Die Suche nach dem Glück

von Nairalin
DrabbleRomanze, Familie / P12 Slash
Curufin Finrod Felagund
09.06.2015
09.06.2015
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Huhu,
hier ist mein Wichtelgeschenk für xXLeaXx  zum Wichteln Zitate-Drabbles von AuctrixMundi.

Es ist ein kleines bisschen länger geworden, als geplant *hüstel*. Ich hoffe, eine Drabblegeschichte in Doubledrabbles ist auch in Ordnung. Ich habe mich bemüht hier deinen Curufin zu treffen, auch wenn es wohl immer noch mein Finrod ist *pfeif*

Protagonisten sind die üblichen Verdächtigen. Übrigens auch eine Premiere, da ich zuvor nie im Präsens schrieb.

Ich hoffe, es gefällt dir!

Curufinwë = Curufin
Findaráto = Finrod
Morifinwë = Caranthir

nér = [Qu.] Mann

Vorgabe:

Zitat: "Viele suchen ihr Glück, wie sie einen Hut suchen, den sie auf dem Kopf tragen" (Nikolaus Lenau)
Verarbeitung des Zitates: als Leitmotiv  genügt, wenn es sich in den Text einbauen lässt aber auch gern als Zitat
Drabbleform: natürlich am liebsten so viel wie möglich, aber ich freue mich auch über 100 Wörter
Max. erwünschtes Rating: wie es passt
Fandom: Tolkien, Reckless, Harry Potter Buchverse, Fluch der Karibik, Tintenwelt, Stargate SG1/Atlantis, FA
Sonstiges: eigentlich nix

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Kühl betrachtet er das Geschmeide vor sich am Tisch und streicht über die glatte Oberfläche der Juwelen. Es hat lange gedauert, bis er sie perfekt geschliffen hat. Noch länger, bis auch das filigrane Silbergespinst so gelungen ist, dass es den Kristallen nicht die Anmut ihres Glanzes nimmt. Curufinwës Mundwinkel zucken leicht, biegen sich unmerklich nach oben, doch sie tun es, und er ist zufrieden mit seiner Arbeit.
Die Inspiration zu diesem bezaubernden Geflecht sind Schneeflocken in ihrer kalten Perfektion gewesen, die ihn so sehr an seinen König erinnern. Klare Formen und doch sind sie in ihrer Ausprägung verspielt und leicht. So ähnlich Nargothronds König, dass es ihn fasziniert. Dabei mag Findaráto die Kälte nicht und zieht selbst die Hitze der Schmiede dem Winter vor, die er früher nie leiden konnte. Es ist eine eigenartige Verbindung, die er mit dem blonden Nér teilt, eine Verbindung, die er nicht erklären kann. Und es frustriert ihn ohnegleichen, dass er nicht die Lösung findet.
Ihm scheint es seltsam, dass ihm nicht einmal ein Ansatz gelingt. Sein Verständnis für diese … Situation ist beschränkt. Doch die Faszination bleibt und mit ihm der König, der ihn mehr auf die Probe stellt als je ein anderer Elb zuvor.

Vorsichtig hebt er die Kette hoch und hält sie ins Licht. Mit stechendem Blick mustert er jedes Juwel, jede Verbindung des kalten Silbers mit den klaren Diamanten und Saphiren. Curufinwë weiß, dass sein Cousin Schmuck liebt. Kristalle sind etwas, was Findaráto sammelt und gut aufbewahrt. Nicht umsonst hat er das Nauglamír geliebt. Perfekt beabsichtigt natürlich, weil dieses Werk hier in Curufinwës Fingern ihn alles vergessen lassen wird, was er bislang besessen hat.
Diese Kette wird Findarátos Lieblingsstück werden, besonders auch deshalb, weil sie so kreiert wurde, dass sein Cousin sie immer tragen kann. Sie ist nicht so schwer, so massiv und plump wie das Nauglamír, das nur bei besonderen Anlässen getragen wurde. Es ist zart und verspielt, passt zu legerer Kleidung wie auch zu Festgewändern. Die Steine leuchten im Licht, reflektieren es und lassen den Träger erstrahlen. Die Schönheit wird hervorgehoben werden, ohne dass es aufdringlich wirken wird.
Dieses Gefühl, seinem Cousin zu erfreuen, ist neuartig und fremd. Und egal wie viele Fragen er stellt, egal wie sehr er es auf den Punkt seines Seins bringen will, er schafft es nicht. Hat er eine Frage beantwortet, so kommt eine Heerschar an neuen Fragen auf ihn zu. Es ist zutiefst frustrierend.

