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Ihr Lächeln

GeschichteDrama / P18 / Gen
Maxim de Winter
04.06.2015
06.08.2015
5
11.376
 
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Dieses Kapitel
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04.06.2015 2.160
 
Hey!
Ich bin nicht sicher, ob in dieser Kategorie noch irgendjemand wirklich aktiv ist, deswegen freue ich mich umso mehr, dass ihr hier gelandet seit! Diese Geschichte spukt mir schon seit Längerem im Kopf herum und ich habe beschlossen, sie einfach mal hier hochzuladen.
Es wird hier um die Ehe Maxims und Rebeccas gehen, aber später werden die Ereignisse des Musicals wahrscheinlich einbezogen (wenn ich soweit komme^^) Und Achtung, definitiv P18!!!! Wer sowas nicht mag, am besten gar nicht anfangen die Geschichte zu lesen ;)
Ich hoffe, es gefällt euch! Vielleicht lasst ihr mir ja ein Review da ;)
Liebe Grüße!
Eure Mia ^.^



George Fortescue Maximilian de Winter, kurz Maxim, saß in der Bibliothek von Manderley. Er hatte sich tief in den Sessel gedrückt, während er versuchte, sich auf sein Buch zu konzentrieren. Er starrte auf die Worte, die wohl Sätze ergaben, und trank ab und zu einen Schluck aus dem Glas, das er in der Hand hielt. Es war schon sein drittes heute Abend. Er sollte dringend damit aufhören, hinterher wurde es noch zur Gewohnheit. Aber er hatte eindeutig dringendere Probleme als seinen Alkoholkonsum. Er musste immer wieder an seine Frau denken. Seine Ehefrau, die er aus Liebe geheiratet hatte. Das musste man sich auf der Zunge zergehen lassen! Wie hatte er so blind sein können? Und so schrecklich dumm. Er, der er noch nie gutgläubig oder gar naiv gewesen war. Aber diese Frau hatte ihm den Verstand geraubt. Liebe macht blind? Noch nie hatte er ein Sprichwort so sehr nachempfinden können. Wie sehr er sie geliebt hatte, fast schon vergöttert. Bei ihrer Schönheit, ihrem Charme und ihrer Intelligenz war es auch kein Wunder, dass die Männer ihr scharenweise zu Füßen lagen. Er war da keine Ausnahme gewesen. Er hatte an die Liebe geglaubt, das hatte er. Er war nie ein Träumer gewesen, aber Liebe – Liebe konnte doch nicht nur Einbildung sein. Oder hatte er sie nie geliebt, sondern nur begehrt? Er wollte vor Scham verschwinden. Die Wut auf sich selbst nahm ihm jede Ruhe. Und der Hass, der begann, in ihm zu brodeln, beunruhigte ihn zutiefst. Ja, er hatte sie geliebt! Und begehrt, und vergöttert. Und jetzt, was war davon übrig geblieben? Zerbrochene Träume von einer guten Welt und einer schönen Zukunft, mehr nicht.
