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Im Zeichen des Rukh

von Erenya
GeschichteAbenteuer, Fantasy / P12 / Gen
Aladdin Alibaba Saluja Judar Morgiana OC (Own Character) Sinbad
27.05.2015
01.01.2017
26
219.342
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02.07.2015 10.552
 
Auch wenn die Müdigkeit mich fest in ihrem Griff hatte, wurde ich die ganze Nacht von Albträumen geplagt. Ich hatte wohl zu viel darüber nachgedacht, ob ich offensiv werden konnte, wenn es sein musste, oder nicht. In meinen Träumen kämpfte ich gegen Schattengestalten, die immer wieder die Gesichter von Personen aus meiner Welt annahmen, oder jene von den Personen, die mir hier so eine große Stütze gewesen waren. Dementsprechend war ich froh darüber, als Iunia mich weckte und ich diesen grausigen Träumen endlich entfliehen konnte. Wobei ich ihnen nicht vollständig entfloh. Varius' Worte hatten sich in meine Erinnerungen gebrannt und hallten mit der grausiger Gewissheit, dass sie wahr waren, in meinen Gedanken wieder.
Wie schafften es die Anderen nur, ihre Leben mit einer Waffe zu verteidigen, bereit zu sein ein anderes Leben auszulöschen? Lag es wirklich nur daran, dass ich in meiner Welt solche Arten von Schlachten nicht zu schlagen hatte? Ich meine, es gab auch in meiner Heimat Kämpfe auszufechten, allerdings nicht auf dem Schlachtfeld sondern auf anderen Ebenen. Und selbst da verlor ich ausnahmslos, wahrscheinlich weil es mir an Offensive fehlte. Ich musste an all die Kunden zurückdenken, die mich gesprächstechnisch richtig aus der Bahn geworfen und in die Knie gezwungen hatten.
„Erenya?“
Ich schrak zusammen, als Iunia neben mir mich ansprach und mich mit einem sorgenvollen Blick bedachte.
„Wie?“, fragte ich, da ich das Gefühl hatte, irgendetwas verpasst zu haben. Wahrscheinlich hatte sie schon länger mit mir gesprochen, aber keine Reaktion von mir erhalten. Nicht verwunderlich also, wenn sie dann einmal nachhakte.
„Ich fragte, ob deine Schulter schmerzt.“
Meine Schulter? Ach ja, die hatte ich in der Grübelei ebenfalls ganz vergessen. Den Abend zuvor hatte ich mir immerhin noch Mühe gegeben, sie nicht feucht werden zu lassen, damit sie nicht wieder aufbrach. So viele Arztbesuche brauchte ich in meinem Leben eben nicht.
„Nein. Der Schulter geht gut. Ich glaube, sie wird gut verheilen und mehr als eine Narbe bleibt mir dann nicht mehr.“ Ich lächelte Iunia an, denn es war sowieso schon peinlich genug, dass sie von dieser Verletzung wusste. Sie hätte lange genug geheim bleiben sollen, aber nein, die Schnüffler der Gruppe hatten es ja gerochen.
Wie überhaupt? Was hatte Varius mit guten Veranlagungen gemeint? So ein feines Näschen war doch abnormal.
„Dann beschäftigt dich also etwas anderes.“
Genauso abnormal wie Iunias scharfe Kombinationsgabe. War hier eigentlich jeder in irgendetwas super spitze, außer mir? Deprimierend. Wobei, nein, vielleicht war es nur deprimierend, weil ich gerade nicht wusste, wohin mit mir selbst.
„Mich? Nein, nein. Mach dir keine Sorgen. Ich bin nur kein Morgenmensch.“ Immerhin das war keine Lüge, auch wenn sie in diesem Moment nicht der Wahrheit entsprach. Dennoch schien Iunia das zu verstehen und versuchte gar nicht erst, dieses Thema weiter mit mir zu besprechen. Ich konnte also wieder für mich sein, mit meinen Gedanken und der Frage, wie ich mein Problem im Notfall lösen konnte.

Das wir recht früh am Morgen loszogen, hatte auch etwas Gutes. Ich hatte während des Frühstücks, von dem ich nicht viel gegessen hatte, und während des Anspannens der Pferde genug Zeit, um über einige Dinge nachzudenken. Oder viel mehr, um über mein Hauptproblem zu grübeln. Selbst als ich beide Pferde neben mir führte und meine Hände aufgrund des Leders schmerzten, konnte ich nicht an diesen denken, da meine Gedanken nur auf dieses eine Hauptproblem fokussiert waren.
Würde ich töten können? Wollte ich den Borg nutzen? Was wollte ich in Sindria? Konnte ich stark genug werden, um nach Balbadd zurückzukehren? Warum war ich eigentlich hier?
So viele Fragen waren mit einem Schlag aufgetaucht. Mit jedem weiteren Zweifel, der sich in meinen Gedanken und meinem Inneren erhob. Ich nutzte die Reise bis zur Mittagspause, um meine Gedanken zu ordnen, um zu wissen, wohin ich eigentlich mit mir selbst wollte.
Ich wusste, dass ich unbedingt nach Balbadd zurück wollte. Nach Sindria würde die spätere Rückkehr nach Balbadd wohl mein nächstes Ziel sein. Das Ziel, wofür ich in Sindria arbeiten und lernen wollte. Nur, wie wollte ich das erreichen? Man hätte nun meinen können, ich zöge in Erwägung, Sindbad aufzusuchen. Mit seinen Generälen hätte ich genug Optionen gehabt, aber, das war nicht, was ich wollte. Ich wollte alleine stark werden, ohne Vitamin B. Wenn ich hier länger blieb, musste ich auch lernen, ohne die Hilfe anderer auszukommen und vielleicht sogar eine Hilfe für die Anderen zu werden. Am Besten, ohne das Raum-Zeit-Kontinuum hier zu zerstören. Mein Eingreifen im Kampf gegen Kassim hatte schließlich beinahe für Kouhas Ableben gesorgt, hätte ich Kassim nicht auf mich fokussiert.
Gerade deswegen musste ich vorsichtiger werden, mehr über diese Welt lernen, über Ereignisse, die in dem Fandom weder im Anime noch im Manga thematisiert worden waren.
'Bloß nicht zu weit denken, einen Schritt nach dem anderen. Du hast gerade andere Probleme.'
Ich seufzte, als meine Vernunft mich ermahnte, schon einen Blick in die Zukunft zu wagen. Die Zukunft war genauso verschwommen wie meine Erinnerungen an den Tag, an dem ich hier gelandet war. Einen Schritt nach dem anderen also.
Demnach musste ich eine Möglichkeit finden zu kämpfen. Ohne Rücksicht auf Verluste, ohne Blockade, so wie es wohl jeder hier auf seine Weise konnte. Ich musste mir bewusst werden, dass dies hier hoffentlich nur temporär meine Welt war.
„Vergessen was ich kann und was ich nicht kann... Meine Welt vergessen... Mich selbst vergessen...“, flüsterte ich mir leise zu und sah gen Himmel. Vielleicht, musste ich mich selbst aufgeben. Mein altes Ich aus meiner Heimat komplett zerstören um etwas Neues zu erschaffen. Um jemand anderes zu sein. Um jemand zu werden, der offensiv werden konnte. Aber... wollte ich das wirklich? Oder viel mehr: Konnte ich das? Einfach aufhören, Ich zu sein, mich neu erfinden, mich komplett neu aufbauen?
„Albern... ich schreibe zwar, aber das ist eine andere Dimension...“
Nicht das ich es für unmöglich hielt, im Gegenteil, ich mutete mir ein gewisses Maß ans schauspielerischen Talent zu, aber es bliebe immer noch eine Maskerade, keine entwickelte Persönlichkeit mit einer Geschichte, die diese Person geprägt hatte. Es bliebe eine real gewordene Fiktion.

