Dragon Age: Origins – Die Legende von Aliára Cousland

GeschichteAbenteuer, Romanze / P16
Alistair Der Wächter (weiblich)
29.05.2015
12.10.2018
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Sooo, hier schonmal das erste richtige Kapitel. Ich hoffe, es gefällt euch.^^
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Erster Teil: Verrat
     
Kapitel Eins
Mit lautem Klirren prallten die Waffen aufeinander. Zwei Krieger, bis aufs äußerste konzentriert und darauf bedacht, jeden noch so kleinen Fehler des Gegners auszunutzen, umkreisten sich und schlugen aufeinander ein. Beide trugen eiserne Rüstungen, Handschuhe und Stiefel, doch ansonsten waren sie sehr unterschiedlich. Der eine, ein großer Mann mit rostrotem Haar, kämpfte barhäuptig mit einem anderthalbhändigen Schwert, während der andere einen Helm mit Visier trug, etwas kleiner war und, das außergewöhnlichste, mit zwei einhändigen Schwertern auf einmal kämpfte. Und das perfekt. Mit blitzschnellen, starken Hieben drängte er seinen Gegner in die Defensive. Ein kurzes Zögern bei der Parade eines Hiebs...und der barhäuptige Krieger war entwaffnet und die Spitze des rechten Schwertes zitterte an seiner Kehle. Ein kurzes Zucken, und der Hals wäre ein Meer aus Blut. Doch dann lachte der Krieger ausgelassen und sein Feind nahm das Schwert weg. Immer noch lachend hob der Geschlagene sein Schwert auf. „Und schon wieder habt ihr gesiegt“, sagte er grinsend. „Der dreißigste Sieg ohne eine einzige Niederlage gegen mich. Warum gebt ihr euch überhaupt noch mit mir ab?“ Während der andere den Helm abnahm, lachte er und sagte mit überraschend hoher Stimme: „Ach bitte! Ihr seid doch der beste Ritter im Dienste meines Vaters, Ser Gilmore! Die anderen hätten doch erst recht keine Chance.“ Unter dem Helm kam ein lächelndes, ebenes Gesicht mit dunkelblauen Augen, kirschroten Lippen, sanft geschwungenen Ohren und leuchtend rotem, kinnlangem Haar, welches im Gesicht bis knapp über die Augenbrauen reichte, zum Vorschein. Ser Gilmore schüttelte lächelnd den Kopf. „Danke, Herrin. Aber die meisten haben ja wohl nur Angst von einer Frau besiegt zu werden, noch dazu von so einer schönen wie ihr es seid.“ „Alter Schmeichler. Aber nun sollte ich wohl zu meinem Vater, er wollte mich ja sehen. Vielen Dank für die Übung, Ser Gilmore. Auf Wiedersehen.“ Damit ging sie von dannen. Gilmore rief ihr nach: „Ebenso“, und fügte leise hinzu: „Aliára.“ Auch wenn weder er noch einer seiner Kameraden sich bei ihr, der Tochter ihres Fürsten, keine Hoffnung machen konnte, war es für die meisten Männer der Couslands einfach unmöglich gewesen, sich nicht in Aliára zu verlieben. Ihre ungezwungene, fröhliche Art, ihre gelegentlich scharfe Zunge und ihr Verständnis für ihre Mitmenschen, das trotz ihrer jungen 18 Jahre sehr ausgeprägt war, machten sie für alle Männer anziehend.
