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Edda

GeschichteRomanze / P18
Arne Athelstan Björn Lothbrok Lagertha Lothbrok OC (Own Character) Ragnar Lothbrok
02.06.2015
12.07.2019
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Die Gegend in der wir uns schließlich niederließen hieß Hedeby. Ein Dorf wie Kattegat, in einer sehr Hügeligen von Wäldern und Wiesen umringte, schöne Gegend. Lagertha traf dort eine Übereinkunft mit dem herrschenden Jarl, Jarl Sigvard. Nachdem seine erste Frau an einem Fieber gestorben war, hatte er keine neue gefunden, die seinem Rang entsprochen hätte. Lagertha bot ihm an seine Frau zu werden, wenn er im Gegenzug Schutz für Björn bot. Auch das ich und meine Neugeborenen hier friedlich leben durften war eine ihrer Bedingungen.  
Das sie ihm so ein Angebot machte, hatte mich anfangs schockiert, doch die Tage wurden immer Kälter und wir brauchten endlich einen Platz an dem wir sesshaft werden konnten. Es war Lagerthas einzige Möglichkeit sich und uns zu Schützen und dabei auch ihr Ansehen nicht ganz zu verlieren.

Anfangs schien alles so, als würde es ein guter Neubeginn werden. Es wurden Feste gefeiert und bald konnte auch ich wieder mittanzen und trinken, während sich Björn in den Zimmern daneben um die Zwillinge kümmerte. Doch dann wurde weniger Gefeiert und keine Gäste wurden zu Ehren der neuen Frau des Jarls eingeladen.
Irgendwann beschwerte er sich darüber, dass ich als Dienerin nutzlos war, schließlich hätte ich mit den ständig schreienden Kindern genug zu tun. Lagertha nahm mich in Schutz und erklärte Sigvard, dass ich eine Freundin und Vertraute und keine einfache Dienerin war.
Von Tag zu Tag bekam ich mehr Angst vor dem hageren Mann, der Spaß daran hatte meine Fähigkeiten mit meinem nicht vorhandenen Auge zu vergleichen. Ich redete nie wenn er in der Nähe war und bekam ein Gefühl, dass ich lange Zeit nicht mehr gespürt hatte. Ein Gefühl von Unterdrückung. Er mochte mich nicht und ich ihn nicht.
Schließlich zog ich mich in eine kleine Hütte am Dorfrand zurück. Björn half mir dabei sie wieder bewohnbar zu machen und der ein oder andere nettere Dorfbewohner brachte mir Kleinigkeiten vorbei. Die Menschen waren entzückt von den ungleichen Zwillingen, die ich mit mir rumtrug und freuten sich, wenn ich sie mit auf den Markt oder an das Wasser nahm. Trotzdem fühlte ich mich unter den Bewohnern nicht wohl. Ich zog es vor mit meinen Kindern durch den Wald zu spazieren. Björn war die einzige Gesellschaft die ich hatte, denn Lagertha war es schnell verboten worden sich irgendwo, ohne das Wissen ihres Gemahls, aufzuhalten. Natürlich kam sie trotzdem immer wieder bei mir vorbei um sicher zu sein das es mir gut ging.

So schnell wie Liv und Leif heranwuchsen, so schnell wuchs auch Björn zu einem stattlichen jungen Mann heran. Wenn ich ihn nun ansah fühlte ich mich immer Alt, obwohl nicht viele Jahre zwischen uns lagen. Er war noch immer voller Abenteuerlust doch auch ernster geworden. Und stets erinnerte er sich selbst daran, wessen Sohn er war, aus Angst er könnte seinen Vater vergessen. Vielleicht hatte er auch Angst das Ragnar ihn bereits vergessen hatte. Oft saßen wir zusammen und redeten über ihn. Ich war mir sicher, dass er uns niemals vergessen könnte.