Gegen Mittag legte die Karawane eine Pause ein. Anders als aber die Tage zuvor, fand diese Pause nicht in einer Karawanserei statt. Scheinbar hatten wir noch nicht genug Strecke zurückgelegt, um die nächste auf unserem Weg zu haben. Wie viele Kilometer wohl zwischen jeder Einzelnen lagen? Ich wusste es nicht, im Augenblick war es aber auch egal.
Nachdem ich meinen beiden treuen Begleitern etwas Wasser gegönnt hatte, immerhin liefen sie, wie ich, bei diesen unmöglichen Temperaturen herum, gesellte ich mich zu der Gruppe. Das Geschwätz war aufgeregt, doch ich hielt mich großteils aus den Gesprächen heraus. Um genau zu sein, nahm ich ihre Stimmen nicht einmal wahr, sondern war mehr mit meinen eigenen Problemen beschäftigt.
Erst als Tiberius mich vorsichtig mit dem Ellenbogen berührte, bemerkte ich, dass man augenscheinlich mit mir gesprochen hatte und ich erneut nichts davon mitbekommen hatte.
„Ja?“, fragte ich und sah fragend in die Runde, die mich argwöhnisch ansah.
„Du musst nur sagen, wenn du uns keine Geschichte erzählen magst...“, antwortete Hinata gereizt und sofort wurde mir klar, dass man wohl gerne eine Geschichte während der kurzen Pause gehört hätte. Ich war vollkommen überrumpelt davon und spontan kam mir auch keine in den Sinn. Mein Kopf war wie leergefegt.
„Ich weiß keine mehr...“, log ich daher und sah die Gruppe an, wobei Hinata nur seufzend den Kopf schüttelte.
„Als Geschichtenerzählerin solltest du aber genug kennen. Sonst kannst du deine Zuhörer nicht mehr zufriedenstellen.“ Der Vorwurf von Hinata war schon berechtigt, aber es war ja nicht so, dass mir die Ideen oder eher die Geschichten ausgegangen waren. Viel mehr fehlte mir aktuelle die Motivation auch nur eine Idee oder den Nerv für eine zu haben.
„Sie kann allerdings auch keine Neuen lernen, wenn sie immer nur erzählt und dann am Tag ihre Aufgaben erzählt. Tacita, erzähl du doch ein paar von deinen. Vielleicht kann Erenya sie ja weiter erzählen. Dann werden die Mythen Reims weltberühmt.“
Panthea war wirklich niedlich, wie sie mich verteidigte und ich konnte nicht anders als lächeln. Recht hatte sie. Ich konnte nichts lernen, wenn ich immer nur erzählte. Wobei, das, was ich hier gelernt hatte, war schon eine Menge. Ich wusste nun, wie man ein Pferd vor dem Karren spannte. In meiner Welt wäre ich diesen riesigen Tieren nicht einmal einen Meter nahe gekommen. Doch mit jedem Tag verlor ich die Scheu vor den Tieren mehr, ich zog zwar hin und wieder die Gurte immer noch zu schwach, aber dank Nel und den Anderen war selbst dies ein Problem, welches sich bald erledigen würde, sobald es zur Routine wurde und ich endlich verstand, wie fest denn diese verdammten Dinger gehörten.
In Balbadd hatte ich auch gelernt, wie man einen lebenden Fisch köpfte und das in kürzester Zeit. Es war alles eine Frage der Gewohnheit. Mit Sicherheit würde in Zukunft auch noch einiges mehr in meinen Plan gehören, woran ich mich gewöhnte, bis vielleicht auf... Da war er wieder dieser Gedanke, der wie das Beil eines Schafotts über meinem Kopf schwebte und drohte mir alles zu nehmen. Ich musste mich vielleicht wirklich nur daran gewöhnen. Aber dafür musste ich mich darauf einlassen. Allerdings... wenn ich zurück in meine Welt kam, müsste ich das wieder abschalten und genau das wäre auch ein Problem. Bei allem, was ich lernte, musste ich wirklich aufpassen. Außer ich bekam irgendwann die Gewissheit, dass der Weg zurück mir für immer versperrt blieb. Daran dachte ich am Besten aber gar nicht erst.
Erneut spürte ich eine Berührung von Tiberius. Sofort war ich wieder aus meinen Gedanken raus. Stattdessen nahm ich klar und deutlich die Stimme Tacitas wahr.
„Der Magier schenkte Gajus eine magische Tibia. Immer, wenn der junge Mann diese spielte, verzauberte er Mensch und Tier in seiner Nähe. So gewann er auch das Herz der jungen Livia. Da Gajus die Worte fehlten, vermittelte er seine Gefühle mit der magischen Tibia. Sie fanden so zueinander, doch das Glück währte nicht lange. Als das kleine Dorf von Gajus angegriffen und seine Livia entführt wurde, verfolgte Gajus die Räuber und fand sie schließlich in einem Wald. Dort ließ er seine Tibia erklingen, welche sofort die Räuber in seinen Bann schlug. Er forderte seine Livia zurück, doch der Räuberhauptmann war selbst im verzauberten Zustand nicht dumm. Er gewährte Gajus diesen Wunsch, forderte aber, dass er sich bis zur Rückkehr in sein Dorf kein einziges Mal umdrehen dürfe.“
Ich lauschte der Geschichte Tacitas und war doch sehr verwundert, denn es klang wie die reimische Version von Orpheus, nur ohne Unterwelt und Hades. Vielleicht gab es hier keine Götter, dann wäre es nur logisch gewesen, dass diese Versionen anders klangen. Dennoch waren sie nicht minder spannend, denn in dieser ungöttlichen, nur an die Regeln dieser Welt gebundenen Erzählung, hatten sie eine vollkommen neue Richtung eingenommen. So hatte Gajus zum Beispiel zwar jemanden an der Hand geführt und geglaubt, es sei seine Livia gewesen, doch letzten Endes war es nur ein Räuber gewesen, der Gajus schließlich enthauptete und ihm die magische Tibia stahl. Brutal aber wesentlich realistischer, als was die Griechen über Orpheus erzählten. Zumal dessen Ende auch nicht gerade blumig gewesen war.
Irgendwie war das seltsam. Wie konnte es solche Parallelen geben? War das Magi-Fandom etwa doch real und meine Welt ebenfalls von Solomon geschaffen? Dann hätte ich zumindest eine Erklärung gefunden, warum ich nun hier war. Wahrscheinlich war die verdammte Pfütze ein Portal gewesen. Dann war ich also doch nicht beinahe darin ertrunken, sondern auf die andere Seite gezogen worden. So wie das Sternentor aus Stargate. Das sah auch aus, wie eine aufrecht stehende Pfütze.

