Dragon Age: Origins – Die Legende von Aliára Cousland

GeschichteAbenteuer, Romanze / P16
Alistair Der Wächter (weiblich)
29.05.2015
12.10.2018
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Und hier ist  Kapitel Zwei. ich hoffe doch sehr, das es euch gefallen wird. Vielen lieben Dank auch nochmal an @Ayuko für ihr konstruktives Review. Da hat man doch richtig Lust weiterzumachen. Ich hoffe, ich bekomme die Atmosphäre gut hin, denn in diesem Kapitel trifft unsere liebe Aliára der erste Schicksalsschlag. Und zwar nicht zu knapp! o.O
Doch lest selbst...
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Kapitel Zwei





„Aliára? Aliára, hörst du mir noch zu?“, fragte Dairren mit besorgtem Tonfall. Die junge Cousland blickte verwirrt in das Gesicht ihres Freundes. Sie waren allein in Aliáras Zimmer, abgesehen von Terrion, der im freien Raum zwischen Bett und Tür bereits schlief. Da niemand im Schloss von ihrem Treffen wusste und zudem vor einer halben Stunde die Nachtruhe begonnen hatte mussten sie leise sein, während sie in Dairrens Buch lasen und sich über den Inhalt unterhielten. Die beiden lagen auf Aliáras Bett. Zumindest hätten ihre Eltern es so bezeichnet, Aliára nannte es oft „nur ein wenig zu klein geratene Wiese“. Mit Samtwäsche überzogen, natürlich. Warum ihre Eltern auf ein derart übergroßes Bett für ihre Tochter verfallen waren wusste wohl nur der Erbauer. Wenigstens mussten sie und Dairren sich nicht zusammenquetschen. Die beiden Jugendlichen hatten sich wie sonst auch sehr angeregt unterhalten, aber als Dairren eine Bemerkung über seinen morgigen Aufbruch an der Seite von Bryce Cousland machte, war Aliáras Blick ins Leere geglitten. Sie seufzte und lehnte sich zurück. „Tut mir leid, ich…war in Gedanken“, murmelte sie. Dairren blickte sie geduldig an. Dankbar nahm Aliára dies zur Kenntnis. Er würde sie nicht bedrängen. Schließlich fuhr sie fort: „Wegen morgen…ich kann einfach nicht aufhören mir Sorgen zu machen.“ „Du würdest wirklich lieber mitkommen, oder?“, fragte Dairren. Sie nickte. „Ich kann nicht anders als mir Sorgen zu machen, trotz allem was Howe und Vater gesagt haben“, flüsterte sie. „Mag sein dass sie auch mit mir als Begleitung sterben könnten, aber dann hätte ich wenigstens Einfluss auf das Geschehen. Stattdessen muss ich die ganze Zeit im Schloss bleiben und werde keinen ruhigen Gedanken fassen können. Und wenn dann auch noch die Nachricht kommen würde, dass sie wirklich tot sind und ich mich nicht einmal verabschieden konnte…“ Sie brach ab und Dairren bemerkte erschrocken, dass einige Tränen aus ihren Augen rannen, bevor sie das Gesicht in einer Armbeuge vergrub. Er rückte ein wenig näher und legte einen Arm um sie, wobei er verzweifelt gegen die Röte in seinem Gesicht ankämpfte. Aliára war zunächst überrascht, dann jedoch legte sie ihren Kopf auf seine Schulter und unterdrückte ihre Tränen. „Es tut mir leid“, murmelte sie. „Ich weine ohne dass wirklich bereits etwas passiert wäre… jetzt komme ich dir bestimmt kindisch vor.“ „Unsinn!“, erwiderte Dairren bestimmt. „Es ist nur natürlich, dass du dir Sorgen machst. Jeder würde das tun. Was glaubst du wie besorgt ich war und wie oft ich geweint habe, wenn mein Vater zum Kampf gegen die Banditen oder zur Jagd aufgebrochen ist, weil ich Angst hatte er könnte nicht zurückkommen?