Er gab es auf und legte das Buch beiseite. Er trank das Glas in einem Zug leer und goss sich ein neues ein. Jetzt war es auch egal, ob er nun zum Alkoholiker wurde oder nicht. Doch... Er hielt inne, als er das Glas gerade an die Lippen heben wollte, und stellte es weg. Es war nicht egal. Der Ruf der Familie. Manderley. Hatte er nicht geschworen, beides zu beschützen? Mit Rebecca hatte Manderley eine ansehnliche Herrin bekommen. Die Renovierungsarbeiten, die seine Frau in Auftrag gegeben hatte, waren schon fast vollendet. Manderley machte mehr Eindruck als je. Maxim und Rebecca wurden von allen bewundert, sie galten schon als das „glücklichste Paar“ Englands. Maxim schloss die Augen, um sich zu beruhigen. Ja. Die Ehre der Familie war wichtiger, wichtiger als sein verdammter Stolz. Aber Verrat war ein furchtbar demütigendes Gefühl. Ja, gedemütigt, das traf es wohl am besten. Wie sollte er sich auch anders fühlen, wenn seine Frau ihn in seinem Haus betrog und er nur tatenlos daneben stehen konnte? Manderley war einmal sein Zuhause gewesen. Er hatte es geliebt, alles daran. Und jetzt schlossen die Mauern sich auf einmal wie ein Gefängnis um ihn. Aber das durfte er nicht zeigen. Niemand durfte davon erfahren. Selbst seine Schwester musste er in dem Glauben lassen, seine Ehe wäre unbeschadet und glücklich. Wie sollte er diesem Teufelskreis entkommen? Gab es überhaupt ein Entkommen? Er hatte eingesehen, dass Rebecca mächtiger war als er. Er hatte keine Angst vor Rebecca, bei weitem nicht, aber er wusste, wenn er geschlagen war. Jede Ermahnung würde auf keinen Erfolg stoßen, Bitten würden sie nur zum Lachen bringen. Ja, sie behandelte ihren Ehemann mit spöttischem und bittersüßen Respekt und sagte ihm in einem Nebensatz, welchen ihrer Liebhaber sie heute Nacht erwartete, und er solle sich doch besser vom Westflügel fernhalten. Falls er aber „mitmachen wolle“, könne er natürlich gern vorbeischauen. Maxim ballte die Hand zur Faust, als er sich an ihre Worte, ihre Stimme, ihren Blick erinnerte. Und dieses Lächeln... Die Wut stieg in ihm hoch. Er warf einen Blick auf die Uhr. Fast zweiundzwanzig Uhr. Er wusste, er würde in dieser Nacht kein Auge zu tun. Seufzend rieb er sich die Augen. Er sehnte sich danach, das alles einfach hinter sich zu lassen. Vielleicht war es ja nur ein böser Traum, und er würde aufwachen neben seiner Frau, die ihn genauso liebte wie er sie... Sofort wies er sich zurecht. Er würde sich keinen hoffnungslosen Träumen hingeben.
Er nahm das Glas wieder zu Hand und starrte in die Luft. Er hatte keine Wahl. Er musste es durchstehen. Wahrscheinlich sein ganzes Leben lang. Bis er starb. Ein höhnisches Lächeln erschien auf seinen blassen Lippen. Auch Rebecca würde älter werden. Ihr Haar würde grau und ihre Haut faltig werden. Ihre Schönheit würde verblassen. Und das war vielleicht der einzige Triumph, den Maxim erreichen konnte. Er wollte gerade trinken, als sich die Tür zur Bibliothek öffnete. Er schloss die Augen. Er hoffte, dass es nur Frith oder Frank war, die irgendetwas von ihm wollten. Aber nein. Selbstverständlich nicht.
„Oh, Max... Trinkst du schon wieder?“, ertönte die samtweiche Stimme seiner Frau hinter seinem Rücken.
„Ich wüsste nicht, was dich das angeht“, sagte Maxim. Nur die Haltung bewahren.
„Das geht mich eine ganze Menge an, meine ich. Schließlich wäre unser beider Ruf in Gefahr, wenn du zum Alkoholiker werden würdest.“
„Du leistest doch hervorragende Arbeit, was das Vertuschen solcher Dinge anbelangt.“
„Natürlich. Aber du musst es mir ja nicht unnötig erschweren, findest du nicht?“
„Warst du nicht verabredet?“, fragte Maxim verächtlich. Rebecca ging um den Sessel herum, in dem er saß, und setzte sich ihm gegenüber. Ihre langen, schwarzen Haare umrahmten ihr schönes Gesicht. Sie trug nur einen dünnen – und durchsichtigen – Morgenmantel, in dem ihre perfekte Figur ausgezeichnet zur Geltung kam. Sie schlug die langen Beine übereinander und sah ihn mit dem Kinn auf die Hände gestützt an.
Sie lächelte. „Oh, er ist schon weg. Es ging recht schnell. Ich glaube, ich werde mich nicht wieder mit ihm treffen, er ist ein furchtbarer Langweiler.“
„Ach, wirklich?“
„Ja, leider, dabei sah er so vielversprechend aus. Es stört dich doch nicht, wenn ich hier bei dir sitzen bleibe?“
„Tu, was du willst“, sagte Maxim und nahm sein Buch wieder zur Hand. Er begann zu lesen, beziehungsweise ließ er seine Augen über die Sätze fliegen, so dass es wenigstens so aussah. Er spürte ihren Blick auf sich ruhen. Ihre Anwesenheit machte ihn nervös. Und so unglaublich wütend...