„Liv nicht so schnell!“, lachte ich und folgte dem kleinen Mädchen über die Wiese. Leif hielt meine Hand und ließ sich hinterher ziehen. „Leif, hast du deine Füße verloren?“, knurrte ich, woraufhin der Junge nur lachte. Seine bräunlichen Haare waren langgewachsen und Strubbelig. Hätten die Dorfbewohner Arne gekannt, hätten sie sofort gewusst das er der Vater dieses Kindes war. Liv dagegen glich eher mir. Ihre roten Haare hatten eine kräftigere Farbe, doch ihre rauchblauen Augen und die Stupsnase mit den Sommersprossen, glichen meinen.
Ich lachte, denn ich wusste warum sie so schnell rannte. Sie hatte gute Augen, hinter einem Baum hatte sich Björn versteckt und wartete auf uns.
Als sie ihn erreichte sprang er aus dem Gebüsch heraus und schnappte sie, woraufhin das Mädchen in lautes Geschrei ausbrach „Psst… nicht so laut, Liv!“, rief ich und beeilte mich zu ihnen zu kommen. Jetzt wo Leif Björn ebenfalls erkannt hatte wurde auch er schneller „Björn, Björn…“, rief er erfreut und folgte seiner Schwester.
„Na wie geht es meinen kleinen Kämpfern?“, fragte Björn und nahm Leif hoch, „Woah Leif, du bist ja ganz schön gewachsen.“.
Ich lachte und nahm Liv hoch, die ihre Arme zu mir hochstreckte. Beide waren nun bereits vier Jahre alt.
„Niemand wächst so schnell wie du Björn, es reicht jetzt langsam, ich fand es besser als du noch kleiner warst als ich“, murmelte ich lachend, woraufhin mich Björn verschmitzt angrinste. Doch dann wurde sein Gesicht ernster „Was ist?“, fragte ich vorsichtig, doch ich konnte mir denken, was ihn bedrückte.
„Es ist wegen Mutter… er schlägt sie.“, mein Gesicht wurde härter und ich musste mich zusammenreißen um nicht in Wut auszubrechen. „Warum lässt sie sich das gefallen, ich meine sie könnte sich doch wehren?!“. Lagertha war die beste Schildmaid die ich kannte, wie konnte dieser Mann es wagen eine Hand gegen seine Frau zu erheben.
„Sie tut es um mich zu schützen, sie duldet jede einzelne Demütigung“, murmelte Björn, „Ich würde am liebsten weg von hier, aber er lässt mich nicht“.
„Ich weiß…“, gab ich ihm recht „Aber so habe ich es mir nicht vorgestellt als wir Kattegat verlassen haben, ich wollte das meine Kinder ein sichereres Zuhause haben als ich es hatte.“, murmelte ich.
„Früher oder später wird sie sich wehren“, fügte Björn gedankenverloren hinzu. „Bis dahin kümmere ich mich um sie.“ Ich lächelte über seine Worte. Er und seine Mutter standen sich so nahe. „Du bist ein guter Junge, Björn“, sagte ich worauf er verlegen lachte. „Du kannst jederzeit zu mir kommen und mir von all dem Berichten!“
Er setzte Leif wieder ab und nickte. Dann wuschelte er Liv nochmal durchs Haar und war genauso schnell verschwunden wie er aufgetaucht war.


Einige Nächte später wurde ich nachts durch Geräusche vor meinem Häuschen wach. Erschrocken griff ich nach dem Dolch, der am Fuße meines Bettes lag und schlich mich zur Tür, die im selben Moment geöffnet wurde. Erschrocken packte ich den Eindringling und versuchte ihn zu Boden zu stürzten. „Edda!“, vernahm ich Lagerthas Stimme, die versuchte sich aus meinem Griff zu lösen, ohne viel Lärm zu verursachen. „Lagertha, oh, Verzeihung, was machst du hier?“, außer Atmen legte ich den Dolch beiseite.
„Wir haben nicht viel Zeit, zieh dir etwas Warmes an, weck die Kinder und nimm nur das wichtigste mit!“. Beiläufig nickte ich um dann nochmal zu erstarren „Was? Verlassen wir Hedeby?“, schnell machte ich mich daran, was sie gesagt hatte.
„Nur für kurze Zeit. Oder auch für immer… ich weiß es nicht“, es machte mich misstrauisch, dass sie nicht wusste was sie vorhatte. „Wo gehen wir hin?“, fragte ich und verharrte in meiner Bewegung.
„Nach Kattegat, Ragnar braucht unsere Hilfe.“, meinte sie und lächelte, als sie mein strahlenden Blick sah. „Wirklich?“, brachte ich hervor. Ich konnte es kaum erwarten nach Hause zu kommen. „Freu dich nicht zu früh, Jarl Borg hat Ragnar besiegt und Kattegat eingenommen, er und seine Familie sind in die Berge geflohen, er braucht Verstärkung, aber Jarl Sigvard weiß nichts davon.“, erklärte sie in einem Atemzug.
Es waren fast zu viele Informationen auf einmal, doch ich beeilte mich Leif und Liv zu wecken und erklärte ihnen, wir würden einen schönen Ausflug machen, damit sie nicht anfingen zu jammern. Auch wenn es eigentlich keine guten Neuigkeiten aus Kattegat waren freute ich mich von hier weg zu kommen. Ich hoffte nur, dass es allen gut ging.

