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Im Zeichen des Rukh

von Erenya
GeschichteAbenteuer, Fantasy / P12
Aladdin Alibaba Saluja Judar Morgiana OC (Own Character) Sinbad
27.05.2015
01.01.2017
26
219.342
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09.06.2015 8.788
 
Ich stand mit dem Rücken zu Kassim und ließ mir seine Worte durch den Kopf gehen. In Anbetracht meines Wissens, was in Balbadd passieren würde, war es doch nur klug, sich der Nebelbande anzuschließen. Allerdings, wollte ich als Kanonenfutter enden? Es war schon eine schwierige Frage.
„Du musst dich nicht sofort entscheiden, aber du solltest es bald tun. Viele Möglichkeiten wirst du dafür nicht mehr haben.“
Etwas Drohendes schwang in seinen Worten mit. Oder viel mehr etwas Wissendes. Kein Wunder. Wahrscheinlich plante er bereits den Sturz des Königs und sammelte nur noch ein paar Männer und Frauen, um diesen Plan Wirklichkeit werden zu lassen. Sollte ich? Oder sollte ich nicht? Ich war mir unsicher.
Ich blickte über meine Schulter zu Kassim, der sich zu mir umgewandt hatte und mit seinen ernsten, stechenden Augen ansah. Mir lief ein kalter Schauer über den Rücken. Er hatte gezielt auf meine Schwachstelle zugegriffen. Meiner Planlosigkeit über meine Bestimmung hier. Sicherlich hatte er das von Assad erfahren, ebenso von meiner Fähigkeit Borg. Warum hatte Assad ihm das erzählt? Erwartete er etwa, dass ich mich dieser blutigen Revolution anschloss? Wobei, würde es für mich so gefährlich sein, wie ich vermutete? Immerhin war Assad ein herzensguter Mensch. Er hätte mich doch niemals in Gefahr oder Kassim auf die Idee gebracht, dass ich hilfreich sein könnte, wenn mir dadurch Schlimmes widerfahren konnte, oder? Noch dazu, ich wusste doch was passieren würde. Alibaba würde der Chef werden, er würde später auf Aladdin treffen, einen kurzen Kampf mit Sindbad haben, Sindbad würde der Nebeltruppe beitreten... Das waren doch genau die Personen, die ich treffen musste, wenn ich nach Hause wollte, oder etwa nicht?
Kassim wandte sich von mir ab und ging weiter seines Weges. Ich beobachtete ihn noch ein Stück, bis er endgültig in der Dunkelheit verschwunden war und ich es für besser erachtete, wirklich zurück in mein einsames Heim zu kehren.

Als ich Zuhause ankam, erwartete mich ein ungewohntes Bild. Wobei so ungewohnt war es nicht, denn es lag immerhin einige Tage zurück, dass ich es zuletzt gesehen hatte. Dort saß Sadiq, auf der Sitzbank und lächelte mich freudig an. Vor ihm stand ein Teller mit einem gefüllten Fladenbrot, welchen er anhob, kaum dass er mich erblickte. Mit dem Teller in der Hand kam er auf mich zu und hielt mit diesen mit seinem gewohnten, freundlichen Lächeln entgegen.
Misstrauisch blickte ich ihn an, denn nachdem er wirklich Tage nicht mehr mit mir gesprochen hatte, sollte dieses Lächeln und dieses Sandwich für mich sein? Wirklich?
„Willkommen zurück. Ich hatte dich eigentlich viel früher erwartet, Liebes, aber da du erst jetzt kommst, ist das Gemüse nicht mehr ganz so knackig.“
Erneut sah ich auf das Sandwich, welches mir Sadiq entgegenhielt. Ich erkannte Fleisch, viel Fleisch, und eine große Portion Gemüse. Wenn ich es recht bedachte, hatte ich wirklich etwas Hunger und warum sollte ich mir nicht einen Snack in Form von einem leckeren, Sadiq-bereiteten Sandwich gönnen?
Dankbar nahm ich daher den Teller an und ging zu unserer Sitzgelegenheit auf der ich mich sogleich niederließ. Sadiq folgte mir, ohne mich jedoch eine Sekunde aus den Augen zu lassen, was in gewisser Weise schon seltsam war.
„Ich habe unterwegs jemanden gesehen... Der Mann, der mich aus dem Hafenbecken gezogen hat.“
Ich griff zu dem Sandwich und drückte es gut zusammen, so dass mir beim ersten Biss nicht gleich die halbe Füllung herauspurzelte. Das wäre eine Verschwendung gewesen, die ich Sadiqs Gutmütigkeit einfach nicht antun wollte. Noch dazu, wenn er mich so gespannt beobachtete.
Ohne zu zögern biss ich in das Sandwich mit dem leckeren Fleisch, welches eine fruchtige Note hatte und entgegen dem was Sadiq zur Begrüßung gesagt hatte, war das Gemüse doch noch ganz knackig. Wie sehr hatte ich doch diesen Geschmack vermisst und diese Geste eines Sandwichs dass...
Die Freude verstarb just in dem Moment, als sich dieses Ding als Brotlaib aus der Hölle entpuppte. Meine Nase juckte, die Augen tränten und in Mund und Rachen breitete sich plötzlich ein Schmerz aus, den ich nicht in Worte fassen konnte. Ich sah mein Leben an mir vorbeiziehen, während ich den einzigen Bissen, den ich genommen hatte, herunter würgte und hoffte, dass Magen und Ich das überleben würden.
„Hilfe...“, keuchte ich unter der Nachwirkung der Schärfe hervor und sah zu Sadiq, der mir einen Becher entgegen hielt. Sofort nahm ich diesen und leerte ihn in einem Zug, geduldig wartend, dass die Schärfe abklang, der Schmerz aber noch etwas nachhallte.
„Das war...“
„Deine Strafe für das Lügen“, erklärte Sadiq mit einem breiten Grinsen, wobei er mir damit keine Chance ließ ihn für diesen Mordversuch zur Rechenschaft zu ziehen. Schmollend sah ich ihn an, was ihn wohl dazu veranlasste in lautem Gelächter auszubrechen.
„Schon gut, schon gut. Ich mach dir ein Neues. Reicht das als Friedensangebot?“ Ich war mir nicht sicher, ob ich dieses Angebot annehmen sollte. Ich meine, wir sprachen hier von Sadiq, der mich fast vergiftet hatte.
„Soll das ein zweiter Mordversuch sein?“
Misstrauisch geworden, sah ich Sadiq an, der sich die Hand auf die bedeckte Brust legte und das Gesicht verzog, als hätte ich mit meinen Worten irgendwie schwer verwundert.
„Prinzessin, Ihr verletzt mich zutiefst. Niemals würde ich Euer Leibeswohl ein zweites Mal gefährden.“
Ich hob eine Augenbraue. Sicher? War er sich da wirklich sicher?
„Außerdem, woher soll ich so schnell einen Mieter finden, der pünktlich vier Dinar pro Tag zahlt?“
Entrüstet über die letzte Bemerkung, rammte ich Sadiq meine Faust in die Seite. Er zuckte zusammen, lachte aber, wahrscheinlich weil mein Geknuffe alles andere als schmerzhaft war und es ihn höchstens gekitzelt hatte.
„Jetzt hör auf! Das ist doch nicht fair. Erst schmollst du mich tagelang an und nun tust du so, als sei nichts passiert. Könntest du mir bitte sagen, wo wir aktuell stehen? Haben wir nun nur ein Vermieter-Mieter Verhältnis, oder sind wir wieder Freunde?“ Es war doch klar, dass ich nach den Tagen des Schweigens Gewissheit haben wollte. Wer hätte das nicht gewollt? Vor allem nach diesem Mordanschlag.
„Wir haben nie aufgehört, Freunde zu sein. Aus meiner Sicht.“
Sadiq erhob sich von seinem Platz und nahm das Sandwich mit sich in den Kochbereich, wo er bereits neue Zutaten für ein weiteres Fladenbrot mit Füllung hervorholte. So ganz konnte ich nicht glauben, was er da sagte. Hatte er eben eingestanden, dass wir Freunde waren? Er, der eigentlich gemeint hatte, dass ich Abstand wahren sollte? Er, der mich die letzten Tage ignoriert und angeschwiegen hatte? War das nur wieder eine seiner Lügen? Oder meinte er es doch ernst? Was es aber auch war, mir gefiel die Illusion, dass er hier einer meiner Freunde war.

