Music in their veins

von Arzani92
GeschichteAllgemein / P16 Slash
Ben Beckman der Rote Shanks Lucky Lou Shakuyak "Shacky" Yasopp
31.05.2015
20.08.2019
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13.06.2015 2.570
 
Album: Dawn
Artist: Red Force
Track 1: This sounds like a pirate's life

The first time I saw the sea
there was a deep joy inside of me
I never assumed the waves to be my home
but now I know I can’t live without those
blue pearls which are so precious to me
like you are.
Like you are.
Like you are so precious to me
because you showed me the love for the deep blue sea.


- 1. Strophe -


Glücklich lächelnd ließ sich Yasopp noch ein paar Minuten die wärmenden Sonnenstrahlen aufs Gesicht scheinen, dann streckte er sich und schlug seine Bettdecke zurück. Es war lange her, dass er so friedlich, erholt und ausgeschlafen aufgewacht war und er genoss das Gefühl in vollen Zügen. Ihm war bewusst, was für ein kostbares Gut erholsamer Schlaf war und ihm graute jetzt schon davor, in drei Wochen jeden Tag in einem anderen Bett aufzuwachen. Oder eben im Tourbus zu schlafen. Nicht, dass er sich deswegen diese unglaubliche Chance entgehen lassen würde, aber an die unbequemen, quälenden Nächte wollte er wirklich nicht denken. Nicht, wenn er grade so gut geschlafen hatte.
Kurz fiel sein Blick auf den schwach leuchtenden Wecker, den er auf seinem Nachttisch stehen hatte und erstaunt bemerkte er, dass er, dafür dass er erst nach zwei Uhr ins Bett gekommen, doch ziemlich früh aufgewacht war. Wahrscheinlich würde der Rest der Mannschaft noch schlafen … naja, außer Ben. Der hatte die seltene Gabe, immer um spätestens acht Uhr aus den Federn zu sein und trotzdem nicht müde zu wirken. Manchmal beneidete Yasopp ihn ja ein bisschen darum, dann wischte er den Gedanken aber wieder weg. Ben war ein Meister darin, solche – für ihn belanglosen –Dinge wie Schlaf oder Müdigkeit nicht zu erwähnen. Wahrscheinlich war der Bassist öfter dem Zustand nahe, dass ihm die Augen zufielen, als der ganzen Band bewusst war. Manchmal war er eben einfach unmöglich.
Doch mit einer komisch anmutenden Handbewegung, die fast danach aussah, als würde der Gitarrist eine Fliege verscheuchen wollen, wischte er die leicht nagenden Gewissensbisse weg und war im nächsten Moment froh, dass ihn keiner gesehen hatte. Das hatte bestimmt komisch ausgesehen.
Nun, da er schon mal wach war, konnte er die Zeit auch sinnvoll nutzen. In seinem Fall hieß das, sich seine Gitarre schnappen und ein bisschen rum zu klimpern. Immerhin war das ja wohl inzwischen sein Job. Wenn man es nüchtern betrachtete, zumindest.
Ein leichtes Grinsen schob sich auf sein Gesicht, dann stieg er rasch in seine Klamotten, ging am angrenzenden Bad vorbei, ohne es zu beachten und schlich die Treppe zum Proberaum runter.

Er versuchte so leise wie möglich zu sein, wollte seine Freunde nicht aufwecken und eigentlich nur seine Gitarre hohlen, um sich dann raus zu setzen. Der Tag war wunderschön und die Sonne leuchtete in einem sanften Strahlen. Als er jedoch den Proberaum betrat und sein Blick auf das Sofa fiel, stockte er kurz und konnte sich das spitzbübische Grinsen absolut nicht verkneifen. So wie es aussah, war Ben doch noch nicht wach. Ebenso wenig wie Shanks. Denn diese lagen beide, eng umschlungen, auf dem Sofa. Nackt.
Kurz fragte sich Yasopp, wie die Beiden es schafften nicht herunterzufallen, denn ein 90cm Bett war breit, im Gegensatz zu dem Sofa, dann schüttelte er den Kopf, schnappte sich die leichte Decke, die über dem Sessel hing und deckte das Pärchen zu. Beide atmeten leise und wirkten selig in ihrem Schlaf.
Erneut musste der Schwarzhaarige schmunzeln und betrachtete die beiden Männer noch kurz, bevor er leise an ihnen vorbei ging, seine Akustikgitarre aus ihrer Halterung befreite und locker in einer Hand hielt. Dann öffnete er noch ein Fenster, damit Luft in den stickigen Raum kam und schlich sich nach draußen. Die Türe ließ er einfach offen stehen.

