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Wohin Walter schlägt, da wächst kein Gras mehr

KurzgeschichteHumor / P12
Astrid Farnsworth Dr. Walter Bishop Henrietta "Etta" Bishop Nina Sharp Olivia Dunham Peter Bishop
07.06.2015
07.06.2015
5
4.758
3
Alle Kapitel
23 Reviews
Dieses Kapitel
4 Reviews
 
 
07.06.2015 1.142
 
Stichwort 1: Fest

Rating: P12

Genre: Freundschaft, Familie, Humor

Spoiler: spielt zwischen Staffel 4 und 5

Wörter: 1073

Geschrieben: 05. Juni 2015

Inhalt: Walter freut sich auf die Taufe seiner Enkeltochter Henrietta. Aber leider hat er ganz eigene Vorstellungen davon, was sich als Taufgeschenk eignen könnte. Und auch darüber, was er und Nina zu der Taufe anziehen sollten.



+++++++++++++++++++ FRINGE +++++++++++++++++++



Nina Sharp fühlte sich wie erschlagen. Seit über drei Stunden, erklärte sie Walter, dass seine Geschenkideen für die Taufe von Etta nicht durchdacht waren. Aber anstatt das einzusehen, holte er bei Massive Dynamic immer neue Sachen hervor. Ihr war bis dahin noch nicht bewusst gewesen, wie viele Erfindungen sie im Haus hatten, welche man – mit viel Fantasie – für ein Taufgeschenk missbrauchen konnte. Aber Walter fand sie. Alle. Wie jetzt gerade das schwebende Kinderbettchen. Bei dem Nina wieder Einspruch erheben musste. Wie sie es seit drei Stunden tat. Aber das Teil war einfach zu unausgereift, als dass sie das zulassen konnte.

„Nein, Walter“, sprach sie mit müder aber bestimmter Stimme. „Du wirst Etta nicht in dieses nicht schwebende Teil legen. Das erlaube ich nicht! Und wenn du tausend Mal der Grossvater bist.“

„Das kann ich reparieren, Nina. Und verbessern“, versuchte Walter seine letzte Idee einer langen Reihe von Ideen zu verteidigen. „Und das Schwebebettchen wäre bestimmt sehr praktisch.“

„Für wen?“

„Na für…“, Walter musste selbst einen Augenblick überlegen, für wen es denn praktisch sein könnte. Und kam dann auf die perfekte Antwort: „Für Olivia und Peter!“

„Das glaubst du doch selbst nicht, Walter. Peter steht jetzt bereits mehrmals in der Nacht auf, um zu sehen, ob Etta noch atmet. Derart besorgt ist er, dass dem Baby etwas passieren könnte. Wenn du ihm und Olivia noch solch ein Teil schenkst – von dem ich weiss, dass es nicht funktioniert wie es funktionieren sollte – dann wird Peter keine einzige Sekunde lang Schlaf finden in der Nacht. Und das wird Olivia wach halten. Was nicht gut ist, da sie ihre Kräfte braucht. Sie hat ein Baby, welches ihre ganze Aufmerksamkeit, Kraft und Energie braucht. Da ist dieses Höllenbettchen, ob schwebend oder nicht, nicht gut für sie.“

Walter seufzte. „Jetzt habe ich kein Geschenk für meine Enkeltochter.“

Davon war Nina unbeeindruckt. „Greif auf ein klassisches Taufgeschenk zurück. Kauf der Kleinen ein schönes Schaukelpferd für später. Oder mach ihr ein Album von der Taufe. Das ist ein Taufgeschenk, welches Etta später als Erwachsene sicherlich zu schätzen weiss. Oder von mir aus richte für sie ein Konto ein, damit sie sich an ihrem achtzehnten Geburtstag etwas Teures kaufen kann, was ihr ihre Eltern nicht kaufen würden. Und mach so einen auf Super-Opa.“

„Das ist alles langweilig, Nina“, kam es unglücklich von Walter. Der nicht zufrieden war bei dem Gedanken, dass er seiner Enkeltochter nicht ein ausgefallenes und einmaliges Taufgeschenk machen konnte.

