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Im Zeichen des Rukh

von Erenya
GeschichteAbenteuer, Fantasy / P12
Aladdin Alibaba Saluja Judar Morgiana OC (Own Character) Sinbad
27.05.2015
01.01.2017
26
219.342
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06.06.2015 10.629
 
Hochkonzentriert starrte ich auf die Pfanne in meiner Hand. In ihr befand sich gebratener Reis mit Gemüse und durch eine falsche Bewegung wäre der Inhalt dazu verdammt gewesen in den Kochstellen zu verbrutzeln.
„In Ordnung. Du holst Schwung. Nicht zu viel, nicht zu wenig, also genug, dass es aus der Pfanne rotiert“, erklärte Ameen mit einem breiten Grinsen, während ich ihm einen bösen Blick zuwarf.
„Es wird rotieren, aber ich weiß nicht, ob es wieder in der Pfanne landet.“
Meine Tage in Balbadd zogen fast schon zügig an mir vorbei und ich hatte mich dank Ameen und den anderen schnell in meine neue Arbeit eingefunden. An Tagen wie heute, neigte Ameen sogar dazu, mir etwas von seinen Kochkunststücken beizubringen. Ich versuchte immer eine gelehrige Schülerin zu sein, allerdings gelang es mir immer noch nicht, den gebratenen Reis in der Pfanne zu schwenken, ohne dass die Hälfte für die Flammen der Kochstelle war.
„Okay, hol tief Luft und zähl bis drei.“
Ameen hatte echt gut reden. Wobei, bei ihm sah das immer so leicht aus. Ich wollte gar nicht wissen, wie lange er dafür hatte üben müssen. Sicher eine halbe Ewigkeit oder weniger.
„Wenn du es schaffst, frage ich Assad für dich um eine Verabredung zu zweit~“, säuselte mir Ameen ins Ohr, wobei ich sofort knallrot anlief. Gott wie ich es hasste, wenn er solche Scherze machte. Nicht das Assad unattraktiv oder dergleichen war, aber musste er mich so damit aufziehen, dass ich für meinen Chef etwas schwärmte? Es waren keine tiefen Gefühle wie Verliebtheit oder dergleichen, sondern nur eine stumme Bewunderung die sich aufgrund meiner Beobachtungen entwickelt hatte und wohl keinem verborgen geblieben waren. Außer Assad selbst, der mich nicht besser oder schlechter als am ersten Tag behandelte.
„Hör auf! Schon vergessen, ich habe in meiner Heimat jemanden den ich mag!“
Es war die alltäglich gewordene Diskussion, die Ameen und ich in unserer ungestörten Zweisamkeit in der Küche ausfochten. Der Sieger stand eigentlich schon fest und es würde nicht Ich sein.
„Er ist aber nicht da, oder? Ebenso wenig weißt du wie deine Heimat heißt, also wirst du so schnell nicht zurückkehren. Dann kannst du auch hier etwas Spaß haben. Und Assad sowieso. Er ist immer viel zu ernst.“
Ja, es war definitiv die alltägliche Diskussion und wie die letzten Tage hatte ich auch heute vor zu gewinnen, weswegen ich mir bereits eine passable Ausrede zur Seite gelegt hatte, um irgendwie das Offensichtliche nicht ganz so offensichtlich wirken zu lassen.
„Jetzt hör doch mal mit Assad auf. Ich mag auch Sadiq sehr.“
Ja Richtig, Sadiq. Er war so etwas wie mein Vermieter und Mitbewohner. Dank Assad, der mir den etwas mageren Mann, mit dem Dauergrinsen, vorgestellt hatte, war ich in Balbadd sogar wohnlich untergekommen und das zu einem recht günstigen Preis. Von dem Geld. das ich hier verdiente, gab ich bis zu vier Dinar an Sadiq ab. Den Rest konnte ich dann für Lebensmittel und Kleidung oder andere Dinge ausgeben. Wobei ersteres auch nicht sonderlich schwer ins Gewicht fiel, da alle Angestellten des Freudenhauses auch hier von Ameen bekocht wurden.
„Sadiq ist aber nicht Assad. Und du schmachtest Sadiq auch nicht wie Assad an.“
Sadiq war im übrigen nicht nur ein guter Freund von Assad, sondern auch ein Stammkunde hier im Freudenhaus. Man kann sich also vorstellen, wohin die vier Dinar, die ich ihm gab, wieder hin flossen. Richtig, indirekt zurück zu mir. Ein passabler Kreislauf also.
„Halt endlich die Klappe, ich muss den Reis schwenken.“ Da ich immer noch die Pfanne in der Hand hielt und Ameen wieder kurz davor war diese Diskussion zu gewinnen, fokussierte ich meine Gedanken lieber auf etwas, das für diese Diskussion gesorgt hatte. Dieses Mal zögerte ich aber nicht länger, sondern schwenkte den Inhalt der Pfanne, wobei wie schon anfangs gedacht, der Inhalt sich großteils in die brennenden Feuerstellen ergab.
„Verdammt...“, fluchte ich leise und stellte die Pfanne ab, um wenigstens das zu retten, was noch nicht seinen Weg in die tiefen Löcher gefunden hatte.
„Das wird noch, das wird noch. Du musst einfach an der Technik arbeiten.“
Ameen hatte bemerkt, wie mich dieser Fehlschlag ärgerte. Kein Wunder, wenn ich nicht gerade Geschichten erzählte, verbrachte ich die meiste Zeit hier in der Küche und half ihm bei der Zubereitung der Gerichte. Ich hatte sogar gelernt mit sehr frischen Fisch umzugehen.
„Immerhin bekommen wir daraus noch ein paar Portionen. Das ist besser, als wenn alles in die Flammen gegangen wäre.“
Ich wusste, dass Ameen dies sagte um mich zu beruhigen oder zu trösten, allerdings wusste er nicht, dass er damit eher noch ein imaginäres Messer durch mein Ego jagte. In meiner idealen Welt, war ich perfekt. Da waren solche Fehlschläge nicht geduldet und ich hasste mich, wenn es zu solchen kam. Deswegen versuchte ich mich so selten an neuen Dingen. Versagen war wohl das Schlimmste.
„Ich schneide noch etwas Gemüse...“
Gefrustet wandte ich mich von den Kochgeschirr ab und ging zu meiner Arbeitsstelle, auf der noch genug Gemüse lag, welches nur darauf wartete von meiner gnadenlose Klinge zerhackt zu werden.

