324

von Elbenwald
KurzgeschichteDrama, Romanze / P12
Nick Daley
30.05.2015
30.05.2015
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30.05.2015 2.347
 
Einen OneShot, den ich eigentlich schon vor einem halben Jahr schreiben wollte. Das Pairing hab ich so auch noch nicht gefunden...

Fragen, Verbesserungen und Anmerkungen dürft ihr mir gern in die Reviews schreiben!

LG Kati
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Traurig sahen sie sich an.
„Dann ist das jetzt wohl der Abschied.“
„Ja“, flüsterte sie kaum verständlich. Die Trauer schien ihr wie ein Kloß im Hals zu sitzen. Sie wollte das nicht, einen Abschied, vor allem, wenn er für immer war. Doch sie hatte sich so entschieden. Die Tafel blieb in London bei Akmenrah und seiner Familie. Tilly würde schon ihren Spaß haben. Eine Träne kullerte ihre Wange herunter. Sanft strich er sie mit dem Daumen beiseite, berührte ihre zarte Haut.
„Ich werde dich schrecklich vermissen, Nick Daley.“ Sie schlang ihre Arme um ihn und vergrub ihren Kopf an seiner Schulter. Sie wollte nicht gehen. Wieso konnte sie nicht auch ein Mensch sein? Ein richtiger, dem es länger als nur eine Nacht erlaubt ist, zu leben. Sie fühlte wie Nick über ihren Rücken strich, immer und immer wieder.
„Ich will nicht, dass es jetzt endet, Gwenny.“ Nick löste sich aus der Umarmung. Hatte es denn je angefangen? Seit Monaten sah er diesem Mädchen hinterher, das sein Herz schon von der ersten Begegnung her erobert hatte. Warum war er nur so schüchtern gewesen? Und jetzt? Jetzt würde es enden, für immer. Wieso hatte er sich nur einbilden können, dass man ein Beziehung mit einer griechischen Halbgöttin zu führen, die dazu noch die Tochter von Artemis (die für ihre Keuschheit stand, wie er erfahren hatte) ist und somit „nur“ eine Legende?
Gwendolyn sah Nick in seine blauen Augen. Warum hatte sie ihm nicht früher gesagt, was sie empfand? Er war ihr bester Freund. War es denn wirklich so schwer ihm zu sagen, dass sie ihn liebte? Anscheinend schon, wenn er immer solche komischen Nummern auf dem Arm hatte. Telefonnummern, wie Larry ihr erklärt hatte. Jetzt standen sie einfach nur so da; sahen sich stumm an, hofften, dass ihr gegenüber verstehen würde. Gwendolyns Hand wanderte zu ihrem braunen Lederbeutel und brachte einen kleinen blauen iPod zum Vorschein. Nick hatte ihn ihr gegeben, um ihr damit ein Teil der heutigen Kultur zu zeigen und unter anderem auch seine Musik.
„Den willst du sicherlich wieder haben, oder?“ Gwen hielt ihm den MP3 - Player hin. Nick umschloss ihre Hand und nahm verlegen seinen iPod wieder zurück. Er schien sich zu erinnern, wie er ihn ihr erklärt hatte und was man damit alles machen konnte.
„Ähm, danke.“ „Die Sonne geht gleich auf“, sagte Gwendolyn traurig. „Vorher muss ich noch etwas tun, was ich schon viel früher hätte tun sollen.“ Damit überbrückte Gwenny die letzten Zentimeter zwischen Ihnen und legte sanft ihre Lippen auf seine. Nick legte eine Hand auf ihre Wange. Doch Gwendolyn löste sich wieder. Sie musste zurück. „Es tut mir leid, Nicky.“ Und dann hatte sie einen Einfall.
„Hast du einen Stift?“ Nick schien verwirrt und zeigte ihr das auch. Doch er kam ihrer Bitte nach, kramte kurz in seinem Rucksack. Dankend nahm sie den Kugelschreiber entgegen und fing an, auf Nicks Arm zu schreiben.
324.
Es war die Nummer ihres Ausstellungskastens. Nick verstand und lächelte. Langsam nahm er ihr den Stift wieder ab und umarmte sie. Gwenny gab ihm einen letzten Kuss auf die Wange, bevor sie traurig zu ihrem Kasten zurücklief. Bevor sie sich in Position stellte, drehte sie sich ein letztes Mal um. „Ich liebe dich, Nick.“ „Ich liebe dich auch, Gwenny.“ Und dann sah Gwendolyn wieder zur Museumsdecke hoch, durch das Fenster, so wie sie es jeden Tag getan hatte. Nur, dass sie jetzt für immer so verharren würde. Nick warf einen letzten Blick auf sie, bevor er mit hängenden Schultern das Museum verließ, wo draußen schon sein Vater auf ihn wartete.

