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Im Zeichen des Rukh

von Erenya
GeschichteAbenteuer, Fantasy / P12
Aladdin Alibaba Saluja Judar Morgiana OC (Own Character) Sinbad
27.05.2015
01.01.2017
26
219.342
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25.06.2015 10.312
 
Varius hatte sich doch als ein sehr angenehmer Kollege entpuppt. Auch wenn er gut Dreiviertel der gemachten Onigiri selbst aß, machte es Spaß mit ihm zu reden und zu scherzen, sodass es schwer fiel, auch nur eine Sekunde an Schlaf zu denken. Doch nicht das man nun glaubte, dass wir unsere Aufgabe vernachlässigten. Wir achteten schon auf unsere Umgebung und mussten uns dabei daran hindern nicht in schallenden Gelächter auszubrechen, als Hinata wieder nach Chen trat und dieser sich aus Instinkt heraus wegrollte, wobei er Nel um seinen Platz bestahl.
Sonst war die Nacht soweit ganz ruhig und ich war ehrlich erleichtert, dass es keinen Zwischenfall gab, der Varius oder mich genötigt hätte, die anderen zu wecken.
„Und da haben wir es geschafft...“, merkte Varius gähnend an, als die Sonne sich über den Zenit erhob und damit ihr strahlendes Selbst ankündigte.
„Cassius... können wir uns noch aufs Ohr hauen?“ Ich sah zu Varius, dessen Blick auf Cassius gerichtet war, der sich unter seiner Decke träge bewegte. Zwar hatte ich bemerkt, dass er hin und wieder wach gewesen war, aber das er gerade in diesem Moment nicht schlief, war mir wohl entgangen.
„Nehmt den hintersten Karren...“, seufzte Cassius, als er sich gähnend erhob und von seinem Platz aufstand. Fragend sah ich Varius an, der nur verstehend nickte und das Feuer mit etwas Wasser löschte. Scheinbar wurde es nicht länger gebraucht, mal davon abgesehen, dass wir die Spuren unseres Mitternachtsimbisses gut genug eliminiert hatten. Ob Cassius davon wusste?
„Wir wecken euch, sobald wir losziehen...“ Seine Stimme klang schon sehr verschlafen, was nur umso deutlicher machte, dass er wohl selbst nicht viel geschlafen hatte. Aber besser, ich sprach ihn nicht darauf an. Immerhin gewährte er mir noch etwas Schlaf. Als mir das bewusst wurde, spürte ich auch sofort, wie müde ich wirklich war.
„Also, Erenya... Bist du noch wach genug, oder muss ich dich wie einen Sack über die Schulter werfen und tragen?“
„Fass mich an und du warst lange genug ein Mann...“, murrte ich müde und unüberlegt, während ich mich auf den Weg zum letzten Karren machte. Der Gedanke, dass ich mir das Innere mit Varius teilen musste, kam mir vor lauter Müdigkeit nicht, sonst hätte ich wohl für ein Anrecht auf 'getrennte Zimmer' gepoltert. Doch müde und so gar nicht in der Lage meinen Verstand klar und geschärft einzusetzen, merkte ich das nicht einmal. Ich wollte einfach nur eine Stunde, wenn nicht zwei schlafen, auch wenn das Aufwachen für alle die größte Herausforderung werden würde.
Ohne einen der Anderen zu stören, lief ich neben Varius zu dem hintersten Karren, in dem ausschließlich ein paar Stoffe lagen, aber dennoch genug Platz für zwei Personen zum Ruhen war. Draußen hätten Varius und ich wohl nur die anderen gestört, sodass dieser geringe Platz genügte.
„Wenn dir kalt ist, kannst du gerne näher rücken“, scherzte Varius, dem ich sofort mit dem flachen Handrücken einen sanften Klaps gegen die gepanzerte Brust gab.
„Davon träumst du nachts, Kollege. Wie gesagt, fass mich an und ich kann nicht garantieren, dass du weiterhin ein Mann bleibst.“
Ich kroch in den Karren und machte es mir mit der Blickrichtung zur Wand bequem, den Rücken schön zu Varius gewandt, der sich wirklich in meiner Nähe niederließ. Der Boden unter mir war hart, das Nachtlager eng, ich hundemüde und so kam es, wie es kommen musste. Ich schlief ein und driftete in einen erholsamen Zustand des Schlafes ab.

Varius und mir blieb höchstens eine oder zwei Stunden des Schlafes gegönnt, als Iunia uns weckte. Das Frühstück hatten wir beide ausgelassen, da unsere Mägen sowieso von dem Onigiri-Gelage gefüllt waren, was die Anderen natürlich nicht wussten. Auch wenn ich nicht munter genug war, wollte ich noch schnell meine Pferde vor meine Karren spannen, bemerkte aber, dass mir diese Arbeit abgenommen worden war.
„Gute Arbeit gestern“, begrüßte mich Nel, der gerade den letzten Handgriff an meinem zweiten Karren angelegt hatte und mich breit angrinste.
„Ich hoffe du konntest noch etwas Schlaf finden und bist wieder bereit, diese Zwei zum nächsten Ziel zu führen.“
Er klang munterer, als ich mich fühlte, was mir nur bewies, dass der Platzmangel, verursacht durch Chen, keine größeren Auswirkungen auf seinen engelsgleichen Schlaf hatte. Dennoch, ich sah ihn einfach nur müde und grummelig an. Wenn ich etwas nach dem Aufstehen nicht leiden konnte, dann waren es freundliche Menschen, die mich von der Seite ansprachen. Abgesehen von Sadiq, der hatte mich nach dem Aufstehen gefüttert, da durfte er das.
„Ich dachte...“, wollte ich ansetzen, da ich wirklich verwundert darüber war, dass man mir diese Arbeit abgenommen hatte. So ganz wollte ich das nicht realisieren.
„Cassius meinte, dass wir dich schlafen lassen sollen, also habe ich das gemacht. Wenn du Hilfe beim Leiten der Karren brauchst, sag Bescheid. Panthea und ich werden versuchen dir zu helfen.“
Morgenmenschen... wie ich sie hasste. Sie redeten zu viel, waren zu freundlich und überhaupt woher nahm er diese ganze Munterkeit?
„Schon in Ordnung. Ich schaffe das irgendwie..:“, merkte ich an und rieb mir noch einmal die Augen, als würde das die letzte Müdigkeit vertreiben. Natürlich war klar, dass es nicht half, aber der Placebo-Effekt ließ es mich wenigstens denken.
„Danke für deine Hilfe, Nel. Hast was gut bei mir.“ Auch wenn mir nicht nach Lächeln zumute war, rang ich mir doch eines ab. Man sollte mich nicht für ein Kameradenschwein halten, auch wenn ich eines war. Fakt war eben, dass Teamwork noch nie meine Stärke gewesen war und noch einige Jahre vergehen müssten, damit ich jemals ein Teamplayer wurde. Doch gerade dann, wenn man mir unter die Arme griff, wollte ich nicht so sein, ebenso wie ich Nel nichts schuldig bleiben wollte. Mit Sicherheit fand sich noch etwas, womit ich auch ihm helfen konnte, irgendwann, wenn nicht heute.