**~~**


Die alltägliche Routine des morgendlichen Aufwachens mit Sadiqs Sandwichs und seinem Lächeln, war wieder eingekehrt. Ich fühlte mich nicht länger einsam in den vier Wänden, doch es nagten gerade auch größere Probleme an mir, die ich niemanden mitteilen konnte. In den ruhigen Minuten, wenn ich für mich war, führte ich eine Pro- und Kontraliste für den Beitritt bei der Nebelbande. Es sprach vieles dafür. Einer der wohl stärksten Punkte war, dass ich dann Aladdin und die anderen mit großer Gewissheit treffen konnte. Noch dazu konnte ich helfen Balbadd vielleicht besser zu machen. Dagegen sprach nur, dass ich mein Leben nicht als Diebin führen wollte und die Tatsache, dass ich nicht wusste, ob ich es bis zu Aladdins Ankunft überhaupt überleben würde.
Es fanden sich immer mehr Gründe für das Pro und das Kontra und irgendwann hatte ich eine vollkommen ausgeglichene Liste, so dass die Unsicherheit nur noch tiefer wog und ich noch weniger wusste was ich tun sollte.
So auch an diesem Tag, als ich im Freudenhaus vor dem Spiegel saß. Ich war alleine im Umkleidezimmer und grübelte über der Liste, die ich erstellt hatte. Generell wäre diese nun der Punkt gewesen, an dem ich mir mein Handy geschnappt und in meinem Freundeskreis herum gefragt hätte, was sie an meiner Stelle tun würden, doch ich hatte weder Empfang noch ein Handy. Die einzigen Personen die ich hier kannte waren meine Kollegen und Sadiq. Letzteren wollte ich gar nicht erst fragen, genauso wenig wie Assad, der ja augenscheinlich ein inoffizielles Mitglied der Nebelbande war. Auf die beiden Männer konnte ich also gar nicht bauen und Ameen... nah, vergessen wir Ameen.
„Erenya, das Essen ist fertig. Hilfst du beim Tisch decken?“
Ich zuckte zusammen, als ich Suleikas Stimme hörte, die plötzlich im Zimmer ertönte. Ein Blick zur Tür ließ mich erkennen, dass sie wirklich hier war, zusammen mit einem Stapel Teller, der darauf wartete, auf einem großen Tisch in der Mitte des Raumes drapiert zu werden. Ich erhob mich von meinem Platz und ging auf Suleika zu, der ich die Hälfte der Teller abnahm und zusammen mit ihr zum großen Tisch brachte.
„Was serviert Ameen heute?“, fragte ich neugierig, während ich die Teller verteilte. Es war so etwas wie eine Tradition, dass die Mädchen ein bis zweimal die Woche gemeinsam zu Mittag aßen und sich so für das Abendgeschäft vorbereitete. Manchmal stießen auch Ameen und Assad hinzu, doch das war eher seltener der Fall, da sie als einzige Männer am Platz nicht viel von den doch eher weiblichen Gesprächen hier hatten.
„Ein neues Gericht. Kare oder hieß es Köri... Es war ein schwerer Name.“
Ich musste etwas schmunzeln, denn wenn Suleika Curry meinte, hatte Ameen dieses Rezept zusammen mit mir Balbadd tauglich gemacht. Was mich natürlich nun in hohe Erwartungen für das Mittagessen versetzte. Mir war klar, dass es nicht wie Zuhause schmecken würde, aber mit Sicherheit schaffte Ameen auch aus dem modifizierten Rezept eine Kreation, die sich hier blicken lassen konnte.
„Mädels, hier ist der Topf!“
Mit einem triumphierenden Singsang kam Cecilia in das Zimmer und platzierte den Topf in der Mitte. Egal wer hier saß, die Person würde gnadenlos alle Teller auffüllen müssen und kam als Letzte in den Genuss des Currys. Regel Nummer eins war also, sich weit vom Topf entfernt hinzusetzen.
„Dann müssen nur noch die anderen kommen.“
Ich wollte mir gerade einen Platz suchen, als Cecilia mich packte und mit sanfter Gewalt auf den Platz, direkt vor dem Topf platzierte.
„Na, na. Vor dem Essen müssen wir noch ein ernstes Gespräch führen. Wir drei, meine ich.“
Fragend sah ich zu Cecilia, die sich links von mir gesetzt hatte und zu Suleika, deren Platz zu meiner Rechten war.
„Wie, ernstes Gespräch? Hab ich etwas falsch gemacht?“
„Nein, nein. Ganz und gar nicht. Aber unter uns Frauen gesagt, wir wissen doch, dass etwas mit dir nicht stimmt. Schon seit du heute früh hier hereingekommen bist, wirkst du so abwesend. Also sag schon, was bedrückt dich? Ist es Liebeskummer? Wegen wem? Assad oder Sadiq?“
Ich verstand erst jetzt, was Cecilia meinte, auch wenn ich ihre Aussage, dass ich abwesend wirkte, nicht ganz bestätigen konnte. Ich war wie immer her gekommen, halt nur etwas gedankenverlorener. Und vor allem, was sollte das mit dem Liebeskummer?
„Äh... nein, es ist kein Liebeskummer“, erklärte ich und versuchte das Missverständnis zu klären, als Suleika mir ins Wort fiel.
„Dann führt ihr also doch eine komplizierte Dreiecksbeziehung. Wollen sie, dass du dich endlich für einen von ihnen entscheidest?“
Okay, was war das hier? Irgendein Klischee aus einem Liebesroman? Wie kamen die beiden nur auf so eine Idee?
„Es hat nichts mit den beiden zu tun, oder mit irgendeiner romantischen Beziehung. Es geht darum, dass ich eine Entscheidung treffen muss, aber nicht weiß welche.“
Ich seufzte inbrünstig auf und hoffte, dass die beiden einfach nicht weiter fragten. Schon dass sie auf die Idee kamen, dass ich für Assad oder Sadiq, die ich noch nicht einmal lange genug kannte, etwas empfinden könnte, war absurd.
„Ich wurde von jemanden aus einer Gruppierung gefragt, ob ich ihnen nicht helfen mag... Allerdings ist ihre Art wie sie ihre Ideale durchsetzen, nicht gerade das was ich mir unter richtig vorstelle. Doch sie haben einige Mitglieder, die ich unbedingt kennenlernen muss, damit ich wieder nach Hause komme. Nur frage ich mich, ob es das wert ist wie Kanonenfutter zu enden. Gleichzeitig habe ich Angst, wenn ich mich gegen sie entscheide, dass ich für immer hier bleiben muss und niemals zurückkommen...“
Es war zwar noch nicht alles, was mir auf dem Herzen lag, aber zumindest konnten sich Suleika und Cecilia so ein Bild von meiner Situation machen.
„Moment, verstehe ich dich richtig, du würdest dieser Gruppierung nur beitreten, um diese bestimmten Mitglieder zu treffen?“, fragte Suleika nach, wobei das Entsetzen aus ihrer Stimme deutlich herauszuhören war.
Ich nickte stumm und sah sie an, doch sie schüttelte fassungslos mit dem Kopf.
„Erstens, wenn du diese Personen wirklich treffen müsstest, um nach Hause zu kommen, wird es sicher mehr als diese eine Möglichkeit geben, Wenn es der Weg ist, der vom Schicksal bestimmt ist, dann kannst du auch hier arbeiten und sie werden zu dir finden. Dafür musst du dich aber nicht irgendeiner Gefahr aussetzen. Zweitens, was wenn diese Personen dich genauso wenig nach Hause schicken können wie wir? Dann hängst du bei einer Gruppierung fest, die dich für ihre Ideale opfert. So kommst du auch nicht nach Hause.“
Es klang für mich so, als versuchte Suleika mir gerade, diese Sache mit der Nebelbande auszureden. Zumindest wirkte sie nicht auf mich, als versuchte sie zu sagen 'Ja, tritt der Gruppierung bei'. Dabei waren ihre Argumente aber wirklich vernünftig und nicht einmal von so weit hergeholt. Wer garantierte mir, dass ich durch Aladdin zurückkommen konnte? War vielleicht nur der Wunsch der Antrieb gewesen, überhaupt den Beitritt bei der Nebelbande in Betracht zu ziehen?
„Und wenn es meine Bestimmung ist?“
„Ach, Erenya. Was deine Bestimmung ist, entscheidest du alleine und wenn dir diese Gruppierung Magenschmerzen bereitet, können sie unmöglich deine Bestimmung sein. Eine Bestimmung ist immerhin etwas, hinter dem man voll und ganz steht ohne zu zweifeln oder zu zögern.“
Auch Cecilia hatte ein gutes Argument hervorgebracht. Allerdings war ich mir immer noch nicht sicher, ob es eine Bestimmung für mich gab.
„Aber vorerst... Für wen würdest du dich entscheiden, Assad oder Sadiq?“
Das ging schnell. So schnell, wie bei Cecilia, hatte ich noch nie einen Themenwechsel erlebt, auch wenn ich zugeben musste, dass mich dieser kurze Small Talk mit Cecilia und Suleika doch einen kleinen Schritt näher zu seiner Entscheidung gebracht hatte. Mir fehlte nur noch das endgültige kleine Gewicht, das diese Entscheidung festigte.