Ich hatte einfach zu viel Gemüse geschnitten, weswegen mich Ameen schließlich aus seiner Küche geworfen und ich mich in das Umkleidezimmer der Mädchen zurück gezogen hatte. Meinen zweiten Zufluchtsort, wenn die erste Zuflucht mir verwehrt wurde. Doch ich war nicht alleine, denn wie gewohnt saßen hier bereits die Mädchen, die sich auf den späten Abend vorbereiteten. Mit Hilfe von Cecilia, die gerade Suleika ihren Zopf band. Sie hatte wirklich so langes Haar und es faszinierte mich immer noch, wenn sie diese offen ließ und ihr fast bis zu den Knöcheln gingen. Ich wollte mir gar nicht vorstellen, wie schwer sich das anfühlen musste.
Suleika war die erste die mich bemerkte und mir sogleich ein spöttisches Grinsen schenkte.
„Was? Hat Ameen dich schon wieder rausgeworfen? Wenn du weiter so machst, ist deine Daseins-Berechtigung bald erloschen.“
Suleika und ich... sagen wir es so, wir würden niemals Freunde werden. Das verdankte ich allein schon der Tatsache, dass sie Ameens feste Freundin war, was natürlich auch erklärte, warum sie regelmäßig beim Abwasch half. Sie schien mich dafür zu hassen, dass ich soviel mehr Zeit mir ihrem Freund verbrachte als sie, die draußen für die Männer tanzte. An sich, wenn ich das richtig beobachtet hatte, war Suleika die Nettigkeit in Person, aber irgendwie waren wir einander einfach nicht grün. Ihre negativen Gefühle mir gegenüber beruhten immerhin auf Gegenseitigkeit.
„Ameen hat leider nicht mehr genug Arbeit für mich. Ich bin mit meinem Küchenmesser wohl einfach zu flink für ihn.“
Es war nicht so, dass ich wirklich zu flink war, eigentlich war ich für meine Ansichten noch zu langsam, denn Ameen schnitt das Gemüse um ein vielfaches schneller als ich, was nur bewies, dass er eben ein ausgebildeter Koch war. Aber das musste ich Suleika ja nicht unter die Nase reiben.
„Cecilia, dauert es noch lange?“
Da unsere Nettigkeiten wie immer zu nichts führten, entschied sich Suleika, dass es wohl besser war, wenn sie mich ignorierte. Deswegen waren ihr ihre Haare für diesen Augenblick sogar wieder wichtiger.
„Alles sitzt, Liebes. Du kannst deine Vorführung beginnen.“
„Danke.“
Liebreizend lächelte die schöne Suleika Cecilia an. Ein Lächeln, welches mir wohl verwehrt bleiben würde, aber ich war auch nicht sonderlich wild darauf, dass sie mich mochte. Das wäre einfach unrealistisch gewesen.
Suleika erhob sich von ihrem Platz und ging auf mich zu, da ich immer noch an der Tür stand und mich seit dem kleinen Wortwechsel nicht vom Fleck bewegt hatte.
„Rosa steht dir übrigens nicht...“, zischte Suleika mir noch zu, ehe sie das Zimmer verließ und meine Anspannung mit sich nahm. Ich wusste nicht wieso, aber immer wenn ich ein paar Worte mit Suleika wechselte, verkrampfte sich alles in mir, als müsste ich meine Körperspannung bewahren um bei einem Drahtseilakt nicht von diesem zu fallen.
Dennoch ihre zuletzt gesagten Worte ließen mich zweifeln, weswegen ich an mir hinab sah. Ja, ein rosa Top, welches nicht ganz so viel Ausschnitt zeigte und immerhin etwas über den Bauch ging, zu der rosafarbenen Ballonhose wäre auch nicht meine erste Wahl gewesen, aber Sadiq hatte gemeint, dass es mir stehen würde. So ein Lügner. Wobei, warum interessierte es mich überhaupt, dass Suleika mich hübsch fand?
Seufzend und mit dem Kopf schüttelnd ging ich zu Cecilia, die nun einen Platz vor sich frei hatte.
„Wie sieht es heute aus?“, fragte ich nur und schob meine Haare etwas zur Seite, so dass Cecilia meine nackten Schultern sehen konnte.
Seit ich in Balbadd angekommen war, hatte es kein einziges Mal geregnet und die kurzen Strecken die ich von der Arbeit zu meiner Unterkunft zurücklegen musste, reichten, um mir einen Sonnenbrand auf die Haut zu zaubern. Leider kannte man hier so etwas wie Sonnencreme nicht.
Vorsichtig tastete Cecilia die befallenen Stellen am Rücken ab und fuhr sie nach, so dass ich mir selbst ein Bild von der Großflächigkeit machen konnte.
„Es ist wieder etwas schlimmer geworden...“, erklärte Cecilia schließlich, weswegen ich erneut seufzte. Zwar war mein Körper nicht komplett befallen, da ich unter der Kleidung doch geschützt war, weswegen ich schon nach wenigen Tagen auf etwas längere Kleidungsvarianten umgestiegen war, doch eben jene freien Hautpartien, die immer noch der brutzelnden Sonne ausgesetzt waren, wurden nicht besser, so dass sich auf meiner weißen Haut immer deutlicher rote Flecken abzeichneten, die ich nicht einmal mehr mit Make-Up abdecken konnte.
„Und ihr habt wirklich nichts, womit ihr euch vor der Sonne schützen könnt?“ Es war nicht das erste Mal, dass ich diese Frage stellte, denn wenn es nach mir ging, würde dieser Sonnenbrand bald verschwinden. Doch bisher gab es keine Chance, dass dies der Fall sein würde.
„Leider nicht. Ich habe das aber auch wirklich noch nie gesehen, dass jemand so einen schlimmen Ausschlag von der Sonne bekommen hatte.“
Ich verdrehte genervt die Augen auf Cecilias Worte. Wie oft musste ihr noch erzählen, dass ich nicht allergisch auf die Sonne reagierte, sondern das eine normale Reaktion meines Körpers war? Aber gut, das mit der UV-Strahlung könnte ich wohl noch dutzende Male singen und sie würde es nicht verstehen. In Balbadd war ich vielleicht nicht die einzige, die etwas hellhäutiger war, aber doch schon eine Rarität mit der Reaktion auf Sonnenlicht. Die meisten Mädchen waren schon so daran gewöhnt, dass sie keinen Sonnenbrand mehr bekamen, weswegen diese Reaktion wohl wirklich wie ein Ausschlag erschien.
„Erenya, erzählst du uns noch einmal die Geschichte der zwei Königskinder?“
Ich sah zu zwei Mädchen auf, die sich gerade umzogen. Ehrlich, in Balbadd hatte ich schon mehr nackte Brüste gesehen als mir lieb waren und dieser Anblick war für mich immer noch alles andere als gewohnt. Dennoch versuchte ich immer meine Verlegenheit zu überspielen, meist mit einem Grinsen.
„Schon wieder? Ihr müsstet die doch fast auswendig kennen.“
Es gab da dieses Lied, welches ich in der Regelschule einmal gelernt hatte. Ein Lied das die Geschichte zweier Königskinder erzählte, die aber keine gemeinsame Zukunft hatten. Ich hatte es einmal vor den Gästen gesungen, was besonders die Mädchen berührt hatte. Seitdem baten sie mich regelmäßig, es entweder wieder vor Publikum vorzutragen, oder wenn ich, wie gerade, hier im Umkleidezimmer war.
„Bitte sing es noch einmal für uns.“
Da auch Cecilia Feuer und Flamme für solche Schnulzgeschichten war, konnte ich mich doch nicht länger verwehren, weswegen ich mich seufzend ergab.
„Na schön. Wenn aber eine von euch auch nur ansatzweise ihre teure Schminke mit Tränen verschmiert, singe ich es nie wieder.“
Es war eine Drohung, die ich einfach nicht einhalten konnte. Sie hatten schon oft ihre Kohlestiftaugen verschmiert. Zwar nicht vor den Gästen, aber hier. Zum Glück war abgesehen von Cecilia gerade niemand geschminkt.
„Es waren zwei Königskinder, die hatten einander so lieb. Sie konnten zusammen nicht kommen, denn das Wasser war viel zu tief, das Wasser war viel zu tief. 'Ach Liebster, könntest du schwimmen, so schwimm doch herüber zu mir! Drei Kerzen will ich anzünden und die sollen leuchten auch dir, und die sollen leuchten auch dir.'“
Ich gab mein bestes um den Mädchen ihr Lieblingslied so gefühlvoll wie möglich nahe zu bringen. Wenn sie mich schon um so etwas baten, dann wollte ich das nicht halbherzig angehen, nur weil sie keine zahlenden Kunden waren. Sie waren immer Kolleginnen.

**~~**


Ich hasste es morgens aufzustehen, ob in meiner Welt, oder dem Magi-Fandom. Morgende vor der Arbeit waren alle gleich grausam. Gähnend erhob ich mich aus dem provisorischen Bett, welches Sadiq mir in einer kleinen Ecke des riesigen Gemeinschaftsraumes zurecht gelegt hatte. Es bestand ausschließlich aus Kissen und ich fragte mich immer noch, warum Sadiq so viele Kissen besaß, um einfach mal ein Bett für jemanden wie mich zu arrangieren.
„Morgen~“
Die glockenhelle und muntere Stimme Sadiqs erklang und wurde von mir wie gewohnt mit einem Brummen erwidert. Er würde es wohl nie lernen, dass ich einige Zeit brauchte, um wach zu werden und schließlich ein Mensch zu sein.
„Du bist früh immer so grummelig. Du weißt doch, wer den Tag mit einem Lächeln beginnt, wird viel Gutes ernten.“
Sein Lächeln, welches nicht einmal der Schatten seiner dunkelbraunen Haarsträhnen verdunkeln konnte, wich nicht und an sich war ich kurz davor ihn wie eine wilde Raubkatze anzuspringen und ihm zu zeigen, was er Gutes erntete, wenn er mir so früh am Morgen auf die Nerven ging. Doch da er mir das Frühstück, in Form eines Fladenbrotes mit Gemüse und anderen Sachen, ans Bett brachte, wollte ich die mich fütternde Hand nicht beißen.
„So schweigsam wie immer. Du wirst dich wohl nie an mich gewöhnen, oder?“
In der Tat, wenn man es recht bedachte, sprachen Sadiq und ich nie viel. Meist das Nötigste, was aber eher an mir lag. Auch wenn Sadiq nett und freundlich war, hielt ich doch aus irgendwelchen Gründen einen gesunden Abstand zu ihm. Vielleicht lag es daran, dass er ein geborener Lügner war. Am Anfang hatte ich ihn gefragt, was er so tat, wenn er nicht gerade im Freudenhaus war, doch er antwortete auf diese Frage immer anders.
Beim ersten Mal, war er noch ein Händler gewesen. Im Freudenhaus hatte er schließlich einem anderen Kunden erzählt, dass er ein Diplomat war. Am selben Tag hatte ich ihn erneut nach seiner Berufung gefragt und da war er plötzlich ein Fischer gewesen. Egal wann ich ihn fragte, sein Beruf war immer ein anderer, was mir nur deutlich sagte, dass er log und etwas zu verbergen hatte. Darauf angesprochen hatte ich ihn aber noch nicht. Ich redete mir stattdessen ein, dass er Undercover für irgendeine Mission hier war, um das Leben in Balbadd zu verbessern, wobei ich behaupten würde, dass den meisten Menschen die nicht aus diesem Königreich stammten, das Königreich selbst nicht interessierte.
Schweigend aß ich mein Fladenbrot Sandwich. Ich war verwundert, denn Sadiq neigte dazu mir jeden Tag eine andere Kombination zu reichen. Heute war es ausschließlich mit Gemüse belegt und einer Art Käse die ich freiwillig wohl nie gegessen hätte. Da mir Sadiq aber nie sagte, was es war, aß ich es ohne zu fragen und erweiterte meinen Geschmackshorizont. Er hatte bisher nur einmal ein wirklich schlecht schmeckendes Sandwich gemacht. Es war zu scharf und für mich damit nicht essbar gewesen. Doch Sadiq hatte aus diesem Fehler gelernt und vermied das großzügige Würzen mit Kräutern aus der Hölle.
„Waf ift daf?“, fragte ich mit vollen Mund, als ich absolut nicht darauf kam, was er mir da für Käse gereicht hatte. Zumindest hatte ich bei Ameen noch nie so etwas gesehen, geschweige denn gegessen.
„Gute Frage... ich weiß nicht mehr wie der Käse hieß... oder von welchem Tier er stammt. Ich hab ihn gestern auf dem großen Markt erworben.“
Der große Markt? Stimmt, ich war noch nie wirklich auf dem großen Markt hier in der Stadt gewesen. Bisher war ich zu sehr mit der Arbeit beschäftigt gewesen. Wenn man es sogar recht bedachte, kannte ich so ziemlich nichts von Balbadd. Das musste sich ändern, denn sonst würde ich mich irgendwann verlaufen. Den großen Markt kennenzulernen, wäre sicher schon ein erster Schritt gewesen.
Ich schluckte hastig den letzten Bissen runter und sah zu Sadiq, der mich wie gewohnt beim Essen beobachtete. Manche Menschen hatten schon komische Fetische und Sadiqs gehörten zu den seltsamsten.
„Gehst du mit mir heute auf den großen Markt? Ich muss erst abends arbeiten und hab noch den ganzen Morgen Zeit.“
Verwundert sah mich Sadiq nun an. Es lag wohl daran, dass ich es bisher vermieden hatte, ihn groß um etwas mehr als meinen kleinen Schlafbereich zu bitten. Wie gesagt, wir hatten nicht viel Gesprächsstoff miteinander und taten generell vollkommen verschiedene Dinge, so dass wir uns wirklich nur sahen, wenn er im Freudenhaus oder hier war.
„Du lebst gefährlich, wenn du mich so etwas fragst, Erenya. Du kennst mich nicht. Vielleicht bin ich ein Sklavenhändler, der dich auf dem Markt dann verkauft.“
Ich hob zweifelnd eine Augenbraue und sah Sadiq an. War das nun der neue Beruf den er mir gegenüber annahm?
„Wirklich jetzt? Du kennst auch mich nicht. Vielleicht ist diese ganze Sache mit dem Gedächtnisverlust auch nur Tarnung von mir und raube dich aus.“ Wenn er dieses Spiel spielen wollte, konnten wir das gerne zu zweit spielen. Wir wussten immerhin beide nicht viel voneinander.
„Ich weiß wahrscheinlich mehr über dich, als du glaubst.“
Ein dunkler Schatten legte sich über Sadiqs Blick, ebenso wurde seine Stimme tiefer und dunklerer als zuvor, was mir schon einen hauchzarten Schauer über den Rücken jagte.
„Du solltest mir wirklich nicht vertrauen, Erenya. Ich bin ein ganz schlechter Umgang für dich. Ich nutze die Gutmütigkeit von Menschen wie Assad und dir schamlos für meine eigenen Pläne aus. Du solltest deinen bisher gewahrten Abstand zu mir also besser aufrecht erhalten, bevor du es bereust.“
Es war schon gruselig, wie ernst Sadiq, der sonst immer lächelte und einen auf froh und munter machte, wurde. Hatte er mich wirklich die ganze Zeit getäuscht? Wenn ja, warum sollte er mich dann vor sich warnen, wenn er wirklich so ein schlechter Mensch war, wie er mir gerade glauben machen wollte?
Erneut wusste ich Sadiq nicht wirklich einzuschätzen und mir wurde nur umso mehr bewusst, wie wenig ich ihn kannte.
„Willst du immer noch, dass ich dir den großen Markt zeige?“, fragte er schließlich, wobei der Anflug eines kleinen Lächelns auf seinen Lippen zu sehen war. Sollte er mir wirklich noch den Markt zeigen, nachdem er mich indirekt bedroht hatte? Was wenn er seine Warnung wahr machte? Was wenn er wieder nur log? Er war immerhin ein geborener Lügner.
Ich wusste ehrlich nicht, was ich tun sollte. Ich war hin und her gerissen zwischen der Neugier mehr von ihm zu erfahren und der Angst, dass er ausnahmsweise wirklich nicht gelogen hatte.
„Kannst du mir den Weg beschreiben?“ Es war die Vorsicht, die gewonnen hatte. Denn ich war wirklich nicht scharf darauf als Sklavin irgendwohin verschifft zu werden.
„Kluges Mädchen.“ Sanft legte Sadiq seine Hand auf meinem Kopf und strich über diesen, als wäre ich ein kleines Kind, welches er damit belohnen wollte. Ich war mir wirklich so gar nicht sicher, was ich von ihm halten sollte. Was das Ganze nicht wirklich leichter machte, schließlich lebten wir zusammen. Er konnte ja schon jetzt wer weiß was machen. Es würde, abgesehen von den Kollegen im Freudenhaus, niemand merken.