“ Sie blickte auf und sah in sein verständnisvolles Gesicht. „Angst um jene die wir lieben ist das natürlichste auf der Welt, Aliára“, sagte er sanft. „Und ganz bestimmt nichts, wofür man sich schämen muss.“ Ein dankbares Lächeln erschien auf ihren Lippen. Ihre Blicke trafen sich. „Oh, Erbauer!“, durchzuckte es Dairren. „Sie ist so wunderschön, wenn sie lächelt!“ Ohne wirklich zu wissen, was er tat, reckte er sich vor und küsste sie. Aliáras erste Reaktion war völlige Überraschung. Doch dann begann sie den Kuss zu erwidern, voller Leidenschaft. Als sie sich lösten und Atem schöpften schmiegte sich Aliára an ihn. „Bleib heute Nacht bei mir“, flüsterte das Mädchen. „Bitte.“ Dairren nickte und streichelte ihr sanft über den Rücken, bevor sich erneut ihre Blicke und ihre Lippen trafen. Es dauerte noch etwa eine Stunde, bis ihnen die Augen zufielen. Ihre…“Beschäftigung“ in dieser Zeit hatte sie allerdings auch sehr ermüdet…











***
















Dunkelheit. Schreie. Waffengeklirr. Kriegsgebrüll. Die Spitze eines hohen Turmes, umhüllt von einem Meer aus violetten Flammen. Sie rappelte sich auf, ergriff ihre Klingen und sah sich voller Sorge nach den anderen um („Wo bin ich? Und wer sind die „Anderen“?“). Plötzlich sah sie einen Mann am Boden liegen, gehüllt in eine Plattenrüstung und auf dem Kopf einen geflügelten Helm mit Nasenschutz. Über ihm ragte eine gewaltige Bestie auf, deren genaue Konturen sie jedoch in all der Dunkelheit um sie herum nicht wahrnehmen konnte. Eine riesige Pranke, ausgestattet mit entsetzlich langen Krallen, hob sich in die Luft, und sie erkannte, dass das Monster den Mann töten würde. Voller Entsetzten rannte sie los. Nein! Er durfte nicht sterben („Wer ist er? Und warum will ich ihn nicht sterben lassen?“)! Die Pranke sauste herab, sie stürmte mit erhobenen Schwertern nach vorne, während ein besonders lauter Schrei erhallte







Aliára wachte auf. Es dauerte ein paar Sekunden, bis sie erkannte, dass sie in ihrem Bett lag. Sie wandte sich um. Dairren, der neben ihr gelegen hatte, stand vor der Tür, an seiner Seite Terrion, welcher knurrte. Sie stieg nun auch aus dem Bett. „Was ist los?“, fragte sie. Dairren blickte grimmig. „Das Gebell deines Hundes hat mich geweckt. Ich meinte auch, ich hätte Schreie gehört, aber jetzt ist alles ruhig.“ Aliára wischte die Reste des verstörenden Traumes aus ihren Gedanken. „Vielleicht hat er etwas gerochen?“, überlegte sie. Dairren trat vor und öffnete die Tür. „Ich werde mich mal um…“, sagte er noch, bevor ein Sirren und ein dumpfer Schlag erklangen. Dairren fiel zurück in den Raum, auf dem Gesicht einen verwirrten Ausdruck. In seiner Brust, genau im Herzen, steckte ein gefiederter Pfeil. Er war augenblicklich tot. Aliára starrte entsetzt auf seinen Leichnam, als plötzlich eine Gestalt hereinschoss, sie an der Kehle packte und gegen die Wand presste. Es ging zu schnell und war zu überraschend, als das sie sich hätte wehren können. „Sieh mal an“, sagte eine dunkle Männerstimme lachend. „Die Tochter des Teyrn. Hattest wohl ein bisschen Spaß mit dem Bengel, hm? Wir haben ja eigentlich nur den Befehl hier alle zu töten, aber ich denke meine Männer werden nicht Nein zu so einem hübschen Arsch wie deinem sagen, bevor sie dir die Kehle durchschneiden!