Nick vergrub die Hände in seinen Taschen, als er die kalte New Yorker Morgenluft auf seiner Haut spürte. Es war zwar Winter, doch schien die Sonne. Trotzdem war es arschkalt. Larry blickte seinem Sohn erwartungsvoll entgegen. Er wusste genau, was gerade passiert war und dass es Nicky sehr schwer gefallen war, sie einfach gehen zu lassen.
„Sie ist weg.“
Nick sah Larry vorwurfsvoll an, als ob er schuld daran wäre, dass Gwenny jetzt für immer als Wachsfigur im Natural History Museum stand. Doch Nick gab seinem Vater keineswegs die Schuld, denn wenn es nach Larry gegangen wäre, dann würde die Tafel jetzt nicht in London sein. Er hatte ja auch Freunde, von denen er sich hatte trennen müssen. Teddy oder Jed zum Beispiel. Larry presste die Lippen aufeinander, auch er hatte die Hände in seinen Taschen verborgen. Was tat man als Vater nun in so einer Situation? Er hatte es selbst gesagt. Nick war ein Scheidungskind, hatte schon viel mitmachen müssen. Um solche Sachen hatte sich seine Mutter sonst immer gekümmert. Nicht einmal als sein Hamster gestorben war, hatte Larry seinen Sohn so aufgelöst gesehen wie jetzt. Da vergaß er auch die ganze Geschichte um Ibiza herum. Stattdessen nahm er Nick in den Arm und drückte ihn ganz fest.
„Ich werd' sie nie wieder sehen!“, schluchzte Nick in seine Schulter. „Ich weiß, und es tut mir unendlich leid für euch.“ „Ich hatte eine Nacht, nur eine Nacht.“ Warum war er nur so schüchtern gewesen? Nick konnte sich noch genau an seine erste Begegnung mit Gwendolyn erinnern.
Es war vor etwa einem halben Jahr. Sein Vater hatte ihn mal wieder ins Museum mitgenommen, in dem Gwen seit etwa einer Woche beheimatet war. Larry hatte ihr geholfen sich zurecht zu finden. Für Nick war alles wie immer gewesen, hatte mit Rexy „Fang – das – Stöckchen“ gespielt. Und dann sah er sie. Sein Vater im Schlepptau mit einem Mädchen, kaum älter als er. Nussbraune Haare, grün - braune Augen und ein unsicheres Lächeln. Wie sich herausstellte entsprang Gwen einer Sage aus der griechischen Mythologie. Sie, eine Halbgöttin, Tochter von Artemis, das verbotene Kind, welches hätte nie existieren dürfen – eine Legende. Gwenny war tottraurig gewesen, als er es durch Oktavius herausgefunden hatte, wo sie sich doch anfangs so gut verstanden hatten. Sie schämte sich für ihre Vergangenheit, „dürfte nicht am Leben sein“, hatte sie gesagt; war auch sicherlich bis zum Ende dieser Meinung. Doch bei Nick hatte sie sich immer anders gefühlt, weshalb sich das Verhältnis der beiden immer Vertrauter wurde. Nick kam immer öfter mit seinem Vater mit, zeigte Gwen die Welt des 21. Jahrhunderts. Im Gegenzug half Gwen Nick in Geschichte und er bekam die einzige 1- seiner Schullaufbahn. Fasziniert hatte sie ihn immer schon, hatte nur immer gezweifelt, dass das etwas zwischen ihnen werden könnte. Er hatte Angst gehabt – jetzt war es zu spät.
Nick wischte sich die Tränen aus den Augen, sah seinen Vater lange an. Dieser musterte ihn. Er hatte Gwen auch immer gern gehabt. Doch wie sollte es jetzt weitergehen? Er arbeitete nicht mehr als Nachtwächter, und das mit der Fernsehshow hatte ja auch wirklich super geklappt. Und Nick? Was machte der jetzt? Larry versuchte das Gespräch auf ein anderes Thema zu lenken.
„Ibiza, mh?“ Er zog eine Augenbraue hoch. Begeistert war er zwar immer noch nicht von der Idee seinen Sohn ein Jahr lang als DJ nach Ibiza reisen zu lassen und das College zu schmeißen, doch wollte er nur das Beste für ihn. Nick kratzte sich verlegen am Hinterkopf.
„Also, Dad. Ich hatte mir das nochmal überlegt. Ich gehe jetzt erstmal für ein Jahr nach Ibiza und dann wird‘ ich studieren und aufs College gehen.“ Nick lächelte. Larry schien überrascht, damit hätte er nicht gerechnet. Er war stolz, stolz auf seinen Sohn. Larry umarmte ihn ein weiteres Mal. Er war wohl erwachsen geworden und vor ein paar Jahren war er noch auf einem Dinosaurier – Skelett durch das Museum geritten. Nick rückte seine Mütze zurecht. „Ich geh‘ dann mal wieder zu Mum.“ Damit verabschiedete er sich von seinem Vater und machte sich auf den schneebedeckten Straßen New Yorks auf den Heimweg. Das Museum, in dem er seine Liebe zurückgelassen hat, wurde immer kleiner und seine unbekannte Zukunft vor ihm immer größer. Doch fest stand, er würde Gwendolyn nicht vergessen – niemals.

