasche schon leer war.

„Ups“, bemerkte sie, „ da ham wir ja ganz schön was verbraucht.“

Einen kurzen Moment lang starrte Heldt die Flasche in ihrer Hand an, als wäre sie vom Mars. „Stimmt“, gab er ihr dann aber Recht.

„Na, Heldt, schon erste Halluzinationen?“, neckte sie ihn und versuchte aufzustehen. Was mehr oder weniger gelang, denn sie war doch wackeliger auf den Beinen als gedacht und viel direkt neben Heldt wieder auf das Sofa zurück.

Auf einmal war er ihr ganz nah und sie konnte seinen Arm auf ihrer Schulter spüren, was eine leichte Gänsehaut bei ihr verursachte.

„Das hier passiert wohl kaum in meiner Fantasie“, flüsterte er dicht neben ihrem Ohr, worauf ihr ein kalter Schauer über den Rücken lief. Im nächsten Moment sprang sie jedoch blitzschnell auf, denn auch, wenn sie betrunken war, sie konnte das jetzt einfach nicht. Noch nicht.

„Heldt…“, bittend sah sie ihn an. Und er verstand. „Alles klar, Frau Staatsanwältin, aber Sie werden es mir doch erlauben, Sie zu ihrem Zimmer zu geleiten? Nicht, dass Sie uns auf halber Strecke noch aus den Latschen fallen“, fast schon wieder gut gelaunt, brachte er wieder einmal einen seiner altbekannten Sprüche.

Strafend, aber dennoch bemüht, das Schmunzeln zu unterdrücken, was letztendlich nicht gelang, blickte sie ihn an. „Sie können auch nie ernst bleiben, was Heldt?“

„Wo bleibt denn da der Spaß?“, er sah aus wie ein kleiner Junge unterm Weihnachtsbaum.

Sie schüttelte verständnislos den Kopf, aber er konnte ihre Mundwinkel sehen, die deutlich nach oben zeigten.

Dann richtete sie ihren Blick wieder auf ihn. „Aber trotzdem danke, Heldt. Es war ein sehr schöner Abend, auch wenn ich nicht denke, dass ich Sie nochmal zum Renovieren bitten werde“, einen kleinen Seitenhieb konnte sie sich nicht verkneifen.

Mit einem Anflug von schlechtem Gewissen verzog er das Gesicht. Das würde er sich wahrscheinlich ewig vorhalten lassen müssen, aber was tat man anschließend nicht alles, um es wieder gerade zu biegen.

„Trotzdem sehr gerne“, erwiderte er deshalb und schenkte ihr eines seiner seltenen aufrichtigen Lächeln.

Fast wäre sie darin versunken, wenn ihr nicht plötzlich der Drang zu Gähnen einen Strich durch die Rechnung gemacht hätte. Schnell hielt sie sich die Hand vor den Mund und drehte sich weg.

„Da muss wohl jemand ins Bettchen“, feixte Heldt, doch ihr vernichtender Blick ließ ihn verstummen.

„Sie ja wohl auch und in diesem Zustand fahren Sie auch kein Auto, sondern nehmen das Gästezimmer“, setzte sie ihm entgegen.

Eine weitere spitze Bemerkung lag schon auf seiner Zunge, doch er hütete sich, sie laut auszusprechen. Er wollte sie nicht überstrapazieren und dass sie ihm das Gästezimmer anbot, war schon ein sehr großer Schritt.

„Aber ich bringe sie noch in Ihr Zimmer“, darauf bestand er und überhörte einfach ihre Proteste, dass sie ja wohl alt genug sei, um den Weg alleine zu finden.

Dort angekommen legte sie sich in voller Montur aufs Bett und kaum berührte ihr Kopf das Kissen, war sie auch schon halb eingeschlafen.

Vorsichtig setzte Heldt sich neben sie und deckte sie behutsam zu. Sie sah so süß und zufrieden aus, wenn die Strenge des Alltags aus ihrem Gesicht verschwunden war.

Eigentlich wollte er nur noch ein bisschen bei ihr bleiben und es bequem haben, als er sich an das zweite Kissen lehnte, doch nach ein paar Minuten hatte auch ihn der Schlaf übermannt.

                                                                                                                                                                                            *
Am nächsten Morgen wurde sie von köstlichem Kaffeeduft geweckt, doch als sie sich aufsetzen wollte, hielt sie sich stöhnend den Kopf. Es war gestern wohl doch etwas viel gewesen…Doch bevor sie weiter darüber nachdenken konnte, betrat Heldt mit zwei vollen Kaffeetassen in der Hand den Raum.

„Zimmerservice“, verkündete er lautstark, „einmal Kaffee so wie immer!“
Trotz ihrer Kopfschmerzen lächelte sie ihn an. „Danke, Heldt, den kann ich jetzt echt gebrauchen“, sagte sie, nahm ihre Tasse entgegen und genehmigte sich erstmal einen großen Schluck.

„Haben Sie denn gut geschlafen?“, erkundigte sie sich anschließend danach.

Für Sekundenbruchteile schielte Heldt auf den Platz neben ihr. Ein Fehler, wie sich herausstellen sollte.

„Klar, Ihr Gästebett ist wirklich sehr bequem“, antwortet er deswegen etwas zu bemüht.

Misstrauisch sah sie ihn an, bevor sie eins und eins zusammenzählte.

„Heldt! Ich sagte „Gästebett“ und nicht „mein Bett“! Rede ich etwa Chinesisch?“

Jetzt grinste Heldt verschmitzt und beugte sich zu ihr vor.

„Nein, aber ich konnte einfach nicht widerstehen und ich kann Ihnen sagen, es hat sich gelohnt: Die Nacht war einfach der Hammer!“, raunte er ihr nun ins Ohr, nahm kurz wieder Abstand  und bevor sie etwas erwidern konnte, küsste er sie.

Seine Lippen schmeckten nach Kaffee und ja, nach Heldt, wie auch schon bei ihrer letzten, wenn auch unfreiwilligen Kussaktion. Aber sie war zu perplex, um zu reagieren und so plötzlich, wie dieser Kuss gekommen war, war er auch schon wieder vorbei und ihr Kommissar verschwunden.

Ein entrüstetes „Heldt!“, war das letzte, was er hörte, bevor er mit einem verschmitzten, zufriedenen und auch glücklichen Grinsen auf den Lippen die Tür hinter sich ins Schloss fallen ließ.
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