Es konnte vielleicht an meiner Müdigkeit liegen, aber im Gegensatz zum Vortag war etwas an diesem Marsch anders. Und damit meinte ich nicht die Pferde, die so wenig wie möglich ausscherten und wirklich brav neben mir herliefen, in einem Tempo das angemessen war. Es war eher der Umgang der Händler miteinander.
Der Mann aus Balbadd hatte sich dazu entschieden, dass Schlusslicht zu bilden, sprach kein Wort mit den anderen und schien vor sich hin zu schmollen. Ich fragte mich kurzzeitig, ob ihm Cassius' Entscheidung vom Vorabend immer noch schwer im Magen lag, doch als die Erinnerung wieder erwachte, dass er ganz anders am Lagerfeuer gewesen war, konnte ich das ausschließen. Noch dazu war selbst der Händler aus Kou seltsam ruhig und hielt Hinata und Chen nahe bei sich, so als wollte er nicht, dass sie mit Cassius' Gefolge sprachen. Dabei waren die beiden immer so aufgeschlossen gewesen und hatten das Gespräch mit anderen gesucht. Und Cassius... der war eben ganz Cassius und doch schien eine dunkle Wolke des Zornes über ihm zu schweben. Irgendetwas musste passiert sein, dass die Atmosphäre nun so getrübt war, dass selbst ich mit halbwachen Bewusstsein das bemerkte.
'Vielleicht haben sie einfach schlecht geschlafen, weil ich zur Wache eingeteilt war...' Es war der einzige Gedanke, der noch halbwegs Sinn ergab. Oder auch nicht, aber ich war nicht munter genug um diese Logik zu zerschlagen. Definitiv war es nicht wegen meiner Nachtwache, aber es war immerhin ein besserer Gedanke als weiter über Dinge nachzudenken, die mich wahrscheinlich sowieso nichts angingen.
Dennoch, diese Atmosphäre, sie ließ mich einfach nicht los und bereitete mir ein unbehagliches Gefühl. Es wirkte so, als würde die Karawane mit einem Mal auseinanderbrechen und das obwohl wir noch zusammen reisten. Nicht, dass ich um den balbaddischen Händler getrauert hätte, der Typ war mir egal, aber gerade um den Mann aus Kou, dem ich doch einige Sympathien abgewinnen konnte, wäre es schade gewesen.
„Die Luft ist heute ganz schön dick, was?“, fragte Varius, der das Ganze wohl ebenfalls mitbekommen hatte und sich zu mir zurückfallen lassen hatte.
Ich nickte nur und verzog das Gesicht. Wenn selbst Varius das bemerkt hatte, dann konnte es doch nicht an meiner Müdigkeit liegen, soviel stand fest.
„Weißt du was passiert ist? Ich meine, hat Cassius dir etwas gesagt?“
Kurz sah ich zu Varius, der allerdings nur mit den Schultern zuckte. Scheinbar hatte Cassius auch ihm nichts gesagt, so dass wir beide wohl die einzigen waren, die nicht wussten, was während unserem Nickerchen passiert war.
„Scheint aber nichts Gutes zu sein. Ich werde bei der nächsten Rast die anderen fragen. Wie ich Cassius kenne, ist sein Temperament wieder mit ihm durchgegangen... Wäre nicht gut, wenn das gegenüber den Andern beiden häufiger passiert.“
Dank Varius verstand ich, dass diese Zweckgemeinschaft doch auf dünnerem Eis stand als gedacht. Zumindest hatte ich dank des Kou-Händlers nie wirklich den Eindruck bekommen, dass er sonderlich abgeneigt gegenüber Cassius' Plänen war. Vielleicht verbarg er seine eigenen Intentionen aber auch besser als der Mann aus Balbadd. Jedenfalls wurde mir zum ersten Mal bewusst, in was für einer zerbrechlichen Gemeinschaft ich mich befand.
„Hoffen wir, dass sie das, was auch immer vorfiel, schnell vergessen... Wobei... was würde passieren, wenn die anderen beiden plötzlich abspringen?“, fragte ich Varius und sah zu ihm, der kurz zu den andern beiden Händlern sah.
„Mh... Ich bezweifle, dass sie abspringen. Diese Gruppe bedeutet Sicherheit, allerdings wenn sie sich uneinig sind und jeder plötzlich seinen eigenen Kopf durchsetzen will... wird diese Reise sehr unangenehm. Unter Umständen könnte uns das auch Tage im Zeitplan zurückwerfen.“
Ich verzog das Gesicht und grummelte innerlich. Das wäre natürlich noch suboptimaler gewesen, als wenn die beiden Händler einfach die Gruppe verlassen hätten. Da ich so schnell wie möglich nach Sindria wollte, konnte ich eine Verzögerung nicht dulden. Allerdings würde ich wohl kaum etwas an der aktuellen Lage ändern können. Mir blieb wohl nichts anderes übrig als zu hoffen, dass sich die Händler wieder einig wurden, worum es auch immer im Augenblick ging.
„Hey, solltest du noch einmal die Nachtwache übernehmen wollen, ich kann Tiberius gerne noch einmal in die Büsche schicken.“
Varius hatte scheinbar gemerkt, wie schwer der Gedanke einer Reiseverzögerung bei mir lag, sodass er sich wirklich Mühe gab mich aufzumuntern. Ich konnte nicht anders als zu lachen, denn wenn man es recht bedachte, war ja allein Tiberius Schusseligkeit beim Pinkeln der Grund, warum Varius und ich Onigiri-Kumpel geworden waren.
„Gerne, so eine Nachtschicht hat wirklich etwas angenehmes. Du kannst mir dann ein paar deiner Geschichten erzählen, damit ich die Legende des großen Varius in die Welt hinaustragen kann.“
Auf einmal war die Atmosphäre vergessen, die sich zwar für mein Umfeld nicht auflockerte, aber sie erdrückte mich dank den Witzeleien mit Varius nicht mehr. Im Gegenteil, es war befreiend über unsinnige Sachen zu reden und zu lachen.

Die Karawanserei, die wir dieses Mal erneut gegen Mittag erreichten, erschien mir wie eine Rettungsinsel, auch wenn ich mich wunderte, warum schon wieder so ein Ding auf unserem Weg lag. Die letzte hatten wir immerhin am Tag zuvor besucht und ich hätte nicht gedacht, dass wir so schnell noch eine sehen würden. Oder waren wir im Kreis gelaufen und es war die letzte vom Vortag? Nein, dass bemerkte selbst ich, denn die Wachen, die hier positioniert waren, trugen nicht dieselbe Kleidung wie die Wachen aus Balbadd. Oder die der letzten Karawanserei. Es war also ein gutes Zeichen.
„Wir rasten hier. Ruht euch also zur Genüge aus, bevor wir weiterziehen.“
Ich muss gestehen, aufgrund meiner Müdigkeit hatte ich nichts dagegen, wenn ich nun etwas ruhen konnte. Vielleicht fand ich sogar noch ein Plätzchen, um ein sicheres Nickerchen zu machen. Um die Wagen machte ich mir keine Sorgen, da Tiberius bereits Stellung bezogen hatte. Scheinbar ging es ihm nun gut genug, sodass er über diese wachen konnte, während Varius auch noch eine gute Portion nötigen Schlafes einholte. Die Frage war nur, wo dieser sich niederlegen würde? Ob er die Wagen bevorzugte, oder sich einen angemessenen Platz in der Karawanserei suchte.
„Du.“
Ich hatte meine Hände gerade von den Lederriemen gelöst und den Pferden mit einer lobenden Geste meine Dankbarkeit für ihre Kooperation mitgeteilt, als Cassius bei mir stand und mich erneut mit diesen ernsten, dunkelblauen Augen fixierte.
„Was gibt es?“, fragte ich, denn sein Tonfall schien eher darauf hinzudeuten, dass ich etwas falsch gemacht hatte und er mir nun eine Standpauke halten wollte. Mein Kopf lief bereits Amok und überlegte, was ich während unseres Marsches getan hatte. War es vielleicht falsch gewesen mit Varius ein Schwätzchen zu halten?
„Hier, dein Lohn von gestern.“
Cassius hielt mir die Faust entgegen und ich öffnete meine beiden Hände, in die prompt acht Messingmünzen fielen. Katsching. Zwei Denar für meine Arbeit. Das war doch mal nicht schlecht. Vor allem war es sehr erfreulich, da ich nun drei Denar hatte. Noch ein paar Tage mehr und ich konnte vielleicht auch einen Aureus mein Eigen nennen. Dafür fehlten ja nur noch 22 Denar. Oder anders gesagt ich brauchte noch 88 Sesterze um den Wert einer Goldmünze zu besitzen.
'Kinderspiel...', dachte ich mir und schallte mich eine Närrin. So viel konnte ich unmöglich arbeiten. Allerdings, gab es da etwas, womit mir Cassius vielleicht doch noch helfen konnte, wenn er denn darauf einging. Etwas, dass sogar wesentlich billiger war.
„Cassius, würdet Ihr mir am Ende unserer Reise ein Empfehlungsschreiben geben?“
Mit den Münzen fest in meinen Händen umklammert, sah ich Cassius an. Erneut war keinerlei Mimik in seinem Gesicht zu lesen, was mich zweifeln ließ, ob meine Forderung vielleicht nicht doch zu dreist war. Aber je mehr Empfehlungsschreiben ich hatte, desto mehr Erfahrungen und Eignungen konnte ich in Sindria einem zukünftigen Arbeitgeber demonstrieren. Das war doch nur logisch und selbst Cassius sollte das verstehen.
Cassius antwortete aber nicht, sondern sah mich einfach nur an. Vielleicht reichte das, was ich tat, auch nicht für ein Empfehlungsschreiben. Immerhin hatte ich bei Assad und Ameen mehr als nur zwei Wochen verbracht und hatte meine festen Aufgaben gehabt.
„Natürlich nur, wenn meine Leistung empfehlenswert sind...“, setzte ich verunsichert wegen seines Schweigens nach. Plötzlich hatte ich das Gefühl mich mit meiner Forderung doch etwas zu weit aus dem Fenster gelehnt und um etwas gebeten zu haben, was zu viel verlangt war. Schließlich bezahlte Cassius mich ja schon, obwohl das auch nicht hätte sein müssen.
„Danke für die Entlohnung meiner Arbeitskraft.“ Um meine Worte zu unterstreichen, bedankte ich mich für das Geld, lief aber an Cassius vorbei in Richtung des Karren, in dem mein Reisegepäck mit meinem Geld stand. Ich kramte den Geldbeutel hervor und ließ die Münzen darin verschwinden, bevor ich diesen so weit wie möglich in die Tiefen des Gepäcks verstaute und das Reisegepäck wieder mit mir nahm. Irgendwie konnte ich mein Gepäck einfach nicht hier belassen auch wenn Tiberius die Wache übernahm. Irgendwo in mir lebte dieser Funken Misstrauen, den die Anderen wahrscheinlich auch mir gegenüber verspürten. Nach zwei Tagen konnte ich auch nicht allzu viel erwarten. Meine Forderung Cassius gegenüber war damit schon ziemlich dreist gewesen, aber wie gewohnt bemerkte ich das erst jetzt, nachdem ich das Geschehene nicht mehr rückgängig machen konnte.

