Was ein Lachen bewirken kann

von Nairalin
GeschichteFamilie / P12
Eowyn Théoden
07.06.2015
07.06.2015
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Huhu,

dies ist ein kleines Geschenk für Larifa, deren Liebling Théoden ist! Meine Liebe, ich hoffe, ich konnte ihn für dich gut genug umsetzen und dir macht die Geschichte etwas Spaß!

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Er wusste nicht, was er tun sollte. Dort draußen auf dem Hügel saß sie und regte sich nicht. Natürlich hatte er gewusst, dass es nicht einfach werden würde. Der Tod von Théodwyn hatte ein tiefes Loch in die Familie gerissen und er verzweifelte daran, wie er seine Nichte aufheitern konnte. Es war mehr als ein Jahr her, dass er seine Schwester und ihren Gemahl in einem Hügelgrab bestatten hatte müssen. Soldaten hatten Éomunds Leichnam noch unter widrigsten Umständen nach Edoras bringen können, und nur wenige Wochen später war Théodwyn ihm in den Tod gefolgt.

Seine Schwester war immer ein feinfühliges Wesen gewesen, insbesondere im Vergleich mit ihren anderen drei Schwestern. Zwei lebten in Gondor, verheiratet an gute Männer in Dol Amroth und Lossarnach. Doch Sumoræðel war hier geblieben und half ihm momentan mit den Kindern. Éomer und Éowyn waren traumatisiert und bereiteten ihm Sorgen. Éomer weniger als seine kleine Nichte. Mit ihren gerade einmal acht Jahren war sie still und in sich gekehrt und saß oft Stunden am Grab ihrer Eltern. Sie hatte den Tod nicht verkraftet, und er konnte tun, was er wollte, nichts schien zu helfen.

Théoden seufzte schwer, als er langsam zu dem Mädchen ging, welches einen Strauß Blumen auf den Boden gelegt hatte. Das blonde Haar war zu einem Zopf geflochten und mit Bändern geschmückt. Sumoræðel hatte sie anscheinend in der Früh gesehen. Stumm ließ er sich neben Éowyn zu Boden sinken, und das Kind drehte sich überrascht zu ihm um. Seine Hand strich ihr eine Strähne aus dem Gesicht und legte sich kurz auf ihre Wange. Ihre Unterlippe zitterte, und sie schniefte leise.

„Ein schöner Tag heute, nicht wahr?“, fragte Théoden sie leise, und sie nickte kurz. „Deine Mutter hatte es geliebt, im Sonnenschein zu spielen und über die Wiesen zu laufen.“ Für einen Moment nur dachte er nach, ehe er ins Sindarin wechselte. Er nutzte es immer wieder gerne, gerade mit seinen Schwestern hatte er es oft gesprochen, nur damit sie die Sprache nicht verlernten. „Sie hat sich von mir jagen lassen und laut gelacht, wenn ich sie doch erwischt habe.“

Jetzt hatte er ihre Aufmerksamkeit. Die grauen Augen lagen voller kindlichem Staunen auf ihm und er lächelte breit. Éowyn kam mehr nach der Linie seines Vaters mit den blonden Haaren, die er selbst auch in einer etwas dunkleren Schattierung hatte, und mit einem wehmütigen Stich im Herzen, nimmt nahm er die kleine Hand seiner Nichte, die fast in seinen verschwand.  „Sie hatte nur zu oft meine Zöpfe als ‚Zügel‘ benutzt, weil ich sie am Rücken Huckepack genommen hatte.“ Er wusste, dass sie nur wenig von dem verstand, was er sagte. Éomund hatte kein Sindarin gesprochen, noch verstanden, weshalb Westron und ein wenig Rohirrisch die vorherrschenden Sprachen waren. Seine Familie sprach hauptsächlich Sindarin und Westron, weniger die Sprache der Rohirrim hier. Er war in Gondor geboren worden, hatte seine Ausbildung dort genossen und war auch mit dem Adel vertraut. Auch wenn er nun schon Jahre hier lebte, so vermisste er Lossarnach immer noch.

