Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Carpe Noctem

von Sirkka
KurzgeschichteFantasy / P16
02.06.2015
02.06.2015
1
3.129
 
Alle Kapitel
1 Review
Dieses Kapitel
1 Review
 
 
 
02.06.2015 3.129
 
Carpe Noctem  
 

Kurzbeschreibung: "Sie sind der Inbegriff der Gothic Novels und Schauergeschichten, ein Symbol für all das, was uns Angst einjagt und doch gleichzeitig auf morbide Weise fasziniert: Vampire“. (Zitat: Projekteinführung von AuctrixMundi). Mein Beitrag zum Projekt „Blutengel“ von AuctrixMundi,  in dem es mal nicht um kuschelnde Glitzerkugeln mit kalter Haut geht. Denn die Welt ist voller dunkler Gestalten und das ist einer ihrer Geschichten. Hier der Link dazu:  http://forum.fanfiktion.de/t/26475/1

Raiting: P16, da die noch zu sanft für P18 ist…

Heyho Folks,

da bin ich mal wieder. Dieses mal mit einem Beitrag zum Projekt "Blutengel" der von AuctrixMundi gestartet wurde. Ursprünglich war das Projekt mal ein Wettbewerb und die Idee hat mich einfach nicht losgelassen - vor allem durch das Zitat, sodass ich innerhalb weniger Stunden etwas zusammen hatte. Hat nur etwas lange gedauert, weil ich mit dem korrigieren immer so geschludert habe... Und damit möchte ich mich herzlichst bei Leviathan, Rona und Anders bedanken, die meine nervigen Krisen beim Schreiben und danach ausgehalten haben. Ihr seid super <3
Gerne dürft ihr nach dem Lessen auch Kritik hinterlassen- ich würde mich sehr drüber freuen :D
Und nun wünsche ich euch viel Spaß beim Lesen.



Carpe Noctem  
 


Rhythmisch bewegte sie sich im Takt der Musik. Mit geschlossenen Augen lauschte sie der Musik und tanzte, als sei sie nicht von dieser Welt. Der düstere Sound der Musik klang wohltuend und vollendet. Ein Versprechen auf mehr. Sie spürte den Bass unter ihren Füßen und in ihrem Magen. Bescherte ihr ein wohliges Gefühl. Sie fühlte sich frei. Unendlich.

Sie schlug ihre Augen auf, als das Lied wechselte und sah sich um. Ihre Kehle brannte und ihr Atem ging schnell. Hatte sie tatsächlich so extrem abgefeiert? Geschickt bahnte sie sich einen Weg durch die tanzende Masse zur Bar. Schnaufend ließ sie sich auf einen der Hocker fallen und sah zu dem Barkeeper. „Einen Whiskey on the Rocks, bitte“, rief sie über die laute Musik hinweg und legte einen 5€-Schein auf die Theke, als der Mann ihr das Glas auf einen Bierdeckel stellte.

Sie stürzte das Getränk herunter und räusperte sich kurz. Das leichte Brennen des Whiskeys wirkte angenehm in ihrer Kehle. „Hey, Schöne“, erklang es plötzlich neben ihr. Erschrocken sah sie auf. Helle, weiße Augen starrten in ihre und sie wich zurück. Ihr Atem stockte kurz, ehe sie sich wieder beruhigte und ihn ansah. Viele hier in diesem Club hatten solche Augen. Kein Wunder, immerhin bekam man solche Kontaktlinsen*  zu Hauf im Internet. Sie selbst trug welche.

Der Fremde vor ihr lächelte leicht. „Darf ich dich auf was zu trinken einladen?“ Die Stimme wirkte melodisch, samtig. Wie dunkler Samt, der sich um einen legte und wärmt. Sie fühlte sich benommen und registrierte nur entfernt, dass die Stimme einen leichten russischen oder anderen osteuropäischen Akzent trug. „Hm? Klar“, murmelte sie leise und schüttelte ihren Kopf, um die Benommenheit los zu werden. Der Mann lächelte nachsichtig und bestellte irgendetwas in einer Sprache, die sie nicht kannte.

