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Im Zeichen des Rukh

von Erenya
GeschichteAbenteuer, Fantasy / P12 / Gen
Aladdin Alibaba Saluja Judar Morgiana OC (Own Character) Sinbad
27.05.2015
01.01.2017
26
219.342
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07.08.2015 10.656
 
Mit einem wütenden Blick fixierte mich Hinata, die mich eindeutig anhand meiner Stimme erkannt haben musste. Ich war wahrscheinlich die Letzte, von der sie in so einer Situation gesehen werden wollte, doch das Leben war kein Wunschkonzert, also musste sie damit leben.
„Sei ruhig!“, fauchte sie mich an und rappelte sich auf, wobei ihre leuchtenden Rukh mir deutlich zeigten, wie sie angewidert ihr Gesicht verzog. Ich seufzte leise. Sicher war meine Wortwahl nicht die netteste, aber nach dem, was Hinata mir alles an den Kopf geworfen hatte, durfte ich ja wohl etwas gehässig ihr gegenüber sein.
„Hier, ich helfe dir...“
Ohne weiter darüber nachzudenken, griff ich nach einem festen, dicken Ast neben mir und beugte mich vor, um Hinata meine Hand entgegen zu halten. Sie musste wieder raus aus dem Gebüsch und ohne festen Halt, wäre das schwer. Zumindest konnte sie mit meiner Hilfe ohne viele Kratzer herauskommen.
„Verschwinde...“, knurrte sie mir entgegen und schlug meine Hand weg. Mistiger Sturkopf. Aber schön, wenn sie das so wollte. Mehr als es ihr anbieten, konnte ich ja nicht.
„Dann halt nicht. Weck bei der Rückkehr die Anderen aber nicht.“
Sicher, bei jedem Anderen wäre ich wohl etwas hartnäckiger gewesen, nicht aber bei Hinata, die sich schon genug geleistet hatte. Ich drängte mich sicher niemanden auf. Auch keinen Menschen aus Kou, wenn sie der Meinung waren, ohne meine Hilfe besser zurechtzukommen. Ich zuckte nur mit den Schultern und richtete mich wieder auf, sodass ich ohne Bedenken den Ast loslassen konnte.
„Das ist alles deine Schuld“, hörte ich es von Hinata rumoren. Sicher, dass sie sich in ihre eigenen Exkremente gesetzt hatte, war eindeutig meine Schuld. Ich war mehrere Meter von ihr entfernt gewesen und dennoch war es mir wohl gelungen, sie zu schubsen. Wer's glaubt. In der Regel ließ ich mir ja viel vorwerfen, selbst wenn man mir die Schuld an Kriegen in meiner Welt gegeben hätte, ich hätte es wohl geglaubt, aber diesen Schuh zog ich mir nicht an.
Es war somit eine innere Genugtuung sie ignorieren und einfach so, wortlos, verlassen zu können. Sollte sie für diese Nacht doch bleiben wo der Pfeffer wuchs, nicht mein Problem.

Die Nachtwache war ohne weitere Vorkommnisse vergangen. Genauso hatte ich nicht einmal mehr versucht, auch nur ein Gespräch mit Cassius zu führen, der das Feuer bereits wieder löschte. Die Sonne bahnte sich ihren Weg über den Horizont und offenbarte das Grauen in Cassius Gesicht. Augenringe.
„Ihr könnt ruhig noch etwas schlafen, Cassius. Sagt mir, wann Ihr los wollt und ich wecke euch.“
Mit Sicherheit war es besser, wenn Cassius nun noch eine Portion Schlaf bekam. Als Reiseführer musste sein Geist wenigstens etwas verlässlich sein, auch wenn er die neue Route bereits am Vortag komplett durchgeplant haben sollte.
Müde schüttelte Cassius mit dem Kopf. Es war unglaublich, wie stur dieser Junge war. Dabei sollte er doch etwas auf den Rat der Älteren hören.
„Ich kann ja verstehen, dass Ihr euch verantwortlich für alle fühlt, aber es bringt niemanden etwas, wenn Ihr vor Müdigkeit nicht klar denken könnt. Legt euch also etwas hin.“
Ernst sah ich Cassius an, der meinen Blick erwiderte und es scheinbar auf ein Starrduell hinauskommen lassen wollte. Nein, ich würde nicht die Erste sein, die weg sah, denn ich wusste, dass ich Recht hatte.
„Mann, Cassius... wenn eine Frau sagt: „Geh schlafen“, tust du das. Man widerspricht einer Frau bei so etwas nicht. Das bringt Unglück.“
Gähnend stieß Varius, der in unserer unmittelbaren Nähe sein Nachtlager aufgeschlagen hatte, zu uns. Er schien das Gespräch mitgehört zu haben und ich war dankbar dafür, dass er mich unterstützte. Auch wenn seine Worte alles andere als charmant waren. Typisch Varius eben. Aber daran hatte ich mich irgendwie gewöhnt und es machte in gewisser Weise auch seinen Charme aus.
Auch Cassius schien einzusehen, dass es keinen Sinn machte, mit mir oder Varius zu diskutieren, weswegen er sich in die Richtung des Wagens schlich, der als temporäres Schlaflager dienen sollte. Immerhin diesen Sieg konnte ich auf meine Kappe verbuchen.
„Du solltest auch noch etwas Schlaf bekommen.“
Ich hatte mich von meinem Platz erhoben und gestreckt, als mir Varius eine klare Ansage machte. Sicher, schlafen wäre nun ganz schick gewesen, aber irgendwie konnte ich mich nicht dazu überwinden, nun für wenige Minuten Powernapping zu betreiben. Die Müdigkeit würde mich zwar erschlagen, aber vielleicht hatte ich Glück und ich würde wenigstens ein paar Stunden, oder lange genug bis zum Nachtlager, wach bleiben.
„Schon okay. Ich bin noch jung, da halte ich das durch. Obwohl ein Kaffee gerade nicht schlecht wäre.“
„Kaffee?“, fragte Varius auf meinen unbedachten Kommentar, der mir nur deutlich machte, wie angeschlagen ich geistig wirklich war. Verdammt. Das zu erklären wurde sicher nicht leicht.
„Ach Kaffee... das ist ein Getränk aus meiner Heimat. Trinken die Erwachsenen immer, um wach zu werden. Das Zeug schmeckt echt bitter, aber mit Milch und Zucker ist es erträglich.“ Eine dreiste Lüge. Abgesehen von Eiskaffee und Cappuccino konnte man mich mit Kaffee jagen. Nicht einmal Zucker und Milch machten das Zeug für mich erträglich. Und wenn, brauchte es Unmengen von den Erträglichmachern.
„Ihr habt in deiner Heimat echt seltsame Sachen...“
Für Varius mochte das seltsam klingen, für mich war es normal. Dennoch, auch diese Welt war alles andere als normal für mich. Wir waren also quitt.
„Und bei uns sind an Frauen schnüffelnde Männer deines Kalibers seltsam“, wehrte ich mich und knuffte Varius liebevoll in den Oberarm.