Wie schon in der Karawanserei vom Vortag, war es auch hier gut besucht. Ich fragte mich, ob der Vorfall aus Balbadd selbst bis hier vorgedrungen war. Oder vielmehr, wo wir waren, damit ich eine logische Erklärung für diese Anhäufung an Menschen fand. Sicher, einige waren hier angestellt, aber doch nicht alle.
Dennoch zogen diese fremden Menschen um mich herum an mir vorbei, ohne, dass ich diese wirklich wahrnahm. Erneut schlich die Müdigkeit sich in meine Glieder und schrie nach dem nächstbesten Bett, welches mir aber bis zum Abend verwehrt bleiben würde. Ich konnte nur jetzt meinen Körper etwas Ruhe geben, ohne Schlaf. Danach würden wir weiterreisen, bis wir erneut unter dem freien Sternenhimmel kampierten. Wahrscheinlich würde ich dieses Mal auf das Abendessen verzichten und einfach sofort mein Nachtlager beziehen, nachdem ich den Rest meiner Aufgaben erledigt hatte.
Ich wusste nicht, wohin ich hier ging. Anders als am Vortag hatte ich kein Ziel. Überall hörte ich Lachen, oder Gespräche, die ich besser nicht weiterverfolgte, weil es mich nichts anging. Wobei ich doch schon zu der neugierigen Sorte Mensch gehörte, die lauschte und sich dann auch noch eiskalt einmischte, wenn ich das Gefühl hatte es besser zu wissen. Dafür hatte mir eine Kollegin auf Arbeit schon gehört den Marsch geblasen. Gott wie ich diese Person hasste.
Ich schrak zusammen, als ich auf einmal einen Zug an meinem Gepäck spürte. Nicht nur den Zug, sondern auch eine Hand die ich durch den Stoff des Gepäcks wahrnahm. Jemand wühlte in meinen Sachen und blieb dabei nicht sonderlich diskret. Verdammt.
Ich ließ das Reisegepäck etwas sinken, so dass ich dieses mit mir drehen konnte. Ich hörte etwas klappern, eindeutig von etwas, das auf den Boden fiel. Mein Blick glitt hinab und ich erkannte die Sonnensalbe, die mir Suleika gegeben hatte. Das Töpfchen war zu Boden gefallen, scheinbar hatte ich den Angreifer bei seinem Vorhaben gestört, oder ihn massiv behindert. Mein Blick richtete sich in die Richtung, in der dieser Dieb sein sollte, doch dort waren nur die Menschenmengen an die ich mich gewöhnt hatte. Der Angreifer war sicher in der Menge untergetaucht, sodass es mir unmöglich gewesen wäre, ihn oder sie auch noch zu finden.
Mein Herz klopfte wie wild, als ich das Töpfchen aufhob und mein Reisegepäck fest an mich drückte, so als drohte mir gleich der nächste Angriff. Ob der Dieb etwas bekommen hatte? Ich musste sicher gehen, weswegen ich mich abseits von den Menschenmassen niederließ, an einer Stelle, die ich für sicher erachtete.
Sofort zog ich den Rucksack vollständig auf und kramte in der Tasche. Das Geld war noch da, die Kleidung... Die Salbe auch noch. Es fehlte wirklich nichts, was mich ehrlich gesagt erleichterte, bis ich die Empfehlungsschreiben von Assad und Ameen sah. Ich hatte diese beiden Briefe vollkommen verdrängt und fragte mich zum ersten Mal, was darin stand. Waren beide mit meiner Arbeit zufrieden gewesen? Vor allem Assad, der immer so ein strenges Gesicht gemacht hatte? Noch dazu... ich hatte mich gegen seine Freunde von der Nebelbande gewandt. Vielleicht...
Nachdenklich sah ich auf den Brief. Sollte ich ihn lesen? Durfte ich das? Was würde mein zukünftiger Arbeitgeber davon halten, wenn er bemerkte, dass diese Zeilen schon einmal gelesen worden waren? Wobei, wenn jemand anderes es las... Zum Beispiel Cassius... nein. Das konnte ich ihn unmöglich fragen, auch wenn er so gesehen mein derzeitiger Arbeitgeber war. Er hätte also schon das Recht zu erfahren, was mein alter Chef dachte.
Mein Herz schlug wie wild, als ich auf den Brief sah. Was hatte Assad zu sagen? Wie sah er mich als Person, als Angestellte? Dieser Brief war die einzige Möglichkeit zu erfahren, was er seit einem Monat über mich dachte und doch hätte ich das lieber aus seinem Mund erfahren. Die Wahrscheinlichkeit ihn aber jemals wieder auf so ebenbürtige Weise wie zum Anfang zu begegnen, waren schwindend gering. Sollte ich jemals die Chance haben, zurück nach Balbadd zu kommen?
Der Schock über den versuchten Diebstahl war schnell in Vergessenheit geraten, als ich auf die Briefe sah und mich an die Zeit im Freudenhaus zurückerinnerte. Es war nicht zu glauben, dass es so schnell vorbei gewesen war. Genau wie ich es zu Varius gesagt hatte.
Verdammt, warum ging mir das nur näher als mein Verschwinden aus meiner Welt? Wieso? Irgendwo in meinem Hinterstübchen ratterte es wieder. War ich meine Welt wirklich so leid gewesen, dass es mir egal war, keinen meiner Freunde wiederzusehen, mit ihnen zu schreiben oder meine Mutter damit aufzuziehen, dass sie so unglaublich schlank war? Wie undankbar war ich eigentlich, mehr wegen einen wildfremden Mann zu jammern als über den Verlust der Person, die mir das Leben geschenkt hatte? Das war doch alles absurd! Noch weniger passte es zu mir. Ich war ein Mensch, der schnell jene vermisste, die ihm am Herzen lagen. Warum aber verdammt nochmal nicht die Menschen aus meiner Welt?
Ich atmete tief durch. Was brachte es, jetzt in diese Art des Selbsthasses zu verfallen? Ich würde mich sicher nicht einfach so in die Ecke setzen und in ein Schneckenhaus verkriechen. So würde ich zumindest nicht nach Hause kommen. Aber... War Sindria der richtige Ort? Der Ort, der mich zu dem Ziel meiner Heimkehr bringen würde? Oder wollte ich nur nach Sindria um meine Heimkehr zu sabotieren? Kou wäre doch viel logischer gewesen, wenn dort diese Berater waren. Ob ich von hier nach Kou kommen konnte?
'Du darfst das Ziel nicht aus den Augen verlieren.'
Ich seufzte leise, als mich diese innere Stimme im Kopf zur Zielstrebigkeit mahnte. Es war dieselbe Stimme, die mich in meiner Welt davon abhielt, mich vor den nächstbesten Bus zu werfen, wenn meine Depression mal wieder ihr böses Antlitz zeigte. Verdammte Stimme der Vernunft. Aber was war mein Ziel, abgesehen davon, dass ich nur nach Sindria wollte. Ich hatte für meine Ankunft dort noch keinen Plan. Und wahrscheinlich danach auch kein Geld mehr.
'Du hast es dir vorgenommen nach Sindria zu gehen, also steh das jetzt durch!'
„Weißt du, dass ich dich hasse?“, nuschelte ich zu der Stimme in meinem Kopf gewandt und ich hätte schwören können, dass ich vor meinem geistigen Augen ein Ebenbild von mir lächeln sah, dass antwortete mit: „Ich weiß.“
Also Sindria. Erneut. Ich kam wohl nicht umhin dieses Ziel weiter zu verfolgen und dadurch noch ein paar mehr Tage bei der Karawane zu bleiben.