„Max, bist du etwa immer noch böse auf mich? Hm?“
„Gibt es dazu denn einen Grund?“, erwiderte er und stellte sich genauso unschuldig wie sie.
„Ach, ich kann dich verstehen. Dir ist wahrscheinlich langweilig, nicht wahr?“ Seine Finger krallten sich fast in die Buchseiten, doch er schwieg. Rebecca bemerkte seine Reaktionen wahrscheinlich  und wusste sie bestimmt zu gut zu deuten. „Weißt du, es würde mich nicht stören, wenn du dir auch eine oder sogar mehrere Freundinnen zulegen würdest, wirklich nicht. Gleiches Recht für alle, nicht wahr?“
„Im Gegensatz zu dir besitze ich so etwas wie ein Ehrgefühl“, sagte Maxim gleichgültig.
„Aber ich besitze doch sehr wohl Ehrgefühl“, widersprach Rebecca ruhig. „Schau nur, was ich aus Manderley gemacht habe. Jedermann achtet dich wegen deines Besitzes und deiner Frau. Vielleicht wäre ein wenig Dankbarkeit angebracht.“
„Dankbarkeit?“, wiederholte er und sah sie an. Er war kurz davor, die Beherrschung zu verlieren. „Ich denke nicht daran, dir auch nur so etwas wie Respekt gegenüber zu bringen.“
Rebecca legte den Kopf schief. „Du hast keine große Wahl, fürchte ich. Immerhin sind wir doch das Traumpaar von England, oder nicht?“
Maxim hielt den Mund und wandte sich wieder seinem Buch zu. Er würde es ihr nicht gönnen, dass er in ihrer Gegenwart die Beherrschung verlor.
„Na, wie dem auch sei. Ich denke, ich gehe jetzt zu Bett. Du möchtest nicht mit mir kommen, oder doch?“ Maxim schnaubte. Er hörte sie leise seufzen. Plötzlich hoben zwei Finger sein Kinn an und sie küsste ihn auf die Wange, Gott sei Dank nur auf die Wange. „Wie du willst. Gute Nacht, Maximilian.“
Maxim wartete, bis sie den Raum verlassen hatte und wahrscheinlich außer Hörweite war. Dann sprang er auf und warf mit einem Schrei sein Glas gegen die Wand. Einen Moment stand er schwer atmend da und sah zu, wie sein Drink die Wand hinunterlief. Er läutete nach Frith.
„Wischen Sie das auf“, befahl er tonlos und ließ sich zurück in den Sessel sinken.
„Ist alles in Ordnung, Sir?“
„Wischen Sie das auf und dann verschwinden Sie“, sagte Maxim scharf. Mit einer Verbeugung tat Frith, was von ihm verlangt wurde. Maxim saß da und hatte Rebeccas Lachen in den Ohren.

Maxim saß in seinem Arbeitszimmer hinter dem Schreibtisch. Eigentlich sollte er ein paar wichtige Briefe schreiben, aber er konnte sich nicht konzentrieren. Also saß er da, ein leeres Blatt vor sich, und drehte die Schreibfeder in den Fingern. Sein Blick aus den rot unterlaufenen Augen war glasig. Er hatte seit mehreren Nächten nicht mehr richtig geschlafen. Er war müde, gereizt und und unkonzentriert. Das ärgerte ihn selbst und er versuchte, sich zusammenzureißen. Das schlechte Gewissen gegenüber allen, an denen er seine schlechte Laune ausließ, quälte ihn schon jetzt. In der nächsten Woche würden seine Schwester und ihr Ehemann zu Besuch kommen. Er wollte so unbedingt mit Beatrice reden, doch er durfte nichts sagen. Ein falsches Wort, und alles wäre verloren.