Nachdenklich legt er die Kette in die eigens dafür gefertigte Schatulle hinein. Dieses Gefühl des Gefälligseins, des Freude-bereiten-wollens irritiert ihn. Er hat es nicht einmal damals bei seiner Gemahlin gehabt. Sie ist bezaubernd gewesen, aber unnahbar. Es hatte ihm gefallen, sie hatte intelligent gewirkt, bewandert. Doch all das hat sich als Täuschung erwiesen. Es hatte Curufinwë verletzt. Aber Findaráto …
Er schließt den Deckel und streicht zärtlich über die Oberfläche. Warum beschert es ihm ein wohliges Gefühl, wenn sein Cousin erfreut lächelt, wenn seine silbernen Augen warm leuchten und dieser den Körperkontakt sucht? Er versteht nicht, was Findaráto von Anvanimë unterscheidet, außer dass er ihm nicht verrückt erscheint. Zumindest nicht im negativen Sinne. Findaráto ehrt die Familie. Selbst jetzt noch …
Das Feuer knistert zu seiner Linken und Curufinwë nimmt die Schatulle vorsichtig hoch.
Was ist es, das den Nér so anziehend wirken lässt? Er ist das Gegenteil seiner einstigen Gemahlin, trägt sein Herz für jene, die er mag, auf der Zunge. Er ist offen und ehrlich, oft auch auf eine entzückende Weise naiv. Es erstaunt ihn selbst, dass er das mag, normalerweise kann er Weltfremdheit nicht ausstehen.
Doch es stört ihn nicht. Es lässt sein Herz einen Takt schneller schlagen.

Er hat gedacht, er hätte alles schon enträtselt, zu allem eine Lösung gefunden. Aber wie sehr er sich doch getäuscht hat. Hatte die Welt an Faszination verloren, so bekommt sie auf einmal wieder Farbe. Einer der Gründe, warum er das Feuer und die Hitze liebt. Denn wo Wärme ist, da ist Leben, da ist auch Liebe. Seine Neugier ist geweckt. Mit größtem Erstaunen stellt er fest, dass Sehnsucht und Leidenschaft ihn doch nicht verlassen haben, denn sie lassen ihn nur mehr an das große Mysterium dieser Hallen denken.
Der Wunsch, das feine goldene Haar zu berühren, wird mit jedem Mal, wo er seinen Cousin sieht, größer. Vielleicht kann er dann erklären, was mit ihm passiert. Aber stoppen will er es nicht. Das Gefühl lebendig zu sein, ist viel zu betörend, als dass er es freiwillig gehen lassen könnte. Was wohl Vater dazu sagen würde?
Die Suche nach dem Glück ist beschwerlich, Yondonya. Viele suchen ihr Glück, wie sie einen Hut suchen, den sie auf dem Kopf tragen. Manche finden ihn nie, manche an den unerwartetesten Stellen, die man sich vorstellen kann.‘, glaubt er seinen Vater fast zu hören. Das hatte Feanáro einst angetrieben, nicht nur ihn, sondern viele andere auch …

Curufinwë will sich gerade umdrehen, als er die trainierte Gestalt des Königs entdeckt. Sein Herz setzt aus, nur um doppelt so schnell weiterzuschlagen. Ein feines Lächeln liegt auf Findarátos Lippen und er kommt langsam auf ihn zu.
„Wie lang stehst du schon dort?“, fragt er gepresst und betet, dass sein Cousin die Kette nicht gesehen hat. „Noch nicht lange, Curvo“, erwidert dieser und bleibt nun vor ihm stehen. Er lächelt Curufinwë an und leichte Fältchen um die Augen bilden sich. Er ist auf eine so eigenartige Weise attraktiv, dass Curufinwë seinen Blick nicht abwenden kann.
„Du arbeitest zu lange!“, wird ihm gesagt und Findaráto geht an ihm vorbei. „Dein Sohn fragt schon nach dir.“ Curufinwë schluckt und dreht sich um. Das blonde Haar fällt offen über die Schultern, die auf ihre Weise muskulös sind wie die eines Schmieds. Nur dass man es seinem Cousin nicht ansieht, da er einen sehr schlanken und schmalen Körperbau hat. „Und du hast das Abendessen verpasst. Was hat dich aufgehalten?“, wird er gefragt und von den ausdrucksstarken Augen fixiert, durchbohrt und festgehalten.
„Ich musste noch etwas fertigstellen“, antwortet er leicht unruhig und fragt sich irritiert, warum er sich überhaupt derartig aus dem Konzept bringen lässt.

