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So far away

GeschichteDrama, Schmerz/Trost / P12 / Gen
Alibaba Saluja Kassim
27.05.2015
29.05.2015
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27.05.2015 775
 
Seine Augen waren wie ausgetrocknet und sein Kopf schmerzte ihn vom vielen Nachdenken. Wie viele Stunden verbrachte er nun schon in diesem Zimmer? Wie viele davon hatte er damit verbracht seinen Gefühlen freien Lauf zu lassen? Er hatte nicht nur geweint in dem Zimmer, er hatte auch geschrien, aber so leise, dass keiner es hätte mitbekommen können.

Dennoch, war sein Aufenthalt in diesen Gemächern nicht zu seiner Zufriedenheit, denn er hatte einfach zu viele für seinen Geschmack darin verbracht. Und immer noch tat es einfach zu schrecklich weh daran zurückzudenken. An den Moment, in dem er alles verlor. In dem er ihn verlor.



Er blickte auf und sah in sein verweintes und leicht angeschwollenes Gesicht und hätte am liebsten den Spiegel zerschlagen. Sein Anblick war erbärmlich. Wie tief war er gefallen, dass er so aussehen musste? Doch Alibaba Sajula, so hieß der junge Mann, war nicht in seiner alten Heimat Balbadd, sondern als Gast bei König Sinbad in Sindria. Deshalb konnte er es sich nicht erlauben irgendeine Sachbeschädigung am Mobiliar zu verantworten. Obwohl es sicherlich auch nicht aufgefallen wäre.

Viel hatte er bis jetzt noch nicht von den anderen Räumlichkeiten, außerhalb seines Zimmers und des Badezimmers, gesehen. Dafür litt er zu sehr an dem Verlust seines besten Freundes, obwohl er so viel mehr für ihn war.

Es versetze ihm wieder einen Stich, als er an sein Gesicht denken musste und an den Moment, in dem er in seinem Armen gestorben und ihn für immer verlassen hatte. Denn er hatte absolut nichts dagegen tun können. Er hätte ihn sicherlich vorher retten können, doch noch schlimmer, er hatte ihn mit seinen eigenen Händen getötet. Kassim ...



Alibaba konnte nicht genau sagen, was er gerade denken oder machen sollte. Zu sehr hatte sich die Schuld in seinen Knochen gefressen und sie wollte ihn partout nicht loslassen. Es war seltsam, denn eigentlich hätte er den anderen dafür auch hassen können. Immerhin war Kassim der Dunkelheit verfallen und das einzige Licht, das er noch besaß, wollte er ein ums andere Mal mit seinen eigenen Händen zum Erlöschen bringen.

Aber Alibaba war nicht so leicht unterzukriegen gewesen, wie es sich der Junge mit den Rastas gedacht hatte. Obwohl er zu dem Zeitpunkt eher gute Miene zum bösen Spiel gemacht hatte. Zu sehr hatte es ihn geschmerzt, dass sein bester Freund vom rechten Weg abgekommen war. Was war nur in der Zeit passiert, als sich ihre Wege getrennt hatten? War noch mehr im Spiel, als das was Kassim ihm erzählt hatte?

Er hatte sich eh die letzten Tage Gedanken darüber gemacht, ob er vielleicht genauso geworden wäre, hätte der König ihn nicht zu sich genommen und so von seiner Familie getrennt. Es war für ihn umso schwerer zu akzeptieren, dass seine Familie so stark gelitten hatte, während er täglich den Arsch abgeputzt bekam. Obwohl dies vielleicht etwas übertrieben war.

Sein Blick schweifte umher und er ging langsam zu dem großen Fenster. Die Aussicht konnte ihn auch nicht fröhlicher stimmen, obwohl es wirklich ein wunderschöner Tag war. Die Sonne schien über die lebhafte Stadt und das Getümmel von Menschen war bis zu seinem Zimmer zu hören. Doch er hatte sich zu sehr an die allgegenwärtige Trauer und Wut geklammert, die in seinem Inneren wütete. Er hatte nämlich gehofft, endlich, nach so langer Zeit wieder mit Kassim vereint zu werden. Die alten Zeiten wieder aufleben zu lassen, doch nun würde keiner seine Träume in Erfüllung gehen. Immerhin waren sie mehr als nur beste Freunde gewesen, denn seine Mutter hatte sie zu Brüdern werden lassen. Doch es war noch so viel mehr, das beide verband, dass es sich für ihn so anfühlte, als wäre sein Herz herausgerissen worden.

Und doch war da dieses eine kleine Sache, die beide verband. Auch wenn diese mit der Zeit anderes wurde, als Alibaba je gedacht hätte. Denn auch wenn er wusste, dass Kassim sein Bruder war, so hatte er sich öfters gewünscht, dass es mehr als nur das zwischen ihnen gab. Denn die Momente, die sie zusammen verbracht hatten, hatten sie zusammengeschweißt und zu Komplizen gemacht. In jeglicher Hinsicht, sei es nun als Verbrecher oder anderwärtig.

Alleine der Gedanke an diese gemeinsame Zeit schmerzte in seiner Brust und so riss er sich von der lebhaften Stadt los und warf sich wieder auf sein Bett. Diese Nachdenklichkeit, die sich in sein Gewissen gehaftet hatte, machte ihn fast rasend. Am liebsten hätte er wieder laut geschrien, die Ausstattung, gegen seine Prinzipien, zerstört und den einen oder anderen niedergestochen. Doch so war seine Persönlichkeit nicht. Er würde nicht wegen der Trauer wüten, denn so tief war er noch nicht gefallen.


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Mein Beitrag zum Sommerwichteln 2014 auf Animexx, mein Wichtelkind war Ren_Koumei.
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