Ich hätte wohl doch schlafen gehen sollen. Soviel wurde mir bewusst, als ich die Pferde führte und den Anderen stupide, ohne etwas zu denken, nachlief. Ich nahm nur wahr, dass wir die Küste augenscheinlich mieden und stattdessen Wäldchen bevorzugten, deren Baumwuchs eher lichter war, als dicht bewachsen. Dennoch reichte es, damit die Sonne uns nicht zu sehr auf den Pelz rückte und ihre brennende Male auf meiner Haut hinterließ. Zur Not hätte die Salbe sicher auch noch einiges an Strahlung abgehalten. Die Reise selbst war nun wieder so idyllisch, dass die Spuren der Gewalt vom Vortag nur noch wie ein blasser werdender Traum erschienen. Cassius führte uns zwar mehr ins Landesinnere, aber niemand schien etwas dagegen zu haben, dass wir die Bilder des Grauens hinter uns ließen. Im Gegenteil, wir sahen nun hin und wieder Lebenszeichen in Form von Menschen, die auf den Feldern arbeiteten oder Gehöfte, aus denen die Laute von lebenden Tieren drangen. Nach dem vergangenen Tag war das wie Balsam für die Seele.
„Schön hier, huh?“
Müde wandte ich meinen Blick zu Panthea, die sich bereit erklärt hatte, eines meiner Pferde mit mir zusammen zu führen. Cassius hatte sich gegen diesen Vorschlag nicht verwehrt, scheinbar weil ihm selbst aufgefallen war, dass ich nicht ganz munter war.
„Angenehm zumindest...“, nuschelte ich müde und gähnte. Ich musste ja kein Geheimnis daraus machen, dass ich nach der Nachtschicht angeschlagen war. Die Augenringe zeigten dies auch nur zu deutlich.
„Oh, weißt du was Hinata behauptet hat? Sie meinte du hättest sie in der Nacht in die Büsche geschubst. Ich meine das ist nicht nett, aber wenn du es getan hättest, würde keiner sauer auf dich sein.“
Ich musste Panthea nicht ansehen um zu wissen, dass ein breites Grinsen auf ihrem Gesicht war. Natürlich würde keiner mit sauer sein, denn jeder wusste, dass ich das niemals getan hätte. Aber gut, vielleicht hatte jemand etwas an Hinata gerochen und sie brauchte eine Ausrede um nicht ganz so dumm dazustehen.
„Soll sie doch... Mir egal...“, murrte ich müde und gähnte ein weiteres Mal. Gerade war mir wirklich egal was Panthea erzählte, denn mein Geist sehnte sich nur noch nach einem Bett und einem Stündchen Schlaf. Oder zwei. Je nachdem was, sich ergab.
„Awww, du machst wirklich keinen Spaß, wenn du so übermüdet bist. Dann bist du genauso grummelig drauf wie Cassius.“
„Bin ich nicht! Cassius ist ja wohl auch grummelig, wenn er nicht übermüdet ist! Er ist dauergrummelig. Wahrscheinlich weiß er nicht einmal wie man lächelt. Dahingehend könnte er echt der beste Kumpel von diesem Verräter Assad sein!“
Mein Hirn hatte sich wahrscheinlich just in diesem Moment schlafen gelegt, denn sonst hätte ich mehr darauf geachtet, was ich sagte. Panthea hingegen schien genau auf diese Chance gewartet zu haben.
„Assad? Wer ist denn Assad?“
Erneut seufzte ich. Wahrscheinlich fragte ich mich gerade, wie man so naiv sein und Assad nicht kennen konnte.
„Assad ist der Besitzer des Freudenhauses, in dem ich gearbeitet habe. Und wahrscheinlich ein Mitglied der Nebelbande. Ich schwöre dir, wenn ich ihn in die Finger bekomme, kann er sich was anhören. Erst erzählt er dem Anführer der Nebelbande von meinem Borg und dann hat er nicht einmal den Arsch in der Hose, sich nach dieser Schlacht vor dem Luxushotel von mir zu verabschieden.“
Der Groll, der sich aufgestaut hatte, war nun dank der Müdigkeit aus seinem eisernen Käfig ausgebrochen und konnte sich Luft machen, auch wenn die Hälfte von dem, was ich sagte, nicht einmal bewiesen war.
„Deinem Borg?“
„Ja, du weißt schon, so ein Schutzschild wie ihn die Magier hier bei euch haben. Das blöde Ding hat mir mindestens genauso viel Ärger bereitet, wie es mich schon gerettet hat. Weißt du, da kommt man in eine fremde Stadt, kennt niemanden und weiß nicht einmal, warum man da ist, und wird nun mit der Frage konfrontiert, was passiert ist. Ich hab doch keine Ahnung was passiert ist. Ich weiß nicht mal ob ich arbeiten war, bevor ich hierher kam. Und dann erzählt man eine glaubhafte Lüge, von wegen, dass Räuber einen überfallen haben und man daher nichts mehr weiß und schwupp - entlarvt irgendsoein dahergelaufener Händler diesen Schutzschild, von dem man bis dato selbst nichts wusste.“
Es regte mich wirklich immer noch auf, dass meine Lüge wegen meiner Unwissenheit in Brüche gegangen war. Einfach unglaublich so etwas. Aber gut. Über verschüttete Perlen sollte man nicht weinen oder so.
„Das Allerschlimmste ist aber wohl, dass man sich dann mit Mühe ein Leben aufgebaut hat und dann einmal auf den bescheuerten Rat seines Mitbewohners hört. Man verschafft sich Abwechslung indem man einen Prinzen zu seinem Hotel begleitet und schon landet man in einen Angriff auf dessen Hotel und muss alles tun, damit weder der Angreifer noch der Prinz stirbt. Das alles nur damit die Geschichte nicht den Bach runtergeht. Es nervt wirklich... Und dann dieser Borg und diese Rukh... boah ich will keine Magierin sein, verdammt und dann drückst du mir diesen blöden Zauberstab in die Hand und bringst meinen Entschluss keine Magierin zu sein ins Wanken. Jetzt will ich nämlich wirklich wissen, ob ich eine bin oder nicht! Aber das ist doof! Ich will normal sein, so ganz ohne Magie und alles.“
Es dauerte etwas, bis mein Verstand seinen kurzzeitigen Schönheitsschlaf einstellte und ich wirklich realisierte, was ich Panthea da eben alles erzählt hatte. Verdammt, ich hatte mir solche Mühe gegeben, das alles geheim zu halten und nun... war alles für die Katz.
„Ich... uhm... Vergiss was ich eben gesagt habe.“ Wach gerüttelt von meiner eigenen Dummheit, sah ich zu Panthea, die mich breit angrinste. Sie hatte es wahrscheinlich wirklich geschafft, mir alle Geheimnisse zu entlocken. Die Frage war nur, würde sie das weitererzählen?
„Bitte, erzähl das niemanden... Das soll niemand erfahren. Selbst Varius weiß schon zu viel und ich will wirklich nicht, dass jemand meine ganze Geschichte kennt. Nicht, bevor ich überhaupt weiß, was alles los ist.“
Meine Worte überschlugen sich förmlich und Pantheas Grinsen wurde immer breiter.
„Keine Sorge, keine Sorge. Es wissen nun genug, was dir passiert ist. Meine Lippen und ihre bleiben aber sicher versiegelt.“
Panisch sah ich mich um, denn Pantheas Andeutungen waren doch eindeutig genug, dass uns jemand belauscht hatte. Doch ich sah niemanden. Was verdammt nochmal meinte sie?
„Bitte, Panthea... Niemand darf es wissen. Wirklich niemand.“ Ich flehte Panthea förmlich an, doch sie sagte nichts mehr und grinste stattdessen weiterhin. Mir wurde flau im Magen. Auch wenn sie mir garantiert hatte, dass sie nichts sagen würde, war ich mir nicht sicher, ob das auch wirklich auf die Person zutraf, von der sie mir garantiert hatte, dass ihre Lippen auch versiegelt blieben.

Beschämt hatte ich gegenüber Panthea kein Wort mehr herausbekommen. Ebenso hatte ich mein Bestes gegeben, mein Hirn nicht noch einmal in den Tiefschlaf zu schicken, damit ich bloß nicht wieder zu viel ausplauderte. Das ein oder andere Geheimnis gab es immerhin noch, welches ich wahren wollte. Der Einzige, der wohl meinen ganzen Hintergrund kannte, war Kouha und das sollte vorerst so bleiben. Ich wollte gar nicht wissen, was man mit mir tat, wenn man von meiner Welt erfuhr. Ich persönlich hätte mich in die Klapse gesteckt.
„Du musst dir wirklich keine Sorgen machen, dass ich es jemanden sage. Und selbst wenn die anderen das wüssten, sie würden dich nicht anders sehen als jetzt. Du bist und bleibst Erenya, ob als Magierin oder als normaler Mensch. Allerdings verstehe ich nun, warum du dem Balbadd-Deppen versprochen hast, dass du ihn beschützen würdest. Mit so einem magischen Schutzschild ist das natürlich kein Problem. Und Nel dachte schon, dass du irgendwelche geheimen Kampffähigkeiten besitzt.“
Da ich es die ganze Zeit bevorzugt hatte zu schweigen, war es nun Panthea, die erneut das Gespräch suchte und mit scheinbar wirklich versichern wollte, das mein Geheimnis bei ihr in guten Händen war. In meiner Welt wäre es das sicher nicht gewesen, da neigte man zur Lästerei.
„Nein... ich hab mich nur etwas weit aus dem Fenster gelehnt. Beide waren gegen die Route von Cassius und ich weiß nicht... ich dachte, ich könnte ihm vielleicht helfen. Noch dazu konnte ich nicht zulassen, Aza zu verpassen, wenn wir einen zu großen Umweg gehen. Wenn ich dafür dieses Mastschwein beschützen muss, ist es mir das wert“, murrte ich, wobei ich mich fragte, ob es das wirklich wert war. Noch dazu, würde ich die Gruppe in Bitroun vielleicht verlassen, wenn schon von dort ein Schiff Sindria anvisierte. Ganz so uneigennützig waren meine Gedanken also nie gewesen.
„Weißt du, für Cassius ist diese Reise sehr wichtig. Zwar reist er schon von Kindesbeinen an durch die Welt, zusammen mit seinem Vater und anderen Händlern, aber diese Reise ist anders. Wir sind zwar schon häufiger mit ihm in dieser Gruppierung gereist, aber das ist die größte Reise, die wir wohl seit langem gemacht haben. Und das alleine mit ihm. Umso wichtiger ist es, dass alles so glatt wie möglich läuft, deswegen geben wir auch unser Bestes. Auch wenn wir nur Sklaven sind, mögen wir Cassius. Er ist immer nett zu uns, selbst zu Nel, der den ein oder anderen Arschtritt durchaus verdient hätte.“
Einen kurzen Augenblick lang fragte ich mich, ob Panthea mitbekommen hatte, dass ich mich schwer tat, mit ihnen zu reden, oder das meine Haltung sich gegenüber Cassius dezent, kaum merklich, geändert hatte. Warum sonst sollte sie mir die Hintergrundgeschichte dieser Reise erzählen?
„Was ich damit sagen will... Wir wollen, dass Cassius seine Wünsche und Träume erfüllen kann, deswegen werden wir auch weiterhin alles tun, um ihm das zu ermöglichen. Selbst wenn er glaubt, die ganze Verantwortung für uns alleine tragen zu müssen, werden wir unser möglichstes geben, um ihm diese Last von den Schultern zu nehmen. Wir mögen in den Augen der anderen nur Sklaven sein, aber wir sehen uns selbst auch ein wenig wie Freunde für Cassius. Vielleicht denkt er ja auch so über uns, auch wenn er das niemals offen zugeben würde.“
Panthea lachte leise und versetzt mich damit erneut in Verwunderung. Immer noch war mir nicht ganz klar, warum sie mir das alles erzählte. Hoffte sie, dass ich es Cassius auch leichter machen würde? Wobei, hatte ich es ihm überhaupt jemals schwer gemacht? Oder wollte mir Panthea sagen, dass ich mich zu wenig in die Gruppe integrierte?
„Also im Klartext, ihr mögt Cassius und würdet ihm folgen wohin auch immer er geht?“ Vielleicht half das Hotline-typische paraphrasieren, um mir verständlich zu machen, worauf Panthea eigentlich hinaus wollte.
„Wenn sein Vater uns das erlaubt, ja. Bis ans Ende der Welt, wenn es sein müsste.“ Das Grinsen Pantheas wurde breiter. So schlecht schien es ihnen ja gar nicht zu gehen, selbst als Sklaven, wenn sie Cassius so sehr vertrauten.
'Und du vertraust ihm ja selbst. Der Junge hat eben Charisma, auf seine eigene Art und Weise.'
Ich nickte kaum sichtbar, als wollte ich der Stimme in meinem Kopf Recht geben. Cassius hatte in der Tat so etwas wie Charisma. Nicht solches wie Sinbad oder Kouha, aber in gewisser Weise hatte er etwas, das mir deutlich sagte, dass ich ihm vertrauen konnte, solange ich mit ihm reiste. Auch wenn ein kleiner Teil in mir immer noch angewidert von ihm war, wegen der ganzen Sklavengeschichte.
„Und wenn ihr keine Sklaven mehr wärt? Würdet ihr Cassius dann auch bis ans Ende der Welt folgen?“ Wie von selbst kam mir die Frage über die Lippen. Eine Frage die Panthea scheinbar nicht sehr erfreute.
„Hast du nicht zugehört? Wir sehen uns als seine Freunde. Natürlich würden wir ihm auch dann bis ans Ende der Welt folgen.“
Panthea hatte es also ernst gemeint und sie machte deutlich, dass sie von ihren Worten nicht zurückweichen würde. Cassius bedeutet ihr mehr als nur ein Meister. Solch eine Bindung brauchten wahrscheinlich viel mehr Sklaven in dieser Welt. Eine freundschaftliche zu ihrem Herren. Doch waren sie damit dann wirklich frei?