Und nicht zuletzt machten ihre vollen, festen Brüste, die schlanken, von Training jedoch gestählten Arme, Beine und Hüften, ihr flacher Bauch, ihr wohlgeformtes Hinterteil, ihre leuchtend roten Haare und ihr fein geschnittenes Gesicht sie einfach unwiderstehlich. „Ja“, dachte Gilmore, während er ihr nachsah, „sie ist wirklich nicht nur das schönste Mädchen Fereldens, sondern das schönste von ganz Thedas.“

Das „schönste Mädchen von ganz Thedas“ hatte jedoch meist andere Dinge im Kopf als ihre Wirkung auf Männer. So auch jetzt, als sie auf die Haupthalle von Schloss Highever zuging. Ihre Gedanken drehten sich um ihren Vater…und den Krieg, der den König dazu gebracht hatte, zu den Waffen rufen zu lassen. Doch dieser Krieg war anders als der gegen die Besatzungstruppen des benachbarten Kaiserreiches von Orlais, welches Ferelden vor fast einhundert Jahren unterworfen und mit grausamer Hand beherrscht hatte und erst vor dreißig Jahren von König Maric vertrieben worden war. Diese Besatzungszeit, an deren Ende Aliáras Vater als junger Mann auf Marics Seite beteiligt gewesen war, war vielen in Ferelden noch gut in Erinnerung und der Hass auf Orlais und sein Volk saß noch in den Herzen vieler Männer und Frauen. Doch dieser neue Feind kam nicht von Westen, sondern von Süden und es waren auch keine Menschen. Es war ein Feind, der eigentlich seit Jahrhunderten ausgelöscht war. Die dunkle Brut. Allgemein war nur sehr wenig bekannt über diese Bestien, eigentlich nur, dass sie in den einst von den Zwergen gebauten Tunneln tief unter der Erde, die Tiefen Wege genannt, hausten und sich nie an der Oberfläche zeigten. Nur sehr selten kamen sie zu einem Großangriff auf die Oberfläche: Eine sogenannte „Verderbnis“. Und es gab Anzeichen, dass nun eine weitere Verderbnis bevorstand, die fünfte, seit dem Auftauchen der dunklen Brut vor über tausend Jahren. Da große Horden der dunklen Brut am Rande der Korcari-Wildnis an der südlichsten Grenze Fereldens gesehen worden waren, hatte Marics Sohn, König Cailan, der seit dem Tod seines Vaters vor fünf Jahren herrschte, allen Lords und Ladys von Ferelden befohlen, ihre Armeen bei der alten Feste von Ostagar, am Rande der Wildnis zu sammeln. So auch ihrem Vater, Bryce Cousland, der mit seinem Titel als Teyrn von Highever, neben Loghain Mac Tyr der einzige Teyrn Fereldens war, nur dem König Rechenschaft schuldig. Ihr Vater sammelte seine Truppen und die seiner Vasallen, die sich heute Abend unter seiner Führung und der ihres älteren Bruders Fergus auf den Weg machen würden. Aliára lächelte. Sie hoffte sehr, mitkommen zu dürfen. Ihr Vater wusste ja um ihre kämpferischen Qualitäten, auch wenn einige seiner Adelsgenossen ihn auslachten, wenn er voller Stolz von dieser Eigenschaft seiner Tochter sprach. Als Kriegerin hatte man es eben nicht leicht. Aber ihr Vater ließ sich nicht beirren, denn auch Aliáras Mutter war eine wahre Amazone gewesen, bevor sie ihren Vater geheiratet hatte. Die Türen der Haupthalle wurden mit einem Knarren für sie geöffnet. Der lange, hohe Raum, mit den vielen Tischen und Bänken für Feste und dem großen Kaminfeuer am Ende, war fast leer. Nur vier Personen standen ganz hinten. Ganz links entdeckte Aliára ihren Vater. Teyrn Bryce Cousland stand mit seinem orangenen Seidenhemd und seinen strähnigen, grauen Haar vor dem Feuer und unterhielt sich mit einem zweiten Mann. Erfreut erkannte sie Arl Rendon Howe, Arl von Amaranthine, mächtigster Vasall und bester Freund ihres Vaters. Howe, ein großer, dünner Mann mit hagerem Gesicht und schütteren grauen Haaren im selben Alter wie ihr Vater, hatte im Befreiungskrieg ebenfalls auf Marics Seite gekämpft. Auch wenn er unter seinen Adelsgenossen aufgrund seiner gelegentlichen Selbstgefälligkeit unbeliebt war, mochte Aliára ihn, denn ihrer Familie gegenüber hatte er stets Freundschaft und Treue gezeigt. Die anderen beiden Männer gehörten zu seinen Soldaten, wie das Wappen auf ihren Schilden (Braunbär auf weiß-rotem Grund) erkennen ließ. „…Regenfälle verzögern das Vorankommen“, hörte sie Howe sagen. „Meine Männer werden wohl erst morgen früh eintreffen. Es tut mir leid“, fügte er mit unglücklicher Miene hinzu, „hätte ich die Steuern früher eingetrieben hätten sie vor der Regenzeit losmarschieren können.