Der König schweigt und nickt nur verstehend. „Dann hoffe ich, dass deine Arbeit von Erfolg gekrönt war.“ Der Tonfall hat etwas äußerst Betörendes an sich, ein feines Vibrieren, welches Findaráto nur dann nutzt, wenn er weiß, dass ihm etwas nicht gesagt wird. Es ist ein anderes Timbre, als das, wenn er weiß, dass er angelogen wird. Dieses Vibrieren ist eine Verlockung in sich, der Curufinwë nur schwerlich zu widerstehen weiß, die ihn quält, reizt und nicht mehr loslässt.
Der Wunsch, jeden noch so feinen Laut dieser Kehle zu entlocken, jede Vibration einzufangen und kennen zu lernen, bis sein Wissensdurst, diese Neugier gestillt wäre, wird fast übermächtig, doch er strafft und beherrscht sich. Er würde dieses Spiel nicht verlieren, auch wenn er auf Messers Schneide wandelt. Jeden Tag ein wenig mehr der Versuchung erliegt, jeden Tag mehr verfällt.
Als er wieder seinen Fokus auf seinen Cousin richtet, bemerkt er das süffisante Lächeln, dieses Kräuseln der Mundwinkel, welches ihn herausfordert. Dunkles Verlangen überkommt ihn und er atmet gezwungen durch die Nase ein.
„Was hältst du von einem Gläschen Rotwein?“
Die Frage hilft ihm wenig, denn die Fragen, auf die er keine Antwort hat, überrollen ihn wieder. Er atmet nur ein.

„Wir könnten in meine Gemächer gehen, der Kamin ist sicherlich schon entfacht, und ein wenig philosophieren.“ Findarátos Lächeln ist offen, ehrlich. Für einen Moment glaubt Curufinwë Sehnsucht zu sehen, ein Moment, der das Verlangen noch weiter entfacht, aber weicher, weniger begierig werden lässt. Plötzlich ist da ein Bild vor seinem inneren Auge, Decken auf dem Boden vor dem Kamin, Findaráto entspannt gegen seine Brust gelehnt, die Augen halb geschlossen. Vertrauen und Friede in den schönen Zügen.
„Das könnten wir“, meint er zustimmend, etwas wortkarg, und umklammert die Schatulle noch fester. Vielleicht würde er die Kette noch heute verschenken und die Sterne herabholen, um sie in Findarátos Augen zu setzen. Er liebt Sterne, er liebt das Silber, ein wundervolles Metall, so formbar und doch widerstandsfähig. Nichts im Vergleich zu Eisen, welches nie solch filigrane Formen hervorbringt, ohne ihm die Eleganz zu nehmen.
„Der Rotwein wäre aus der Falas, aus Avernien, um genau zu sein.“
Sein Lieblingswein … sein Cousin weiß zu viel über seine Vorlieben. Wie kann eine einzige Person ein solches Rätsel darstellen? Das Lächeln bekommt eine charmante Note, ein feines, fast unmerkliches Höherziehen des linken Mundwinkels. In einer fließenden Bewegung zieht Curufinwë sich die leichte Überwurfjacke über und nickt nur.

Unbemerkt lässt er die Schatulle in eine der Taschen der Jacke gleiten und berührt noch einmal das kühle Metall. Eine gewisse Vorfreude erfüllt ihn und er mustert den Nér unauffällig, lässt seinen Blick über die in blau gehüllte Gestalt gleiten, erfasst jedes noch so kleine Detail. Es ist ihm wichtig, alles zu sehen, nicht nur Bruchstücke, um ein klares Abbild der Realität zu erhalten, einschätzen zu können, was ist und was nicht.
Er muss wissen, muss verstehen, ein drängendes Gefühl, welches ihn von innen zu verbrennen scheinen will. Manchmal beginnt er zu verstehen, was seinen Vater vorwärts getrieben hat, warum er so begierig war, zu wissen. Stolz natürlich, aber auch ein unstillbarer Durst nach Wissen. Auch wenn er den Namen nicht mag, nicht ausstehen kann, so ist Atarincë teilweise doch zutreffend, auch wenn er sich der eigenen Identität dadurch beraubt fühlt. Seine Mutter hat das gewusst, er hat es ihr klar gemacht. Irgendwann hat sie es auch akzeptiert und ihn nie wieder bei seinem Amilessë gerufen.
Und er ist seinem Vater gleich, wenn es darum geht, Rätsel unbedingt lösen zu wollen. Sein halblindarischer Cousin ist ein solches und reizt ihn mit jedem Tag ein wenig mehr, lockt ihn über alle Grenzen.