Ich hatte wirklich mit größtem Interesse den Geschichten Tacitas gelauscht. Schade war es nur, als wir wieder aufbrachen, um an diesem Tag doch noch die ein oder andere Entfernung zurückzulegen. Erneut war ich wieder für mich, oder viel mehr mit meinen Gedanken. Diese vermischten sich allerdings mit den Geschichten Tacitas. Wenn ich so ein Musikinstrument hatte, das vielleicht Menschen manipulieren konnte, dann musste ich gar nicht töten. Oder was, wenn ich vielleicht eine Magierin des Typs Klangmagie war? Konnte ich dann so etwas auch ohne Hilfsmittel erreichen, wenn ich nur die richtigen Zauber lernte? In gewisser Weise wäre das schon cool gewesen. Allerdings... 'Wir haben uns dagegen entschieden eine Magierin zu sein. Wir haben keinen Zauberstab und kennen keinen einzigen Zauberspruch, demnach nichts Magierin. Borg und die Rukh sind einfach nur ein Glücksgriff, ein Versehen oder wie auch immer man das nennen mag.'
Magie fiel also sowieso schon einmal flach. Ich brauchte also eine andere Möglichkeit. Und den Borg sollte ich nicht einfach mal so offenbaren. Ergo blieben mir nur die körperlichen Mittel. Wo wir wieder bei dem verdammten Thema des Tages waren.
'Alleine wirst du auf keine Lösung kommen. Wenn deine Freunde aus deiner Welt irgendwie kontaktierbar wären, hättest du sie fragen können. Oder die Mädels aus dem Freudenhaus... Vielleicht solltest du jemanden von der Karawane fragen. Du hast die freie Wahl.'
Freie Wahl, mein Kopf hatte gut reden. Er musste ja nicht fragen. Noch dazu war die Frage, „Wen?“ ebenso da? Vielleicht Chen oder Hinata. Beide waren immerhin laut ihres Herren ausgebildet zu kämpfen. Wer, wenn nicht sie, konnte mir dann wirklich helfen? Na gut Tiberius und Varius vielleicht, allerdings nach dem Training vom Vortag, war es irgendwie blöd zu fragen, was ich vielleicht tun konnte. Und an sich wollte ich auch nicht, dass auch nur irgendjemand aus der Gruppe, abgesehen von den Wächtern, wusste, dass ich keinerlei Ahnung davon hatte, wie man sich in dieser Welt verteidigte.
'Du machst es dir wirklich nicht einfach, huh?'
„Halt die Klappe...“, nuschelte ich, als wäre es genau die Parole die ich brauchte, um die spöttischen Worte meines Kopfes zu blockieren oder abzustellen.
'Spring einfach über deinen Schatten und frag Varius. Er wird dir schon nicht den Kopf abreißen. Ehrlich, alleine kommen wir eh nicht auf einen grünen Zweig...', murrte die Stimme meines Verstandes und ließ mich meine Augen verdrehen. Wirklich, manchmal war dieses Hirn mit seiner Logik und dem ganzen Müll einfach nervig.
„Ich kann mich aber nicht immer auf andere verlassen...“, wisperte ich leise und schüttelte den Kopf. Ehrlich, ich wollte Varius nicht schon wieder um etwas bitten oder nach etwas fragen. Vor allem nicht nach seiner eindeutigen Ansage vom Vortag.
'Dein Stolz bringt dich noch um...'
„Dann ist es halt so.“
Damit war Sense. Mein Kopf gab mir nicht mehr die Möglichkeit zu denken und ich wollte auch gar nicht mehr, denn in Anbetracht der Tatsache, dass die Sonne auf uns niederknallte, war es einfach zu heiß. Nicht das mir noch eine Sicherung durchbrannte oder dergleichen. Das war besser zu vermeiden.
„Dann ist halt was so?“
Das hatte mir wirklich noch gefehlt. Tiberius. Wann war der eigentlich so mittig zu mir gekommen?
„Dass ich nicht immer eine Geschichte parat habe“, log ich schnell, denn immer noch war Tiberius einer der Letzten, die herausfinden sollten, was in mir vorging. Kurz keimte die Frage in mir auf, ob das überhaupt einer herausfinden sollte. Die Menschen hier waren solche Dinge, die für mich schon schlimme Probleme waren, gewohnt.
„Nimm dir nicht zu sehr zu Herzen, was Hinata gesagt hat. Wir sind dir alle gerne behilflich, wenn es darum geht, neue Geschichten auszugraben. Ich schwöre dir, du musst dir welche von Varius anhören. Oder Pantheas und Nels. Ich garantiere dir, da bleibt kein Auge trocken.“
Das bei Nel und Panthea sicher kein Auge trocken blieb, konnte ich mir vorstellen. Schon allein weil Panthea ein sehr dreckiges Mundwerk besaß, welches sie auch in keinster Weise geheim hielt. Nel schien zwar der ruhiger von Beiden zu sein, aber wie hieß es? Stille Wasser sind tief.
„Du sag mal, Tiberius... Ich bin heute nicht ganz bei Sinnen, oder so. In welche Richtung sind wir eigentlich losgezogen?“
Stimmt, auf einmal kam es mir in den Sinn. Ich hatte gar nicht darauf geachtet, in welche Richtung wir losgezogen waren. Selbst wenn ich wohl mitbekommen hätte, ich hätte es auch nicht gewusst wo Norden oder Osten war.
„Osten, die Küste entlang. So wie die Hauptstraße eben verläuft. Deswegen bildet Cassius die Vorhut und Varius die Nachhut. Ist momentan nicht gerade der sicherste Weg, habe ich gehört. Gefällt dem Dicken aus Balbadd so gar nicht.“
Mein Herz begann wild zu schlagen, kaum dass ich diese Worte hörte. Cassius hatte also Wort gehalten. Wir hatten wirklich die von ihm vorgeschlagene Route gewählt. Jene, die über diese andere Stadt namens Bitroun, da wo ich nachfragen konnte, ob nicht ein Schiff von dort nach Sindria fuhr, führte. Natürlich war klar, dass dem Händler aus Balbadd das nicht gefiel und er mich wahrscheinlich auf mein Versprechen festnageln würde, aber wer garantierte schon, dass wir wirklich überfallen werden würden? Bloß nicht den Teufel an die Wand malen. Noch dazu hatte ich in Balbadd genug Schlachten gesehen. (Es war nur eine, aber mal ehrlich, die war schon zu viel, meine Schulter bezeugte das.)
„Du kannst mit viel Glück also unser Training noch anwenden. Wenn du noch etwas üben willst, kannst du jederzeit wieder auf Varius und mich zukommen. Wir machen dich noch fit.“
Ein breites Grinsen lag auf Tiberius Lippen. Mit Sicherheit würde er mir gerne noch dutzende Male sagen, dass ich durch seine Hand gestorben wäre. Bei fünf Mal hatte ich am Vortag aufgehört zu zählen und irgendwie schien es ihm einen Heidenspaß zu machen.
„Klar, so fit wie einen Regenwurm. Nervt es dich nicht, dass du immer abbrechen musst? Ich meine, mit mir bekommst du keinen richtigen Übungskampf.“
Es war schon verwunderlich, dass Tiberius scheinbar wirklich Spaß an dem Ganzen hatte, auch wenn die Kampfsequenzen zwischen uns eher aus zwei Schritten oder zwei Blocks bestanden.
„Nun, für die Arena bist du kein Material und du solltest dich von Schlachtfeldern fernhalten. Die Offensive ist nicht gerade deine Stärke. Aber vielleicht irren wir uns auch. Versteh mich nicht falsch, du bist vielleicht wirklich ein ganz liebes Mädchen, aber jeder hat mehr als ein Gesicht. Nimm Varius, wenn der in ein Getümmel gerät, solltest du bloß nicht in seine Nähe kommen. Er hat seinen Spaß an so etwas. Oder Iunia, ich schwöre dir, sie hat nen Magen, der selbst meinen mies aussehen lässt. Die kann dir gruselige Geschichten über eklige Krankheiten und so ein Zeug erzählen. Hat sie alles schon gesehen. Selbst der Gebildete ist in Wahrheit ein Dämon. Ich hab aus versehen mal eine seiner teuren Schriftrollen zerfetzt. Du kannst mir glauben, dass war das letzte Mal, das ich das getan habe.“
Ich musste herzhaft lachen, als mir Tiberius das erzählte. Gerade von Cassius' Hauslehrer konnte ich mir das nicht vorstellen, aber vielleicht triggerte eine zerstörte Schriftrolle den Blutrausch zur Genüge.
„Wir müssen nur sehen, was bei dir diese Hemmung fallen lässt. Vielleicht fällt dir was ein. Und wenn es soweit ist, stellst du dir vor, dein Gegner hätte das gemacht, und dann wirst du uns alle überraschen.“
Auch wenn Tiberius Worte einer einfachen Logik entsprachen, hatte er wohl Recht. Es gab vieles, worauf der Mensch reagieren konnte. Manche fingen bei bestimmten Liedern zu weinen an, andere wurden melancholisch wenn sie ein bestimmtes Gericht aßen, weil es sie an etwas erinnerte, und so weiter.
„Dann gibt es so etwas bei mir nicht. Ich hab das letzte Mal jemanden verletzt, da war ich um die 16 Jahre und das liegt nun ganze elf Jahre zurück.“
Ein kurzer, entsetzter Blick Tiberius zeigte mir, dass mein Spiegelbild auch hier log und ich wohl, wie in meiner Welt, jünger aussah, als ich war. Wie gut, dass ich hier dank fehlender Jugendschutzgesetze trotzdem in einem Bordell arbeiten, Wein oder Waffen kaufen oder mit einem Halbstarken auf Reisen gehen durfte. Magi machte es möglich.
„Guck nicht so... Jedenfalls, ich habe nichts, was mich irgendwie so aus der Fassung bringen könnte. Nicht einmal in meiner Heimat. Das hab ich mir abgewöhnt. Wenn ich Frust habe, lass ich den eher mit Worten aus, aber nicht mit Fäusten. Sonst hätte ich sicher schon genügend Leichen im Keller.“
In der Tat, wenn ich austickte dann wirklich nur verbal. Dann hörte ich auf zu denken und spielte Kleinkind, das seinen Willen nicht bekam. Noch so eine Seite an mir, die ich hasste, vor allem weil sie peinlich war. Dank meines Jobs arbeitete ich aber auch daran und hoffte, dass dies nicht länger ein Problem sein würde.
„Du explodierst wirklich nie und hast den Drang alles kurz und klein zu schlagen?“, fragte Tiberius verwundert nach. Den Drang hatte ich schon, ich tat es dank meiner guten Kinderstube nur nicht.
„Da bist du gut 20 Jahre zu spät, Tiberius. Als Kind habe ich meine Sachen immer umher geworfen, wenn mir etwas nicht passte. Aber mit wachsenden Alter hab ich das abgeschafft. Tut mir Leid. Es wird bei mir also nichts geben, was mich zu einem Biest macht. Aber ich danke dir für deine Hilfe.“
Auch wenn Tiberius mir nicht wirklich geholfen hatte, so war es doch erleichternd, mit meinen Überlegungen und meiner innerlichen Verzweiflung nicht ganz alleine dazustehen.
„Selbst wenn es nur zeitlich begrenzt ist, bist du ein Teil dieser Reisegruppe. Hier hilft jeder jedem. Du musst also nicht für dich alleine grübeln.“
Auch wenn es nur zeitlich begrenzt war... Irgendwie hatte dieser Satz schon jetzt etwas, dass mir sagte, dass der nächste Abschied alles andere als leicht fallen würde. Auch wenn ich solange ein Teil der Reisegruppe war, ich hatte mich emotional schon jetzt wieder viel zu sehr auf diese ganzen Menschen eingelassen. Mit einem Schlag wurde mir das bewusst. Wahrscheinlich musste ich nicht nur lernen, wie man ohne mit der Wimper zu zucken offensiv einen Schlag setzte, sondern auch, wie ich Distanz zu Personen wahrte. Die Frage war nur, wollte ich das?
„Von wegen zeitlich begrenzt. In meiner Heimat gibt es ein Sprichwort das sagt, man sieht sich immer zweimal im Leben. Wer weiß, vielleicht reise ich irgendwann wieder mit euch. Noch dazu ist diese Reise ja nicht vorbei, also warum schon an das Ende denken?“
Schritt für Schritt. Genauso wie es mein Verstand gesagt hatte. Wer wusste schon, ob ich diese Reise überhaupt überlebte. Ich hatte zwar immer noch den Borg in der Hinterhand, aber ich wollte mir gar nicht ausmalen, was passierte, wenn der Druck durch Schwerthiebe zu groß wurde und dieser dann wie Glas zersprang. Er durfte damit nur Plan B sein, eine kleine Rückversicherung, nicht aber alles, worauf ich mich verließ.