**~~**


Sadiq hatte mir auf einem Stück Pergament oder wie man das Papier hier nannte, einen Weg aufgezeichnet, der wirklich mehr als genau detailliert war, weswegen ich ohne Probleme meinen Weg zum großen Marktplatz gefunden hatte. Doch meine Erwartungen, hier das blühende Leben Balbadds zu sehen, mit Händlern die alles Mögliche feilboten, wurden enttäuscht. Die große Fläche, die einst sicher einmal genau diese Erwartungen von mir erfüllt hatte, war wie ausgestorben. Der Platz war überschaubar. Ich bereute es sogar ein wenig, dass ich Sadiq nicht einfach mitkommen lassen hatte, denn hier hätte er mich sicher nicht verkaufen können. Selbst die Kundschaft war überschaubar. Dennoch, ich war hier her gekommen, um mich umzusehen, also würde ich auch nicht so schnell von meinem Vorhaben abweichen. Ich versuchte es sogar positiv zu sehen, indem ich mir einredete so immerhin nicht unter der Menge untergehen zu können.
In aller Ruhe lief ich die wenigen Stände ab. Es war das gewohnte Bild. Obsthändler, Fischhändler, Stoffhändler... Alles was ich schon am Hafen gesehen hatte, fand ich auch hier. Allerdings war besonders bei den Stoff- und Schmuckhändlern der Stil ein anderer gewesen. Ich kam nicht genau darauf was anderes war, aber es wirkte, als seien gerade diese Farben oder der Schmuck nicht aus der Region, weswegen ich besonders an diesen Ständen etwas länger verweilte.
„Haben Sie etwas gefunden?“, fragte einer der Händler, als ich mir gerade wertvollen Schmuck ansah. Nicht das ich vor hatte, diesen zu kaufen, aber mich faszinierte das Design. Es war eine Brosche, die aus einem glatten, roséfarbenen Stein gefertigt war. Man hatte diese in die Form einer Lotusblüte gebracht, welche hier sicher nicht allgegenwärtig war.
„Woher kommt dieser Schmuck?“ Ich war nun wirklich neugierig geworden, weswegen ich den Händler direkt fragte. Doch von diesem kam nur ein leises Glucksen.
„Sie kommen nicht von hier, oder? Balbadd ist eine Handelsstadt. Seit König Ahbmad aber mit Kou verkehrt, werden Sie hier überwiegend einheimische Sachen und Dinge aus dem Kaiserreich Kou finden. Dieser Schmuck hier zum Beispiel wurde im Kaiserreich Kou hergestellt.“
Ich nickte immer wieder auf die Erklärung des Händlers hin, um zu zeigen, dass ich verstanden hatte. So weit waren wir also schon.
„Waren aus Kou können Sie ausschließlich mit Huang, der dortigen Währung, zahlen. Dort hinten finden Sie einen Händler, der Ihnen Dinar gegen Huang tauscht.“ Der Händler verwies in einen hinteren Bereich, wo ein kleiner Stand war. Er wirkte nicht so einladend wie alle anderen hier und doch war dort eine kleine Schlange von Menschen zu sehen. Ärmliche Menschen, reiche Menschen, hier war wirklich das ganze Leben Balbadds zu sehen.
„Selbst in der Stadt gibt es einige Läden, die nur noch mit Huang bezahlt werden wollen. Der Umtausch von Dinar in Huang kostet nämlich einen kleinen Zuschlag. Das ständige Getausche ist für viele Händler daher nicht mehr tragbar.“
Ich musste bisher wohl Glück gehabt haben, denn ich hatte ohne Probleme mit Dinar bezahlen können. Allerdings, wenn das so war, musste ich auf kurz oder lang wohl etwas von meinem Geld in Huang tauschen. So dass ich von beiden Währungen immer etwas bei mir hatte.
„Danke, für diese Informationen.“
Ich nickte dem Händler zu und ging auf die „Wechselstube“ zu. Die Schlange schien auch schneller kleiner zu werden. Zumindest kam ich Schritt für Schritt voran, während sich andere Besucher hinter mir einreihten.
„Wie ich soll dir drei Dinar für einen Huang geben? Gestern wolltest du noch zwei für einen.“
Der Mann vor mir schien äußerst erregt, was mich anhand der Informationen die ich bekam, nicht verwunderte. Genauso wenig wunderte mich aber auch, dass der Huang scheinbar nicht sicher war. Dass die Deflationsrate beim Huang scheinbar sehr schwankend bis ungefestigt war, zeigte nur, wie unbedacht dieses Papiergeld-System eingeführt worden war.
„So ist das eben mit Angebot und Nachfrage.“
Es war eine einfache Erklärung, die der Wechsler gab. Eine die vollkommen aus der Luft gegriffen war und nur zeigte, dass er von dem System selbst keine Ahnung hatte. Wütend zahlte der Mann vor mir seine Dinar, um endlich zehn Huang in den Händen zu halten. Es war nun an mir, meine Dinar in Huang zu wechseln.
Ich griff also in meinen Beutel und zog neun Dinar hervor. Keine Ahnung wie weit ich damit kommen würde, ich hoffte aber, dass drei Dinar für den Anfang genügten. Ohne große Diskussionen gab mir der Wechsler das geforderte Geld, wobei er doch sehr erfreut darüber schien, dass nicht erneut ein Kunde über seine Wechselmethoden murrte.
Ich entfernte mich von dem Stand und begutachtete das Papiergeld. Es hatte schon große Ähnlichkeit mit dem was ich aus meiner Welt kannte und ich fragte mich, wie Kou darauf gekommen war und ob sie diese Währung wirklich gut bedacht hatten. Immerhin war das hier nur Papier, ohne Wert einfach mit einer Prägung. Anders als die Dinar, die in Gold gemessen eigentlich mehr Wert sein sollten. Dennoch, der Huang entwertete den Dinar, was für die Wirtschaft von Balbadd kein gutes Zeichen war.

