Primeval - den Anomalien auf der Spur

GeschichteAbenteuer, Freundschaft / P12
Abby Maitland Captain Becker Claudia Brown / Jenny Lewis Connor Temple Nick Cutter Stephen Hart
29.05.2015
11.06.2015
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*Der Nebel*

Vater- Tochter- Tag

Becker und Grace waren wieder zusammen. Mit fast zwei Monaten Pause dazwischen. Doch sie sagten niemandem etwas. Sie wollten es nicht. Grace hatte eher Angst davor, dass Stephen Becker eine reinhauen könnte. Erst brach Becker ihr das Herz und dann waren sie doch wieder zusammen. Das könnte die anderen ein wenig verwirren.

Eine Woche nach Captain Ryans Tod ging das gesamte ARC- Team auf seine Beerdigung. Seine Verlobte und der gemeinsame dreijährige Sohn waren ebenfalls dabei. Sie wussten nicht, was Tom Ryan genau beruflich gemacht hatte. Sie wussten nur, dass er für die britische Regierung arbeitete. Alle nahmen Anteilnahme, sagten der Verlobten, dass Ryan ein toller, tapferer Mann gewesen sei. Doch das alles konnte ihn nicht zurückholen. Becker kannte die Frau und das Kind natürlich und stand die ganze Zeit bei den beiden. Grace hatte sich zwischen Nick und ihren Vater gestellt. Letzterer hatte die ganze Zeit seine Hand auf ihrer Schulter, während der Sarg in das geschaufelte Loch in der Erde gelassen wurde. Abby, Jenny und Grace weinten still vor sich hin, während einige Soldaten, die Ryan noch von früher kannten, salutierten und dem gefallenen Kollegen die letzte Ehre erwiesen und den Worten des Pastors lauschten.


Nach der Zeremonie gingen alle getrennte Wege: Grace und ihr Vater fuhren zuerst Jenny zu sich nachhause und dann fuhren sie in ihre eigene Wohnung.
Sie waren keine fünf Minuten zuhause, da klingelte es wieder an der Tür. James ging hin und man hörte ihn mit jemandem reden. Dann wurde die Tür wieder geschlossen und er erschien im Flur mit einem riesigen Pizzakarton, einem großen Becher Carameleis und einer Flasche Wein.
“Ich habe uns eben von unterwegs Pizza bestellt - sollen wir uns eine DVD angucken und Pizza und Eis essen, bis uns schlecht wird?!”, fragte er ganz nüchtern. Grace lächelte. Das erste Mal, seitdem Ryan tot war.
“Klar. Suchst du die DVD aus? Ich hole uns Gläser und Löffel!”
“Okay. Aber du weißt, dass wir einen verschiedenen Geschmack haben, was DVDs angehen!”, rief ihr Vater aus dem Wohnzimmer. Grace kam mit zwei Weingläsern und zwei großen Löffeln für das Eis wieder und musste grinsen.
“Ich weiß. Aber das ist das einzige, das wir nicht teilen!”
“Stimmt…”, brummte James. “Ich ziehe mich schnell um!” Als er an seiner Tochter vorbeiging, gab er ihr einen flüchtigen Kuss auf die Stirn.
“Ich bin stolz auf dich, vergiss das nicht!”
Grace musste lächeln und schaltete schon einmal den Fernseher an. Dann legte sie die DVD ein, entkorkte die Flasche Wein und goss beide Gläser halbvoll ein. Dann nippte sie an einem Glas: der beste Wein, den es gab! Gerade deswegen bestellte ihr Vater bei dieser Pizzeria.
Eine halbe Stunde später lagen beide auf der großen Couch. Die Füße hatten beide an das jeweils andere Ende der Couch gestreckt, ihr Kopf ruhte auf seiner Schulter, während sie schlechten Schauspielern bei noch schlechteren Dialogen zuhörten. Es war irgendeine Dokumentation, die aber in einem normalen Film gepackt worden war. Langweilig. Aber ihr Vater liebte solche Filme.
Einige Zeit später:
“So, meine Hübsche, ich würde sagen, wir gehen ins Bett!”, murmelte James neben seiner Tochter und warf die schöne, warme Wolldecke von sich. Grace stand auf, verabschiedete sich und schlief dann in ihrem Bett direkt ein.

