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Im Zeichen des Rukh

von Erenya
GeschichteAbenteuer, Fantasy / P12 / Gen
Aladdin Alibaba Saluja Judar Morgiana OC (Own Character) Sinbad
27.05.2015
01.01.2017
26
219.342
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22.06.2015 10.655
 
Ich schwöre, ich hätte aufstehen sollen um dieser verdammten Grille das Licht auszuknipsen. Wobei ich mich bei der Suche nach ihr wohl auch im Wald verlaufen hätte. Noch dazu war ich hin und wieder doch in einen leichten Dämmerschlaf verfallen, auch wenn dieser nie lange genug angedauert hatte. Immer wieder weckte mich ein Schnarchen, eine Stimme oder diese dämliche Grille. Ich schwöre, sie lachte mich aus. Oder tat es mit Absicht um mich meines Schlafes zu berauben. Wie konnten die anderen da nur seelenruhig schlafen? War das so ein Händler-Ding?
Leise murrend drehte ich mich zur Seite, hoffend, dass der Schlaf mich bald wieder anlächelte. Wobei ich viel mehr hoffte, dass die Geräusche bald monoton genug wurden, um nicht mehr als Schlafstörung zu gelten.
Diese Hoffnung wurde allerdings zerschlagen, als ich das Rascheln von Kleidung hörte. Vorsichtige Schritte tappten durch die Schlafenden, erneutes Rascheln von Kleidung und schließlich... Nein... nein, nein, nein. Wer auch immer das war, dass tat diese Person nicht wirklich. Ich meine, dieses Geräusch konnte ich nicht missverstehen. Es klang wie Regen, der auf Blätter tropfte, aber es regnete nicht!
Ich zog mir die Decke über den Kopf und versuchte diese Geräusche auszublenden, diese speziellen Geräusche, die schon wieder das Kopfkino anregten.
„Argh verdammt...“, hörte ich es leise fluchen. Hoffentlich hatte die Grille ihm den Schwanz abgebissen. Bloß nicht daran denken. Bloß nicht daran denken. Erneutes Rascheln von Kleidung ertönte, die Schritte klangen humpelnder Natur, Stille. Naja fast. Abgesehen von den bereits vertrauten Geräuschen, herrschte Stille.

Zusammengerechnet hatte ich in dieser Nacht wohl gerade einmal fünf Stunden Schlaf von meinen sonst üblichen acht bekommen. Ein Grauen, das man mir auch an meinem Gesicht ansah. Da es aber keinen Spiegel gab, musste ich mir dieses Grauen nicht antun. Nur meine Mitreisenden mussten darunter leiden.
Ich war noch dazu die letzte, die sich aus den Federn bequemte und das nur, weil mich Panthea liebevoll geweckt hatte. Sonst wäre man wohl noch ohne mich gefahren. Hatte sie zumindest gesagt, allerdings sah die Runde, die um dem gelöschten Feuer saß, nicht danach aus, als würden wir sobald losfahren. Ich bemühte mich zu dem Sitzplatz vom Abend zuvor und bewegte etwas meine müden Knochen die knackten und mir verdeutlichten, dass diese Nacht definitiv zu kurz gewesen war.
„Hier...“
Ich sah auf, als mir ein Fladenbrot entgegen gereicht wurde. Ein seltsam melancholisches Gefühl kam in mir auf, als ich zu dem Brot griff. Es sah zwar nicht so gut gefüllt aus, wie das von einem anderen gewissen jemand, aber es war ein Fladenbrot. Ihr versteht?
„Danke... ähm...“
Ich sah zu der Frau auf, die mir das Fladenbrot gereicht hatte. Definitiv eine Römerin, das erkannte ich schon an der Kleidung, leider war sie mir am Abend zuvor nicht wirklich aufgefallen, aber sie schien diejenige zu sein, die für das Kochen verantwortlich war.
„Tacita.“ Sie schien erkannt zu haben, dass ich ihren Namen nicht mitbekommen hatte und antwortete auf mein Gestammel, was ich dankbar annahm.
„Ah, dann... Danke, Tacita.“ Ich lächelte und biss in mein Fladenbrot, welches mit Käse belegt war. Diesen Geschmack kannte ich. Käse. Auch wenn das Brot dürftig belegt war, so war es immerhin essbar und würde meinem Magen wohl die nächsten Stunden beschäftigen.
„Wo sind die anderen gerade?“ Da ich als Einzige, noch hier saß und augenscheinlich verschlafen hatte, waren die anderen natürlich schwer beschäftigt. Cassius hatte scheinbar, wie ich bereits am Tag zuvor, entschieden, dass die Stoffballen so nicht weiter im Wagen liegen konnten, weswegen der Karren mit den Stoffen ausgeräumt und von Panthea und Nel wieder eingeräumt wurde. Dieses Mal legten sie die Ballen aber längs hinein, sodass ein plötzliches Stoppen nicht der physikalischen Trägheit zum Opfer fiel.
„Iunia kümmert sich gerade um einen Verletzten. Varius erholt sich noch etwas. Die beiden aus Kou besorgen noch etwas Wasser und der Rest verstaut die Waren in den Karren ordentlich. Durch die Hektik gestern sind einige Dinge nicht sicher genug verladen worden und der junge Meister kann es auf den Tod nicht ausstehen, wenn wegen Schludrigkeit die Waren beschädigt werden.“ Mit Sicherheit war nicht nur der junge Cassius nicht glücklich wenn bei der Arbeit geschlampt wurde. Allerdings passte es zu ihm, dass er dann auch gleich zur Tat schritt und alles erneut ausräumen und ordentlich verstauen ließ.
Ein Glück hatte man mich nicht gebeten dabei zu helfen, dass hätte Cassius wohl viel eher verärgert als in irgendeiner Weise erfreut. Schließlich war ich der Inbegriff der Schludrigkeit. Auch wenn das eher unbewusst so war. Wobei, nein manchmal war es schon bewusst so, wenn ich den Sinn hinter einer Arbeit nicht verstand, weil es mir unlogisch erschien, dann schluderte ich Rücksicht auf Verluste und bekam hinterher einen wohlverdienten Anschiss.
„Warum nennt ihr Cassius eigentlich Meister? Mir ist das gestern schon bei Iunia aufgefallen.“ Es machte wirklich irgendwie Klick bei mir. Bei Iunia hatte ich es irgendwie als viel zu überzogene Höflichkeit gesehen, doch das Tacita ihn auch „Meister“ nannte war schon sonderbar. Ich meine, selbst Kouha wurde von seinem Gefolge nur mit „Herr“ oder „Prinz“ angesprochen, aber nicht mit Meister.
Tacita versteifte sich auf meine Frage aber und lächelte mich stattdessen an.
„Nun, dass ist die Anrede, die sich für unseren Rang geziemt.“ Für ihren Rang? Ich war leicht bis schwer verwirrt, denn die beiden schienen sich nicht großartig von mir zu unterscheiden. Das Cassius als Händler im Rang etwas höher stand, sogar mir gegenüber, war selbst mir klar, aber das? Ehrlich, mit Sicherheit hätte ich den Burschen nicht „Meister Cassius“ oder dergleichen genannt. Sollte Cassius das von mir erwarten, würde ich ihm auch noch den letzten Dinar an den Kopf werfen, nur damit ich auf diese blöde Anrede verzichten konnte. Ich stand einfach nicht auf diese Art von Rollenspiel. Sollte ich also die Gelegenheit bekommen, mal in Ruhe mit Cassius zu reden, sollte ich ihm das wohl erklären, damit er gleich wusste, was er von mir zu erwarten hatte und was nicht.

Cassius Blicke durchbohrten mich förmlich, als ich vor ihm stand, nachdem mir der Händler von Kou mitgeteilt hatte, dass Cassius mit mir reden wollte. Das wäre der perfekte Moment gewesen, ihm gleich von meiner Nicht-Präferenz für diverse Anreden erzählen, doch sein Blick war so ernst, dass mir das Herz förmlich in die Hose rutschte und ich kein Wort herausbekam.
