Primeval - den Anomalien auf der Spur

GeschichteAbenteuer, Freundschaft / P12
Abby Maitland Captain Becker Claudia Brown / Jenny Lewis Connor Temple Nick Cutter Stephen Hart
29.05.2015
11.06.2015
78
109.196
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30.05.2015 1.696
 
Ein Job mit ohne Privatleben

Zur gleichen Zeit kam Stephen von seinem Laufen durch den Park zurück. Er schaltete seinen MP3 Player aus und warf ihn zusammen mit seinem Hausschlüssel auf die kleine Kommode, die direkt in seinem Flur stand. Er schaute auf den Boden und blieb stehen: dort war Blut zusehen, das sich in einer schmalen Schlangenlinie über den gesamten Boden bis zum Badezimmer zog. Stephen folgte der Spur vorsichtig. Im Badezimmer saß Helen auf dem Boden. Ihr linkes Bein war ziemlich verletzt: ein tiefer Riss zog sich über das halbe Bein und daraus sickerte Blut. Helen selber war schneeweiß im Gesicht.
“Was-”
“Ich wurde angegriffen, als ich mir gerade ein Frühstücksei besorgen wollte. Ich wusste nicht, wohin ich sonst gehen sollte!”, erklärte Helen.
Stephen holte schnell seinen Verbandskasten und verarztete Helen notdürftig. Er sagte kein einziges Wort dabei. Er war immer noch sauer auf Helen. Genau wie der Rest der Welt. Trotzdem würde er sie nicht verbluten lassen. Niemals. Nachdem Stephen Helens Bein verbunden hatte, reichte er ihr zwei Handtücher.
“Du kannst duschen gehen! Grace hat noch ein paar ihrer Sachen hier. Ich bringe sie dir!”
“Grace war hier?”
“Sie hat mal hier übernachtet. Ja. Wieso?”, fragte Stephen.
“Weil ich mir nie vorstellen konnte, dass ihr zwei etwas miteinander anfangt!” Helen grinste Stephen an und ein wenig Eifersucht lag in ihren Augen. Stephen funkelte sie böse an und stemmte seine Hände in die Hüften.
“Wir haben nichts miteinander. Sie hat einfach mal so hier übernachtet!”
“Na ja, geht mich ja auch gar nichts an!”, murmelte Helen und stand auf.
“Eben!”, brummte Stephen und verließ das Bad. “Beeil dich, ich will auch noch duschen!”


Auch Connor und Abby waren nicht bei der Arbeit: sie fuhren gemeinsam einkaufen und wollten sich für diesen Abend noch eine DVD ausleihen. Wie immer stritten sie sich darum, wer dieses Mal die DVD aussuchen durfte. Connor suchte sich immer diese Horror- und Actionfilme aus, während Abby auch unbedingt mal einen Liebesfilm schauen wollte oder aber wenigstens eine Komödie. Nur nichts, das mit Blut und Waffen und Feuer und viel Gewalt zutun hatte. Davon hatte sie allmählich die Nase voll.
Also standen Abby und Connor vor einem der vielen hundert Tische voller DVDs und “blätterten” diese durch.
“Ich bin dran!”, rief Abby.
“Wirklich? Du warst doch erst letzte Woche dran!”, widersprach ihr Connor grinsend.
“Nein. Da warst du dran!”, versicherte Abby und schaute Connor vorwurfsvoll an, was er nicht bemerkte, da sein Blick immer noch auf die DVDs gerichtet war.
“Welchen Film möchtest du denn gucken?”, fragte Connor.
“Ach weißt du, mir egal. Such du etwas aus. Ich gehe schon einmal nachhause und bringe die Einkäufe weg! Bis später!”
“Okay. Bis gleich!”
Sobald Abby die Videothek verlassen hatte, trat eine sehr hübsche, dünne Frau mit braunen, wilden Locken und stechend dunklen Augen zu Connor. Sie hatte eine relativ spitze, kleine Nase. Irgendetwas in ihren Augen verriet, dass sie gerne mal log, um an ihr Ziel zu kommen. Sie schien hinterhältig und gemein zu sein, doch als sie Connor ansprach, mimte sie ganz das Unschuldslamm.
“Der ist gut!”, meinte sie zu Connor und deutete auf einen Horrorfilm, den Connor gerade in der Hand hielt. Dann trat die unbekannte Schönheit neben Connor und zog eine andere DVD heraus.
“Aber der Film hier ist viel besser”, sagte sie und lächelte Connor schüchtern an. “Ich stehe total auf Science Fiktion Filme!”
Connor war immer noch fassungslos und grinste von einem Ohr zum anderen.
“Ich auch!”, rief er. Dann reichte er dem Mädchen seine Hand. “Connor!”
“Caroline!”, murmelte das Mädchen leise und schüchtern lächelnd. Sie schüttelte die Hand des schwarzhaarigen und schaute ihm verträumt in die Augen.
“Hast du Lust, zu mir und meiner Mitbewohnerin zu kommen und den Film zu schauen?”
“Klar, gerne!”
“Dann lass uns mal gehen!”