Doch als ich die berittene Truppe hinter Björn sah, als wir am Waldrand ankamen, verflogen die Ängste wir würden uns in Gefahr bringen. Lagertha hatte es geschafft die meisten Frauen und Männer, die Kampffähig waren auf ihre Seite zu ziehen. Beeindruckt blickte ich sie an.
Ich hob Liv hoch und setzte sie vor Björn, der sie mit der linken Hand fest umgriff. Dann setzte ich Leif auf das braune Pferd, das Lagertha für mich gesattelt hatte und schwang mich hinter ihn um ihn dann mit einem genauso festen Griff zu halten. Mit schnellem Tempo folgten wir Lagertha aus Hedeby in die Nacht hinaus.


Der ritt war zwar anstrengend, doch er weckte eine große Vorfreude in mir, die ich nicht verbergen konnte. Grinsend ritt ich neben Björn her und drückte meinen Sohn fester an mich. Ich versuchte meinen Kindern zu erklären wo wir hin gingen, doch sie waren vermutlich zu jung um zu begreifen, dass unsere Heimat nicht wirklich das kleine Dorf zwischen den Hügeln, sondern ein viel größeres namens Kattegat war. Björn erklärte den beiden voller Stolz, dass sie seinen Vater kennenlernen würden und dass er der bekannteste Mann im Norden war, weil er in den Westen gesegelt war.
Ich lauschte seinen enthusiastischen Worten und erinnerte mich daran, als wäre es eine andere, lang vergessene Zeit gewesen, wie die Sagen, die man sich abends am Feuer erzählte. In Hedeby hatte man sich nichts aus Ragnar gemacht und ihn vor Jarl Sigvard lieber verschwiegen, der eifersüchtig auf seinen Ruhm war und es missbilligte, dass man von seinen Reisen berichtete.
„Denkst du er war nochmal dort?“, fragte ich Björn, der gerade anfing von König Aelle zu erzählen. „Bestimmt, aber ich weiß es nicht sicher. Ich weiß nur das ich das nächste Mal mit ihm segeln werde!“. Lagertha blickte über ihre Schultern auf ihren Sohn zurück und lächelte „Und auch ich würde ihm nochmal in den Westen folgen“, sagte sie, woraufhin Björns Augen zu leuchten begannen.
„Und du Mutter?“, fragte mich Leif und drehte sich, um mich anzuschauen. Ich blickte ihn an und dann Liv „Ich denke das ich vorerst bei euch bleiben möchte“, sagte ich und lächelte beide an.
„Ich will aber auch dorthin!“, protestierte Liv, „Björn nimmt mich mit!“. Leif plapperte seiner Schwester einfach nach und schon fingen beide an sich zu streiten wer nun mit Björn mitkommen durfte und wer nicht.

Plötzlich schreckte ein Pferd auf und Lagertha fuhr zu uns herum „Pssst“. Björn und ich hielten beiden Kindern gleichzeitig blitzschnell den Mund zu und lauschten angestrengt.
Lagertha ritt ein paar Meter weiter und nur einer ihrer Anhänger folgte ihr. Dann ließ sie ihr weißes Pferd wieder stillstehen „Zeige dich Fremder!“, sagte sie laut und selbstbestimmt.
Zwischen den Bäumen kam ein einzelner berittener Mann heraus und blickte sie misstrauisch an „Wo wollt ihr hin?“, fragte er.
Stille machte sich auf beiden Seiten breit und ich wagte es nicht meine Hand von Leifs Mund zu nehmen, dennoch spürte ich das Schwert, dass zu meiner rechten, an meinem Oberschenkel herabhing und war bereit es jeden Moment zu zücken. Auch Björns Griff änderte sich nicht, doch sein Blick wanderte zu seinem Dolch.