“ „Macht euch keine Vorwürfe, das Auftauchen der Dunklen Brut im Süden und der frühe Herbstbeginn haben uns alle überrascht“, erwiderte ihr Vater. „Dann schicke ich Fergus eben mit meinen Männern heute Abend allein los und wir kommen morgen nach. Es wird wie damals werden, alter Freund.“. „Ja, allerdings war unser Haar damals noch nicht grau und wir kämpften gegen Orlaisianer, nicht gegen Monster.“ „Immerhin stinken sie ähnlich.“ Beide Männer lachten, bis sich Bryce Cousland umwandte und seine Tochter entdeckte. „Ah, da bist du ja. Mal wieder einen guten Trainingskampf abgeliefert, was? Howe, meine Tochter Aliára. Ihr habt euch lange nicht gesehen, was haltet ihr von ihr?“ Howe musterte sie sanft lächelnd, wie sie in ihrer Rüstung und mit ihren Schwertern vor ihm stand. „Abgesehen davon, dass sie immer noch gerne ein Mann wäre: Sie wird immer schöner.“ Aliára kümmerte sich nicht um den scherzhaften Seitenhieb und wandte sich gleich ihrem Vater zu. „Du wolltest mich sprechen?“ „Ja. Du musst wissen, dass ich dich hiermit in meiner Abwesenheit für das Schloss verantwortlich mache.“ Erst nach ein paar Sekunden drangen die Bedeutung dieser Worte zu ihr durch. „Was?! Ich kann nicht mit dir und Fergus in die Schlacht ziehen?“, fragte sie empört. „Deine Mutter würde mich umbringen, wenn ich nach Fergus auch noch dich mitnehmen würde. Du musst also hier bleiben und auf die Burg aufpassen, während ich weg bin. Du hast das Kommando hier.“ Einen Moment lang wollte Aliára sich widersetzen. Aber dann fügte sie sich mit einem resignierten Seufzer. „Na schön. Ich bleibe hier und warte auf eure Rückkehr.“ „Gut, dann ist das geklärt. Aber nun möchte ich dir jemanden vorstellen.“ Die Tür der Haupthalle öffnete sich und ein Mann schritt herein. „Seid gegrüßt, alter Freund. Dies ist Duncan, Oberhaupt der Grauen Wächter in Ferelden.“ Ähh…Ihr hattet nie erwähnt, das ein grauer Wächter anwesend sein würde, Mylord“, sagte Howe mit einem unsicheren, Ton und einem - so schien es Aliára für einen kurzen Moment - nervösen Blick zu dem Mann. „Duncan kam erst kurz vor euch an. Unangekündigt. Ist das ein Problem?“, fragte Aliáras Vater und zog fragend eine Augenbraue hoch. „Nein, natürlich nicht. Es ist nur…unerwartet“, beeilte sich Howe zu sagen. „Sag mir, Tochter…was weißt du über die Grauen Wächter?“, fragte der Teyrn. Aliára hatte den grauen Wächter bisher nur angestarrt und kein Wort gesagt. Sie war fassungslos vor Staunen. Die Wächter waren für viele Leute der Inbegriff des Wortes "Held". Die Wächter hatten sich während der ersten Verderbnis selbst gegründet, ein Orden aus Veteranen des jahrelangen Kampfes gegen die Dunkle Brut. Sie hatten geschworen, alles aufzugeben, wenn dies nötig war um das wüten der Dunklen Brut zu stoppen. Sie bestanden aus Männern und Frauen aller Rassen und sozialen Schichten, egal ob Bettler, Krieger oder Könige. Unter ihrer Führung wurden die Verderbnisse abgewehrt und die Dunkle Brut ein ums andere Mal zurückgeschlagen, bis die letzte der bisher vier Verderbnisse vor 400 Jahren in der Schlacht von Ayesleigh ihr Ende fand. Seit damals war die dunkle Brut verschwunden und die Menschen gingen von ihrer endgültigen Vernichtung aus.