Meine Befürchtungen mit den Huang wirklich nicht weit zu kommen, hatten sich schnell bestätigt. Nur dank des Händlers, bei dem ich mir Papier, Tinte und eine Feder erworben hatte, konnte ich mit meinen drei Huang alle drei Dinge erwerben, für gewöhnlich kostete allein die Tinte drei Huang. Gruselig wenn man das bedachte. Insgesamt hätte ich nämlich sechs Huang zahlen müssen. Da der Händler aber ein Stammkunde im Freudenhaus zu sein schien, ich muss gestehen unter allen Gästen hatte ich mir sein Gesicht nicht gemerkt, hatte er es mir für die Hälfte verkauft. Noch ein positiver Effekt des Jobs also. Danach hatte ich mich auf dem großen Markt schließlich gut umgehört, welcher Stand Huang wollte und welcher nicht. Da aber hier ausschließlich mit Papier bezahlt wurde, war der große Markt nicht weiter interessant für mich, auch wenn die Gewürze und einige der ausländischen Delikatessen doch schon dazu verlockten noch ein paar Dinar umzutauschen.
Dennoch, ich hatte noch ein weiteres Ziel, welches ich ansteuern wollte. Der Hafen. Dort, so hatte man mir gesagt, zahlte man noch mit Münzen, weswegen ich auch hier genauer nachsehen wollte, was der Hafen zu bieten hatte. Seit meiner Ankunft war ich immerhin nicht mehr dort gewesen.
Ein Händler hatte mir freundlicherweise beschrieben, wie ich zum Hafen kam, allerdings war seine Beschreibung nicht so exakt und genau wie die Sadiqs gewesen, so dass ich mich schnell verlaufen hatte und mich nun in den Slums befand.
Keine Ahnung wie genau ich hier her gekommen war, aber „Laufen Sie die Straße bis zur ersten Kreuzung entlang und biegen Sie erst links, dann rechts und schließlich wieder links ab“ war nicht gerade eine genaue Beschreibung.
Ich überlegte einen Moment, ob ich einfach zurückgehen sollte, allerdings... Vielleicht war es nicht schlecht die Slums zu sehen. Wo sonst konnte man das ungeschönte Leben Balbadds so genau sehen wie hier?
Auch wenn ich entschlossen war, die Slums zu erkunden, waren meine Schritte doch schon sehr zögernd. Ich wusste nicht, was mich hier erwartete und ein gewisser Teil in mir wollte sich auch vor der grausamen Wahrheit verschließen. Immerhin hatte ich gerade ein angenehmes Leben. Ich war vielleicht auch nicht reich, aber ich hatte mehr zum Leben als diese Menschen hier. Für mich als jemand, der Leben konnte, gab es damit keine Probleme. Für die Menschen hier hingegen schon.
Ein Schrei riss mich aus meinen Gedanken, als ich einfach strikt dem Weg entlang vorbei an heruntergekommenen Unterkünften, entlanglief. Ich hielt in meiner Bewegung inne und sah mich um. Niemand war hier, aber die Schreie hallten unaufhörlich durch die Umgebung. Ich folgte ihnen in eine Seitengasse, von wo nun auch eine männliche Stimme drang.
„Du verdammte Hure! Was erdreistest du dich, mir zu sagen, dass ich dir nicht genug zahle? Alles was ich dir billigen Stück Fleisch zahle, ist schon zu viel!“
Ein Knall hallte durch die Gasse und meine Schritte wurden schneller, denn dieses Knallen, es klang eindeutig als würde man auf etwas einschlagen. Mit einem Stock oder einer Peitsche. Ein Geräusch, welches ich zu gerne nie gehört hätte, aber hier in den Slums auch keine Seltenheit war. Niemand schien eingreifen zu wollen, jeder war sich selbst der Nächste. Das musste aufhören.
Ich dachte gar nicht darüber nach, dass ich mich vielleicht selbst in Gefahr brachte und lief immer schneller auf den Urquell der Töne zu, bis ich sie schließlich sah. Eine halbnackte Frau, die am Boden lag. Risse zeichneten sich auf ihrer Haut ab, während der Mann, in wesentlich edlerer Kleidung, immer wieder mit einem Stock ausholte und auf die wimmernde Frau einschlug.
„Hey!“
Mein Schrei hallte durch die Gasse und zog die Aufmerksamkeit des Mannes auf mich.
„Lassen Sie die Frau in Ruhe! Sie bringen sie noch um!“
Die Frau am Boden, nutzte die Unaufmerksamkeit des Mannes und erhob sich wankend, um so etwas von ihrem Peiniger wegzukommen. Ein gutes Zeichen, dass sie sich so weit noch bewegen konnte, allerdings hatte ich diese ganze Situation nicht richtig bedacht, denn nun fokussierte sich die Wut des Mannes auf mich, dem es nicht gefiel, dass man sich in seine Angelegenheiten einmischte.
„Was willst du Miststück? Pass auf wie du mit mir redest!“ Er schien sein erstes Opfer vollständig vergessen zu haben, mich allerdings dafür um so mehr anzuvisieren, denn er stürmte mit erhobenen elastischen Stock auf mich zu. Erschrocken wich ich zurück und folgte meinen noch vorhandenen Trieben, die mir rieten, dass die Flucht wohl besser war.
Ich wandte mich auf der Stelle um und lief so schnell ich konnte, mein erworbenes Gut fest in den Händen, den Weg zurück wie ich ihn gekommen war. Der Adelsmann aber folgte mir und war sogar schneller, als seine fülligere Statur vermuten ließ. Um meine Kondition stand es selbstverständlich nicht so gut, noch dazu machte sich der Sonnenbrand gerade schmerzhaft bemerkbar, da mein weißes Oberteil, welches ich mir für meine Freizeit besorgt hatte, auf den roten Stellen rieb.
Schwer atmend lief ich einfach nur, was meine Beine hergaben, endete aber in einer Sackgasse, die sich durch aufgestapelte Kisten bemerkbar machte. Sie waren zu hoch aufgestapelt, so dass es für mich keinen Weg gab, darüber zu klettern.
„Hab ich dich, du Miststück...“, knurrte der Adelsmann schwer atmend hinter mir.
Mit dem Wissen was kommen würde, wandte ich mich zu ihm um. Er war selbst langsamer geworden, denn er hatte mich in der Falle. Einige Meter vor mir blieb er stehen und auf seiner Fratze zeichnete sich ein gehässiges Grinsen ab, bevor er erneut loslief und mit erhoben Stock auf mich zukam. Im Geiste spürte ich bereits den Schlag des Stockes und schloss die Augen, weil ich meinen Angreifer so einfach nicht ins Gesicht sehen wollte, doch der Schlag blieb aus. Verwundert sah ich auf und entdeckte den Mann bewusstlos am Boden liegen.
Ein Blick durch die Gasse verriet mir, was passiert war. Er war mitten in einen Holzbalken gelaufen, der aus einer kleinen Seitenstraße herausragte. Seltsam, vorher war dieser Balken nicht da gewesen, aber nun...
„Mieses Schwein...“ Eine Stimme kam aus der Seitenstraße.
„Du vergreifst dich nicht noch einmal an schwachen Frauen.“
Der Balken wurde fallen gelassen und aus der Gasse trat eine Frau, deren Anblick eine Erinnerung in mir wach rüttelte. Rastazöpfe, wie die von Kassim. Piercings an den Ohren und einer an der Unterlippe. Ja, ich kannte diese Frau inoffiziell, sie war ein Mitglied der Nebelbande und sie hatte mich gerettet.
„Ist alles in Ordnung bei dir?“
Ich nickte bloß auf ihre Frage, denn ich hatte mit etwas anderem gerechnet, als damit gerettet zu werden. Mein Herz raste wie wild und das nicht nur, weil ich schnelles Weglaufen einfach nicht gewohnt war, sondern einfach, weil das Adrenalin mir einen deutlichen Schub wegen der anstehenden Gefahr verpasst hatte.
„Du bist kein Bewohner der Slums.“
Ihre Worte klangen harsch, als sie aufgrund meiner Kleidung diese Feststellung tätigte und ich nickte erneut.
„Was suchst du dann hier?“
„Verlaufen“, antwortete ich wahrheitsgemäß, wobei ich mehr nicht zustande brachte.
„Und er? Warum verfolgt er dich?“
War das hier ein Verhör? Oder warum misstraute sie mir? Ich meine der Typ wollte mich verprügeln, mehr in Nöten konnte man doch nicht sein, oder?
„Er hat eine Frau verprügelt und ich habe dabei gestört.“
Eine Zeit lang beäugte mich das Mitglied der Nebelbande kritisch, ließ allerdings von dem Verhör ab und lief in Richtung des Ausganges der Gasse.
„Komm mit, ich bring dich hier besser weg. Jemand wie du gehört nicht hier her.“
Jemand wie ich? Das klang doch schon arg böse, auch wenn ich aus ihren harschen Worten einen Hauch Sorge herauszuhören glaubte. An sich waren die Mitglieder der Nebelbande ja auch keine schlechten Menschen. Sie teilten das was sie stahlen schließlich auch. Und im Prinzip wünschten sie sich auch ein besseres Leben für die Menschen in den Slums und in ganz Balbadd. Was ich nachvollziehen konnte.
Schweigend lief ich hinter der Frau her und versuchte mich zu erinnern, wie sie hieß. Ihr Name war mir leider nicht so geläufig wie der Kassims, was nicht verwunderte, immerhin war sein Name auch nach dem Balbadd-Arc noch häufiger gefallen.
„Wohin wolltest du?“
Vollkommen unvorbereitet riss sie mich aus meinen Gedanken, weswegen ich zu ihr sah. Richtig, ich hatte ihr ja erzählt, dass ich mich verlaufen hatte.
„Zum Hafen.“
Irgendwie brachte ich es einfach nicht über mich mit ihr vollständige, viele Sätze zu reden. Sie wirkte furchteinflößend, vielleicht lag das aber auch eher daran, dass ich wusste, dass sie ein Mitglied der Nebelbande war. Verdammt.
„Du folgst einfach diesem Weg. Immer geradeaus.“
Sie wies mir eine Richtung und wenn das wirklich alles war, was ich tun musste, war ich zufrieden.
„Uhm... Danke. Also auch wegen vorhin.“ Sie hatte sich wirklich meinen Dank in doppelter Hinsicht verdient, denn wegen ihr hatte ich mich nicht verlaufen. Noch dazu blieb ich von blauen Flecken verschont. Sie schien sich allerdings nicht sonderlich viel aus meinem Dank zu machen, denn sie wandte sich von mir ab und lief zurück in die Tiefen der Slums, die ich in Zukunft wohl besser mied. Zumindest sagte mir das meine Vernunft.