„Du wirst dir von Nel zeigen lassen, die Pferde vor diese zwei Karren zu spannen. Diese zwei gehören zu deinem Verantwortungsbereich. Momentan sind wir aufgrund eines Vorfalles in der Nacht etwas unterbesetzt und da brauchen wir jede hilfreiche Hand.“
Ich musste ein paar Mal blinzeln, um zu verstehen, was Cassius mir gerade sagte. Es dauerte etwas, aber es sickerte zu meinem Großhirn durch.
„Wie mein Verantwortungsbereich?“, polterte es aus mir heraus, als ich Cassius entsetzt ansah. Sicher, ich hatte nichts dagegen etwas auszuhelfen, aber ich wusste doch gar nicht, was zu meinen Aufgaben gehörte, wenn zwei Karren mein Verantwortungsbereich waren.
„Du achtest darauf, dass die Pferde nicht zu schnell werden. Außerdem solltest du dafür sorgen, dass sie nicht zurückfallen, sondern dass sie ein vernünftiges Tempo haben. In diesem Wagen sind noch ein paar Glas- und Tongefäße drin. Auf den solltest du also besonders achten.“
Immer noch dümmlich sah ich Cassius an. Er wollte...
„H-Hört mal. Das ist keine gute Idee. Ich bin wie ein Elefant im Porzellanladen. Ich hab ein unglaubliches Geschick dafür, Zerbrechliches zu zerdeppern.“
Vielleicht war das etwas übertrieben. Ich meine, ich war in der Regel eine sehr vorsichtige Person und zerstörte nichts so schnell, aber gerade wenn ich etwas wie das Wagenhüten noch nie gemacht hatte, war ich empfindlicher.
„Dann solltest du dieses unglaubliche Geschick vielleicht ausgerechnet heute nicht an den Tag legen.“ Das machte von Cassius Seite aus deutlich, dass Widerworte nicht geduldet waren. Verdammt. Warum tat er mir das an? War das die Strafe dafür, dass ich verschlafen hatte?
„Sagt hinterher nicht, dass ich Euch nicht gewarnt hätte...“, seufzte ich und ergab mich einfach in diesem Schicksal. Wahrscheinlich sollte ich mir aber erst einmal um andere Dinge Sorgen machen, immerhin musste ich auch noch die Pferde vorspannen. Noch eine Sache die ich nie in meinem Leben getan hatte.
Nennt mich jämmerlich, aber ich haderte gerade mit meinem Schicksal. Gefangen in einer nicht eigenen Welt, verjagt aus der Heimat und nun unter einem Haufen Fremder die soviel mehr über diese Welt wussten als ich selbst. Das war doch zum Haareraufen. Erneut fragte ich mich, ob meine Entscheidung, Sindria als Reiseziel zu wählen, wirklich gewesen richtig war. Was hatte mich noch mal zu dieser Entscheidung getrieben?
'Zweifel sind der erstbeste Weg in meinen Untergang...', mahnte ich mich. Ein positiver Gedanke. Zweifeln tat ich immerhin häufiger, dennoch biss ich mich irgendwie durch und bisher hatte ich damit immer Glück gehabt. Warum also jetzt von den Zweifeln niederringen lassen?
„Na schön, es sind ja nur zwei Karren. Ich werde mein bestes geben. Beschwerden dürft Ihr aber an Euch richten, immerhin habt ihr mir diese Aufgabe gegeben.“ Ich seufzte leise, als ich an Cassius vorbei und zu Nel ging, der bereits alles vorbereitet hatte, um die Pferde vor den Karren spannen zu können. Sicher, meine Worte klangen für Cassius vielleicht so, als würde ich diese Aufgabe nur halbherzig erfüllen, aber ich hatte mir vorgenommen mein bestes zu geben, auch wenn es mir schon großen Respekt einflößte, als ich vor den Pferden stand. Ich konnte zwar über ihre Rücken sehen, aber dennoch fürchtete ich diese edlen, großen Tiere. Sie waren Lebewesen, wie Katzen und Hunde und wenn ich ehrlich war, hatte ich Angst sie zu verletzen.
„Also... Ich zeige dir das bei diesem hier.“
Nel hatte bereits das Pferd vor dem Karren so platziert, dass es nicht gegen die Griffe stieß. Das Tier wirkte ruhig, fast schon tiefenentspannt, was man von meinem Übungsobjekt nicht sagen konnte. Ihm war deutlich anzumerken, dass es genauso unruhig war wie ich im Inneren. Mir graute schon jetzt bei dem Gedanken, dass ich dieses nervöse Ding vorspannen sollte und hoffte, dass Nel wenigstens den Karren mit dem zerbrechlichen Gut genommen hatte.
„Zuerst machst du die Leinen hier fest.“
Nel gab sich wirklich Mühe, mir alles Stück für Stück zu erklären und ich gab mein Bestes dem zu folgen, doch seine Handgriffe waren so gezielt und schnell, dass ich mir nicht sicher war, dass ich die Reihenfolge auch wirklich beibehielt. Erst musste ich was am Kopf, wobei das viel mehr der Hals war, festmachen, dann am Körper hinter den vorderen Beinen und schließlich weiter hinten noch. Keine Ahnung, wofür man ein Pferd so sehr verschnüren musste, um einen lausigen Karren zu ziehen. Aber gut.
Als Nel mit seiner Demonstration fertig war, stand ich schon etwas ratlos vor dem Pferd und das mit dem Geschirr in der Hand.
„Hast du das verstanden?“, fragte ich das Pferd und sah es an, als könnte es mich wirklich verstehen. Allerdings antwortete es mir nicht, was wohl nur logisch war. Immerhin konnten Pferde auch hier nicht sprechen. Schade. Mit Sicherheit hätte es mir verraten können wie man es anspannte.
Das eigentliche Problem im Moment war aber, dass dieses Pferd nicht vor dem Karren stand und ich es erst einmal davor bekommen musste. Ein höfliches „Bitte“ hätte es sicher nicht dazu gebracht. Wobei, wenn ich erst einmal die Schnallen anbrachte, dann konnte ich das Pferd vielleicht an diesen führen?
Nachdenklich blickte ich auf die Schnallen, sah wieder zu dem Pferd von Nel und auf mein Geschirr. Gott, warum mussten das nur so viele Riemen sein? Wer sollte sich das alles denn bitte merken?
„Tritt mich, wenn ich dir wehtue...“, flüsterte ich dem Pferd zu und begann ihm eine Art Brustharnisch am Hals zu schnüren, vor den Beinen. Ich nahm Nels Beispiel als eine Art Vorbild und versuchte dieses zu kopieren, auch wenn mir nicht klar war, wie ich das alles wirklich schnüren musste. Da Nel, der mich beobachtete, mir nicht sagte, dass ich etwas falsch machte, ging ich davon aus, dass es schon richtig war, irgendwie. Wahrscheinlich würden alle lachen, wenn ich beim Ziehen des Pferdes dann plötzlich das Geschirr in der Hand hielt. Cassius hingegen würde das nicht so witzig finden, weswegen ich mir noch mehr Mühe gab.
So fest es ging, zog ich die Riemen, zuckte allerdings, als das Pferd sich gegen die Festigkeit mit einer Bewegung und einem leisen Schnauben wehrte. Zu fest also. Sofort lockerte ich die Riemen wieder, strich dem Pferd entschuldigend über den Körper und machte weiter.
„Tut mir Leid...“, murmelte ich und prüfte die anderen Gurte, dass diese ebenfalls nicht zu fest waren. Irgendwie hatte ich beinahe vergessen, dass dieses Wesen, ebenso wie ich, selbst gerne Luft zum Atmen bekam. Erneut kam Angst auf, dass ich diesem Pferd wehtat.