Kurzzeitig hatte ich das Gefühl in einer Zeitschleife gefangen zu sein, als ich Cassius suchte und ihn schließlich zusammen mit dem Händler aus Balbadd über eine Karte sitzen sah. Nur dank der Anwesenheit des Händlers aus Kou war mir klar, dass die Zeitschleifentheorie vollständig hinfällig war.
„Mh... Egal welchen Weg wir nehmen...“, hörte ich von dem Händler aus Kou, allerdings waren seine Worte nicht ganz verständlich, da sie unter dem aufgeweckten Geschwätz anderer Gäste, überwiegend Händler, unterging.
„Wir sollten hier bleiben und darüber nachdenken.“
Je näher ich den Männern kam, desto deutlicher wurden ihre Worte aber, sodass ich ein Thema verstand, welches definitiv auch am Vortag thematisiert worden war. Die Übernachtung hier in der Karawanserei. Nach dem Angriff des Diebes wollte ich hier aber unter keinen Umständen bleiben. Sicher sah es Cassius genauso.
„Wir sollten die Hauptstraße nehmen.“ Es schien fast so, als hätte Cassius den balbaddischen Händler übergangen. Er kam sofort wieder zu dem Thema, über dass die drei Männer scheinbar ausgiebig zu diskutieren hatten.
„Aber, Cassius, hört doch. Die Hauptstraße ist nicht sicher. Mir haben die Wachen hier erzählt, dass in letzter Zeit vermehrt Räubergruppen die Reisenden angreifen. Das ist ein zu großes Risiko, welches wir nicht eingehen sollten. Diese Straße hier nach Norden ist viel sicherer.“
Von einer sicheren Entfernung beobachtete ich, wie der Händler aus Kou mit seinem Finger über die Karte fuhr und scheinbar eine Strecke damit zeigte. Doch kaum das Cassius diesen Weg sah, verfinsterte sich sein Blick noch mehr als gewöhnlich.
„Unter keinen Umständen werden wir diesen Weg nehmen“, grollte er und lehnte damit ohne Begründung den Weg des Kou-Händlers ab.
„Junge, langsam ist Schluss mit diesen Spielchen. Unsere Waren sind viel zu wertvoll, als dass wir sie irgendwelchen Räubern auf dem Silbertablett servieren. Ich bin ebenfalls für diesen Weg.“
Nun mischte sich auch der balbaddische Händler in das Gespräch ein, etwas, dass Cassius ganz und gar nicht gefiel. Damit war er wohl überstimmt und es gab keine Möglichkeit, dass Cassius sich da noch durchsetzen würde.
„Wie ich bereits am Morgen sagte, werden wir diese Straße nicht nehmen. Mir gefallen die Ansässigen nicht. Die Rastorte sind auch zu sporadisch. Die Hauptstraße mag zwar gefährlicher erscheinen, aber sie liegt in einem besseren Klima.“
Am Morgen? Aus dem Gespräch heraus hörte ich, dass diese Diskussion scheinbar schon am Morgen, während ich geschlafen hatte, geführt worden war. Auch wenn die Situation jetzt noch nicht ganz so aufgeheizt wirkte, konnte ich mir doch vorstellen, dass eben jene Diskussion am Morgen hitziger gewesen war.
„Cassius, wir verstehen, dass Ihr Rücksicht auf die Anderen nehmen wollt, aber... Wir verstehen Euch, wirklich. Die Straße im Norden mag berüchtigt sein, vor allem weil Quishan nahe ist, aber sie ist sicher. Hört doch auf unsere Erfahrung. Ich bin diese Straße schon mehrere Male gereist und es gab nie größere Komplikationen.“
Der Händler aus Kou lächelte Cassius beruhigend, fast schon väterlich an. So manch anderen hätte er damit sicher um den Finger gewickelt, aber Cassius blieb hart.
„Nein!“ Seine Faust fand ihren Weg schmetternd auf den Tisch, etwas das die Aufmerksamkeit einiger anderer Gäste auf dieses Dreiergespann zog. Das Lächeln des Kou-Händlers schwand und wich einem verbitterten Ausdruck.
„Sei nicht so kindisch, Junge! Du kannst nicht denken immer deinen sturen Kopf durchzusetzen. Hör gefälligst auf jene, die mehr Erfahrungen mit solchen Reisen haben als du.“
Ohne ein Wort zu sagen, erhob sich Cassius von seinem Platz. Er schien nicht gewillt zu sein, noch länger diese Diskussion zu führen. Immerhin konnten sich diese drei nicht einig werden.
„Schlaf heute Nacht darüber. Bevor wir uns nicht einig sind, lohnt sich die Weiterreise sowieso nicht.“
Schweigen machte sich breit. Dennoch war die Atmosphäre erneut so gespannt wie am Morgen, als Cassius ohne ein weiteres Wort den anderen beiden Händlern den Rücken kehrte. Wie angewurzelt blieb ich an der Stelle stehen und sah den jüngsten Händler auf mich zukommen.
„Sag den anderen, dass sie die Tiere unterstellen sollen. Wir bleiben heute Nacht hier.“
Seine Stimme schien wie ein deutlicher Windhauch an mir vorbeizuziehen. Er blieb nicht einmal stehen, als er mir die Anweisung mit auf den Weg gab. Nachgegeben. Cassius hatte einfach so nachgegeben und dem balbaddischen Händler den Willen eines Bettes gelassen? Warum? Ich verstand es nicht, denn schließlich hatte er sich am Tag zuvor so vehement dagegen gewehrt. Hatte Cassius etwa zum Wohle der Karawane aufgegeben? Würde er dann auch bei seiner Routenplanung nachgeben? Nein, dass konnte ich irgendwie nicht zulassen. Ich meine es war eine Sache, dass er nun dieses Zugeständnis machte, aber bei seiner Reiseroute sollte er sich nicht reinreden lassen.
Zielstrebig ging ich zu den Händlern, die immer noch über der Karte saßen und ohne Cassius über den weiteren Verlauf der Reise sprachen. Für sie stand wohl schon fest, dass der junge Händler nachgeben würde. Scheinbar war das eine Selbstverständlichkeit für sie.
„Entschuldigen Sie. Darf ich etwas mehr über beide Reiserouten erfahren?“
Ich musste keinen Hehl daraus machen, dass ich dem Gespräch gefolgt war, weswegen ich mich dreist zu den Händlern setzte und auf die Karte vor mir sah. Dem balbaddischen Händler gefiel es offensichtlich nicht, dass ich bereit war, mich in dieses männliche Gespräch einzumischen, aber das war mir egal. Er hatte bei mir sowieso alle seine Sympathien verspielt. Der Händler aus Kou hingegen lächelte freundlich und fuhr mit einem Finger eine Strecke nach.
„Das hier, ist die Hauptstraße die Cassius gerne nehmen würde. Sie läuft hier Richtung Osten an der Küste entlang. Der nächste größere Halt wäre die Hafenstadt Bitroun. Früher war diese Strecke sehr sicher, aber seit kurzen machen Meldungen von Übergriffen durch Räuberbanden die Runde. Jeder der diese Strecke also geht, läuft Gefahr angegriffen zu werden. Dagegen ist dieser Weg über Norden sicherer. Er führt zwar an Aza vorbei, aber es gibt nichts was es zu befürchten gäbe.“
Geduldig zeigte mir der Händler aus Kou auch die zweite Strecke, wobei mir recht schnell auffiel, dass sie eher in die Richtung der zentral gelegenen Wüste führte. Mein Augenmerk blieb allerdings auf einem kleinen Punkt hängen, über dem ein Name stand. Quishan. Die Stadt mit dem Dungeon, der Ort an dem Alibaba und Aladdin sich kennenlernten und auf Morgiana trafen.
„Wenn ich mir das so ansehe, halte ich keine der Routen für wirklich sicher...“, murmelte ich, woraufhin der Händler von Kou mir doch einen erstaunten Blick schenkte.
„Was lässt Euch das denken?“, fragte er nach und fixierte mich mit einem Blick, der mir unsagbar unangenehm war. Er schien darauf zu lauern, dass ich etwas dummes sagte, etwas das er nutzen konnte, um mich zu überzeugen, dass seine Wunschroute die richtige war.
„Interessiert Euch nun auch die Meinung des Mädchens? Sie hat doch eindeutig keine Ahnung“, protestierte der balbaddische Händler, doch der Mann aus Kou gebot diesem mit erhobener Hand zu schweigen.
„Redet nur. Es wird Euch keiner einen Vorwurf machen.“
Als wollte er mich dazu ermutigen, lächelte er mich an, doch mein Blick ging zurück auf die Karte und fixierte die Wege, welche hier zur Debatte standen.
„Nun, wenn ich das richtig sehe, ist die Route die sie gerne gehen würden die Kürzeste. Allerdings führt sie in Richtung der Wüste. Das bedeutet die Tage dort werden ähnlich heiß. Mitglieder dieser Reisegruppe, die das Klima nicht gewöhnt sind, werden Probleme damit bekommen. Noch dazu, heiße Tage bedeuten häufig kalte Nächte. Zu schwunghafte Temperaturen könnten dem ein oder anderen zu schaffen machen. Wenn das, was Cassius noch sagte, stimmt, und die Zwischenstopps eher seltener sind, haben wir zudem noch ein weiteres Problem. Wo soll man in einer trocken werdenden Richtung Wasser finden? Und dann noch der dritte Grund... Der Weg ist meiner Meinung nach zu einfach. Ich habe da kein gutes Gefühl dabei.“
Ich verschwieg einfach mal die Tatsache, dass dieser Weg nicht für mich in Frage kam, da er an Aza vorbeiführte. Ich musste aber nach Aza und wenn die Hauptstraße über eine weitere Hafenstadt führte, konnte ich gleichzeitig an einem früher gelegenen Hafen anfragen, ob ein Schiff nach Sindria fuhr. Eigentlich war die Hauptstraße, selbst mit der offensichtlichen Gefahr mein Favorit.
„Du willst doch nur nicht einen Umweg nach Aza machen, Mädchen. Rede nicht so einen Unsinn. Was soll falsch an einem einfachen Weg sein?“
War ja klar gewesen, dass der Händler aus Balbadd sich einmischte. Der Mann hatte wirklich keinerlei Anstand, geschweige den Verstand. Der Händler aus Kou hingegen ließ sich meine Worte wenigstens durch den Kopf gehen.
„Was falsch daran sein soll? Nun, auch wenn Sie vielleicht schon Erfahrung mit dem Weg haben, heißt es nicht, dass diese Erfahrungen auch dieses Mal nützlich sein werden. Was wenn genau dieser einfache Weg, den sicher viele andere Händler nun auch einschlagen werden, dadurch zur Gefahr wird? Einer Gefahr, die wir nicht einschätzen können? Bei der Hauptstraße hingegen wissen wir, was uns erwartet und können entsprechende Maßnahmen ergreifen. Außerdem ist das Klima angenehmer und wir müssen uns nicht darum sorgen, dass ein Mitglied der Karawane zusammenklappt. Das würde uns erneut Zeit kosten und damit wäre der kürzeste Weg genauso Zeitaufwendig wie der über die Hauptstraße.“
„Das sind doch reine Spekulationen! Du und Cassius, ihr solltet aufhören euch in billigen Ausreden zu winden! Wir nehmen den Weg über Norden.“
Wut kochte in mir hoch, als der balbaddische Händler wieder so bestimmend wurde und scheinbar glaubte nun der neue Anführer der Karawane zu sein. Der bequeme Weg war ihm der liebste, so sah er auch schon aus.
„Das reicht! Wenn Sie wirklich solche Angst haben, schön. Wir werden den Hauptweg gehen, so wie Cassius es vorgeschlagen hat und sollten wir von Räubern angegriffen werden, stehe ich Ihnen gerne als lebender Schutzschild zur Verfügung. Wir haben nichts, wovor wir uns fürchten müssten, denn mit Tiberius und Varius haben wir zwei starke Wächter und Kämpfer an unserer Seite. Noch dazu...“ Ich wandte meinen Blick zu dem Händler von Kou der mich nun doch erstaunt ansah. „Sie trauen sicher auch Hinata und Chen zu, dass sie sich nicht einfach von einer unkoordinierten Bande von Räubern überrumpeln lassen, oder?“
Der Kou-Händler dachte einen Augenblick nach, nickte aber schließlich mit einem Lächeln.
„Das bedeutet, Sie, werter Herr, sind der einzige ohne eine Leibgarde. Und wenn das der Grund ist, warum Sie den schweren Weg fürchten, dann werde ich mit meinem Leben Ihres verteidigen.“
Mein Vater hatte damals so recht. Wer schrie, hörte auf zu denken. Meine Gedanken hatten sich bereits verabschiedet und waren eher meinem Temperament gewichen, welches ich noch genug zügelte um dem balbaddischen Händler nicht sofort an die Kehle zu springen.
„Da wir ja heute Nacht hier nächtigen werden, ist nicht nur Cassius der einzige, der Bedenkzeit hat. Ich sage ihnen, wir müssen die Hauptstraße nehmen. Denn der einfachste Weg ist nicht immer der Richtige.“
Ohne den beiden Männern eine Chance zu geben, etwas zu meiner Entscheidung zu sagen, stürmte ich förmlich mit meinen aufgewühlten Aggressionen aus dem Gastraum. So konnte ich wenigstens nicht hören, was sie noch für Begründungen ausgruben. Damit konnte auch nichts meinen Entschluss mehr erschüttern.

