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OS Collection

von Theresie
Kurzbeschreibung
OneshotAllgemein / P16 / Gen
Alexy Armin Boris Castiel Dakota Kentin
06.06.2015
05.04.2021
9
19.768
4
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Dieses Kapitel
1 Review
 
23.06.2015 1.904
 
Sonnenschein


Es regnet.
Dichte, dunkelgraue Wolken haben den kompletten Himmel bedeckt. Kein einziger Sonnenstrahl schafft es zur Erde, zu mir durchzudringen. Es ist aussichtslos. Der Himmel scheint sehr traurig zu sein, denn er weint. So wie ich. Mein Blick senkt sich und  trifft auf mein Handy, welches ich mit beiden Händen fest umklammere. Ich zittere und mein Gesicht ist nass. Nass wie alles, was sich gerade draußen befindet. Ich schniefe leise und flüstere: "Nathaniel…" Als auch schon weitere, salzige Rinnsale über meine Wangen fließen, während der Regen noch um einiges stärker wird… "Wieso nur…?"


Ich erinnere mich noch genau, so als wäre es erst gestern gewesen, dabei war es bereits eine ganze Woche her. Melody und du. Ihr beide. Zu zweit. In der Schülervertretung. Küssend. Und dann kam ich und störte euch. Ja, ich störte euch, aber woher sollte ich es auch wissen? Woher in Gottes Namen sollte ich denn wissen, dass du und sie. Dass ihr beide etwas miteinander habt? Ich dachte doch du liebst mich. Und nicht sie!
Ich hatte dir damals geglaubt, als du sagtest: "Ich liebe dich. Nur dich, niemanden sonst." All meinen Glauben, mein Vertrauen und meine Hoffnung. All das hatte ich deinem Geständnis, deinen Gefühle geschenkt.
Völlig umsonst…
Deine Worte, deine Küsse und deine Liebe - alles gelogen! Du elender Lügner! Ich…hasse dich. Wie konntest du es nur wagen mit meinen Gefühlen für dich zu spielen? Sie zu töten? Das kann ich dir nicht verzeihen, denn du warst der erste Junge, dem ich mein Herz öffnete wie eine kleine Schatztruhe, in der sich meine geheimsten Geheimnisse befinden. Ich habe dir alles erzählt. Meine Probleme. Meine Sorgen. Alles habe ich dir ohne zu zögern anvertraut, weil ich dich liebte. Du kennst mich in- und auswendig. Und ich? Ich dich nicht einmal ansatzweise, weil du nichts über dich erzählen wolltest, was ich respektierte… 

Eine ganze Woche lang habe ich dich erfolgreich gemieden. Habe die Schule geschwänzt, weil ich dich nicht sehen wollte. Ich hätte es nicht ertragen.
Sieben Tage lang hatte ich meine Ruhe, bis…mein Handy plötzlich eine SMS empfing - von dir.


»Liebe Lore!
Bitte gib mir noch ein Chance!
Du weißt, ich liebe dich!
Wie wäre es im Cafe Ole um 15 Uhr?
Ich kann dir alles erklären!
Dein Nathaniel«


Meine Augen waren bei jedem Wort größer geworden und dann, als ich fertig gelesen hatte, ließ ich mein Handy einfach fallen. Auf den Boden ohne Teppich, sodass der Display beschädigt wurde.
Ich konnte kaum fassen, dass du allenernstes den Mut hattest mich nach allem was war zu kontaktieren. Was zur Hölle wolltest du bitte von mir? Es gab doch rein gar nichts zu besprechen! Ich kannte die Wahrheit. Es war aus und vorbei!



Und trotzdem sitze ich jetzt hier. An einem runden Tisch am Fenster; direkt vor mir steht eine Tasse Kaffee, dabei mag ich dieses Getränk gar nicht, aber einer der Kellner hatte mir mitleidig etwas ausgegeben…als er sah, dass ich weinte…


In drei Minuten ist es Punkt 15 Uhr und noch immer sehe ich dich nicht. Bestimmt bist du gerade bei dieser Melody und hast deinen Spaß mit ihr. Ich bin doch wirklich dämlich! Wieso bin ich nur hergekommen? Das war ein Fehler. Ein riesen Fehler, den ich auch sofort bereue… dennoch bleibe ich sitzen und starre aus dem Fenster. Beobachte den Regen, der mittlerweile sogar von entferntem Blitz und Donner begleitet wird und frage mich, wann du wohl gedenkst zu kommen und warum ich es nicht schaffe einfach zu gehen… Ganz langsam schließe ich meine leicht verquollenen Augen und denke, ohne es zu wollen, nur an…dich…