„Wollen wir?“, fragt der blonde Nér und ganz leicht schwingt etwas wie Nervosität mit. Täuschen sich seine Sinne? Doch er geht nur zur Tür und öffnet sie für sein persönliches Mysterium. Er ist sich sicher, dass ihm nie langweilig wird, weil Findaráto ihm keinen Hinweis zu einer Lösung gibt. Der Wunsch, ihm nahe zu sein, macht ihn halb wahnsinnig, weil er es nicht begreifen kann, warum dies so ist. Er kennt seinen jungen Cousin seit seiner Geburt, er erinnert sich nur zu genau, wie er ihm Frösche ins Bett gelegt hat, um ihm einen Streich zu spielen. Kindisch für wahr, aber der Schrei und das An-ihn-Klammern, da er vor der Tür gewartet hatte, war auch zu erheiternd gewesen. Curufinwë spürt immer noch die Arme um seinen Torso, wenn er sich erinnert, das Zittern des Körpers, der sich eng an ihn gepresst hatte.
Er schließt nur kurz die Augen, seine Fantasie spielt ihm einen Streich, weil er glaubt wieder den Geruch von der Schmiede seines Vaters zu riechen, das Essen aus der Küche und das frisch gebackene Brot von Tante Anairë. Das Gefühl der seidenen Tunika unter seinen Fingern, die Wärme, die durchdringt. Der zittrige und ängstliche Atem in seinen Ohren.

„Curufinwë“, fragt Findaráto plötzlich und er merkt, dass er stehen geblieben ist. Überrascht begegnet er dem verwirrten Blick und sieht die ausgestreckte Hand. Ehe er sich versieht, hat er die Hand ergriffen. Er runzelt die Stirn und versucht, sich selbst zu verstehen, seine Reaktion sich gegenüber rechtzufertigen, Gründe zu finden, warum er so gehandelt hat. Aber die Finger, die sich nun mit seinen verweben, ihn festhalten, lassen ihn all das vergessen.
„Lass uns weitergehen“, meint er leise und zieht seinen Cousin fast hinter sich her, da er größere Schritte macht und die längeren Beine besitzt. Die Hand lässt er aber nicht los, genießt die Kühle, die seine überhitzte Haut erfrischt. „Was war das eben?“, wird Curufinwë vorsichtig gefragt, doch er antwortet nicht. Er atmet nur tief ein, streicht vorsichtig und unsicher mit dem Daumen über den Handrücken.
Der König bleibt stehen und sieht ihn nur an. Ein undefinierbarer Blick ist es, der ihn durchdringt. Curufinwë fühlt sich nackt und verletzlich. Als sein Cousin dann auf ihn zutritt, wird er sich einmal mehr dem Größenunterschied bewusst. Findaráto ist klein, wenn auch nicht so klein wie Artaresto, der nur um weniges größer als Artanis ist. Mit viel Mühe erreicht er Curufinwës Schultern.

Die freie Hand legt sich auf seine Wange und es kommt Curufinwë vor, als würde die Stelle nun prickeln und glühen, dabei sind beide Hände seines Königs kühl. „Was geht in diesem hübschen Kopf nur wieder vor?“, vernimmt er und er öffnet schon den Mund, doch kein Laut dringt heraus. Das Antlitz hat einen forschenden Ausdruck angenommen und Curufinwë weiß, dass sein Cousin hartnäckiger sein kann als manch anderer in ihrer Familie.
Morifinwë sagte gerne, man bisse sich die Zähne bei Curufinwë aus, wenn man seine Gedanken kennen wolle. Man bisse auf Granit. Nur ist Findaráto nicht umsonst Felagund genannt worden, Felsenschleifer. Sein Herz beginnt ungewollt höher zu schlagen. Doch auch Findaráto ist nicht unberührt von dieser merkwürdigen Nähe, denn seine Wangen und sein Hals haben ein bezauberndes Rot angenommen.
„Willst du es mir nicht verraten?“
Doch Curufinwë schweigt und tut etwas, was er nie zuvor, nicht einmal bei Anvanimë gemacht hat, weil sie es nicht wünschte. Zögerlich und nervös, seiner Gedanken kaum Herr, legt er seinen Arm um die schlanke Gestalt und vergräbt sein Gesicht – oh, süße Zweifel seiner Gedanken! – in den goldenen Haaren. Seidig und fein kitzeln sie seinen Hals, doch er verstärkt den Griff und schweigt weiter.