Kurze Zeit später stand das nächste Getränk vor ihr und sie prostete dem Fremden neben ihr zu, ehe sie die klare Flüssigkeit herunterkippte – und beinahe wieder ausspuckte. Hustend stellte sie das Glas ab und krallte sich an die Theke. Sie hörte den anderen neben sich leise lachen. „Was zur Hölle war das?“, rief sie und sah ihn an. „Russischer Wodka“, grinste der andere Unschuldig und sah kurz zu Decke, als würde er auf etwas lauschen. „Ich mag das Lied. Lass uns tanzen.“ Damit zog er sie hoch und zur Tanzfläche.
          
Seine Hände lagen auf ihrer Hüfte. Sie konnte ihn in ihrem Rücken spüren, als sie sich im Takt der Musik bewegten. Gänsehaut überzog ihren Körper. Nebel breitete sich aus. Blaues Licht tanzte durch die Dunkelheit und gab allen einen surrealen Touch. Der Fremde hinter ihr zog sie näher an sich. Sie konnte alles spüren. Seine Lippen berührten ihren Hals. Ein wohliger Laut entwich ihren Lippen.

Sie hörte abwesend, wie das Lied erneut wechselte. Sich auf den Takt der Musik konzentrierend, löste sie sich von ihrem Tanzpartner und begann einen eigenen Tanz. Einen Tanz aus Rhythmus, Leidenschaft und Sex. Sie konnte den Anderen nah bei sich spüren und schaute ihn durch halbgeschlossenen Augenlider an, leckte sich über die Lippen.

Enjoy the night, lick the blood from our holy hands
 

Unbewusst lächelte sie, als sie sich auf den Text konzentrierte. Sie liebte die Nacht. Ja, lebte dafür. Nur in der Nacht fühlte sie sich frei. Und Blut… Es war der Sinn des Lebens, ohne Blut gäbe es sie nicht. Gäbe es niemanden. Zufrieden schloss sie die Augen.

You’re something special and it’s time to understand
Don’t feel insecure, there’s no way back
Darkness is your friend and your friends wears black*1


Schlagartig öffnete sie ihre Augen und sah den Fremden vor sich an. Erst jetzt fiel ihr seine Kleidung auf. Schwarze Hosen, T-Shirt und einen ledernen Mantel, der bis zum Boden herabreichte. Schwarz. Wie die Dunkelheit. Wie das, was sie genoss.  Mit einem Lächeln winkte sie ihn zu sich, tanzte ihn an. Ihre Hände wanderten über seine Brust. Herab an den Oberschenkeln, während sie in die Hocke ging. Sie richtete sich auf. Drehte sich um den Anderen herum. Ihr wurde schwindelig und warm. Heiß. Schon lange hatte sie nicht mehr so getanzt.

Tief sah sie in diese weißen Augen. Hörte nur noch seine Stimme. Die Stimme, die melodisch auf sei einredete. Ihr sagte, sie sollte mitkommen. Die Augen nahmen einen glasigen Schein an. Ihre Haut leuchtete bleich in den blauen Lichtblitzen. Sie registrierte nicht, dass bleiche, kalte Hände sie mitzogen. Nach hinten. Raus aus dem Club. Hinaus aus der sicheren Umgebung. Rein in die Schwärze und in die Nacht. Dorthin, wo sie sich wohlfühlte.

Hart wurde sie gegen die steinerne Wand einer Hausmauer gestoßen. Schmerz durchzog ihren Rücken, holte sie aus der Benommenheit. Verwirrt sah sie sich um. Noch immer hörte sie die Musik aus dem Club schallen. Sie konnte nicht weit weg sein, vielleicht zwei Straßen oder Häuser weiter. Vor sich sah sie wieder den Fremden.

