Music in their veins

von Arzani92
GeschichteAllgemein / P16 Slash
Ben Beckman der Rote Shanks Lucky Lou Shakuyak "Shacky" Yasopp
31.05.2015
20.08.2019
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Album: Dawn
Artist: Red Force
Track 1: This sounds like a pirate's life

When you hold me in my arms
when you are with me
I can feel the summer breathing
sun's shining down on me

We are here and we are free
with the waves in hand
this sounds like a pirate's life
anchor raised, setting sails
out at the deep blue sea


- Intro -


Belanglos zupfte er ein paar Akkorde auf seiner Gitarre … D-Dur, E-Moll, A-Moll, F-Dur … nichts Besonderes. Er schlug keinen besonderen Rhythmus an, keine ausgefallene Schlagtechnik. Ben hatte ja noch nicht mal eine Melodie im Kopf. Wenn er ehrlich zu sich war, dann hatte er schon seit ihrem Durchbruch keine richtige Melodie mehr im Kopf. Da war … nichts. Rein gar nichts.
Er seufzte, sog das Nikotin tief in seine Lungen ein und ließ den Rauch genüsslich wieder aus diesen verschwinden. Die Asche seiner Zigarette klopfte er mit einer minimalen Bewegung in den Aschenbecher auf dem kleinen, wackeligen Tisch vor sich und bevor seine Finger wieder den Weg zu den Saiten fanden, strich er sich seine schwarze Haarsträhne, die ihm immer ins Gesicht fiel, aus den Augen.
Erneut erklangen die ihm so vertrauten Töne aus seiner geliebten Gibson und schwangen durch den Raum. Er seufzte, weil ihm bewusst war, dass er heute wieder nichts auf die Reihe bekommen würde. Genauso wenig wie er es gestern hinbekommen hatte oder vorgestern, oder vorvorgestern … wo waren seine Ideen hin?
Natürlich wusste er wo sie hin waren … sie waren untergegangen in dem Stress, der Presse und dem Leben in der Öffentlichkeit. Es sollte ein Traum sein … berühmt, bekannt, erfolgreich … und das war es auch. Es war ein großartiges Gefühl vor über zehntausend Leuten zu stehen, die einem zujubelten und nur gekommen waren um deine Musik zu hören … aber es forderte auch seinen Tribut. In diesem Fall wohl seine Kreativität, die er nun mal nicht spontan anstellen konnte. Zumindest nicht mehr so wie früher.

Er war der musikalische Kopf hinter der Band. Das war er schon immer gewesen und das war auch allen von „Red Force“ bewusst. Obwohl er eigentlich der Bassist der Band war und seinen Bass, der neben dem Sofa, auf dem er saß, gemütlich in seinem Gitarrenständer lehnte, über alles liebte, konnte er doch eigentlich alle Instrumente spielen. Gitarre, Klavier, Schlagzeug … er konnte sogar Saxophon, Trompete und Geige, auch wenn er diese schon ewig nicht mehr in der Hand gehalten hatte. Sie sagten ihm auch ehrlich gesagt nicht zu. Dann lieber ein fetter Kontrabass. Aber sie waren nun mal eine klassische Rockband und bauten eher selten Streicher oder Bläser in ihre Lieder ein. Wobei Shanks sicher nichts dagegen gehabt hätte, so wie er ihn kannte.
Ja, Shanks experimentiere schon immer gerne. So war er schon immer gewesen und so würde er wohl auch immer sein. Er war ihr Frontsänger und machte als solcher auch unglaublich viel her. Er war charismatisch, hatte eine verdammt eindrückliche Stimme, die er in Meisterleistung beherrschte – das einzige was Ben in musikalischer Hinsicht nicht von sich behaupten konnte – und das umwerfendste Lächeln auf dieser Erde. Er war wie gemacht, um auf der großen Bühne zu stehen und Ben wusste, dass sie ohne Shanks auch nicht dort wären. Gute Lieder hin oder her. Ohne einen guten Frontsänger konnte so gut wie jede Band ihre Karriere vergessen.
Wenn er daran zurück dachte, wie vor knapp einem halben Jahr die A&R* von dem wohl größten Plattenlabel dieser Erde, der „Grandline“, auf sie zukam und ihnen ihre Karte hinhielt. Er konnte es immer noch nicht fassen. So ein kleines Visitenkärtchen und sie waren ganz oben angekommen.