Nachdem ich dem Rest der Gruppe Bescheid gegeben hatte, dass wir hier übernachten würden, hatte ich mich entschieden endlich mal eine Einrichtung der Karawanserei zu nutzen. Zuvor hatte ich aber ausgiebig den Rest meines Geldes für Zutaten ausgegeben und stand nun in der Küche. Vor mir häufte sich etwas Gemüse, Fisch und doch noch ein erschwingliches, aber dennoch kostspieliges Stück Fleisch. Dazu lag auch noch Obst hier, neben einigen Gewürzen, die es unbedingt auszuprobieren galt.
Mit genug Wut im Bauch, um wirklich eine Abregung zu brauchen, band ich mir die Haare zusammen und griff zu einem der vielen Messer, die hier in der Küche lagen. Zeit das tote Gemüse toter zu machen und den Fischen ihres Lebens zu erleichtern.
Den Ekel den ich zu Beginn für das Köpfen der Fische empfunden hatte, war unter Ameens Führung gewichen. Es war nun ganz normal das Messer niedersausen zu lassen, während meine andere Hand den Körper des Fisches festhielt, sodass er mir unmöglich entwischen konnte. Ich kannte kein Erbarmen mehr für Fische. Schon gar nicht, wenn sie auf einmal das Gesicht des abscheulichen Händlers aus Balbadd annahmen.
'Ab mit seinem Kopf!', brüllte mir ein diabolisches Stimmchen immer dann entgegen, wenn ich dem Fisch in die Augen blicken wollte. Die rote Königin wäre stolz auf mich gewesen. Noch dazu war es ein tolles Gefühl zu wissen, dass man nichts verlernt hatte. Gut was sollte man schon beim Gemüse schneiden verlernen? Das einzige Problem, was ich hatte, war der Ofen, aber selbst das hatte sich geklärt, nachdem jemand diesen für mich freundlicherweise angezündet hatte und das Feuer in den Untiefen brannte.
Ich war bereit. Die Zutaten konnten endlich zu einer leckeren Mahlzeit zusammengeführt werden. Ich hoffte nur, dass die Utensilien reichten, denn wie gewohnt hatte ich es mit der Vorbereitung zu gut gemeint, oder ich war noch zu sehr an Ameens Küche in Balbadd gewöhnt, in der es nie zu viele Zutaten geben konnte.

Stück für Stück, und das musste ich einsehen, ging mir der Platz aus. Das Curry köchelte auf den Platten, das Fleisch war gut durch und bereit verzehrt zu werden, das Bratgemüse war ebenfalls fertig, genauso der Fisch. Ich hatte gerade die Reis gefüllten Weinblätter abstellen wollen, als mir das alles erst bewusst geworden war.
„Ich hab wohl etwas übertrieben...“, murmelte ich mehr zu mir selbst. Immerhin hatte ich mich wieder beruhigt. Ein Gutes hatte meine Kochwut also gehabt. Nur wäre es schade gewesen, die Hälfte von diesen Lebensmitteln wegzuwerfen. Cassius' Karawane konnte das sicher nicht alles alleine essen. Nicht einmal Varius hatte so viel Platz im Magen.
„Seht euch das an...“
Mit den gefüllten Weinblättern in der Hand sah ich zum Eingang der Küche, durch den gerade eine Gruppe Frauen gekommen war, die genauso fassungslos wie ich selbst, auf die Unmengen an Lebensmitteln sah. Schon peinlich wenn man das Recht bedachte, denn ich hatte die ganze Küche so ziemlich in Beschlag genommen. Ich hatte mich schon gewundert, warum nur wenige Menschen hier gewesen waren und dann fluchtartig den Ort verlassen hatten.
„Hast du das gemacht?“, fragte eine der Frauen und ich versteifte augenblicklich. Was wenn sie mir nun böse waren? Immerhin stand die Küche allen frei zur Verfügung. Verdammt.
„Ja... Tut mir leid, ich räume gleich einiges weg“, versicherte ich, auch wenn ich mit dem Teller in der Hand doch eher planlos wirkte. Mir fehlte es definitiv an Platz. Bei Ameen wäre das niemals passiert. Die Mädchen hätten schon längst gut ein dutzend Gerichte zu den Gästen gebracht. Hier gab es nur keine Mädchen und leider Gottes auch keine Gäste. Nur Cassius' Karawane und die würde niemals soviel essen.
„Für wie viele hast du gekocht?“
Die Frage war nun doch seltsam, aber berechtigt. In Gedanken zählte ich noch einmal unsere Reisegruppe durch. Tacita, Iunia, Tiberius, Varius, Nel, Panthea, Cassius, Cassius' Lehrer, Chen, Hinata, der Händler aus Kou, der Händler aus Balbadd und ich... Hatte ich wen vergessen? Keine Ahnung, ich hatte den Überblick verloren.
„Für ungefähr 15 Personen?“, antwortete ich daher eher fragend und unsicher, als wirklich im klaren, ob diese Zahl der Wahrheit entsprach. 15 war schon eine große Zahl. Eine Menge, aber noch lange nicht vergleichbar mit der Menge an Gästen, die Assads Freudenhaus an manchen Tagen beherbergte.
„Dann ist das eine ganz schöne Menge. Würdest du etwas davon teilen? Natürlich bezahlen wir auch.“
Hatte ich mich verhört? Hatte mir eine dieser Frauen gerade wirklich vorgeschlagen, dass sie mir etwas von dem Essen abkaufte? Wie viel konnte ich dafür dann eigentlich verlangen? Vor allem, mit was würde man mich dieses Mal bezahlen?
„Uhm... Nur zu. Bedienen Sie sich. Zahlt was es euch wert ist.“
Es war wohl die cleverste Weise, mich hier aus der Affäre zu ziehen. Was auch immer ich bekommen würde, es würde wohl dem Wert entsprechen, den man meinen Kochkünsten gab. Zur Not konnte ich später Cassius vielleicht noch einmal fragen, was ich für Münzen bekommen hatte.