„Brauchst du Hilfe?“, fragte Nel, der erkannte, dass ich häufiger zu meiner Vorlage, seinem Pferd sah. Ich schüttelte den Kopf, vertieft in meine Arbeit, dabei die letzten Handgriffe für das Schnürren zu machen.
Als ich fertig war, blickte ich zu dem Pferd, welches meinen Fähigkeiten zum Opfer gefallen war und zu Nels. Etwas wurmte mich. Auch wenn es ziemlich identisch aussah. Nel hatte nicht so lange gebraucht. Es kratzte irgendwie an meinem Hang zum Perfektionismus. Alles auf Anhieb können, alles sofort zu verstehen, alles mit dem ersten Handgriff perfekt zu machen. Ich hatte nichts perfekt gemacht. Einige Schlaufen hatte ich zweimal schnüren müssen, bei anderen hatte ich dem Pferd etwas die Luft oder Freiheit genommen, wiederum andere Schnüre waren zu locker gewesen. Gott, ich hasste dieses Machwerk, auch wenn ich es alleine geschafft hatte. Wobei ich selbst jetzt noch nicht fertig war. Ich musste immerhin noch den Karren anhängen.
„In Ordnung... Wir haben es fast geschafft. Du musst mich nur noch ein wenig an dir herum werkeln lassen, aber das schaffen wir doch, oder?“ Erneut stellte ich dem Pferd eine Frage, so als erwartete ich, dass es antworten würde. Vorsichtig griff ich zu einem der Lederriemen und wies die Richtung an, in die es laufen sollte. Es gab immerhin sofort nach und ersparte mir die Qual stur wie ein Esel zu sein. Wahrscheinlich weil es genau solche Spielchen schon gewohnt war und wohl wusste, wie wichtig es für die Karawane war, schnell voran zu kommen. Das dies heute nicht der Fall war, weil man mir so eine Aufgabe gegeben hatte, tat mir schon jetzt im Herzen für alle Leid.
Als ich das Pferd platziert hatte, ging ich zu dem Wagen, hob ihn etwas an und bemerkte erst jetzt, was für eine Last und Gewicht in diesem steckte.
„Uff... Da hast du ganz schön zu ziehen... Sag dann Bescheid wenn du Hilfe brauchst...“ Erneut ein Gespräch mit dem Pferd. Ich sah schon Nel, wie er feixte, sicher hielt er mich für total bekloppt, aber gut, sollte er. Auch auf Arbeit führte ich Selbstgespräche oder fluchte herum, wenn die Kunden es nicht hörte. Vor allem bei den Unerträglichen.
Wie es Nel gezeigt hatte, spannte ich die Griffe des Wagens in den vorgesehenen Schlaufen ein. Es sah schon seltsam aus, vor allem fragte ich mich, ob der Karren nicht plötzlich gegen das Pferd stieß, wenn plötzlich gebremst wurde. Nur aus Neugier, bewegte ich daher den Wagen gegen das Pferd, aber so, dass ich ihn rechtzeitig stoppen konnte, damit dem Tier nichts passierte. Doch es war nicht nötig, denn es gab genug Abstand, so dass der Karren rechtzeitig stoppte.
„Ich glaube wir sind fertig...“, merkte ich schließlich an und trat zurück um mir das Werk genauer anzusehen. Es sah dem von Nel wirklich sehr ähnlich und da das Pferd nicht wieder jammerte, schien ich wohl doch etwas richtig gemacht zu haben. Nel selbst sah sich das Endergebnis an und prüfte Schlaufe um Schlaufe, zog hier und da noch etwas nach, aber sonst schien er im Endergebnis zufrieden zu sein.
„Sehr schön, ich sag Bescheid, dass wir losgehen können. Soll ich dir noch zeigen, wie du beide Pferde im Laufen führst? Es gibt da diver-“
„Nein, nein, das wird schon.“ Ich gab Nel nicht die Chance auszusprechen. Was sollte schon so schwer daran sein, beide Pferde mithilfe der Lederriemen zu führen? Ich musste sie doch nur mit einigen ziehenden Bewegungen anleiten, mehr musste man da doch nicht lernen.

Im Nachhinein betrachtet, hätte ich Nel besser zugehört. Sicher, das Anleiten war nicht schwer, aber mir taten nach einigen Minuten die Hände weh, denn das Leder rieb unangenehm auf der Haut, die anders als bei den Pferden, nicht von Fell überzogen war. Noch dazu wollten beide Tiere immer wieder in eine andere Richtung austreten, was ich mit einem bestimmenden Zug verhindern musste, ohne das andere Wesen auf dumme Gedanken zu bringen. Kinder hüten war definitiv leichter.
Das Schlimmste war aber, dass ich nicht das Schlusslicht unserer Karawane bildete, sondern mich in der Mitte befand und wirklich nicht zu schnell oder zu langsam sein durfte, wenn ich nicht wollte, dass mir der hintere Wagen in die Achse fuhr. Erneut hatte ich es mir wieder zu eigen gemacht, mit meinen neuen Kollegen zu reden, auch wenn diese Gespräche eher einseitiger Natur waren. Wäre ja auch noch schöner gewesen, wenn sie, unter all der Anstrengung und Bemühung die ich hier hatte, widersprochen oder sich über mich lustig gemacht hätten.
„Du nimmst deine Aufgabe ja sehr ernst“, merkte Hinata an, die zu mir vor gelaufen war, da sie Chen auch gut alleine mit dem Karren des Kou-Händlers lassen konnte. Ihre Anwesenheit war gerade aber alles andere als erwünscht. Ehrlich, ich war hier hochkonzentriert zwei Pferde zu lenken. Ich tat das zum ersten Mal, da hatte ich keine Zeit für Small-Talk.
„Kann gerade nicht...“, antwortete ich ungewollt kühler, als ich es eigentlich gemeint hatte. Allerdings blieb mir das in diesem Moment, in dem mir die Worte über die Lippen kamen, verborgen. Ich bemerkte es erst, als ich ein beleidigtes „Hmpf...“ von Hinata vernahm, die sich wieder zu ihrem Herren zurückfallen ließ.
Innerlich schallte ich mich eine Närrin, denn mit Sicherheit war es nicht gut, sich mit den Leuten der Reisebegleitung anzulegen, oder es sich zu verscherzen. Zur nächsten Rast, war es wohl besser, wenn ich mich bei Hinata entschuldigte und ihr einfach erklärte, warum ich so pampig geklungen hatte und das es nicht so gemeint war, wie der Ton es hätte anmerken lassen.

Es war das erste Mal, dass ich eine Karawanserei sah, oder überhaupt von so etwas gehört hatte. Cassius hatte mit den anderen Händlern scheinbar entschieden, dass wir hier Rast machten, was mich verwunderte. Alle schienen es zu wissen, abgesehen von mir, die beide Wagen auch noch weiter mit den Pferden geführt hätte, selbst wenn der Schweiß mir im Angesicht der brütenden Hitze auf der Stirn stand. Der Schmerz meiner Hände war bereits so erträglich geworden, dass diese sich nur noch taub anfühlten. Wenn man es recht bedachte, war es wohl besser, dass wir Rast machten.
„In Ordnung, wir machen erst einmal Pause. Ruht euch aus, bleibt aber in der Nähe, ich will nicht wieder nach euch ausrufen lassen.“
Ausrufen? Ich musste mir wirklich vorstellen, wie Cassius uns alle durch einen Marktschreier ausrufen ließ, weil wir uns zu weit entfernt hatten. „Der kleine Cassius möchte von seinem Gefolge im Spieleparadies abgeholt werden.“ Ein lächerlicher Gedanke, der mir kurz ein breites Grinsen entlockte, welches aber sofort wieder schwand, als Cassius auf mich zukam und mit einem ernsten Blick seine beiden Karren musterte.