Auch wenn ich den Hafen lange nicht mehr gesehen hatte, hatte sich nichts hier verändert. Reges Treiben zwischen arm und reich herrschte, während Seemänner die Fracht eines riesigen Schiffes entluden. Die Flagge, welche im Wind wehte, zeigte deutlich das Wappen des Kaiserreichs Kou, was mir nur offenbarte, dass hier wohl der Nachschub für den großen Markt kam. Seltsam, wenn man bedachte, wie verarmt Balbadd mittlerweile schien. Vielleicht war das hier auch viel eher der Nachschub für das Königshaus, denn sie schienen die einzigen zu sein, die sich soviel Waren noch leisten konnten. Oder waren auf dem Schiff sogar Mitglieder der Kou-Familie?
Erneut von Neugier angetrieben, weil ich schon gerne noch ein paar mehr „vertraute“ Gesichter sehen wollte, suchte ich mir einen Platz, durch den ich das Schiff besser sehen konnte. Doch nichts. Nur fremde Gesichter waren zu sehen, was mich doch schon ein wenig entmutigte. Abgesehen von Kassim und der Frau heute, hatte ich wirklich keine bekannten Magi-Fandom Charaktere gesehen. Keinen Sindbad, keinen Aladdin, keinen Alibaba... War ich vielleicht viel zu früh hier gelandet? Waren Aladdin und Alibaba vielleicht gerade noch beim Dungeon-Arc? Oder war Alibaba gerade auf den Weg nach Balbadd?
Seufzend wandte ich mich vom Anblick des Schiffes ab. Wann ich das erfahren würde, stand wohl noch in den Sternen. Fakt war, dass seit meiner Ankunft gut zwei Wochen vergangen waren. Zwei Wochen... Wie lange würde ich noch hier bleiben? Wie viele Menschen würden noch ein Teil meines Lebens hier werden? Würde ich jemals wieder zurückkehren?
Ich blickte hinaus aufs weite Meer, während ich zurück zum Hafeneingang ging. Ich gehörte nicht in diese Welt und doch hatte ich es geschafft mir in kurzer Zeit etwas wie ein Leben aufzubauen. Doch was, wenn ich niemals die bekannten Gesichter aus dem Magi-Fandom sehen würde und einfach nur tagein tagaus dazu verdammt war hier zu leben? War das mein Schicksal? Mich fröstelte dieser Gedanke unweigerlich. Das hier war einfach nicht mein Leben. Es durfte das nicht werden, auch wenn ich mich für den Moment damit arrangieren musste.

**~~**


Seit meines ungewollten Ausfluges in die Slums waren ungefähr drei Tage vergangen. Dank der Arbeit hatte ich allerdings nicht die Zeit erneut einen Rundgang durch Balbadd zu machen, so dass mir viele Wege und Gebäude noch vollkommen fremd waren. Noch dazu fehlte mir in gewisser Weise die Routine bestimmte Wege erneut zu gehen und so die Stadt besser kennenzulernen. Das war einfach deprimierend. Mir fehlte auch das Wissen, wann Assad, der sich in den letzten Tagen wahrlich als Sklaventreiber herausgestellt hatte, mir wieder etwas Zeit und Spielraum gab, um noch den ein oder anderen Rundgang zu machen.
„Ich kann echt nicht mehr, Ameen...“, jammerte ich herum und ließ mich erschöpft auf einen Schemel sinken. Der Koch lachte nur und platzierte vor mich einen Becher mit Saft.
„Ich habe vier Geschichten erzählt, das Gemüse geschnitten, dutzende Teller getragen, Die Zimmer oben aufgeräumt, mit Cecilia das Umkleidezimmer aufgeräumt... Ich kann nicht mehr... Mein Sonnenbrand tut weh, mein Körper ist taub und ich habe lange nicht mehr ausgeschlafen...“
Ich weiß, an sich hatte ich nur einen normalen, balbaddischen Arbeitstag im Freudenhaus hinter mir, aber für mich, die noch nie körperlich so hart hatte schuften müssen, war es die Hölle gewesen. Selbst nach über zwei Wochen. Wobei... Besonders an diesem Tag hatte ich das Gefühl, dass Assad mich härter als gewöhnlich hatte schuften lassen. Hatte ich etwas falsch gemacht? Wofür bestrafte mich der Dämon nur?
„Ja, Assad sollte aufpassen, nicht das du noch irgendwann das Ebenbild von Cecilia wirst.“ Finster sah ich Ameen an. Es gab echt Scherze, die er sich sparen konnte, was er nur zu gut wusste und dennoch fürchtete er sich nicht, sie auszusprechen.
„Idiot...“, murmelte ich und entleerte den Becher Saft mit wenigen großen Zügen.
„Erenya...“ Ich schrak auf, als ich Assads Stimme vom Eingang hörte, denn sie bedeutete an diesem Tag nichts Gutes. Ich fürchtete bereits, irgendwelche Säcke schleppen zu müssen und das nur weil Assad scheinbar noch nicht genug davon hatte mich zu quälen. Sklaventreiber.
„Du kannst gehen. Sadiq wartet auf dich.“ Okay, ich gebe zu, dass waren nicht die Worte, die ich erwartet hatte zu hören und doch hörte ich sie. Sadiq wartete auf mich? Das war wirklich selten. Für gewöhnlich brachte er mich nicht zur Arbeit oder holte mich ab. Er betrat das Freudenhaus alleine und verließ es auch wieder so.
„Sadiq? Der Sadiq?“, fragte ich um sicher zu gehen.
„Kennst du einen anderen?“ Nein. Natürlich nicht. Damit hatte Assad Recht. Immerhin, seine Antwort war klar und deutlich.
„Dann, uhm... Bis morgen, Ameen. Einen schönen Abend noch, Assad.“
Ich erhob mich von meinem Schemel und verließ die Küche, in den Gästebereich, wo auch wirklich Sadiq mit einem breiten Grinsen stand und mir zu winkte. Gruselig. Irgendwas ging doch hier vor sich, oder wurde ich einfach paranoid, weil ich wie ein Tier geschuftet hatte?
„Lust auf eine kleine Reise durch die Stadt?“
Misstrauisch beäugte ich Sadiq, als er mir diese Frage stellte. Es war definitiv etwas seltsam dabei. Ich meine, er hatte mich nicht auf den großen Markt begleiten wollen und nun wollte er mit mir durch die Stadt reisen?
„Du meinst 'Lust auf eine kleine Reise zum Sklavenmarkt'?“
Ich bemühte mich nicht, mein Misstrauen zu verbergen, was Sadiq auch ganz offen bemerkte. Doch sein sorgloses Lächeln schwand nicht. Im Gegenteil er nahm meine Hand und sah mir tief in die Augen, als wollte er versuchen irgendeinen bedeutungsschwangeren Moment voller Liebe und Gefühle zu erwecken.
„Du hast dir das sehr zu Herzen genommen. Dabei weißt du doch, dass ich ein Lügner bin. Niemals könnte ich dich auf einem Sklavenmarkt verkaufen. Du bist doch meine Mieterin.“ Welch Ironie, dass ich mir nicht sicher war, was nun die Lüge war. Das jetzt, oder das vom Tag, an dem ich alleine auf dem großen Markt gewesen war. Sadiq wusste das ganz genau.
„Lass mich vor Assad nicht wie einen Bösewicht dastehen.“
Seine Worte waren mehr ein Flüstern, denn Assad stand bereits hinter uns und betrachtete diese ganze Szene mit einem strengen, fast schon erbosten Blick.
„Ist ja gut, ist ja gut. Dann zeig mir halt etwas von der Stadt. Wie kann ich Nein sagen, wenn du so aufdringlich bist?“
Ich seufzte inbrünstig und ergab mich Sadiqs Willen. Ich war in so etwas einfach nicht gut. Im 'Nein' sagen meine ich. Fragte man mich auf Arbeit: „Hey~ Erenya, willst du eher nach Hause gehen und so weniger Geld verdienen?“, antwortete ich mit Ja. Solange man mich überrannte und mir nicht die Zeit zum nachdenken gab, oder mich unter Druck setzte, konnte man definitiv mit einem „Ja“ rechnen. Immer.
„Dann folge mir. Ich zeige dir einige der wohl schönsten Orte Balbadds.“
Einige der wohl schönsten Orte Balbadds? Warum klang das aus Sadiqs Mund so, als hatte er wirklich vor mich auf dem Sklavenmarkt zu verschachern? Wobei, gab es hier in Balbadd überhaupt einen Sklavenmarkt? Ich war mir da nicht ganz so sicher. Bei Kou hingegen war ich mir sicher, aber hier in Balbadd... Es zeigte sich erneut, dass mein Wissen über diese Welt mehr als begrenzt war, aber vielleicht konnte Sadiq das ja ändern, natürlich nur, wenn er mich nicht auf dem doch vorhandenen Sklavenmarkt verkaufte.