“ Plötzlich wurde der Mann von ihr weggerissen und fiel schreiend hintenüber. Terrion hatte ihn angesprungen und schloss seine Kiefer um seinen Hals. Zitternd vor Schreck beobachtete Aliára, wie ihr treuer Hund die Kehle des Angreifers in Fetzen riss. Ein zweiter Mann kam herein und wollte den Mabari von hinten mit seinem Schwert erschlagen. Doch Aliára griff sich blitzschnell ihre eigenen Klingen vom Waffenständer und rammte die linke in den Bauch des Mannes, bevor sie ihn mit der rechten köpfte. Dann blickte sie nach draußen. Ein dritter Mann kam auf die Tür zu, doch plötzlich fiel er vornüber, einen Pfeil im Hinterkopf. Ihre Mutter Eleanor, gekleidet in eine Lederrüstung mit Pfeilköcher und ihren alten Langbogen in der Hand, kam zu ihr gelaufen. „Schatz! Was ist passiert? Bist du verletzt?“ Aliára starrte nur auf den Mann, den sie gerade getötet hatte. „Ich habe ihn umgebracht!“, dachte sie ungläubig. Das war das erste Mal, dass sie ein Leben beendet hatte. Seltsamerweise fühlte sie bis auf den Unglauben weiter gar nichts. Die Frage ihrer Mutter brachte ihre Gedanken zur Realität zurück. „N-nein, ich nicht. Aber diese Bastarde haben Dairren getötet!“, sagte sie stockend und deutete auf seine Leiche. „Was?!? Landras Sohn? Aber…“ Eleanor Cousland blickte auf die toten Angreifer. „Sieh mal! Das Wappen da, auf ihren Rüstungen…“ Aliára beugte sich hinunter. „Ein…Braunbär auf rot-weißem Grund! Das sind Howes Männer!“, stieß sie entsetzt hervor. Ihre Mutter schüttelte ungläubig den Kopf. „Aber…wieso?“ Aliára blickte sie an. Es gab nur eine möglich Antwort, so unglaublich es auch sein mochte: „Howe hat gewartet, bis die meisten unserer Soldaten weg sind und schlägt nun zu!“, sagte sie. „Seine Männer kamen absichtlich zu spät.“ „Dieser Bastard! Ich schneide ihm die Zunge heraus!“, schwor Eleanor zornig. Aliára rannte in ihr Zimmer und legte ihre leichte Lederrüstung an, für die Schwere aus Eisen fehlte ihr die Zeit. Mit ihren beiden einhändigen Klingen in den Schulterhalterungen und mit Terrion an ihrer Seite kam sie aus dem Zimmer gerannt. „Los!“, drängte ihre Mutter. „Wir müssen deinen Vater finden! Da er nicht ins Bett gekommen ist, wird er wohl unten mit Howe wachgeblieben sein.“ Doch auf dem Weg zur Tür blieb Aliára plötzlich stehen. „Was ist mit Oriana und Oren? Was, wenn Howes Männer zuerst bei ihnen waren?“ Mit einer schlimmen Vorahnung betraten sie Fergus Zimmer. Die Möbel lagen umgeworfen auf dem Boden, die Vorhänge waren zerfetzt. Und inmitten all dieses Chaos… „Nein… nein!“, weinte Eleanor, während sie neben den beiden niederkniete. „Welcher Teufel schlachtet eine Mutter mit ihrem Kind ab?“ Aliára blickte auf Orens blutüberströmten Leichnam. Das Gesicht des kleinen Jungen sah im Tod sonderbar friedlich aus. „Er hatte doch noch sein ganzes Leben vor sich“, dachte sie voller Schmerz. „Oh Erbauer, warum?“ „Howe nimmt nicht einmal Geiseln. Er will uns alle töten“, sagte ihre Mutter mit erstickter Stimme. Aliára richtete sich auf, all ihre Trauer verwandelte sich in heiße Wut. „Dafür werden sie bezahlen!“, stieß sie mit Tränen in den Augen hervor. „Ich bringe sie alle um!“ Eleanor packte ihre jüngste Tochter bei den Schultern. „Das können wir nicht, auch wenn ich es selbst gerne tun würde. Hör doch mal!