Ich fühlte mich schon dezent veralbert, als wir an diesem Tag wieder bei einer Karawanserei rasteten. Drei Tage in Folge waren wir auf so ein Ding gestoßen. Wahrscheinlich hätte ich mich doch einmal darüber informieren sollen, in welchen Abständen diese Unterkünfte voneinander entfernt standen. Mehr entsetzte es mich aber, dass die Sonne allmählich unterging und es wieder ganz danach aussah, dass wir auch an diesem Tag hier übernachten sollten. War das nun Cassius' Zugeständnis an den balbaddischen Händler? Oder wollte er einfach nicht das Risiko eingehen, dass uns Räuber im Freien überraschen konnten? Mit Sicherheit freute sich der balbaddische Händler diebisch darüber. Zumindest war ich mir da sicher. Meine Sicherheit wurde aber enttäuscht, als er an mir vorbei lief und mit einem wutverzerrten Blick zu Cassius sah, der sich mit dem Händler aus Kou unterhielt. So ganz war die Atmosphäre also doch noch nicht aufgelockert und wahrscheinlich mussten wir noch etwas länger mit der Griesgrämigkeit dieses Mannes leben. Vielleicht sollte der Händler aus Kou ihn mit zu den leichtbekleideten Damen nehmen. Gerüchten zufolge half körperliche Ertüchtigung bei der Entspannung. Wobei, welche Frau wollte so einen schrecklichen Mann schon anpacken? Bei dem Gedanken alleine schüttelte es mich.
„Stellt die Pferde und Kamele unter und sichert die Wagen. Erholt euch zur Genüge, wir brechen morgen wieder früh auf.“
Nachdem Cassius scheinbar alles nötige mit dem Händler aus Kou besprochen hatte, ohne den balbaddischen Mann einzuweihen, gab er klare Anweisungen für das, was er nun erwartete. Oder viel mehr gab er das Zeichen, dass dies unser heutiges Nachtlager sein würde, etwas das mir bewusst gewesen war, kaum dass wir an den Wachen vorbeigezogen waren. Einzig, dass es wohl zum Abendessen heute keinen geschmacklosen Brei gab, erweckte in mir einen Hauch Begeisterung. Wenn man es recht bedachte, war ich aufgrund meiner Grübelei an diesem Tag nicht sonderlich hungrig gewesen. Ein gutes Abendessen war mir da sehr willkommen. Oder die Teestube. Sie klang auch sehr verführerisch. Sindbads erster Band, ein fruchtiger Tee, vielleicht brachte mich das ja auf andere Gedanken oder zu einer Lösung des noch immer bestehenden Problems. Wenn das nicht half, dann vielleicht ein Bad, ganz spät am Abend, alleine. Hoffentlich ohne Cassius auf der anderen Seite.
In Gedanken schon beim schönen Teil des Abends, spannte ich die Pferde von den Karren und führte sie zu ihren Unterkünften. Wie gewohnt waren wir nicht die einzige Karawane, die sich hier niederließ. Auch andere schienen diese als Idee sehr angenehm zu empfinden.
„Ich sage dir... sie sollen übernatürliche Fähigkeiten haben... Vielleicht sind Magier unter ihnen...“, berichtete einer der Männer, der gerade ein schwarzes Pferd bürstete. Kein Wunder, dass ihre Felle so glänzten. Cassius' Pferden hätte das sicher auch gut getan.
„Magier? Die spinnen doch. Wie sollten sich Räuber einen Magier ranschaffen?“, fragte der andere, der Futter in die Eimer vor den schwarzen Pferden schüttelte.
„Das mag stimmen, aber wie willst du dir erklären, was der Freund meines Vaters gesehen hat?“
„Sicher das er nicht betrunken war?“
„Ich sage dir, der war so trocken wie eine kandierte Dattel.“
Auch wenn ich versuchte, diesem Gespräch nicht zu lauschen, gelang es mir nicht. Als das Wort Räuber fiel, war meine Aufmerksamkeit geweckt. Magier unter Räubern? Eher unmöglich, oder? Aber was konnten dann im Magi-Fandom übernatürliche Fähigkeiten sein? Magische Utensilien vielleicht? Hatte Magnostadt vielleicht schon begonnen diese Gegenstände zu verteilen?
Dem Gespräch weiter folgend, griff ich zu einer Bürste, die für die Gäste hier bereit lag, damit diese ihre Pferde vernünftig versorgen konnten. Das Futter hatte ich ihnen bereits gereicht und somit gab es nichts zu tun. Doch ich wollte mehr erfahren.
„Aber er konnte nicht sagen, was diese übernatürlichen Fähigkeiten waren, also würde ich da nicht einen Huang drauf geben. Wenn er nicht betrunken war, hat er sicher nur geträumt.“
Ich war dankbar darüber, dass meine beiden Reisebegleiter so ruhig blieben und die Schönheitskur über sich ergehen ließen, damit ich weiter lauschen konnte. Allerdings erfuhr ich nicht mehr in dieser Diskussion, sodass diese Verzögerung meiner Pläne sich als fast vollständige Zeitverschwendung entpuppt hatte. Dennoch bürstet ich beide Pferde fertig und war fast schon stolz darüber, wie ihre Felle glänzten.
„Immerhin das hat sich gelohnt. Macht mir bloß nicht die Hengste hier verrückt, ihr beiden.“
Sanft gab ich beiden einen Klaps auf die Seite und strich noch einmal über das weiche Fell. Ja das Bürsten hatte sich definitiv gelohnt.
„Die Hengste? Eher die Stuten, Mädchen.“
Ein Lachen war hinter mir erklungen und ich wandte mich um, zu einem Mann, dessen Kleidungsstil schon sehr dem des balbaddischen Volkes ähnelte. Seine markanten Gesichtszüge waren Zeuge davon, dass er schon viel erlebt hatte und auf seiner linken Wange prangte eine markante Narbe, die deutlich zeigte, dass er wohl keine Herausforderung scheute. Seine schwarzen, kurzen Haare hatte er nach hinten gekämmt, sodass keine Strähne ihm ins Gesicht fiel und seine dunklen Augen verdeckten.
„Wie bitte? Die beiden sind Hengste?“, fragte ich verwundert, denn wenn ich ehrlich war, war ich davon ausgegangen, dass diese beiden hier weiblich waren. Aber schön, ich hatte auch nie nachgefragt.
„Und was das für Hengste sind. Gut gepflegt, kräftige Zugtiere und leicht in der Handhabe. Die müssen viel Geld gekostet haben. Edlere Tiere findet man nur im Kouga-Clan.“ Der Mann lächelte mich an und mein Blick glitt zu diesen zwei Hengsten. Da mir das Wissen über Pferde und ihre Zucht fehlte, war mir wohl entgangen, wie besonders diese beiden waren. Wenn dem, was der Mann sagte, wirklich so war, dann musste ich wirklich auf diese beiden Acht geben.
„Wohin reisen Sie und ihre zwei Hengste?“
Neugierig lehnte sich der Mann an einen Balken und sah mit aufgeweckten Blick zu mir. Seltsam, dass er dieses Interesse nur wegen zweier Pferde zu haben schien.
„Die Karawane mit der ich reise, will zum Tenzan Plateau. Ich folge ihnen bis nach Aza. Solange werde ich also mit diesen beiden hier noch reisen.“
Ich legte die Bürste zurück dahin, wo ich sie herbekommen hatte, und verließ die Unterstellung der beiden.
„Aza? Von dort komme ich gerade. Ich bin auf meinen Weg zurück nach Balbadd.“ Unwillkürlich verkrampfte sich mein Körper, als ich hörte, wohin der Mann reisen wollte. Balbadd. Diese Stadt würde mich wohl ewig verfolgen. Zumindest solange bis ich wieder dahin zurückkehrte.
„Passen Sie dann dort auf. Aktuell steht die Stadt unter strenger Bewachung, weil Rebellen einen Diplomaten aus Kou angegriffen haben.“