Gott, so schlimm hatte ich mich auch nicht angestellt. Ich hatte den ganzen Weg über sogar gelauscht, ob ich Klirren hörte oder nicht. Dieses Geräusch war aber ausgeblieben, sodass ich davon ausging, dass nichts beschädigt war.
„Du kannst auch rein. Deine Verletzung sollte vielleicht noch einmal von einem Doktor begutachtet werden. Varius wird sich solange um die Karren und Tiere kümmern.“
Misstrauisch sah ich Cassius an. Irgendwie erwartete ich eine Falle hinter seinen Worten. Er hatte mir immerhin den Auftrag gegeben, auf diese Karren aufzupassen. Wollte er mich nun testen, ob ich das auch wirklich tat? Allerdings, er hatte schon am Abend zuvor meine Verletzung erwähnt. Es lag zwar kein Hauch von Sorge in seiner Stimme, aber er würde mir so eine Finte sicher nicht stellen, wenn er wusste, dass ich wirklich verletzt war. Immerhin, sollte die Schulter schlimmer werden, konnte ich die ganze Gruppe weiter zurückwerfen. Etwas, dass sicher nicht in Cassius Sinne war.
„Danke“, antwortete ich kurz angebunden und löste meine Hände von den Lederriemen. Erst jetzt erkannte ich die geröteten Stellen und das Brennen nahm erneut seinen Lauf, nachdem ich mich gelöst hatte.
„Du kannst alle Einrichtungen hier frei nutzen. Der Eintritt wurde bereits bei der Durchfahrt bezahlt. Einige Händler hier versuchen noch ein paar ihrer Waren loszuwerden, wenn du also noch etwas für deine Reise nach Sindria brauchst, ist hier die Gelegenheit dafür.“
Ich hielt inne, als Cassius mir einige Erklärungen zur Karawanserei mit auf den Weg gab. Scheinbar hatte er bemerkt, wie ahnungslos ich war. Wobei, dass war kein Geheimnis mehr. Wenn ich hier also noch Sachen kaufen konnte... Ich ließ meine Gedanken schweifen und lächelte. Auch wenn ich nicht mehr viel Geld hatte, vielleicht war es wirklich besser, dass bisschen was ich hatte doch noch irgendwie zu investieren. Umso mehr würde ich mich bei Cassius dann anstrengen um doch noch mein Gehalt aufzustocken.
Ich lief sofort zurück zu dem Karren, in dem mein Reisegepäck stand. Dabei bemerkte ich den Dreizack-Wächter, dessen Blick aufmerksam durch die Mengen streifte, so als suchte er etwas oder jemanden. Oder beobachtete er einfach nur jeden einzelnen von ihnen, um sicher zu gehen, dass den Karren nicht passierte?
Ich nickte dem Wächter kurz zu, bevor ich hinter den Wagen mit den vielen Kisten verschwand und meinen Rucksack hervor zerrte. Ich zog mein Geldsäckchen hervor und blickte noch einmal in die Tiefen. Wie weit ich wohl damit kam? Mit diesen Messingmünzen und den restlichen Dinar? Ich wusste nicht einmal, wie wertvoll diese Messingmünzen waren. Diese Wissenslücke sollte ich heute unbedingt schließen, bevor ich es mir wagte, auch nur eine von ihnen auszugeben. Mit den Dinar kannte ich mich immerhin einigermaßen aus.
Ich schulterte mir mein Reisegepäck auf die rechte Seite. Das Geldsäckchen hingegen behielt ich in der Hand, nur um sicher zu gehen, dass ich es nicht verlor. Nicht das ich am Ende noch vollkommen abgebrannt dastand und vollständig bei Null anfangen musste. Das wäre nun nicht so ideal gewesen.

Wie es Cassius mir angeraten hatte, war ich zu einem der Ärzte gegangen. Die Verletzung hatte nicht noch einmal zu bluten begonnen, so dass lediglich der Verband gewechselt wurde. Ich konnte also heute beruhigt noch die ein oder andere Arbeit heute verrichten, auch wenn der Arzt angeraten hatte, die Schulter nicht zu schwer zu belasten.
Keine Ahnung wie man dieses „nicht zu schwer belasten“ auf einer Reise mit einer Karawane umsetzen sollte, aber wenn ich Cassius gefragt hätte, wäre ihm sicher auch eine Möglichkeit eingefallen. Allerdings waren Sonderbehandlungen nicht gerade mein Fall, abgesehen von der im Freudenhaus, die aber seine Berechtigung hatte. Sicher hätte man mich nun gefragt, wo diese Berechtigung dafür lag, aber das blieb besser mein kleines schmutziges Geheimnis.
Meine Zeit in der Karawanserei nutzte ich damit, um mir die verschiedenen Händler anzusehen, die ihre Waren feil boten. Es gab schon einige Dinge darunter, auch bei den Lebensmitteln, die sich für lange Reisen wirklich lohnten. Zum Beispiel getrocknetes Fleisch. Dennoch drehte ich geistig jeden Dinar dreimal um, bevor ich mir sagte, ob es wirklich nötig war oder nicht. Was wollte ich schon mit getrocknetem Fleisch? Ich aß das Zeug nicht einmal Zuhause. Logischer erschien mir da doch eher der kleine Sack Reis, den ich günstig erstand und in mein Gepäck verstaute. Damit konnte ich mir sicher Reisbällchen oder andere Gerichte bereiten, wenn ich mal frisches Gemüse bei mir hatte. Reis war immer gut. Das hatte ich mir auch schon in meiner Welt gesagt, weswegen ich immer bei dem Sushireis zuschlug, wenn ich diesen mal im Angebot fand. Der Schnäppchenjäger ging mir also auch hier nicht verloren.
Die Verführungen waren dennoch groß, denn neben dem Reis fand ich auch noch einige Gewürze die sich in meiner Küche sicher gut gemacht hätten. Nur zu gerne hätte ich mehr als nur zwei kleine Säckchen, eines mit Salz, das andere mit einem leichten Schärfegrad, geholt. Aber leider musste ich sparen, für die Überfahrt.
Dennoch sah ich mich ausgiebig um und erkannte, an einem Stand mit Obst eine Person, die die Unaufmerksamkeit des Händlers nutzte, der gerade versuchte einem anderen Händler seine Waren aufzuschwatzen. Ich glaubte nicht was ich sah, denn hier überall liefen auch Wachen herum, doch scheinbar hatten diese genauso wenig Überblick über die ganze Lage, wie die Händler selbst. Wen wunderte es bei der Menge an Menschen. Mir war schon früh genug aufgefallen, dass dies hier wohl nicht die normale Menschenmenge in einer Karawanserei war. Durch einige Gespräche, die ich im Vorbeigehen aufgeschnappt hatte, wusste ich nun, dass viele von den Händlern hier aus Balbadd kamen oder auf ihrem Weg hier gestrandet waren, unsicher, ob sie die Stadt überhaupt noch betreten durften. Hier tauschte man sich also über die aktuellsten Ereignisse aus. Und gewöhnliche Diebe nutzten diesen Austausch, um sich selbst zu bereichern. Es war also besser, wenn ich gut auf meine Sachen und vor allem auf mein Geld achtet. Noch dazu, wurde mir unwohl. Wenn hier wirklich mehr als nur ein Dieb diese Gelegenheit nutzten, wollte ich keine Minute länger hier bleiben. Aber ich war abhängig von Cassius und den anderen.
Seufzend ging ich zu einem Obststand und sah auf die Waren. Es gab noch eine Kleinigkeit, die ich unbedingt kaufen wollte. Nein, die ich kaufen musste. Immerhin musste man die Leistung der anderen angemessen bezahlen.

Den beiden Pferden, die jene Karren gezogen hatten, die in meinem Verantwortungsbereich lagen, schienen glücklich über ihre Belohnung zu sein, die ich ihnen in Form von kleinen Äpfeln besorgt hatte. Sie wieherten und man hörte deutlich wie ihre Gebisse die knackigen Äpfel zermalmten. Schon seltsam, denn noch immer hatte ich Angst vor diesen beiden und doch hatte ich das Gefühl, ihnen auch etwas Gutes tun zu müssen, nachdem sie mich nicht ganz so schlimm hängen lassen hatten, wie befürchtet.