Seit dem Tag an hatte sich viel verändert. Sie spielten nicht mehr in kleinen, ungemütlichen Pubs oder Dorfkneipen. Sie spielten in den ganz großen Hallen. Ihre Single „Dawn“ wurde in jedem Radiosender gespielt und ihr erstes Album hatte inzwischen Platin erreicht.
Aber Ben wusste um die Vergänglichkeit solch eines Erfolges zu gut Bescheid. Wie schnell man zum One Hit Wonder werden konnte und dann unsanft auf den Boden der Tatsachen aufschlug. Vor allem wenn man keine neuen Lieder schrieb.
Mürrisch legte er seine Gitarre beiseite und streckte sich ein kleines bisschen mehr aus. Blind fischte er nach seiner Zigarettenschachtel, die neben ihm lag und steckte sich an seiner alten die neue Kippe an, bevor er sie ausdrückte. Heute würde er nichts mehr auf die Reihe bekommen, die Notenblätter leer bleiben.
Er wusste, dass er Lieder schreiben konnte, die funktionierten. Die die Masse mitrissen, sich verkauften und sie oben halten würden und zur Not würde er es machen. Zur Not würde er Lieder schreiben, die kein Wesen hatten und einfach nur dazu da waren, damit sie über die Ladentheke gingen. Doch gerne machte er es nicht. Er wollte keine Hits schreiben … er wollte Musik machen, die Seele hatte. Leben.
So wie ihre alten Songs, die voll davon waren. Die ihre Sehnsüchte, Wünsche und Ziele in Form von Tönen wiedergab. Aber woher sollte man die Inspiration nehmen, wenn man seine Ziele wohl erreicht hatte, seine Wünsche in Erfüllung gegangen waren und Sehnsüchte etwas Blasses schienen, weil man sie sich doch erfüllen konnte.
Er seufzte, er sollte aufhören so pessimistisch zu sein.

Auf einmal ging die Tür zu ihrem Proberaum auf und herein gestiefelt kam der Rest der Band. Shanks, der seine Arme um Yasopp und Lou geschlungen hatte, in seiner Hand eine Flasche, die eindeutig nach Whiskey aussah. Sein Gesicht zierte ein breites Lachen und auch die zwei anderen Jungs grinsten mit ihrem Herz der Band um die Wette.
Ben grinste bei dem Anblick unwillkürlich zurück und wusste nicht, ob es der Vertrautheit zu Schulden war oder der Tatsache, dass sie so ineinander verhakt nicht durch die Tür passten. Während die drei das selbst wohl noch nicht begriffen hatten, schmunzelte er über die ganze Szenerie. Ja, für diese Chaoten würde er dafür sorgen, dass sie dort blieben wo sie waren. Oben, bei den Sternen, ganz nah am fliegen.
Er kannte seine Jungs schon ewig. Shanks schon seit der Schulzeit, als er ihm dort eher zufällig begegnet war und sie sehr bald herausfanden, dass sie den gleichen Musikgeschmack hatten. Obwohl sie sonst grundverschieden waren, zumindest oberflächlich gesehen, hatte das ihrer Freundschaft nie einen Abbruch getan. Eher im Gegenteil …
Er hatte den Kopf geschüttelt über die Aussage des Rotschopfes, der ihm gleich erzählt hatte, dass er mal erfolgreich sein wollte, weil er dann durch die ganze Welt touren und so viele Orte sehen konnte, wie es überhaupt ging. Geld, Ruhm … das war ihm nie wichtig gewesen. Alles was er wollte war Musik machen, an möglichst vielen, bunten Orten. Es war genau das, was Ben so an ihm liebte und warum er dieser Band zu so viel verholfen hatte. Denn immerhin hatte Shanks Recht behalten … sie hatten es geschafft.