Am nächsten Tag brauchte keiner früh ins ARC zu fahren. Leek würde ihnen direkt Bescheid geben, wenn eine neue Anomalie aufgetaucht war. Also hatte jeder mal wieder Zeit für ein paar private Dinge:
Bei Grace hieß das, dass sie sich mal wieder Zeit für ein paar Freundinnen nahm, die sie schon unglaublich lange nicht mehr gesehen hatte. Die Gruppe an Frauen wollte gemeinsam in London Shoppen gehen. Eine Leidenschaft, die wohl alle Frauen teilten.
Eine Freundin hatte Journalismus studiert, die andere Jura und eine weitere hatte gar nicht studiert, sondern war nach der Schule direkt arbeiten gegangen und war nun die Sekretärin eines hohen Tieres in einem angesagten Unternehmen.
“GRACE!”
Die erste - die angehende Anwältin - hatte die junge Wissenschaftlerin schon aus einigen Metern Entfernung entdeckt und schrie nach ihr, so dass sich einige Menschen umdrehten. Kathy war eine schlanke, große Frau mit roten, wilden Locken und vielen, vielen Sommersprossen in dem eigentlich recht hübschen Gesicht. Das einzige Makel, das sie hatte, war ihre schrille Stimme. Da konnten einem schon mal die Ohren schmerzen. Keine Frage. Trotzdem mochte Grace sie.
Ihre drei besten Freundinnen waren vor allem ganz gespannt, was für einen Job sie machte. Doch natürlich durfte Grace ihnen nichts darüber sagen, sonst müsste man sie für den Rest ihres Lebens einsperren lassen.
“Kathy!”, rief Grace um einiges leiser und fiel dem Mädchen um den Hals. Sie erquetschte sie fast.
“Wir haben uns so lange nicht mehr gesehen! Wie geht es dir?”
“Super. Und selber? Wie ist das Referendariat so?”
“Horror!”, rief Kathy theatralisch seufzend. “Komm, die anderen beiden warten in einem hübschen Café auf uns. Und wir drei sind total gespannt auf deinen neuen Job und deinen Freund, den du uns immer noch nicht vorgestellt hast!”
Grace konnte nur lächeln, innerlich war sie hingehen ziemlich genervt: denn sie hasste so etwas! Immer diese neugierigen Menschen, die unbedingt alles über jeden wissen mussten.
Kathy und Grace liefen zum besagten Café und unterwegs quatschte Kathy ununterbrochen von all den Typen, mit denen sie in letzter Zeit aus war. Irgendwie fand Grace die Liste ein wenig lang. Ein wenig sehr lang. Aber sie sagte nichts, das Kathy verletzten könnte. Sie war es immerhin selber Schuld, dass sie die Männer wie Unterhosen wechselte: sie war wählerisch und legte sich einfach nicht fest.
Endlich kamen beide im Café an und nachdem sie sich auch die restlichen Begrüßungsfloskeln angehört hatten und nachdem dann endlich jeder einen Kaffee (oder schon den zweiten) vor sich stehen hatte, schaute nun auch Anastasia Grace neugierig an.
“Los, Grace, erzähl uns schon von deinem geheimnisvollen neuen Freund!”, rief sie kichernd.
“Er heißt Hilary Becker, ist 25, groß, hat schwarze Haare, dunkle Augen und ist mein Kollege. Vorher war er im Militär tätig-”
“Ui, also so ein richtig durchtrainierter, junger Mann!”, rief Shirley grinsend.
“Wann stellst du ihn uns vor?”, fragte Kathy.
“Mal sehen!”, brummte Grace nur.
“Und was ist nun dein neuer Job?”, fragte Anastasia weiter.
Grace seufzte schwer und lehnte sich ein Stück im Stuhl zurück. Sie wusste nicht, wie sie die drei abwimmeln konnte.