Unser Plan

von Julirot
KurzgeschichteRomanze / P12
Kensi Blye Marty Deeks
05.06.2015
05.06.2015
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Guten Abend,

diese Geschichte hab ich schon vor einiger Zeit geschrieben und dann vergessen. Letzte Woche fiel sie mir beim "Aufräumen" auf meinem PC wieder in die Hände und ich habe sie noch ein wenig modifiziert. Ich weiß gar nicht so genau in welcher zeitlichen Abfolge sie spielen könnte, ich denke irgendwie in Staffel 6, könnte aber auch früher sein. Macht euch am besten selbst ein Bild und ich hoffe ihr findet sie unterhaltsam.
LG und ein schönes Wochenende.
Julirot

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Unser Plan


„Lange können wir das hier nicht mehr machen“, meinte Deeks und lehnte sich in Richtung seiner Partnerin. Sie saßen nebeneinander auf einer Parkbank, mitten auf dem Campus der University of California und schleckten jeder ein Eis. Sie waren undercover als Studenten und die Rolle war schwierig und aufregend zugleich.
„Was meinst du?“ fragte Kensi und schaute ihn an. Sie hatte ihre langen Haare zu zwei Zöpfen geflochten, die ihr nun rechts und links über die Schultern hingen. Sie trug ein kurzärmliges Shirt sowie Caprihosen und ihre Füße steckten in Turnschuhen. Ein Rucksack stand neben ihr und sie hatte, wie jeder hier, ein Handy in der Hand, auf dem sie herumtippte, während sie mit der anderen Hand geschickt ihr Eis aß.
„Ich meine, Studenten spielen.“
„Wieso?“ Kensi runzelte die Stirn.
„Irgendwie werden wir langsam zu alt für solche Arten von Jobs.“ Deeks steckte sich den letzten Rest seiner Eiswaffel in den Mund und kaute.
„Ich bin nicht alt“, empörte sie sich.
„Hab ich auch nicht gesagt, ich meinte nur, dass wir irgendwie nicht mehr so ganz hier reinpassen. Es fühlt sich so falsch an.“
„Ich finde aber, dass du schon ziemlich genauso aussiehst wie diese Typen da hinten“, meinte Kensi und deutete mit dem Kopf in Richtung einer Gruppe Studenten, die man eindeutig als Informatiker und sogenannte „Nerds“ identifizieren konnte.
„Vielen Dank“, sagte er ironisch und blinzelte. Die Sonne schien heiß vom Himmel herunter und sie waren froh, eine kleine Pause hier draußen unter einem Baum im Schatten genießen zu können.
„Gern geschehen.“ Sie lächelte ihn an. Er hatte eine Baseballkappe verkehrt herum auf dem Kopf und seine blonden Locken schauten in wilden Kreationen darunter hervor. Außerdem trug er eine abgewetzte Bluejeans, ein dunkelgrünes T-Shirt und genau wie Kensi Turnschuhe. Auch er hatte einen Rucksack dabei, in dem zur Tarnung sogar einige Bücher steckten. Er schaute sie eine Weile nachdenklich an und meinte dann:
„Aber mal im ernst Kens. Ich verstehe teilweise nicht mal mehr deren Sprache, von den Freizeitaktivitäten ganz zu schweigen.“
„Deeks gibt zu, dass er nicht mehr der verspielte kleine Junge ist, der er gerne wäre?“ rief Kensi erstaunt und zog die Stirn ein wenig in Falten.
„Verspielt? Naja geschenkt. Klein? War ich nie.“
„Verstehe.“
„Hast du denn niemals darüber nachgedacht?“
„Über was?“ fragte sie.
„Übers älter werden?“
„Ehrlich gesagt nicht.“ Sie ließ ihre Beine baumeln und schloss die Augen, reckte ihr Gesicht in den Himmel und genoss die leichte Brise, die soeben aufgekommen war und die heiße Luft ein wenig abzukühlen begann.
„Nein?“ Er war erstaunt.
„Nein.“