Verwundert sah der Mann zu mir, als ich ihm mit versucht wenigen Worten klar machte, wie die Lage aktuell in Balbadd aussah. Diese ganzen Ereignisse lagen zwar schon drei Tage zurück, aber mit Sicherheit waren die Informationen noch nicht so weit hinaus gedrungen.
„Sie kommen also aus Balbadd, wenn ich das richtig verstehe?“
Ich nickte auf die Frage des Mannes, der tief und inbrünstig seufzte.
„Und ich dachte, die Gerüchte, die ich gehört habe, seien nur Gerüchte. Dieser Angriff macht die Lage natürlich nicht besser. Ist dem Diplomaten aus Kou etwas passiert? Weiß man etwas darüber?“, fragte er schließlich und schien dabei mehr als besorgt zu sein. Wahrscheinlich dachte er schon einen Schritt weiter, was es für Auswirkungen hatte, wenn einer aus dem Königreich Kou zu schaden kam.
„Dem Diplomaten geht es gut. Das ist zumindest das, was ich gehört habe. Zumindest scheint es den Verhandlungen mit König Ahbmad über die Stabilisierung der wirtschaftlichen Lage Balbadds nicht zu unterbrechen.“
„Die Stabilisierung der wirtschaftlichen Lage Balbadds?“
Ich nickte auf die Frage des Mannes. Sicher, er war nicht in Balbadd gewesen, das bedeutete also auch, dass er nichts von der Rede des Königs wusste.
„König Ahbmad hat einige Tage vor dem Angriff auf den Diplomaten eine Rede gehalten. Kou scheint Balbadd helfen zu wollen, um sich aus der wirtschaftlichen Misere zu retten. Allerdings sind einige Bewohner nicht sehr begeistert über diese Nachricht gewesen.“
Der Mann aus Balbadd signalisierte mir mit einem Nicken, dass ich ihm folgen sollte, als er sich in Richtung raus aus den Ställen zuwandte.
„Wen verwundert es. Der Huang hat jetzt schon mehr Wert. Dass die Rebellen dann aber ausgerechnet den Diplomaten angreifen, war sehr unüberlegt. Wenn ihm wirklich nichts passiert ist, können wir von Glück reden, sonst hätte das Kaiserreich Kou Balbadd dem Erdboden gleich gemacht.“
Mir behagte nicht, was der Händler sagte, und ich wollte gar nicht daran denken, dass er damit nicht übertrieb. Zumal der Diplomat auch noch Kouha gewesen war. Sicher hätte man Balbadd dann mehr als nur dem Erdboden gleich gemacht.
„Dennoch... damit hat Kou auch wieder einen Vorteil bei den Verhandlungen. Und jeder weiß, dass Ahbmad nicht gerade zu Gunsten seines Volkes handelt.“ Auch wenn ich dem Mann aus Balbadd folgte, lief dieser doch scheinbar gezielt dahin, wo meine Karawanenkarren standen. Oder vielleicht hatte ich ihn auch unbewusst gelenkt, denn mir war schon bewusst, dass ich noch diese Karren unterstellen musste. Das sollte nicht auch noch einer der anderen für mich übernehmen.
„Das sicher nicht, aber für Balbadd werden sicher wieder gute Zeiten folgen. Die Menschen dort sind stark und wissen einander zu helfen. Sie brauchen nur noch einen König, der dass erkannt hat und nicht gegen sein Volk arbeitet, sondern mit ihnen.“
Ich war zielstrebig zu meinem Karren gegangen und hob diesen an, um ihn noch zu der Unterkunft zu ziehen, etwas das meine Schulter mir mit einem stechenden Ziehen dankte.
„Verdammt...“, fluchte ich leise und stellte kurz den Wagen ab um meine Hand zu der Schulter zu führen.
„Darf ich Euch helfen?“, fragte der Mann, doch ich schüttelte den Kopf.
„Hab den Wagen nur falsch angehoben, mehr nicht...“ Auch wenn meine Schulter noch schmerzte, hob ich erneut den Wagen an und versuchte ihn zu wenden. Da ich mein Gewicht aber auf die linke Schulter verlagern musste, um den Karren zu wenden, war dies mit wenig Erfolg gekrönt.
„Erenya, was machst du da! Lass das Ding stehen, Tiberius und ich werden sie schon unterstellen.“
Mit einem Murren hörte ich Varius, der zurück von der Unterstellung kam und scheinbar bemerkt hatte, was mein Plan gewesen war.
„Aber die zwei Karren sind mein Verantwortungsbereich, also sollte ich sie auch zur Unterstellung ziehen. So weit ist das doch nicht...“
„Nicht mit deiner Verletzung.“
Ohne mir eine Chance für weitere Diskussionen zu geben, griff er nach einem der Karrenarme und gab mir deutliche Zeichen, dass ich besser losließ, oder alles andere bereute.
„Sie sind verletzt und wollen einen Karren ziehen?“, fragte der Mann aus Balbadd verwundert und schien mich dabei tadelnd anzusehen. So als wollte er sagen, dass ich seine Hilfe besser angenommen hätte.
„Und wer ist dieser Fremdling?“ Varius hatte nun auch den Mann bemerkt, was diese Situation nicht gerade einfacherer machte.
„Verzeihen Sie, ich bin ein Händler aus Balbadd und sah die junge Dame bei den Ställen. Sie war so nett und hat mich über die aktuelle Situation in meiner Heimat aufgeklärt. Es tut mir Leid, sollte ich sie dabei von ihren Aufgaben abgelenkt haben.“
Misstrauisch sah Varius zu mir und dem Händler. Was anderes war es ja wirklich nicht gewesen, aber scheinbar war Vertrauen hier Mangelware, wenn man einander fremd war. Dabei hatte ich eher das Gefühl gehabt, dass alle Händler ein sehr vertrautes Verhältnis zu einander hatten.
„Lassen Sie mich raten. Erenya hat ihnen diese Information auch noch kostenlos gegeben?“
Perplex, wie ich, sah der Händler zu Varius. Für mich war es nur selbstverständlich diese Information einfach weiterzugeben. Was sollte ich auch sonst tun? Bares Gold waren sie ja nicht wert. Die einzigen Informationen, die ich wohl besaß und die Gold wert waren, betrafen die Zukunft, aber damit konnte sowieso noch niemand etwas anfangen. Demnach waren sie nutzlos.
„Du solltest dir wirklich Unterricht von Cassius geben lassen, was du wem zu welchen Preis sagen darfst, Erenya. Dabei wolltest du noch Geld verdienen um eine Überfahrt nach Sindria bezahlen zu können.“
Im Nachhinein betrachtet, hatte Varius wahrscheinlich Recht. Mit dem Tageslohn eines Arbeiters verdiente ich mir sicher nicht die Überfahrt. Ich musste also das, was ich hatte und wusste, irgendwie so nutzen, dass ich auch noch davon leben konnte. Doch nun war es zu spät.
„Ich merke es mir für das nächste Mal.“
Es war im Nachhinein zu spät, nun noch Geld für Informationen zu verlangen. Nicht einmal ich hätte das bezahlt, nachdem ich alles wusste, was es zu wissen galt.
„Nach Sindria wollt Ihr? Gehe ich recht in der Annahme, dass der König keine Schiffe aus dem Hafen auslaufen lässt?“
Ich nickte schweigend, spürte aber just in diesem Moment Varius Blick auf mir. Verdammt schon wieder kein Geld verlangt.
„Dann ist Eure Reise wirklich eine sehr Umständliche. Ich wünsche euch viel Glück und das ihr sicher in Sindria ankommt.“
Der Mann lächelte ein letztes Mal, bevor er sich von Varius und mir abwandte und ins Innere der Karawanserei ging. In einer Story, die ich geschrieben hätte, wäre diese Verabschiedung anders gelaufen. Der Mann hätte mir dann mitleidiger Weise doch noch etwas Geld in die Hand gedrückt. Aber nichts. Kein Geld nur die Glückwünsche.