Kurz darauf war Lou hinzugetreten, er war der Schlagzeuger ihrer Truppe und trotz seines Leibesumfangs einer der besten die Ben kannte. Er hatte eine Schnelligkeit in den Fingern, es war unglaublich.
Yasopp war erst nach einer Weile dazugekommen, hatte es sich zweimal und dreimal überlegt, weil er schon Frau und Kind hatte, die er dank der Band nun kaum mehr sah. Aber Bankina, seine große Liebe und Mutter seines Sohnes, hatte ihn dazu bestärkt seinen Traum zu leben, obwohl er dazu umziehen musste und seine Familie so gut wie allein ließ. Er war ihr absolut genialer Gitarrist, der zudem eine beachtliche grafische Begabung und das komplette Booklet für ihr Album selbst designt hatte.

Inzwischen waren die drei auch durch die Tür gekommen, weiß Gott, wie sie das geschafft hatten, aber sie waren im Zimmer und hatten wohl inzwischen auch Ben bemerkt. Zumindest Shanks, denn er grinste ihn übertrieben breit an und zog Lou und Yasopp einfach mit.
„Ben … was machst’n du hier so alleine?“
Der Angesprochene verdrehte kurz die Augen, als er die deutlich schwammige Stimme seines Freundes hörte. Ein kurzer Blick auf die Whiskeyflasche zeigte ihm, dass diese schon zu einem Viertel leer war, was auch die leichten Koordinationsschwierigkeiten erklärte. Er war sich sicher, dass Lou und Yasopp genauso getrunken hatten wie Shanks. Allerdings waren alle noch bei klaren Verstand und keinesfalls betrunken. Überhaupt, wenn dann grade mal ein bisschen angeheitert.
„Lieder schreiben …“
Mit einem Plumpsen ließ sich der Rothaarige neben Ben aufs Sofa fallen. Zum Glück hatte er vorher die anderen zwei losgelassen, die sich nun ebenfalls zu ihnen gesellten. Lou auf den beistehenden Sessel und Yasopp schlicht und ergreifend auf den Boden, an Shanks Beine gelehnt.
„Und? Hats funktioniert?“, fragte Yasopp von unten herab, indem er den Kopf leicht schräg nach oben hob und ihn musterte.
Leicht schüttelte Ben den Kopf.
„Kein Stück …“
„Bescheuert!“, maulte Shanks und gab Yasopp einen leichten Stoß in den Rücken, damit dieser sich nach vorne lehnte. Mit Schwung drehte sich der Sänger, ließ seine Beine über die Lehne des Sofas fallen und lehnte sich an den Oberkörper Bens. Dieser konnte den markanten Geruch des Rothaarigen riechen. Eine Mischung aus Holz, Whiskey und Honig. Ein leichter Schauer fuhr über seinen Rücken und instinktiv ließ er sein Kinn auf dessen roter Haarpracht nieder. Yasopp lehnte sich einfach wieder ans Sofa.