„Ich komme um Jarl Ragnar zu helfen“, verkündete Lagertha, „Wir hörten er sei in Not“. Der Mann ließ seinen Blick über unseren Trupp schweifen und nickte schließlich „dann seid ihr hier herzlich Willkommen, folgt mir, ich bringe euch zu seinem Versteck“.
Erleichtert atmeten wir alle aus und folgten dem Mann aus dem Wald hinaus. Ich holte Lagertha wieder ein „Woher wusstest du, dass er einer seiner Männer ist?“, fragte ich verwundert. Lagertha verzog keine Miene „Ich wusste es nicht.“, sagte sie und blickte sich um. Erstaunt blickte ich in ihr entschlossenes Gesicht.


Als die Sonne bereits sehr hoch am Himmel stand erreichten wir auf den Bergen nicht unweit von Kattegat entfernt aber gut versteckt, eine einsame kleine Hütte. Aus der ferne konnte ich nur schemenhafte Umrisse erkennen und aufgeregte Stimmen vernehmen. Was musste nur in ihren Köpfen vorgehen, als sie unsere Truppe bemerkt hatten? Dann sah ich, dass sich eine der Personen mit langsamen Schritten auf uns zubewegte. Ich brauchte keine zwei Augen um an seinem Gang zu erkennen, dass es Ragnar war. Mein Blick huschte zu Björn und Lagertha, die ihren eigenen Blick kaum von ihm lösen konnten. Als sich Lagertha von der Gruppe ablöste und nun gezielt auf ihren ehemaligen Gemahl zuritt, bedeutete ich Björn von seinem Pferd abzusteigen und seiner Mutter zu folgen. Niemand sagte ein Wort und alle waren wie gebannt, was in diesem Moment geschehen würde.
Und obwohl ich zu gerne den beiden gefolgt wäre, hielt ich mich bedacht im Hintergrund und gewährte ihnen diesen Moment des Wiedersehens. Ich konnte es nicht sehen aber ich wusste, dass Ragnar tränen in den Augen hatte, als er seinen ältesten Sohn endlich zurückbekam. Erst als sie sich zufrieden umdrehten und den schmalen Pfad zur Hütte hinauf folgten stieg auch ich mit meinen Kindern vom Pferd ab. Mit beiden an den Händen folgte ich einem teil der Gruppe zur Hütte. Ich wartete davor, bis Lagertha heraustrat und mich rief. Mein Herz pochte aufgeregt, als ich Leif vor mir anstupste, damit er vorwärtslief und die dunkle Hütte betrat. Liv´s festen Griff spürte ich an meinem Umhang.
Es dauerte einen Moment bis sich meine Augen an den dunklen Raum gewöhnten, doch dann vernahm ich die ersten Gestalten. Sie hatten mir den Rücken zugewendet, doch als Lagertha an ihnen vorbeilief und ihnen etwas zuflüsterte drehten sich alle drei um und liefen mit schnellen Schritten auf mich zu. Torstein, Helga und Floki konnten ihre Freude in ihren Gesichtern kaum verbergen. Torstein wollte gerade etwas sagen, als Leif mit schüchterner Stimme ein „Hallo“, von sich gab.
Der Blick des blonden Mannes wanderte zu dem kleinen Jungen, der vor ihm stand und ich bemerkte wie er ungläubig nach Worten suchte. Bevor er meinem Sohn antworten konnte beugte sich Floki kichernd zu ihm „Du, du bist Arnes Sohn!“, gab er fast schon ungläubig von sich. Ich hatte Arne nicht als Kind gekannt, aber ich war mir sicher, dass die Menschen mit denen er aufgewachsen waren, einen kleinen Arne vor sich stehen sahen.
„Keine Angst, kleiner Freund, dass ist Floki, er und ich, wir beide kannten deinen Vater sehr gut“, gab nun Torstein von sich und kniete sich zu Leif herunter. Ich lächelte die beiden dankbar an und wusste selbst nicht was ich sagen sollte, doch Leif hatte es keinesfalls die Sprache verschlagen. „Mein Name ist Leif“, sagte er nuschelnd und blickte den riesigen Mann freundlich an. Ich bemerkte die Regung in Torsteins Gesicht, als er seinen Namen sagte, und als ich endlich auch etwas sagen wollte, drängte sich Liv hinter mir hervor neben ihren Bruder „Und ich bin Liv!“. Floki erschreckte sich so sehr vor dem kleinen Mädchen, dass Helga lachen musste und ihm eine Hand beruhigend auf die Schulter legte. „Zwei?“, gab er ungläubig von sich und auch sein Freund hatte Schwierigkeiten, das Gesehene zu begreifen.
„Ja, es sind zwei, Leif und Liv“, ich viel nun endlich aus meiner starre und legte meine Hände stolz auf die Köpfe der beiden Kinder, „ich bin so froh sie euch endlich vorstellen zu können“.
Ich umarmte Helga und die anderen beiden innig und bemerkte dann, dass sich Siggy auch im Raum befand und jemanden zu sich rief.

