Geschichte: Fanfiction / Bücher / Zamonien / Atlantis

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Atlantis

von No Cookie
GeschichteAbenteuer, Angst / P12
27.05.2015
08.07.2015
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27.05.2015 1.089
 
Atlantis
Schon seit Tagen hatte sich diese gewaltige Metropole am Horizont abgezeichnet und die kleine Karawane mit ihren Versprechungen auf weiche Betten und deftige Mahlzeiten zu mehr Eile angetrieben. Mit jedem Schritt und jeder verstrichenen Stunde war sie dann weiter herangewachsen, bis sie Himmel und Erde so selbstverständlich miteinander verband, als sei die gewohnte Leere dazwischen nichts weiter als Einbildung.
Mit sich brachte sie dabei ein Rauschen wie das eines vom Sturmwind gepeitschten Meeres. Angefüllt mit den Geräuschen, die Leben eben so verursacht, nur tausendmal stärker als an jedem anderen Ort, den ich bisher betreten hatte.
Ich war müde, und obendrein klebrig von einer schauderhaften Mischung aus dem Zuckerstaub der Süßen Wüste und dem Schweiß, der mir unter der brennenden Sonne immerzu den Rücken genässt hatte. Zudem schmerzte mir meine Kehrseite ganz fürchterlich von dem ungewohnten Reiten auf dem unbequemen Kamedarrücken. Eklig und erschöpft wie selten zuvor, wollte ich in diesem Augenblick aber dennoch nirgendwo anders sein, als genau hier.
Diesmal hatte mich mein Reisefieber quer über den halben Kontinent geführt, obwohl mir an großen Städten und verstopfen Straßen voller Daseinsformen sonst eigentlich nichts lag. Doch wer in Zamonien lebte, der sollte sich dessen Hauptstadt auch mal ansehen, sonst war es kein rechtes Leben. So sagte zumindest ein Sprichwort, welches allerdings auch von einem findigen Karawanenführer erdacht sein könnte.
Nun, nach dieser anstrengenden Reise, stand also nur noch das Tor aus schwarzem Stein zwischen mir und all dem Großartigen, das dahinter hoffentlich auf mich wartete. Von den Leibermassen meiner Reisekameraden, die sich gerade, mehr oder weniger gesittet, hindurchdrängelten, mal abgesehen. Knuffend und puffend versuchten sie, einen vorteilhaften Platz in der Schlange zu ergattern, was heftige Wortgefechte und gar harmlose Rangeleien nach sich zog.
Ich schob mir meinen kleinen Rucksack die Schultern weiter nach oben und stellte mich einfach irgendwo hin. Es müsste ohnehin ein Wunder geschehen, zwischen all den ungeduldigen Beinen überhaut entdeckt und eingelassen zu werden. Verträumt betrachtete ich die Silhouetten der Schraubentürme und der Pyramiden, die mit Leichtigkeit über die Mauer hervor ragten. Irgendwann sprach mich dann jemand an.
„Guten Tag! Bist du ein Mensch, mit einem Menschen direkt verwandt, oder ernsthaft befreundet......“, spulte der Wachyeti seinen Fragenkatalog hinunter und sah ganz so aus, als hielte er das alles für absolut unnötig.
Geduldig ließ ich ihn zu einem Ende finden, schüttelte dann aber nur verneinend den Kopf. Der Yeti knurrte und beugte sich tief vornüber, um mich ein wenig genauer betrachten zu können. Er kratzte sich unter der gläsernen Mütze und ein breites Grinsen entblößte seine beeindruckenden Zahnreihen.
„Eigentlich wäre ich jetzt dazu verpflichtet, dich auf die patroulliernden Greife aufmerksam zu machen und dich dazu anzuhalten, keine Dummheiten zu begehen“, grunzte er, was wohl ein Lachen sein sollte, „aber da du ja sogar für einen Hempel ein Mickerling bist, kann ich mir das wohl sparen.“
Sein hämisches Lachen klang mir immer noch in den Hörlöchern, als ich  mit rotem Gesicht die gepflasterte Hauptstraße betrat. Blödmann.