Er war froh, dass er keine Vorurteile hatte. Es war schon anstrengend genug für Ben und Shanks, ihre Beziehung in der Öffentlichkeit geheim zu halten und Yasopp wusste nicht, wie sehr es ihnen an die Nerven gegangen sein musste, als sie es diese paar Wochen auch innerhalb der Band versuchten.
Zu gut konnte er sich noch an den Tag erinnern, an dem die Beiden stotternd und verlegen vor ihm und Lou gestanden hatten und erst mal keinen Ton rausbrachten. Dabei war es fast schon offensichtlich gewesen, zumindest für sie, denn sie kannten einfach ihre zwei Freunde und wussten, dass etwas nicht stimmte. Ganz zu schweigen von dem Stimmungsumschwung, in dem sie von distanziert zu geheimnisvoll gewechselt hatten.
Es war Wochen so gegangen. Wochen in denen Shanks und Ben immer hektisch auseinander gefahren waren, wenn entweder Lou oder er den Raum betreten hatten. Wochen, in denen sie sich Blicke zuwarfen, die voller Sehnsucht waren, in der Annahme keiner würde es sehen. Wochen, in denen beide Angst hatten, etwas zu sagen, damit sie sich nicht verplapperten und deswegen schwiegen.
Es war so weit gegangen, dass Yasopp kurz Angst hatte, dass die Band auseinander brechen würde, weil er in einem unbedachten Moment eine ziemlich dumme Bemerkung gemacht hatte. Vorwurfsvoll, weil er der Annahme war, dass Shanks und Ben ihn und Lou anlogen und er den blödsinnigen Gedanken hatte, sie wollten als Duo weitermachen und sie rausschmeißen, hatte er sie beschuldigt, sie hätten ja eh kein Interesse mehr an ihrer Freundschaft. Er hatte in seinem störrischen, herablassenden Ton gezetert, dass, wenn die Beiden eh keinen Deut mehr auf ihn geben würden, er dann auch zurück zu Bankina gehen könnte. Dabei hatte er genau gewusst, dass das nicht das Problem der Beiden war. Aber er war einfach aus der Haut gefahren, hatte sie beschuldigt und es keine zwei Sekunden später bereut.
Obwohl er gewusst hatte, dass Ben und Shanks ihn niemals rausschmeißen würden, oder die Band auflösen, hatte er sich trotzdem nicht entschuldigt. Er wusste bis heute nicht was ihn dazu getrieben hatte. Wahrscheinlich war es verletzter Stolz gewesen … oder Dummheit. Vermutlich beides.
Eine ganze Woche hatten sie keinen Ton mehr miteinander geredet, außer Höflichkeitsfloskeln. Dann hatte Lou ihm eine gescheuert, er sich bei Ben und Shanks entschuldigt und diese ihnen erzählt, dass sie sowohl homosexuell, wie auch ein Pärchen waren.
Komischerweise hatte ihn diese Nachricht nicht mal mehr großartig geschockt. Eigentlich war er nur froh gewesen, dass er wieder normal mit seinen Freunden reden konnte, dass „Red Force“ nicht auseinander gebrochen war und generell waren Ben und Shanks wie gemacht füreinander. Er kannte kein anderes Paar, das sich so blindlings verstand, wie diese beiden. Das war schon vor ihrer Beziehung so gewesen und mit dieser hatte es sich nur verstärkt. Dass sie nun zwei Männer waren, spielte dabei überhaupt keine Rolle.
Kurz sinnierte er nochmal über ihre Band, die vor allem deswegen so gut funktionierte, weil sie Freunde waren, sich verstanden und vertrauten, dann ließ er sich auf die Treppenstufen vor der Eingangstüre nieder und schlug einen seiner Lieblingsakkorde an. Er klang sanft in seinen Ohren und leise summte er vor sich hin, bevor seine Stimme zu den Wolken hinaufflog.