**~~**


Wie es Cassius gesagt hatte, waren wir am nächsten Tag früh aufgebrochen. Auf unserem weiteren Weg waren uns andere Reisende und Händler entgegen gekommen, die alle irgendetwas von den Räubern zu berichten hatten, allerdings, wie schon bei den zwei Herren zuvor, waren es nicht mehr als nur Gerüchte, die über Mundpropaganda ala „Ich kenne einen Freund, der hat eine Schwester, deren Cousin dritten Grades kennt da jemanden, der jemanden kennt“ und so weiter. Keiner von ihnen hatte aber auch nur eine Bestätigung dieser Räuber am eigenen Leib erfahren. Ich wusste nicht, ob ich das bedenklich oder erfreulich finden sollte. Wahrscheinlich Zweiteres, denn so konnte der Rest der Reise nach Bitroun ohne große Vorkommnisse weiter gehen.
Dennoch ließ Cassius keine Vorsicht fahren. Seit einigen Tagen kehrten wir nun abends in Karawansereien ein, sehr zur Freude der meisten. Scheinbar gefiel es ihnen, abends ein bequemes Lager zu haben. Na schön, ich gestehe, auch ich fand diesen Luxus sehr angenehm und nutzte abends zu später Stunde, dann wenn alle anderen schliefen, das Bad, um meine Haut zu erfrischen. Selbst das Teehaus war mir sehr willkommen und dank der vielen Zeit, die ich vor diesem Bad hatte, war es mir tatsächlich gelungen, Sindbads Abenteuer durchzulesen. Zumindest den ersten Band, denn vom zweiten fehlte nach dutzenden Ständen, die ich in den Karawansereien abgeklappert hatte, jegliche Spur. Wahrscheinlich war dies ein Zeichen dafür, dass es besser war, zu sparen und doch wollte ich unbedingt wissen, wie es weiterging. Ich hasste Sindbad dafür, dass er seinen ersten Band mit einem Cliffhanger enden lassen hatte. Wie konnte er nur? Mal davon abgesehen, dass ich eigentlich wusste, dass er dieses gefährliche Abenteuer im ersten Turm überleben würde, war seine Art zu schreiben sehr bildhaft. Auch wenn sein Stil doch eher zweitklassig war. Zumindest aus meiner Sicht. Aber er konnte ja unmöglich in allem perfekt sein.
Dennoch reichten seine Darstellungen von seinen Kämpfen, um mir wieder ein schlechtes Gefühl zu bereiten. Ich erwischte mich hin und wieder dabei, wie ich mich mit Sindbad verglich und mich dieser Vergleich in tiefe Depressionen versetzte. Ich hatte nicht einmal mehr den Mut gefunden Varius und Tiberius um weitere Trainingseinheiten zu bitten und distanzierte mich zusehends von den Mitgliedern der Karawane, um meine Probleme verborgen zu halten. Mein Verstand hatte es aufgegeben, auch nur ein Veto gegen mein dämliches Verhalten zu erheben, und schien einfach damit zu leben, wobei ich ihn hin und wieder erwischte, wie er mich einen hoffnungslosen Fall nannte.
„Wir machen hier Pause!“
Wie an jedem Tag, wenn die Sonne am höchsten stand und die Mittagsstunde verkündete, rief Cassius eine Pause aus, die mir gerade heute sehr willkommen war. Zwar waren die zwei Hengste immer noch sehr behilflich bei meiner Arbeit, aber schon seit einigen Tagen quälte mich der Schmerz in meiner linken Schulter. Ich musste irgendwann falsch gelegen haben und nun bekam ich die Quittung dafür.
Als ich den Pferden Wasser reichte, zählte ich in Gedanken ab, wie lange wir nun schon unterwegs waren. Es war nun eine Woche her, seit ich Balbadd verlassen hatte. Noch eine Woche mehr und ich war in Aza, wobei, vielleicht würde es auch nicht mehr so lange dauern. Bitroun war der nächstgelegene Hafen. Mit etwas Glück, und wenn Cassius es erlaubte, konnte ich dort nachfragen, ob ein Schiff nach Sindria fuhr. Dann hätte ich wieder etwas Zeit gewonnen. Zeit, die ich vielleicht nicht hatte und die mir wie eine strafende Geißel im Nacken lag.
„Ich möchte Euch noch einmal danken, Cassius, dass Ihr uns erlaubt, euch und eure Karawane bis zur nächsten Karawanserei zu begleiten.“
Da ich die Pferde versorgt hatte, war ich zu den Anderen gegangen, die sich mit neuen Mitgliedern der temporären Karawane unterhielten. Wir hatten sie auf dem Weg getroffen und scheinbar war ihrem Karren eine Achse gebrochen. Cassius hatte schnell reagiert und ihnen einen Platz bei uns angeboten. Dankend hatte die Reisegruppe, die scheinbar aus Kou stammte und ebenfalls von Balbadd kam, angenommen. Die armen Teufel wussten noch nicht, dass diese Reise wahrscheinlich die teuerste ihres Lebens werden würde. Cassius würde sicher auch ihnen einiges an Huang aus der Tasche ziehen. War es gemein sich diabolisch darüber zu freuen? Sicher, aber es änderte nichts an der Tatsache, dass ich mich darüber freute.
„Nur keine Sorge, als Reisende muss man sich in jeglicher Situation unterstützen. Noch dazu ist es kein Umweg. Unser Ziel ist dasselbe.“
Mir zuckte bedrohlich der Mundwinkel, als ich Cassius reden hörte. Er war nicht grummelig, sondern charmant. Oh Gott, ging die Welt unter? Erst rasteten wir jeden Abend in einer Karawanserei und nun wurde Cassius freundlich. Träumte ich? Mir fröstelte es, als ich das sah und ich wollte es am besten gar nicht mehr mit ansehen, denn das hier wirkte nicht wie der mir bekannte Cassius, der der Feldwebel vom Dienst war und dies auch unter Beweis gestellt hatte, als wir die Habe der anderen Reisegruppe auf die restlichen Wagen umgebaut hatten.
„Nach all dem, was in Balbadd passiert ist, kann man wirklich froh sein, etwas Menschlichkeit auf seiner Reise zu finden. König Ahbmad könnte sich von euch wirklich eine Scheibe abschneiden, Cassius.“
„Wobei wir ja froh sein können, dass er die Tore nicht sofort gesperrt hat.“
Das Gespräch der Reisegruppe nahm eindeutig eine Form von Hasstirade gegen Ahbmad an. Gute Sache. Auch wenn es traurig war, dass er sich mit den Leuten aus dem Kaiserreich Kou nicht gerade viele Freunde machte.
„Ich hätte verstanden, wenn der Hafen gesperrt worden wäre, um für die Sicherheit der Händler und ankommenden Schiffe zu sorgen, aber selbst die sind nicht sicher. Wir haben tagelang auf unser Schiff gewartet, welches im Hafen einlaufen sollte. Doch es kam nicht und es scheint auch niemanden interessiert zu haben, dass es nie eintraf. Gerüchten zufolge sollen die Gewässer um Balbadd nicht die sichersten sein, aufgrund von Räubern und Piraten, aber der König scheint dagegen nichts unternehmen zu wollen.“
Ja, diese Reisegruppe konnte ich definitiv auf die Liste für Ahbmads Fanclub setzen. Nur zu schade, dass der kleine verwöhnte König niemals erfahren würde, wie viele aus seinem Fanclub ein Stück von ihm wollten.
„Immerhin in Aza können wir noch hoffen, dass einer unserer Landesleute uns mitnimmt. Allerdings werden wir Balbadd nie wieder aufsuchen, solange es unter der Führung dieses schwabbeligen Tunichtguts ist.“
Ich versteifte mich, als ich diese Worte hörte. Das würde Balbadd natürlich auch nicht helfen und Kou noch mehr in die Hände spielen. Wie war das? Später sollte Ahbmad Kougyoku heiraten, damit die Bevölkerung Balbadds versklavt wurde? Dunkel erinnerte ich mich an etwas in der Art und fragte mich, wie lange es wohl noch dauern würde, bis dieser Plan keimte und man schließlich der Umsetzung wegen Prinzessin Kougyoku schickte. Fest stand nur, dass ich zu diesem Zeitpunkt zurück in Balbadd sein musste.
'Warum eigentlich?'
Eine Frage meines Verstandes, der sich endlich wieder zu Wort meldete und meine fixen Ideen hinterfragte. Ja, warum eigentlich? Gerade dann wäre doch die gefährlichste Zeit in Balbadd. Bei meinen Fähigkeiten wäre ich dann schneller Kanonenfutter als ich Piep sagen konnte und gegen einen schwarzen Dschinn, der auf den Namen Kassim hörte, kam ich noch weniger an. Warum wollte ich also unbedingt dann in Balbadd sein?
'Wegen Assad und den anderen, hohle Nuss...', schoss es mir durch den Kopf. Richtig. Ich wusste von den Ereignissen vor Ort. Ich musste dann unbedingt alles in meiner Macht Stehende tun, um die Mädchen und Assad zu beschützen. Vor allem Assad, wenn er wirklich ein aktives Mitglied bei der Nebelbande war. Den Dschinn konnten Alibaba und Aladdin erledigen, das war nicht meine Baustelle.
'Wobei du alle Ereignisse ändern könntest.'
Meine Vernunft hatte Recht. Ich konnte mehr tun, als nur die anderen beschützen. Wahrscheinlich, wenn ich genug darüber nachdachte, konnte ich sogar Kassim retten. Alibaba wäre darüber sicher froh gewesen, allerdings...
Ich seufzte tief. Nein, nein. Ich durfte mich nicht weiter einmischen. Alibaba wäre niemals so stark geworden, wenn Kassim nicht gestorben wäre. Er musste diese Erfahrung machen, auch wenn es blöd war.
'Zur Not... müssten wir es auslösen.'
Mich schüttelte der Gedanke. Richtig. Wenn meine Anwesenheit hier nicht Canon war, und davon ging ich felsenfest aus, konnte dieses Erscheinen schon irgendetwas an der mir vertrauten Zukunft ändern. Vielleicht hatte meine Standpauke irgendetwas in Kassim ausgelöst, weswegen er nicht zu einem dunklen Dschinn wurde, oder vielmehr sich das schwarze Dschinngefäß in den Körper rammte. Wenn das passierte, musste es jemanden geben, der es an seiner Stelle tat.
'Wo wir wieder bei unserem Hauptproblem sind, kannst du das? Einen Menschen töten?'
Damit war ich tatsächlich wieder beim Hauptthema. Was, wenn ich es tun musste, um den Canon dieser Serie zu retten? Verdammt, wäre ich dann dazu in der Lage?
'Niemals...'
Ja, ich wäre dazu niemals in der Lage. Nicht in dem Zustand, in dem ich aktuell war.

Irgendwie hatte es etwas erleichterndes, als wir endlich bei der Karawanserei ankamen. Ich spannte die Pferde ab und versuchte meine verbliebenen Aufgaben für den Rest des Tages, so schnell es ging, zu erledigen. Ich brauchte dringend eine Küche um meinen Kopf freizubekommen. Kochen. Ich musste kochen, sonst würde ich an diesem Abend nicht ruhig schlafen können.
„Also dann ihr beiden, nicht die Stuten wahnsinnig machen“, wisperte ich den Pferden zum Abschied zu und gab ihnen ein wohlwollenden Klaps. Ein Aufwiehern sollte mir wohl ein Schein-unschuldiges „Wir doch nicht“ vermitteln. Ich lächelte, als ich die Unterstellung der Tiere, die ich liebevoll noch als Stall bezeichnete, verließ.
'Küche ich komme!'
Wie ein Schlachtruf hallte dieser Gedanke wieder, wurde aber beiseite geschoben, als ich plötzlich Varius zu meiner Linken an mir hängen hatte.
„Weißt du...“, begann er und ich fürchtete jetzt schon, wie er mich davon abhalten wollte zu kochen. Mist. „... wir haben in letzter Zeit nicht viel miteinander gesprochen. Wie wäre es, wenn ich dir noch ein paar Geschichten aus meiner Jugend erzähle? Cassius würde sich sicher auch darüber freuen.“
Ja, er würde mich definitiv davon abhalten zu kochen, wenn ich nicht sofort eingriff und seine Einladung abschlug.
„Weißt du, ich hatte eigentlich schon etwas vor und so gar keine Zeit für so etwas.“
Ich versuchte unter Varius Arm wegzutauchen und so wieder Abstand zu bekommen, doch dieser bemerkte das und drückte mich fester an seine Seite.
„Komm schon, was auch immer du vor hast, kann nicht wichtiger sein, als das, was ich erzählen kann. Außerdem, du wolltest doch die Legenden des Varius in der Welt verbreiten und wie willst du das tun, wenn du keine einzige meiner Heldentaten kennst?“
Argh, mit den eigenen Waffen geschlagen. Ich erinnerte mich dunkel daran, dass ich so etwas zu Varius gesagt hatte. Nun konnte ich natürlich nicht nein sagen. Also hatte ich keine andere Wahl. Ich musste mich wohl oder übel von Varius entführen lassen und verabschiedete mich im Geiste schon von der Küche.