Wenige Wochen später machte Nick seinen Abschluss und flog wie angekündigt nach Ibiza. Anfangs war es zwar schwer eine Stelle als DJ zu finden, doch letztendlich klappte es doch. Nick genoss es, einmal ohne seine Eltern zu sein und New York kurz hinter sich zu lassen. Auch wenn das nur mehr oder weniger gut funktionierte. Denn eines blieb. Die Nummer auf seinem Arm. Nick konnte und wollte Gwenny nicht vergessen. Doch er machte weiter, fand eine neue Freundin, die er auf einer Party kennengelernt hatte und trennte sich wieder von ihr, als er wieder nach New York zurückflog. Wie versprochen schrieb er sich am College ein, wurde angenommen und begann zu studieren. Und immer noch dachte er an Gwen, es war einfach unmöglich sie zu vergessen. Vor allem, wenn sich das erste Semester in Geschichte mit griechischer Mythologie beschäftigte. Trotz College – Party, Football – Spielen und Mädchen, ging sie nicht aus seinem Kopf heraus. Nick fasste einen Schluss. Aus der 324, die er die Jahre mit Kugelschreiber nachgemalt hatte, wurde schwarze Tinte, die für immer auf seiner Haut bleiben würde. Es war eine Liebeserklärung.

***


Jetzt war es schon drei Jahre her, dass er Gwendolyn hatte verlassen müssen. Seit dem hatte er das Natural History Museum nie mehr betreten, das würde sich heute ändern. Ein Teil des British Museums war in New York zu Gast, unter ihnen auch Ausstellungsstücke wie Sir Lancelot, Akmenrah, seine Familie und die Tafel. Die magische Tafel, die das Museum zum Leben erweckte. Das bedeutete, dass das gesamte Museum wieder erwachen würde. Teddy, Jed, Dexter und Gwen. Endlich würde er sie wiedersehen, er hätte mehr Zeit. Larry, der mittlerweile einen Job als Lehrer angenommen hatte, wusste auch schon Bescheid. Gegen die Mittagszeit betrat Nick das Museum. Schulklassen bestaunten den großen Dinosaurier oder Theodore Roosevelt, zeigten mit großen Augen auf Dexter, machten sich Notizen. Dr. McPhee schwirrte umher, schenkte Nick nur ein flüchtiges Lächeln, als er ihn sah. Langsam machte er sich auf den Weg in die Ausstellungsräume der Antike. Vorbei an Jedediah, Oktavius und Sacajawea. Nick war aufgeregt, so lange hatte er sie nicht mehr gesehen, fast schon eine Ewigkeit. In dem Gang hatte sich nichts verändert. Nick setzte sich auf eine Bank und beobachtete das rege Treiben vor Ausstellungskasten 324. Mehrere Schüler (vielleicht 4. Klasse) tummelten sich vor Gwen. Immer noch sah sie hoch, zur Decke, als ob dort alle Antworten lägen. Der Anblick zauberte Nick ein trauriges Lächeln auf die Lippen. „Sie ist so schön.“ „Ich will auch eine Halbgöttin sein!“ „Bei ‚Percy Jackson‘ gibt es auch Halbgötter.“ waren Sätze, die er von den Kleinen aufschnappte. Sein Lächeln wurde breiter. Es machte ihn irgendwie glücklich. Bald verschwanden die Grundschüler und er war kurz alleine, immer noch auf der Bank sitzend. Einmal kam eine Frau vorbei, machte sich Notizen. Mit schnellen Fingern führte sie den Stift über das Papier, anscheinend zeichnete sie. Langsam wurde es draußen dunkler, Nick saß immer noch da. „Starrst du schon den ganzen Tag?