Lebhaft wie immer war das Essen von statten gegangen und ich hörte Dinge, die ich besser niemals gehört hätte. Ehrlich, die Damen hier wussten mit Zweideutigkeiten um sich zu werfen, dass mir schon die Ohren schlackerten und es fast schon an Erregung öffentlichen Ärgernisses grenzte. Ich versuchte mich daher so gut es ging aus diesen Gesprächen herauszuhalten und hing den Gedanken an Kassim und seiner Nebelbande nach.
Da es einiges an Gerüchte über meinen Borg und mich gab, wäre sicher nicht nur mein Leben in Gefahr, sondern auch das der Mädchen. Die sichere Variante war also nicht beizutreten. Was sollte Kassim mir schon tun? Abgesehen dass er mir vielleicht unter die Nase rieb, dass er mich gerettet hatte und so weiter und so fort. An sich war nicht beizutreten, für alle die doch sichere Wahl. Noch dazu hatte Suleika Recht. Warum sollte ich etwas erzwingen, was womöglich sowieso passieren würde? Was wenn in dem Moment meine Rettung hier durch die Tür trat, wenn ich bei der Nebelbande vergammelte?
„Er war so niedlich und das kann man nicht von jedem Gast behaupten“, kicherte eines der Mädchen und hielt sich dabei die Hand vor den Mund. Ich hörte nur noch breite Zustimmung und fragte mich, ob ich irgendetwas verpasst hatte, die letzten Tage.
Wenn sie über einen Gast sprachen, musste ich diesen doch auch kennen, aber einer der niedlich war, war mir nicht aufgefallen. Vielleicht meinten sie auch einfach nur, dass er vom Charakter her sehr niedlich war. Dann konnte ich das auch nicht wissen.
„Mädchen!“
Die ernste Stimme Assads durchbrach die ausgelassenen Gespräche der Damen, die sofort aufsahen.
„Wir werden heute Abend nicht öffnen. Der König wird in kurzer Zeit eine Rede halten und ich bezweifle, dass danach die Gäste wild auf etwas Unterhaltung sind.“
Sofort schienen die Mädchen zu verstehen, was Assad meinte, ich allerdings blieb vollkommen außen vor und wie immer ahnungslos.
„Wer von euch also die Rede hören will, kann gehen.“
Assad verließ das Zimmer wieder und Schweigen machte sich breit. Mein Blick wanderte über die Gesichter der Mädchen, die scheinbar nicht so recht wussten, was sie nun tun sollten.
„Erklärt mir das jemand? Warum wird das Geschäft geschlossen, wenn der König eine Rede hält?“
Ich musste einfach fragen, denn anders würde ich das wohl nicht verstehen. Wie auch, wenn diese Welt mir so fremd war?
„Wenn König Ahbmad eine Rede hält... Ist die Stimmung meist getrübt. Die meisten Gäste brauchen dann einen Tag um die Nachrichten sacken zu lassen. Die einzigen die dann kämen wäre der Adelsstand und Assad hasst den Adelsstand.“ Auch wenn das was Cecilia mir erzählte alles andere als logisch klang, musste ich das wohl so hinnehmen. Dennoch war die Frage schon da, was Ahbmad wohl verkünden würde.
„Also Mädels, räumen wir auf und gehen dann nach Hause.“
Das Geschirr klapperte und alle taten wie Suleika es angeordnet hatte. Wahrscheinlich würde sie gleich in der Küche helfen, sonst würde sich das Geschirr bis zum nächsten Tag wieder stapeln. Auch ich kam ihrer Order nach und nahm den Teller mitsamt Löffel auf und verließ das Zimmer.
„Erenya...“
Beinahe hatte ich das Geschirr fallen gelassen, als Assads Stimme seitlich von mir erklang. Gerade rechtzeitig hatte ich mich aber fangen können, weswegen ich zu meinem Chef sah, der an der Wand gelehnt stand und scheinbar auf mich gewartet hatte.
„Oh Gott, Assad! Musst du mich so erschrecken?“ Ich spürte noch wie mein Herz wild gegen meine Brust hämmerte und sah meinen Chef an, der jedoch keinen Mundwinkel verzog und dem das ganze nicht einmal Leid zu tun schien.
„Ich möchte, dass du mich zu der Rede des Königs begleitest.“
Verwundert hoben sich meine Augenbrauen über Assads Worte. In der Regel wäre ich nicht zu dieser Rede gegangen, schon allein aus dem Grund, dass mich politische Reden nicht die Bohne interessierten und ich nicht unbedingt Ahbmads Gesicht sehen musste.
„Du solltest mit eigenen Ohren hören, wie es wirklich um unser Land steht und dann für dich entscheiden, ob du deine Bestimmung nicht woanders suchen willst.“
Meine Bestimmung woanders suchen? Was hatte Assad nur auf einmal? War ich ihm zu teuer? Tat ich zu wenig? Wollte er mich rauswerfen? Oder wollte er mich damit in die Fänge der Nebelbande treiben? Ich wusste das nicht, doch wenn Assad wollte, dass ich ihn begleitete, konnte ich mich dem wohl nicht entgegensetzen.
„Na schön. Warte hier. Ich bin gleich wieder da.“
Da ich Assad nicht länger warten lassen wollte, brachte ich schnellstmöglich das Geschirr in die Küche, wobei ich bemerkte wie Cecilia und Suleika mich mit einem breiten Grinsen bedachten. Sie hatten das Gespräch zwischen mir und Assad bemerkt und natürlich ging mit beiden sofort die Fantasie durch. Ich wollte gar nicht wissen, wie sie mit den anderen Mädchen hinter meinem Rücken über mich und Assad reden würden. Frauen halt.