Ich hatte vielleicht mit einer kleinen Ausbeute gerechnet, aber nicht damit, dass ich kurzzeitig zum Restaurant mutierte. Die Damen, die mir meine Speisen abgekauft hatten, hatten sich auch als sehr gesprächig erwiesen. Mit einem Mal waren mehr Leute gekommen und hatten mir ihre Wertigkeit für eine Portion von den Gerichten gegeben. Auch wenn mich vielleicht der ein oder andere über den Tisch gezogen hatte, so war ich mir doch sicher, dass ich zumindest die Zutaten wieder reinbekommen hatte. Solange jene, die sich mein Essen angetan hatten, auch noch glücklich darüber waren, konnte man diese Aktion als Erfolg feiern. Wie hätte Ameen so schön gesagt: „Bisher ist noch kein Gast wegen meinen Kochkünsten gestorben.“
Ich musste schmunzeln, als ich an Ameen dachte. Sicher stapelte sich selbst jetzt noch das schmutzige Geschirr bis unter die Decke und Suleika musste ihm helfen. Assad bekam wirklich noch graue Haare, wenn er weiter so machte. Wenn ich ihn wieder sah, sollte ich unbedingt gucken, ob seine Haare wirklich noch so schwarz waren wie ich sie in Erinnerung hatten.
Mit einem Tablett der letzten Überreste, die ich tapfer für die Menschen von Cassius' Karawane beschützt hatte, begab ich mich auf die Suche nach den Mitgliedern. Wie schon am Tag zuvor fand ich den Händler von Kou bei den leicht bekleideten Damen. Eins musste der Neid ihm lassen, er war noch richtig aktiv, was das anging. Vielleicht war das auch der Grund, warum er so entspannt und freundlich war. Gruselig.
Ohne ihn zu stören, stellte ich seine Portion auf einen Tisch, der neben ihm stand. Mit einem Nicken dankte er es mir, bevor ich mich von dem Anblick abwandte. Innerlich schüttelte es mich und ja, man kann mich prüde oder verklemmt nennen. Damit konnte ich genauso gut leben wie mit den verwunderten Blicken des balbaddischen Händlers, als ich ihn fand und ihm eine Portion des Fleisches mit Gemüse und Reis hinstellte. Irgendwie hatte ich bewusst entschieden, dass die vermögenderen Händler, also der Herr aus Kou, der aus Balbadd und Cassius, etwas von dem Fleisch bekommen sollten. Es entsprach eher dem Standard als das Curry und die gefüllten Weinblätter, die ich für den Rest der Gruppe vorgesehen hatte.
„Keine Sorge, meine Ehre verbietet es mir Kunden oder Verbündete zu vergiften. Wie ich schon sagte, ich werde Sie mit meinem Leben beschützen, wenn es darauf ankommt.“ Bevor meine Wut wieder aufkeimen konnte, verließ ich aber den balbaddischen Händler, unwissend, ob er auch nur einen Bissen von dem nehmen würde, was ich zubereitet hatte. Es war mir so gesehen aber auch egal.
Anders sah es da bei Cassius aus, der sich mit seinem Hauslehrer ins Teehaus zurückgezogen hatte. Scheinbar für eine ungestörte Unterrichtsstunde in Sachen Politik. Zumindest hörte ich, wie der Lehrer etwas ausholen wollte, als er Magnostadt erwähnte.
„Ihr solltet vielleicht eine Pause machen...“, merkte ich an, als ich den beiden die Teller hinstellte.
„Aber wir haben gerade erst angefangen.“
Als der Lehrer mir das erklärte, was ich schon sehr verwundert, denn Cassius Gesichtsausdruck hatte nicht so gewirkt, als hätten sie gerade erst angefangen. Viel eher war seine Begeisterung so unfassbar groß gewesen, als hätte er schon zu viele Stunden in Folge über diese leidlichen Themen wie Politik gehangen.
„Na dann... Umso besser. Dann kann der junge Herr hinterher noch aufmerksamer Euren weisen Worten lauschen.“
Ich grinste breit, als der Lehrer nicht wirklich begeistert schien. Wahrscheinlich würde hinterher das Unterrichten nicht leichter werden, sondern schwieriger. Nachdem was auf Cassius' Teller war, nicht verwunderlich. Nach so einer Portion wäre selbst ich zu träge gewesen, auch nur eine Information aufzuschnappen oder sie im Geist zu behalten.
„Ich bring den anderen noch ihre Portionen.“ Um das Gespräch nicht in die Länge zu ziehen, gab ich zu verstehen, dass ich es eilig hatte und ließ den beiden ihren Privatunterricht, so wahr sie es noch konnten, fortsetzen.
Tiberius und Varius waren die letzten, die von mir das Essen geliefert bekamen. Sie waren gerade fertig geworden auch noch die letzten Karren zu sichern. Beide hatten sich definitiv eine halbwarme Mahlzeit verdient, denn mittlerweile waren die letzten Teller alles andere als mit warmen Inhalt versehen.
„Jungs, Essen fassen. Gute Arbeit heute.“
Irgendwie hatte ich das Bedürfnis die beiden zu loben, auch wenn es eher an Sarkasmus grenzte, da die beiden diese Arbeit wohl häufiger machten. Doch die Geste, dass ich ihnen Essen brachte, ließ sie nicht einmal daran denken, dass ich es sarkastisch meinen konnte.
„Endlich, ich bin schon am verhungern“, murrte Varius, der sich sogleich auf den Boden setzte und deutlich machte, dass er hier und jetzt seine Mahlzeit einnehmen wollte. Tiberius tat es ihm gleich und ich dachte mir nichts dabei. Scheinbar war es egal, wo man aß, zumindest für diese beiden.
„Setz dich zu uns, bevor deines noch kalt wird.“
Varius klopfte neben sich und verwarf damit meine Pläne, mir einen ruhigen Ort zu suchen und dort alleine diese Mahlzeit einzunehmen. Bis ich diesen ruhigen Ort gefunden hätte, wäre das Essen sicher kalt gewesen. Ohne Zweifel.
„Nur nicht so schüchtern, wir beißen nicht.“
Ich verdrehte genervt die Augen über Tiberius Kommentar. Natürlich bissen sie nicht. Die bissigste Person hier war immerhin ich.
„Also schön.“
Ich gab mich geschlagen und platzierte das Tablett vor mir. Nur noch meine Portion stand auf diesem und wenn ich recht darüber nachdachte, war ich wirklich hungrig. Auch wenn ich noch nie gefüllte Weinblätter gegessen hatte, war ich gespannt, wie sie schmeckten. Es war das erste Mal, dass ich sie probiert hatte, sonst hatte ich nur wahren Köchen wie Jamie Oliver oder Ameen zugesehen, wie man sie zubereitete. Vielleicht hatte ich eine gute Auffassungsgabe und es war mir schon beim ersten Mal gelungen. Beschwerden hatte es zumindest keine gegeben.

Das Essen mit Tiberius und Varius gehörte wohl zu den seltsamsten und lustigsten Dingen des Tages. Die beiden behandelten mich, als sei ich eine von ihnen, scherzten mit mir und ließen wirklich keine Gelegenheit aus, um mich in Verlegenheit zu bringen oder mir irgendwelche groben Prügelknabensprüche zu entlocken. Tiberius war wie Varius mit seiner Art sehr locker drauf und wirklich nicht auf dem Mund gefallen. Vielleicht eine Eigenschaft von Wachmännern der reimischen Art. Es machte Spaß bei ihnen zu sein, anders als bei Hinata und Chen, wo man sich wie das dritte Rad am Wagen fühlte, oder bei Panthea und Nel, die zwar ebenfalls nett waren, aber zu denen es schwer war Bezug zu bekommen, wenn sie zusammen waren. Der Rest, naja vielleicht hatte ich mich auch einfach noch nicht so sehr um den Rest bemüht, oder die Gelegenheiten genutzt irgendjemanden so nahe zu kommen, wie es bei Varius der Fall war. Schließlich waren wir Onigiri-Kumpel.
„Also wirklich, Mädchen. Der Kerl der dich abgreift, wird sicher irgendwann zum Grabe gerollt“, scherzte Varius, als auch der letzte Bissen verschlungen war. Er hatte doch wirklich mehr gegessen als alle anderen. Schließlich hatte ich ihm noch etwas von meinen Resten überlassen.
„Ich? Einen Kerl? Nee lass mal, Varius. Ich bin nicht Partnerfähig und habe auch nicht so schnell das Bedürfnis, es zu werden. Bisher wurde ich immer nur enttäuscht. Sowohl von meinen Gefühlen für den, für den ich schwärmte, als auch von jenen, die offensichtlich interessiert an mir waren.“
Ich gab mir Mühe dieses Gesprächsthema damit zu beenden.
„Bist du deswegen aus Balbadd weggelaufen? Wurde dir das Herz gebrochen?“
Eines verriet mir Tiberius Frage ganz genau: Varius hatte die Klappe gehalten. Dennoch versetzte der Wächter seinem verletzten Kumpel einen Schlag auf den Hinterkopf.
„Au, was soll das, Varius! Auch noch mit voller Kraft!“
„Wäre das mit voller Kraft gewesen, würdest du nicht mehr hier sitzen.“
Schon niedlich wie Varius versuchte, Tiberius Verstand einzuprügeln. Auch wenn das vollkommen unnötig war. Noch dazu übertrieb er, denn mit Sicherheit besaß er nicht die Kraft Tiberius, der selbst ein muskulöser Mann war, von den Socken zu hauen.
„Schon in Ordnung, Varius. Ich floh aus Balbadd weil ich unfähig bin, mich oder jene die mir wichtig sind zu verteidigen. Die Verletzung an meiner Schulter ist ein Zeugnis von jener Schwäche.“
Ich rang mir ein Lächeln ab, doch in Wahrheit nagten meine eigenen Worte stark an mir. Doch noch mehr nagte an mir die Gewissheit, den balbaddischen Händler zwar mit dem Borg beschützen, aber nicht viel mehr tun zu können. Der Borg war alles, was ich hatte, und ein Dolch, mit dem ich höchstens Gemüse schnippeln konnte.
„Deswegen... Varius, kannst du mir beibringen wie ich mit einem Dolch richtig umgehe?“ Auch wenn ich sicher nach Sindria kam, dort würde ich so schnell nicht wieder einen Lehrmeister finden. Ich sollte also das Beste aus der Reise machen, oder aus meiner Bekanntschaft mit Varius.
Kurz sahen sich die beiden Wächter an, so als mussten sie überlegen, ob das wirklich eine gute Idee war. Ich musste sie dazu bringen. Dann konnte ich vielleicht meinen Borg geheim halten. Angreifen bevor ich mich verteidigen musste, das war wahrscheinlich der Weg den ich gehen musste, um normal zu sein.
„Bitte! Ich will auf alles gefasst sein und mich nicht wieder wie eine Last für andere fühlen. Ich verspreche auch mir die größte Mühe zu geben.“ Ernst sah ich zu Varius, der immer noch nicht bereit schien einzuwilligen. Doch schließlich war es Tiberius, der sich erhob und zu einem der Karren ging, aus dem er ein Schwert zog.
„Es kann nicht falsch sein, sich verteidigen zu wollen. Wir sollten ihr also etwas helfen, oder Varius? Ich stehe als Übungspartner frei zur Verfügung.“
Es war nur noch Varius der sein Einverständnis geben musste. Er schien aber nicht gewillt zu sein, so schnell einfach zuzusagen, bis er schließlich breit grinste.
„Dann fangen wir doch gleich an.“