„Langweilig soll es sein, Walter“, kam es klipp und klar von Nina zurück. „Es ist eine Taufe. Ein Fest der Familie. Wir feiern die Geburt von Etta und wir veranstalten nicht eine Sondervorführung des verrückten Wissenschaftlers.“

Walter blieb erst stumm. Er schien nachzudenken, was Nina ein bisschen nervös machte. Und als wäre diese Nervosität das Zeichen, das jetzt Ungewöhnliches passieren würde, erstrahlte Walters Gesicht und er meinte fröhlich zu Nina: „Ich glaube, die Idee mit dem Fotoalbum ist besser als zuerst gedacht. Aber wir müssen uns was Schickes zum anziehen kaufen.“

„Wie bitte?“

„Frag nicht, Nina, komm lieber mit… wir gehen einkaufen!“



+++++++++++++++++++ FRINGE +++++++++++++++++++



Zwei Stunden später wünschte sich Nina zurück bei Massive Dynamic. Alles war besser – sogar die Diskussion um schwebende Kinderbettchen – als mit Walter Bishop Kleidung für eine Taufe einkaufen zu gehen. Für sich wollte er aktuell einen lila Anzug kaufen, den er gerade mit wahrer Begeisterung trug und vor dem Spiegel betrachtete. Und für Nina hatte er ein in allen Regenbogenfarben schimmerndes und viel zu kurzes Kleid ausgesucht. Mit der Begründung, dass das Kleid auf den Fotos für Ettas Fotoalbum toll aussehen würde. Eine Meinung, die Nina nicht teilte. Weshalb sie sich bisher standhaft geweigert hatte, das Teil anzuprobieren. Sie hielt es lieber angewidert mit dem Kleiderbügel vor sich hin.

„Nein, Walter“, sagte sie heute nicht zum ersten Mal zu dem Grenzwissenschaftler. „Dieses Teil werde ich nicht bei der Taufe tragen.“

„Warum denn nicht, Nina?“, wollte Walter überrascht wissen. „Das würde dir hervorragend stehen. Und es würde auf den Fotos für Ettas Fotoalbum richtig herausstechen.“

„Walter! Ich bin nicht mehr Zwanzig. Vergiss das nicht. Dieses…“, Nina wusste nicht, wie sie den schimmernden Stofffetzen  titulieren sollte, „…Ding reicht kaum bis über meinen Hintern. Und dabei trage ich es momentan gar nicht, sondern halte es vor mich hin. Das sollte dir zu denken geben, Walter.“

Walter liess sich nicht entmutigen. Er war Feuer und Flamme, für Nina ein seiner Meinung nach würdiges Kleid für die Taufe zu besorgen. „Früher hast du solche Kleider gerne getragen.“

Nina stöhnte genervt auf. „Da war ich vierzig Jahre jünger, Walter. Und mindestens vierzig Kilos leichter. Und ehrlich gesagt, genau so wenig wie das Kleid zu mir passt, passt der lila Anzug zu dir.“

„Ich habe keine vierzig Kilos zugenommen in den letzten Jahrzehnte“, wollte Walter den Anzug und sich verteidigen.

„Mag sein“, stimmte Nina ihm zu dieser Behauptung bei. „Aber jünger bist du nicht geworden. Wir sind nicht mehr in den 1970er-Jahre. Da hätte solch ein Outfit noch gepasst. Heute nicht mehr! Leute in unserem Alter tragen elegante Sachen zu einer Taufe.“

Walter wollte noch nicht aufgeben. „Wie wäre der hellblaue Anzug, denn ich vorhin anprobiert habe?“

„Nein, Walter. Der ebenfalls nicht.“

„Und der rot-grün karierte Anzug?“

„Das meinst du nicht ernst, oder?“

„Okay, okay… da gab es noch diesen hellgrünen Anzug…“

„Nein, Walter.“

„Was soll ich dann tragen?“

„Verdammt noch einmal, Walter! Es ist mir scheissegal“, schrie da Nina los. „Kauf was du willst. Trag was du willst. Mach was du willst. Es kümmert mich nicht. Selbst wenn du dich auf der Taufe lächerlich machen und deinen Sohn und deine Schwiegertochter in eine peinliche Situation bringen solltest. Himmel Herrgott noch einmal! Jetzt und hier, ist meine Geduld aufgebraucht!“ Mit diesen Worten drückte Nina dem überraschten Walter das grell schimmernde Kleid in die Hände, nahm ihre Handtasche und lief wutschäumend aus dem Laden, in dem sie mit Walter in den letzten beiden Stunden Kleidung zusammen gesucht hatte.

„Nanu?“, meinte Walter zu sich, während er der davon rauschenden Nina nachsah. „Ich hätte nicht gedacht, dass Nina solche Worte in den Mund nimmt.“ Dann zuckte er mit den Achseln und entschied sich im Stillen, dass er den lila Anzug kaufen würde. Der sah schmuck aus an ihm. Da konnte Nina sagen was sie wollte. Sollte diese doch in ihrer dunklen Kleidung bei der Taufe aufkreuzen. Ihm konnte es egal sein, denn er würde schon für ein bisschen Farbe sorgen.

Oh ja, das Fotoalbum für Etta würde später seiner Enkeltochter beweisen, dass ihr Grossvater einen ausgezeichneten Modegeschmack hatte.


ENDE
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