Es war Rollo.
Ich konnte den Schock in seinem Gesicht sehen, als er den jungen vor mir sah. Sein aufgeheiterter Gesichtsausdruck schwand und stattdessen konnte spürte ich fast schon, wie sich die Unsicherheit in ihm ausbreitete. Siggy redete kurz auf ihn ein und kam dann auch zu mir, auf ihrem Gesicht ein ehrliches lächeln. „Hallo Siggy“, sagte ich erfreut und auch wir umarmten uns. „Es ist lange her“, meinte die braunhaarige Frau und ich nickte „Und so viel ist geschehen!“, fügte ich hinzu. Sie stimmte mir zu und wir beide beobachteten kurz meine Kinder, die mit Floki und Torstein herumalberten. „Rollo würde deine Kinder sehr gerne kennenlernen“, sagte sie schließlich.
Ich versuchte so gut es ging emotionslos zu bleiben, als ich ihrem Blick zu Rollo folgte, der uns abseits beobachtete. „Es tut mir leid Siggy, aber das kann ich nicht zu lassen“, sagte ich bestimmt und wendete meinen Blick wieder von ihm ab. Zu viele schreckliche Erinnerungen kamen in mir auf, wenn ich ihn ansah. Siggy blieb gefasst und ruhig, „Du wirst es nicht vermeiden können, dass sie sich kennenlernen“.
„Er hat ihren Vater getötet“, flüsterte ich ihr zu, kämpfte jedoch sehr stark gegen meinen Drang es laut hinaus zu schreien. „und er hat keinerlei Bestrafung dafür erlangt!“. Nun veränderte sich auch etwas in Siggys Gesicht und ich war erstaunt wie sehr sie ihn scheinbar liebte. „Oh doch er hat seine Strafe erhalten, du warst nicht hier, du weißt nicht wie schwer es ihm erging. Und ohne ihn würden wir alle hier nicht mehr leben!“. Etwas misstrauisch blickte ich die Frau vor mir an. Es mochte Stimmen was sie sagte, doch es änderte nichts an meiner Meinung zu ihm. Ich wusste nicht wie ich meinen Kindern erklären sollte wer er war. Und selbst wenn ich es ihnen verschweigen würde, würden sie es nicht irgendwann doch erfahren. Unsicher blickte ich zu den zweien, dann nickte ich. Siggy rief Rollo mit einem Handzeichen zu uns. Langsam kam er auf uns zu und blickte mich dabei unschuldig an. „Leif, Liv, kommt ich möchte euch noch die Anderen vorstellen“, sagte ich und die zwei Kinder kamen brav zu mir. Rollo ging auf sie zu und auch er wiederholte sich, als er Leif begrüßte und ebenfalls die Aussage machte, dass er wie sein Vater aussah. Ich schluckte bei seinen Worten, versuchte jedoch mir nichts anmerken zulassen. Rollo sollte selbst entscheiden, was er zu ihnen sagte. Liv, die es scheinbar nervte, dass die Aufmerksamkeit hauptsächlich ihrem Bruder galt, trat einen Schritt auf ihn zu und fragte fast schon beleidigt „Und ich?“ und sah den Riesen vor sich abwartend an. Dieser lachte „Du siehst deiner Mutter ähnlich. Sie ist wie euer Vater eine gute Kämpferin gewesen und eine sehr starke Frau! Ihr könnt stolz sein, sie als Mutter zu haben!“, als er seinen Satz beendet hatte schaute er mich das erste Mal direkt an. Etwas erstaunt nickte ich ihm dankbar für seine Worte zu. Wir beide wussten, dass wir keine Freunde werden konnten, doch ich wusste das ich keine andere Wahl hatte, als zu versuchen das Geschehene zu vergessen.