Es hatten sich viele Bewohner Balbadds hier versammelt, vor allem die Schicht aus den Slums und eben die normal verdienende Bevölkerung fanden sich hier ein. In ihren Gesichtern stand die Angst deutlich geschrieben, was mir nur verriet, dass die letzten Reden alles andere als positiv gewesen waren und sie sich auch von dieser hier nicht viel erhofften.
„Hier entlang...“
Ich spürte Assads Hand die nach meiner griff, als er sich seinen Weg durch die Menge bahnte, zielsicher und ohne, dass jemand ihn weg zustoßen oder den Weg versperren zu schien. Er schaffte es sogar mit mir im Schlepptau sein Tempo zu halten, bis er weit genug vorne zu sein schien, dass auch ich einen guten Blick auf den Balkon hatte, von dem aus sich Ahbmad an sein Volk wenden würde.
„Wie du sicher merkst, ist der Adel hier nur schwach vertreten. Sie müssen sich keine Sorgen machen, egal was Ahbmad erzählt. Ihre einzige Sorge ist eine Bande von Dieben, die derzeit alles klaut, was dem Adel gehört. Allerdings wird sich der König nicht dazu äußern, weil er sie nicht ernst genug nimmt, auch wenn sie ihm ein Dorn im Auge sind. Bezüglich des Schutzes hat der Adel schon lange das Vertrauen in den König verloren.“
Auch wenn seine Stimme nur ein Flüstern war, konnte ich Assads Worte und Erklärungen doch gut genug verstehen, was nicht sonderlich verwunderte, da ich dicht an seiner Seite stand. Immer noch hielt Assad meine Hand fest umschlungen, so als wollte er vermeiden, dass ich während der Rede verloren ging. Sein Blick hingegen lag starr auf den Balkon gerichtet, wie der von so vielen anderen auch.
Ich richtete meinen Blick ebenfalls auf den Balkon, auf den just in diesem Moment Ahbmad mit seinen Beratern trat. Sofort wurde es um mich herum laut. Die Bewohner Balbadds nutzten diese Chance um Ahbmad ihr Leid entgegen zu brüllen, doch diesen schien das nicht im geringsten zu interessieren. Mit einem Blick des Ekels und der Missbilligung sah er auf uns hinab und setzte schließlich zu seiner Rede an.
„Bewohner Balbadds! Ich weiß, dass ihr aufgrund unserer wirtschaftlichen Lage harte Zeiten durchmacht.“
Schon jetzt interessierte mich das was Ahbmad sagte nicht die Bohne. Dieser Heuchler, dieser kleine dicke, machtgierig Bastard. Was wusste er schon? Nichts. Er hatte noch nie einen Fuß außerhalb seines Palastes getan und sich hier umgesehen. Wie konnte er da wissen, was sein Volk wirklich durchmachte?
„Einst war Balbadd der strahlende Mittelpunkt des Handels, doch über die Jahre haben wir dieses Strahlen verloren. Doch noch ist nichts verloren, Volk von Balbadd. Das Kaiserreich Kou hat uns helfend die Hand gereicht und uns versprochen, dass wir mit ihrer Hilfe wieder zum Mittelpunkt des Handelns werden können. Darum, Volk von Balbadd, zeigt eure Dankbarkeit und heißt das Kaiserreich Kou, welches uns so gnädig seine Unterstützung bietet, willkommen!“
„Das ist doch wohl ein schlechter Scherz“, zischte Assad erzürnt und zum ersten Mal seit meiner Ankunft konnte ich eine klare Emotion in Form reinen Hasses, in seinen Augen ablesen. Doch er war nicht der einzige, der diese Worte als etwas weniger Gutes sah, was mir deutlich bewusst wurde, als die Stimmen um mich herum wieder lauter wurden.
„Ihr seid undankbar! Ich tue was ich kann, um euch Gesindel zu helfen und ihr..:“
Ahbmad schien ganz und gar nicht zu gefallen, dass sein Volk nicht himmelhoch jauchzend über seine Entscheidung war und beugte sich etwas mehr über den Balkon. Selbst von meiner Entfernung aus konnte ich sehen, dass er kurz davor war, den Wachen einen äußerst unklugen Befehl zuzurufen, doch eine Hand, umgeben von schwarzen Lichtvögeln, hielt ihn zurück.
Ich musste einige Male blinzeln und erkannte schließlich einen Mann, der breit grinsend hinter Ahbmad stand und ihm etwas zuflüsterte. Eine Dornenkranz hielt seine Kufiya fest am Kopf und mich beschlich ein ungutes Gefühl. Dieser Dornenkranz... Die Kufiya... sofort erwachte wieder die Erinnerung an den Mann, den ich vor meiner Ankunft in Ugos heiligen Hallen gesehen hatte. Unbewusst drückte ich Assads Hand etwas fester und starrte wie gebannt auf diesen Mann.
„Hey...“
Assads Stimme holte mich erst wieder in die Realität zurück und ich erkannte, dass dieser Mann nicht der aus meinen Erinnerungen war. Dennoch war die Ähnlichkeit, obgleich er einen Schnurrbart hatte und ich sein schielendes Gesicht nur zu genau sehen konnte, viel zu verblüffend.
„Es tut mir leid... ich... nein es ist nichts.“
Obwohl ich am liebsten Assad von meinem Verdacht erzählt hätte, konnte ich es einfach nicht und starrte stattdessen weiter diesen Mann an, um den sich die schwarzen Lichtvögel sammelte, als sei er die Lichtquelle, von der sie sich nähren wollten.
„Komm, gehen wir, bevor der König uns seine Lakaien auf den Hals hetzt.“
Es fiel mir schwer meinen Blick von diesem Mann mit den schwarzen Lichtvögeln abzuwenden und doch ließ ich mich von Assad vom Ort des Geschehens führen.

**~~**


Auch wenn die Rede Ahbmads mich nicht wirklich interessiert hatte, ging mir das Ereignis doch nicht aus dm Kopf. Meine Gedanken waren bei diesem Mann, der an der Seite des Königs gestanden hatte und jenem aus meiner Erinnerung doch schon in gewisser Weise ähnelte. Es war schon ein seltsamer Zufall.
'Vielleicht sollte ich meine Fandomkenntnisse prüfen...'
Ich wusste unbewusst, dass ich etwas Wichtiges übersah. Oder viel mehr etwas zu vergessen haben schien, was mich einige Schritte hätte weiterbringen können. Wobei konnte das sein? Nein, ich hatte nichts vergessen... ich war mir sicher, dass ich nichts vergessen hatte in Bezug auf das Magi-Fandom. Dazu waren diese kaum vorhandenen Kenntnisse sowieso noch zu frisch gewesen. Mein Kopf schien lediglich an einigen Stellen zu blockieren, besonders bei dem Versuch mich zu erinnern, was an diesem einen Tag vorgefallen war. Vielleicht war es etwas traumatisches gewesen.
„Prinzessin...“
Gebeutelt von der Nacht, weil ich diese Gedanken einfach nicht loswerden konnte, wandte ich mich in meinem Bett aus Kissen um und erblickte Sadiq, der mich zwar wie gewohnt anlächelte, in dessen Augen aber doch ein Funken Sorge lag.
„Morgen...“, nuschelte ich leise und erhob mich. Ich war sowieso schon seit Stunden wach, hatte mich aber einfach nicht aus dem Bett quälen können. Keine Ahnung ob Sadiq das aufgefallen war, aber mit Sicherheit bemerkte er, dass ich im Gegensatz zu anderen Morgenden nicht ganz so grummelig war.
„Schlecht geschlafen, was?“
Wenn Sadiq immer noch lauschte, während ich schlief, war ja klar, dass er wohl mitbekommen hatte, wie ich mich in meinen Träumen selbst mit den Erinnerungen gequält hatte. Dafür erntete er also ein wohl vertrautes Grummeln.
„Was machen wir nur mit dir? Du musst mehr raus an die frische Luft, Spaß haben und mal wieder lachen, sonst endest du bald wie Assad.“
Was hatten alle immer nur mit Assads Ernsthaftigkeit. Sicher, das ein oder andre Lächeln hätte ihm sicher auch gut gestanden, aber wenn er nicht lächeln wollte, dann wollte er eben nicht. Genauso wenig war mir nach Spaß.
„Ich hab eben gerade eine Menge im Kopf... Mit Spaß kann ich das sicher nicht loswerden“, murrte ich und nahm das Sandwich, welches Sadiq mir entgegenhielt. Wobei ich dieses ausgiebig musterte, denn seit seinem letzten Mordanschlag, traute ich seinen Sandwichs keinen Meter über den Weg.
„Ich schwöre, es ist essbar. Aber zurück zum Thema. Vielleicht brauchst du einfach mal etwas Ablenkung. Ich meine du gehst arbeiten, kommst nach Hause, gehst ins Bett und am nächsten Tag hast du genau denselben Trott. Du brauchst eindeutig mal eine Abwechslung, danach siehst du alles in einem vollkommen anderen Licht.“
Ich hörte Sadiq zu, während ich vorsichtig in das Sandwich biss. Er hatte recht, das Sandwich war essbar. Bei dem Rest war ich mir nicht ganz so sicher. Ich meine Suleika und Cecilia hatten mir ja schon ein wenig mit meiner Entscheidung ob Nebelbande oder nicht, geholfen.
„Und woher soll ich diese Abwechslung bekommen?“ Bei Sadiq klang das so einfach. Er nahm eben doch alles etwas zu sehr auf die leichte Schulter.
„Du arbeitest in einem Freudenhaus, wie kannst du da wohl Abwechslung bekommen?“
Ein zweideutiges Grinsen zeichnete sich auf Sadiqs Gesicht ab, so dass es nicht schwer war zu verstehen was er meinte, was mich gleich dazu brachte, sein Sandwich doch als Waffe zu einem erneuten Mordanschlag zu sehen, da ich mich an diesem verschluckte.
„SPINNST DU! ICH BIN NICHT SO EINE! BOAH, SADIQ!“
Mir war der Appetit gründlich vergangen, weswegen ich Sadiq das Sandwich entgegenwarf und mich aus meinem Bett erhob. Mein Fluchtinstinkt war geweckt, ich wollte nur noch raus und am besten den ganzen Tag nicht mehr mit Sadiq reden. Er war wirklich so ein Idiot. So ein verlogener Idiot.