Kurz sagte keiner was, nur Lou hatte von irgendwo her wieder was zum Futtern organisiert und stopfte sich jetzt genüsslich mit Salzstangen voll. Woher er die auch immer hatte.
„Wann haben wir eigentlich das letzte Mal einfach so gejammt?“
Die Frage kam aus dem nichts, doch nun sahen alle den futternden Lou an. Dieser zuckte mit den Schultern und schob sich eine neue Salzstange in den Mund.
„Da hatten wir doch immer unsere besten Ideen … korrigiere. Ben hatte da immer seine besten Ideen.“
Lachend grinste Shanks ihn an und kippte dann mit seinem Kopf zur Seite, um seinen Bassisten zu mustern. Seine hellen Augen streiften die seinen und ein Funkeln lag in ihnen. Kurz wurde Bens Hals trocken, dann zog er an seiner Zigarette und das Gefühl verschwand.
„Haste Bock?“
Ein minimales Lächeln erschien auf seinen Gesichtszügen, dann lehnte er sich über Shanks‘ Körper hinweg, um die Kippe ausdrücken zu können. Sein Blick glitt über die anderen zwei.
„Wie in alten Zeiten?“
Ein Johlen bekräftigte seine Aussage.
„Wie in alten Zeiten!“

Die Musik floss durch ihre Adern, als sie einfach so vor sich hin spielten. Sie unterbrachen nicht, sie machten keine Pausen. Sie waren eine Einheit, jeder wusste genau wie der andere dachte und tickte. Es war ein Knall an Emotionen, ein Feuerwerk gefüllt mit Liedern und Tönen. Sie passten einfach zusammen und obwohl sie sich nicht abgesprochen hatten, war ihr Zusammenspiel perfekt.
Nach einer gefühlten Ewigkeit, sicher waren mehrere Stunden vergangen, hörten sie dann langsam auf. Wieder hatten sie sich nicht abgesprochen, aber sie wussten einfach, wann der Zeitpunkt dafür da war. Mit einem lauten Trommelwirbel knallte Lou ein letztes Mal in seine Hi-Hats und dann war es vorbei.
Glücklich ließen sie die Musik noch nachwirken, leise packten Yasopp und Ben ihre Instrumente weg und Shanks machte die Boxen aus. Dann war es still in ihrem Proberaum, bis von Ferne Glockenschläge zu hören waren.
Irritiert drehte sich Yasopp zur Uhr, die über der Eingangstüre hing und runzelte die Stirn.
„Schon zwei? Krass ... haben wir morgen eigentlich was?“
„Ein Radiointerview … aber erst gegen Abend“, antwortete Ben ihm, während auch er die Uhr fixierte. Sie hatten die Zeit schlicht und ergreifend vergessen.
„Na dann hau ich mich mal in die Federn.“ Er gähnte lautstark, streckte die Arme über den Kopf und schaute seine Freunde dann aus müden Augen an.
„Ich komm mit.“ Lou legte seinen Arm um Yasopp und gemeinsam verschwanden sie aus dem Proberaum. Ben hörte sie die Treppe raufpoltern, das war das praktische, wenn die Wohnung genau darüber war. Sie hatten das Haus, ein wahres Anwesen, von ihrer Plattenfirma nach dem phänomenalen Durchbruch zur Verfügung gestellt bekommen. Es lag unweit ihrer Hauptstadt, aber abgelegen genug, dass sie ihre Ruhe hatten. Zumindest meistens.
Inzwischen fühlte sich die Band hier so wohl, dass Ben vorhatte das Haus zu kaufen. Denn noch gehörte es eben der Plattenfirma und nicht ihnen, der Band „Red Force“.

„Willst du nicht auch ins Bett?“
Erschrocken drehte sich Ben zu den Worten um und schaute genau in Shanks‘ große, helle Augen. Er hatte angenommen sein Freund wäre schon längst den Anderen gefolgt, aber stattdessen stand er direkt vor ihm, so dass Ben wieder seinen unverwechselbaren Duft in die Nase bekam. Er schluckte, lächelte dann aber und ließ sein Kinn auf die roten Haare sinken. Shanks hatte aber auch die perfekte Größe, um genau das zu machen. Naja nicht ganz, dazu war er doch ein bisschen zu groß, aber er passte sich dem Älteren gerne an.
„Ich wollte eigentlich nochmal probieren ein bisschen was aufzuschreiben. Ein paar Riffs von Yasopp waren ziemlich gut.“
Er konnte das Lächeln von Shanks spüren, obwohl er es nicht sehen konnte und seine leise geflüsterte Frage überraschte den Schwarzhaarigen kaum noch.
„Darf ich zuhören?“
Leicht hob er die Augenbraue an, obwohl Shanks das ja in dieser Position gar nicht sehen konnte und grinste dann leicht feixend.
„Wenn du brav bist.“
Er bekam krallende Hände in seine Schulter gepresst.
„Immer.“