**~~**


Ich kannte dieses Hotel nur aus dem Anime, doch in Natura wirkte es noch viel glamouröser und unbezahlbarer. Unglaublich, einfach unglaublich.
„Hier ist das wohl nobelste Hotel Balbadds. Diplomaten, Könige, Vertreter verschiedener Königreiche steigen hier ab und genießen den puren Luxus. Hier wird den Gästen jeder Wunsch erfüllt und Gerüchten zufolge ist das Essen hier sogar noch luxuriöser als das was König Ahbmad zu sich nimmt.“
Ich staunte wirklich nicht schlecht, als ich vor dem Gebäude stand, auch wenn mir ehrlich nicht klar war, warum Sadiq mich hierher gebracht hatte. Das Hotel stand im wohl pompösesten Teil des Adelsviertels und das Kommen und Gehen war geschäftiger als am großen Markt.
„Natürlich beziehen auch sehr vermögende Händler ihre Zimmer hier. Allerdings liegen diese außerhalb der Preisklasse deines Gehaltes.“ Ich wurde hellhörig, als die Betonung von Sadiqs Worten mehr auf meinem Gehalt lag.
„Und deines reicht dafür?“, fragte ich und sah zu Sadiq, der mich breit angrinste.
„Natürlich, ich bin immerhin ein Prinz.“ Und wieder hatte er seinen Beruf gewechselt. Wobei, konnte man Prinz als Beruf sehen? Eher als Berufung.
„Dann kannst du mir sicher sofort eines der Zimmer zeigen, oder?“ Es war eine Herausforderung, mit der ich sehen wollte, wie Sadiq sich in seinen eigenen Lügen verstrickte. Sicher, er war kein armer Schlucker, dass zeigte seine saubere Kleidung und der Besitz eines eigenen Hauses mit der schmucken Innenausstattung, nur zu deutlich, aber mit Sicherheit besaß er keine so großen Ersparnisse, um auch nur eine Nacht hier in dem Hotel unterkommen zu können.
„Du bist heute ganz schön mutig, Erenya. Mich zu bitten, mit dir zusammen ein Hotelzimmer zu beziehen. Steckt hinter deinem unschuldigen Aussehen, doch eine Femme Fatal?“
Die Schamesröte schoss mir augenblicklich in die Wangen. Er hatte mich entwaffnet, ohne sich selbst als Lügner zu outen. Wie konnte ich jetzt, nach seinem Spruch, noch darauf beharren mit ihm ein Zimmer zu beziehen? Unmöglich.
„Lassen wir es... Das wir uns gemeinsam deine Unterkunft teilen, reicht ja schon.“ Eilig winkte ich ab und wandte meinen Blick wieder zu dem Hotel.
„Sag mal, Sadiq... Ist es hier immer so geschäftig?“ Irgendwie konnte ich mir nicht vorstellen, dass man an so einem Ort immer herumlief wie ein aufgeschreckter Schwarm Bienen. Es schien fast so, als bereitete man sich auf einen hohen Besuch vor. Vielleicht auf den Besuch von Sindbad?
Bei dem Gedanken klopfte mein Herz wie wild. Ich hatte ja schon den Wunsch, den König Sindrias mitsamt seiner zwei Begleiter zu sehen, aber ich wusste nicht, ob ich bereit dafür war, wenn das so plötzlich geschah.
„Ich habe gehört das ein paar wichtige Diplomaten aus Kou her gekommen sein sollen. Genaueres weiß ich aber auch nicht. Es sind Gerüchte, die im Adelsviertel kursieren.“
Im Adelsviertel? Erneut sah ich Sadiq an. Er wurde immer mysteriöser, denn wenn er solche Informationen aus dem Adelsviertel hatte, konnte das doch nur bedeuten, dass er häufiger dort vor Ort war. Erneut fragte ich mich, wer Sadiq wirklich war.

Als Sadiq mich tiefer in das Adelsviertel führte und seine Schritte so gezielt waren, wurde mir nur noch mehr deutlicher, dass er wohl öfter hier her ging. Er schien wirklich alle Schleichwege zu kennen und führte mich so, unbemerkt von den Adligen die hier in Saus und Braus lebten, in einen wunderschönen Garten.
„Und das, werte Prinzessin, ist der Garten Eden von dem Ihr neulich erzählt habt.“
Dunkel erinnerte ich mich daran, dass ich die Geschichte von Adam und Eva erzählt hatte, allerdings mit ein paar Abweichungen um Diskussionen über Gott und die Welt zu vermeiden. Dennoch war die Vorstellung von dem Paradies bei allen gleich gut gefruchtet, scheinbar auch bei Sadiq, der an diesem Abend zugegen gewesen war.
Er hatte sich augenscheinlich wirklich viele Gedanken darüber gemacht, denn der Garten entsprach so ziemlich dem, was man sich als Paradies in einer solchen Stadt wie Balbadd wirklich vorstellte. Grün überall, verschiedene Blumen und ein Baum der voller Früchte hing.
Sadiq ging auf eben diesen Baum zu und pflückte einen rosafarbenen Pfirsich, den er mir entgegenhielt.
„Und hier ist die Frucht, die Euch von allen Zaubern erlösen wird.“
Sadiq sagte das mit so einer ernsten und glaubwürdigen Stimme, dass ich nicht anders konnte als zu lachen, während ich den Pfirsich nahm. An ihm war echt ein Schauspieler verloren gegangen, auch wenn man ihm im Privaten keine einzige Rolle abgekauft hätte.
„Und du willst ein Prinz sein?“, fragte ich belustigt und biss in den Pfirsich, ohne mir Gedanken darüber zu machen, ob das hier als Mundraub galt, oder ob jemanden dieses kleine Paradies gehörte. Mit Sadiq an meiner Seite, war es leicht diese Gedanken auszublenden.
„Wie Prinz? Ich bin doch ein Leibwächter.“ Berufswechsel Nummer zwei. Ich war gespannt, wie oft er seinen Beruf heute noch wechseln würde. Viel hatte er sicher nicht mehr zur Auswahl. Dennoch, es warf nur wieder einmal mehr die Frage auf, wer Sadiq wirklich war. Ob ich ihn fragen und er mir die Wahrheit sagen konnte? Oder hatte er mir die Wahrheit unter all den Lügen schon preis gegeben und ich hatte es bloß nicht bemerkt?
„Du Sadiq... Wer bist du wirklich?“ Unter all der Flut von Gedanken, war es meinem Hirn doch tatsächlich gelungen den Befehl, diese Frage zu stellen, wirklich zu geben. Erwartungsvoll, sah ich den Mann vor mir an, dessen Blick ernst wurde, sich aber von mir abwandte, so als versuchte er meinem Blick auszuweichen.
„Das könnte ich dich auch fragen... Wer bist du wirklich, Erenya?“
Eine Gegenfrage. Damit wollte Sadiq definitiv vom eigentlichen Thema ablenken. Aber nicht heute, nicht mit mir.
„Ich habe dich gerade gefragt, wer du bist. Du lenkst schon wieder ab. Ich will mehr von dir wissen und du weichst aus, oder erzählst Lügen. Warum? Was willst du mit all diesen Lügen verbergen?“
Ein tiefes Seufzen folgte auf meine Fragen und wie schon an dem Tag, an dem ich Sadiq darum gebeten hatte, mich zum großen Markt zu bringen, verfinsterte sich sein Blick.
„Solltest du nicht selbst erst offener mit anderen werden, bevor du verlangst, dass sie offen mit dir sind? Du sagst, dass du nicht mehr weißt woher du kommst und doch kannst du so viele Geschichten aus deiner Heimat erzählen. Von deiner Heimat weißt du noch alles, aber nicht wie sie hieß oder wie du hier her kommst? Sag mir, Erenya, wer von uns beiden ist da der größere Lügner?“
Ich hatte schon lange Zeit geahnt, dass es Misstrauen wecken müsste, wenn ich so viel von meiner Heimat erzählte, allerdings nicht woher ich kam oder wie ich her kam. Allerdings war ersteres schwer zu erklären und zweiteres entsprach sogar der Wahrheit.
„Du bist nur ehrlich wenn du schläfst, denn im Schlaf versuchst du nichts zu verheimlichen. Du redest dann von all diesen Menschen und Dingen, die es hier in diesem Königreich nicht gibt. Ebenso wenig gibt es diese Dinge in Kou. Und...“
Sadiq hielt in seinen Erklärungen inne und schenkte mir einen erzürnten Blick, der mich wenige Schritte zurückweichen ließ.
„Du sprichst eine Sprache die es hier nicht gibt... Wer bist du also?“
Oh verdammt, ich sprach also hier auch im Schlaf und das nicht nur in der allgegenwärtigen Sprache, sondern auch der mir bekannten deutschen. Natürlich würde da jemand misstrauisch werden, wenn er das hörte und da ich bei Sadiq wohnte, war es nur eine Frage der Zeit gewesen, bis er es mitbekommen hatte.
„Hast du noch nie von Dingen geträumt, die es nirgends gibt? Ich bin Geschichtenerzählerin, natürlich denke ich mir da Sachen aus, die hier nicht existieren, die aus einer anderen Welt kommen könnten. Dafür ist mein Kopf und meine Fantasie ja da, sich so etwas auszudenken.“
Es musste logisch klingen. Nur einmal musste das, was ich sagte logisch klingen, bevor Sadiq die Wahrheit aus mir heraus presste.
Schweigend sah er mich an, seufzte tief auf und setzte sein gewohntes Lächeln auf, was mir die Sicherheit gab, dass er mir glaubte.
„Wenn du das so willst... dann erwarte nicht, dass ich ehrlich zu dir bin.“
Seine Worte straften dieses falsche Lächeln lügen. Er glaubte mir kein Stück und doch würde er nicht weiter bohren. Vielleicht deswegen, weil er sich mir dann auch nicht öffnen musste.
„Komm mit, ich zeig dir den Palast.“
Die Stimmung war eindeutig ruiniert, weswegen das Paradies nicht mehr so paradiesisch wirkte und es wohl wirklich besser war, wenn wir es verließen. Dennoch, dass Unbehagen über die Ungewissheit, wer Sadiq wirklich war, schwebte immer noch wie ein Damoklesschwert über mir.