Es hatte wirklich den ganzen Weg zur Arbeit gebraucht, bis ich mich abreagiert hatte. Immerhin, eines musste man ihm zu Gute halten, ich hatte den Mann mit Kufiya wieder erfolgreich verdrängt und konnte mich auf die Arbeit fokussieren. Dafür würde ich Sadiq also danken, nicht aber für seine doch sehr anzüglichen Gedanken.
Im Umkleidezimmer der Mädchen sammelte ich noch etwas meine Gedanken und überlegte, was ich den Gästen heute für eine Geschichte erzählen könnte. Die letzten Tage hatte ich häufiger auf die japanische Mythologie zurückgegriffen, doch gerade nach der Rede Ahbmads, war es vielleicht wieder besser, auf eine Geschichte zurückzukommen, die etwas einheimischer war.
„Alibaba und die 40 Räuber...“, wisperte ich leise. Wenn ich ehrlich war, war das neben Aladdins Wunderlampe, hier eher die Disneyfassung, eine der wenigen arabischen Geschichten, die ich noch kannte. Zumindest erinnerte ich mich dunkel daran.
„Ist das der Titel der Geschichte, die du heute erzählst?“
Eines der Mädchen, welches sich gerade im Zimmer umgezogen hatte, schien meine etwas lauter ausgesprochenen Gedanken gehört zu haben. Sie waren immer so neugierig, worüber ich erzählen würde, auch wenn mein Repertoire sich allmählich dem Ende neigte.
„Ich denke ja. Es könnte ganz gut nach Balbadd passen.“ Natürlich würde es passen, immerhin gab es in dieser Geschichte einen Kassim. Ich entschied aber, zum Wohle meiner Unversehrtheit, diesen Namen ausnahmsweise abzuändern. Da Assad ja augenscheinlich gut mit Kassim auskam, hätte dieser ihm sonst von der Geschichte erzählt und Kassim diese als Kriegserklärung gesehen, immerhin wurde in der Geschichte sein Ende beschrieben.
„Also Mädels, lasst euch nicht von den Gästen ärgern.“
Ich vermied es den Mädchen viel Spaß zu wünschen, denn ich war mir immer noch nicht sicher, ob das was sie taten wirklich Spaß für sie war. Manchmal klang es so, allerdings wenn dem nicht so war, setzte ich mich nur in ein Fettnäpfchen und das wollte ich doch vermeiden.
Ich erhob mich von meinem Platz und ging aus dem dem Zimmer, zielstrebig auf mein Reich zu, dem aufgetürmten Stapel Kissen, der so bequem und meine kleine eigene Rettungsinsel war. Noch während ich auf meinen Platz zuging, grüßten mich einige der Stammgäste und es schien, als wäre wirklich alles so normal wie vor einigen Tagen. Vergessen waren die Gerüchte und wohl auch mein Borg, was mich innerlich noch mehr beruhigte. Ich konnte wieder ein temporärer Teil dieser Welt werden, ohne mich abstrakt zu fühlen.
So konnte ich doch noch eine Zeit weiterleben, oder? Ohne Krieg, ohne Gewalt, ohne die Nebelbande. Richtig? Ich ließ mich in meine Kissen sinken und holte tief Luft. Es war seltsam wie aufgeregt ich heute war. Dabei war es doch nicht das erste Mal, dass ich Geschichten hier erzählte.
„Willkommen, hochgeehrte Gäste. Ich freue mich, euch auch heute wieder eine meiner Geschichten zu erzählen. Sie trägt den Titel Alibaba und die vierzig Räuber.“
Ich hielt kurz inne und überlegte, wie ich am besten die Geschichte begann. Die Aufmerksamkeit meiner Zuhörer war mir zumindest gewiss.
„Alibaba war der Sohn eines Händlers. Er und sein großer Bruder Nasir führten ein gutes Leben bis sein Vater verstarb und Nasir das Geschäft des Vaters übernahm. Nasir heiratete eine wohlhabende Frau, wohingegen Alibaba sein Herz an eine nicht vermögende Dame verschenkte. Eines Tages, als Alibaba Holz sammelte, entdeckte er eine Gruppe Räuber, die vor einer Höhle standen als sie 'Sesam öffne dich' sagten, schob sich ein magischer Fels zur Seite und offenbarte eine verborgene Höhle, in die die Räuber sich zurückzogen. Alibaba wartete, bis die Räuber wieder herauskamen und kam aus seinem Versteck, als diese erneut loszogen um zu plündern und zu rauben.“
Die Stille die herrschte, während ich meine Geschichte erzählte, war wirklich unglaublich. Man hätte eine Stecknadel fallen hören können, aber gut, ein aufmerksames Publikum war immer noch besser als ein grölendes.
Ich erzählte ihnen, wie Alibaba etwas von dem Schatz aus der Höhle entwendete und die Frau Nasirs mit einem Trick vom Reichtum des Schwagers erfahren hatte und dies ihrem Mann berichtete. Während ich erzählte war mir selbst bewusst, wie ähnlich das ganze im Bezug auf die Dungeons klang. Türen, die mit Sesam Öffne dich aufgingen, Schätze die dahinter warteten.
„Nasir suchte diese Höhle auf, nachdem Alibaba ihm von ihr erzählt hatte, doch in ihrem Inneren hatte er vergessen, wie der Spruch hieß, mit der er die Tür öffnen konnte. Das Unvermeidliche trat ein und die Räuber entdeckten den Dieb, der für seine Tat büßte. Als Nasir nicht nach Hause kam, machte sich Alibaba Sorgen und ging auf die Suche. Sein erster Weg führte ihn zu der Höhle in der er den zerstückelten, aufgespießten Körper, seines Bruders entdeckte. Geschockt aber doch noch bei Sinnen, nahm er die Körperteile seines Bruders mit sich und bat die Sklavin Morgiana, dass sie dafür sorgen sollte, dass der Tod seines Bruder wie ein Natürlicher erschien. Niemand sollte erfahren, dass sein Bruder von Räubern zerstückelt worden war. Morgiana tat alles, wie ihr geheißen wurde, besorgte Erkältungsmedizin von einem Apotheker und erzählte, dass ihr Herr krank war. Jeder würde glauben, dass Nasir wegen dieser Krankheit verstorben war, allerdings nur, wenn sein Körper in einem Stück beerdigt wurde. Sie bestach einen Schneider, der ihren Herren zusammennähte ohne Fragen zu stellen so dass sie letzten Endes Nasir beerdigen konnten.“
Ich machte kurz Pause und griff zu einem Becher Saft, den mir eines der Mädchen gereicht hatte. Dankbar lächelte ich sie an und nutzte diesen kurzen Moment um über meine weiteren Worte nachzudenken.
„Man könnte meinen, dass dies nun das Ende war, doch das ist es nicht. Die Räuber waren nicht dumm und bemerkten, dass die Leichenteile des Eindringlings fehlten. Ihnen war klar, dass noch jemand von ihrem Geheimnis wusste, weswegen sie in die Stadt gingen und dort auf den Schneider trafen. Dieser erzählte ihnen, dass er vor kurzem den Körper eines Mannes zusammengenäht hatte. Die Räuber tricksten ihn aus, so dass er einem von ihnen den Weg zu Alibabas Haus zeigte. Da die Häuser sich wie ein Ei dem anderen glichen, markierte der Räuber die Tür mit einem Kreuz. Morgiana, die das bemerkte, griff zu einer Liste und malte ein Kreuz an jede Tür. Als der Räuber seine Mitstreiter mitbrachte, konnten sie nicht Alibabas Haus ausmachen, wofür der erste Räuber mit seinem Leben bezahlte. Am nächsten Tag, ließ sich ein zweiter Räuber das Haus Alibabas zeigen. Dieses Mal schlug dieser eine Kerbe in den Holzbalken an der Türschwelle. Auch das bemerkte Morgiana, die eine ähnliche Kerbe in die Türschwellen der anderen Türen schlug. Wieder, als die Räuber ankamen, konnten sie Alibabas Haus nicht ausmachen und wieder starb ein Räuber für sein Versagen.“
Man konnte deutlich in den Gesichtern der Zuhörern sehen, dass sie gespannt waren, wie diese Geschichte ausgehen würde. Immer wieder, wenn es Morgiana gelang Alibaba vor den Räubern zu retten, nickten sie erkennend.
„Als der Anführer, der sich persönlich den Weg hatte zeigen lassen, verkleidet als Händler zu Alibaba kam und ihm Krüge voller Öl verkaufen wollte, wusste Alibaba nicht, dass in Wahrheit nur in einem Krug Öl war. In den anderen saßen die restlichen Räuber, die darauf warteten, ihre schändliche Tat zu vollbringen. Erneut war es Morgiana, die diesen Plan durchschaute und verhinderte. Sie ertränkte die Räuber mit Öl und rettete Alibaba so erneut. Als der Anführer der Räuber bemerkte, was seinen Kameraden geschehen war, floh er und Alibaba schenkte Morgiana zum Dank die Freiheit.“
Es war schon Ironisch. Der Alibaba hier hatte Morgiana ebenfalls die Freiheit geschenkt, auch wenn sie diesen nicht wirklich vor Räubern gerettet hatte. Der Alibaba aus der Geschichte, wäre nicht so selbstlos gewesen. Anders als der Alibaba aus dieser Welt. Ob es daran lag, dass er Sindbad als Vorbild hatte?
„Morgiana hat es den Räubern wirklich gezeigt!“, rief einer der Gäste und hob dabei sein Glas um auf die Sklavin anzustoßen. Einige taten es ihm gleich, doch mein Grinsen ließ sie zögern.
„Ja, sie hat es ihnen wirklich gezeigt. Aber der Anführer der Räuber gab nicht auf. Als Händler getarnt, freundet er sich mit dem Sohn Alibabas an. Dieser hatte Nasirs Geschäft übernommen und lud den Anführer der Räuber zu Alibaba nach Hause ein. Morgiana erinnerte sich aber noch gut an das Gesicht des Mannes, der schon einmal ihren Herren hatte umbringen wollen. Während des Essens, führte sie einen Tanz mit Dolchen auf und versenkte einen von diesen in das Herz des Räubers. Als Alibaba das sah, war er zuerst wütend auf Morgiana, als er jedoch selbst den Anführer der Räuber wieder erkannte, war er ihr zutiefst dankbar. Alibaba hatte schon lange gemerkt, dass Morgiana sich in seinen Sohn verliebt hatte und diese Gefühle auf Gegenseitigkeit beruhte. Auch wenn es nicht dem Standard entsprach, erlaubte er beiden zu heiraten. Was aber aus dem Schatz geworden war und wo er sich befand, das behielt Alibaba für sich, doch man kann sich sicher sein, dass für dieses Diebesgut kein Blut mehr vergossen wurde.“
Applaus kam auf, als das Ende der Geschichte gekommen war und es fühlte sich seltsam an. Nicht dass sie das erste Mal applaudierten, aber ich fühlte eine Erschöpfung, die ich lange nicht mehr gespürt hatte. Ich trank meinen Becher mit Saft aus und sah in die lächelnden Gesichter der Menschen hier. Etwas in mir, sagte mir, dass genau das alles war was ich wollte. Menschen Lächeln sehen. Ob ich das als Mitglied der Nebelbande konnte?
Ich dachte an die Gruppe Rebellen und erinnerte mich an die ernsten Gesichter. Bei ihnen gab es kein Lächeln und wenn, dann war diese Freude falsch. Hass durchzog ihre Schlachten. Schlachten, die ich nicht schlagen wollte, weil ich es nicht konnte.
Ein Blick durch den Raum zeigte mir, wie viele Gäste bereits zu uns gestoßen waren. Heute würde ich wohl früher meinen Dienst bei Ameen antreten. Die Männer wurden gut genug unterhalten und da Alibaba und die vierzig Räuber mich genug Kräfte gekostet hatte, entschied ich, es bei dieser einen heute zu belassen. Ich erhob mich aus meinen Kissen, wurde aber plötzlich von lauten Gelächter auf etwas oder viel mehr jemanden aufmerksam.
Er saß da, in einem kleinen Berg von Kissen, links und rechts von ihm zwei Mädchen, die scheinbar über einen Scherz von ihm lachten und auf Tuchfüllung gingen. Sein rotes Haar, hing in langen Strähnen jeweils über eine Schulter hinab, wobei er drei Strähnen im Gesicht geflochten hatte. Sein Anblick war mir vertraut, auch wenn er plötzlich viel jünger schien. Viel zu jung um hier zu sein. Er war sicher noch nicht volljährig, doch das schien die Mädchen nicht zu stören, als sie ihren Service brachten und sich der junge Mann das gefallen ließ.
„Wenn Ihr soviel arbeitet, kann ich euch mit einer Massage Entspannung bringen“, säuselte eines der Mädchen wobei ihre Hand etwas unter sein halb offenes Oberteil glitt. In dem Moment hatte ich genug, so gerne ich auch ein Gespräch mit diesem Kunden gewagt hätte. Aber nein. Nicht unter diesen Umständen. Sollte er seine „Entspannung“ mit „Happy End“ bekommen, ich kümmerte mich lieber um das Gemüse und Fleisch in der Küche.