„Was zur Hölle soll das?! Warum hast du mich hierher geschleppt? Sag mal tickst du nicht mehr ganz richtig?“, rief sie entzürnt und stieß ihn weg. Das war es, was sie vorgehabt hatte. Aber der Stoß hatte gar nichts bewirkt. Er stand dort, einer Statue gleich. Er wurde nur vom Mond angeschienen und das machte ihn unheimlich. Spöttisch lächelte er über ihren Versuch. Erschrocken starrte sie von seinen Mund zu den Augen und wieder zurück. Zähne, die aus dem Oberkiefer herausragten. Spitz, lang, tödlich. Wie Dolche.

Bleich sah sie in seine Augen. „Du wirst nicht weglaufen. Du wirst nicht um Hilfe schreien. Du wirst mir gehorchen. Nur mir“, befahl er kalt. Stählern bohrte sich sein Blick in ihren. Schaudernd sah sie ihn an. Wie eine Decke legten sich die Worte über sie. Sie nickte und sah ihn mit leerem Blick an. Alles in ihr schrie. Schrie danach, dass sie weglaufen solle. Das sie um Hilfe schreien solle. Doch ihr Körper wollte ihr nicht gehorchen.

„Übrigens, meine Name ist Azrail“, raunte er und trat direkt vor sie „Merke ihn dir. Du wirst ihn heute noch schreien. Merke ihn dir. Denn es wird der letzte Name sein, den du hören wirst.“ Er griff in ihren Nacken und zerrte sie zu sich. Hart presste er seine Lippen auf ihre.

Take my hand Come back to the land Let’s get away


Sie spürte seine Lippen auf ihren und keuchte auf. Stöhnend krallte sie ihre Fingernägel in seine Schulter, auf der Suche nach Halt. Hungrig erwiderte sie den Kuss. Völlig berauscht von dem Gefühl. Er drückte sie gegen die Wand. Seine Hände wanderten über ihren Körper. Kalt, steinern, begierig.

Let me hear you speaking just for me


Ihr Rock wurde nach oben geschoben. Hart spürte sie die Wand in ihren Rücken. Sie schlang ihre Beine um seine Hüfte. Langsam öffnete sie seinen Gürtel, spürte seine kalten Finger an der inneren Seite ihrer Oberschenkel. Immer höher wandernd.

Let me hear you crying just for me


Keuchend drückte sie sich näher an die Finger. Sie wollte ihn spüren. Überall. Ihre Haut brannte, wo er sie berührte. Erfreut stöhnte sie auf, als sie seine Länge an ihrer Mitte spürte. Seine Fingernägel gruben sich hart und tief in ihr Fleisch.

You’re breathing in fumes I taste when we kiss


Lustvoll schrie sie auf, als er sich in ihre heiße Enge versenkte. Es schmerzte und es interessierte sie nicht. Hart und schnell bewegte er sich. Stieß sie die Wand hoch- wieder und wieder. Ihr Rücken scheuerte an den Steinen auf. Es interessierte sie nicht. Alles, was es für sie gab war er. Diese weißen, kalten Augen. Das Gefühl von ihm in ihr. Die kalten Finger auf ihrer Haut.

Let me see you stripped down to the bone


Hart durchstießen seine Zähne die empfindliche Haut an ihrem Hals. Sie wimmerte leise. Ihr gesamter Körper brannte, innerlich wie äußerlich. Die Lust brannte in ihren Adern. Und sie kam, als er den ersten Schluck nahm.

Let me hear you crying just for me* 2


Schlaff hing sie in seinen Armen, während er weiter in sie stieß. Weiter von ihr trank. Sie keuchte und wimmerte, als die Lust ein zweites Mal in ihr aufwallte. Und sie schrie, als er sie ruckartig komplett von ihr zurückzog. Erschöpft fiel sie auf den Boden. Blut lief in Rinnsalen aus den Wunden an ihrem Hals. Mit traurigen Augen sah sie zu ihm auf. Sie wollte ihn. Noch einmal die Welle der Lust und Zufriedenheit erleben.