Éowyn war nun endgültig von ihren düsteren Gedanken abgelenkt und Théoden atmete unmerklich auf. Kinder liebten den melodischen Klang der elbischen Sprache und die Kleine war da keine Ausnahme. Er nahm sie in seine Arme und machte es sich im Gras gemütlich. Sein Herz wollte aufgehen, als sie nach seinem Zopf griff und vorsichtig mit den Strähnen spielte. „Deine Mutter war eine besondere Frau, die ein großes Herz besaß. Habe ich dir schon einmal erzählt, wie sich deine Eltern kennen gelernt haben?“, fragte er leise und hielt seine Nichte fest. Fasziniert strich sie über die weißen Strähnen im Haar, die man kaum merkte, wenn man nicht gerade danach suchte. Ein kurzes Kopfschütteln war die Antwort

„Du musst wissen, dein Großvater Thengel - und vor allem deine Großmutter - hat deine Mutter zu einer gar bezaubernden Dame erzogen, die mit jenen aus Gondor mit Leichtigkeit konkurrieren konnte. Und der Hof von Edoras ist nicht für derartige Noblesse bekannt, weshalb es umso erstaunlicher damals war. Sie war eine begabte Reiterin und ihre Hände konnten Kunstwerke sticken“, erzählte er nun aber doch in Westron weiter und nutzte die Stimme, um das Ereignis noch lebendiger zu machen. „Dein Vater war ein Marschall der Mark und ein sehr strikter und loyaler Mann. Vor allem war er auch sehr ernst und nachdenklich. Dein Großvater hat ihn immer sehr geschätzt und war umso begeisterter, als er erfuhr, dass sich beide näher gekommen waren – was einem kleinen Krieg geähnelt hat.“

Er lachte. Die Erinnerung war immer etwas, was sein Herz erwärmte und ihm half weiterzugehen. Er hielt sich mit Vehemenz nur die guten Zeiten vor Augen, da er wusste, dass ihm sonst die Luft ausgehen würde. Théoden hatte schon seine Frau verloren, Théodwyns und Éomunds Verlust hatte ihn tief getroffen. Weshalb er sich zwang, an die heiteren Momente zu denken.

„Deine Mutter hatte den Marschall gesehen und gewusst, dass sie nur ihn heiraten würde“, begann er amüsiert. „Wirklich?“, fragte seine Kleine mit großen Augen, die so ungläubig starrten. Natürlich hatte sie ihre Mutter nie derart stur, wild und selbstbewusst erlebt. Théodwyn war zur Ruhe gekommen, als sie ihre Kinder bekommen hatte. Es schien, als hätte sie Erdung gefunden und war den Weg einer jeden Mutter gefolgt. Ihr Temperament war deshalb nie geschmälert worden, aber ihre Geduld war gewachsen, besonders nach Éowyns Geburt.

„Doch dein Vater war nicht annähernd so angetan von deiner jungen Mutter, wie sie es sich gewünscht hatte. Éomund war um mehrere Jahre älter und hatte eher seine Verantwortung im Auge, als dass er den koketten Annäherungen deiner Mutter gefolgt wäre. Um ehrlich zu sein, hatte niemand daran geglaubt, dass Théodwyn ihren Willen bekommen würde.“

Er grinste breit, als er daran dachte, wie seine Schwester mit bestem höfischem Benehmen zu zeigen, dass sie die beste Wahl wäre. Doch all das hatte den Marschall der Mark nie beeindruckt. Er hatte sie höflich ignoriert und war seinen Pflichten nachgekommen. Mehr als nur ein Tobsuchtanfall aus Frustration war die Folge gewesen. Vor allem hatte Éomund damals gestört, dass Théodwyn kaum Rohirrisch gesprochen hatte. Er war der Ansicht, dass man seine Wurzeln ehren musste, was Théodens Schwester in seinen Augen nicht getan hatte.

„Dein Vater liebte die Heimat hier, die Pferde, die Menschen und vor allem die Sprache. Sie war für ihn immer ein Symbol für alles, was er liebte, zeigte die Kultur, welche die seine war“, fuhr er fort und hörte ein Lachen für nur einen Moment. „Aber das weißt du ja, Schwestertochter, nicht wahr?“ Sie nickte und sah zu ihm hoch. Glanz war in den Augen zu sehen, ein begeistertes Funkeln. Éowyn hatte ihren Vater vergöttert, wie auch umgekehrt dieser sie. „Und es war ihm gewaltig gegen den Strich gegangen, dass deine Mutter kein Rohirrisch sprach.“

Éomund hatte Théodwyn nur auf Rohirrisch angesprochen und ihr auch nur in Rohirrisch geantwortet, wenn sie versucht hatte, ihn in ein Gespräch zu verwickeln. Seine Schwester hatte der Marschall dadurch zur Weißglut getrieben.