„Wirklich?“
„Okay Deeks, vielleicht ab und zu, aber nur in schwachen Momenten...und nur wenn ich alleine auf meiner Couch lag.“
„Mit über dreißig geht man nicht mehr lange als Anfang zwanzig durch“, meinte er schließlich nachdenklich und es klang sogar fast ein wenig melancholisch.
„Du vielleicht nicht, aber ich schon“, sagte Kensi. Er ignorierte ihren Seitenhieb.
„Mal ehrlich...wenn man die hier so sieht, dann könnte man denken, sie haben alle keinen Plan, leben so in den Tag. Das ist schön, aber nichts mehr für mich.“
„Sag bloß DU hast einen Plan?“ Kensi hob erstaunt eine Augenbraue.
„Ja, irgendwie schon.“
„Ich höre.“ Sie stellte ihr linkes Bein auf, stützte sich mit dem Ellenbogen darauf und lehnte ihre Wange gegen ihre Hand.
„Das willst du wirklich wissen ja?“
„Ja Deeks, das will ich.“
„Na gut. Mein Plan heißt, nicht alleine durchs Leben zu gehen.“
„Klingt gut.“
„Klingt abgefahren oder?“
„Nicht so abgefahren wie du vielleicht meinst.“ Sie ließ ihr Bein wieder sinken.
„Hast du irgendwelche konkreten Pläne?“ fragte er.
„Ich weiß nicht.“ Sie fragte sich gerade worauf das Ganze hinauslief.
„Komm schon Kensi, du hast bestimmt Pläne für die Zukunft.“
„Ich weiß es wirklich nicht.“
„Komme ich darin vor?“
„Sicher.“ Ihre Antwort war spontan und ehrlich.
„Echt jetzt?“ Sein Gesicht wurde von einem strahlenden Lächeln erhellt.
„Du bist mein Partner und ich arbeite gern mit dir zusammen.“
„Oh.“ Seine Mundwinkel bogen sich wieder herab.
„Was hast du denn erwartet?“
„Naja, irgendwie dachte ich, wir wären schon mal weiter gewesen.“
„Weiter?“
„Ja.“ Er wusste in diesem Augenblick nicht genau, ob sie das, was sie sagte, ehrlich meinte oder ob sie ihn nur aufzog.
„Keine Ahnung Deeks, sind wir wirklich weiter gekommen mit unserem Ding? Sag du es mir.“
„Ich …“ Er schwieg. Mit ihrer Beziehung war es schwierig. Sie schwankte permanent zwischen 'wir lassen es langsam angehen', 'es wird ernst', 'es wird sehr ernst' und 'wir bekommen Panik vor dem nächsten Schritt'. Sie schaute ihn an, wusste nicht, was sie sagen sollte und die Minuten, in denen sie schwiegen, zogen sich endlos dahin.
„Was ist mit heiraten und Kindern?“ platzte er plötzlich heraus und senkte dann erschrocken über seine eigene Courage den Blick vor ihr.
„Wie kommst du denn da jetzt drauf?“ fragte sie und ihre Stimme klang ziemlich unsicher. Genauso fühlte sie sich gerade, unsicher und … überrumpelt.
„Ich weiß nicht“, wich er nun wieder aus und begann zu stottern: „...ich...ähm...ich sehe nur diese ganzen Kids und...naja, manchmal frage ich mich wie es wäre, wenn es eine kleinere Ausgabe von mir geben würde … wenn ich irgendetwas in dieser Welt hinterlassen könnte … etwas was weiterlebt, wenn ich nicht mehr bin ...“
„Oh mein Gott … Deeks, deine biologische Uhr fängt an zu ticken.“ Sie konnte einfach nicht ernsthaft mit ihm reden, nicht jetzt.
„Männer haben keine biologische Uhr.“ Und er war ebenfalls nicht dazu in der Lage.
„Haben sie doch.“
„Lenk nicht vom Thema ab.“
„Ich habe mich damit noch nie genauer beschäftigt, Deeks. Du hingegen scheinst dir ernsthaft Gedanken gemacht zu haben … “
„Ich kann es mir zumindest vorstellen.“ Ihre Blicke trafen sich und sie merkten, dass dieses Gespräch alles andere als banal war, auch wenn sie versuchten es durch ihre Plänkeleien ein wenig ins Lächerliche zu ziehen.