“ Erst jetzt bemerkte Aliára, dass es mit der Stille vorbei war und man nun aus allen Richtungen Waffengeklirr und Schreie hören konnte. „Sie sind bereits überall im Schloss. Wir müssen entkommen und dem König hiervon berichten! Nur dann können wir Howe bestrafen! Es nützt nichts, wenn wir hier und heute sterben.“ Auch wenn sie immer noch vor Wut kochte, erkannte Aliára doch die Wahrheit in den Worten ihrer Mutter. „Nun gut“, beruhigte sie sich. „Gut. Aber wenn das hier vorbei ist, will ich Howes Kopf!“ Als sie wieder nach draußen traten ging Aliára noch einmal zu Dairrens Leiche und schloss seine Augen. Mit aller Kraft kämpfte sie die erneut aufsteigenden Tränen nieder. „Es tut mir Leid“, flüsterte sie. „Ich hätte das verhindern müssen…“ Sie richtete sich auf, zwang sich nicht weiter an ihn und vor allem nicht an die Geschehnisse vor ihrer beider Einschlafen zu denken. Ansonsten, das spürte sie, würde sie der Schmerz wohl überwältigen. Terrion war zu ihr gelaufen und drückte seine Flanke an die Beine seiner Herrin, als wolle er ihr Trost spenden. Eleanor, die den Gesichtsausdruck ihrer Tochter gesehen hatte, verzichtete taktvoll auf irgendwelche Fragen. Dann rannten Mutter, Tochter und Kriegshund hinaus und Richtung Haupthalle.



Auf dem Weg durch das Schloss und über den Hof stellten sich ihnen immer wieder feindliche Soldaten in den Weg, aber Eleanors Pfeile, Aliáras Schwerter und Terrions Zähne und Krallen machten kurzen Prozess mit ihnen. Es war das erste Mal, das Aliára ihren Kriegshund im Kampf sah, und es war ein wahrhaft furchterregender Anblick. Er war für seine Größe unglaublich schnell, seine Kraft kam der eines Pferdes gleich und seine natürlichen Waffen waren so scharf wie manches Schwert. Noch beeindruckender war ihre Mutter, die trotz ihres recht hohen Alters noch perfekt zielen konnte, und mit jedem Schuss einen Gegner niederstreckte. Und Aliára wandelte all ihre Trauer in Wut um, wodurch sie noch wilder kämpfte als ohnehin schon und Feind um Feind niederstreckte. So besiegten sie sogar eine Gruppe von sechs Mann ohne größere Probleme. Es war…seltsam einfach, wie Aliára am Rande feststellte. Nicht viel Unterschied schien zwischen diesem und einem ihrer zahlreichen Übungskämpfe zu bestehen, sah man einmal davon ab, das die Gegner schrien, sich in ihrem Blut wälzten und reglos hinter ihnen zurückblieben. Mitleid hatte Aliára jedoch nicht mit ihnen. Denn auf den Gängen und dem Hof lagen überall die Leichen alter Freunde und Bekannter. Lady Landra; Mutter Mallol, die Priesterin; Aldous, der alte und strenge aber weise Hauslehrer; Nan… Obwohl ihr Anblick Aliára fast das Herz zerriss, lief sie weiter und versuchte, so gut es ging, die stetig wachsende Trauer hinunterzuschlucken. Schließlich erreichten sie die Haupthalle. Der Teyrn war nicht dort, aber Ser Gilmore, der mit den übrigen Soldaten eine Verteidigungslinie aufgebaut und das Tor versperrt hatte, wie er mit knappen Worten berichtete. Eine kluge Wahl, denn um den Rest des Schlosses vom Haupttor aus zu erreichen, musste man die Halle durchqueren. Einige von Howes Männern waren jedoch schon durchgebrochen, bevor Ser Gilmore die Tore schließen konnte. Eben gegen diese Männer hatten Aliára, Eleanor und Terrion gekämpft. „Euer Mann ging zur Küche, Mylady. Er meinte, ihr würdet dorthin kommen.“ „Dort ist ein Geheimgang aus dem Schloss hinaus! Den wollte er benutzen!“, sagte Eleanor aufgeregt. „Los, wir müssen ihm folgen!