Vielleicht war es die Ruhe vor dem Sturm, aber die Tore des Palastes waren mit einer großen Anzahl von Wachen besetzt. Ich erinnerte mich an die Bilder, als die Bewohner versuchten hier einzudringen um ihren aufgestauten Emotionen Luft zu machen, doch wahrscheinlich würde das noch einige Zeit weiter brodeln müssen, bis das so weit war.
„Und hier lebt sie... Die Königsfamilie.“
Im Gegensatz zum Hotel und dem Garten „Eden“ sparte sich Sadiq größere Erklärungen für diesen Ort. Ihm schien dieses riesige Symbol, welches der Palast für das Königshaus war, nicht sonderlich zu interessieren, geschweige den von Bedeutung zu sein. Ob hier etwas vorgefallen war?
„Warst du schon einmal im Palast?“ Auch wenn das Gespräch von zuvor noch tief in meinen Gedanken saß, hatte ich nicht aufgegeben. Ich wollte immer noch mehr über Sadiq wissen.
„Ich war hier mal Berater, natürlich.“
Eindeutig eine Lüge. Sadiq machte sich gerade nicht einmal die Mühe das zu verbergen. Im Gegenteil, damit zeigte er mir noch mehr, dass er nichts von sich Preis geben würde.
„Wie ich sehe wird Ahbmad aber auch heute keinen Fuß vor die Tür setzen. Feigling.“
Es war die einzige, wohl ehrliche Regung, die ich von Sadiq mitbekam. Der Hass auf Ahbmad. Ein Hass, der sicher weite Wellen schlug und das nicht nur in Slums. Mit Sicherheit gab es auch Menschen im Adelsviertel, die den König gerne entthront wussten, aber mit Sicherheit nicht genug Mumm aufbrachten, um das nach außen hin offen zu zeigen.
„Sag mal, Sadiq... Wenn Ahbmad entthront werden würde, wer würde Balbadd dann regieren?“ An sich war das keine schwierige Frage und die Antwort lag schon auf der Hand, noch bevor die Frage selbst überhaupt gestellt war.
„Sicher derjenige, der ihn vom Thron stürzt.“
Genau das hatte ich mir gedacht. Schließlich, wenn ich mich recht entsann, arbeitete Kassim mit seiner Nebelbande darauf hin.
„Aber wird es Balbadd dann besser gehen? Was kommt dann? Was würde jemand aus den Slums, der plötzlich König wäre zum Beispiel tun?“
Wie weit waren solche Pläne gedacht? Hatte man sie überhaupt überdacht? König sein war ja schön und gut, aber wenn man letzten Endes den Wandel auf den blutigen Pfaden des Volkes weiterführen wollte, war das doch nicht richtig, oder?
„Es wäre ein steiniger Weg. Die Frage ist, ob das Volk Balbadds sich dessen bewusst ist und ob sie dann noch die Kraft haben, auch dieses Hindernis zu überqueren.“
Sadiqs Blick, obwohl er auf dem Palast ruhte, schien doch in weite Ferne zu gehen, so als wäre er gar nicht in dieser Welt.
„Bitte, lasst mich zum König!“
Ein verzweifelter Schrei erweckte meine Aufmerksamkeit die sich nun auf die Wachen richtete, die einer alten, verwahrlosten Frau den Weg versperrten.
„Verschwinde! Der König empfängt euch Gesindel nicht!“
Mit brachialer Gewalt stießen die Wachen sie von sich, doch die alte Frau dachte nicht daran, aufzugeben und versuchte erneut an den Wachen vorbeizukommen. Wieder versperrte man ihr den Weg.
„Komm mit... Das musst du nicht sehen.“
Als wüsste Sadiq, was kommen würde, griff er nach meinem Arm und zog mich von dem Geschehen weg. Die verzweifelten Schreie der Frau, hallten jedoch in meinen Erinnerungen wieder und erweckten nur zu deutlich ein Bild von dem, was ihr blühte, weil sie in ihrer Hoffnung den Willen besessen hatte, sich gegen einen Befehl der Wachen aufzulehnen.

**~~**


Selbst am nächsten Tag, als ich wieder meinen gewohnten Weg zur Arbeit ging, war mir dieses Bild von der alten Frau vor dem Palast nicht aus dem Kopf gegangen. Ich hatte nun einiges an Facetten von Balbadd gesehen, doch hinter ihnen verbarg sich immer wieder diese schleichende Vorahnung, dass die Stadt bald, symbolisch gesehen, in Flammen stehen würde. Wie viele Wochen würde bis dahin vergehen? Oder waren es vielleicht, ohne meines Wissens, nur Tage?
Mit diesen Gedanken im Hinterkopf betrat ich Assads Freudenhaus, welches für diese Zeit ungewöhnlich leer war. Ich sah keines der Mädchen und auch keinen Gast, abgesehen von Assad, der sich mit einem großen, hünenhaften Mann unterhielt.
„Wie immer...“, hörte ich Assad sagen, wobei sein Blick ernster als gewohnt auf dem Hünen hing, der nur nickte.
„Wir sehen uns dann“, schien die Antwort des Mannes zu sein, der sich von Assad abwandte, wodurch ich nun erkannte, wer dieser Mann war. Ein Mitglied der Nebelbande. Bzw. einer der drei die diese magischen Utensilien besaßen. Ihn hätte ich sicher nicht vergessen, denn mit seinem verbundenen Auge, der Narbe und den Dreadlocks war es ja wohl eindeutig, dass er einer von Kassims Leuten war. Doch was machte er bei Assad? Was hatten sie besprochen?
„Hast du nicht gesagt, dass die Mädchen erst später kommen?“
Das Nebelbandenmitglied hatte mich bemerkt, was kein Wunder war, da ich ja schon so offen an der Tür stand und auch nicht daran gedacht hatte, mich zu verstecken.
„Erenya ist immer viel zu früh da. Mach dir keinen Kopf um sie.“ Genau. Warum sollte man sich einen Kopf um mich machen? Assad war wirklich der Charmebolzen in Person. Dennoch, das Mitglied der Nebelbande beäugte mich misstrauisch. Wie schon die Frau aus den Slums. Wirkte ich wirklich so verdächtig? Oder hatte mir Ugo bei meiner Ankunft hier irgendetwas verpasst, was andere sahen, aber ich selbst nicht? Wenn ja, würde Ugo das bereuen. Definitiv.
„Steh nicht wie angewurzelt da, geh ins Umkleidezimmer.“
Wie gewohnt war an Assads Aufforderungen keine höfliche Bitte gebunden. Es war ein Befehl und wie gewohnt folgte ich diesem auch. Es war sowieso besser Assad nicht zu widersprechen, oder sich gegen ihn aufzulehnen. Zumal hinter diesem Befehl wohl eine Methode steckte, die mich vor dem Nebelbandenmitglied schützen sollte. Zumindest redete ich mir das ein. Gleichzeitig aber fragte ich mich, ob Assad nicht vielleicht selbst ein Mitglied der Nebelbande war. Als Besitzer des Freudenhauses hätte das sicher niemand von ihm gedacht. So konnte immerhin er verdeckt handeln und agieren und Kassim und seine Anhängerschaft mit wichtigen Informationen versorgen.
Das klang doch logisch, oder?
Im Umkleidezimmer ließ ich mich auf der Sitzbank vor dem Spiegel nieder und betrachtete mich in dessen Reflexion. Von dem Mir aus meiner Welt, war abgesehen von den dunkelblonden Haaren und den braunen Augen nicht mehr viel übrig geblieben. Hätte ich nicht gewusst, dass ich mich gerade selbst ansah, ich hätte es wohl nicht bemerkt.
Doch mich sah nicht nur diese Unbekannte im Spiegel an. Ich sah auch die roten Flächen auf meiner Oberweite und Schultern, die sich scheinbar wie ein Geschwür auszubreiten schienen. Vorsichtig strich ich über die betroffenen Stellen und spürte nur bei der hauchzarten Berührung einen seichten Schmerz durch meine Schulter fahren. Wenn das weiter so ging, verbrannte ich wirklich noch, aber niemand schien ein Mittel dagegen zu wissen. Es war einfach deprimierend.
„Hier, Suleika hat mir das für dich gegeben...“
Ich zuckte zusammen, als Assads Spiegelbild so plötzlich hinter mir aufgetaucht war, als wäre er eine Katze. Er hielt seinen Arm über meine Schulter und reichte mir so ein irdenes Töpfchen mit einem großen Korken.
„Suleika?“, fragte ich nur misstrauisch. Vorstellen konnte ich mir nicht, dass sie mir irgendetwas geben wollte.
„Gegen deine roten Flecken. Die Salbe soll kühlen und noch dazu gegen die Sonne schützen. Du solltest dich später bei ihr bedanken.“
Misstrauisch nahm ich das Töpfchen entgegen und entkorkte es, wobei ich an diesem schnupperte. Die Salbe roch nicht schlecht. Sie hatte eigentlich fast gar keinen Eigengeruch, weswegen man sie wohl wirklich ohne Bedenken auftragen konnte. Dennoch ließ ich nicht alle Vorsicht fahren und stippte mit dem Finger in die Salbe, die sich sofort an meine Fingerspitze schmiegte und wirklich eine gewisse Kühle über die betroffene Stelle gab. Den kleinen Tropfen verrieb ich auf einer Stelle an meinem Arm und spürte sofort ein wohltuendes, kühles Ziehen. Sofort war alle Vorsicht vergessen, ich wollte nur noch, dass der Schmerz endlich wich und ich ohne größere Bedenken weiter in die Sonne gehen konnte.
„Wer war das eben gerade eigentlich?“
Da Assad noch nicht das Zimmer verlassen hatte, dachte ich mir, dass er vielleicht nichts gegen eine seichte Konversation einzuwenden hatte. Und das einzige Thema was mir gerade in den Sinn kam, war eben der Besuch des Nebelbandenmitgliedes.
„Hassan? Er ist ein alter Freund von früher.“
Ein alter Freund? War es wirklich nur das? Vertraut hatte mir das Gespräch nicht gewirkt, was vielleicht auch daran gelegen hatte, dass ich nicht viel von der Unterhaltung mitbekommen hatte. Dennoch schien Assad nicht interessiert daran, mit mir über dieses Thema zu reden, weswegen sich erneut die Stille zwischen uns legte.
„Soll ich deinen Rücken einsalben?“
Deswegen war er also nicht gegangen. Er hatte mir noch mit der Salbe helfen wollen, weswegen ich ihm das Töpfchen entgegenhielt und ihm meinen Rücken zuwandte, wobei ich meine Haare nach oben hob.
Schweigend setzte er sich hinter mich und rieb mir die Salbe auf die freien Stellen meines Körpers, was mir angenehme Schauer über den Rücken jagte, dank der erfüllenden Kühle. Wahrscheinlich musste ich Suleika wirklich danken, auch wenn ich keine Ahnung hatte wie.
„Hast du dich bereits eingelebt?“ Die Frage Assads kam doch schon sehr spontan, denn ich hatte nicht damit gerechnet, dass er doch noch mit mir reden wollte.
„Es geht... Vieles ist noch so ungewohnt. Zum Beispiel, dass einige Orte hier Huang verlangen. Oder ein Freudenhaus nicht gleich bedeutet, dass die Mädchen schlecht behandelt werden. Balbadd ist sehr facettenreich, allerdings glaube ich nicht, dass ich hier her gehöre.“
Es war nicht das erste Mal, dass ich diesen Gedanken hatte. Das hier war eben nicht meine Welt oder meine Heimat. Es war egal wie viele schöne Seiten Balbadd hatte, ich wollte in meinem tiefsten Inneren wieder zurück in meine vertraute Umgebung.
„Wenn du dich nicht hier her gehörig fühlst, solltest du gehen.“
Assads Worte klangen schon sehr harsch, auch wenn er wohl recht hatte und doch kam mit ihnen gleichzeitig die Angst, meinen Platz hier zu verlieren.
„Nur wohin?“ Meine Frage war eher ein leises Flüstern. Ich wusste nicht wohin. Meine Welt würde ich hier nicht finden. Das hatte ich schnell verstanden. Es würde nicht einfach so eine Tür mitten im Weg auftauchen, die mich zurück nach Hause brachte.
„Das weißt nur du. Solange du aber keine Bestimmung für dich gefunden hast, wirst du das nicht wissen.“
Meine Bestimmung? Hatte ich vielleicht eine Bestimmung in dieser Welt? Wenn ja, was war das für eine? War es vielleicht meine Bestimmung den Weg zurück zu finden? Aber wie sollte ich dann wissen, wo ich danach suchen sollte?
„Wenn dir noch nicht klar ist, was deine Bestimmung ist... kannst du hier bleiben. Solange bis du dir dessen bewusst bist. Sag einfach Bescheid, wenn du sie gefunden hast.“
Assad erhob sich von seinem Platz und ich konnte beobachten, wie er in Richtung der Tür ging. Ein gutes Herz. Ja, das hatte Assad eindeutig, auch wenn er es hinter harschen Worten nur zu gut zu verstecken wusste.

