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Der Romantik Tod

von Ilarie
GeschichteAllgemein / P12 / Gen
03.06.2015
03.06.2015
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So, hier dann auch mein Beitrag zur letzten Runde des Wettbewerbs Auf das Treppchen und wieder hinunter
Und ich konnte es einfach nicht lassen, Entschuldigung an alle Fans von Romantik. Nachdem ich allerdings immer noch der Ansicht bin, diese nicht schreiben zu können schlagt mich , musste so ein Text früher oder später kommen...



Der Romantik Tod

Caphalor lehnte sich zurück und betrachtete die Gestalt Enoïlas im warmen Schein der Kerzen mit einem leichten Lächeln. Sie hatte sich über ihre Zeichenblätter gebeugt und die langen, schwarzen Haare über die Schulter nach hinten gestrichen, während sie konzentriert die Skizzen vervollständigte und ihrer Abbildung der Kerzen den letzten Feinschliff verlieh. Die Flammen flackerten immer wieder und warfen Schatten an die Wände und auf ihr Antlitz.
»Ist es nicht ermüdend, mir tatenlos zuzusehen?«, fragte Enoïla schmunzelnd und blickte auf, ihre Augen funkelten amüsiert.
»Oh, keineswegs. Ganz im Gegenteil, es ist äußerst interessant. Auch wenn ich mein Talent für die Malerei wohl niemals entdecken werde.«
»Es gibt Albae, die ihre Kunst noch viel schlechter beherrschen. An ihre Talentlosigkeit wirst du niemals heranreichen«, schnaubte Enoïla verächtlich.
»Gibt es die?« Caphalor zog eine Augenbraue in die Höhe.
»Phêmenor«, murmelte Enoïla nur. »Dieser Alb hat rein gar nichts begriffen!«
»Dafür sind seine Werke allerdings erstaunlich erfolgreich und begehrt«, merkte Caphalor trocken an. »Mag es sein, meine liebe Gefährtin, dass du ihm und seinen Gemälden nur deswegen so abgeneigt bist, weil er seinen Wohnsitz in Dsôn bezogen hat?«
»Das ist womöglich ein Grund, aber bei Weitem nicht der einzige. Hast du dir das, was er als ›Kunst‹ bezeichnet, jemals angesehen? Es ist sind grauenvolle Werke! Ganz zu schweigen von den Motiven. Möchte ich Blut und Grausamkeiten sehen, ziehe ich in die Schlacht und schaue mir keine Ausstellungen an!«
Caphalor lachte und versuchte, es mit einem Husten zu überspielen, was ihm mit mäßigem Erfolg gelang. »Nun wird mir langsam klar, weshalb du nicht nach Riphâlgis ziehen möchtest«, schmunzelte er. »Kommt nicht sogar Phêmenor von dort oder erliege ich einem Irrtum?«
»Richtig. Auch wenn er nichts gelernt hat, nicht das Geringste.«
Caphalor schüttelte nur den Kopf. »Dir ist bewusst, dass ich mich der Knochenschnitzerei widme?«, fragte er spöttisch.
Enoïla lachte und legte nun den Stift beiseite. Eine der Kerzen war beinahe vollständig herabgebrannt und sie blies sie aus, bevor noch das letzte Wachs geschmolzen war. Unvermittelt wurde es dunkler.
»Ausnahmen gibt es immer«, erwiderte Enoïla und zwinkerte ihm zu. »Zumal es eine Sache ist, absichtlich Grausamkeiten abzubilden, eine ganz andere jedoch, nur Materialen des Todes zu verwenden und damit Schönes zu erschaffen.«
»Mit dieser Ansicht bist du wohl weitestgehend allein, fürchte ich.«
»Unter den Künstlern Riphâlgis’ durchaus, nicht aber unter all den anderen Albae, die Kunst ähnlich wie ich abseits dieses Strahlarms ausüben.«
»Das erscheint mir fast wie eine Spaltung der Politiker in Gestirne und Kometen«, bemerkte Caphalor. »Ist das deine subtile Art und Weise, mir mitzuteilen, dass bald ein Meinungskrieg unter den Künstlern entbrennen wird?«
»Wenn dies geschehen würde«, murmelte Enoïla und beugte sich über den Tisch zu ihm hinüber, »würde unser Reich gewiss rascher dem Untergang entgegenstreben, als die politischen Spielchen es je bewirken könnten.«
Caphalor lächelte nur und strich durch ihr Haar, das in sanften Wellen über ihre Schultern fiel, als sie sich weiter vorbeugte, dann wanderten seine Finger weiter und liebkosten ihre Lippen. Er zog sie näher zu sich heran und küsste sie leicht auf die Stirn. Enoïla lächelte und spielte mit einer seiner Haarsträhnen, die beinahe denselben Farbton aufwies wie ihre eigenen. Ihre klaren, blauen Augen funkelten und übten eine ganz eigene Anziehung auf ihn aus, der er sich noch nie widersetzen hatte können. Nicht anders erging es ihm nun. Zärtlich strich er über ihre Wange und bewunderte ihr ebenmäßiges Antlitz, dann küsste er sie. Manche mochten meinen, der erste Kuss war stets der schönste, doch dies hier bewies das Gegenteil. Die Gefühle loderten so hell wie bei ihrem ersten Treffen und der ersten Zuwendung ihrerseits und inzwischen war er sich sicher, dass sie niemals ersterben würden. Enoïla war eine besondere Albin, ebenso besonders wie ihre Beziehung – sowohl der Beginn ebenjener, wie all dies nun. Eine so enge Bindung hatte er noch nie verspürt und er würde es wohl auch nicht mehr.
Sie vergrub eine Hand in seinem Schopf und suchte weiter seine Nähe, während ihr Haar nach vorne viel und dicht über den Tisch hing.
Dann durchbrach unvermittelt ein stechender, scharfer Geruch die durchaus romantische Atmosphäre, den Caphalor erst nach einigen Herzschlägen bewusst wahrnahm. Er runzelte die Stirn, dann senkte er entsetzt den Blick und Enoïla schrie auf, als sie die Flammen sah, die an ihrem Haar leckten und es gold-rot umschmeichelten, schön und dennoch zerstörerisch.
»Bei den Infamen!«, entfuhr es Caphalor bestürzt.
Diese Katastrophe konnte jedoch weder er, noch die angerufenen Götter noch aufhalten.
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