Gegen Mittag hatte der balbaddische Händler wieder zu seinem Jammerangriff gestartet. Indirekt kann man wohl sagen, dass er Cassius dazu genötigt hatte, auf einem der umliegenden Gehöfte Unterschlupf zu suchen.
Ich will nicht undankbar erscheinen, aber der Besitzer des Hauses war keine sonderlich freundliche Natur. Erst als Cassius ihm ein paar Münzen gereicht hatte, schien dessen Laune sich aufzubessern. Es war einer der Punkte, an denen ich mich fragte, ob Cassius nicht mehr Geld bei seiner Reise ausgab, als überhaupt einnahm. Er zahlte die Karawansereien, nun das Gehöft und wahrscheinlich ging auch das Geld für Lebensmittel auf seine Kosten. Noch dazu bezahlte er mir jeden Tag meinen Lohn und nie sah ich ihn irgendetwas verkaufen. Oder betrieb er seinen Handel unter der Hand, wenn ich nicht hinsah? Ich meine, in den Karawansereien hing ich ja nicht ständig an seinem Rockzipfel, sondern bewegte mich frei durch die Einrichtungen. Gleichzeitig wusste ich auch nicht, was die anderen beiden Händler an Kosten für Verpflegung und Schutz dazu gegeben hatten. Das war schon alles sehr mysteriös und eigentlich seltsam, dass es mir erst jetzt aufgefallen war.
'Doch ein Spätzünder...'
Scheinbar war an Varius' Worten doch etwas dran und ich war ein Spätzünder. Eigentlich sprach alles dafür. Da fragte ich mich doch ernsthaft, wie ich in meinem Job so gute Arbeit leisten konnte, dass keiner der Kunden an die Decke ging.
„Wir machen hier Pause... Geht nicht zu weit weg. Lenkt die Arbeiter nicht ab und stört die anderen Gäste nicht.“
Ich fühlte mich bei dieser Anrede schon sehr an meine Zeit aus der Schule erinnert. Was glaubte Cassius eigentlich, wie alt wir waren? Mit Sicherheit hatte ich nicht, vor den Arbeitern ihren Job hier wesentlich schwerer zu machen. Schon als wir den Weg hierher eingeschlagen hatten, war mir aufgefallen, dass viele der Arbeiter Fesseln trugen und eine tiefe Gewissheit hatte sich in mir verankert, dass sie Sklaven waren. Deswegen hatte ich schon gar nicht vor, sie zu stören und ihnen damit noch größeres Leid zu bescheren, auch wenn ich sie gerne alle eingepackt und ihnen die Freiheit geschenkt hätte. Soviel Geld besaß ich aber nicht und nicht einmal der Alexandrit im Stab hätte wohl genug Wert um einen Sklaven freizukaufen.
Um das ganze Leid nicht mit ansehen zu müssen und auch der Tatsache verschuldet, dass ich müde genug war, um die Augen kaum noch aufzuhalten, wandte ich mich an Cassius, der mich sogleich ansah, als wollte er mich für irgendetwas erschlagen.
„Werde niemanden stören... wollte nur fragen ob ich hier irgendwo etwas dösen darf?“
Meine Frage war etwas unsicher formuliert, auch wenn eine innere Gewissheit mir garantierte, dass Cassius mir ein paar Stunden Schlaf nicht verwehren würde. Wie ich den Händler aus Balbadd kannte, würde dieser sicherlich nicht in wenigen Minuten aufspringen und die Weiterreise fordern. Das wusste selbst Cassius.
„Nimm den hintersten Wagen.“
Mein Herz schlug vor Freude. Auch wenn der Wagen nicht gerade ein Bett ersetzen konnte, aber ein wenig Schlaf konnte mir im Moment nicht schaden.
„Danke“, murmelte ich müde und machte mich auf den Weg zu dem letzten Wagen in unserer Karawane. Müde kletterte ich in diesen und verzog mich in die hinterste Ecke, in der ich mich förmlich zu einem Eri-formigen Ball zusammenrollte und schließlich weg schlummerte, kaum das ich die Augen geschlossen hatte.

Wie lange ich geschlafen hatte, wusste ich nicht. Es fühlte sich aber nicht so an, als wäre es ausreichend gewesen. Mit einem sanften Rütteln holte mich Panthea aus einem wirren Traum zurück in die Realität zurück.
„Aufstehen, Sonnenschein. Komm mit. Du musst einen Brief schreiben.“
Verwirrt sah ich Panthea an, die mich förmlich auf die Beine und aus dem Wagen zog. Mit einem strahlenden Lächeln zerrte sie mich zu einer Baracke, in der sowohl Cassius, als auch ein paar mir vollkommen fremde Menschen saßen. Neben ihnen ruhten Kisten, die ich eindeutig als jene von Cassius Waren identifizieren konnte. Ehrlich, ich hatte sie seit einer Woche tagein tagaus gesehen, wie sollte ich sie da nicht wieder erkennen, mit diesen markanten Zeichen, welches wohl ein Kleinkind drauf gekritzelt hatte und eine Vase darstellen sollte? Augenscheinlich war das der Weg, auf dem Cassius sein Geld nebenbei verdiente.
„Hier ist sie!“, rief Panthea stolz und schob mich förmlich neben Cassius, den ich nur müde und fragend ansah. Was wollten sie von mir?
„Ihr seid also das Mädchen aus Balbadd, von dem Cassius uns erzählt hat“, erklärte einer der Männer, die Cassius gegenüber saßen. So ganz verstand ich immer noch nicht, was sie von mir wollten.
„Wir haben erfahren, dass ihr in Balbadd in einem Freudenhaus gearbeitet habt, war das zufällig das von Assad?“
Müde nickte ich auf die Frage, wartend, worauf dieses ganze Gespräch hinauslaufen sollte.
„Wenn Ihr wollt, können wir gerne versuchen eine Nachricht an Assads Freudenhaus zu liefern.“ Meine Augen weiteten sich. Es dauerte etwas, bis ich verstand, was hier gerade wirklich geschah und mein Blick wandte sich schmollend zu Panthea, die schützend die Hände hochhielt, als wollte sie sagen, dass sie nichts getan habe.
„Ihr könnt gerne einen Brief verfassen. Wir haben Papier und Tinte dabei. Wenn Ihr allerdings nicht schreiben könnt, dann würde einer meiner Angestellten das Schreiben sicher für euch übernehmen, während ihr diktiert.“
Wild schüttelte ich den Kopf und versuchte alle Höflichkeit und alle Emotionen die gerade in mir aufkamen beisammen zu halten.
„Und Ihr kommt wirklich nach Balbadd?“, fragte ich, denn ich wollte nicht riskieren, dass dieser Brief in die falschen Hände geriet. Noch dazu wollte ich mir keine unnützen Hoffnung auf etwas machen, was vielleicht nicht eintraf.
„Wir reisen zumindest in diese Richtung. Ursprünglich sind wir etwas westlicher unterwegs gewesen, allerdings war mir das Risiko dieser Strecke zu hoch, weswegen wir über einen Umweg dann auf die zweite Route ausgewichen sind.“
An sich interessierte es mich nicht, wohin diese Reisenden wollten, oder woher sie kamen. Ich wollte einfach nur die Sicherheit haben, dass der Brief nicht umsonst geschrieben wurde. Dennoch, zu deutlich sollte ich nicht zeigen, dass ich kein Interesse an ihrer Geschichte hatte.
„Aber macht Euch keine Sorge, die Strecke die wir jetzt nehmen ist sicherer und dank Cassius, wird euer Brief in Balbadd ankommen, dass garantieren wir.“
Ich sah zu Cassius, mich fragend, was er den anderen Händlern erzählt hatte. Sicher aber, dass sie den Strandpfad meiden sollten, wenn ihnen ihr Leben lieb war.
„Eine Hand wäscht die andere. Immerhin haben Sie mir auch von den Übergriffen des Kaiserreichs Kou auf Gebiete des Tenzan-Plateaus erzählt. Das erleichtert mir ebenfalls die zukünftige Planung.“
Informationen gegen Informationen, ein fairer Handel. Vielleicht sollte ich mir das auch zu Nutzen machen, irgendwann, in ferner Zukunft. Dahingehend konnte man von Cassius echt viel lernen, auch wenn ich das nur ungern zugab.