**~~**


Es war zum Haare raufen. Es ergab sich überhaupt keine wirkliche Gelegenheit sich bei Suleika zu bedanken. Sie ging mir die meiste Zeit aus dem Weg und wenn sie keine Chance dazu hatte, waren es Assad oder Ameen, die mich mit Arbeit überhäuften. Die einzige Möglichkeit, die ich an diesem Tag noch hatte, um Suleika zu danken, war vor ihrer Tanzeinlage. Dafür hatte ich sogar in Ameens Küche noch schneller als gewohnt geschuftet, so dass er keine andere Wahl hatte, als mich rauszuwerfen, da es keine Arbeit mehr gab.
Erleichtert, es rechtzeitig zu schaffen, verließ ich die Küche und betrat den Gästebereich.
„Du Hure! Was soll das heißen, du bietest deine Dienste nicht mehr an!“
Die Stimme desjenigen, der die sonst so ausgelassene Stimmung durchbrach, war eindeutig die von Dhakar, der mit hochroten Kopf vor Suleika stand. Ihre Haltung verriet deutlich, dass zwischen ihnen etwas vorgefallen sein musste, was weder ihr, noch ihm gefiel.
„Sonst bist du dir doch nicht zu fein und nimmst jeden Mann der dich bezahlt ins Bett.“
Ein Blick durch den Raum verriet mir, dass Assad bereit war ein zugreifen. Doch nicht nur er, auch Sadiq, der heute wieder zu Gast war, hielt sich bereit, denn Dhakars Wutausbrüche waren legendär dafür, dass es mehr als einen Mann brauchte, um ihn aus der Balance zu bringen.
„Es ist vorbei. Das heißt es. Ich bin nur noch als Tänzerin hier im Geschäft. Also fass mich nicht mit deinen dreckigen Pfoten an und verzieh dich!“
Suleikas Worte hätten deutlicher nicht sein können und gossen Öl ins bereits entfachte Feuer. Vollkommen außer sich, wandte sich Dhakar um und griff zu dem Schwert eines Seemannes, der es achtlos hatte neben sich hatte liegen lassen. Sofort griffen Sadiq und Assad ein, liefen auf Dhakar zu, der bereits seinen Arm erhoben hatte und das Schwert auf Suleika niedersausen ließ.
Gestört in der Ausführung durch Assad, der ihn am Schwertarm packte, stieß er meinen Chef mit grober Gewalt von sich und schlug um sich, so dass die verbliebenen Gäste Deckung suchten. Selbst Sadiqs Versuche den rasenden Gast zu beruhigen schienen fruchtlos, so dass Suleika weiterhin in Gefahr schwebte. Sie hatte diese jedoch erkannt und war bereits zurückgewichen, während Assad nach einem Kissen griff und dieses auf Dhakar schleuderte. Der Kaufmann nutzte seine Waffe aber dafür, um das Wurfgeschoss zu zweiteilen, so dass die Füllung wie klumpiger Schnee zu Boden fiel.
Nichts schien ihn aufhalten zu können. Sein Fokus lag viel zu stark auf Suleika, die verängstigt die Treppen hinauf lief. Selbst die Ablenkung, die Sadiq und Assad boten, wirkte nur minder und verschaffte Suleika gerade genug Vorsprung um in einem der Zimmer des oberen Stockwerkes zu verschwinden. Dhakar jedoch schien entschieden zu haben, sich nicht länger von den beiden Männern stören zu lassen und setzte auf die Treppe zu.

Kennt ihr das Gefühl, wenn ihr genau seht, wie etwas geschieht, es aber nicht begreifen könnt, dass ihr es getan habt? Wenn ihr euch selbst wie von einer höheren Sphäre beobachtet, aber wisst, dass ihr keine Kontrolle über euren Körper habt? So einen Moment hatte ich gerade. Mein Körper hatte sich wie von selbst auf die Treppe zu bewegt. Schnell und ohne, dass mein Kopf diese Handlung so schnell verarbeiten konnte.
Erst als ich Dhakar vor der Treppe den Weg versperrte und dessen erhobenes Schwert sah, welches mich aus dem Weg schaffen sollte, wurde mir bewusst, was für eine Dummheit ich unbewusst begangen hatte.
Mit gemischten Gefühlen dachte ich an das Gespräch mit Assad zurück, dass ich meine Bestimmung finden sollte, um zu wissen wo ich hingehörte. In Anbetracht meines nahenden Todes, würde ich dazu aber nicht mehr kommen. Immerhin ertrank ich nicht in einer Pfütze.
Dhakar ließ das Schwert ungebremst auf mich niedersausen und auch wenn Sadiq und Assad versuchten rechtzeitig zu ihm zu kommen, um ihn daran zu hindern, war es doch zu spät. Ich hatte bereits abgeschlossen, als das Schwert nahe über mir plötzlich zu halten schien. Von einer hell leuchtenden Macht, oder vielmehr den Rückstoß seiner eigenen, taumelte Dhakar zurück und sah mich mit großen Augen an. War das wirklich passiert?
Erneut holte Dhakar aus, doch wie schon zuvor, prallte sein Schwert an etwas Leuchtenden ab. Etwas, das wie eine Barriere aus Licht war und mich umgab, als sei es ein magischer Schutzmantel der zu mir gehörte.
Sadiq und Assad, die das mit angesehen hatten, fassten sich schneller als Dhakar und überwältigten gemeinsam den Mann, der entwaffnet zu Boden sank, mich aber immer noch mit diesen ungläubig geweiteten Augen ansah.
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