“ Erschrocken drehte Nick sich um. Erleichtert atmete er aus. Da stand Tilly, in Uniform, mit Taschenlampe – als Nachtwärterin. „Auch schön dich zu sehen.“ Nick lachte. „Das Museum schließt gleich.“ Tilly grinste. „Darf ich noch bleiben?“ Nicks Blick wanderte zu Gwen. Tilly grinste. „Komm mit, ich muss nur eben noch etwas mit Dr. McPhee klären“, meinte sie und führte ihn in die große Eingangshalle. „Schön stehenbleiben, ja?“ Nick nickte lachend. Er war nervös, was sollte denn jetzt? Und wollte sie ihn denn überhaupt noch? Beruhig dich, Nick. Gleich geht’s los. 3, 2, 1. Und in der Tat. Rexy begann sich zu bewegen, wedelte mit dem Schwanz und trat von seinem Podest herunter. Nick begann aufzulegen, ein paar Sachen hatte er immer dabei. Der Saal füllte sich. Da waren Jed und Oktavius, die sich auf den Computer für Katzenvideos stürzten. Teddy der Sacajawea umarmte, die Steinzeitmenschen mit Laa, sofort kam Dexter angelaufen und ließ sich auf seinen Schultern nieder. Das ganze Museum bebte, als alle begannen zu tanzen. Tilly betrat mit Dr. McPhee den Raum, der seinen Augen kaum traute, als er das Geschehen beobachtete. Sir Lancelot stand neben Muai und wippte mit den Füßen, nickte Nick anerkennend zu. „Howdy, Cowboy!“ Jed und Oktavius, waren zu ihm hochgekommen und betraten nun die Platten. „Hey, Leute! Wie geht’s?“ „Gut, wieso bist du nicht bei Gwen?“ Nick hielt inne. Er hatte sie noch nicht gesehen. „Wo ist sie denn?“ Jed deutete nach unten. „Los, Cowboy, sie wartet!“ Nick übergab an Ahkmenrah und begab sie in die tanzende Menge. Tilly tanzte mit Laa, während Nick immer noch Ausschau nach Gwendolyn hielt.
„Nicky?“
Das Blut gefror ihm in seinen Adern, als er sie ihm wohl bekannte Stimme vernahm. Er drehte sich um. Gwen schlug sich die Hand vor den Mund. Sie schien überglücklich. Dann rannte sie ihm in die Arme. „Ich hab dich so sehr vermisst!“ Nick strich ihr durchs Haar. „Und ich erst.“ Sie lösten sich aus der Umarmung. Nick konnte nicht anders. Er nahm ihr Gesicht in seine Hände und küsste Gwen leidenschaftlich. Er hatte sie so sehr vermisst, er wollte sie nicht gehen lassen. „Wie lange war ich denn weg?“, fragte Gwen überwältigt. „Drei Jahre.“ Bevor Gwen etwas darauf antworten konnte, legte er seine Lippen wieder auf ihre.
„Ich liebe dich, Gwenny.“ „Ich dich auch! Willst du tanzen?“ Er Rest des Abends verlief ausgelassen und froh. Nick lief Huckepack mit Gwendolyn durch das Museum und hatte Spaß. Tilly und Laa mimten die Hebe – Szene aus Dirty Dancing nach. Die Stimmung konnte nicht besser sein. Gegen Ende der Nacht bemerkte Gwen Nicks Tattoo. „Das trägst du immer noch?“ Gwen schien erstaunt. „Ich hab dich nie vergessen. Und du warst immer bei mir.“ Die beiden saßen nebeneinander auf dem Empfangstresen. Gwen rollte eine Freudenträne über die Wange. Nicks wischte sie mit dem Daumen weg. „Wie lange bleibt die Tafel noch hier?“ „4 Monate.“
„Dann müssen wir die Zeit nutzen“, sagte Gwen, während Nick einen Arm um sie legte. „Ach, uns wird sicher schon etwas einfallen, die Nacht ist lang“, meinte Nick und drückte Gwen lächelnd einen Kuss auf ihr Haar.
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