Ben wachte durch einen leisen Gesang auf und stellte dann fest, dass es verdammt warm war. Mit geschlossenen Augen hörte er dem Lied, das durch das offene Fenster schallte, zu und wurde sich dann bewusst, dass er auf dem Sofa im Proberaum lag. Leicht lächelnd vergrub er seine Nase in die nach Whiskey, Rauch und Honig duftenden, roten Haare und genoss das Gefühl, den Mann, den er liebte, so nah bei sich zu haben. Ein paar Minuten blieb er noch in genau der gleichen Stellung liegen, atmete den unverwechselbaren Duft von Shanks ein und freute sich über das wohlige Gefühl in seiner Brust. Bald wurde ihm jedoch wirklich zu warm und er streifte die Decke weg, die ihn und seinen Freund umhüllte.
Erst jetzt wurde ihm bewusst, dass er sich sicherlich nicht zugedeckt hatte, bevor sie eingeschlafen waren und da Shanks immer noch tief und fest schlief, dieser es sicher auch nicht gewesen war. Dann hörte er wieder den Gesang von draußen, erkannte dabei Yasopps Stimme, die man sonst singend eher selten hörte und bemerkte, dass seine Gitarre fehlte. Schmunzelnd befreite er sich aus den Armen, die ihn fest umschlungen hielten und legte sie sanft zurück auf den leicht rauen Stoff des Sofas. Innerhalb von Sekunden war er in seine Boxer und Hose geschlüpft und mit einem letzten, lächelndem Blick auf den rothaarigen, sanft schlummernden Mann, verschwand er nach draußen.
Dort saß Yasopp, die Gitarre auf dem Schoß, das Gesicht verträumt zum Garten gewandt, während seine schwarzen, leicht lockigen Haare das Sonnenlicht spielerisch einfingen. Seine Stimme wehte durch den taufrischen Morgen und harmonierte im Einklang mit den Akkorden, die er anspielte. Ben bemerkte er nicht.
Da es eine Seltenheit war, dass Yasopp überhaupt sang, weil er – zu Unrecht – immer behauptete, er könne nicht singen - zumindest nicht wie Shanks, laut seiner Aussage, aber das konnte niemand – hielt Ben es nicht für nötig auf sich aufmerksam zu machen. Stattdessen grinste er vor sich hin und hörte zu.

And I miss you, miss you
cause you are the one I need
and I love you, love you
and I’m glad that you saw me
when I was standing in the dark
shadows were tearing me apart
and I miss you, miss you
darlin’ believe me
I miss you


Als die letzten Töne verklungen waren, steckte sich Ben eine Zigarette an, die er aus einer Schachtel in seiner Gesäßtasche fischte und setzte sich neben seinen Freund. Dieser zuckte leicht zusammen, weil er Ben wirklich nicht bemerkt hatte, beruhigte sich aber gleich wieder.
„Bankina wird in deinen Händen zerlaufen, wenn du ihr das vorspielst“, grinste er ihn an und stieß dann genüsslich den Rauch aus seinen Lungen. Yasopp zuckte jedoch nur mit den Schultern und erwiderte erst mal nichts darauf. Leicht, ohne dass er es merkte, zupften seine Finger an den Saiten und leise Töne erklangen.
„Das ist doch nur Rumgedudel. Nichts das Hand und Fuß hat.“
„Das ist Blödsinn und das weißt du auch“, war die Erwiderung auf die Aussage und Ben meinte es auch so. Er wusste, wie sich gute Lieder anhören mussten und das konnte definitiv zu einem werden. Denn es hatte das, was ein gutes Lied ausmachte. Es hatte Seele, Sehnsucht. Es war ehrlich.
„Ach komm, ich kann keine Lieder schreiben. Ich …“, doch Ben unterbrach ihn etwas entnervt, weil er das nicht hören wollte. Nicht, wenn er seit Tagen selbst nichts mehr auf die Reihe bekommen hatte und das, was er eben gehört hatte, wirklich gut war.
„Yasopp, könntest du die Schnauze halten? Warum sollte ich der Einzige sein, der Lieder für diese Band schreibt? Was du da in diese paar Zeilen gesteckt hast, ist absolut ehrlich und klingt toll. Mach das doch nicht runter.“
Skeptisch zog der Gitarrist die Augenbrauen zusammen und zupfte weiter belanglos an den Saiten. Ben konnte an seinem Gesichtsausdruck ablesen, dass er immer noch nicht überzeugt war, aber ihm kein Gegenargument einfiel. Entnervt verdrehte er die Augen über so viel Selbstverleugnung und zog nochmal schweigend an seiner Zigarette. Er wusste nicht warum, aber in diesem Punkt hatte Yasopp schon immer zu Zweifeln geneigt. Ganz anders, wenn es zum Beispiel um seine Zeichnungen ging, die auch wirklich großartig waren. Aber warum konnte er bei seinem Gesang und seiner Fähigkeit, seinen Gefühlen in Form von Liedern Ausdruck zu verleihen, nicht ebenso selbstsicher sein?
„Wir sind doch `ne Rockband, so ein Liebeslied passt eh nicht in unser Repertoire …“, kam es nun nach reiflicher Überlegung als klägliches Gegenargument. Ben seufzte und wollte schon zu einer Antwort ansetzen, als er es hinter sich rumpeln hörte. Dann streckte Shanks seinen Kopf durch die Tür und verpasste Yasopp einen leichten Tritt in den Rücken.
„Aja und seit wann hat uns das je gestört?“
Sich die getroffene Stelle reibend, drehte sich der Angesprochene zu seinem Sänger um und schaute ihm vorwurfsvoll ins Gesicht. Dieser hatte sich, mit einem Feixen im Gesicht, an Ben gelehnt, der inzwischen wieder aufgestanden war und die Arme vor der Brust verschränkt. Um seinen Oberkörper flatterte nur ein weißes Hemd. Automatisch ließ Ben sein Kinn auf die roten Haare sinken und grinste. Er gab Shanks absolut Recht.
„Naja, noch nie …“, kam es kleinlaut von Yasopp, der wohl einsah, dass er hier gegen eine geschlossene Macht und an verlorener Front kämpfte. Missmutig verzog er das Gesicht. Es brachte Shanks zum Lachen.
„Hast du dafür auch schon Strophen?“, fragte er mit einem Grinsen im Gesicht. Doch Yasopp schüttelte den Kopf.
„Na, dann lass dir mal welche einfallen.“
Angesäuert murrte Yasopp vor sich hin, doch Shanks streckte ihm nur die Zunge raus, als sich über ihnen ein Fenster öffnete. Gleichzeitig sahen alle drei nach oben und mitten in Lous rundliches Gesicht.
„Oi, Leute, Frühstück ist fertig.“