Ich hatte ein mulmiges Gefühl, als ich Tiberius gegenüber stand. Varius hatte mir alles wichtige erklärt, dass ich auf die Handlungen meines Gegners achten musste, den Dolch wenn nötig mit zwei Händen halten sollte, um so mehr Wucht mit der eigenen Kraft abzubremsen, und das jeder unnötige Schritt mein Verderben sein konnte. Was Varius also meinte, war, dass ich gezielt reagieren und angreifen musste.
„Also schön, Tiberius, du weißt, was du zu tun hast. Wenn du merkst, dass sie etwas falsch macht, brich den Angriff ab. Es bringt ihr gar nichts, wenn sie noch schlimmere Verletzungen hat. Iunia bringt uns dann um.“
Mein Herz klopfte wie wild, als Varius seinen Kollegen zur Vorsicht ermahnte. Vorsicht, die dank des Borgs nicht nötig war, aber das würde ich sicher niemanden so schnell auf die Nase binden. Ich konnte mich nicht immer nur auf diesen Schutzschild verlassen.
„Schon klar. Also, Erenya, bist du bereit?“
Ich umklammerte meinen Dolch und holte tief Luft, denn mein Herz wollte einfach nicht aufhören zu rasen. Meine Nervosität ebenso wenig. Dennoch nickte ich.
Als wäre dies sein Zeichen gewesen, lief Tiberius mit erhoben Schwert auf mich zu. Seine Haltung, schien förmlich danach zu schreien, dass er direkt angreifen würde, gezielt auf meinen Kopf. Ich musste also im richtigen Moment zur Seite oder nach hinten ausweichen. Zur Seite wäre aber keine gute Option gewesen, er hätte sofort zum nächsten Angriff übergehen können und so mehr Schwung bekommen, definitiv ein tödlicher Treffer in die ungeschützte Seite. Aber zurück wäre ebenso wenig eine Option gewesen, die Seite wäre ebenfalls ungeschützt gewesen, außer ich wüsste, wie er als nächstes angriff.
„Und tot...“
Blinzelnd sah ich zu Tiberius, der mit erhobenen Schwert vor mir stand. Er hatte seinen Angriff abgebrochen, noch bevor er überhaupt richtig begonnen hatte.
„Wie?“, fragte ich etwas fassungslos, denn ich wusste nicht was er damit meinte.
„Du hast zu lange nachgedacht. Bei einem so direkten Angriff ist es besser du blockst. Heb den Dolch dann etwas seitenversetzt über deinen Kopf. So hast du auch die Möglichkeit in einer Drehung auszuweichen, wenn dein Gegner kräftemäßig überlegen ist.“
Tiberius gab sich Mühe mit der Erklärung, bemerkte aber schnell, dass ich ihn nicht verstand, weswegen er mit seinem Schwert die Position einnahm. Sein Körper war etwas in die Richtung gedreht, in die er fliehen konnte, das Schwert hingegen zeigte in die entgegengesetzte, hätte aber mit Sicherheit einen direkten Angriff geblockt.
„Noch einmal!“, rief Varius uns zu, nachdem Tiberius meine Haltung vollständig berichtigt hatte.
Gut, es war der erste Versuch gewesen. Natürlich konnte ich nicht alles gleich perfekt, auch wenn es mich schon wieder wurmte, dass Tiberius mich wohl mit einem Schlag beinahe enttarnt hätte. Glücklicherweise bremste er rechtzeitig ab, doch von jedem Gegner konnte ich das nicht behaupten.
Mir wurde schlecht bei dem Gedanken. Ich musste mich also mehr konzentrieren, schneller reagieren.
Erneut ging Tiberius in Stellung, dieses Mal schwang er sein Schwert von der rechten unteren Seite. Er würde es nach oben ziehen und hätte damit die nächste Möglichkeit mich anzugreifen, wenn ich auswich. Ausweichen musste ich aber, denn ich konnte einen Schlag von unter der Gürtellinie nicht blocken. Wieder stellte sich aber die Frage, wohin ausweichen... Nein, nicht denken. Ich durfte nicht zu sehr nachdenken.
So schnell ich konnte, wich ich rücklings aus. Sein Schwert verfehlte nur knapp den Borg, der sich mit einigen Zentimetern Abstand von mir aufbauen würde. Wie ich es mir gedacht hatte, holte Tiberius von oben zum zweiten Schlag aus. Seine rechte Seite war ungeschützt. Ich umklammerte meinen Dolch, wissend, dass dies meine Chance war und doch... das hier war ein Training. Ich konnte Tiberius verletzten. Das wollte ich nicht. Überhaupt wollte ich keinen einzigen Menschen verletzten.
„Wieder tot.“
Ich stockte erneut als Tiberius seinen Angriff früh genug abbrach. Er hatte wohl recht, ich wäre wieder tot gewesen, denn ich hatte gezögert anzugreifen.
„Noch einmal!“, sagte ich schnell, denn ich konnte jetzt nicht einfach aufgeben. Sicher war das nur eine Gewöhnungssache. Je häufiger man so etwas tat, desto ungehemmter wurde man.
„Aber... verletzte ich dich auch nicht, sollte ich dich angreifen? Ich meine, sobald ich noch einmal die Chance habe, greife ich an“, setzte ich nach, doch es klang mehr so, als wollte ich mir Mut zusprechen.
„Mach dir darum keine Sorgen. Die Rüstung ist gut genug. Die bekommt höchstens Kratzer.“
Sanft klopfte mir Tiberius auf den Kopf. Mochte ja sein, dass er gepanzert war, aber was wäre mit anderen Menschen? Menschen wie Kassim? Hätte ich damals wirklich den Mut aufgebracht, ich hätte ihn verletzten können. Uns hatten auch nur wenige Zentimeter getrennt.
„Schon wieder tot.“
Tiberius Stimme riss mich aus meinen Gedanken. Hatten wir etwa schon angefangen? Er war doch keinen Meter von meiner Seite gewichen.
„Wieso das denn?“, fragte ich entrüstet, bemerkte aber dass uns doch eine kleinere Entfernung trennte und er sein Schwert gezielt auf mich gerichtet hatte. Hätte er nun ausgeholt, ich wäre wirklich tot gewesen.
„Vertrau deinem Feind niemals. Viele greifen zu miesen Tricks und kämpfen nicht fair. Das bedeutet, sie könnten so tun als seien sie ein Verbündeter und greifen dann hinterrücks an.“
Irgendwie musste ich gerade an Sadiq denken. Wobei, wäre das sein Stil gewesen? Nein, zu so etwas wäre er sicher nicht fähig gewesen, oder?
„Verstanden.“
Ernst sah ich Tiberius an, der nun doch wieder auf Abstand ging und zu einem neuen Angriff ansetzte. Ausweichen, blocken und angreifen wenn sich die Chance bot. Das sollte doch irgendwie machbar sein.

Tiberius Rüstung hatte keinen einzigen Kratzer. Zwar hatte ich begriffen wie ich seine Angriffe blockte, oder auswich, aber wirklich jede Chance die ich zum angreifen hatte, war von mir verspielt worden.
Tiberius und Varius beließen es aber dabei. Für heute hatte ich doch schon genug gelernt und dennoch war ich in keinster Weise stolz auf mich. Irgendwie hatte ich das Gefühl, dass ich mehr hätte geben können. Zum Beispiel mal angreifen und Tiberius Rüstung einen Kratzer versetzen.
„Erenya, warte kurz...“
Doch schon sehr von mir enttäuscht, hatte ich das Geschirr auf das Tablett gestapelt, mit dem Vorsatz dieses in die Küche zu bringen und noch abzuspülen. Zusammen mit dem Rest, der sich wahrscheinlich noch stapelte.
Ich wandte mich zu Varius und bemerkte, dass Tiberius bereits gegangen war. Scheinbar wollte er ein Gespräch unter vier Augen führen und das konnte nichts gutes bedeuten. Vier-Augen-Gespräche waren nie etwas gutes.
„Was ist los?“, fragte ich, wobei mein Herz schwer gegen meine Brust schlug und mein Hals sich zuschnürte. Ich versuchte, es mir nicht anmerken zu lassen, aber ich war nervös und am liebsten wäre ich gerade vor diesem Gespräch davon gelaufen. Ich hasste solche Gespräche schon immer auf Arbeit und leider hatte ich genug davon durchziehen müssen.
„Ich bin mir ehrlich nicht sicher, ob du für eine Waffe geeignet bist. Zwar hast du Tiberius Angriffen ausweichen können und sie auch versucht bestmöglich zu blocken, aber... Du zögerst wenn es darum geht selbst offensiv zu werden.“
Es war nur natürlich, dass Varius das Offensichtliche ansprechen würde. Selbst ich hatte meine Blockade beim Angreifen bemerkt.
„Wo du herkommst, mag es nicht nötig sein, ein Leben zu nehmen, um deines zu retten, aber das hier ist nicht mehr deine Heimat. Hier musst du dein Leben mit allem, was du hast, beschützen. Du darfst im entscheidenden Moment nicht zögern, sonst wirst du versklavt oder stirbst. Deswegen, wenn du nicht bereit bist etwas Blut an deinen Händen kleben zu haben, solltest du den Dolch ablegen, sobald du in Sindria bist und nicht einmal daran denken, zurück nach Balbadd zu gehen.“
Was Varius sagte, war wahr, aber schlimmer als jeder Schwerthieb, den Tiberius mir hätte versetzen können. Er konfrontierte mich mit einer Realität, die nun meine war. Leben und Leben lassen. Das war das Motto meiner Welt. Doch hier hieß es Auge um Auge, Zahn um Zahn.
„Ruh dich aus. Cassius dreht durch, wenn du nicht vernünftig schläfst und mehr Ballast als Hilfe bist.“ Varius gab sein Bestes mich nach seinen aufrichtigen Worten wieder etwas auf sicheren emotionalen Boden zurückzuziehen, doch er kannte mich nicht gut genug, um zu wissen, dass dies nichts bringen würde. Dennoch schenkte ich ihm ein Lächeln und hielt das Tablett hoch.
„Ich wasch nur noch das ab, dann geh ich schlafen. Wo sind die Schlafräume?“
Ich bemühte mich normal zu klingen, so als hätten seine Worte nichts in mir erschüttert. Als wären sie einfach an mir vorbeigezogen, obwohl sie mein Herz zu zerdrücken drohten.
„Unter dem Dach, bei uns. Iunia und die anderen haben dir sicher einen Platz in ihrer Nähe freigehalten.“
Ich nickte. Es schreckte mich nicht einmal mehr ab, dass wir unter dem Dach schlafen mussten. Der Tag war warm genug gewesen, sodass es dort oben sicher unerträglich war. Doch es gab nichts, was unerträglicher war als die Tatsache zu hören, dass man jene, die einen etwas bedeuteten vergessen sollte, weil man selbst nicht in der Lage war, für kurze Augenblicke seine Menschlichkeit abzulegen.