Dies hatte jedoch auch zufolge, dass die Grauen Wächter kaum noch gebraucht wurden und ihr Orden in einigen Ländern allmählich schrumpfte. Nun gab es in Ferelden nur noch eine Handvoll und ihr Anführer stand nun vor ihr! Sie zwang sich zur Ruhe. „Sie sind ein Orden mächtiger Krieger und haben vor langer Zeit die dunkle Brut besiegt“, sagte sie mit ruhiger Stimme, erkannte aber am belustigten Gesicht ihres Vaters, dass er das Glitzern in ihren Augen bemerkt hatte. „Leider nicht endgültig, fürchte ich“, erwiderte Duncan. „Nun, diesmal wird es besser laufen!", erwiderte Aliáras Vater zuversichtlich. Duncan ließ ein leises Lächeln über sein Gesicht huschen. „Wir werden sehen“, sagte er. „Doch zunächst zum Grund meines Besuchs.“ Plötzlich trat ein harter Glanz in die Augen des Teyrn. „Ich habe euch doch bereits gesagt, dass ich es nicht erlauben kann, dass…“ „Es geht um Ser Gilmore“, sagte Duncan ruhig. „Ich will ihn prüfen.“ Aliáras Vater blickte verwirrt. „Ah…nun gut.“ „Auch wenn“, sagte Duncan zu Aliára gewandt, „sie auch eine gute Kandidatin wäre…“ Sofort schritt Teyrn Cousland ein. „Nein, alter Freund. Das kann ich nicht zulassen.“ Aliára war überrascht. Sie könnte eine Wächterin werden? Aber wieso war ihr Vater dagegen? Howe schien genauso zu denken, denn er hob überrascht eine Augenbraue. „Seht ihr die Grauen Wächter denn nicht als Helden an?“ „Doch. Aber es ist schlimm genug, dass ich meinen Sohn mit in den Krieg nehmen muss. Ich will nicht das Risiko eingehen, auch noch meine Tochter zu verlieren.“ Für einen Moment wollte Aliára aufbegehren. Sie konnte doch kämpfen und war kein kleines Kind mehr! Aber da sie wusste, das sie ihren Vater nicht würde umstimmen können, fand sie sich, wenn auch etwas widerwillig damit ab. „Wie auch immer, Liebling, du solltest nach Fergus sehen. Er verabschiedet sich gerade von seiner Frau und seinem Sohn. Wir sehen uns.“ Aliára nickte und ging von dannen. Duncan blickte ihr nachdenklich hinterher.

Aliára hatte kaum die Halle verlassen, als sich die Tür hinter ihr noch einmal öffnete. „Verzeih, Mädchen. Auf ein Wort?“, fragte Arl Howe lächelnd. „Natürlich“, erwiderte sie erfreut. Der grauhaarige Mann musterte sie eingehend. „Du bist wirklich herangewachsen in den letzten Jahren. Von dem kleinen Mädchen, welches du einmal warst, ist nur wenig wiederzuerkennen. Und wie ich gehört habe sind deine Fähigkeiten mit dem Schwert außergewöhnlich geworden. Ich kann den Stolz von Bryce verstehen.“ Er seufzte. Ich wünschte, meine Kinder wären auch so vielversprechend.“ Howe hatte drei Kinder: Thomas, dessen jüngeren Bruder Nathaniel und ihre Schwester Delilah. Thomas war der älteste und somit der Erbe, doch er zeigte weder Ehrgeiz noch Willen seinem Vater in die Fußstapfen zu treten. Delilah war stets höflich und voller Lebensfreude, doch als unverheiratete Tochter hatte sie kaum Chancen auf einen legitimen Anspruch. Natahniel hatte Aliára noch nicht kennengelernt. Kein Wunder, der zweitälteste Nachkomme des Arls verbrachte seine Zeit mit Reisen durch die nördlichen Länder. Sie hatte nur gehört, dass er ein ausgezeichneter Bogenschütze sein sollte und nur wenig von Politik hielt. „Delilah und Nathaniel haben ja gute Ansätze, aber dir sind sie weit unterlegen.“ Verlegen erwiderte das Mädchen: „Im Kampf vielleicht. Ich verstehe auch nicht viel von Politik.“ „Ihr seid zu bescheiden. Die Couslands waren in den meisten Bereichen stets versierter als meine Familie.“ Er lächelte. „Was erklären könnte warum sie Teyrns waren, nicht die Howes.