Währendessen saß Grace immer noch im Café und hörte ihren drei eigentlich besten Freundinnen beim ununterbrochenen Quatschen zu. Sie redeten immer weiter und lauter und immer durcheinander. Irgendwie wurde sie immer genervter. Nachdem sie sich etwa eine halbe Stunde versucht hatten zu überreden, dass ich von meinem neuen Job erzählte, redeten sie nun untereinander darüber und diskutierten und spekulierten und fachsimpelten als was und wo Grace denn nun arbeitete. Doch sie waren weit weg von der Wahrheit. Irgendwie schienen sie nicht einmal ihr Studium mit einzubeziehen. Grace hatte schon die kuriosesten Jobs gehört wie Prostituierte oder Briefträger, Journalistin in Amerika, Poolboy für irgendjemand Reichen… die Liste war lang und wurde immer verrückter. Dabei zweifelte Grace ein wenig am Verstand der Freundinnen. Doch ließ sie sie einfach weiter reden. Etwas anderes schien auch nicht denkbar zu sein: sie ließen Grace gar nicht zu Wort kommen.
“Arbeitest du etwa im Ministerium bei deinem Vater?”, rief Anastasia plötzlich. Alle drei starrten sie an. Grace versuchte eine unglaublich gute Unschuldsmine aufzusetzen, setzte einen bösen und beleidigten Blick auf und starrte die drei dann so an.
“Als ob! Ich wollte nie im Ministerium arbeiten!”
“Stimmt auch wieder”, seufzte Shirley.
“Ich gebe es auf!”, brummte Kathy enttäuscht.
Grace wollte gerade etwas erwidern, als ihr Handy klingelte. Halb vergnügt, halb genervt schaute sie auf den Display und lächelte innerlich: es war Nick. Sicherlich mit einer neuen Anomalie.
>>Ich bin gerettet!>>, frohlockte sie innerlich und ging ans Handy dran und unterhielt sich kurz mit Nick, der ihr schnell die Adresse nannte, zu der sie fahren musste. Dann verabschiedete sie sich und schaute ihre Freundinnen an.
“Tut mir Leid, Mädels. Aber ich muss heute doch zur Arbeit. Ein Problem ist aufgetaucht und die brauchen mich jetzt!”
“Aber-”
“Das ist doch blöd!”
“Kannst du nicht hierbleiben?”
“Nein, wirklich nicht! Ich rufe euch an. Wir machen einen neuen Termin aus und dann treffen wir uns!” Grace stand auf, zog ihre Jacke an, nahm die Handtasche und legte noch Geld für ihr unangerührtes Frühstück auf den Tisch. Dann verabschiedete sie sich und lief raus. Unterwegs schrieb sie Becker eine SMS, ob er sie abholen könnte.