»Guten Morgen, du musst die neue Schülerin Lorena Williams sein, richtig? Mein Name ist Nathaniel Coldman, ich bin der Schülersprecher und heiße dich ganz herzlich an der Sweet Amoris High Willkommen. Falls du Fragen oder Probleme haben solltest, kannst du dich ohne zu zögern an mich wenden, ich helfe nämlich sehr gerne.« Mit einem warmen Lächeln hattest du mich damals an meinem ersten Tag angesprochen, als ich völlig orientierungslos umhergeirrt war. Du warst der Einzige, dessen Aufmerksamkeit ich bekam. Von Anfang an fand ich dich nett, sehr sympathisch und du mich wohl auch. Ich weiß noch, als du mir angeboten hattest mit dir zu lernen, weil ich in Mathe einfach ein hoffnungsloser Fall war. Aber dank dir schaffte ich meine erste Drei Minus in diesem Fach und gab dir als Belohnung einen Kuss auf die Wange. Keine Ahnung, was mich da geritten hatte und woher der Mut kam dies zu wagen, doch geschämt hatte ich mich nicht. Und kurz darauf machtest du den Anfang und berührtest meine Lippen mit deinen. Eh wir uns versahen, waren wir zusammen und überglücklich…bis sich Melody in den Weg stellte. Von Eifersucht angetrieben, fing sie an mich zu schikanieren, aber das hinderte mich nicht daran dich nicht zu lieben. Erst als der Tag kam, als ich euch zwei in flagranti erwischte…


Ein lautes Dronnengrollen schreckt mich aus meinen Gedanken und ich blicke irritiert auf das Handydisplay. Was? Schon 16:02 Uhr? Ich verstehe das nicht. Wieso bist du noch nicht hier? Du schreibst mir, dass ich kommen soll. Dass du mich liebst. Dass du mit mir reden willst. … Aber wo bleibst du nur? Ich warte hier nur auf dich. Dabei sollte ich doch wütend sein, aber komischerweise bin ich es jetzt nicht mehr, sondern sogar etwas besorgt… Aber wieso?


Weitere zwanzig Minuten vergehen und ich gebe es nun entgültig auf. Du kommst wohl nicht mehr, weswegen ich mich erhebe und in Zeitlupentempo meine Jacke anziehe. Anschließend nehme ich meine Tasche und bringe die noch volle und mit inzwischen kaltem Kaffe gefüllten Tasse zum Tresen, wo der Kellner sie entgegen nimmt.
Abgesehen von ihm und mir ist sonst niemand hier.
"Wurdest wohl sitzen gelassen, was?", sagt er einfach und in seinen meerfarbenen Augen spiegelt sich noch immer Mitleid.
"…Ja, dabei hatte er mich gebeten zu kommen…" Keine Ahnung warum ich einem völlig fremden Menschen davon erzähle, aber es tut irgendwie gut. "Aber er taucht einfach nicht auf…" Neue Tränen fließen über mein Gesicht. "Dabei hat er geschrieben, dass er mich liebt. Ich verstehe nicht, wieso er noch nicht da ist…"
Der Kellner reicht mir eine Servitte, die ich schluchzend annehme und während ich mein Gesicht mit ihr trockne, beugt er sich etwas über den Tresen, um meinen Kopf tröstend zu tätscheln. "Liebst du ihn auch?"
"Ja…das tue ich. Auch wenn er etwas Unverzeihliches getan hat, trotzdem habe ich noch starke Gefühle für ihn. Ich bin sauer, aber gleichzeitig sehne ich mich nach ihm…!"
Ich nehme mein Handy, lese deine SMS und rufe dich dann an.


…Piep…
…Piep…
…Piep…

"Dies ist die Mailbox von Nathaniel Coldman. Tut mir leid, aber zurzeit bin ich nicht erreichbar. Bei Hinterlassung einer Nachricht rufe ich sobald wie ich kann zurück…"


Fassungslos starre ich den Kellner an. "Sein Handy ist immer an", rufe ich aus. "Immer…!"

Klack!