Stadt, was war das doch für ein schwaches, lächerliches Wort für das, was sich meinem Auge hier bot. Häuser, Straßen und Daseinformen fand man hier in wirklich atemberaubenden Mengen und einer solchen Vielfalt, wie es eben nur ein Ort schaffte, an dem sich ein ganzer Kontinent hinter eine gemeinsame Mauer zusammendrängte. Voller Vorfreude, all das zu erkunden, tappe ich über die Straße, spürte aber auch eine vertraute Angst in meinem Magen. Wenn ich mich hier verlief, würde ich mein Lebtag nicht wieder hinausfinden.
Die Karte raschelte, als ich sie hervorzog und zum vielfachen Male studierte. Natürlich zeigte sie nur einen winzigen Teil von Atlantis, aber ich hatte mir den Weg zu meinem Hotel darauf einzeichnen können und ihn gar auswendig gelernt.
Doch in diesem Moment schien es mir, als sähe ich das alles zum ersten Mal. Es war so anders, wenn die Linien auf dem Papier unter den Füßen aus Stein und die harmlosen Rechtecke hohe Gebäude mit dunklen Wänden waren.
Es schepperte und krachte laut, gerade als ich den Weg in eine der engen Seitengassen einschlagen wollte, und etwas rollte klimpernd über den Untergrund, bis es an meinen Schuh stieß. Aufgeschreckt ließ ich das Pergament sinken und hob auf, was dort im Sonnenlicht glitzerte. Es war ein einfaches Vorratsglas mit fest aufgeschraubtem Deckel und beschriftet mit krakeligen Buchstaben, die ich nicht entziffern konnte. Das war allerdings nicht nötig, denn die durchsichtigen Wände zeigten mir fast stolz ihren Inhalt. Drei riesige Insekten staksten auf langen Beinen über den Boden ihres Gefängnisses und klopften damit gegen die harten Wände.
„Kannst du denn nicht besser aufpassen, du ungeschickter Trampel?“, klang da eine erboste Stimme über den bisher so friedlichen Platz und übertönte sogar das übliche Gebrumm dieser Stadt.
Ich drehte mich danach um und entdeckte meinen Freund, den Yeti, der sich vor einer Schreckse aufgebaut hatte, die Arme bedrohlich in die Hüften gestemmt.
Die Schreckse wiederum kauerte auf dem Straßenpflaster, eine Handvoll Dinge an sich gerafft, die sie ängstlich umklammert hielt. Neben ihr lag ein umgekippter Handkarren, dessen zerrissenes Stoffdach im Wind wehte und der auch sonst recht mitgenommen aussah.
„Was fällt dir überhaupt ein, mir mit deinem Karren erst fast über den Fuß zu fahren und dann deinen ganzen Krempel auch noch auf der Straße zu verteilen. Willst du hier den ganzen Verkehr aufhalten? Sammle das sofort wieder auf, bevor ich dir dabei helfe und alles in die Abfallgrube werfe, wo es eigentlich hin gehört.“
So ging es fort, immer lauter, immer heftiger, und ich sah in den Augen des Yetis, wie gerne er der Schreckse dazu noch ein paar saftige Knüffe oder gar Fußtritte verpasst hätte. Die Ärmste hingegen wusste gar nicht so recht, wo anzufangen. Mit zitternden Klauen las sie wahllos ihre Habseligkeit auf, allerdings nur, um sie direkt neben sich wieder fallen zu lassen. Der Karren lag ja auch immer noch umgekippt mitten auf der Straße.
Der Yeti schnauzte weiter, statt sich dazu herabzulassen, der Verzweifelten ein wenig zu helfen und damit auch wieder Ordnung in seinen gewohnten Arbeitsablauf zu bringen. Ich runzelte die Stirn und schloss die Finger fester um das Insektenglas. Na warte, Bursche.
In all der Aufregung, und da Hempel ohnehin wirklich selten Beachtung fanden, war es mir ein Leichtes, mich an den Tobenden heranzuschleichen. Nun stand ich direkt vor seinen baumstammartigen Beinen, die in militärisch schwarzen Stiefeln steckten. Das rotbraune Fell lugte unter dem etwas zu kurz geratenen Hosenbein hervor. Ich grinste diebisch, drehte den Deckel vom Glas und sah mich noch ein letztes Mal um.
Ach nein, wie ungeschickt, dachte ich zu mir selbst und kippte die Insassen des gläsernen Gefängnisses in den Stiefelschaft
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