Iunia und die anderen hatten mir wirklich noch einen Platz zum Schlafen freigehalten. Doch an Schlaf konnte ich nicht denken. Ich lag wach zwischen all den Schläfern mit meinen Gedanken bei dem Training und der Auseinandersetzung mit Kassim. Wenn ich recht daran zurückdachte, gab es etliche Möglichkeiten, wie ich ihn hätte ausschalten können. Seine Seiten waren offen gewesen, ebenso hatte er einfach nur blind auf den Borg eingeschlagen. Szene um Szene spielte sich dieser Moment in meinem Kopf ab.
Schlag von Kassim, Angriff von mir, Kassim verletzt.
Schlag von Kassim, Angriff von mir, Kassim lebensgefährlich verletzt.
Im Geiste sah ich jede Möglichkeit die ich hätte einsetzen können. Ich simulierte in Gedanken jeden möglichen Angriff nur um zu bemerken, dass ich diesen niemals ausgeführt hätte. Es sich vorzustellen war einfach, aber dann im entscheidenden Moment so zu handeln? War es so überhaupt möglich, zu meinem Wort zu stehen und den Händler aus Balbadd zu beschützen, wenn wir über die Hauptstraße gingen?
Ich erhob mich von meinem Schlafplatz. Ich musste dringend meinen Kopf freibekommen. Kochen war jetzt sicher keine Lösung, zumal die Händler alle schliefen und keiner von ihnen mehr irgendwelche Zutaten verkaufte. Es gab also nur noch eine Möglichkeit.
Vorsichtig trat ich zwischen den freien Stellen der Schlafenden, um diese nicht zu wecken. Zum Glück hatten sich meine Augen an die Dunkelheit gewöhnt, sodass ich trittsicher meinen Weg zum Ausgang fand. Außerhalb des Gemeinschaftsschlafsaales ging dann alles viel schneller voran. Selbst schneller als am Tag. Zügig kam ich zu dem öffentlichen Bad, welches nun mit Sicherheit so leer wie ein Freibad im tiefsten Winter war. Frauen und Männer badeten hier zwar getrennt, aber ich hatte mich dennoch nicht zusammen mit den Anderen gewagt, dieses Bad zu betreten. Schon alleine wegen meiner Schulter.
Ohne Angst oder Scham entledigte ich mich meiner Kleidung, die ich in eine Art Körbchen legte und stieg in das Wasser, welches verwunderlicherweise selbst jetzt noch warm war. Vielleicht war man es auch einfach gewohnt, dass diverse Gäste auch noch abends ein Bad nehmen wollten. Ich hätte allerdings auch mit kaltem Wasser leben können. Dennoch, es war ein positiver Effekt und ich konnte mich in aller Ruhe etwas fokussieren, auf Dinge die wichtig waren. Tiefer ließ ich meinen Körper ins Wasser gleiten, lehnte mich an den Rand und sah gen Decke. Ob ich vielleicht besser kämpfen konnte, wenn ich eine Magierin wäre? Wobei, selbst dann konnte ich andere verletzen. Allerdings, ich würde diese Welt wohl niemals überleben, wenn ich zu rücksichtsvoll war. Gab es keinen anderen Weg? Gab es wirklich nur die Wahl zwischen kämpfen und aufgeben? Waren die Wahlmöglichkeiten in dieser Welt wirklich nur so beschränkt?
Ich seufzte leise und ließ mich etwas tiefer ins Wasser gleiten. Diese ganze Situation... Ich wusste nun, wie Toudou Heisuke sich in Hakuouki Reimei-Roku gefühlt hatte. Diese eine Szene, in der er einen Menschen getötet hatte, nachdem er beim ersten Mal nicht dazu gekommen war... Sie hatte sich in meine Erinnerungen gebrannt. Genauso wie diese Zitat.
'Ich habe den Weg eines Kriegers gewählt. Das bedeutet, ich werde jeden töten der gegen meine Überzeugungen ist. Deswegen werde ich töten, töten und weiter töten. Aber... werde ich mich jemals daran gewöhnen?'
Heisuke hatte Recht. Man könnte für seine Überzeugungen kämpfen. Jeder Kampf wäre dann eine Überwindung. Die Frage war nur, ob man sich daran gewöhnen würde, sich zu überwinden. Ob man irgendwann abstumpfte und es nur noch aus der Gewohnheit heraus tat. Was war man dann? War man dann noch ein Mensch, wenn man wirklich nur noch der Gewohnheit wegen tötete und es damit verteidigte, dass es der eigenen Überzeugung diente?
Nur zu töten um sich selbst oder andere zu beschützen... Nein, ich konnte mich dazu sicher nicht überwinden. Aber genauso wenig würde ich meine geplante Rückkehr nach Balbadd vergessen.
„Ich muss nur einen anderen Weg finden... irgendwie...“, sagte ich laut genug zu mir selbst, so dass meine Stimme durch den Raum hallte.
„Willst du damit sagen, dass sich morgen unsere Wege trennen?“
Ich erschrak dank dem Wasser hörbar, als so plötzlich Cassius' Stimme ertönte. Was machte er hier? Also auf der anderen Seite. Wie lange war der Kerl schon hier gewesen?
„Cassius?“, fragte ich vorsichtig nach, nur um sicher zu gehen, ob es wirklich er war. Ich watete etwas näher zu der Begrenzung, wissend, dass auf der anderen Seite Cassius war, den ich nur hören konnte.
„Ich habe dir gesagt, dass du uns bis nach Aza begleiten kannst. Dazu stehe ich, du musst also keinen anderen Weg suchen.“
So war das also. Cassius hatte meine Worte wohl vollkommen falsch verstanden, so aus dem Zusammenhang gerissen. Dennoch, wenn wir nun doch über die Straße im Norden gingen, würden wir an Aza vorbeiziehen.
„Ich habe auch nie an Eurem Wort gezweifelt, Cassius. Schließlich habe ich Euch dafür bezahlt. Ist denn schon eine Entscheidung gefallen, welche Route wir morgen nehmen?“ Ich erwartete keine Antwort von Cassius. Mit Sicherheit hatten die Händler nicht noch einmal miteinander gesprochen. Es wäre nicht verwunderlich gewesen, nachdem die Luft so dick zwischen ihnen gewesen war. Der Morgen danach würde sicher alles andere als lustig werden.
„Wir haben uns auf die Hauptstraße geeinigt. Unsere Kampfstärke sollte ausreichen um gegen ein paar Räuber anzukommen.“
Mein Herz schlug wie wild. Sagte Cassius das jetzt nur, weil er stur und verbohrt war, oder hatte doch noch einer der Händler eingelenkt?
„Wirklich?“, fragte ich und hoffte, dass Cassius nun wirklich nicht log.
„Du solltest gleich schlafen gehen. Wir brechen morgen frühst möglich auf.“
Ich hörte, wie das Wasser in Bewegung geriet und sah vor meinem inneren Auge, wie Cassius sich erhob. Weitere plätschernde Laute bestätigten diese Theorie.
Es würde also die Hauptstraße sein. Der gefährlichere Weg, laut der anderen Händler. Mit viel Pech würde ich schon bald sehen, wie weit meine Entschlossenheit reichte. Ob ich wirklich einen anderen Weg fand, oder ob ich meine Hände mit Blut beflecken musste. Morgen... Ja Morgen würde alles anders aussehen. Vielleicht hatte ich dann eine Antwort auf meine Frage.
Ich erhob mich ebenfalls aus dem Wasser, schlüpfte draußen wieder in meine Sachen und stieg die Treppen hinauf zum Dach, wo ich leise zu meinem Nachtlager schlich und endlich ein wenig Schlaf fand.


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Langsam kommen wir zu den kritischen Themen. Das Kämpfen und töten. Urgs. ich fürchte mich ehrlich vor den kommenden Kämpfen, sollten wir einer Räuberbande über den Weg laufen. Gegenüber dem balbaddischen Händler habe ich wohl sehr weit aus dem Fenster gelehnt.
Aber wie sieht es bei euch aus? Könntet ihr, wenn es eurem Schutz oder dem Anderer dient, einfach so töten?
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