Dank der Reisegruppe hatte ich etwas Tinte, eine Schreibfeder und Papier erhalten, so dass ich nun in der Baracke saß und ein freudiges Kribbeln durch meine Finger fuhr. Es gab soviel, dass ich erzählen wollte, gleichzeitig gefiel mir das Gefühl einfach schreiben zu können.
Einen kurzen Moment genoss ich diesen Moment, bevor ich das Ende der Feder ansetzte und meinen Brief begann. Vorerst würde das wohl die letzte Gelegenheit sein, schreiben zu können. Ich musste das in Sindria unbedingt ändern.

Hallo Mädels, Ameen und Assad.
Wie geht es euch? Mir geht es soweit ganz gut, auch wenn ich gerade etwas übermüdet bin. Anders als geplant fuhr kein Schiff von Balbadd nach Sindria, weswegen ich mich jetzt noch auf einer längeren Reise nach Aza befinde. Ich habe eine Karawane gefunden, die mich mitgenommen hat. Um mein Taschengeld aufzubessern, arbeite ich auch bei ihnen, unter anderen in der Nachtschicht, wenn Freiwillige gesucht werden. Ich habe allerdings die Hoffnung, dass vielleicht von Bitroun schon ein Schiff nach Sindria fährt und ich mich dort von der Karawane lösen kann, um ihnen nicht weiter zur Last zu fallen.
Ich will damit nicht sagen, dass die Menschen der Karawane schlecht sind oder so, im Gegenteil, sie sind alle wirklich sehr nett zu mir. Der Großteil der Gruppe kommt aus Reim und Cassius, unser Reiseführer, erinnert mich sehr an Assad. Er lächelt scheinbar nie und wirkt sehr grob und ungehobelt, wenn man ihn aber näher kennenlernt, merkt man, dass er ein gutes Herz hat. Auch wenn er das sehr gut versteckt. So wie Assad eben. Ja, Assad, ich meine dich!
Das Einzige, was mich etwas betrübt, ist die Tatsache, dass Cassius' Diener wohl alles Sklaven sind. Ihnen geht es zwar nicht schlecht unter ihm und sie nennen ihn einen Freund, aber ich weiß ehrlich nicht, wie ich mit dieser Situation umgehen soll. Ich habe sogar das Gefühl, zuvor unhöflich gewesen zu sein, weil ich es einfach nicht bemerkt habe, bis vor kurzen. Nachzutragen scheint es mir aber keiner. Panthea hat mir sogar einen Stab mit einem Alexandrit geschenkt. Jetzt erfülle ich wirklich jedes Klischee eines hier typischen Magiers, abgesehen von dem Spitzhut. Dabei habe ich mir von Varius und Tiberius etwas Selbstverteidigung mit dem Dolch zeigen lassen. Allerdings bin ich wohl nicht sonderlich gut, wenn es darum geht offensiv zu werden. Ich hoffe einfach, dass ich auf dieser Reise niemals gezwungen sein werde, offensiv zu werden, das ist meine größte Furcht und auch wenn Varius, der wie ein Bruder für mich geworden ist, mich hin und wieder aufmuntert, hängt diese Furcht wie ein Henkersbeil über mir.
Macht euch aber bitte keine Sorgen. Cassius plant die Routen sehr gewissenhaft und versucht bestmöglich, den Schwierigkeiten aus dem Weg zu gehen. Noch dazu haben wir neben Tiberius und Varius auch noch zwei weitere fähige Kämpfer aus Kou. Ich denke also, dass die Karawane sicher ist. Und ich habe diesen Schutzschild. Es kann mir also nicht viel passieren.
Das Einzige, was mich noch auffressen könnte, ist die Sehnsucht nach euch allen. Ich vermisse euch wirklich sehr. Ihr seid hier wie eine Familie für mich geworden und wir hatten zwar auch unsere Höhen und Tiefen, aber gemeinsam konnten wir das alles überstehen. Ich werde wiederkommen, dass verspreche ich euch. Vorerst werde ich in Sindria aber genug lernen, um euch eine Hilfe und keine Last zu sein.
Und dann erzähle ich euch wieder ganz viele Geschichten. Suleika soll dann ihr Kind mitbringen. Wehe Assad vergibt meinen Kissenberg an jemand anderen, dann kracht es. Nur ich und Kouha Ren dürfen auf diesem Platz thronen.
Ja, Assad, Kouha Ren, der Prinz aus Kou, der mich beinahe in zwei Hälften geteilt hätte, weil dein blöder Kumpel Kassim unbedingt dieses verdammte Hotel angreifen musste.
Da fällt mir ein, macht Sadiq die Hölle heiß, sollte er sich bei euch blicken lassen. Nur weil er meinte, dass ich Ablenkung brauche, bin ich in den ganzen Mist rein geraten. Er schuldet mir außerdem Geld!

Vergessen wir das. Wir wissen alle, das Sadiq mir das Geld niemals wiedergeben wird. Und Assad hat sicher genug zu tun, euch vor der Nebelbande zu beschützen. Er macht seinen Job sicher gut. Wenn ich wiederkomme, muss er das nicht mehr alleine tun. Ich schwöre euch, ich werde stärker als zuvor. Ich werde alles lernen, was ich lernen muss. Passt ihr bitte solange auf euch auf.
Ich werde in Sindria hin und wieder versuchen, euch zu schreiben, damit ihr wisst, dass ich noch lebe. Versucht aber nicht, auf die Briefe zu antworten. Sollte ich jemals eine Antwort erhalten, weiß ich, dass sie nicht von euch kommt.
Solange wir unter demselben Himmel leben, sind wir niemals getrennt.
Eure Geschichtenerzählerin.

Ich las den geschriebenen Brief noch einmal in aller Ruhe durch und nickte schließlich. Das wichtigste stand drin, hoffte ich zumindest. Immerhin hatten die Mädchen dann ein Lebenszeichen von mir. Oder würde der Brief schon jetzt Ärger bringen, wenn ich ihn versandte? Seltsam, kaum, dass er geschrieben war, zweifelte ich an seiner Richtigkeit.
„Seid Ihr fertig?“, fragte der Händler mir gegenüber. Ich war fertig, allerdings fragte ich mich, ob diese Zeilen nun wirklich für die Mädchen bestimmt sein sollten. Was wenn Kassim ihn in die Hände bekam und seinen Zorn dann an Assad und den Mädchen ausließ. Sollte ich das wirklich riskieren?
„Fertig schon... Ich... vielleicht ist es besser, wenn ich den Brief nicht losschicke.“ Ein trauriges Lächeln zeichnete sich auf meinen Lippen ab. Ich wollte, dass die Mädchen ein Lebenszeichen von mir bekamen, allerdings wollte ich auch nicht, dass dieses Lebenszeichen ihnen Ärger bereitete.
„Du hast ihn doch nicht geschrieben, damit er in deinem Reisegepäck verkommt. Du machst dir zu viele Sorgen.“
Mein Blick glitt zu Cassius, der mich ernst ansah. Ob er die Zeilen gelesen hatte, so dicht wie er neben mir saß? Hoffentlich nicht.
„Aber...“, setzte ich an und wollte erklären, warum diese Entscheidung nicht so leicht war, als Cassius das Stück Papier von mir wegzog und faltete. Ohne eine Spur von Zweifel reichte er es den Händlern, die seine Geste scheinbar als ein Einverständnis von meiner Seite aus sahen, oder glaubten, dass ich eine Sklavin wie die Anderen war und somit kein Mitspracherecht hatte.
„Moment! Das geht nicht so einfach, Cassius, die Angelegenheit ist etwas schwieriger. Ich-“
Cassius ernster, durchbohrender Blick gebot mir zu schweigen. Ich tat es wohl besser, wenn ich noch etwas leben wollte.
„Der Brief wird in die richtigen Hände gelangen.“
Woher nahm er nur diese Sicherheit? Ich verstand es nicht. Kannte er die Händler? Überhaupt, woher wollte er wissen, wessen die richtigen Hände waren und wessen nicht? Er kannte meinen Background doch gar nicht. Dennoch, ich konnte nicht anders, als Cassius zu vertrauen. Warum nur?
„Keine Sorge, wir werden dafür sorgen, dass dieser Brief nur in die Hände von Assad persönlich kommt. Selbst wenn sich der Einfluss von Fatima weiterhin ausbreitet, sind wir gewappnet genug um gegen eine Horde blutrünstiger Sklavenhändler zu bestehen.“
Ich horchte auf, als ich den Namen Fatima hörte. Da klingelte doch etwas. Richtig. In der Wüste hatte er doch sein Versteck. Waren da auch nicht die Nando-Brüder einst gewesen? Oder würden sie erst noch dahin gehen?
„Fatima?“, fragte ich unsicher nach. Ich brauchte mehr Informationen, um alles einordnen zu können. Den Zeitpunkt, an dem ich in diese Welt gekommen war. Ich wusste ja immerhin schon, dass ich weit vor Alibabas Ankunft hier angekommen war, aber das würde immer noch nicht genau sagen, ob ich mich inmitten von Band eins der Magi-Serie befand, oder vielleicht noch weiter zuvor.
„Ja, man erzählt sich, dass dieser Mann eine Wüstenfestung eingenommen hat und von dort aus seine Herrschaft bis in den Süden ausgebreitet hat. Er terrorisiert dort alles und jeden und macht Jagd auf Menschen, als wären sie wilde Tiere.“
Ich muss gestehen, dass mich die Information des Händlers zeittechnisch nicht wirklich weiter brachte. Wenn ich es Recht in Erinnerung hatte, war Fatima auch im Manga, als er auf Morgiana traf, nicht weniger von einer Herrschaft über ein weitläufigen Gebietes entfernt.
„Er fängt Karawanen ab und versklavt alle, die er für nützlich hält. Da fragt man sich doch, warum in Balbadd niemand reagiert. Irgendwann spaziert dieser miese Hund in das Königreich und nimmt sich was er braucht.“ So ganz Unrecht hatten die Händler nicht. In Zukunft würde diese Gefahr, dass die balbaddische Bevölkerung versklavt wurde, wirklich bestehen. Die Frage war weiterhin, wie viel Zeit noch blieb.