Der Dreizack-Wächter, mittlerweile erahnte ich, dass er dieser ominöse Varius war, hatte während meiner Belohnungszeit ein Auge auf mich. Kein Wunder. Ich hätte immerhin diesen Moment nutzen können, um irgendetwas von den wertvollen Stoffen zu klauen. Nicht das mein Gepäckstück noch sonderlich viel Stauraum ließ. Aber gut, das wollte ich Varius nun nicht vorwerfen.
„Das verratet ihr aber nicht Cassius, ja?“, fragte ich die beiden und strich über ihre Köpfe. Dabei sah ich zu Varius, den ich breit grinsend, aber stumm fragte, ob er denn auch die Klappe halten würde. Er hingegen sah einfach weg, was ich als eine positive Antwort für mich hinnahm.
„Also schön, ihr beiden. Seid schön brav. Ich genehmige mir noch einen Tee und finde heraus, wie viel diese Münzen von Cassius wert sind. Außer natürlich, Varius mag mir das sagen.“ Mein Grinsen wurde breiter, denn ich wusste ja, dass Varius jedes meiner Worte genau verstand. Auch wenn er gerade versuchte, unauffällig durch die Menge zu sehen und die Karren zu bewachen.
Da er aber nicht antwortete, ging ich nun direkter auf ihn zu. Wenn ich schon einmal einen Römer da hatte, konnte er mir doch genauso gut antworten.
„Hey... Cassius hat mir gestern ein paar Münzen gegeben. Es ist das erste Mal, dass ich solche gesehen habe. Weißt du was sie wert sind?“
Erwartungsvoll sah ich Varius an, dessen Blicke durch die Menge streifte. Er schien nicht antworten zu wollen, oder konnte er nicht? Ich griff in meinen Geldbeutel und zog eine der Messingmünzen hervor.
„Hier, die hier. Was ist eine davon wert?“
„Weniger als ein Denar. Das was er dir gegeben hat, nennen wir Sesterz. Reich bist du damit nicht, aber vermögender als Andere von uns.“
Ich blinzelte, als Varius sich kurz die Münze ansah, aber schnell wieder wegsah und mir erklärte, was er als wichtig für mich ansah. Dennoch, ich verstand es immer noch nicht. Was war ein Denar und was bedeutete, dass ich damit vermögender war als Andere von ihnen?
Statt meine Frage auch nur ansatzweise zu beantworten, hatte Varius vielmehr noch mehr Fragen in mir ausgelöst. Noch mehr Fragen, auf die ich Antworten brauchte. Und scheinbar wollte, oder konnte Varius mir diese Fragen nicht beantworten.
„Danke...“, antwortete ich und wandte mich von Varius und den Karren ab. Vielleicht konnte mir ja ein anderer Händler sagen, was dieses Geld wert war. Immerhin musste ein Händler auch in anderen Teilen der Welt seine Waren verkaufen und konnte nicht davon ausgehen, dass alle etwas von der eigenen Währung übrig hatten. Cassius hatte immerhin auch meine Dinar genommen, auch wenn ich immer noch nicht verstand, warum er mehr als die Hälfte genommen hatte. Sauer war ich ihm bis heute deswegen.

Es hatte etwas gedauert, doch in der Menge hatte ich schließlich den Händler aus Kou gefunden, der sich entspannt mit ein paar leicht bekleideten Mädchen vergnügte. Musste ein Männerding sein, definitiv. Obwohl er beschäftigt schien, hatte er mir erlaubt, mich neben ihn zu setzen und mir Rede und Antwort zu stehen.
„Cassius hat mir gestern diese Münzen gegeben. Ich bin mir über ihren Wert nicht ganz klar.“
Anders als bei Varius präsentierte ich dem Händler sofort eine Messingmünze, so dass er gleich wusste, worum es ging. Dieser beäugte die Münze jedoch mit einem müden Lächeln und seufzte einmal kurz auf.
„Münzgeld. Ich sage dir, Liebes, vertraue niemals auf den Wert von geprägten Münzen. Nicht nur, dass du ihren Wert mindern kannst, indem du Billigmetall darunter mischst, es hat auch keinen festen Wert. Papiergeld ist anders. Gibt man dir morgen zwanzig Huang werden sie auch noch in einer Woche zwanzig Huang wert sein. Das einzig verlässliche ist Papier. Nicht nur, dass die Herstellung günstiger ist, es ist auch sicherer.“
Der Händler schwärmte förmlich von dem Huang der aus Kou kam. Eindeutig war dieser Mann sehr landstreu. Davon, dass der Huang eben doch an Wert verlor, sagte er nichts. In Balbadd hatte ich das ja gut erlebt. Was morgen zwei Huang wert war, war in einer Woche wahrscheinlich vier Huang wert. Aber darüber schwieg ich, während mir der Händler das System der Kou-Währung erklärte. Irgendwann konnte ich das vielleicht gebrauchen, also war es besser wenn ich ihm zuhörte.
„Du solltest Cassius bitten, dich in Huang zu bezahlen. Bald schon wird man überall in der Welt damit bezahlen können. Münzen gehören der Vergangenheit an.“ In Anbetracht der Tatsache, dass man in meiner Welt sowohl Münzen als auch Papier verwendete, widersprach ich einfach nicht. Dennoch hatte er mir meine Frage auch nicht beantworten können. Den balbaddischen Händler wollte ich nun auch nicht fragen. Zum einen waren wir am Abend zuvor aneinander geraten und zum anderen schwor dieser sicher auf den Dinar. Die Einzigen, die da noch übrig blieben, waren die Römer. Und Cassius stand auf meiner Liste der zu Befragenden sicher nicht ganz oben.
Die Gelegenheit da vielleicht seinen gebildeten Lehrer zu einem Gespräch zu nötigen und ihm noch ein paar mehr wissenswerte Dinge über diese Welt zu fragen, bot sich also förmlich an. Die Frage war nur, wo man den gebildeten Menschen finden würde.

Wo fand man einen gebildeten Menschen, wenn nicht bei einem Haufen Schriftrollen, die hier wohl als Bücher fungierten? Ich hatte Glück, dass ich bei meinem Weg oder viel mehr bei meiner Suche, noch einmal am Markt vorbeiging und schließlich Cassius' Lehrer an einem Stand voller Schriftrollen bemerkte. Ich ärgerte mich, dass er mir nicht schon früher aufgefallen war, denn sonst hätte ich mir vielleicht doch noch ein günstiges Exemplar geholt und so noch etwas eigene Recherche betrieben, ohne mich jedes Mal durch die Weltgeschichte fragen zu müssen. Allmählich kam ich mir nämlich auch sehr dämlich vor.
„Diese Schriftrolle ist niemals zehn Dinar wert! Für diese Informationen die man darin findet, zahlt man für gewöhnlich vierzig Dinar. Vierzig!“
Cassius Lehrer machte sich lauthals Luft, als er eine Rolle in der Hand hielt und dem Verkäufer kurz davor war eine Strafpredigt zu halten.
„Wie könnt ihr diese Schriftrolle zwischen all dem anderen... Zeug liegen lassen und für den selben Wert verkaufen? Habt ihr keine Ahnung was wahres Wissen kostet? Viele Gelehrte haben Nächte über ihren Theorien gesessen, haben gelesen, waren auf Reisen, aber nicht um zwischen... zwischen so etwas zu liegen.“
Ich näherte mich dem Geschehen, verwundert darüber, was Cassius Lehrer nun so auf die Palme brachte, dass der sonst nur im Schlaf predigende Mann nun so aus der Haut fuhr. Auf dem Tisch vor ihm lagen verschiedenste Rollen. Eine davon trug sogar den Titel „Sindbad der Seefahrer Band 1“. Da dies wohl das einzige Werk war, von dem ich eine Vorstellung hatte, worum es in dessen Inhalt ging, beäugte ich Cassius Lehrer argwöhnisch, der den Händler immer noch böse fixierte.