Gemeinsam ließen sie sich erneut aufs Sofa fallen und während Ben ein paar Akkorde anspielte und die Töne die Luft erfüllten, bettete Shanks seinen Kopf wieder auf dessen Schoß. Das war zwar nicht ganz gemütlich mit der Gitarre aber es störte keinen von beiden.
Ganz gegen Shanks‘ gewohnter Manier blieb er wirklich ruhig, während sein Freund immer wieder verschiedene Melodien auf der Gibson anspielte und dann zum Stift griff, um diese aufzuschreiben. Die alltägliche Zigarette hing ihm dabei in den Mundwinkeln.
Nach etwa einer halben Stunde legte Ben dann allerdings die Gitarre wieder weg und lehnte sich nach hinten. Nun, da er mehr Freiheit hatte, platzierte Shanks seinen Kopf in einer bequemeren Position auf Bens Beine und konnte gradewegs in dessen Augen sehen. Nur das Ben diese zufrieden geschlossen hatte.
„Das war wirklich gut …“
Leicht schlug Ben die Augen, bei diesen Worten, wieder auf und musterte seinen Freund. Ohne darüber nachzudenken fuhren seine Finger in das rubinrote Haare und fingen an die verwirrten Haarsträhnen zu sortieren.
„Wurde auch langsam mal wieder Zeit …“
Ein leises Seufzen ertönte, doch es kam keine Erwiderung von dem Sänger. Er wusste genau, was Ben so zu schaffen machte. Aber sie hatten das schon so ausführlich besprochen, dass jegliches Wort dazu unsinnig und verschwendet wäre.
Die Stille dauerte an und kam Ben so unglaublich vertraut vor. Wie oft waren sie Beide schon in so einer Haltung gewesen? Wie oft hatten sie so schon über Gott und die Welt oder verdammt ernste Themen gesprochen – über Shanks‘ Ziehvater, der selbst ein unglaublich großer und bekannter Musiker gewesen und, kurz nach dem Höhepunkt seines Erfolges, durch einem Autounfall gestorben war … oder über ihren kleinen, größten Fan, der eines Tages in einer völlig fremden Stadt aufgetaucht war und dann im Eifer des Gefechts meinte, er wolle jetzt auch eine Band gründen und sie übertrumpfen. Shanks hatte ihm daraufhin, mitten auf der Straße, seinen geliebten Strohhut geschenkt … einfach so. Wie er eben nun mal war – aber meistens hatten sie einfach nur geschwiegen, wenn sie so dalagen.

„Wo wart ihr vorhin eigentlich?“, unterbrach Ben dann doch die Stille. Jedoch hörte seine Hand nicht auf, mit Shanks‘ Haaren zu spielen. Nur kurz lehnte er sich nach vorne, um seine Zigarette auszudrücken.
Ein kurzes Gähnen klang aus dem Mund des Angesprochenen, dann grinste er spitzbübisch.
„Waren in ‘ner Kneipe … Kontakt zu Fans halten und so.“
„Kontakt zu Fans oder zu Groupies?“, wurde die Gegenfrage gestellt. Bens Stimme war dabei monoton, aber trotzdem hatte sie einen leicht hölzernen Beiklang.
„Was denkst denn du von uns?“, kam es sofort entrüstet zurück, jedoch hatte der Rothaarige immer noch so ein breites Grinsen auf dem Gesicht, dass Ben sich unwillkürlich die Frage stellte, ob er jetzt ins Schwarze getroffen hatte oder Shanks schlicht und ergreifend mit ihm spielte.
„Nichts … was Lou und Yasopp in dieser Beziehung machen, darf mir ja getrost egal sein.“
„Und ich …?“
Die Frage war leise gestellt, aber laut genug, damit er sie hören konnte. Dabei funkelten ihn zum versinken helle Augen an und ein spitzbübisches Grinsen lachte ihm entgegen. Kurz hatte Ben eine Gänsehaut bei diesem Anblick, dann schluckte er hart.
„Bei dir wünschte ich es mir manchmal, dass es mir egal wäre …“