Ein verblüffter Laut entweicht dem Jüngeren, doch anstatt zu fliehen, wie es die Vernunft bereits prophezeit hat, legt sich der Arm um seinen Torso, ein leises Lachen erklingt, welches vor Erheiterung und etwas anderem vibriert, so viel Tiefergehendem. Curufinwë kann es nicht deuten, will es auch gar nicht. Er weiß mit Sicherheit, dass er alles zerstört, wenn er versucht zu verstehen, anstatt es zu zulassen.
„Närrischer Nér!“, kommt es leise und sein Cousin löst sich von ihm. Silberne Augen leuchten hell, trotz des Zwielichtes hier im Gang. „Wir gehen jetzt in meine Gemächer und reden!“ Damit wird Curufinwë losgelassen, fast, denn er spürt die Hand in seiner, das Ziehen daran. Etwas verunsichert folgt er, lässt zu, dass Findaráto ihn leitet und die Führung übernimmt.
Für einen Moment hallt ‚Führe du, und ich werde folgen!‘ durch seinen Kopf, die Worte, die das Schicksal änderten und auch viel Leid brachten. Doch weiß er nicht, ob er überall hin folgen kann. Dunkle Pfade liegen vor ihnen, sind sie doch alle verflucht, seit sie gegangen waren. Aber er wird alles versuchen, um sein Licht, den gleißenden Stern in goldener Form zu schützen. Ein besitzergreifender Impuls erfasst ihn.
Doch dann sind sie vor Findarátos Gemächern.

Wärme empfängt sie, als sie eintreten. Ihre Hände noch immer verbunden und Curufinwë ist nicht willens loszulassen. Sein Cousin schmunzelt, er sieht es, und deutet dann zu dem Sofa. Die Hand löst sich und Findaráto geht hinüber zum Glasschrank, wo er Gläser und eine Flasche Rotwein lagert. Geschickt wird sie geöffnet und die Gläser werden befüllt. Rubinrote Tropfen, die wie Blut im Licht der Flammen wirken.
"Setz dich!“, wird er aufgefordert und kommt dem nach. Mit tänzelnden Bewegungen kommt Findaráto zu ihm, lässt sich neben ihm nieder und ihre Oberschenkel und Knie berühren sich. Absicht? Curufinwë weiß es nicht, ist zu verwirrt, zu aufgewühlt, um das Chaos in seinem Kopf zu ordnen.
Der König lächelt sanft, reicht ihm das Glas und – Curufinwë schluckt – nimmt wieder seine Hand. Finger verwoben mit seinen, während sie beide den Wein trinken, genießen. Und plötzlich beginnt er zu verstehen, zu erkennen, auch wenn er nicht den Grund erkennt, dass er hier das hat, was andere Glück nennen. Sein Herz schlägt schnell, doch er ignoriert es. Das Lächeln wird breiter, und mit geweiteten Augen sieht er zu Findaráto.
Dieser hebt seinen Weinkelch und prostet ihm zu, funkelnde Augen gehüllt in Erheiterung. Er weiß es, denkt Curufinwë.

„Der Wein ist wirklich ein edler Tropfen!“, versucht er abzulenken, damit das Gespräch gar nicht in die Richtung, die er fürchtet, gehen kann. Er will nicht über das Chaos nachdenken, will sich nicht öffnen. Curufinwë hat Angst, vielleicht zum ersten Mal essentielle Angst. „Du lenkst ab“, kommt nur stoisch und das Wissen in den silbernen Augen beruhigt ihn keineswegs.
„Aber ich verstehe es.“ Das Schmunzeln irritiert ihn und er sieht zum Feuer. „Auch wenn es mich etwas wundert, dass ausgerechnet du hier zögerst. Du weißt normalerweise immer, was du willst!“ Die Aussage überrascht Curufinwë nun doch. Aber Findaráto hat natürlich Recht. Er tastet nach der Schatulle und zieht sie heraus. Kurz zögert er, aber dann reicht er sie doch seinem Cousin, der sie erstaunt entgegen nimmt.
Vorsichtig wird der Deckel hochgehoben und ein scharfes Einatmen ist die Folge. Endlich löst sich der Knoten in seinem Hals. „Für mich?“ Er nickt nur, lässt sich nicht ankennen, wie viel ihm die Freude in Findarátos Augen bedeutet. Und dann versteht er etwas, was ihm Kopfzerbrechen bereitet hat. Worte so alt und doch so wahr.
Das Glück liegt in den Sternen, hatte Finwë immer gesagt. Hier hat er silberne Sterne direkt vor seinen Augen.
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