“ Einen kurzen Moment lang glaubte Aliára ein dunkles Glitzern in Howes Augen zu sehen. Doch bei erneuter Betrachtung war da nichts, weshalb sie es als Einbildung abtat. „Es ist gut, dass dein Vater dich im Schloss lässt“, fuhr der Arl von Amaranthine fort. „Erstens bist du die beste Wahl um es in seiner Abwesenheit zu verwalten. Und zweitens“, er blickte sie traurig an, „glaub mir, eine Schlacht klingt nach einem großen Abenteuer aber Krieg ist nichts was man erleben sollte. Schon gar nicht in so jungem Alter.“ „Und wenn Vater und Fergus ohne mich fallen?“, fragte sie leise. Howe legte ihr eine Hand auf die Schulter. „Das würden sie vielleicht auch mit dir, wenn Cailan selbst das Kommando hat, dieser Narr!“ Überrascht von diesem Missfallen gegenüber dem König blickte Aliára ihn an. „Verzeihung“, sagte Howe beschämt. „Ich sollte nicht so über ihn sprechen. Er ist ein guter Mann, auf seine Art. Aber wenn ich ihn mit Maric vergleiche bin ich immer wieder enttäuscht.“ Er blickte sie nachdenklich an. „Nun, ich sollte zurück zu deinem Vater. Ich bin mir sicher, du wirst deine Aufgabe in seiner Abwesenheit gut erfüllen.“ „Habt dank für euer Vertrauen. Und ich wünsche euch alles Gute.“ Überrascht, aber auch erfreut reichte der Arl ihr die Hand. „Vielen Dank, Aliára. Das wäre nicht nötig gewesen.“ Damit gingen sie auseinander. Sie sah den dunklen Blick nicht, den Howe ihr nachwarf. Ein Blick voller Neid, Wut. Und Hass.

Aliára dachte immer noch über die nächsten Tage und ihre Aufgabe nach, als sie ein lautes Bellen und Gekreisch hörte. Das würde doch wohl nicht schon wieder…? „Herrin!“ Um die Ecke vor ihr kam ein hilflos wirkender Ser Gilmore gerannt. „Was gibt es?“ „Euer Hund, Herrin…er ist in die Speisekammer eingedrungen.“ „Was denn? Schon wieder?“, stöhnte Aliára. „Lasst uns zur Küche gehen, bevor Nan noch vor Wut platzt.“ Während sie rannten verdrehte Aliára die Augen. Terrions Lieblingsbeschäftigung schien es zu sein, die Köche zu ärgern und etwas aus der Speisekammer zu stibitzen. Das Geschrei der älteren Köchin war noch durch die geschlossene Tür zu hören. Als Ser Gilmore und Aliára eintreten, fuhr Nan zu ihnen herum, sehr zur Erleichterung der elfischen Gehilfen, die bis zu diesem Zeitpunkt Ziel ihres Zorns gewesen waren. „IHR!“, fauchte sie. „Holt sofort euren Köter aus der Speisekammer, bevor er den Braten für die Gäste des Teyrn verputzt! Könnt ihr dieser Bestie nicht etwas Anstand beibringen?“ Da Aliára wusste, wie sinnlos ein Streit war, überhörte sie die Bemerkung geflissentlich. Allein ging sie in das Lager, wo Terrion gerade einige Säcke anknurrte. Als er bemerkte, dass seine Herrin hereingekommen war, drehte er sich um, bellte glücklich und wedelte mit dem Schwanz. Das Mädchen lächelte. Auch wenn Terrion oft für Ärger sorgte, war er doch ein treues Tier, so wie alle seiner Rasse. Mabari waren eine in Ferelden gezüchtete Rasse von Kriegshunden, muskelbepackt und mit einer Schulterhöhe von etwa einem Meter. Die großen Hunde wurden von den Adligen verehrt und es galt als Statussymbol einen Mabari oder gar ein ganzes Rudel zu besitzen. Auch wenn Ferelden ob dieses “Hunde-Kults“ oft verspottet und von den Orlaisianern gar als Babaren beschimpft wurde, waren Mabari extrem treue Tiere, die alles für ihre Herren tun würden. Zudem waren Mabari außerordentlich klug, selbst für Hunde. So klug, dass manche sogar behaupteten, sie verstünden die menschliche Sprache. Manches Mal hatte sich Aliára gefragt, ob da vielleicht etwas dran wäre. Sie streichelte seinen Kopf. „Terrion, wirklich. Du