Das Gemüse und Fleisch in der Küche waren bereits geschnitten und mein Blick ruhte böse auf Ameen, der mich unschuldig ansah. Der Tag war ja wirklich herrlich.
„Ameen, du hast mich jetzt nicht absichtlich arbeitslos gemacht, oder?“ Ich konnte es nicht glauben, dass er wirklich schon meine ganze Arbeit erledigt war.
„Wir müssen vorarbeiten. Das ganze Haus ist heute voll und ich brauch deine Hilfe beim Kochen. Die Kou-Leute sind Vielfraße.“ Ameen lachte und verwies auf einen Platz neben sich am Herd. Immerhin war die Kochstelle groß genug für zwei.
„Na schön. Darf ich die Hähnchenspieße machen?“
Bei meiner Ankunft hatte Ameen gefragt, ob ich noch ein Rezept hatte, dass dem Gaumen der Kou-Leute vielleicht schmeicheln konnte. An sich hätte ich ihm dieses jetzt gegeben, doch wenn ich ihm schon beim Kochen helfen würde, konnte ich sie auch gleich zubereiten.
„Mach nur, mach nur. Gemeinsam bekommen wir die Meute satt.“ Ich zweifelte nicht daran, dass wir die Menschen da draußen satt bekamen. Irgendwie freute ich mich sogar, endlich wieder kochen zu können. Zuhause hatte ich das immer gerne für Freunde gemacht. Ihr Lächeln dann zu sehen oder zu hören, wie sie Nachschlag forderten, weil es ihnen schmeckte, war daran einfach das Beste. Zwar würde ich Ameen nicht den Rang als Koch streitig machen, aber vielleicht würden meine improvisierten Yakitori-Spieße legendär werden oder viel eher, Balbadd tauglich.
„Also schön, dann legen wir mal los. Sag mir was ich neben den Spießen machen soll und ich tue es.“
Ich war wirklich zu allem fest entschlossen, hatte sogar schon vergessen, dass da draußen ein kleiner Prinz sein Happy End bekam. Vielleicht hatte ich während des hitzigen Gefechts mit Töpfen und Pfannen ja noch die Chance Ameen zu fragen, warum halbe Kinder noch ins Freudenhaus durften und keiner sich darum zu kümmern schien.