„Wenn Sie den Preis runter handeln wollen, machen Sie das falsch.“, merkte ich feixend an. Der Lehrer sah zu mir, drückte sich die Rolle an die Brust, so als befürchtete er, dass ich sie ihm jeden Augenblick nehmen würde. Erst jetzt schien ihm bewusst zu werden, wie sehr er sich hatte gehen lassen, weswegen ein hauchzarter Rotschimmer sich auf seine Wangen legte. Er räusperte sich und legte die Rolle wieder zu den anderen, was mich doch sehr verdutzte. Nach diesem Aufstand hatte ich immerhin geglaubt, dass er dieses Stück Papier erwerben wollte.
„Verzeihen Sie, dass Sie das sehen mussten. Ich habe mich wohl etwas gehen lassen“, erklärte er und seufzte leise. Seine Augen weiteten sich aber, als der Händler plötzlich den Preis der Rolle erhöhte, auf vierzig Dinar.
„Scheint als wisse hier wenigstens einer wie man handelt. Wo wir aber gerade beim Handeln sind. Würden Sie mir etwas mehr zu den Münzen erzählen, die ich gestern von Cassius bekommen habe?“
Ein weiteres Mal an diesem Tag zog ich eine der Münzen hervor, die mir Cassius gegeben hatte. Der Lehrer sah sich diese nicht einmal genauer an, was mir zeigte, dass er sofort wusste, was ich alles wissen musste. In typischer Lehrermanier räusperte er sich und begann seine Rede.
„Was Ihr hier habt, ist eine Sesterze. Diese eine Sesterze entspricht dem Wert von vier Asse. Habt Ihr noch drei weitere Sesterze, ergibt sich daraus ein Denar. Spart 25 Denare zusammen und ihr habt den Wert von einem Aureus. Das ist unser Münzsystem. Es ist ganz einfach und auch viel nachhaltiger als das aus Balbadd.“
Ich horchte auf, als er mir das System erklärte, auch wenn ich immer noch kein Bild vor Augen hatte, weil mir bisher nur diese Sesterze und die Dinar bekannt waren.
„Was meinen Sie mit nachhaltiger?“ Mich störte das schon die ganze Zeit, dass alle so über den Dinar herzogen. Bisher hatte ich mein Leben sehr gut mit diesen Münzen führen können. Nun aber, unter all diesen ausländischen Händlern, schienen sie ihren Wert zu verlieren.
„Nun, vor vielen Jahren noch, war der Dinar wie unsere Münzen in seinem Wert stabil. Allerdings wurden in jedem Jahr mehr Verunreinigungen im Metall der Münzen festgestellt. Sie scheinen nur noch wie das Material, aus dem sie gemacht wurden, sind es aber nicht mehr vollständig. Dagegen scheint selbst die Währung aus Kou stabiler und mehr wert, obwohl es nur Geld aus Papier ist. Und selbst dieses Geld ist nur in Rakushou stabil. Deswegen mindert sich der Wert des Dinar auch stetig. Heute kann ein Dinar noch einen Apfel wert sein, morgen brauchst du schon zwei dafür.“
Ich brauchte etwas um diese Information zu verarbeiten und erinnerte mich an die Szene auf dem Marktplatz in Balbadd, als die Dinar in Huang umgetauscht werden sollten. Ich hatte gedacht, dass der Huang selbst an Wert verloren hätte und der Wechsler sich am Dinar bereichern wollte, dass das Gegenteil aber der Fall war, hatte ich nicht einmal in Betracht gezogen. Von wegen Angebot und Nachfrage. Der Wechsler hatte wahrscheinlich von der Verunreinigung gewusst und wollte so nur sicher gehen, dass er kein Verlustgeschäft machte. So wie Händler in Balbadd deswegen allmählich auf Huang umstiegen und so die Preise ihrer Waren neu berechneten.
„Früher war der Dinar noch wertvoller als unserer Denar, aber mittlerweile bekommt man selbst mit Denar mehr für sein Geld.“
Allmählich dämmerte es mir. Der Grund, warum nun die Hälfte meines Startkapitals in Cassius Händen war. Er hatte mir nicht so viel abgeknöpft, weil er ein Halsabschneider war, sondern weil er dem Dinar mit der Menge gerade genug Wert bemessen hatte, um alle Kosten, die ich noch verursachen würde, zu decken. Damit hatte ich Cassius Unrecht getan, schon wieder.
„So ist das also... Vielleicht wäre es dann besser, jetzt schon den Dinar loszuwerden, solange er noch etwas Wert besitzt...“, sprach ich laut zu mir und spielte mit dem Gedanken, doch noch zu dem Buchhändler zu gehen und mir das „Buch“ von Sindbad zu holen. Zehn Dinar... das konnte ich gerade so noch entbehren, oder?
Unsicher sah ich zurück zu dem Stand. Es wäre schon interessant gewesen Sindbads Abenteuer zu lesen. Er war schließlich viel gereist und so konnte ich vielleicht etwas mehr über diese Welt lernen. Allerdings... War er es nicht gewesen, der auch regelmäßig übertrieb? Woher sollte ich also wissen wie ich Fakt von Fiktion trennen konnte? Sicher, ich hatte da diverses Wissen über diese Welt, doch konnte mir das was nutzen?
„Könnten Sie mir noch erklären, wie die anderen Münzen aussehen? Ich muss ehrlich gestehen, ich verstehe das System aus Reim noch nicht ganz. Auch wenn ich schon verstanden habe, dass ich wohl mit vier Sesterzen schon einen Denar zusammen habe.“
Ich verfluchte den Moment, dass ich kein Papier oder Tinte besaß, denn ich musste mir dieses System irgendwie merken. Es aufzuschreiben war sicher schon einmal ein Anfang. Vielleicht wurde mir aber auch etwas klarer, wie viel wert diese Münzen nun waren, wenn ich sie erst einmal gesehen hatte.
„Cassius kann Euch einige der Münzen zeigen. Wenn Ihr ihn fragt, wird er das sicher auch tun.“ Mir rutschte förmlich das Herz in die Hose, als der Hauslehrer Cassius erwähnte. Das Bedürfnis ihn freiwillig anzusprechen, hatte sich bisher stark in Grenzen gehalten. Sicher, ich kannte ihn nicht, aber irgendwie... mochte ich ihn nicht und hatte schon so eine gewisse Angst, die mir anriet doch vorsichtig zu sein. Was es genau war, konnte ich allerdings auch nicht sagen. Vielleicht lag es ja an seinen Augen oder dem stechenden Geruch, der mich ein wenig ans Schwimmbad erinnerte. Ich hasste Chlorgerüche, ein Grund warum ich Schwimmbäder mied. Irgendetwas hatte Cassius auf jeden Fall an sich, dass mein Herz ein paar Etagen tiefer verfrachtete.
„Uhm... mal sehen...“, antwortete ich zurückhaltend und überlegte mir schon eine Ausrede, warum ich Cassius nicht darauf ansprechen würde. Allerdings war ich auch neugierig. Ich wollte diese verdammten Münzen sehen. Verdammte Scheune.

„Wir reisen heute weiter!“
Cassius Stimme hörte man unverkennbar, ebenso den Schlag seiner Faust, als er diese auf den Holztisch niedersausen ließ und das Geschirr einen kleinen Sprung zu machen schien. Ich lief schneller in die Richtung des Tisches, an dem Cassius nun stand, ihm gegenüber der Händler aus Balbadd, der mürrisch die Arme verschränkte.