Brutal riss er sie nach oben. „Ich will spielen“, murmelte er und es wirkte beinahe als schmollte er. Verwirrt blinzelte sie und sah nur seine kalten Augen. Sie schüttelte den Kopf, das hatte sie sich nur eingebildet. „Du wirst rennen. Renn vor Angst. Renn um dein Leben“, befahl er ihr und ließ sie los.

Das brauchte sie kein zweites Mal hören. Sobald er sie losgelassen hatte, rannte sie. Panisch vor dem Wesen, welches sie verfolgte. Kein Erinnern mehr daran, was gerade noch geschehen war. Tränen bildeten sich in ihren Augen. Aus der Ferne hörte sie ein kaltes Lachen. Erschrocken fiel sie auf die Pflastersteine.

Sofort sprang sie auf und lief weiter. Barfuß. Die spitzen Steine bohrten sich in ihre Haut. Ihre Hände waren aufgeschürft. Keuchend rannte sie weiter. Die Lungen brannten. Doch sie konnte nicht anders. Würde sie pausieren, würde er sie kriegen. Würde sie auch nur einmal stoppen, um Luft zu holen, sie wäre tot.

Immer wieder erklang das Lachen. Kalt, einschüchternd, mörderisch. Mal war es näher, mal weiter weg. Sie fühlte sich immer wieder beobachtet. Tiere starrten sie an. Die Schatten wurden länger, so schien es ihr und griffen mit knochigen Händen nach ihr. Doch sie konnte nicht schreien. Schnell schlugen ihr Füße auf den Steinen auf, brachten sie weiter weg vom Club.

Orientierungslos rannte sie weiter. Hauptsache weg. Panik beherrschte ihren Körper. Alles, woran sie noch denken konnte, war die Flucht. Abwesend sah sie nach rechts. Der städtische Friedhof. Die Gräber schienen im Mondlicht. Die Bäume tanzten in dem leichten Wind. Schatten bewegten sich kreuz und quer. Und dort stand er. Grinste sie an. „Renne“, rief er ihr zu, bevor er zwischen den Bäumen verschwand.

Sie gehorchte. So wie er es befohlen hatte. Sie rannte und rannte und rannte. Die Stimme verfolgte sie weiter. Immer und immer wieder fiel sie zu Boden. Schürfte sich mehr und mehr auf. Das Blut, dass noch immer in kleinen Rinnsalen an ihrem Hals herunter lief Ihre Beine schmerzten und sie konnte nicht mehr. Die Tränen verschleierten mehr und mehr ihre Sicht. Sie konnte kaum noch sehen. Nichts mehr erkennen. Und immer war da dieses Lachen, dass sie trieb. Weiter und weiter. Weg von der Sicherheit der Stadt.

Sie wusste nicht, wie lange sie gerannt war. Wie weit. Keuchend stolperte sie und blieb liegen. Sie konnte nicht mehr. Sie wollte nicht mehr. Wie lange wollte er sie jagen? Wie lange sollte dieser Alptraum noch weiter gehen? Alles in ihr schrie danach, weiter zu rennen, zu flüchten. Doch sie konnte nicht mehr. Ihre Beine trugen sie nicht mehr. Zitternd schlang sie die Arme um die Knie. Sie wollte weg. Wann würde das endlich Enden? Es musste einfach enden.

„Tztztz“, erklang es über ihr. „Ich sagte doch, du sollst rennen. Warum könnt ihr nie auf einen hören?“ Weinend sah sie auf und sah verschwommen Azrail vor sich stehen. Er wirkte wie ein Engel. Doch das Blut schwächte diesen Eindruck. Es tropfte langsam von seinem Kinn herab. Ein Blutengel. Traumhaft schön und doch tödlich. Bitter schnaubte sie auf. Sie hatte die Dunkelheit geliebt mit all ihren Facetten und Mythen. Nun hasste sie sie.

