Der litt'sche Stolz oder Die Suche nach dem Dosenöffner

OneshotHumor / P12
Donna Paulsen Harvey Specter Louis Litt
04.06.2015
04.06.2015
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Halli-hallo :)

Dies ist meine allererste FF zu meiner derzeitigen Lieblingsserie und ich bin schon ganz gespannt, ob ich eurer Meinung nach die Figuren einigermaßen so getroffen habe, wie sie im Original sind :)

Die Geschichte spielt etwa zum Ende der dritten Staffel, weicht aber vom Canon ab.

Würde mich sehr über Rückmeldungen von euch freuen!

LG
Tanja

PS: Hier das Cover

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Louis Litt war ein stolzer Mann. Er liebte das Ballett und die Kunst, war ein Tierfreund und perfekter Mentor – in seinen Augen war er einfach ein beneidenswertes Exemplar göttlicher Schöpfung. Er war stolz auf seine Karriere und das Wissen, ein unersetzliches Mitglied der Kanzlei zu sein. Doch mit dieser Ehre kam auch immer die Verantwortung, ein Vorbild – Freund und Helfer – für seine ihm untergestellten Kollegen zu sein. Er wusste, dass es viele gab, die zu ihm aufschauten. Seine Assistentin Norma liebte ihn abgöttisch, das sah er ihr an. Sie würde alles für ihn tun, doch Louis‘ Herz war bereits an eine andere vergeben. Sheila Sazs. Sie war die Verantwortliche für alle Harvard-Absolventen – ob ehemalige oder zukünftige – und hatte so die Macht über neue Talente in ihrer Gewalt, was sie unglaublich sexy machte. Und auch wenn Louis sich nicht gerne auf ewig band, so kam er nicht umhin, zu erkennen, dass es wohl doch an der Zeit war, dieser wundervollen, dominanten Frau die Frage aller Fragen zu stellen. Selbst für diesen noch so unwahrscheinlichen Fall war Louis bereits sein halbes Leben lang vorbereitet gewesen: Im untersten Fach seines Schreibtisches stand ein unscheinbares Döschen – schlicht und aus Aluminium – professionell, fest verschweißt. Darin befand sich ein Ring, den Louis nun tatsächlich zu gebrauchen gedachte.
Die Tür seines Büros war verschlossen und auch wenn die eine Wand komplett verglast war und jeder Hinz und Kunz ihn sehen konnte, fühlte sich Louis in seiner Intimität geschützt. Mit fahrigen Fingern griff er nach der Dose, die kaum größer war als seine Hand. Der Inhalt klackerte nicht, obwohl seine Hand stark zitterte, da der wertvolle, kleine Ring sicher und geborgen zwischen kleinen Schaustoff-Plättchen lag. Diese Art der Aufbewahrung hatte ihm seine liebe Grandma gezeigt, die mit ihren 102 Jahren noch ein erstaunlich abenteuerliches Leben hatte. Als Louis noch ein Kind war, hatte sie ihm erzählt, wie sein Grandpa im Krieg den Schmuck seiner eigenen Eltern vor der Durchsuchung durch die Nazis versteckt hatte. Erst Jahre später – da war er bereits mit seiner Liebsten zusammen – fand er die Dose im Versteck unter der Treppe und benutzte den Ring seiner Mutter, die das Kriegsende leider nicht mehr miterleben konnte, um einen Heiratsantrag zu machen.
Louis‘ Finger glitt zu seinem Telefon und drückte auf einen Knopf, der ihn mit seiner Assistentin verbinden sollte.
„Norma? Ich brauche dringend einen Dosenöffner.“
Doch es kam keine Antwort. Louis versuchte es erneut: „Norma?“
Misstrauisch stellte er das Döschen zurück in die Schublade und schob diese zu, ehe er aufstand und aus dem Büro ging. Normas Platz war leer.
„Wo ist sie denn?“, fragte Louis sich und war wenig begeistert, dass sie ihm diesbezüglich keine Nachricht hinterlassen hatte. Sie wusste doch, dass er immer auf dem Laufenden gehalten werden wollte.
Aber gut. Dann würde er sich jetzt selbst um einen Dosenöffner kümmern. Mit schnellen Schritten ging er in die Küche der Kanzlei.
Mike Ross, Harveys Schoßhündchen mit dem fotografischen Gedächtnis, stand gerade an die Theke gelehnt und trank einen Kaffee. Sein Blick war nachdenklich auf den Boden vor ihm gerichtet.
„Morgen“, sagte Louis kurz angebunden und öffnete eine Schublade. Laut raschelnd durchwühlte er die Küchenutensilien.
„Guten Morgen, Louis. Suchen Sie etwas Bestimmtes?“ Mike stellte seine Tasse mit dem dampfenden Getränk neben sich und musterte seinen Vorgesetzten.
„Ich brauche den Dosenöffner. Wisse Sie, wo der ist?“, fragte dieser und kramte weiterhin in dem Durcheinander aus Pfannenwendern und Grillzangen herum. Wieso zum Teufel hatte eine Kanzlei solche Dinge, wenn der Herd nie benutzt wurde und Grillen aus sicherheitstechnischen Gründen sowieso verboten war?
„Bei Donna auf dem Platz habe ich gestern einen gesehen. Vielleicht liegt er da noch?“ Mike nahm einen weiteren Schluck von seinem Kaffee.
Louis Blick glitt zu ihm. „Wieso sollte Donna einen Dosenöffner auf ihrem Platz haben?“
Mike grinste leicht in die Tasse hinein. „Fragen Sie sie doch.“
Louis Litt ließ sich nicht gerne zum Narren halten, verengte seine Augen zu Schlitzen und presste die Lippen fest aufeinander, ehe er auf dem Absatz kehrt machte. Bevor er aus der Küche trat, drehte er sich nochmal zu Mike. „Haben Sie nichts zu tun oder was? Ich will den Bericht über den Navarro-Prozess bis zehn Uhr auf meinem Schreibtisch liegen haben. Und wehe er kommt auch nur eine Minute zu spät.“
Mike verschluckte sich an seinem Getränk und Louis machte sich diabolisch grinsend auf dem Weg zu Donnas Platz.
Sie war wider Erwarten nicht da.
Hatten die Assistentinnen heute eine Sitzung oder warum waren sie nicht an ihren Plätzen?
Louis‘ Blick glitt über die ausgebreiteten Unterlagen und anderen Dinge, die den Tisch bedeckten, doch der gesuchte Gegenstand war nicht dabei.
Sein Herz blieb kurz stehen, als eine Stimme hinter ihm – zu vertraut und zu herrisch – ertönte:  „Suchst du etwas Bestimmtes?“
Louis wirbelte herum. „Ja, einen Dosenöffner.“
Harvey Specter war aus seinem Büro getreten und zog die Augenbrauen skeptisch zusammen. „Du suchst einen was?“
„Einen Dosenöffner.“ Was war daran jetzt so verkehrt?
„Und wozu?“ Harvey verschränkte seine Arme vor der Brust.
Louis schaute weg. Manchmal hatte er das Gefühl, sein Kollege könnte Gedanken lesen, und das machte ihm Angst, auch wenn er es nie zugeben würde. „Das geht dich nichts an.“
Aber wenn er schon mal hier war, so könnte er doch auch noch was anderes fragen, auch wenn es sicherlich nicht viel bringen würde, so oft wie er das schon versucht hatte. Doch Fragen kostet schließlich nichts, also … „Und dürfte ich Donna für ein paar Augenblicke entführen-“ weil Norma gerade wie vom Erdboden verschluckt ist und ich dringend ein paar Unterlagen brauche, die Donna sicherlich schneller findet als ich, wollte er eigentlich sagen, doch Harveys Blick ließ ihn augenblicklich mitten im Satz verstummen.
„Was willst du mit Donna?“ Das Knurren in seiner Stimme war unüberhörbar.
Louis spürte, wie ihm der Schweiß ausbrach, als Harveys Blick schließlich über seine Schulter wanderte und funkelnd auf etwas hinter ihm haften blieb.
„Was ist mit mir?“ Donnas Stimme ließ Louis herumfahren.