Für gewöhnlich verließ ich immer früher Assads Lokal, doch da ich heute selbst zum Koch des Hauses mutiert war, hatte ich einen längeren Dienst. Etwas enttäuscht hatte ich im Gästebereich bemerkt, dass der kleine Prinz und seine Leute nicht mehr hier waren. Schade, denn damit war mir eine Gelegenheit entgangen, mit einem, mir doch bekannten Charakter aus Magi reden zu können. Ich seufzte inbrünstig, als ich das Lokal verließ und schüttelte den Kopf.
„Dabei hätte ich schon gerne mal Hallo gesagt...“, sagte ich zu mir. Wobei, vielleicht hätte ich nicht einmal dieses 'Hallo' herausbekommen. Chance verpennt, eindeutig. Da war eindeutig das Happy End im Weg gewesen.
Ein weiteres Mal seufzte ich auf. Wirklich schade.
„Mit jedem Seufzer entflieht dir etwas Glück, sagt man in meiner Heimat.“
Ich sah auf und erkannte ihn, der von dem ich geglaubt hatte, dass er schon längst mit seinen Leuten weggegangen war. Mit einem breiten Grinsen stand der Prinz da, seine Wangen waren gerötet, was er wohl dem Genuss des ein oder anderen Bechers Weines verdankte. Doch er schien noch nüchtern genug um nicht zu lallen während er sprach.
Was machte er noch hier? Verwundert und wahrscheinlich mit dem dümmlichsten Gesichtsausdruck den ich zu bieten hatte, sah ich zu dem Prinzen. Ja, was machte er noch hier?
„Hahahahaha, wirklich unbezahlbar dieser Blick, Geschichtenerzählerin.“ Immerhin einer amüsierte sich über meinen verdammt, selten dämlichen Blick. Damit hatte ich ja schon einmal einen Pluspunkt gesammelt, ungewollt.
„Du... ich meine Sie waren doch mit den anderen Männern des Kaiserreiches Kou hier. Sollten Sie dann nicht mit den andren gemeinsam zurück zu ihrer Unterkunft gehen?“, fragte ich und ohrfeigte mich innerlich, dass ich den Prinzen aufgrund seines jungen Alters beinahe gedutzt hatte. Assad hätte dir das niemals verziehen, wenn sich der Kleine deswegen über mich beschwerte.
„Sie langweilen mich. Und alleine gehen ist auch langweilig. Aber du kannst mir sicher noch ein paar Geschichten erzählen, oder?“
Ein gelangweilter Prinz war kein guter Prinz. Vor allem dann nicht, wenn er aus dem Kaiserreich Kou kam. Aber sollte ich ihn wirklich dahin bringen, wo er hingehörte, also wahrscheinlich in das Hotel, welches mit Sadiq einmal gezeigt hatte?
„Ich könnte eines der Mädchen holen. Sie würden Sie sicher gerne nach Hause begleiten. Ich gehe nämlich nicht mit Gästen oder Fremden mit.“
Ja, niemals mit Fremden mitgehen, dass war eine Lektion die mir meine Mutter eingebläut hatte. Und ehrlich, man arbeitete in einem Freudenhaus nicht um dann einen Kunden einfach nur nach Hause zu bringen. Ich musste, so gerne ich den Prinzen nach Hause gebracht hätte, eine klare Linie ziehen.
„Kouha Ren, das ist mein Name und ich bevorzuge deine Begleitung. Deine Geschichten sind unterhaltsamer als die anderen Mädchen.“
Argh, wie schaffte er das nur? Er entkräftete damit meine Ausrede, dass ich nicht mit Fremden mitging. Sicher ein Name machte uns noch lange nicht zu Bekannten, aber als Prinz des Kaiserreichs hatte sein Name doch schon eine gewisse Wirkung. Mir blieb keine andere Wahl.
„Also schön, ich begleite Euch ein Stück. Ein paar kleine Geschichten kann ich Euch ja noch erzählen.“
Vielleicht war es wirklich besser Kouha zu begleiten. Nicht das er der Nebelbande noch über den Weg lief. Er schien mir gerade immerhin unbewaffnet zu sein. Gut, ich hätte ihn nicht beschützen können, aber mit meinem Dolch, den ich immer noch bei mir trug, konnte sicher auch er etwas anfangen. Außerdem, was hatte Sadiq gesagt, ich brauchte mal etwas Abwechslung. Es war schon einmal eine Abwechslung, dass ich einen Gast nach Hause brachte. Solange es nur bei diesem Service blieb, war das doch mal etwas besonderes.
„Ich kenne ein Gedicht, mit dem kann ich Euch mindestens fünf Minuten unterhalten“, erklärte ich und grinste breit. Gott, das Gedicht war so einfach und dumm, aber unser Dozent in der Uni hatte es wirklich geschlagene fünf Minuten rezitiert, ohne dass es langweilig geworden war.
„Ein Hund kam in die Küche und stahl dem Koch ein Ei. Da nahm der Koch den Löffel und schlug den Hund entzwei. Da kamen viele Hunde und gruben ihm ein Grab und setzten drauf 'nen Grabstein, darauf geschrieben stand: Ein Hund kam in die Küche und stahl dem Koch ein Ei. Da nahm der Koch den Löffel und schlug den Hund entzwei. Da kamen viele Hunde und gruben ihm ein Grab und setzten drauf 'nen Grabstein, darauf geschrieben Stand: Ein Hund kam in die Küche...“ Ich beschloss beim dritten Mal, dass ich es dabei beließ, denn sicher wusste Kouha, worauf es hinauslaufen sollte. Doch begeistert schien er nicht. Ich sag ja, ein dummes Gedicht.
„Wirklich, ein Löffel?“, fragte Kouha schließlich und sah mich an, als erwartete er von mir eine logische Erklärung, warum es ein Löffel war. Woher sollte ich das wissen?
„Ein Messer wäre viel effektiver gewesen.“
„Deswegen ist es ja eine Geschichte, da muss die Logik keine Rolle spielen. Vielleicht war der Löffel ein magisches Utensil oder so. Zum Beispiel gibt es da die Geschichte von dem Rattenfänger von Hameln.“
Als wollte ich ihm beweisen, dass der Löffel wirklich ein magisches Utensil sein konnte, griff ich als Beispiel auf eine Geschichte meiner Kindheit zurück. Die Geschichte vom Rattenfänger, der mit seinem Flötenlied, dass scheinbar magisch schien, Ratten aus Hameln und später sogar deren Kinder weglocken konnte.