An Schlaf war nach diesem Gespräch nicht mehr zu denken. Stattdessen half ich den Anderen die Karren wieder ordentlich einzuräumen und alles sicher zu verstauen, bevor unsere Reise losging. In Gedanken spukte allerdings immer noch die Frage herum, wie viel Zeit mir blieb. Würde ich in Sindria ankommen und es war vielleicht zu spät? Würde ich die wichtigsten Ereignisse verpassen? Was, wenn ich nicht in Balbadd war und Kassim bei seiner Revolution nicht starb?
'Hast wohl nicht alles durchdacht...', meldete sich eine hämische Stimme. Blöd das sie Recht hatte. So weit hatte ich wirklich nicht gedacht. Ich war immer davon ausgegangen, dass ich wirklich noch genug Zeit hatte.
'Ganz ruhig... denk nach. Die Nando-Brüder sind noch nicht bei Fatima. Das heißt, Morgiana ist auch nicht dort.'
Es war der einzige Gedanke, der mich ein wenig beruhigen konnte. Zumindest für den Moment. Die Nando-Brüder würden sicher ein wenig reisen müssen, um die Wüstenfestung zu erreichen. Fest stand nur, dass ich in Sindria nicht viel Zeit haben würde. Ich musste schnell lernen.
'Vitamin B wird immer unausweichlicher... Das ist der schnellste Weg, den du hast.'
Diese Tatsache wurde immer klarer. Ich brauchte Sinbad. Sinbad und seine acht Generäle. Allein, dass ich mir das eingestehen musste, widerte mich an. Ich hatte in meinem Leben immer ohne Vitamin B auskommen wollen, doch nun brauchte ich es, um weiter zu kommen und vielleicht auch nach der ganzen Sache in Balbadd herauszufinden, warum ich hier war.
„Erenya, hilfst du dem Neuen?“
Ich hatte gerade eine Kiste verstaut, als Nel mich von der Seite ansprach. Ich sah zu ihm, hob verwundert eine Augenbraue und fragte wortlos, was er mit „dem Neuen“ meinte. Er wusste scheinbar, was ich dachte und grinste.
„Stimmt, du hast geschlafen. Wir haben ein neues Mitglied. Er räumt deine Karren ein. Hilf ihm einfach, damit ihr euch etwas kennenlernen könnt. Cassius sagte nämlich, dass er einen deiner Karren führen wird.“
Ein leises Murren war von meiner Seite aus zu hören. Nicht, das ich den Neuen nicht kennenlernen wollte. Es störte mich viel mehr, dass man mir die Hälfte meiner Arbeit nahm. Aber schön. Es war Cassius Entscheidung und er war der Boss. Da muckte ich besser nicht, auch wenn ich nicht erfreut darüber war.
Mich meinem Schicksal ergebend, ging ich zu meinen Karren und erblickte sofort den großen Neuling, dessen rotes Haar wie ein Flammenmeer auf seinem Kopf zu lodern schien. Mir stockte der Atem, denn es war das erste Mal, dass ich jemanden wie ihm gegenüber stand. So wirklich in Natura gegenüber stand. Er bemerkte mich und hielt in seiner Bewegung inne, wobei seine stechend roten Augen mich ernst ansahen.
„Fanalis...“, flüsterte ich fast schon ein wenig fassungslos. Ja, selbst ich verstand, dass er ein Fanalis war, immerhin hatte er so viele Eigenschaften von Morgiana und Masrur, dass ich wirklich einfach nur sprachlos war.
Erst als er seinen Blick von mir nahm, realisierte ich, wie ich ihn angestarrt haben musste. Fettnäpfchen erfolgreich getroffen.
„Entschuldige, ich wollte dich nicht anstarren!“
Ich wollte dieses Missverständnis sofort klar machen. Es war immerhin keine böse Absicht gewesen, ihn so anzustarren. Im Gegenteil, es war eher meiner Faszination für die Fanalis geschuldet.
„Schon in Ordnung... ich bin das gewöhnt.“
Mega-Fettnäpfchen getroffen! Ich hätte mich ohrfeigen können, so dämlich wie ich war. Natürlich musste er das gewöhnt sein. Argh! Wie hatte ich das so kackendreist übersehen können?
„Nein, nein... Ich meinte das nicht so... uhm... es tut mir leid. Ich bin Erenya und du?“
Da ich wahrscheinlich sowieso nichts mehr von dem schlechten ersten Eindruck retten konnte, beschloss ich einfach, etwas Smalltalk zu betreiben. Vielleicht besserte sich sein Eindruck von mir dann und er merkte, dass ich kein dämlicher Gaffer war.
„Acht.“
„Wie bitte?“
Ich blinzelte auf seine Antwort, die nicht so klang, als hatte er mir sagen wollen, wie er hieß. Acht? Wirklich?
„Der Besitzer nannte mich Acht. Das war meine Nummer hier, bevor Meister Cassius mich gekauft hat.“
Erneut wusste ich nicht, was mich mehr schockieren sollte. Die Tatsache, dass man jemanden einfach keinen Namen gab oder die, dass 'Acht' so selbstverständlich darüber sprechen konnte, gekauft worden zu sein.
Fast schon schmollend, hob ich eine Kiste an und lagerte diese in den Karren ein. Das ging doch mal so gar nicht.
„Nein, nein, nein. Egal was Cassius davon hält, du brauchst einen richtigen Namen. Man kann doch niemanden nach einer Zahl benennen... Na gut kann man schon, es gibt Leute die heißen Zero, aber ich empfinde das als mehr als abwertend. Und wenn du schon zu Cassius gehörst, brauchst du auch einen Namen.“
Da 'Acht' keine Fesseln trug, ging ich davon aus, dass Cassius ihn ähnlich wie die Anderen zwar als Sklaven behalten wollte, aber doch schon diverse menschliche Freiheiten und Recht geben würde, die ihm etwas das Gefühl von Freiheit gaben. Ein Name wäre da doch schon ein Anfang. Auch wenn Cassius ihm diesen vielleicht hätte geben sollen, so als sein Meister, wollte ich das doch gerne übernehmen. 'Acht' sollte nicht mit einem dämlichen Römernamen enden. Im Gegenteil, Cassius sollte etwas von mir haben, was ihn sehr, sehr lange an mich erinnerte. Das war mir ein diabolisches Vergnügen.
„Uhm. Was hältst du von Alexander Aurelius? So kannst du dir aussuchen, wie du dich anderen vorstellst. Ich werde dich natürlich Alexander nennen, oder Alex.“
Ich lächelte den neu benannten Alexander Aurelius an, der mich mit einer Mischung aus Fassungslosigkeit und irgendeiner anderen, undeutbaren Emotion ansah. Ob ihm der Name nicht gefiel? Dabei waren beides Bestandteile von großen geschichtlichen Persönlichkeiten. Eben ganz dem Magi-Style.
„Nicht gut?“, fragte ich und überlegte schon, welche Namen noch für ihn passend sein konnten. Ein Fanalis brauchte einen großen Namen, soviel hatte ich entschieden und es war mir wirklich egal, was Cassius sagen würde.
„Nein. Das... Acht würde wirklich reichen...“
Nun war ich es, die Alexander ernst ansah. Von wegen Acht würde reichen.
„Hör zu, ich werde, solange wir zusammen reisen, nicht zulassen, dass dich jemand abwertend als 'Acht' bezeichnet. Du bist wie die Anderen hier ein lebendes Wesen und hast einen Namen verdient. Einen vernünftigen Namen. Wenn Alexander Aurelius dir nicht gefällt, finden wir sicher einen, den du schön findest. Man hat immerhin nicht jeden Tag die Chance, seinen eigenen Namen zu wählen. Also... Wie würdest du gerne heißen wollen?“
Wenn er schon mit meinem Vorschlag nicht zufrieden war, sollte er sich eben selbst einen aussuchen. Die Absolution dafür hatte er nun von mir erhalten und ein Nein würde ich nicht gelten lassen.
„Alexander... Aurelius...“ Alexander hatte also nachgegeben und meinen Vorschlag angenommen. Zufrieden sah ich ihn an und griff zur nächsten Kiste, die just im Wagen verschwand. Es war ein gutes Gefühl, auch wenn das vielleicht nur eine Kleinigkeit war, aber irgendwie, glaubte ich ein hauchzartes, dünnes Lächeln auf Alexanders Lippen zu sehen.