“, rief Aliára. Doch Ser Gilmore schüttelte den Kopf. „Wenn Howes Männer durch das Tor kommen, werden sie euch einholen. Geht ihr zur Küche.“ „Und ihr?“ Mit einem grimmigen Lächeln drehte sich Gilmore um. „Ich und meine Männer bleiben hier und verschaffen euch Zeit.“ Die Soldaten der Couslands blickten entschlossen, während sie das Tor verstärkten, an das bereits ein Rammbock geschafft worden war, wie die regelmäßig zu hörenden Schläge erkennen ließen. „Lebt wohl, Ser Gilmore“, sagte Eleanor mit erstickter Stimme. „Möge der Erbauer über euch wachen.“ „Möge er über uns alle wachen“, erwiderte Ser Gilmore mit der Ruhe eines Menschen, der seinen nahenden Tod erkennt und akzeptiert. „Es war mir eine Ehre eurer Familie zu dienen. Lebt wohl, Mylady.“ Damit begab er sich zu seinen Männern, und mit einem letzten Blick auf die tapferen Soldaten rannten Aliára, Eleanor und Terrion durch eine Seitentür Richtung Küche. Dort standen vier Soldaten Howes vor der Speisekammer, die sie offensichtlich aufzubrechen versuchten. Nach ein paar Sekunden lagen sie tot oder schwer verwundet auf dem Boden. Aliára öffnete die Tür mit einem energischen Tritt. Auf dem Boden, schwer verwundet, lag ihr Vater. Sofort stürzten sie zu ihm. „Gut“, murmelte er schwach. „Ihr *hust* lebt…“ „Vater… was ist dir passiert?“, fragte Aliára mit erstickter Stimme. „Howes Männer haben mich zuerst gefunden. Hätten *hust, hust* mich fast umgebracht.“ „Aber warum, Liebling?“, fragte Eleanor, während sie die Wange ihres Gemahls streichelte. „Warum tut er das?“ Auch Aliára konnte es nicht begreifen. Der Mann, der sie als kleines Kind immer mit einem freundlichen Lächeln auf seine Schulter gesetzt hatte und so lange sie denken konnte stets ein guter Freund ihrer Eltern gewesen war, wollte jetzt ihren Tod? „Ich weiß es nicht“, keuchte Bryce. „Aber der König muss davon erfahren. Er darf damit nicht durchkommen. Und warnt Fergus! Howe hat bestimmt auch mit ihm etwas vor.“ „Du kannst es ihm selbst sagen!“, rief Aliára verzweifelt. „Nötigenfalls tragen wir dich von hier weg!“ „Dann passt aber auf“, keuchte der Teyrn, „das ihr nichts von mit verliert.“ „Das ist nicht witzig, Bryce!“, fauchte Eleanor. „Ihr müsst fliehen! Sie werden bald hier sein.“ „Der Teyrn hat recht“, erklang plötzlich eine Stimme von hinten. „Noch kennen Howes Männer diesen Zugang nicht, aber das wird sich bald ändern.“ Es war Duncan, der Graue Wächter, der mit blutbesudeltem Schwert durch die Tür trat. „Duncan hat mich gefunden, verteidigt und hierher gebracht. Ohne ihn wäre ich längst tot“, keuchte Bryce. „Dann habt ihr ihn gerettet! Vielen Dank!“, wandte sich Aliára an den Wächter. Doch dieser schüttelte mit trauriger Miene den Kopf. „Dein Dank kommt zu früh. Ich bezweifle, dass er gerettet ist.“ „Bitte, Duncan“, stöhnte der Teyrn, „bringt Eleanor und Aliára in Sicherheit. Ihr könnt das schaffen.“ „Das werde ich. Aber vorher muss ich euch um etwas bitten.“ Der Teyrn seufzte. „Ich ahne schon, was ihr meint. Ihr wollt meine Tochter rekrutieren.“ Duncan nickte. „Was hier geschieht ist nicht im Vergleich zu dem Bösen, das diese Welt bedroht. Ich kam her, um Rekruten zu finden. Und ich kann nicht mit leeren Händen gehen.“ Nach kurzem Zögern nickte der Teyrn. „Also gut. Meine Erlaubnis habt ihr.“ Alle Augen blickten nun zu Aliára. Sie schluckte. Gestern noch hätte sie ohne zu Zögern eingewilligt und nun… Dann jedoch nickte sie. „In Ordnung. Es wäre mir eine Ehre.