Ein leises Lachen ertönte, dann wand sich Shanks hoch, krabbelte auf Bens Schoß und ließ sich rittlings auf diesem nieder. Seine Hand wanderte in den Nacken des Schwarzhaarigen, nicht jedoch ohne davor noch das Gummiband in dessen Pferdeschwanz zu lösen und die Haare um Bens Gesicht zu verteilen. Dann zog er ihn an sich und gab ihm einen kurzen Kuss auf die weichen Lippen. Wie ein elektrischer Schock durchfuhr es Ben, doch Shanks hatte sich schon wieder gelöst und lehnte sich noch weiter nach vorne. Bei seinem Ohr machte er Halt und er konnte den heißen Atem spüren.
„Bist du etwa eifersüchtig?“
Seine heißere Stimme schickte eine erneute Gänsehaut über Bens Körper und ließ etwas, das tief in ihm vergraben lag, aufwachen und wallen. Doch er zwang sich zu einer ruhigen Stimme, zog Shanks mit leichtem Druck zurück, um ihn in die Augen zu sehen.
„Muss ich das denn sein?“
Ein leichtes, lockeres Lachen entwich wieder seinen Lippen und perlte zu ihm hinüber. Schelmisch grinsend schaute er Ben an, dann beugte er sich wieder nach vorne, um seine Lippen erneut in Beschlag zu nehmen. Heiß strömte sein Atem in seinen Mund, als er diesen leicht öffnete, um Shanks‘ Zunge Einlass zu gewähren. Kurz kämpften sie um die Vorherschaft, dann unterbrach sie der Luftmangel.
„Nein …“, hauchte Shanks noch nachträglich als Antwort, was durch den Kuss schon bestätigt gewesen war. Dann fanden sie sich erneut und im selben Einklang, in dem sie Musik machten, spielten auch ihre Körper ihre ganz eigene Melodie. Zärtlich, bebend, rhythmisch und gefangen in einer unendlichen Woge aus Vertrautheit und Abenteuerlust.
Als Shanks befreiendes Stöhnen in seinem Ohr verhallte, wusste Ben, dass, solange dieser Mann bei ihm war, er niemals würde aufhören können, Musik zu machen.



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Huhu,
erstmal toll, wenn du deinen Weg bis hier her gefunden hast und dann kannst du mich gleich an den Pranger stellen. Ich breche meine eigenen Prinzipien. Eigentlich wollte ich mit dem Start der Geschichte warten, bis Zwischenstopp in Summara fertig ist. Aber jetzt ist sie halt doch schon da ...
Ich hoffe ihr geht ein bisschen mit auf die Reise von Red Force und schaut, wie sich die Jungs im Musikgeschäft so schlagen.

*kleiner Zusatz noch: ein A&R (Artists & Repertoire) sind die Menschen, die nach den Trends in der Musiklandschaft schauen, sich Demotapes anhören und Bands suchen. Sie begleiten den Künstler in ihrer Phase eigentlich so lange, bis der Vertrag unterschrieben ist und die erste Single rauskommt. (Sie sind meist auch dafür verantwortlich, mitzuentscheiden, welches Lied zur Single werden soll.)
Neben musikalischem Wissen muss ein A&R auch ein Gespür für Trends haben, was ankommt und irgendwie braucht man da auch einen sechsten Sinn für.

Liebe Grüße
eure Arzani
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