„Ich sage, wir sollten hier bleiben und morgen in aller Früh reisen. Es gibt keinen Grund zur Eile. Außerdem ist es hier sicher.“
Der Händler aus Balbadd blieb ruhig, fast schon zu ruhig. Hatte er etwa noch nicht bemerkt, wie voll es hier war? War ihm nicht klar, dass sich hier der ein oder andere Dieb herumtrieb, der es sicher auch auf seine Waren abgesehen hatte?
„Ich kann zur genüge für unsere Sicherheit sorgen! Deswegen reisen wir heute weiter. Je schneller wir am Tenzan-Plateau sind, desto besser! Also sparen Sie mir diese Ausreden von der Sicherheit hier.“
Cassius schien noch bemüht zu sein, nicht die falschen Worte zu nutzen, um dieses Mitglied der Karawane nicht zu verlieren. Wobei ich gestehen musste, dass ich nicht einmal wusste, inwiefern der Händler aus Balbadd überhaupt wichtig war. Ich meine, er war im Gegensatz zum Kou-Händler nicht einmal sonderlich höflich.
„Junge... du bist doch noch grün hinter den Ohren. Überstürzt zu reisen bringt uns auch nicht schneller ans Ziel. Der aus Kou mag ja nichts dagegen haben, aber... sein wir ehrlich, er ist zu sorglos. Das hier ist doch deine erste große Reise alleine, sei also vernünftig und raste, wenn es zu rasten gilt. In der Pampa kannst du noch oft genug nächtigen.“
Ein zorniger Ausdruck zierte Cassius Gesicht, als er die Worte des Händlers vernahm. Seltsam, denn ich hatte Cassius nun nicht als so unerfahren gewertet. Er schien mir sehr gut vorbereitet, hatte eine angemessene Größe für eine Reisegruppe und sie hatte sicher einige ausgebildete Kämpfer. Wenn ich mich recht erinnerte, waren die beiden Begleiter des Kou-Händlers sogar zur Selbstverteidigung oder so ausgebildet. Der Einzige der da ohne Schutz reiste, war der Händler aus Balbadd und er erschien mir nicht so, als hätte er da noch den ein oder anderen Trick im Ärmel. Selbst ich wäre alleine nicht so hilflos gewesen wie er.
„Entschuldigen Sie, wenn ich störe. Irgendwie konnte ich nicht umhin zu hören, dass es wohl Differenzen über unseren weiteren Reiseverlauf gibt. Was gibt es denn für ein Problem?“
Auch wenn es unhöflich war, sich in die Gespräche anderer einzumischen, konnte ich nicht anders, denn zum einen sollten Cassius und der Balbadd-Händler nicht noch mehr Aufmerksamkeit auf sich ziehen und zum anderen befürchtete ich, dass Cassius, dessen Temperament schon recht feurig zu werden schien, doch noch die Beherrschung verlor. Das musste nicht sein. Wir hatten bereits genug Verletzte in der Gruppe.
„Ah, Ihr seid es. Der Junge hier will bald wieder aufbrechen. Ich habe versucht ihm etwas Verstand einzureden, allerdings will er nicht auf mich hören. Vielleicht könnt Ihr ihn zur Vernunft bringen. Ihr habt schließlich für diese Reise bezahlt, wenn ich das richtig mitbekommen habe. Da solltet Ihr doch auch hin und wieder den Luxus eines bequemen Nachtlagers begrüßen, oder?“
Das Grinsen, welches der Händler aus Balbadd an den Tag legte, wirkte wie das eines schmierigen Haustürvertreters, der für die Provision selbst seine Großmutter an den Teufel verkauft hätte. Ein gruseliger Gedanke. Zumal ich das Gefühl hatte, dass er mich gegen Cassius aufwiegeln wollte. Vielleicht hatte er ja bemerkt, dass ich dem Römer aus den Weg gegangen war oder es vermied mit ihm zu reden, aber hey, ich machte mich sicher nicht zu Kanonenfutter oder zur Marionette.
„Oh, Sie sind an meiner Meinung interessiert? Schön. Ich bin derselben Meinung wie Cassius. Mir ist nicht ganz wohl hier unter zu vielen Menschen zu sein. Das zieht nur Gesindel an und es wäre schade um die ganzen Waren, die die Karawane mit sich führt. Noch dazu, je eher jeder von uns an sein Ziel kommt, desto zufriedener sind wir. Also sollten wir keine Zeit wegen unnötigen Luxus verschwenden.“
Ich setzte mich neben den Händler aus Balbadd und legte meinen halbleeren Geldbeutel auf den Tisch. Ich spürte förmlich, wie mein Sitznachbar mich mit giftigen Blicken fixierte, als ich entgegen seiner Erwartungen Partei für Cassius Vorschlag ergriff. Cassius hingegen setzte sich wieder auf seinen Platz und schien seine Fassung zurück zu gewinnen. Ein gutes Zeichen.
„Pah... wer hat dich Weibsbild schon gefragt? Was soll man auch anderes von einer einfachen Geschichtenerzählerin aus einem Bordell erwarten.“
Es war nun meine Faust, die bedrohlich zuckte. Doch ich mahnte mich zur Ruhe. So wie auf Arbeit, wenn ein Kunde ausfallend wurde. Doch anders, als bei meinen Kunden, sah ich das Rattengesicht, welches meinte, mir gegenüber unverschämt werden zu können.
„Wenn ich mich recht entsinne, habt Ihr um die Meinung der Geschichenerzählerin gebeten. Ich glaube sogar verstanden zu haben, dass Ihr ihr ein Mitbestimmungsrecht eingeräumt habt, weil sie für die Reise bezahlt hat.“
Dieses Mal war es Cassius, der mit seinen Worten dafür sorgte, dass ich mich beruhigte. Wir hatten binnen weniger Sekunden die Rollen getauscht, doch erstaunlich war das Ganze nur, weil Cassius komplette Haltung sich auf einmal geändert hatte. Er hatte dieses durchtriebene Lächeln auf den Lippen, welches seinen sonst so ernsten Zügen doch schon einen Hauch von Charme zauberte. Den Händler aus Balbadd hingegen ließ es erstarren.
„Mir scheint, dass Sie überstimmt sind. Wir ziehen also bald weiter. Sollten Sie noch etwas zu erledigen haben, erledigen Sie das schnell.“
Wo hatte ich mich bloß eingemischt? Auch wenn die Atmosphäre seitens Cassius nicht mehr so angespannt oder gefährlich wirkte, hatte sie dennoch ein sehr explosives Potential. Der Balbadd-Händler schien aber entschieden zu haben, dass er verloren hatte. Zumindest für jetzt.
„Pah... Ihr werdet sehen was ihr davon habt...“, murrte er und trank seinen Tee. Da er auch mir immer noch finstere Blicke zuwarf, entschied ich, dass ich ihn ignorierte und meinen Mut besser sammelte um Cassius die alles entscheidenden Fragen zu stellen.
„Erklärt mir mal bitte, anhand von Anschauungsmaterial, womit Ihr mich gestern bezahlt habt. Ich kenne nur Dinar und hab ehrlich keine Ahnung wie der Rest eurer Münzen aussieht.“
Es platzte förmlich aus mir heraus. Besser jetzt als nie. Immerhin gab es nun kein zurück mehr und es lag an Cassius, ob er mir meine Bitte erfüllen würde.
„Das reimische Münzsystem? Pah... Mädchen, werd' vernünftig. Der Dinar war mal mehr wert als ein Denar. Auch wenn unsere Währung momentan etwas schwach ist, so wird sie mit Hilfe des Kaiserreiches Kou wieder stark. Die Menschen werden das Papiergeld schnell wieder gegen den guten alten, vertrauten Dinar tauschen und dann ist er stärker als zuvor. Mit Sicherheit ist das auch der Grund, warum König Ahbmad die Hilfe von Kou angenommen hat.“
Ich konnte wirklich nicht glauben, dass der balbaddischen Händler sich auch noch hier einmischen würde. Wirklich. Nervig. Scheinbar hatte er zu allem etwas zu sagen. Und augenscheinlich sah er sich selbst immer im Recht.