müsstest doch langsam wissen, dass du nicht in die Speisekammer sollst. Nan…“ Plötzlich fuhr Terrion herum und sprang zwischen die Säcke. Als er wieder auftauchte, hingen zwei tote Ratten in seinem Maul. Die scharfen Zähne und Krallen hatten kurzen Prozess mit den Schädlingen gemacht. Aliára verstand: Terrion hatte nie vorgehabt die Kammer zu plündern, er hatte nur die Ratten gewittert und sie gejagt. Als die beiden aus der Kammer traten und Aliára dies Nan erklärte, zeigte sie sich versöhnlich und gab Terrion sogar ein Stück Fleisch, das dieser gierig verschlang. Sie verabschiedete sich von Ser Gilmore und eilte mit Terrion zum Hauptgebäude, wo die Schlafzimmer der Familie lagen. Auf dem Weg dorthin trafen sie auf Aliáras Mutter, Eleanor Cousland, die sich mit einigen ihrer Gäste unterhielt. Es waren Lady Landra und ihr Sohn Dairren, sowie ihre elfische Kammerzofe Iona. „…und das hier“, sagte Eleanor gerade, während sie ein mit Diamanten besetztes Amulett zeigte, „wurde meinem Mann bei seiner letzten Reise von einem betrunkenen Grafen geschenkt, der dachte, er habe den König vor sich. Ist es nicht hübsch, zumindest für etwas aus Orlais?“ Sie lachte. Nach dem Krieg hatte Aliáras Vater viele Reisen nach Orlais unternommen und sich dort um ein gutes Verhältnis zwischen den Ländern bemüht, damit die Besatzungszeit sich nicht wiederholen würde. Dies hatte ihm die Freundschaften einiger orlaisianischer Grafen und Barone eingebracht, wenngleich einige fereldische Adlige es mit Argwohn sahen. Aber Teyrn Bryce Cousland gab nichts auf die bösen Zungen und bemühte sich weiterhin um den Frieden. Lady Landra nickte, wandte den Kopf zur Seite und entdeckte Aliára und Terrion. „Oh, Eleanor, was für ein hübsches Mädchen eure Tochter geworden ist. Ihr habt mir ja gar nichts davon erzählt! Sicher wird sie von Verehrern belagert. Oder ist sie gar bereits verlobt?“ Aliára wurde rot. Es stimmte, sie hatte viele Verehrer, aber sie wies alle ab, da niemand ihr wirklich gefiel. Wenn sie einmal heiraten würde, dann jemanden, der ihre Eigenschaften, auch ihren Willen zum Kampf, zu schätzen wusste und sie nicht unterdrückte. Und so jemandem war sie noch nie begegnet, obwohl sie mit 18 Jahren schon längst im heiratsfähigen Alter war. Sie wusste, dass ihre Eltern bereits fürchteten, sie könne als alte Jungfer sterben. Aliára blickte kurz zu Dairren hinüber. Er erwiderte den Blick lächelnd. Sie beide hatten sich bereits mehrmals getroffen, und er war der einzige Junge gewesen, der nicht über ihre kämpferischen Ambitionen gelacht hatte. Wenn seine Familie zu Besuch war, hatten sie sich des Nachts oft heimlich getroffen und über den Schwertkampf und Abenteuer geredet. Sie waren gut befreundet, aber ob sie ihn liebte war sie sich nicht sicher. Dass er sie liebte hatte sie längst begriffen, obwohl er noch nicht den Mut gefunden hatte es ihr zu gestehen. Deismal würden sie sich nur einmal treffen können, da Dairren mit Teyrn Cousland in die Schlacht reiten würde, während sie hier bleiben und die Burg bewachen durfte. Sie verbannte diesen leicht bitteren Gedanken aus ihrem Kopf. „Nein, ich bin noch nicht verlobt. Ich konzentriere mich lieber auf mein Training“, erwiderte sie. „Aber es ist schön, euch widerzusehen, Lady Landra.“ „Training? Wollt ihr etwa immer noch in die Schlacht ziehen?“, fragte Landra mit gespieltem Entsetzen. „Oh, sie hat das nötige Können. Ich war seinerzeit ja auch eine gute Kämpferin, aber das war bevor ich Bryce kennenlernte“, sagte Eleanor lächelnd. „Die Ehe scheint auch die wildesten Frauen zu zähmen.