„Ihr Menschen seid so armselig und jämmerlich“, ätzte er. „Kaum wirft sich euch jemand an den Hals, gebt ihr nach. Ihr wisst innerlich was ihr vor euch habt und doch könnt ihr nicht widerstehen. Ihr seid nichts weiter als eine Welt die mit ihren Verführungen und Taten an ihren Selbstmord denkt.“ Er ging in die Knie und griff nach ihren Haaren. Mit einem Ruck zog er ihren Kopf nach hinten und es knackte. „Du bist ein ziemlicher Leckerbissen, Süße. Du solltest dich geehrt fühlen, dass ich dich vorher gevögelt habe. Das tue ich nicht bei jedem.“ Er lächelte sie an. Es wirkte wie eine Grimasse. Spöttisch, pietätlos und kalt.

Gänsehaut breitete sich über sie und ein Schauer rann ihr den Rücken herab. „W- Was?“, fragte sie bleich. Schallend lachte er auf und warf den Kopf nach hinten. „Ahh, du bist so köstlich amüsant. Mhm.. köstlich, wahrhaft ein Leckerbissen. Dabei habe ich nicht einmal Hunger. Schade, dass du so schnell aufgegeben und dich meinen Befehlen widersetzt hast. Ich hätte dein Ende schön machen können. Wobei.. wenn ich es mir recht überlege - wohl eher nicht. Ich liebe die Jagd. Die Angst, die euch kleine, niedere Geschöpfe befällt, wenn ihr meinesgleichen seht. Ich liebe den Geruch des Blutes, wenn ihr fallt, weil ihr zu dämlich seid. Ich liebe den Geschmack, wenn euer süßer Lebenssaft meine Lippen benetzt“, hauchte er ihr ins Ohr und näherte sich ihren Hals.

„N-Nein, b-bitte n-nicht. Ich.. Ich tue alles… w-was du willst“, würgte sie zwischen den Schluchzern hervor und sah ihn panisch aus den Augenwinkeln heraus an. „Oh nein, Süße. Dafür ist es wahrlich zu spät… Du hast mich verärgert, jetzt lebe mit den Konsequenzen.“ Er sah ihr in die Augen. „Leg dich hin und bewege dich nicht. Was auch immer ich gleiche tue, es wird der schlimmste Schmerz deines Lebens sein. Du wirst dir wünschen, dass du tot seist. Du wirst dir wünschen, dass du mir nie begegnet wärst. Du wirst dir wünschen, dass du nicht die Nacht hattest fühlen wollen. Und kurz, bevor es so ist, werde ich dir vielleicht diesen Wunsch erfüllen.“

Sie erschauderte. Tränen liefen ihren bleichen Wangen herab. Verschmierten das mühsam aufgetragene Make-Up. Alles in ihr schrie. In Gedanken ratterte sie Gebete herunter. Es sollte enden. Widerwillig legte sie sich auf den Rücken. Sie wollte sich wehren, doch es ging nicht. Die Kraft des Vampirs war zu mächtig. Der Zwang zu stark. Genüsslich leckte Azrail sich über die Lippen, ehe er ihre Beine mit Gewalt spreizte. „Du weißt doch. Der schlimmste Schmerz deines Lebens“, grinste er sadistisch, ehe er sich herab beugte und in die Innenseite ihres Oberschenkels biss. Sie schrie.

Ihre Welt stand in Flammen. Der Schmerz brannte sich durch ihren Körper. Fraß sie von innen auf. Sie schrie und schrie. Mit jedem Schluck, den er nahm wurde der Schmerz schlimmer. Ihre Augen starrten weit aufgerissenen in den Himmel. Sterne funkelten, der Mond schien auf sie herab. Sie konnte kaum noch Atmen. Die Schluchzer nahmen ihr die Luft dazu. Die quälende Angst und der Schmerz lähmten sie.