Das Frühstück war eine reinste Essensschlacht, so wie immer, wenn sie alle zu viert an einem Tisch saßen. Ben hatte sich schon vorsorglich ein Brötchen zur Seite gelegt und lehnte nun entspannt in seinem Stuhl, den Kaffee in der Hand, während er Lou, Shanks und Yasopp dabei beobachtete, wie sie um Zucker, Milch, Brötchen und der Schokocreme stritten. Vor allem die Schokocreme. Die wollten alle und zudem gleichzeitig.
Anstatt sich an der Rangelei zu beteiligen, nippte er genüsslich an seinem Kaffee – schwarz und ohne Zucker – und fragte sich, ob er diese allmorgendliche Szene eventuell mal in einem Lied festhalten konnte. Grinsend notierte er sich den Gedanken irgendwo in seinem Hinterkopf und nahm sich vor, für den nächsten Tag seinen Schreibblock mit in die Küche zu nehmen.
„Gibst du mir mal den Honig?“
Shanks‘ Stimme riss ihn aus seinen Gedanken und er schaute ihn mit einem spitzbübischen Grinsen an. Somit stellte Ben seinen Kaffee ab, griff nach dem Verlangten und fragte sich kurz, warum das süße Zeug eigentlich bei ihm stand, wo doch Lou und Shanks die Einzigen waren, die überhaupt Honig aßen. Mit einem „Hier“ reichte er es seinem Freund.
Dieser bedankte sich und strich sich gleich etwas davon aufs Brötchen, doch anstatt dann das Glas wieder zuzuschrauben, tippte er mit dem Finger in die gelbgoldene Flüssigkeit und bevor Ben überhaupt reagieren konnte, hatte er den Honig auf der Wange.
Ein Kichern erfüllte den Raum, dass eindeutig nur von Shanks kommen konnte. Als nun auch Lou und Yasopp bemerkten, dass er etwas im Gesicht hängen hatte, stimmten beide mit in das Lachen ein. Genervt schloss Ben die Augen und atmete einmal tief durch, um nicht einen kleinen Nervenzusammenbruch zu kriegen.
„War dir Ben noch nicht süß genug?“, kam es grinsend von Lou, der unbeirrt weiter am Essen war. Doch Ben antwortete schon mit gänzlich neutraler Stimme, bevor Shanks etwas erwidern konnte.
„Na danke.  Muss ich mich jetzt in meiner Männlichkeit angegriffen fühlen?“
Ein allgemeiner Lachanfall von allen drei Parteien machte es nicht sonderlich besser. Doch dann lehnte sich Shanks zu ihm rüber und flüsterte ihm ins Ohr.
„Komm, ich mach‘s dir wieder weg.“
Ein heißer Schauer fuhr durch seinen Körper, als dieser das Gesagte auch gleich in die Tat umsetzte, indem er den klebrigen Honig halb von seiner Wange leckte und halb wegküsste. Dazu klingelte das reißerische Pfeifen Yasopps in seinem Ohr. Ein flüchtiges Grinsen zog sich auf seine Wangen … also damit konnte er leben. Männlichkeit hin oder her.
„Na, so eine Show sollte man öfters zum Frühstück geboten bekommen“, tönte es auf einmal von der Türe und viel zu schnell waren Shanks‘ Lippen wieder verschwunden. Sattdessen richteten sich alle Augen auf die Frau, die im Türrahmen lehnte, eine Zigarette in der Hand.
„Shakky …?“


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Vielen Dank an Maclilly für das mega krass lange Review und an die ganzen Favoriten. Ihr seid toll :)
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