“ Dann wandte sie sich zu ihrer Tochter, die ob dieser Anspielung leicht genervt die Augen verdrehte. „Du hast deinen Hund also gebändigt? Ich hoffe, er hat nicht zu viel Chaos angerichtet.“ „Aber nein, Mutter“, erwiderte sie mit todernster Miene und Stimme. „Er hat nur Nans Kopf zum Explodieren gebracht und die Küchengehilfen gefressen.“ Nach ein paar Sekunden des Schweigens brachen alle in schallendes Gelächter aus. „Na, dann ist ja wenigstens einer für heute satt“, kicherte Dairren. Terrion bellte glücklich und verzog die Lefzen zu etwas, das man als schelmisches Lächeln bezeichnen könnte. „So, nun aber ab zu deinem Bruder. Du willst dich doch sicher von ihm verabschieden“, ermahnte Eleanor ihre Tochter. Mit einem feinen Grinsen schob sich Aliára mit Terrion an den Anwesenden vorbei Richtung Hauptgebäude. Als sie an Dairren vorbeikam, hörte sie ihn leise flüstern: "Ich warte in deinem Zimmer, mit dem neusten Buch über die Kunst des Fechtens." Sie zwinkerte ihm zu um zu signalisieren, das sie verstanden hatte. Und war sehr erheitert, als sie die leichte Röte auf seinem Gesicht bemerkte.

Sie fanden Fergus in seinem Gemach, wo er sich von seiner Frau Oriana und seinem Sohn Oren verabschiedete. Oriana war eine Adelstochter aus Calabrien, einem Fürstentum aus dem Gebiet locker verbundener Staaten nördlich von Ferelden, genannt die Freien Marschen. Auch wenn es eine arrangierte Ehe war, hatten sich die beiden ineinander verliebt und waren sehr glücklich mit ihrem sechsjährigen Sohn. „Gibt es wirklich einen Krieg, Papa? Bringst du mir ein Schwärt mit?“, fragte Oren aufgeregt. „Es heißt „Schwert“, Oren“, sagte Fergus, während er sich lächelnd zu seinem Sohn hinabbeugte und ihm den Kopf streichelte. „Und ja, ich bringe dir natürlich das mächtigste Schwert mit, das ich finden kann.“ Oriana blickte besorgt. „Ich habe immer noch Angst um dich, Liebling.“ „Was denn?“, fragte Fergus mit Schalk in den Augen. „Glaubst du etwa, die dunkle Brut hätte auch nur den Hauch einer Chance?“ Er dreht sich zur Tür um. „Ah, und da ist ja auch meine kleine Schwester um mich zu verabschieden. Sag jetzt aber nicht das du dir auch Sorgen machst?“ „Aber nicht doch, lieber Bruder“, entgegnete sie spielerisch. „Wer kann dich schon schlagen?“ Dann wurde sie wieder ernst." Aber ich wünschte trotzdem ich könnte dich begleiten.“ Fergus nickte. „Ich auch, ehrlich gesagt. Dein Können mit den Schwertern könnte ich da draußen wirklich gut gebrauchen. Irgendwer muss mir ja den Rücken freihalten.“ „In Calabrien wäre es undenkbar, dass eine Frau in die Schlacht zieht“, kam es von Oriana mit einer Mischung aus Bewunderung und Missbilligung. „Ach? Ich dachte die calabrischen Frauen seien sehr gefährlich“, sagte Aliára belustigt. Oriana lächelte. „Nur mit Güte und Gift, meine Liebe.“ „Und das von der Frau, die mir den Tee serviert…“, ließ sich Fergus vernehmen. „Wie auch immer, ich soll dir von Vater ausrichten, dass du jetzt losziehen sollst und er morgen nachkommt.“ „Dann sind Howes Männer immer noch nicht hier? Gehen die rückwärts oder was?“, fragte Fergus verärgert. „Nun ja, dann bereite ich mich mal vor. Ich werde mich unten noch von Mutter und Vater verabschieden, bevor ich losgehe. „Du, Tante“, kam es von Oren, „du bleibst ja mit uns hier im Schloss. Wenn wir angegriffen werden, gibt es dann auch Drachen?“ „Drachen sind gefährliche, menschenfressende Monster, Oren!“, ermahnte ihn Oriana. „Toll! Ich will einen sehen!