In diesem Moment tauchte Björn auf, der seinem Onkel freudig auf die Schulter klopfte und dieser ihn stolz betrachtete. Die beiden hatten sich scheinbar genauso vermisst wie Björn und Ragnar. Als ich daran dachte bemerkte ich erst, dass ich ihn noch gar nicht gesehen hatte. Wie er wohl reagieren würde?
„Kommt, folgt mir, ich möchte euch meine Brüder vorstellen!“, rief Björn und nahm Liv und Leif an den Händen und nahm sie mit sich. Neugierig folgte ich ihm in einen hinteren Teil der Hütte, die durch einige aufgehängte Felle von dem vorderen Teil getrennt war. Am Ende saß auf einem Fellbedeckten Stuhl Aslaug mit einem Säugling im Arm, vor ihr standen zwei Jungen, der ältere schien fast so alt wie meine Kinder und musste das Kind sein, das Aslaug in sich trug als sie erstmals nach Kattegat gekommen war.
Björn machte die Zwillinge sofort mit seinen Brüdern bekannt und ich merkte schnell, dass es ihm nichts ausmachte, dass es nicht die Kinder seiner Mutter waren. Er schien sie jetzt schon genauso gern zu haben, wie Leif und Liv. Ich musste fast darüber lachen, wenn ich daran dachte wie sehr ehr Aslaug gehasst hatte, nun sprach er sie sogar höflich mit Prinzessin Aslaug an.
Diese begutachtete meine Kinder, dann wanderten ihre mandelförmigen Augen zu mir und ein breites, einladendes Lächeln machte sich auf ihren Lippen breit „Hallo Edda, ich habe dich nicht vergessen. Ich sehe, du hast zwei Kinder gleichzeitig zur Welt gebracht. Wahrscheinlich war dies der Grund, warum ich nicht sicher war, ob es ein Junge oder ein Mädchen wird“.
Ich kam näher zu mir und senkte meinen Kopf förmlich zur Begrüßung. „Es freut mich das es euch gut geht, Prinzessin Aslaug, auch ich habe euch und eure Vorhersagen nicht vergessen“. Sagte ich und lächelte. Sie wirkte noch immer nicht real und distanziert, doch da sie drei Söhne mit Ragnar hatte, gab es nun keinen Grund mehr ihr nicht zu vertrauen. „Wie ich sehe, habt auch ihr eure und Ragnars Vorhersehung erfüllt.“, ich trat einen Schritt näher und betrachtete das Kind in ihrem Arm. Sie nickte nur und schien sehr stolz „Sein Name ist Sigurd und dies sind Ubbe und Hvitserk“. Ihre Söhne hatten bereits angefangen mit Björn und den Zwillingen zu spielen, ohne sich für mich oder ihre Mutter zu interessieren.


