Dead Earth

von NothingM
GeschichteHorror, Sci-Fi / P16
07.06.2015
07.06.2015
16
29.308
1
Alle Kapitel
3 Reviews
Dieses Kapitel
noch keine Reviews
 
 
07.06.2015 1.306
 
Die Mittagsonne stand hoch überm Himmel, während die kühle Luft über meine Haut strich. Grelle Lichtstrahlen drangen zwischen den Nadelbäumen und Farnen über mir. Flugschnäbel kreischten in der Ferne… das Surren kleiner Libellen nahm ich wahr... während eine Schlange sich langsam zwischen Beinen schlängelte. Doch all das ignorierte ich. Zwischen dichtem Gestrüpp, dicht am Boden gedrängt und mit angespanntem Leib, war sämtliche Aufmerksamkeit auf meine Beute gerichtet.


Grüne Haut…
Langer Schwanz…
Läuft auf allen Vieren…
Dreimal so hoch wie ich…
Und ein Schnabel…

Schnabelmäuler… die liebste Beute.
Viel Fleisch… ängstlich… schwach… einfältig… im Gegensatz zu mir.
Meine Augen sehen alles…
Meine Zähne zerteilen jedes Fleisch…
Die Beine sind kräftig…
Die Hände packen alles…
Und die Fußklauen scharf und vor allem tödlich.


Bei dieser Jagd war ich nicht allein.
Badda und ich waren die Treiber dieser Jagd, während der Rest des Rudels vereinzelt an den Rändern der Grasstreppe verteilt waren und warteten.
Unser gemeinsamer Blick war auf eine große Gruppe Schnabelmäuler gerichtet, die sich um eine Wasserstelle versammelten. Ein altes Weibchen hatte sich ein großes Stück von der Herde entfernt, um zu grasen. Mir fiel eine große Narbe am linken Hinterbein auf, das sich augenscheinlich entzündet hat.

Das dürfte unsere erste Wahl sein….

Aus den Augenwinkeln sah ich wie Baddas Fußklauen ungeduldig und aufgeregt zuckten. “Noch nicht…”, sagte ich leise. “Der Erfolg in der Jagd liegt in Ruhe und Geduld.” “Oh… ähm… ok.”, antwortete er und verharrte erneut in seiner Position. Ich blickte zu Beute. Das alte Weibchen war noch mit Kopf in unserer Richtung. Zum Glück aber strich der Wind von Schnauze zu Schwanz vorbei und nicht umgekehrt, so war es ihr nicht möglich uns zu riechen. Langsam drehte sie sich um… gleich haben wir den Moment!

Ich fragte Badda: “Bereit?” Er nickte. “Gut, auf drei. Eins… zwei-” Badda lief los! “Nicht!”, schrie ich, doch es war bereits zu spät. Badda sprang aus dem Gestrüpp und lief lauthals kreischend auf das alte Weibchen zu. Doch das Beutetier sah ihn bereits und schlug ihn weg, noch bevor einen Sprungangriff setzen konnte! Badda fiel auf den Rücken und das Weibchen stieß einen lauten Hilferuf, wodurch ein lautes Echo der gesamten Herde ertönte.

Jetzt musste ich handeln und zwar schnell!

Ich sprang aus dem Gestrüpp und folgte augenblicklich der fliehenden Herde. “Du hättest warten sollen, verdammt!”, rief ich zu Badda, als ich an ihn vorbeilief. Badda stand auf und lief sogleich hinterher.








Die Chance war vertan aber es gab noch ne Möglichkeit.
Wir mussten die Herde Stück für Stück spalten und das schwächste Glied ausmachen!

“Mehr nach Osten!”, sagte ich zu Badda. Badda vergrößerte den Abstand zu mir und scheuchte die Tiere von der linken Seite aus. Fast waren wir wieder am Rand… und Whitehand sprang aus dem Gestrüpp! Die erste Spaltung! Nun liefen zehn Tiere von uns weg. Während Badda und ich die Beute auf Kurs hielten, sorgte White von der Seite aus dafür, dass kein Schnabelmaul nach rechts ausbrechen konnte. Nun sprang Nishka raus! Dann Nal! Und schließlich Typan! Die Spaltung glückte jedes Mal und es liefen nun zwei Schnabelmäuler weg. Ein altes Männchen und ein junges Männchen. White und die Anderen verhinderten alle Ausbrüche an den Seiten. Und durch Badda und mir konnten beide Beutetiere nur noch nach vorne laufen. Wer von ihnen aber fallen wird, lag aber nur in der Wahl des Stürzers. Und zwar… jetzt!

Wie aus dem Nichts sprang Brokenclaw von vorne und erwischte das Junge am Hals! Das alte Männchen floh sofort. Überrascht von Angriff fiel junge Schnabelmaul nach hinten. Claw hatte bereits beide Fußklauen in den Hals gerammt und biss sich fest. Der Schnabelmaul versuchte ihn wegzustoßen, doch wir schritten ein! Ich, White und Nal sprangen unsere Beute an und attackierten von allen Seiten. Unsere Klauen erwischten jeden Gefäß, weshalb das Blut uns sogleich in einen Rausch versetzte. Der Rest des Rudels standen im Kreis und feuerten uns aufgeregt an. Ich war es, der dann die Fußklaue in die Bauchseite rammte und alles aufschnitt! Ein Todesurteil für den jungen Schnabelmaul! Die Innereien ergossen sich über die Grassteppe und der Schmerz, sowie der Verlust des Blutes setzten dem Leben der Beute ein Ende. Sofort stießen wir alle einen triumphierenden Schrei aus, der dann in der gesamten Landschaft verhallte.








“Ich fresse zuerst!”, schrie Brokenclaw und stürzte sich als erster auf das Mahl. Claw war das Alphamännchen, also stand auch ihm ein Großteil der Beute zu, doch schon sogleich fraßen auch wir nebeneinander. Der junge Schnabelmaul hatte genug Fleisch und Innereien für das gesamte Rudel. Es würde uns sehr satt machen. Aus den Augenwinkeln sah ich Badda zögerlich auf uns zukommen. Natürlich wollte er auch ein Stück der Beute… doch noch bevor er auch nur in der Nähe von uns kam, drehte sich Claw plötzlich um und warf ihn einen finsteren Blick zu!

Er knurrte ihn an und sagte: “Du… kriegst nichts von der Beute!”
“Was? A-aber… warum?!”, fragte Badda.
“Wegen dir hätten wir beinah versagt!”, erklärte er und kam ihn mit eingezogenen Fußklauen immer näher, weshalb Badda einige Schritte zurückging und unterwürfig seinen Kopf duckte.
“Du Dummschuppe beherrscht nicht mal die simpelsten Jagdregeln… es ist eigentlich ein Wunder, dass du allein ein Weibchen besteigen kannst ohne fremde Hilfe! Grrrr…. Ich sollte dich-”
“Nun komm mal jetzt runter Claw!”, unterbrach ich und stellte mich zwischen den Beiden. “Die Jagd ist geglückt - nur das zählt!”
“Grrrrr…. Ja…. Aber nicht durch ihn!”
“Solltest du dir nicht lieber wichtigeren Dingen zuwenden?”
“Und die wären?”
“Die Schatten… dieses Rudel stahl schon drei mal unsere Beute, seit dem sie vor einen Monat unser Revier betraten. Und es gibt immer noch keine passende Verteidigung gegen sie!”
Nachdenklich und zugleich verärgert blickte Claw mich an.

Noch mehr als Einmischungen von anderen hasste er es, wenn ein Rangniederer tatsächlich Recht hat.

Schließlich sagte er zu mir: “Na schön…” und wandte seinen Blick wieder zu Badda. “Du hast wieder einmal Glück gehabt - aber bedenke! Clain… wird dich nicht ewig beschützen…” Und mit diesen Worten kehrte er schließlich zu seiner Beute zurück und speiste erneut. Ich schaute wieder zu meinen Freund. “Alles ok?”, fragte ich ihm. Mit bedrückten Blick antwortete er: “Ja… Danke, Clain.”

Er ging weg…

“Warte, wo willst du hin?”, fragte ich ihm.
Badda antwortete: “Ich geh zur Wasserstelle… bin bald zurück.”
“Hey, ich kann dir etwas von meinen Fleisch abgeben!”
“Nein Clain… handle dir nicht wegen mir noch mehr Ärger ein. Ich komm schon zu Recht… auf wiedersehen.”
Und schon war er weg.
Ich blickte ihm nach.






Badda… war schon immer das rangschwächste Mitglied. Auch schon zu Zeiten, wo mein Vater Rudelführer war. Als aber er und meine Mutter bei dem Vulkanausbruch vor einigen Jahren starben, wurde Claw Anführer, noch bevor ich die Chance hatte. Ich war noch zu klein, um in den Fußstapfen meines Vaters zu treten… Und wo Claw das Alphatier wurde… wurde es für Badda noch viel schlimmer.

Um ehrlich zu sein… konnte ich Claw nie besonders gut leiden.
Für ihn zählt nicht der Zusammenhalt und das Wohl des Rudels, sondern nur das Überleben der Stärkeren. Die Schwachen… sollen daran glauben. Deshalb macht er auch Badda besonders das Leben schwer. Großmäulig und von sich überzeugt, bildet er sich ein das wichtigste Glied von allen zu sein.
Dabei ist er nicht mal der älteste im Rudel - Nal war das älteste Männchen - und eines seiner Klauen an der rechten Hand war abgebrochen und wuchs nicht mehr scharf nach.
Unser Rudel ist über die Zeit ziemlich klein geworden….
Er, Badda, ich und Nal waren die einzigen Männchen mit sichtbarem Federkamm.
White, Nishka und Typan waren hingegen unsere letzten Weibchen.
Wenn Claw seine Strategie nicht ändert, werden wir noch weiter schrumpfen. Und durch das Schattenrudel sogar bald vernichtet werden.
Aber er führt das Rudel… und ich kann nicht viel mehr tun als an seinen Verstand zu appellieren.

Ich konnte nur noch hoffen, dass sich was ändert… und zwar möglichst bald.
Review schreiben