Wahrscheinlich wusste auch Cassius nicht, warum er nun hier mit mir und Varius im Teehaus saß. Zumindest glaubte ich einen genervten Funken in seinen Augen aufleuchten zu sehen. Ich machte mir nicht einmal die Mühe dies auf die bescheidenen Lichtverhältnisse innerhalb des Teehauses zu schieben.
„Also schön, dann lasst euch von meinen Heldentaten im Kolosseum berichten.“
Varius räusperte sich, was aber von Cassius entnervten Seufzen übertönt wurde.
„Ich frage mich, von welchen Heldentaten du heute anfangen willst. Du hast noch nie im Kolosseum gekämpft.“
Cassius griff nach seinem Tee und nahm einen Schluck, während Varius scheinbar wie vom Schlag getroffen zu seinem Chef sah.
„NIE?! Na hör mal, ich war schon im Kolosseum, da wusste die Welt noch nicht einmal, dass du jemals existieren würdest!“
„Meines Wissens nach gibt es keine Legenden über Helden, die auf Zuschauerplätzen anderen beim Kämpfen zusahen.“
Irgendwie war ich mir unsicher, was zwischen den beiden gerade lief. Sie stritten, eindeutig, aber anders als wenn Cassius mit dem balbaddischen Händler stritt, kam hier keine gedämpfte Stimmung auf.
„Ach ja? Jede Legende hat einen Anfang. Meine war eben auf der Zuschauertribüne. Dort sah ich meinen ersten Gladiatorenkampf und ich wollte unbedingt so stark werden wie diese Männer. Deswegen habe ich Tag und Nacht trainiert, sobald ich die Zeit hatte.“
„Und dennoch könnte dich ein Kleinkind besiegen.“
„Aber nur weil ich keine Kinder schlage!“
Wie soll ich das nur erklären, aber das was ich hier sah, war einfach urkomisch. Varius, der versuchte, seine Ehre als Krieger zu verteidigen und Cassius, der ihm mit einfachen Worten jeglichen Wind aus den Segeln zu nehmen versuchte.
„Was weißt du schon? Du hast keine Ahnung, was eine wahre Legende ausmacht. Aus Sindbads Abenteuern wirst du das zumindest nicht lernen.“
Ein triumphierendes Lächeln lag auf Varius Lippen, als er die Arme verschränkte und Cassius ansah, der ihn sofort böse fixierte.
„Ihr lest Sindbads Abenteuer?“, fragte ich nach, nun doch verwundert, denn ich hatte Cassius nicht für den Typ gehalten, der solche Geschichten las.
„Oh, er liest sie nicht nur, er kennt sie Wort für Wort auswendig und träumt wahrscheinlich davon ein ebenso großer Abenteurer zu sein.“ Unter diesen Umständen fiel es wirklich schwer ernst zu bleiben, denn die Tatsache, dass Cassius ausgerechnet die Werke Sindbads auswendig gelernt hatte, obwohl diese keinerlei Nutzen für sein Wesen als Händler hatte, war lächerlich.
„Sei ruhig, du gescheiterter Möchtegern-Gladiator.“
„Wenn nennst du hier einen Möchtegern, du Möchtegern-Abenteurer.“
Wie auch immer sich das aufgeheizt hatte, beide standen sich Angesicht in Angesicht gegenüber und doch wirkte die Situation alles andere als gefährlich, eher so, als wären diese beide sehr gute Freunde, die hin und wieder eine kleine Rauferei brauchten.
„Muss schön sein solche Freundschaften zu haben...“, brachte ich mit einem leisen Lachen hervor und griff zu meinem Becher Tee. Meine Worte waren zu den beiden vorgedrungen, was ich deutlich bemerkte, als sie mich ansahen.
„Freund? Von dem? Niemals!“
„Freund? Von dem? Niemals!“
Absolut synchron antworteten die beiden auf mein Kommentar, was echt gemein war, denn ich hatte einen Schluck von meinem Tee genommen und verschluckte mich halb lachend doch noch an dem kostbaren Gesöff.

Es hatte etwas gedauert und mein schallendes Gelächter mit halben Erstickungstod hatte sicher nicht dazu beigetragen, aber die beiden Männer hatten sich wieder beruhigt. Es war einfach herrlich zu sehen, wie sie sich so aufrichtig streiten konnten, ohne böswillig den Anderen zu verletzten. Eine wahre Freundschaft eben. Da flogen Fetzen aber in einer doch eher humanen Weise.
„Ach das Kolosseum in Remano, ich schwöre dir, Erenya. Das muss man mit eigenen Augen gesehen haben. Menschen kämpfen dort um ihr Leben und werden entweder zu strahlenden Helden oder kläglichen Verlierern. Die Tapfersten der Tapferen wollen sich mit den Bestien dort messen. Selbst Sindbad war doch schon dort, oder, Cassius?“
Ein Murren war von Cassius zu hören, dem aber ein Kopfnicken folgte.
„Wen traf er dort? Ja'far?“
Spoileralarm der bösen Sorte. Ich hatte doch gerade erst Band eins gelesen und hatte an sich auch noch vor, den Rest in die Finger zu bekommen, aber wo bliebe der Spaß, wenn man mich nun spoiler- Halt. Ich war schon genug gespoilert, also störte mich das nicht im geringsten.
„Es war Masrur.“ Erneut mehr ein Murren von Cassius, als eine wirkliche Antwort.
„Richtig, der Drache!“, antwortete Varius lachend und selbst ich konnte mir nur die Hand vor den Kopf schlagen.
„Nein, Varius, der Fanalis... Drakon ist der Drache.“
Verwundert sah mich Varius an, als ich antwortete, obwohl er diese Informationen wohl aus Cassius herauskitzeln wollte.
„Ich dachte, du hast nur den ersten Band gelesen?“, fragte Varius daher verwundert. Verdammt. Hatte ich damit etwas Dummes gesagt? Mist.
„Mag sein, aber man hört doch einiges von Händlern über König Sindbad und seine acht Generäle.“
Eine gute Ausrede. Mit Sicherheit die Beste die ich zu bieten hatte, allerdings schien sie Cassius nicht zufriedenzustellen. Dennoch, weder er noch Varius sagten etwas dazu.
„Also war Masrur der Fanalis. Der Kampf muss wirklich episch gewesen sein. Etwas, wovon man noch in späteren Jahren hören wird.“
Varius schwärmte förmlich von dem, wie wohl der Kampf Sindbad gegen einen Fanalis hätte aussehen können. Dennoch, Geschichten aus dem Kolosseum, nur ein wahrer Erzähler konnte wahrscheinlich die Aufregung einfangen und sie an seinen Zuhörern weitergeben. Ich musste dafür mindestens einmal selbst einen solchen Kampf sehen, da mit das Action-Genre aber nicht lag, bezweifelte ich, dass ich meine Erlebnisse oder solche Kämpfe wiedergeben konnte. Varius hingegen, schien prädestiniert dafür.
„Danke jedenfalls für deine Schilderungen, Varius. Ich denke, ich habe nun eine gewisse Vorstellung von dem Kolosseum. Nun entschuldigt mich aber dennoch, ich wollte noch etwas erledigen.“
Ich erhob mich von meinem Platz und lief in Richtung des Ausganges, als ich aber inne hielt, denn eine kleine Reisegruppe erweckte meine Aufmerksamkeit.
„Ich bin immer noch der Meinung, wir hätten den westlicheren Weg nehmen sollen. Der ist sicherer und noch dazu kürzer. Wir machen so einen viel größeren Umweg nach Balbadd.“
Ich sah mich kurz um, ob Varius und Cassius mich noch beobachteten, doch ich konnte die beiden in der Menge der hier Sitzenden selbst nicht mehr erkennen, sodass ich mich etwas weiter entfernt von der Reisegruppe setzte, die scheinbar gerade ihre Route beklagte.
„Bist du wirklich sicher, dass es richtig war, von Quishan aus diesen Weg zu wählen? Noch dazu dann, wenn Räuber hier lauern?“
Die Sorge und Angst der Frau, die auf einen Mann einsprach, der mittig saß und den meisten Teil einer Landkarte für sich beanspruchte, war deutlich herauszuhören. Scheinbar hatten auch sie von den Gerüchten der Räuber gehört. Räuber, die ich immer noch nicht gesehen hatte und über die es auch keinerlei Beweise für deren Existenz gab.
„Ich habe euch versprochen durchzukommen. Bisher ist die Reise auch ruhig verlaufen. Anders hätte es über den direkteren Weg ausgesehen. Wer weiß was für Gesindel sich wieder dort herumtreibt. Ich könnte es nicht verantworten, euch auf dem Weg nach Balbadd zu verlieren.“
Ich schluckte schwer, als ich hörte, was der Reiseleiter sagte. Es klang ähnlich wie das, was Cassius angedeutet hatte. Auch wenn „Ansässige“ wahrscheinlich noch wesentlich höflicher formuliert war, als Gesindel. Gleichzeitig erwachte aber in mir die Neugier, was beide damit meinten und warum ich scheinbar die einzige war, die es nicht verstand. Denn selbst die Damen um den Reiseleiter herum schienen es zu verstehen und ließen ein dankbares Seufzen hören. Scheinbar rührte es sie, dass ihr Reiseführer sich so um sie sorgte und ihr bestes im Sinn hatte. Allerdings konnte man davon reden, dass man zum Besten aller handelte, wenn man nicht nach einer dritten Route suchte? Oder gab es gar keine dritte Route? Wenn es keine gab, dann war es für einen Händler oder Reiseführer wohl wirklich eine schwere Entscheidung den richtigen oder viel mehr geeigneteren Weg zu wählen. Cassius hatte dies getan und seine Route so vehement verteidigt, als glaubte er wirklich, dass wir mit einer Bande Räuber problemlos klar kamen. Würden wir das aber, sollten die Gerüchte von den Räubern sich bewahrheiten?