Als ich aus der Hütte heraustrat sah ich Ragnar auf abseits auf einem Stein sitzen. Er schien über den bevorstehenden Angriff nachzudenken. Er hatte seinen Zopf noch immer so wie früher, er wirkte aber älter, jedoch nicht weniger stark. Als ich in seine Richtung lief dachte ich daran wie wir uns vor einer gefühlten Ewigkeit kennengelernt hatten, nach dem Fest, draußen im Dunkeln. Ich musste an die Nacht in der kleinen Hütte im Wald denken und daran wie besitzergreifen und zornig er werden konnte, als er mich beinahe erwürgt hatte. Damals wurden so viele Feste gefeiert, soviel getrunken und wir hatten so viel Spaß gehabt, wir hatten Träume und Ziele. Und ich musste auch an die Menschen denken, an Sigla, sogar an die alte Grimhild und natürlich an Gida, Thyri und Leif.
Dann stand ich neben ihm. Sein Kopf neigte sich kurz zur Seite, dann blickte er wieder geradeaus in die karge Landschaft die sich vor der Hütte erstreckte. „Wo ist Athelstan?“, war das erste, das ich zu ihm sagte. All die Erinnerungen hatten mich erst bemerken lassen, dass eine Person, die noch leben sollte fehlte. „Er ist in England.“, antwortete Ragnar genauso knapp, wie ich die Frage gestellt hatte. „Alleine?“, fragte ich unsicher. Er hatte mir durch meine schwerste Zeit geholfen, ich konnte nicht fassen, dass ich nicht an ihn gedacht hatte. Ragnar schnaufte, „Nein, mit Horik, aber das macht keinen Unterschied. Sie sehen ihn nicht als einen von uns. Das tun nur wir beide.“, Ragnar blickte mich mit seinen blauen Augen an und ich konnte erkennen, dass er sich große Sorgen um seinen Freund machte. „Es ist seine Heimat, er spricht ihre Sprache, er wird wissen was zu tun ist. Du solltest ihm mehr zutrauen!“, sagte ich und lächelte etwas. Ragnar rückte ein Stück und bot mir den Sitzplatz neben sich an. Etwas unsicher blickte ich ihn an, als er dann jedoch fast schon genervt auf den Stein klopfte, setzte ich mich. Sein Blick richtete sich wieder geradeaus „In England hat er mir mein Leben gerettet“.
Zögerlich legte ich meine Hand auf seine Schulter „siehst du, wir werden ihn wiedersehen“, ich lächelte und fügte noch hinzu „und es wird bald sein, denn ich möchte ihm meine Kinder vorstellen!“.
Ragnar grinste und blickte mich von der Seite an „Ich habe die beiden gesehen“, seine raue Stimme hatte einen vertrauten, innigen Ton, „Auf den Pferden, als ihr gekommen seid.“. Ich musste grinsen. Er hatte mich also doch bereits bei der Ankunft wahrgenommen. „Sie spielen mit deinen Söhnen“, sagte ich zufrieden und erinnerte mich an das, was Ragnar kurz nach Arnes Tod zu mir gesagt hatte. Ich hoffe dein Kind und die meinen werden einmal Freunde, so wie Arne und ich es schon als Jungen gewesen waren. Ich schluckte und wischte mir eine Träne aus dem Auge, ich wollte noch immer nicht, dass er mich verletzlich sah. Ragnar drehte sich und betrachtete mich lange. Nicht so intensiv und voller Absichten, wie damals, als wir uns gerade kennengelernt hatten, in seinen blauen Augen, war jedoch Anerkennung und große Zuneigung. Dann hob er die Hand und strich mir sanft eine Strähne aus dem Gesicht. Seine Geste brachte mich zum Lächeln.
„Und nun? Was hast du vor?“, fragte er mich. „Wenn wir uns Kattegat zurückgeholt haben möchte ich mit meinen Kindern bleiben. Wir beide wissen das ich hier hin gehöre!“


Ich hatte mir vorgestellt, wenn ich nach Kattegat zurückkommen würde, würde mich Arne mit seinem verschmitzten Grinsen begrüßen und mich dann vor Freude wild in der Luft herumwirbeln. Ich würde ihm unsere Kinder vorstellen und er würde sie nur stumm, fast schon beängstigt anschauen bis er realisieren konnte, dass es seine Kinder sind. Er hätte sie gewiss geliebt und sie stolz seinen Freunden gezeigt und ihnen abends die lustigsten Göttergeschichten erzählt.
Aber all dies geschah nicht und als ich Kattegat nach einer so langen Zeit wieder betrat, war mir klar geworden, dass dies nur ein Traum, in einer anderen Welt gewesen war. Was mir aber blieb waren die Menschen, die Arne und ich geliebt hatten, mit denen mir die Götter noch etwas mehr Zeit schenkten und unsere Kinder, die ich in dem Ort heranwachsen sehen konnte, der für mich Heimat bedeutete. Ich weiß noch immer nicht welchen Plan die Götter wirklich für mich haben. Vielleicht hatten sie genau diesen Weg für mich vorhergesehen, vielleicht war es aber auch nur ein Zufall gewesen, das mich das Pferd als kleines Mädchen nach Kattegat gebracht hatte.



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Ende...
Für alle die so lange warten mussten, kommt hier mein (vorerst) letztes Kapitel. Ich hoffe es gefällt euch und ihr könnt mein Ende nachvollziehen :)
Natürlich könnte ich bis Staffel 6 immer so weiterschreiben, aber ich habe mir schon lange vorgestellt die Geschichte an dieser Stelle zu beenden. Es hat zwar sehr lange gedauert, aber ich war mir teilweise etwas unsicher was ich noch schreiben soll und was nicht...
Vielleicht folgt ja irgendwann eine Fortsetzung, in der man erfährt was aus Eddas Kindern wird ;)
Danke für die vielen, netten Reviews, Nachrichten, Favoriteneinträge und eure Geduld, ich hätte niemals erwartet das meine Geschichte (die ich tatsächlich bereits 2015 begonnen habe ) so gut ankommt :)
Lg Ginger <3
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