„Doch deine Mutter wäre nicht deine Mutter, wenn sie nicht so stur gewesen wäre. Sie hatte es sich in den Kopf gesetzt, deinen Vater einzufangen und hat deshalb Rohirrisch angefangen zu lernen“, meinte er gutgelaunt bei der Erinnerung. „Und sie hat lange gebraucht, um die Sprache richtig zu beherrschen. Es gab Momente, in denen sie sich mit anderen Damen aus dem Adelsstand angelegt hatte, weil diese es gewagt hatten, Éomund schöne Augen zu machen.“

„Aber sie hat gewonnen!“, wisperte Éowyn begeistert und Théoden nickte zustimmend. Das hatte sie fürwahr. Seine Schwester hatte die Sprache gelernt, hatte ihn gezwungen, ihr den Schwertkampf beizubringen, nur um Èomund zum Kampf herauszufordern, mit der Bedingung, wenn sie gewinnen würde, dass er sie zur Frau nahm. Dieses Verhalten war ungehört in Rohan gewesen, aber Éomund hatte amüsiert eingewilligt. Er hatte nicht geglaubt, dass Théodwyn gewinnen würde. Und Sumoræðel hatte empört reagiert, als sie davon erfuhr. Mutter war milde erheitert gewesen und hatte nur gemeint, dass sie wünsche, dass Thengel es gesehen hätte. Théodwyn war als Jüngste und Nachzügler sein Liebling gewesen.

„Oh, deine Mutter hat es geschafft, dass dein Vater im Staub zu ihren Füßen lag, auch wenn nur durch viel Glück“, sagte er erheitert. Auch wenn er vermutete, dass Éomund ihr zu dem Zeitpunkt mehr als nur ein wenig zugeneigt gewesen war und sie gewinnen lassen hatte. Éowyn lachte begeistert bei der Vorstellung und sah ihn auffordernd an. „Théodwyn hat sein Herz danach im Sturm erobert und wenig später war die Vermählung. Und danach kam auch schon dein Bruder!“ Er begann, seine Nichte durchzukitzeln und lauschte ihrem Kreischen und erstickten Lachen voller Erleichterung.

„Aber was hältst du davon, wenn wir jetzt hoch zu den Hallen gehen? Deine Großmutter wartet sicher schon mit dem Essen!“

Keuchend schaute sie auf.

„Glaubst du, es gibt Kartoffeln?“, fragte sie und legte ihre Arme um seinen Hals. Etwas unbeholfen stand Théoden auf und versuchte, nicht mit der Kleinen im Arm zu stürzen. „Ich bin mir sehr sicher, dass deine Großmutter auch das in der Küche angefordert hat.“ Begeistert jauchzte sie und er trug sie einfach durch die Stadt, die Blicke der anderen ignorierend. Seine Nichte war nun wichtig, nicht sein Ruf als König.

Erst auf der letzten Stufe vor den Türen von Meduseld ließ er sie herab und streckte unmerklich seinen Rücken. Sie war doch bereits recht groß für ihr Alter, eindeutig ein Erbe von Morwen, seiner Mutter, und hatte auch ein dementsprechendes Gewicht. Doch Éowyn lachte und damit war es all die Anstrengung wert. Sie war viel zu ernst und ruhig, und er wollte nicht, dass es noch schlimmer wurde, je älter sie wurde. Sie sollte der Sonnenschein bleiben, der sie bis vor dem Tod ihrer Eltern gewesen war, zumindest soweit es jetzt noch möglich war.

Dafür war ihm jedes Opfer recht, auch das seiner Würde.

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Sumoræðel = altengl. Sommer-Adlige; Name für die unbenannte Canonschwester von Theoden (der insgesamt 4 Schwestern hatte).

ð wird als ein stimmhaftes th gesprochen.
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