“ „Bryce…bist du sicher?“, fragte Eleanor. „Unsere Tochter wird nicht durch Howes Verrat sterben. Sie wird leben und die Welt verändern“, sagte der Teyrn mit einer Stimme, aus der Aliára nichts als festen Glauben an das eben gesagte herauslesen konnte. Ihr tarten erneut Tränen der Rührung und der Trauer in die Augen. Eleanor nickte. Dann richtete sie sich auf. „Wächter“, sagte sie entschlossen, „geht ihr mit Aliára. Ich bleibe hier und verschaffe euch Zeit.“ „Eleanor…“, murmelte Bryce kraftlos. „Sag nichts, mein Gemahl. Ich töte jeden der durch diese Tür kommt, aber ich bleibe bei dir.“ Aliára blickte auf ihre Eltern, voller Trauer und Verzweiflung. Sie wusste, dass sie keinen von beiden würde umstimmen können. Aber dennoch… „Ich…“, sagte sie leise, stockend, „ich schwöre, dass ich euch stolz machen werde.“ „Das wissen wir. Du bist schließlich unsere Tochter. Eine Cousland“, sagte Eleanor lächelnd und liebkoste ihrem jüngsten Kind die Wange. „Du kannst uns nur stolz machen. Und nun los. Lebe wohl.“ Bevor sie mit Duncan und Terrion in der Luke zum Geheimgang verschwand blickte sie noch einmal in die Augen ihrer Eltern. Es waren keine Worte nötig. In ihren Blicken lag alle Liebe der Welt. Als sie die Luke hinter sich schlossen hörten sie ein lautes Krachen. „Sie sind durch das Tor gebrochen“, sagte Duncan grimmig. „Schnell jetzt.“



Einige Minuten später kamen sie wieder an die Oberfläche, etwa eine Meile vom Schloss entfernt. Doch auch auf diese Entfernung waren die Feuer noch zu sehen, die in der Festung loderten, sowie man auch das Gelächter der Sieger hören konnte, als das Banner der Couslands (goldener Lorbeerkranz auf weißem Grund) gesenkt und die Fahne der Howes an ihrer Stelle gehisst wurde. Und erst jetzt, als keine direkte Gefahr mehr bestand, traf Aliára das ganze Ausmaß ihres Verlusts mit der Wucht eines Streithammers. Ihre Familie, ihre Freunde, ihr Zuhause… Fort. Für immer fort. Sie sank auf die Knie und brach schluchzend in Tränen aus. Duncan legte ihr tröstend eine Hand auf die Schulter, während Terrion seinen Kopf an den Arm seiner traurigen Herrin schmiegte. Als sie kurz aufblickte sah sie im Gesicht des Wächters nichts als tiefstes Mitgefühl und Verständnis. Doch er sagte nichts, da er genau wusste, dass keine Worte ihrem Verlust gerecht werden, oder ihren Schmerz auch nur ein wenig lindern konnten. Schließlich versiegten ihre Tränen und sie richtete sich auf. Duncan und der Mabari gingen voraus in die Nacht. Bevor Aliára ihnen folgte, sah sie noch einmal auf Schloss Highever zurück. Und als sie die Flagge des Arltums Amaranthine anblickte loderte in ihrem Inneren ein furchtbarer Zorn, ein alles verzehrender Hass auf. „Dafür wirst du bezahlen, Arl Rendon Howe!“, dachte sie. „Ich komme zurück, eines Tages komme ich zurück und dann sei der Erbauer dir gnädig! Ich werde es nicht sein!“



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Sooo, was haltet ihr davon? ich hoffe ich hab's gut hinbekommen... Wie immer gilt: Reviews und konstruktive Kritik sind ausdrücklich erwünscht.^^
Das nächste Kapitel kommt vielleicht schon am Wochenende, ich hab gerade voll den Lauf. XD

Bis zum Nächsten Mal!
Hendrik Sauer, aka Inquisitor Richard Trevelyan.
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