Es klopfte an der Tür. Maxim seufzte und wischte sich kurz über das Gesicht. „Herein. Ah, Frank. Was gibt es?“
Frank Crawley, der Verwalter Manderleys und Maxims bester Freund, blieb vor dem Schreibtisch stehen. „Kann ich kurz mit dir sprechen?“
„Natürlich.“ Maxim lachte. „Was hast du denn, Frank? Du wirkst so nervös.“ Hinter seinem unbeschwerten Getue steckte eine zunehmende Besorgnis. Frank war normalerweise die Ruhe in Person. Aber jetzt wirkte er unruhig und unsicher.
Sein Freund sah ihn an, und sein Blick war beinahe verzweifelt. „Ich muss dir etwas sagen.“
„Was denn?“
„Es wird dir nicht gefallen.“
„Dann bring es schnell hinter dich.“
Frank zögerte lange. Maxim wartete geduldig und hielt seinen Blick auf Frank gerichtet. Der holte schließlich tief Luft. „Rebecca... Deine Frau... Ich habe sie bei etwas erwischt.“
„Wobei hast du sie erwischt?“, sagte Maxim und bemühte sich noch, seine Rolle weiter zu spielen.
„Erwischt ist übertrieben... Eher gehört.“
„Gehört?“
„Ja. Ich... Du weißt doch, ich habe in den letzten Tagen im Haus nachgesehen, ob die Renovierungsarbeiten alle gut gelaufen sind.“
„Ja. Und?“
„Ich war auch im Westflügel“, murmelte Frank. „Und bin dort an dem Schlafzimmer deiner Frau vorbeigelaufen.“
„Frank. Entweder du sagst es mir, oder du lässt es bleiben. Ich werde dir schon nicht den Kopf abreißen. Was hast du gehört?“
Frank räusperte sich. „Deine Frau – und einen Mann. Sie haben... eindeutige Geräusche von sich gegeben.“ Schnell fügte er hinzu: „Das war vorgestern Abend. Fünf Minuten vorher hatte ich mit dir in der Bibliothek gesprochen. Du... Du warst das nicht.“
Maxim blinzelte. Frank starrte ihn ängstlich und besorgt an. Maxim schloss die Augen. „Ich weiß, Frank.“
„Wie... Was weißt du?“
Maxim lachte bitter auf. „Alles, was ich wissen kann. Und mehr als du, nehme ich an.“
„Du wusstest, dass vorgestern ein anderer Mann bei ihr war?!“
„Ja. Und ich weiß auch, wer gestern Abend bei ihr war, und wer heute Abend bei ihr sein wird.“ Er schüttelte den Kopf. „Ich weiß es seit unserer Hochzeitsreise.“
Franks Augen weiteten sich noch ein Stück weiter. „Sie betrügt dich schon die ganze Zeit.“
Maxim nickte, dann vergrub er das Gesicht in den Händen. „Ja. Schon die ganze Zeit.“
„Du musst etwas dagegen unternehmen.“
Maxim sah wieder auf. „Ach ja? Ich bin offen für deine Vorschläge.“
Frank stützte die Hände auf den Schreibtisch und beugte sich zu ihm hinunter. „Du musst dich scheiden lassen!“
„Du weißt genau, dass das nicht geht.“
„Willst du das dein ganzes Leben lang ertragen?!“, rief Frank aus.
„Leise“, wies Maxim ihn zurecht. „Sonst hört dich noch jemand.“
„Max!“
„Was denn? Ich habe kein Wahl, Frank.“ Maxim stand auf und sah seinem Freund in die Augen. „Egal welchen Weg ich gehe, um sie zu stoppen, die Familienehre wäre ruiniert. Ich habe keine andere Wahl, als Rebecca machen zu lassen.“ Er hörte ärgerlich, wie seine Stimme brach, doch was sollte er tun? Wahrscheinlich sah er sowieso aus wie ein menschliches Wrack. „Ich habe keine Wahl“, wiederholte er heiser. „Ich muss das durchstehen. Mein ganzes Leben lang, wenn nötig.“
„Aber...“
„Da gibt es kein aber, Frank“, unterbrach Maxim ihn müde. Er setzte sich und nahm seine Feder wieder zur Hand. „Ich habe einiges zu erledigen.“
Frank sah aus, als wolle er noch irgendetwas sagen, doch dann nickte er nur knapp und verließ den Raum. Maxim sah ihm kurz hinterher, dann begann er endlich, den verdammten Brief zu schreiben.
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