„Echt jetzt?“ Sie wusste nicht was sie sonst antworten sollte. Er machte ihr Angst.
„Ich mag Kinder.“
„Das weiß ich. Und ganz ehrlich Deeks, du wärst bestimmt ein guter Vater.“
„Meinst du?“
„Kann es mir vorstellen.“ Sie wischte sich mit der Hand über die Stirn und nahm dann eine Flasche Wasser aus ihrem Rucksack, schraubte sie auf und trank einen Schluck.
„Tatsächlich?“
„Ja.“ Sie hielt ihm das Wasser entgegen, doch er lehnte ab.
„Und du?“
„Mit dir?“ Sie steckte das Wasser wieder weg.
„Ja vielleicht.“
„Nie im Leben.“ Sie lachte auf.
„Was?“
„Du würdest unsere Kinder nur verziehen.“
„Aha Kenselina, du sprichst schon von unseren Kindern. Das heißt also du hast doch schon drüber nachgedacht.“
„Hab ich nicht.“
„Doch hast du.“ Bevor sie etwas erwidern konnte, sagte er schnell:
„Ich würde unseren Kindern surfen beibringen und klettern und keine Ahnung was noch. Stell dir das doch mal vor … lauter kleine Marties und Kensis … was meinst du?“ Er legte seinen Zeige- und Mittelfinger auf ihren Arm und begann dann Laufbewegungen mit ihnen über diesen zu machen, bis er an ihrer Schulter angekommen war. Sie beobachtete ihn dabei und wirkte sehr nachdenklich.
„Vielleicht könnte ich es mir doch vorstellen“, lenkte sie schließlich ein.
„Echt jetzt?“ Er grinste. „Kannst du es noch mal sagen?“
„Was sagen?“
„Na das.“
„Ich kann es mir vorstellen?“
„Nein das andere.“
„Mit dir irgendwann mal Kinder zu haben?“ Er atmete einmal tief ein und wieder aus. Dann legte er seinen Kopf leicht schräg und fragte:
„Ist das ein Plan?“
„Vielleicht.“ Sie lächelte sacht.
„Kann ich das schriftlich haben?“
„Niemals.“
„Ich wusste es.“
„Was?“
„Dass du kalte Füße kriegst.“
„Warum sollte ich?“
„Weil du das immer machst, wenn es ein wenig ernster wird.“
„Ernster wobei?“
„Zwischen uns.“
„Wird es das?“
„Wir haben Pläne für die Zukunft gemacht.“
„Nicht wirklich oder?“
„Ich denke doch.“
„Frag mich das noch mal, wenn ich keine Zöpfe trage.“
„Geht klar.“
„Und nun komm, wir haben zu arbeiten.“ Sie stand auf, fasste seinen Arm und wollte ihn nach oben ziehen.
„Alles was du willst Fern.“
„Nenn mich nicht so.“ Sie ließ sich zurück auf die Bank sinken und schlug ihm gegen die Schulter. Anstatt eines Aufschreis folgte ein:
„Ich liebe dich.“
„Was?“ Kensi wurde heiß und kalt zugleich.
„Du hast mich schon verstanden.“ Die Spannung zwischen ihnen nahm merklich zu. Diese drei kleinen Worte waren so noch nie zwischen ihnen gefallen.
„Das ist dein Plan?“ fragte sie zaghaft.
„Wie jetzt?“ Er war verwirrt.
„Mich mit einem „Ich liebe dich“ zu ködern.“
„Ist doch gut der Plan oder etwa nicht?“
„Weiß nicht.“
„Ich liebe dich.“
„Das war kein Witz?“ Jetzt wurde Kensi bewusst, dass er nicht mehr grinste oder sonst irgendwelche Anzeichen von Spiel vorhanden waren und ihr ging auf, dass dieses Gespräch sie geradewegs in die Zukunft mit ihm katapultierte. Ihre Beziehung wurde gerade ernster als sie jemals gewesen war und wenn sie es sich genau überlegte, fand sie dies sehr schön.
„Nein war es nicht.“ Seine Augen suchten die ihren.
„Ich ...“ Sie schluckte.
„Kensi...“ Blau versank in Braun.
„Ja?“
„Sag was!“
„Was denn?“ Sie zwinkerte.
„Irgendwas.“
„Ich liebe unsern Plan und dich“, flüsterte sie und dann beugte sie sich zu ihm herüber und verschloss seine Lippen mit einem innigen Kuss.


ENDE
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