Trotz des Bades am späten Abend hatten sich meine Gedanken immer noch nicht geordnet. Statt wie gewohnt nun zu Bett zu gehen und mich von Albträumen quälen zu lassen, zog ich es vor an die frische Luft zu gehen. Meine Beine zogen mich von Selbst in Richtung der Stallungen, auch wenn ich bereits erkannte, dass die beiden Prachthengste den Schlaf der Gerechten schliefen.
Mein Blick glitt gen Himmel, der nicht nur von Sternen übersät war, sondern auch von den Lichtern der Rukh, die ich zum ersten Mal seit langem wieder richtig wahrnahm. Sie flatterten aufgeregt umher, in ihrem strahlenden Weiß, als wüssten sie, dass sich alles zum Guten wenden würde, egal was noch kam. Oder waren sie einfach verstorbene Seelen von Verwandten der Menschen hier, die nach ihren Liebsten sehen wollten?
Schon seltsam. Nur Magier konnten Rukh sehen, aber konnten sie diese auch verstehen? Wenn ja wie, und warum konnte ich das dann nicht? War ich vielleicht doch keine Magierin und hatte die ganze Zeit recht behalten? Warum konnte ich sie dann aber sehen?
„Von Schönheitsschlaf hältst du nicht viel, oder?“
Mein Blick wandte sich vom Himmel ab, als ich Varius' Stimme vor mir vernahm. Da war er wieder, der Wächter der scheinbar nicht nur Blut meilenweit gegen den Wind roch. Dabei war ich wie gewohnt vorsichtig gewesen, dass ich niemanden der Anderen weckte.
„An Schlaf ist momentan nicht wirklich zu denken...“, nuschelte ich, als sich Varius zu mir gesellte und in den Himmel sah. Ich folgte seinem Blick und genoss den Anblick, während ich tief in meinem Innersten froh darüber war, dass ich gerade jetzt nicht alleine sein musste.
„Sieht der Himmel in deiner Heimat auch so aus?“
Es kam unerwartet, dass Varius so etwas wie Interesse an meiner Heimat zeigte, doch tat es gut darüber reden zu können, selbst wenn es nur unbedeutende Dinge waren.
„Ein wenig... Nicht immer, aber manchmal. Und auch nicht überall. Aber ich kenne den Himmel nur aus meiner Stadt und wenn nicht gerade Wolken die Sicht verdecken, leuchten die Sterne genauso schön wie hier. Wobei das hier... ist anders.“
Ich zögerte bei den letzten Worten etwas und ließ meinen Blick auf den Himmel gewandt. Ja hier diesen Sternenhimmel zu sehen, war jeden Tag etwas anderes. Jedes Mal konnte es immerhin das letzte sein, das man ihn bewusst wahrnahm.
„Ich kann mir vielleicht nicht vorstellen, wie es ist, ganz allein für sich an einem Ort zu sein, an dem man niemanden kennt. Ich weiß auch nicht, wie du dich fühlst und wenn wir ehrlich sind, bin ich wohl der Falsche für solchen Gefühlskram. Wenn du jemanden bräuchtest, von dem du möchtest, dass er dich versteht, wäre Tacita oder Iunia die beste Anlaufstelle. Dennoch, wenn du ein Problem hast, kannst du auch gerne mit Tiberius oder mir darüber reden. Oder auch mit Cassius, auch wenn das, was er sagen und tun wird, nicht zu den hilfreichsten Dingen gehört. Aber da bilden Tiberius und Ich keine Ausnahme.“
Varius lachte jungenhaft, als wäre das, was er gerade sagte, nicht nur unangenehm für ihn, sondern auch vollkommen entgegen dem, wie er eigentlich war. Emotionale Reden gehörten wohl wirklich nicht zu seinem Stil, aber damit konnte ich leben, denn das erwartete ich auch nicht.
„So einsam ist es gar nicht. Ich frage mich sogar, ob es nicht falsch ist, euch so nahe an mich heran zulassen. Euch zu vertrauen, von meiner Heimat zu erzählen, oder euch meine schwachen Seiten zu zeigen. Irgendwann werde ich sicher nach Hause zurückkehren und ich weiß schon jetzt, dass ich euch dann nie wieder sehen werde. Das ist in gewisser Weise traurig, denn ihr seid, selbst wenn es eine kurze Reise ist, ein Teil meines Lebens hier geworden.“
Stille legte sich erneut zwischen Varius und mir. Scheinbar wusste er nicht, was er darauf sagen sollte. Oder er überlegte, was er sagen konnte.
„Varius, ich will niemanden töten. Und wenn es nach mir ginge, würde ich auch liebend gerne niemanden verletzten wollen. Ich weiß auch nicht, ob ich eines von beiden könnte, wenn es darauf ankommt. Ich weiß nur, ich will stark werden und irgendwann zurück nach Balbadd gehen, um jene, die mir geholfen haben, ebenfalls zu unterstützen. Jemanden etwas schuldig zu bleiben, ist nicht meine Art. Aber... wie soll ich das schaffen, wenn ich für die Waffe nicht geschaffen wurde? Wenn ich etwas nicht schaffe, was für die meisten hier ohne nachzudenken getan werden kann? Ich weiß, dass es mich mein Leben kosten wird, denn einfach wegsehen kann ich auch nicht. Wie... wie soll ich das nur schaffen?“
Es kostete mich einiges an Mühe meine Tränen herunterzuschlucken und nicht vor dem starken Wächter neben mir vollkommen jegliche Kontrolle zu verlieren. Stark werden, ich wollte stark werden und Herumgeheule gehörte da sicher nicht dazu.
„Das war es also... Nun, es spricht nichts dagegen, stark zu werden ohne eine Waffe zu führen. Es gibt verschiedene Möglichkeiten. Ebenso wie ein Krieger verschiedene Waffen führen kann. Es wird für ihn aber immer nur eine passende geben. Eine, mit der er selbst am Besten zurechtkommt. Im Kampf wie im Leben, muss man nur die richtige Wahl für sich treffen.“
Eine Wahl treffen. So weit war ich wohl auch schon. Meine Wahl war es, niemanden töten zu wollen. Nur ob diese Wahl mit den Dingen, die getan werden mussten, vereinbar war?
„Ob ich diese Zeit habe, diese Wahl zu treffen?“
Ich zweifelte. Ein Dauerzustand der letzten Tage, doch dieses Mal war ich mit meinen Zweifeln nicht alleine.
„Natürlich hast du die. Sollte etwas passieren, wir passen auf dich auf und bringen dich sicher nach Aza. Cassius hat dir das versprochen und er steht wie ein richtiger Mann zu seinen Versprechen, also mach dir keine Sorgen.“
Ich spürte, wie Varius seine Hand auf meinen Kopf legte und mir fest, aber doch behutsam übers Haar strich. Irgendwie zweifelte ich nicht an seinen Worten, doch sie hinterließen einen bitteren Nachgeschmack. Es gab damit nur eines, was ich tun konnte.
„Wenn es darauf ankommt, Varius... Werde ich euch mit allem was mir diese Welt gegeben hat, beschützen.“ 'Selbst wenn es bedeutet meinen Borg zu benutzen.'
Es war ein stummes Versprechen, von dem ich nicht wusste, ob Varius es so verstanden hatte, wie ich es meinte, aber es waren die aufrichtigsten Worte, die ich seit Tagen laut ausgesprochen hatte.

**~~**


Ohne die Gruppe aus Kou, also nur in unserer alten Formatierung, waren wir am Tag darauf losgezogen. Die Sonne meinte es auch heute nicht gut mit uns, doch wie gewohnt führte Cassius die Gruppe unerbittlich an, während Varius das Schlusslicht bildete und Tiberius sich in der goldenen Mitte befand. Wir waren den ganzen Morgen ohne Rast gelaufen und allmählich sehnten sich meine Beine nach der Mittagspause, die wir hoffentlich bald einhalten würden. Gefühlt waren wir nämlich schon tausend Kilometer gelaufen. Meine Kehle schrie nach Wasser und meine Beine nach einem Stopp. Welchen sie auch unerwartet bekamen. Ich spürte die Pferde an den Geschirr ziehen und sah nach vorne, wo der Rest der Karawane innegehalten hatte. Ich ließ in meinem Zug locker, stoppte ebenfalls und lauschte, denn wenn das ein Zeichen für die Mittagspause war, würde Cassius sie gleich verkündigen. Doch sein Befehlston blieb aus, stattdessen Stille.
Verwundert sah ich an den Tieren vorbei und erkannte in Cassius Hand die glänzende Klinge eines Säbels? Oder war das ein Schwert? Egal was es war, woher hatte er dieses Ding?
Mein Blick glitt zu Tiberius, der die Handlung seines Herren scheinbar als eindeutigen Befehl gesehen hatte, ebenso die Waffe zu ziehen. Weiter hinten hatte es Varius ihm gleich getan, der in Kampfposition mit seinem Dreizack ging.
Doch weiter, nichts als Ruhe. Waren ihre Nerven überspannt? Warum hatte Cassius so plötzlich gestoppt? Mein Herz raste wie wild und ich versuchte es zu beruhigen, um mehr von der Umgebung wahrzunehmen. Außer den gewohnten Büschen und Bäumen war nichts zu sehen. Nicht ein Blatt raschelte, was kaum verwunderlich war, denn ausgerechnet heute war es windstill. Warum also dieser plötzliche Stopp?
Erneut sah ich mich alarmiert und nervös um, als plötzlich ein lautes Krachen und Knacken durch das Gehölz klang. So als wäre jemand von einem Baum gefallen, oder als würde ein T-Rex einen Spaziergang durch den Wald machen. Sofort griff ich zu meinem Dolch, bereit mich zu verteidigen, denn das Krachen kam immer näher. Es verstrich auch keine weitere Sekunde als bewaffnete Männer aus dem Unterholz liefen. Schreiend. Moment... Das war kein Kriegsschrei. Soviel konnte selbst ich heraushören. Es klang mehr nach einem Aufschrei der Angst.
Merkwürdiger wurde das nur, als diese Männer an uns vorbeiliefen als hätte der Teufel vor, sie persönlich zu holen. Cassius stand genauso perplex da wie ich oder Varius. Er versuchte nicht einmal nach den Männer auszuholen. Und da sah ich sie, drei vertraute Gesichter, die panisch schreiend von dannen liefen.
'Die Nando-Brüder?'
Aus einem Reflex heraus, sah ich ihnen nach. Dem kleinen Dicken, den dicken Großen und dem besser aussehenden, schlanken Mittleren. Definitiv die Nando-Brüder, aber wovor...
„Varius!“
Ein Ausruf von Cassius, der Varius galt, richtete meine Aufmerksamkeit wieder auf die Richtung, aus der die Nando-Brüder mit ihren Anhängern gekommen waren und ich wusste instinktiv, dass uns scheinbar etwas Schlimmeres als nur diese drei Pappnasen erwartete.


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Ich hoffe ihr hängt nun nicht am Cliff. Ich tue ja gerade das was ich bei Sindbad beklagte. XD
Varius finde ich immer besser, ich glaube ich adoptier ihn als Bruder. Er ist ehrlich und nett, wobei ich glaube, dass er auch anders kann. Als Schwester müsste ich die anderen Seiten sicher nicht ertragen.
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