Auch Abby und Connor, sowie Stephen bekamen einen Anruf von Nick. Stephen machte sich sofort auf den Weg. Connor kam gerade mit Caroline, seiner neuen Bekannten, zu Abbys Wohnung.
“Abby. Ich hab uns jemanden mitgebracht!” rief Connor, als er die Treppe zu Abbys Wohnung hoch lief. Die hübsche Blondine schaute neugierig auf, schien jedoch nicht mehr so begeistert zu sein, als er die unbekannte Schönheit sah, die hinter Connor die Wohnung betrat. Sie verspürte einen Stich in ihrem Herzen, konnte sich aber nicht wirklich erklären woher es kam.
“Abby - Caroline. Caroline - Abby!”, stellte Connor die beiden Frauen sich gegenseitig vor. Sie lächelten sich unbeholfen an und Caroline reichte Abby ihre Hand. Abby nahm sie entgegen und erwiderte das Lächeln zaghaft.
“Ich hoffe, es stört dich nicht, wenn ich mit euch zusammen DVD gucke… aber Connor und ich haben bemerkt, dass wir denselben Geschmack bezüglich DVDs haben!”
“Nein. Nein… kein Problem!”, murmelte Abby und schaute dann Connor eindringlich an.
“Und ihr seid ein Paar-?”, fragte der Lockenkopf zaghaft und klang ganz so, als sei ihr das ganz und gar nicht recht wenn es so wäre.
“Nein!”, riefen Abby und Connor schnell im Chor. Dann starrten sie sich peinlich berührt an und grinsten.
“Wir sind nur Kollegen!”, meinte Abby.
“Arbeitskollegen und gute Freunde. Genau!”, fügte Connor hinzu. Bevor ein peinliches allgemeines Schweigen den Raum ausfüllte, klingelte Abbys und Connors Handy. Beide schauten nach. Sie hatten beide ein und dieselbe SMS vom selben Mann bekommen: Nick hatte ihnen die Adresse einer neuen Anomalie genannt.
“Oh nein!”, rief Connor verzweifelt. “Nicht jetzt!”
“Tja”, sagte Abby ein wenig schadenfroh und schaute Connor triumphierend an, “die Arbeit ruft doch noch!”
“Mist!”, fluchte Connor und drehte sich dann Caroline zu, die ein wenig verwirrt dreinschaute.
“Was-”
“Es tut mir Leid, aber ich muss arbeiten und-”
“Kein Problem!”, meinte Caroline und kramte in ihrer Tasche herum. Sie zog einen Stift daraus hervor. Dann packte sie Connor am rechten Handgelenk und kritzelte ihre Handynummer auf seinen Handrücken. Connor kam aus dem Staunen gar nicht  mehr raus. Er grinste die ganze Zeit wie ein Schneekönig.
“Ruf mich an, wenn du Zeit hast!”, meinte Caroline lächelnd.
Nachdem auch Caroline verschwunden war, machten Connor und Abby sich auf den Weg zur besagten Adresse.


Becker und Grace kamen zeitgleich mit Stephen, Nick und Jenny an. Jenny ging geradewegs auf eine Horde Feuerwehrmänner zu.
“Was ist passiert?”, fragte sie direkt.
“Wir sind wegen eines Feueralarms hierher gekommen. Doch dort oben ist alles voll mit einem merkwürdigen Rauch!”, erklärte einer der Feuerwehrmänner die Situation.
“Merkwürdiger Rauch?”, fragte Nick mit gerunzelter Stirn.
“Ja. Es stinkt bestialisch! Ekelhaft… Nach Schwefel irgendwie!”
“Nach Schwefel?”, wiederholte Stephen.
“Genau. Schwefel!”, rief der Feuerwehrmann und schaute Stephen genervt an.
“Ist da oben noch jemand?”, fragte Jenny weiter.
“Ja. Zwei meiner Leute sind noch nicht wieder da und trotz dass wir den Leuten hier gesagt haben, es sollten alle das Gebäude verlassen, sind drei Idioten der Warnung nicht nachgekommen und sitzen oben im 14. Stock fest!”, brummte der Feuerwehrmann vorwurfsvoll.
“Sehr gut!”, rief Jenny, aber für sie war so gar nichts „sehr gut“ und drehte sich zu Nick um. “Sie und Ihre Leute kümmern sich darum! Becker soll Sie begleiten. Wenn Sie etwas gegen dieses Zeugs da oben brauchen, rufen Sie Abby und Connor an. Die zwei können noch etwas brauchbares holen!” Dann drehte die hübsche PR- Managerin sich wieder um und lächelte den Feuerwehrmann an.
“Und Sie bitte ich, Ihre Leute zurückzurufen. Das gesamte Gelände wird gleich von meinen Leuten abgesperrt werden. Mindestens einen Kilometer!”
In diesem Augenblick kam Hempel mit einigen seiner Leute an. Es war mal wieder das gesamte Alphateam.
“Nick, verschaffen Sie sich eine erste Lage darüber, was für Wesen uns dort oben erwarten!”, rief Jenny noch. “Grace, du bleibst bitte hier und hilfst dabei mit, die Presse von alldem fernzuhalten!”
“Aber-”
“Es ist besser, wenn wir erst einmal hochgehen!”, meinte Nick. “Das wäre wirklich besser!”
“Nachher kannst du wieder mitkommen! Drei Leute dort oben reichen ohnehin aus!”, meinte auch Stephen. Er, Nick und Becker liefen also in das Gebäude hinein, während Jenny, Hempel und Grace dafür sorgten, dass Presse, Feuerwehrleute und die Schaulustigen vom Gebäude fernblieben. Gar nicht so einfach, wie Grace feststellen musste und sie bewunderte Jenny für ihre hervorragende Arbeit, die sie leistete.