Bilder tauchten in ihrem Kopf auf. Verursachten ihr Kopfschmerzen. Der Druck war stark. Sie riss die Arme nach oben, wollte das er weggeht. Ihre Adern fühlten sich ausgedörrt an. Als würde sie verdursten. Das Gefühl zu ersticken wurde stärker. Sie schnappte nach Luft, bäumte sich auf.

Lachend stand er auf und sah auf sie herab. Plötzlich verschwanden die Bilder aus ihrem Kopf. Doch der Schmerz blieb. Sie wimmerte und sah ihn an. „Du schmecktest so gut. Schade, dass ich dich nicht länger behalten kann“, lächelte er süffisant. „Ich will, dass du mir sagst, wo deine Familie lebt. Ich möchte ihnen zeigen, was mit ihrer Tochter geschehen ist.“ Panisch schüttelte sie den Kopf, als sie die Worte verstanden hatte. Doch erneut war der Zwang zu groß. Und so nannte sie ihm die Adresse. Wissend, dass sie damit ihre Eltern ins Verderben und in den Tod gestürzt hatte.

Mit leeren Augen sah sie ihn an. „Nun denn.. Willst du, dass ich es beende?“, fragte er trügerisch sanft und strich ihr über die verschwitzte Stirn. Langsam nickte sie. Es war alles, was sie noch wollte. Der Alptraum sollte enden. In diesem Moment würde sie den Tod lieben, denn es war das einzige was ihr noch Gnade und die Freiheit versprach. „Gut, aber du wirst noch mal dasselbe durchmachen, wie gerade eben. Und dieses Mal will ich, dass du nicht schreist“, befahl er und vergrub seine Zähne in ihrer Brust. Und damit explodierte ihre Welt erneut in Schmerz.

Hart krallte sie ihre Fingernägel in ihre Stirn. So tief, dass es zu bluten Anfing. Sie biss sich die Lippe blutig und wimmerte. Irgendwann nahm der Schmerz ab. „Und vergiss nicht, wir sehen uns in der Hölle. Merke dir meinen Namen. Merke dir, was ich, Azrail, mit dir angestellt habe. Denn für dich, wird es niemals enden.“ Unklar nahm sie die Wort war, ehe sich die Dunkelheit immer mehr ausbreitete. Und dann wurde sie von der Dunkelheit verschlungen und spürte nichts mehr. Sie war tot. Schlaff und blutend lag sie in den Armen Azrail‘, der erst jetzt von ihr abließ und auf sie herab starrte. Ein beinahe schon trauriges Lächeln glitt über seine Lippen. Leer und stumpf starrten ihre Augen in Richtung Himmel. Die Sterne funkelten im Mondlicht. Schnaubend erhob er sich mit ihr in seinen Armen und sah hoch. Kleine Tropfen fielen auf sein Gesicht herunter. Es hatte angefangen zu regnen. Wie passend. Und wieder einmal blieb nichts außer endloser Stille und dieser unstillbaren Gier. Denn das war es, was über ihn regierte. Diese schändliche, unendliche und ewig unstillbare Gier.

* Das sind die Kontaktlinsen Azrail
http://files.rakuten.de/c0c08920eee6f233c8f7e11244b1dc4f/images/100556921_566141.jpg
Den Namen Azrail habe ich von dem Namen des gefallenen Engels Azazel abgeleitet.

*1 Die Lyrics von Blutengel – The Lost Children

*2 Die Lyrics von Shiny Toy Guns – Stripped

Manchen ist vielleicht auch das ein oder andere weitere Zitat, bzw. abgewandelte Zitat aus zwei Musicals aufgefallen. Diese stammen aus den Musicals Elisabeth und Tanz der Vampire.


So, das war es auch schon wieder.. Ich hoffe euch hat der OneShot gefallen =)
Review schreiben
 
 
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast