My truest love

GeschichteDrama, Romanze / P18 Slash
James "Flint" McGraw Miranda Barlow / Mrs. Hamilton Thomas Hamilton
03.06.2015
23.07.2015
8
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7
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Ich konnte nicht anders. Eigentlich schlummern so viele anderen Projekte auf meiner Festplatte, noch dazu hatte ich bis vor kurzem nicht einmal erwogen, eine Geschichte zu Black Sails zu schreiben. Doch dann brach die zweite Staffel über mich herein und mit ihr die wunderschöne und gleichzeitig herzzereißende Liebesgeschichte zwischen James McGraw, unserem Captain Flint, und Thomas Hamilton, und plötzlich war meine Muse Feuer und Flamme, James', Thomas' und Mirandas Geschichte näher zu beleuchten. Wer bin ich schon, mich gegen meine Muse wehren zu wollen, und so seht ihr hier nun das Ergebnis.

Hinweis: einvernehmlicher und ausführlicher Sex zwischen Männern

Beta-Leserin: Wie immer meine Schwester Nachtauge, obwohl meine Slash-Antennen hier gewonnen haben! ;)

Ich wünsche euch viel Spaß beim Lesen!


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I: Sehnsucht




Es brauchte nur wenige, prüfende Blicke von Thomas während des Abendessens, um ihr Geheimnis ans Licht zu bringen. Nicht dass sie je vorgehabt hätte, es vor ihm geheim zu halten. Aber erst in der Privatheit ihres Schlafgemachs brachte er die Sache zur Sprache.

„Du hattest ihn, nicht wahr?“

Miranda verharrte in ihrer Bewegung und suchte Thomas' Blick im Spiegel. Er saß in ihrem Rücken auf ihrem Ehebett und betrachtete sie forschend. Als er ihren Blick sah, lächelte er schief. Miranda konnte nicht anders, als sein Lächeln zu erwidern.

„Ja“, antwortete sie und fuhr damit fort, ihre Frisur zu lösen.

„Und war es... gut?“

Miranda wickelte versonnen eine Haarsträhne um ihren Finger. „Sehr“, sagte sie und als die Erinnerung an James' nackten, muskulösen Oberkörper unter ihren Händen, sein Stöhnen, als sie ihn in sich aufnahm, das Gefühl seines Schwanzes in ihr wieder in ihr hochkam, konnte sie ein lustvolles Seufzen nicht unterdrücken. „Sehr“, wiederholte sie.

Thomas ließ sich zurück aufs Bett fallen und fuhr sich mit den Händen übers Gesicht. Er fragte sie nicht oft nach ihren Liebhabern, aber James war anders, wie sie sehr gut wusste.

„Gott“, murmelte er und seine Stimme zitterte vor unterdrückter Erregung. „Ich fürchte, ich bin eifersüchtig, Darling.“

„Eifersüchtig?“ Miranda lachte leise, während sie ihre Haarnadeln zur Seite legte, dann erhob sie sich von ihrem Schminktisch und ging zum Bett hinüber. Sie legte sich neben Thomas und streichelte sein kurzes, blondes Haar.

Langsam ließ er seine Hände sinken und wandte ihr das Gesicht zu. „Ja, eifersüchtig.“

„Ich werde es mir ersparen, zu fragen, auf wen.“ Miranda betrachtete ihren Gemahl zärtlich. Ihre Liebe zu ihm stand völlig außer Frage. Es war eine Liebe, die sie vom ersten Moment an für ihn empfunden hatte und die sich völlig von den Gefühlen unterschied, die sie für die anderen Männer in ihrem Leben hatte.

Thomas seufzte leise. „Er ist wunderschön, nicht wahr?“

Miranda nickte. „Alles an ihm“, sagte sie und zwinkerte Thomas zu.

„Du bist grausam, Miranda!“, warf ihr Thomas mit einem gequälten Gesichtsausdruck vor.

„Ach was. Ich sehe die Blicke, die er dir zuwirft, und das schon vom ersten Moment an. Gib ihm nur noch etwas Zeit, sich seiner Gefühle klar zu werden.“

„Glaubst du?“

„Ich weiß es.“

Thomas nahm ihre Hand und drückte sie dankbar. „Ich weiß nicht, womit ich dich verdient habe, mein Herz.“

Sie lächelte. „Aber ich warne dich: Wenn es so weit ist, werde ich eifersüchtig sein. Zumindest ein wenig.“

„Das ist nur gerecht, denke ich.“ Thomas sah wieder zum Baldachin ihres Bettes. „Falls es irgendwann so weit ist.“

„Du bist doch sonst nicht so mutlos“, schalt Miranda ihn liebevoll.

„Sonst steht nicht so viel auf dem Spiel.“

Der Ernst seiner Stimme berührte Miranda und sie verstand mit einem Mal, wie tief die Gefühle ihres Mannes für den Lieutenant, der seit einigen Monaten in ihrem Haus ein und aus ging, tatsächlich waren. Und das würde die Dinge nicht unbedingt vereinfachen.


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Thomas las den kurzen Brief einmal, dann ein zweites Mal und als er schließlich den Kopf hob und Miranda auf der anderen Seite des Esstisches anblickte, stellte sie mit einem Ausdruck aufrichtiger Sorge ihre Teetasse ab.

„Was ist passiert?“, fragte sie beunruhigt.

„Mein Vater möchte uns heute zum Abendessen beehren.“

Seine Nervosität spiegelte sich auf ihrem Gesicht wider. „Bist du bereit?“

Er zuckte ratlos die Schultern. „So bereit wie es geht. James und ich haben es wieder und wieder durchgesprochen. Vermutlich ist es an der Zeit, ihm unsere Pläne näher zu bringen.“

„Und die... die Sache mit der Amnestie? Hast du mit James darüber gesprochen?“

Thomas senkte den Blick und rührte fahrig in seiner Teetasse. „Nein“, gestand er.

„Dein Vater wird ihn nach seiner Meinung fragen.“

„Ich weiß. Es ist nur... James wird dagegen sein. Und ich bin mir nicht sicher, ob es nicht sogar richtig wäre, wenn er mich davon abbringt.“

„Es ist deine feste Überzeugung, Thomas.“

„Das mag sein. Aber ist es richtig, unsere Pläne aufgrund meiner Überzeugung zu gefährden? Mein Vater wird einer Amnestie nicht zustimmen.“

„Rede mit James darüber“, riet Miranda ihm. „Hol seinen Rat ein. Vielleicht wird er dich überraschen. Und auch wenn nicht, du solltest ihn zumindest vorwarnen.“

„Du hast selbstverständlich Recht.“ Thomas lächelte. „Wie immer. Meine kluge Frau.“

Miranda atmete tief durch. „Dann nimm noch einen Rat von mir an. Entschuldige mich heute Abend bei deinem Vater. Sag ihm, ich wäre aufs Land gefahren oder etwas ähnliches.“

„Warum?“, fragte Thomas überrascht.

„Das weißt du sehr gut, Thomas. Du wirst deinen Vater eher überzeugen, wenn ich nicht da bin. Meine Gegenwart flößt ihm nichts als Verachtung ein.“

„Aber mir flößt sie Selbstvertrauen ein. Ich brauche dich an meiner Seite, Miranda. Dich und James.“

„Ich weiß nicht, ob das klug wäre. Vielleicht wären nur James und du die bessere Wahl.“

„Ich bitte dich, Miranda.“

„Thomas-...“

„Bitte.“

Miranda begegnete seinem Blick unschlüssig, dann nickte sie schließlich zögernd. „In Ordnung.“

„Danke.“ Thomas lächelte befreit. „Ich werde einen Boten zu James schicken.“


°



„Und nun solltet Ihr uns lieber verlassen, Sir!“

Die Worte schienen noch immer unheilvoll im Raum widerzuhallen, als Alfred Hamilton das Haus verlassen hatte. Sie verharrten in ihrer Position, James hoch aufgerichtet und zornbebend, Thomas sprachlos ob der Tatsache, dass jemand es gewagt hatte, seinen übermächtigen Vater des Hauses zu verweisen und Miranda voller düsterer Vorahnungen ob dieses beispiellosen Affronts.

„War ich gerade Zeuge, wie Ihr meinen Vater aus seinem eigenen Haus jagtet?“, fragte Thomas schließlich verdutzt.

James atmete aus und erst jetzt schien ihm zu Bewusstsein zu kommen, was er gerade getan hatte. Verlegen senkte er den Blick.

Thomas streifte seine Perücke vom Kopf und fuhr sich erschöpft durchs Haar. Sein Blick ging ins Leere. „Er wird nun sogleich die Oberbefehlshaber der königlichen Marine unterrichten, ebenso den Sekretär für Kolonialfragen und seine Freunde im Thronrat. Er wird absolut alles tun, um diesen Plan von Grund auf zu vereiteln.“ Thomas sah zu James hoch, immer noch voller ungläubigem Staunen. „Und Ihr steht ab jetzt mit in der Schusslinie.“

„Die Menschen können von Euch sagen, was sie wollen“, antwortete James und erwiderte Thomas' Blick offen, „aber Ihr seid ein guter Mann. Das sollte man offen aussprechen. Irgendeiner muss aufstehen und Euch verteidigen.“

Miranda war sich sicher, dass nur sie das Beben sah, das Thomas bei diesen entschlossenen Worten erfasste. Eine Kaskade unterschiedlichster Gefühle zeichnete sich auf seinem Gesicht ab, von Fassungslosigkeit zu freudiger Erregung, als er sich langsam erhob, ohne James aus den Augen zu lassen. Er umrundete die Tafel, bedächtig, doch ohne Zweifel, und kam vor James zum Stehen. In einer Geste stummer Dankbarkeit legte er ihm die Hand auf die Schulter, unfähig zu Worten, die seiner Gefühle hätten Ausdruck verleihen können. James erwiderte seinen durchdringenden Blick unsicher und voller Verlegenheit, aber gleichzeitig mit einem Verlangen, das Miranda schon immer in seinen Augen zu sehen geglaubt hatte, wenn er Thomas ansah, doch dieses Mal erkannte Thomas es auch. Er trat noch näher an ihn heran. James zuckte zurück und Thomas verharrte sofort in seiner Bewegung. Zaghaft suchte er James' Blick und was immer James in der Tiefe seiner dunkelblauen Augen las, ließ ihn seine Zweifel endlich über Bord werfen. Er kam Thomas entgegen und als sich ihre Lippen berührten, scheu zuerst, dann mutiger, als Thomas seine Hand an James' Wange legte und James seine Arme um Thomas schloss, war es Miranda, bei allem Glück darüber, Thomas' Sehnsucht endlich erfüllt zu sehen, als ob sich eine Schlinge unaufhaltsam um sie alle zusammenzog.



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