Ich fahre sogleich herum, als ich höre, wie die Tür aufgeht und jemand das Cafe betritt. Aber nicht Nathaniel, sondern…Melody…?
Was will die hier?
Sie kommt direkt auf mich zu und zieht dabei ihre Kapuze vom Kopf. "Hallo, Lorena", sagt sie, kaum dass sie vor mir steht. "Wie geht es dir? Wartest du auf jemand besonderen?" Ihre Stimme ist leicht hoch und ohne auf eine Antwort zu warten, fährt sie fort: "Hm? Warum weinst du denn? Ach…wegen Nath? Deine Tränen sind umsonst, er liebt dich nicht, sondern mich. Denn ich war zuerst da. Mich kennt er länger als dich, du bist doch nur die Neue, sonst nicht."
"Sei still", erwidere ich kaum hörbar und drücke mein Handy mit deiner SMS auf dem Display fest an mich. "Er liebt mich…"
"So ein Blödsinn. Er lügt und ich bin hier, damit du es endlich kapierst." Da reißt sie es mir aus den Händen und liest deine Textnachricht. "Oh, eine SMS."
"Nicht!", rufe ich verzweifelt.
"Die ist übriges von mir. Ein Fake also!" Mit diesen Worten verlässt sie das Café und kaum steht sie auf dem Bürgersteig, hebt sie ihren Arm. Sie will mein Handy auf die vielbefahrene Straße werfen. Nein, das darf sie nicht! Sie ist die Lügnerin! Die SMS ist kein Fake! Sie ist wahr! So wahr wie meine Liebe zu dir, Nathaniel!
"Tu das nicht!", schreie ich und stürme aus dem Café. Doch ich bin nicht schnell genug und sehe mein Handy, wie es durch die Luft fliegt und die Straße ansteuert. Melody sieht mich grinsend an. Der Regen wird noch viel stärker und trotzdem! Ich renne einfach weiter. Mitten auf die Straße. Vor ein Auto, das nicht rechtzeitig bremsen können wird.

Und plötzlich scheint die Zeit still zu stehen.

Nur wenige Millimeter Abstand liegen zwischen meiner Hand und dem Handy. Nathaniel, ich glaube dir. Ich glaube dir und liebe dich. Und ich will dir verzeihen, wenn du nur hier wärst und mir alles erklären würdest, dann verzeihe ich dir. Würdest du mich nämlich nicht lieben, würde ich dir gar nichts bedeuten, hättest du mir doch nicht geschrieben. Aber du hast mir geschrieben. Und dass du noch nicht da bist, verzeihe ich dir auch. Du hast bestimmt deine Gründe! Aber jetzt, wo ich das Auto so vor mir sehe, weiß ich gleichzeitig, dass ich, obwohl ich es will, dir nicht verzeihen kann. Denn ich werde sterben…

"Lore!"

Nathaniel?

Zwei starke Arme schlingen sich um mich und dann geht alles ganz schnell: Ich werde nach hinten gezogen und lande auf jemanden. Das Auto rast einfach vorbei…
"Lore! Lore! Bist du okay?"
Ich lege meinen Kopf in den Nacken und blicke in dein blasses Gesicht. Nur dein eines Auges, das ist blaulila  verfärbt.
"Warum bist du zu spät?", frage ich dich und meine Augen füllen sich wieder mit Tränen, die sich mit dem Regen vermischen.
"Es tut mir leid…"
"Ich dachte, du kommst nicht…"
"Ich wollte pünktlich sein, aber dann habe ich mich mit meinem Vater gestritten…und…" Du verstummst. "Bitte verzeih mir, Lore. Ich liebe dich, nur dich. Das mit Melody, das wollte ich gar nicht, aber genau in dem Moment, in dem du kamst, hat sie mich einfach geküsst…und auch mein Vater will nicht, dass ich dich liebe. Er will, dass ich später Melody heirate, weil ihr Vater sein Chef ist. Bei einer Hochzeit wäre mein Vater aufgestiegen. Aber ich liebe Melody nicht, sondern dich, Lore."
"Nathaniel…" Meine Finger berühren dein verletztes Auge und da weinst auch du. "…ich liebe dich ebenfalls."

Melody und auch der Kellner stehen neben uns, beobachten wie wir zwei uns umarmen. Aus dem Gesicht der Braunhaarigen ist jegliche Farbe gewichen. Sie zittert und rennt dann davon…


Der Himmel, der die ganze Zeit über weinte, hört von jetzt auf gleich auf. Die dichte Wolkendecke wird von kleinen Sonnenstrahlen durchbrochen. Es werden immer mehr und dann reißt der Himmel ganz auf, zeigt seine blaue Farbe und du und ich, die wir hier noch immer und klatschnass sitzen, blicken hinauf.
"Jetzt ist er wieder glücklich", wispere ich kaum hörbar und lehne meinen Kopf an deine Brust, während du über mein Haar streichst. "So wie du und ich…"
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