Alexander war das Arbeiten mit Pferden und Karren wahrscheinlich mehr gewohnt als ich, denn er führte einen der Hengste mit einer Genauigkeit, wie ich es wohl nie vermochte, auch wenn beide Tiere bisher gut zu mir gewesen waren. Da wir unmittelbar nebeneinander herliefen, hatte ich die Gelegenheit, etwas mit unserem Neuzugang zu reden, der mir gegenüber schneller auftaute als gedacht, auch wenn er immer noch nicht der Gesprächigste war.
„Und deswegen war ich einfach überrascht. Ich wollte dich wirklich nicht anstarren. Im Gegenteil, ich finde die Fanalis wirklich toll. Man könnte mich als Fan bezeichnen.“ Ausgiebig hatte ich Alexander erzählt, warum ich ihn so angestarrt hatte. Eben das es Fanalis in meiner Heimat nicht gab und ich einfach nur von seinem Erscheinungsbild, auch wenn er noch in Lumpen gekleidet war, mehr als fasziniert war.
„Ihr kennt Fanalis nicht und du bist dennoch ein Fan?“ Unglauben war in Alexanders Stimme zu hören, doch wie ich eben so bin, ließ ich mich von diesem Unterton genauso wenig stören, wie wenn ein Kunde mit 180 an mich geriet und alles andere als freundlich begrüßt werden wollte.
„Jap~ ein paar von uns wissen ja ein wenig über die Fanalis, oder über diesen Ort hier. Fakt ist sogar, dass ich nur dank zweier Freunde anfing mich für diesen Ort und seine Bewohner zu interessieren und als ich von den Fanalis erfuhr war ich total fasziniert. Auch wenn ich es wirklich blöd finde, dass so viele sie versklaven. Das habt ihr nicht verdient. Wenn ich weiter durch die Welt reise, werde ich mein bBstes geben, euch zu helfen, vielleicht ist das ein Teil meiner Bestimmung hier.“
Zumindest war es ein Teil von Bestimmung, den ich mir gerne selbst erwählt hätte. Durch die Welt des Magi-Fandoms reisen, alle möglichen Orte kennenlernen und schließlich einen Weg finden, wie ich zurück in meine Heimat konnte. Das wäre der idealste Weg und wohl auch der Traum eines jeden Fangirls.
„Um dich müssen wir uns ja keine Sorgen machen. Du bist bei Cassius in guten Händen. Um es mit Pantheas Worten zu sagen 'Er ist sehr nett zu uns, auch wenn Nel den ein oder anderen Arschtritt gebrauchen könnte.' Und abstreiten kann ich das auch nicht. Er wirkt zwar mürrisch, aber wahrscheinlich ist er wirklich kein schlechter Kerl, auch wenn er manchmal schon sehr suspekt ist.“
Ich lachte leise und schüttelte dabei den Kopf. Irgendwie konnte ich mich trotz der ganzen Sklavensache nicht dazu überwinden, Cassius ins schlechte Licht zu rücken. An dem Fakt, das er ein guter Mensch war, gab es nichts zu rütteln.
„Muss ich mir Sorgen machen, dass du nun soviel mit dem Neuen redest?“
Belustigt war Varius zu uns gestoßen und hatte so Tiberius abgelöst, der nun den hinteren Teil der Karawane bewachte. Wie gewohnt gesellte sich Varius zu mir, wobei ihm natürlich nicht verborgen geblieben war, dass ich mich angeregt, wenn auch eher einseitig, mit Alexander unterhielt.
„Er hat einen Namen. Alexander Aurelius. Es wäre also nett, wenn du ihn nicht einfach nur als 'Neuer' bezeichnest. Das ist nicht nett.“
Blinzelt sah Varius von mir zu Alexander. Dieser schien den Wächter kaum Beachtung zu schenken, oder sich selbst nicht zu erlauben, etwas zu dieser Situation zu sagen. Ich hatte kein Problem damit, dass dann für ihn zu übernehmen.
„Schon verstanden. Sehr erfreut, Alexander Aurelius.“
„Aurelius.“
Verwundert sahen sowohl Varius als auch ich zu Alexander, der mit einem Wort nun doch an diesem Gespräch teilnahm.
„Ich möchte, dass ihr mich Aurelius nennt. Erenya darf mich weiterhin Alexander nennen.“
Mein Fangirlherz schlug höher. Immerhin hatte mir Alexander soeben ein Privileg gewährt. Für alle anderen wollte er Aurelius sein, aber ich, ich durfte ihn auch weiterhin Alexander nennen. Oder aber er hatte meine Ansage ernst genommen, dass ich ihn weiterhin Alexander nennen würde, selbst wenn er lieber Aurelius genannt werden wollte. Egal was es war, ich war glücklich damit, dass ich ihn auch weiterhin Alexander nennen durfte.

Ich war zu glücklich über die Ereignisse des Tages, um mich überhaupt zu fragen, wie lange wir heute noch reisen würden, ob wir Bitroun bald erreichten oder nicht. Imaginär wedelte ein Katzenschweif von links nach rechts und machte deutlich, dass ich super zufrieden mit allem war. Die Müdigkeit selbst schien wie weggeblasen, auch wenn ich wohl nur zwei Stunden geschlafen hatte. Ich schwebte auf Wolke sieben, allein wegen der Tatsache, dass ich Alexander eben als einzige Alexander nennen durfte.
Allerdings wurde dieses Glücksgefühl genauso schnell zerschlagen, wie es gekommen war.
„Wir sind bald in Bitroun. Zumindest hat Cassius gesagt, dass wir noch vor der Dämmerung dort ankommen. Hey, Aurelius, gehst du mit mir und Tiberius dann ins Badehaus?“
Ein Badehaus? Ich horchte auf. Der Gedanke an ein Bad war verlockend, allerdings nur, wenn ich dieses Bad alleine genießen konnte, ohne das ein Mann auf der anderen Seite war oder die Mädchen bei mir waren. Im Freudenhaus hatte ich genug Brüste für ein ganzes Leben gesehen. Mehr mussten das nicht werden.
„Sollten wir für Alexander nicht lieber ein paar schönere Sachen holen? Vielleicht haben noch ein paar Stände einige Waren die wir kaufen können.“
Meine Worte waren noch nicht einmal richtig ausgesprochen, als Tiberius auch schon lauthals loslachte.
„Wie eine Glucke die auf ihr Küken aufpasst!“, lachte er, wobei ich ihm einen erbosten Blick zuwarf, der aber sofort wieder wich, als ich weiter von uns entfernt am Horizont die Silhouetten von Menschen sah, die in Reih und Glied liefen.
„Varius, wird diese Route häufiger von Karawanen benutzt?“ Abgesehen von den Händlern im Gehöft, waren mir noch keine anderen Händler aufgefallen. Doch diese Gruppe weit von uns entfernt hatte meine Aufmerksamkeit sofort auf sich gezogen.
Um zu verstehen, was ich meinte, wandte Varius seinen Blick in die Richtung, in die ich sah und sofort verfinsterte sich sein Blick.
„Sklavenhändler... Sie reisen über diese Route um ihre 'Ware' nicht zu stark zu belasten. Egal wo es dich noch hin verschlagen wird, Erenya, pass immer auf dich auf und vertraue am besten niemanden, der dir ein schlechtes Gefühl bereitet.“
Ich konnte spüren, dass in Varius Worten eine Warnung mitschwang, die ich wohl besser beachtete. Wahrscheinlich war ich in der Hinsicht wirklich gefährdet, als Sklavin zu enden. Ich vertraute zu schnell, das wurde mir schnell klar, als ich über mein Verhältnis zu Assad, Sadiq und dieser Karawane nachdachte. Irgendwo wahrte ich zwar eine gewisse Distanz, doch es war nicht genug, um nicht vielleicht als Leichnam im Sand oder als Prostituierte zu enden. So gesehen hatte ich Glück, dass alle meine Helfer bisher nicht nach meinen Leben getrachtet hatten. Selbst bei Sadiq, dessen anderes Gesicht mich doch hin und wieder verschreckt hatte. Wie es diesem Bastard wohl ging?
„Ich werde aufpassen. Versprochen. Aber vorerst kannst du mich ja noch beschützen“, scherzte ich um dieses Thema schnell hinter mir zu lassen. Es bedrückte mich, denn erneut sorgte es dafür, dass ich an meine Freunde aus Balbadd zurückdachte. Ob sie den Brief erhalten würden? Ich hoffte es. Ebenso, wie ich hoffte, dass Cassius Recht behalten würde.

Wie es Varius gesagt hatte, erreichten wir Bitroun zum späten Nachmittag. Die Sonne war auf ihrer Reise weit fortgeschritten und wahrscheinlich würden nur noch wenige Stunden vergehen, bevor sie unterging. Auf dem Weg zu einem Gasthaus, das groß genug war, sodass Reisende ihre Wagen und Tiere unterstellen konnten, hatte ich bereits gesehen, dass einige Händler mit ihren Ständen bereits die Waren verstauten. Wollte ich für Alexander also noch brauchbare Sachen finden, musste ich mich nach dem Abzurren beeilen.
Vielleicht hatte Varius Recht und ich war eine über überfürsorgliche Glucke, aber mal ehrlich, mit diesem viel zu weiten, zerfledderten Hemd konnte ich den Jungen einfach nicht herumlaufen lassen. Er war immerhin das Mitglied einer Karawane und selbst die Anderen sahen nicht aus, als hätte man sie frisch aus der Gosse hervorgezogen. Noch dazu gehörte Alexander nun zu Cassius und musste ihn als Mitglied von dessen Karawane auch angemessen repräsentieren. Sollte Cassius also meckern, würde ich ihm garantieren, dass ich Alexander auf meine Kosten eingekleidet hatte. Von mir aus konnte er auch mein Gehalt kürzen.
Mit diesen Gedanken stellte ich die Tiere unter und versorgte sie. Auch wenn ich es eilig hatte, soviel Zeit musste sein, immerhin waren diese treuen Hengste auch Lebewesen und nicht minder wert als Alexander, ich oder sonst ein Mensch.
„Aurelius, du gehst mit Tacita zum Markt. Wir brauchen noch ein paar Sachen für die Reise.“
Alexander, der mir bei dem Versorgen der Tiere geholfen hatte, sah auf, als Cassius die Ställe betrat, gefolgt von Tacita, die ihn mütterlich anlächelte. Mir hingegen passte das so gar nicht in den Kram. Ich hatte immerhin mit Alexander einkaufen gehen wollen. Allerdings war es sicher nicht klug, sich gegen Cassius Anweisung zu widersetzen.
Stumm nickte Alexander und ein leises Seufzen trat über meine Lippen. Er gehörte wirklich nicht zur gesprächigsten Sorte und war obendrein noch zu höflich und gehorsam. Vielleicht würde Panthea oder Nel ihm das in Zukunft austreiben. Hoffentlich.
„Und ich?“, fragte ich schließlich, denn wenn die Pferde versorgt waren, hatte ich nichts mehr zu tun.
„Mach was du willst, solange du früh schlafen gehst.“
Irgendjemand musste Cassius wirklich mal einen Knigge schenken. Man konnte einer arbeitswütigen Eri doch nicht einfach sagen, dass sie machen sollte, was sie wollte. Das ging niemals gut. Aber schön, wenn er das so wollte. Vielleicht konnte ich diese Zeit ja nutzen um mich in Bitroun umzuhören, umzusehen und vielleicht eine Reisemöglichkeit per Schiff nach Sindria zu finden.