Wir hatten ein wirklich langsames Schritttempo hingelegt, um nicht zu schnell beim Hotel anzukommen. Zumindest hatte Kouha das Tempo vorgegeben und ich mich diesem nur ergeben. Er hatte schon einigen Geschichten gelauscht, meist kleine Märchen der Gebrüder Grimm, bis er sich räusperte.
„Ich kenne auch eine dramatische Geschichte aus Kou. Es ist eine Ballade, die noch nicht viele zu Ohren bekommen haben. Du kannst dich also glücklich schätzen, Geschichtenerzählerin.“
„Du kannst mich auch Erenya nennen.“
Wann es genau passiert war, weiß ich nicht, aber irgendwie war ich von der höflichen „Sie“-Form auf das Dutzen gekommen und Kouha schien nichts dagegen zu haben. Also änderte ich diese Anrede auch nicht mehr.
„Vier Tauben saßen dort und pickten immer fort. Körner bekamen sie viel, so dass Fliegen nur noch schwerer fiel, denn das Gefieder war zu schwer, doch sie fraßen immer mehr. Der Tag der Tage kam, der der ersten Taube das Leben nahm. Ein Gurren wie ein Schrei, das Herz wurde schwer wie Blei. Die Taube fiel tot um, die andern guckten dumm.
Drei Tauben saßen dort und pickten immer fort. Körner bekamen sie viel, so dass Fliegen nur noch schwerer fiel, denn das Gefieder war zu schwer, doch sie fraßen immer mehr. Der Tag der Tage kam, der der zweiten Taube das Leben nahm. Ein Gurren wie ein Schrei, das Herz wurde schwer wie Blei. Die Taube fiel tot um, die andern guckten dumm.
Zwei Tauben saßen dort und pickten immer fort. Körner bekamen sie viel, so dass Fliegen nur noch schwerer fiel, denn das Gefieder war zu schwer, doch sie fraßen immer mehr. Der Tag der Tage kam, der der dritten Taube das Leben nahm. Ein Gurren wie ein Schrei, das Herz wurde schwer wie Blei. Die Taube fiel tot um, die andere guckte dumm.
Eine Taube saß am Ort und pickte immer fort. Körner bekam sie viel, so dass Fliegen nur noch schwerer fiel, denn das Gefieder war zu schwer, doch sie fraß immer mehr. Der Tag der Tage kam, der der vierten Taube das Leben nahm. Ein Gurren wie ein Schrei, das Herz wurde schwer wie Blei. Ein Spieß dreht sich herum, die Tauben an ihm gucken dumm. So knusprig braun und zart, sie fraßen für diesen Tag.“
Ein breites Grinsen lag auf Kouhas Lippen als er sein Lied zum Besten gab. Eindeutig selbst erfunden, aber die Geschichte war kreativ. Noch dazu klang sie wie die Kaiserreich-Fassung der zehn kleinen Negerlein.
„Die Tauben wurden also von dem Spieß getötet und dann gegrillt? Wie tragisch traurig.“ Es war von meiner Seite aus nicht ernst gemeint, dass dieses Lied traurig war, aber es hatte einen gewissen Unterhaltungswert.
„Bringst du mir mehr Lieder bei?“
Es war interessant Geschichten aus Kou zu hören, auch wenn Kouha sie nur erfunden hatte, allerdings mochte ich seine Stimme und die Art wie er sang. Er fesselte mich damit und gewann damit mein wild schlagendes Fangirl-Herz.
„Ein Lied für ein Lied. Du bist also dran, mir eines zu singen.“
Ich lachte leise und schüttelte den Kopf. Kouha war wirklich eine Nummer für sich, aber es tat gut mit ihm zu reden.
„Also schön. Dann gibt es für dich ein ganz besonderes.“
Ich war zwar nicht eingesungen, aber dennoch wollte ich Kouha seine Bitte nicht verwehren, weswegen ich mich räusperte.
Ich bin der Doktor Eisenbarth
willewillewitt, bumbum!
kurier die Leut´ nach meiner Art
willewillewitt, bumbum!
Kann machen dass die Blinden gehen
willewillewitt, bumbum!
Und dass die Lahmen wieder sehn
Gloria Victoria willewillewitt juchei hassa, Gloria Victoria, willewillewitt bumbum.“
Es machte Spaß Kouha ein Lied aus meiner Kindheit zu singen. Die Geschichte von Doktor Eisenbarth der ein sogenannter Kurfuscher war und seine Patienten umbrachte. An sich ein trauriges Lied, aber im Zusammenhang mit der fröhlichen Melodie war dieses Lied doch eher witzig. Kouha verstand diesen Witz und lachte mit seiner klaren Stimme, was nur dafür sorgte, dass ich ihn noch sympathischer fand. Ich war nun froh, ihn begleitet zu haben, denn sonst hätte ich wohl nicht soviel Spaß gehabt.
„Hey, Kouha. Ich wette ich kann dir aus der Hand lesen.“
Ein breites Grinsen lag auf meinen Lippen, als ich stehen blieb. Das Hotel war nicht mehr weit, aber ich wollte noch etwas tun, womit ich Kouha vielleicht in Erinnerung bleiben würde. Ich hielt ihm meine Hand entgegen und wartete darauf, dass Kouha mir seine gab. Er sah mich nur fragend an, willigte aber schließlich mit einem Grinsen ein. Es diente immerhin seiner Unterhaltung.
Vorsichtig und sanft, fuhr ich die Linien seiner Handfläche nach. Ein paar Schwielen waren zu sehen, was deutlich zeigte, dass er eben schon jetzt ein Kämpfer war. Dann hatte er sich diesen Abend eindeutig verdient.
„Du wirst auf einer Reise jemanden mitnehmen... Ihr werdet Freunde. Allerdings... Pass gut auf dein Gefolge auf, Gefahren drohen...“
Ich ärgerte mich, dass ich die Chance hatte, ihm alles zu sagen, es aber nicht tat. Zu sehr wollte ich doch nicht in das Fandom eingreifen. Vielleicht verstand Kouha ja, was ich meinte und würde nicht die Hälfte seiner Männer verlieren. Er sollte nicht darunter leiden.
„Kouha...“ Ich biss mir auf die Unterlippe. Nein, ich durfte nicht mehr sagen.
„Du bist witzig. Das ist wirklich eine sehr genaue Aussage über meine Zukunft.“
Kouha schien nicht verärgert darüber, dass ich nichts genaueres sagte. Im Gegenteil, er hielt es mehr für einen Witz den ich gemacht hatte und lachte. Ob er gelacht hätte, wenn ich ihm erzählt hätte, dass ich aus einer anderen Welt kam? Sicherlich. Er nahm es einfach nicht ernst, genauso wie meine Vorhersage, weswegen ich lächelte.
„Pass dennoch auf dich auf, sonst kannst du beim nächsten Mal nicht bei mir auf meinem Kissenberg sitzen. Das ist ein Privileg, welches ich nur dir gewähre. Also bleib bloß gesund.“
Es wäre in der Tat ein Privileg gewesen. Niemand durfte zu mir und Assad hätte mich sicher just in diesem Moment erschlagen, wenn er das gehört hätte.
„Und du musst unbedingt mal nach Kou kommen, dort kannst du noch viele Geschichten lernen. Natürlich musst du mir dann auch Neue erzählen.“
Kouha und ich liefen weiter. Unsere Worte hatten irgendwie etwas von einem Abschied und das einzig Tröstliche daran war, dass es nicht ein Abschied für immer war, sondern nur für unbestimmte Zeit. Ich wollte Kouha wieder sehen. Ohne Zweifel. Und deswegen, durfte ich der Nebelbande nicht betreten. Das wusste ich nun endgültig.
„Prinz Kouha Ren!“
Vom Hotel aus kamen ein paar Wachen zu Kouha gelaufen. Sie schienen erleichtert, dass der Prinz es doch noch heil her geschafft hatte. Kouha hingegen schien von seinem Begrüßungskomitee nicht begeistert.
„Wir haben uns schon Sorgen gemacht, als die anderen schon wieder ohne euch zurückkamen.“ Das klang mir nun gar nicht so, als hätte Kouha die anderen nach Hause geschickt, sondern viel mehr danach als hätte Kouha sich abgesetzt. Ich kicherte leise, hielt mir aber die Hand vor dem Mund, damit die Wachen es nicht hörte. Irgendwie passte es zu Kouha. Weil die anderen langweilig gewesen waren, hatte er sich also abgesetzt und mir die wohl schönste Abwechslung der letzten Wochen verschafft.

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Nicht das ihr denkt, eure Antworten hätten mich beeinflusst. XD Autorenwissen ist kein Charakterwissen. Es hat sich viel mehr wirklich durch Suleika, Kouha und Cecilia ergeben.

Welches Team seid ihr? Team Sadiq oder Team Assad? ich glaube FF-Eri schwenkt auf Team Kouha über. XD Das wird noch ein Spaß mit den Kolleginnen.
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