“, rief Oren begeistert. Mit gespielter Verzweiflung wandte sich Oriana an ihren Gemahl. „Das ist dein Einfluss, Fergus. Dann verabschiedeten sie sich und Fergus ging zur Tür hinaus, Aliára kam hinterher. In der Halle hatten sich die Gäste bereits verabschiedet, nur Howe verabschiedete sich noch von Bryce Cousland bevor er sich in sein Gastquartier zurückzog. Der Teyrn trat zu seinen Kindern und legte Fergus die Hand auf die Schulter. "Viel Glück, mein Junge", sagte er mit einem warmen Lächeln. "Deine Mutter wartet draußen, verabschiede sie bitte auch noch." Als Fergus sich entfernte wandte sich der ältere Mann seiner jungen Tochter zu. "Und du, Aliára: Sag was dir auf der Zunge liegt. Du bist verstimmt, weil ich dich nicht mitnehmen will, nicht wahr?", fragte er. Aliára nickte nur. Bryce seufzte. "Glaub mir, Mädchen: Ich hätte dich auch gern dabei. Aber du bist noch zu jung, um die Schrecken des Krieges erleben zu sollen." Sein Blick schweifte in die Ferne. "Manchmal wache ich nachts immer noch auf, die Bilder der Toten und Verwundeten vor meinen Augen und ihre Schreie in meinen Ohren..." Sein Blick wanderte wieder eindringlich zu ihr. "Ich bin mir darüber im klaren, das du dich beweisen willst. Aber bitte sei dir auch darüber im Klaren, dass ich dich nicht hier lasse, weil ich nicht an dich glaube. Sondern weil ich dich vor derartigen Erlebnissen bewahren will. Am Krieg ist überhaupt nichts glorreiches. Auch nicht an einem gegen hirnlose Bestien. Es ist dennoch nur eine grausame Angelegenheit, die einen für immer verändert, oftmals nicht zum besseren. das ist auch der Grund, warum ich Duncan nicht erlaube dich zu prüfen. Das Leben eines Wächters ist mit zahlreichen persönlichen Opfern verbunden. Auch wenn du nicht meiner Meinung bist: Ein so junger Mensch wie du sollte zu Hause bei seiner Familie bleiben, nicht über Schlachtfelder ziehen." Er lächelte schelmisch. "Mal ganz abgesehen davon, das deine Mutter mich umbringen würde, wenn ich dich auch noch mitnehme." Aliára umarmte ihren Vater. Seine Worte hatten sie weitesgehend beruhigt. Das er nicht an ihren Fähigkeiten zweifelte oder sie nur daheim lassen wollte, weil sie kein Mann war, erleichterte sie ungemein. Sie wäre zwar dennoch gerne mitgekommen, aber sie verstand seine Gründe. Wie konnte sie ihm noch böse sein? Er gab ihr lächelnd einen leichten Klapps auf die Schulter. "Jetzt verabschiede dich aber nochmal von deinem Bruder, wenn er loszieht. Er wird sich sicher freuen."

Vor den Toren des Schlosses umarmten sich Bruder und Schwester noch einmal, während Fergus Männer sich bereits in marsch setzten. „Musst du heute wieder früh zu Bett?“, fragte er lächelnd. Sie grinste. „Ja, aber das ist nicht weiter schlimm, wenn da jemand auf mich wartet.“ Kurz blickte er verdutzt, dann lachte er und klopfte ihr auf die Schulter. „Du freches Luder! Ich hoffe nur, dass der Junge die Mühe wert ist, sonst rede ich mal ein ernstes Wörtchen mit ihm, wenn ich wieder da bin.“ „Auf Wiedersehen, Bruderherz.“ „Ein baldiges Wiedersehen, Schwesterherz.“ Und während er davonging, dachte sie: „Ja. Ich schätze dieser Krieg wird nicht lange dauern. In spätestens ein oder zwei Monaten Monat sehe ich ihn wieder.“

Keiner der beiden konnte ahnen, welch dunkle Wolken sich über ihnen zusammenbrauten. Und das dies nur der Beginn einer Geschichte voller Blut, Leid, Tod und Opfer war.

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Wie im Vorwort angekündigt wird es wohl eine Woche bis zum nächsten Kapitel dauern. Dis dahin, Tschau!^^
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