Auch wenn Bitrouns Häuser denen von Balbadd sehr ähnelten, fast schon identisch waren, war diese Stadt doch anders. Die Stadtmauern zeigten deutlich, dass Bitroun wesentlich kleiner war und wohl mehr an eine Kleinstadt erinnerte, als an ein Königreich wie Balbadd. Man konnte fast schon sagen, dass es gemütlich war. Selbst ich hätte hier Schwierigkeiten gehabt, mich zu verlaufen, denn selbst der Weg zum Hafen schien durch den steinernen Turm in weiter Ferne mehr als nur gut gekennzeichnet zu sein. Da Bitroun eine Hafenstadt war, ging ich davon aus, dass dieses überragende Gebäude in weiter Ferne ein Leuchtturm sein musste, welches den Seefahrern den richtigen Weg wies und verhinderte, dass ihre Schiffe zu nahe an die flache Küste kamen.
Bitroun war auf viele Weisen interessant. Bevor wir die Stadt betreten hatten, hatten wir eine kleine Stadt, bestehend aus Zelten, Planen und anderen Unterkünften gesehen, die mehr wie eine temporäre Lösung erschienen. Ich hatte mich gefragt ob das die bitrounischen Slums waren oder Reisende, die bald ihre Lager abbrechen würden und einfach nicht das Geld für ein Gasthaus hatten.
Alles in allem hatte Bitroun eine vertraute Fremde, allerdings fühlte ich mich hier nicht heimatlich genug um meinen Entschluss, Sindria als nächstes Ziel vor Augen zu haben, sausen zu lassen. Insgeheim war ich sogar froh, wenn ich diesen Ort schnell hinter mir lassen konnte, auch wenn ich nicht wusste, woher dieses Gefühl genau kam.
Da ich mit Alexander nun doch nicht einkaufen gehen konnte und das Badehaus mit seinen vielen nackten Menschen keine Option für mich war, hatte ich entschieden, mich im Teehaus niederzulassen, welches nahe der Herberge gelegen war.
Das Teehaus selbst war so gut besucht, als wäre dies hier die örtliche Kneipe, bei der man zu Feierabend abstieg um sein Bierchen in Gesellschaft von anderen erschöpften Seelen zu genießen. Traurig, dass hier ausschließlich Tee und Gebäck serviert wurde. Wobei Tee auch etwas entspannendes hatte. Man konnte die Seele baumeln lassen, während einem die wohlige Wärme eines süßen Früchtetees einlullte und alle Sorgen vergessen ließ.
Das war auch schon der einzige Grund, warum ich nun hier im Teehaus und nicht im Badehaus war. Ich musste meinen Kopf von allen Sorgen frei bekommen und etwas entspannen, bevor ich noch an einem Burn-Out endete. Für Cassius wäre das sicher auch gut gewesen, aber der Workaholic hatte sich mit seinem Hauslehrer in sein Zimmer verzogen und frönte dort wohl den Lehren seines Lehrers.
Akribisch suchte ich in dem Lokal nach einem freien Platz, konnte aber entgegen meiner Natur keinen finden, der nahe genug am Ausgang lag. Ich stieß also tiefer ins Innere vor und fand, weit abgelegen von der lauteren Gesellschaft, im hintersten Teil des Lokals, einen freien Tisch, der förmlich meinen Namen zu flüstern schien. Zielstrebig lief ich auf diesen zu und ließ mich in den Platz sinken. Müde und vollkommen erschöpft von meiner Erkundungstour und der Reise, die vielleicht immer noch nicht vorbei war. Soviel Laufen war ich einfach nicht gewohnt und wenn ich ehrlich zu mir war, hatte ich mir die ein oder andere Blase aufgerieben. Allerdings vermied ich es darüber zu reden und versuchte den Schmerz zu ignorieren. Mit einigen Verbänden hatte ich immerhin dafür gesorgt, dass es mir bestmöglich gelang.
Es dauerte nicht lange, bis eine der freundlichen Kellnerinnen mich durstige Gestalt gefunden und meine Bestellung aufgenommen hatte. Diese bestand aus einem fruchtigen Tee, den sie mir als Empfehlung des Hauses angepriesen hatte und da ich ehrlich immer noch nicht wusste, was für Tees es in der Welt von Magi gab, hatte ich diesen auch bestellt. Fruchtig klang immer gut. Noch besser war es, solange er schmeckte.
Ich seufzte leise, als ich mich etwas weiter zurücklehnte und meine Augen einen Moment lang schloss. Bequem war es dennoch nicht, da immer noch der Stab an mich gebunden war und ich sein dickes Holz in meinen Rücken drücken spürte. Ich hätte ihn wahrscheinlich doch im Gasthaus lassen sollen, doch irgendwie hatte ich es nicht übers Herz gebracht, mich von ihm zu lösen. Seltsam, nachdem ich mich so dagegen gewehrt hatte, ihn zu nehmen.
„Entschuldigt.“
Schuldbewusst zuckte ich zusammen, als ich eine Stimme hinter mir vernahm. Wahrscheinlich hatte ich mich gerade jetzt zu sehr entspannt und damit einen anderen Gast verärgert. Sofort richtete ich mich wieder auf und drehte mich so, dass ich die Person hinter mir ansehen konnte.
Da saß sie, eine Frau mit Spitzhut, neben der, an die Wand gelehnt ein großer goldener Stab ruhte, von dem einige Ketten hingen, die ihm wohl etwas mehr Flair geben sollten. Um ihn herum schwirrten die Rukh, fast so, als wurden sie von diesem Stab angezogen. Selbst wenn sie das nicht getan hätten, ich hätte sofort gewusst, wer diese Frau war. Eine Magierin.
„Dürfte ich euch bitten, euch zu mir zu setzen? Man sieht nicht oft andere Magier in diesen Teilen der Welt und ich würde mich sehr über eure Gesellschaft freuen.“
Auch wenn das Licht in diesem Bereich des Teehauses sehr gedimmt war, konnte ich ein freundliches Lächeln auf ihrem Mondgesicht sehen. Ihre grasgrünen Augen strahlten dieselbe Wärme wie dieses Lächeln aus und zeugten davon, dass ihre Einladung ehrlich gemeint war.
Dennoch beäugte ich sie misstrauisch. Woher wollte sie bitte wissen, dass ich eine Magierin war? Mal davon abgesehen, dass ich immer noch, wenn auch wankend, davon überzeugt war, keine zu sein.
„Entschuldigen Sie, wenn ich das frage, aber was macht Sie so sicher, dass ich eine Magierin bin?“
Ich empfand meine Frage als sehr berechtigt. Und da meine Neugier bezüglich der kommenden Antwort gewachsen war, freute ich mich sehr über das perfekte Timing, welches mir meinen Tee just in diesen Moment servierte. Ich gab der Bedienung das Geld für den Tee und griff zu dem Becher, mit dem ich sofort den Platz zu der Magierin wechselte, die mich so freundlich um Gesellschaft gebeten hatte.
„Das wundert mich nun aber. Ihr tragt einen Magierstab bei euch und fragt einen anderen Magier woher er weiß, wer Ihr seid?“ Ihrer Stimme war deutlich die Verwunderung über meine Frage anzuhören und hätte ich auch nur etwas mehr über diese Welt gewusst, wäre mir klar gewesen wieso. Augenscheinlich sah man es einem Magierstab an, wenn er einzig dafür existierte, um Zauber in Form zu bringen. Immerhin hatte ich nun die Gewissheit, dass dieser Stab, den Panthea gefunden und mir gegeben hatte, wirklich das Eigentum eines Magiers gewesen war. Somit stand es nicht mehr zur Debatte, den Alexandrit zu verkaufen um vielleicht die Überfahrt nach Sindria zu gewährleisten.
„Ich... Das ist nicht mein Magierstab. Ein Mitglied meiner Karawane hat ihn zwischen Trümmern gefunden und ihn mir gegeben.“ Warum sollte ich diese Frau auch anlügen? Ich hatte nichts davon. Oder würde sie nun sauer auf mich sein?
„Dann seid Ihr keine Magierin?“, fragte sie, wobei sie etwas enttäuscht klang. Es tat mir leid, denn ich hatte ja nicht einmal versucht irgendwelche Erwartungen zu wecken. Ich schüttelte den Kopf und sah sie entschuldigend an.
„Nein... wobei... wenn ich ehrlich bin, weiß ich es nicht. Ich kann die Rukh sehen und habe einen Borg. Wenn ich mich recht entsinne, ist das hier ein Zeichen dafür, dass ich eine Magierin bin, oder?“
Man hörte mir meine Unsicherheit wahrscheinlich deutlich genug heraus. Fakt war schließlich, dass ich es einerseits ablehnte eine Magierin zu sein, es andererseits aber irgendwie hoffte.
„Das sind deutliche Anzeichen dafür, dass Ihr eine Magierin seid. Warum seid Ihr so unsicher?“
Erneut zeichnete sich dieses warme Lächeln auf den Lippen der Magierin ab. Ihre Erleichterung darüber, dass sie jemanden getroffen hatte, der eine potentielle Magierin war, schien sie zu erfreuen.
„Ich habe noch nie eine Zauber gewirkt. Wo ich herkomme, hatte ich den Borg auch nicht. Ich konnte dort auch nie Rukh sehen. Deswegen, bin ich unsicher. Wer wäre das nicht?“
Ich war vorsichtig geworden und hatte mich zur der Magierin vorgebeugt, als fürchtete ich, dass man uns belauschen könnte.
„Das klingt wirklich seltsam. Als Magier wird man mit diesen Fähigkeiten geboren. Vielleicht schlummerten sie bereits in Ihnen und es gab ein tragendes Ereignis, welches sie wachgerüttelt hat.“
Auch wenn ich diese Erklärung anzweifelte, ich meine ich kam schließlich aus einer anderen Welt, so klang sie für die Bedingungen hier doch sehr plausibel.
„Ein Ereignis, das sie wachgerüttelt hat. Ich erinnere mich an nicht viel von dem, was vor meiner Ankunft passiert ist. Nur an schwarze Flecken und einem Mann mit Kufiya und Dornenkrone...“ Wie gewohnt, ließ ich die Information, beinahe in einer Pfütze ertrunken zu sein, raus. Sie würde mich sonst noch ein Leben lang verfolgen, auch wenn sie das jetzt schon tat.
„Schwarze Flecken?“
Ich nickte auf ihre Frage, woraufhin sie mich genauer musterte, was mir ehrlich gestanden sehr unangenehm war. Ich hasste es angestarrt zu werden.
„Vielleicht... habt Ihr eine größere Anzahl schwarzer Rukh gesehen. Haben alle in eurer Heimat schwarze Rukh?“ Ihre ersten Worten klangen mehr so, als hätte sie diese an sich gewandt. Die Frage galt aber eindeutig mir und versetzte mich nun in Verwunderung.
„Schwarze Rukh?“
Dieses Mal war ich es die fragte und sie nickte. Ihr Blick sprach eine deutliche Sprache und mir schwante gerade nichts gutes. Ich fürchtete bereits die Antwort, die sie mir indirekt schon mit ihrer letzten Frage gegeben hatte.
„Ja, Euer Rukh ist schwarz. Wusstet Ihr das nicht?“
Schwarze Rukh... Natürlich wusste ich das nicht. Wie auch? Ich hatte nie mein eigenes Rukh gesehen, oder zumindest nie darauf geachtet. In mir verkrampfte sich alles und ein kalter Schauer lief mir über den Rücken. Schwarze Rukh waren kein gutes Zeichen und ich fragte mich, was es im Bezug auf mich bedeutete. Ich hasste mein Schicksal nicht, oder verleugnete es. Im Gegenteil, ich versuchte mich doch diesem bestmöglich anzupassen. Oder hatte ich schwarze Rukh, weil ich in meiner Unsicherheit entschieden hatte, dass ich keine Magierin war? Würde ich damit genauso durchdrehen wie Kassim oder alle anderen, deren Rukh sich schwarz gefärbt hatten?
„Das wusste Ihr also auch nicht?“
Ich schüttelte mit dem Kopf und umklammerte halt suchend meinen Becher mit heißen Tee. Schwarze Rukh... Vielleicht, weil ich aus einer anderen Welt kam? Würden alle aus meiner Welt schwarze Rukh haben? Nein... Das konnte es unmöglich sein. Warum verdammt noch mal schwarze Rukh!
„Eure Umstände sind wirklich sehr ungewöhnlich. Aber für den Moment sollte wichtiger sein, ob ihr gewillt seid, herauszufinden, ob ihr Magie nutzen könnt.“
Der Themenwechsel ging schnell und holte mich ins hier und jetzt zurück.
„Ich weiß es nicht... Vielleicht... eigentlich schon. Allerdings, was wenn sich herausstellt, dass ich vollkommen unfähig bin, Magie zu nutzen?“ Genau das war die Enttäuschung, die ich mir ersparen wollte. Wie oft hatte ich mir schon eingeredet etwas zu können, nur um dann durch irgendetwas auf den eisigen Boden der Tatsachen gezogen zu werden? Das sollte mir nie wieder passieren, weswegen ich mir alle Talente und positiven Eigenschaften absprach. Zu Versagen war einfach das größte Horrorszenario für mich.
„Ihr dürft nicht zweifeln. Wenn Ihr zweifelt, kommt Euer Begehren nicht klar und deutlich bei den Rukh an. Dann wird kein Zauber der Welt funktionieren. Ihr müsst klar fokussieren was Ihr erreichen wollt und müsst auch daran glauben, dass Ihr es erreicht.“
Immerhin dieses Prinzip war mir nicht unbekannt. Einst hatte man mir schon einmal gesagt, dass wir uns selbst einen Tag verderben konnten, wenn wir fest davon überzeugt waren, dass er schlecht werden würde. Wenn das auch bei der Magie der Fall war, hätte ich in meinen derzeitigen Zustand schon verloren.
„Ich empfehle Ihnen, die Magierschule in Magnostadt zu besuchen. Dort seid Ihr unter unsersgleichen und man hilft Euch auch bei Eurem Problem. Es ist immerhin das Paradies für Magier.“
Magnostadt. Erneut wurde mir dieser Ort empfohlen, um etwas über Magie zu lernen. Allerdings, war das der letzte Ort auf Erden, wo ich im Moment sein wollte.
„Danke, aber ich befürchte, wenn ich an mir zweifel, werden diese Zweifel in Magnostadt nur noch verstärkt. Deswegen, werde ich erst einmal meinen eigenen Weg finden und hin und wieder versuchen Magie zu wirken.“
Ich hob meinen Becher Tee an und trank einen Schluck aus diesem. Der Tee war wirklich gut, doch der bittere Beigeschmack dieses Gespräches löste sich nicht von meiner Zunge.