„Nichts.“ Er lächelte gequält. Wenn sie wüsste, dass er wieder hinter ihrem Rücken nach ihren Diensten gefragt hatte, würde sie ihm wieder die Hölle heiß machen, solange Harvey nicht sein Okay gegeben hatte.
Donnas Augenbraue wanderte in die Höhe, als sie zwischen Harvey, dessen Kiefer mahlte, und Louis, der mit großen, verschreckten Augen vor ihr stand, hin und her schaute.
„Wie auch immer“, sagte sie schließlich langsam und ging an beiden vorbei in Harveys Büro. „Ich habe Mike gerade getroffen. Ich hole eben den Dosenöffner, der ist hier drin.“
Harveys Blick war undefinierbar und Louis war sich scher, dass er gleich Feuer spucken würde. Was hatte er nur plötzlich?
„Hier.“ Donnas Hand erschien in seinem Blickfeld, in ihr der heißersehnte Dosenöffner.
Louis‘ Augen blitzten auf. „Danke, Donna!“
Als er sich umdrehte, um so schnell wie möglich in sein Büro zu kommen, bemerkte er, wie auch Donna sich in Bewegung setzte und ihn begleitete.
„Wo willst du hin?“ Harveys Stimme war schneidend und beinah hätte Louis aufgequiekt, als er jedoch begriff, dass nicht er sondern Donna mit der Frage gemeint war.
Diese blieb stehen und schaute ihn kurz fragend an. „Ich habe noch etwas vergessen, zu erledigen. Ich bin gleich wieder da und kümmere mich dann um deine Bedürfnisse.“
Es klang interessant, wie sie das letzte Wort aussprach, fand Louis, doch er versuchte sich die gespitzten Ohren nicht anmerken zu lassen, zumal er weitergehen musste, um nicht aufzufallen. Auch wenn seine Schritte mehr mit Zeitlupentempo zu tun hatten, als mit richtigem Gehen.
„In mein Büro“, knurrte Harvey. „Sofort.“
Louis hörte Donna leise seufzen und hätte am liebsten angehalten und Mäuschen gespielt. Doch das wäre zu auffällig gewesen. Entfernt hörte er nur kurz Harveys Stimme aufgebracht „Hast du ihm etwa unser Ding mit dem Dosenöffner gezeigt?“ rufen, als die Glastür auch schon geschlossen wurde. Wie bitte?
Ein paar Meter weiter blieb Louis schließlich doch noch stehen, legte den Dosenöffner auf die freie Theke neben sich und tat so, als würde er sich den Schuh zubinden, als er einen Blick in Richtung Harveys Büro schweifen ließ. Die beiden schienen eine hitzige Diskussion zu führen, wobei Donna ständig mit den Armen fuchtelte und ziemlich wütend aussah, während Harvey an seinem Platz saß und – Oh. Mein. Gott. Harvey knickte wohl tatsächlich ein!
Nie im Leben hätte Louis gedacht, Harvey Specter mit eingezogenem Schwanz zu sehen und das vor einer Frau. Manchmal hatte man das Gefühl, die beiden wären verheiratet.
Und da schoss die Erkenntnis durch Louis‘ Kopf. Wenn Sheila auch nur halb so dominant war wie Donna – und das war sie allemal – dann sah er sich vor seinem inneren Auge bereits gefügig gemacht und an die kurze Leine gebunden.
Louis schluckte hart. Er genoss seine Freiheit. Einen Louis Litt durfte man nicht einsperren und unterdrücken. Man konnte es nicht. Doch die Ehe – so war doch allgemein bekannt – forderte Opfer.
Und ein gebrochener Louis hatte keinen Vorbildcharakter mehr für seine Junganwälte. Das konnte er nicht mit sich vereinbaren. Sie legten schließlich all ihre Hoffnungen in seine Kompetenzen und Stärken. Nein, ein Louis Litt musste vom Willen her ein freier Mann bleiben. Sheila mochte seinen Körper besitzen, doch den letzten Rest an Eigenständigkeit würde sie ihm nicht rauben.
Louis ließ den Dosenöffner auf der Theke liegen. Er war schließlich ein stolzer Mann.
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