Ich wusste nicht, ob ich erleichtert sein sollte, als die Magierin zu ihrer Herberge aufbrach. Das ganze Gespräch lag mir eher weniger positiv im Magen und begrüßte die frische Luft des Abends, der angebrochen war. Ich seufzte leise, denn wirklich weiter hatte dieses Gespräch mir nicht geholfen. Ich hatte lediglich neue schockierende Nachrichten erfahren und wusste nun, dass ich besser nicht an mir zweifelte, wenn ich zaubern wollte. Sicher würde ich in der Nacht nicht gut schlafen. Schwarze Rukh...
Erneut erhob sich dieser Gedanke und wischte alle andere Sorgen von dannen. Was wusste ich gleich nochmal über jene, die schwarze Rukh hatten? Sie waren verdorben oder so. Mein Englisch war nun nicht das beste gewesen, aber eines wusste ich, jene mit schwarzen Rukh waren einem schrecklichen Umstand begegnet, der sie dazu brachte, dem Fluss der Rukh, oder eher das Schicksal, anzuzweifeln. Man konnte es vielleicht mit dem Wunsch der Menschen aus Persona 3 vergleichen. Dort beschworen die Menschen, die sich das Ende herbeisehnten immerhin Nyx, die das Ende der Welt bringen konnte. Aber warum hatte ich schwarzes Rukh. Welches Ende sehnte ich mir unbewusst herbei? Gut, in meiner Welt hatte ich viel gejammert, über meinen Job, darüber, dass ich Single war, dass ich mich einsam fühlte, dass ich es nicht gebacken bekam, meine Wünsche in Angriff zu nehmen... Ja ich hatte über viel gemeckert, aber berechtigte das schon schwarzes Rukh?
„Verdammte Scheune...“, nuschelte ich und schüttelte den Kopf. Warum schwarzes Rukh? Warum war ich hier? In einer Welt, die mich nicht brauchte, um zu leben und genauso gut meine Wenigkeit brauchte um unterzugehen. Dafür gab es sicher bessere Kandidaten. Warum war ich hier?
Langsam setzte ich mich in Bewegung. Der Gasthof war nicht weit und dort hatte ich sicher genug Ruhe, um über diese Fragen nachzudenken, auch wenn ich bezweifelte, dass ich Antworten fand. War ich vielleicht eine der Bösen? Der Typ aus Balbadd hatte auch schwarzes Rukh... Soweit meine Erinnerungen mich nicht trogen, hatten die Oberbösen alle schwarzes Rukh. War ich nur eines ihrer Spielzeuge? Wobei, würden sie mich nicht suchen, wenn sie mich hergeholt hätten? Nein, das war zu weit hergeholt. Oder... wäre ich wirklich ein Antagonist? Verdammt, ich wollte immer gerne eher die Heldin sein. Noch dazu...
'Vitamin B kannst du nun vergessen. Wenn Yamraiha dein schwarzes Rukh sieht, bist du Staatsfeind Nummer Eins.'
'Und wenn wir es einfach erklären? Sinbad ist nun nicht der Typ, der einen einfach so vorverurteilt. Er hätte selbst Judar die Hand gereicht.'
Ich hob meine Hand und rieb mir die Schläfen. Langsam wurde diese Geschichte immer komplizierter.
'Ich brauche Schlaf. Ganz dringend. Im Gasthof lege ich mich sofort hin und schlafe. Vorausgesetzt, dass mich dieses seltsame Licht nicht wach hält.'
Ich hielt inne, als mir bewusst wurde, was ich da dachte. Seltsames Licht? Ich sah auf und wurde mir des Lichtes, welches mich vielleicht wach halten würde, bewusster.
Wie sollte ich es beschreiben. Es war nicht natürlich. Also, es war nicht das Licht des Mondes, der am Himmel leuchtete und auch kein Feuerschein. Es war irgendetwas anderes, das aus Richtung des Hafens schimmerte. Die Häuser verdeckten aber die Sicht zum Hafen. Es war lediglich eine Mutmaßung, oder viel eher, ein Gefühl, dass dieses Leuchten vom Hafen kam.


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Und fertsch ist Kapitel 15. Wieder ein massiger Brocken und irgendwie wieder viele Informationen. Ich meine neuer Gefährte, schwarzes Rukh... Soviele Neuigkeiten.

Ob Cassius Recht behält und der Brief bei Assad und den anderen ankommt? Was ist das für ein Leuchten? Kommt das vom Leuchtturm?
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