„Mag sein, ich bin gerade aber nicht in Balbadd, sondern unter Bewohnern Reims. Also werde ich mich anpassen und soviel lernen, dass ich unter gewissen Umständen auch in Reim zurecht kommen könnte.“
Auch wenn das mal wieder eher eine Ausrede war, wäre es doch nicht schlecht, etwas mehr über Reim zu erfahren. Vielleicht würde meine Reise mich ja doch noch dahin führen. Wer konnte das schon so genau sagen?
„Also, Cassius, würdet Ihr mir bitte eure Währung zeigen und alles dazu erklären?“
Damit mir der balbaddische Händler nicht wieder in die Parade fuhr, beschloss ich, noch nachdrücklicher eine Antwort von Cassius zu fordern, der mich ansah, schließlich aber eine Art Geldbeutel unter der Toga hervorzog. Seine Bewegung war minimalistisch. Der Stoff bewegte sich kaum, was mir zeigte, dass er diesen Handgriff mehr als einmal tat.
„Na schön. Wie du vielleicht schon selbst herausgefunden hast, habe ich dir gestern vier Sesterzen gegeben. Das entspricht dem Wert eines Denar, der so aussieht.“ Zielsicher griff Cassius aus seinem Beutel eine Silbermünze, die er vor mir hinlegte, so dass ich ihre Prägung ganz genau sehen konnte. Silber also. Gut, dass leuchtete ein, dass Silber mehr wert als eine Messingmünze war, allerdings die Menge des Messings den einer Silbermünze aufwiegen konnte. Logisch also.
„In Reim entspricht ein Denar dem üblichen Tageslohn eines Arbeiters. Nur für den Fall, dass du glaubst, dass ich dich unter Wert bezahlt habe. Du hast gestern also einen regulären Lohn nach reimischem Prinzip erhalten. Ich hätte dir auch 16 Asse geben können. Das sind die hier.“
Erneut legte mir Cassius eine Münze auf den Tisch. Dieses Mal war sie aus Bronze. An die Asse erinnerte ich mich zumindest von der Erzählung seines Lehrers. Vier davon entsprachen einer Sesterz, also entsprachen 16, der Logik nach, einem Denar.
Ich nickte, zum Zeichen dass ich verstanden hatte und mein Kopf diese Information gut verarbeitete. Noch zumindest. Wobei, so schwer würde der Rest nicht mehr werden, denn es fehlte nur noch eine Münze und ich ahnte bereits, woraus diese war.
„Zu guter letzt die Wertvollste. Die hier. Das ist ein Aureus. Sparst du Hundert Sesterze, hast du den Wert eines Aureus. Du brauchst also 400 Asse um den Wert eines Aureus aufwiegen zu können. Verstanden?“
Zahlen. Ich hasste Zahlen. Ehrlich, mein Kopf schaltete dabei ab und ich fragte mich schon, wie Cassius das so schnell rechnen konnte, als er mir die Goldmünze hinlegte und mir das alles erklärte, als sei ich ein kleines Kind. Vielleicht war ich das auch in seinen Augen. Aber schön. Hauptsache ich verstand das System hinter diesen Münzen.
„Ich denke schon. Wobei es nicht schwer zu verstehen ist, das Gold mehr wert ist als Silber.“
Ich versuchte, mir so gut es ging die Münzen einzuprägen, denn obwohl sie vor mir auf dem Tisch lagen, traute ich mich nicht, sie auch noch wie ein neugieriges Kleinkind anzufassen.
„Die hier könnte für dich noch wichtig werden...“
Obwohl ich davon ausgegangen war, dass der Aureus die letzte Münze war, legte mir Cassius noch eine weitere hin, die ich doch etwas verdattert ansah. Davon hatte mir sein Hauslehrer nichts gesagt. Woraus war diese Münze? Aus Platin oder Diamant? Nein, Diamant konnte man nicht zu einer Münze prägen, Unsinn.
„Die Währung der Allianz der sieben Meere. Wenn du nach Sindria willst, solltest du sie vielleicht mindestens einmal gesehen haben.“
Sindria hatte auch eine eigene Währung? Oh Gott das war zu viel. Kou hatte seine eigene Währung, Balbadd, Reim, Sindria...
„Was für Währungen gibt es denn noch?“ Ich bemühte mich, nicht ganz so ängstlich zu klingen, wie ich es wohl tat, aber es war doch eine interessante Frage. Wenn Cassius mir diese Frage beantworten konnte, dann war ich vielleicht doch nicht ganz so verloren.
„Ich habe noch etwas Geld aus Magnostadt und etwas aus Aktia.“ Erneut legte mir Cassius bei den genannten Orten die entsprechende Währung hin, so dass der Tisch, abgesehen von Dinar und Huang nun wohl jede Münze liegen hatte, die es hier im Magi Fandom gab.
„Das ist ja fast wie Zuhause...“, nuschelte ich leise und grinste innerlich. Zwar hatte das Magi Fandom nur eine Sprache, über die man sich verständigte, aber selbst in Sachen Währung war man sich hier nicht einig. Ein schwacher Trost. Allerdings hatte ich hier auch die Chance, wirklich jede Währung mal benutzen zu dürfen, vorausgesetzt, ich verdiente mir erst ein wenig davon. Aber schön, dass sollte das kleinste Hindernis sein. Drei Währungen hatte ich ansatzweise in den Händen gehalten, damit war ich doch schon auf einem guten Weg. Die vierte würde in Sindria dazu kommen.
„Danke für diese Ausführungen. Ich denke, ich verstehe das alles nun besser als vorher.“
Ein letztes Mal sah ich mir jede einzelne Münze an, bevor Cassius diese zurück in seinen Geldbeutel steckte und diesen unter seiner Toga verschwinden ließ. Nur kurz flammte die Frage auf, ob Diebe, sollten sie es sich wagen Cassius zu bestehlen, etwas mit seinen Münzen anzufangen wussten.
„Du solltest dich noch einmal umsehen, ob du alles hast. Wir brechen bald auf.“ Als wollte er mir damit einen weisen Rat auf den Weg geben, erhob sich Cassius von seinem Platz. Ich nickte und überlegte, einen kurzen Moment, bevor ich einen Entschluss fasste.

**~~**


Als wir am frühen Nachmittag wieder aufgebrochen waren, war ich mir schon im klaren gewesen, dass ich nicht so schnell ein weiches Bett als Nachtlager bekommen würde. Allerdings war dies in Anbetracht der Tatsache, dass ich nun, bis auf zwölf Dinar und vier Sesterzen kein Geld mehr hatte, mein kleinstes Problem. Sicher, man könnte meine Entscheidung, das Meiste meines Startkapitals doch noch auszugeben, als falsch ansehen, da ich nicht einmal wusste, wie teuer die Überfahrt nach Sindria werden würde, allerdings konnte mir auch keiner garantieren, dass 30 Dinar oder mehr für eben diese gereicht hätten. In Anbetracht der Tatsache, dass unsere Reise noch über eine Woche dauern würde, konnte zu diesem späteren Zeitpunkt ein Ticket für mich, in Dinarhöhe, unerschwinglich sein.
So gesehen war es cleverer, sie in etwas zu investieren, dass vielleicht in gewisser Weise nützlich sein konnte. So hatte ich meine Vorräte doch noch aufgestockt und mir mit dem ersten Band von Sindbad dem Seefahrer etwas Gutes getan.
Gestärkt zog ich also mit der Karawane, zu der leider Gottes immer noch der balbaddische Händler gehörte, weiter in Richtung meines Zieles. Die Sonne brannte nicht mehr so heiß, auch wenn die Luft unerträglich erhitzt von dieser war. Unter Cassius Führung wurden allerdings nicht mehr viele Pausen eingelegt, nur genug, damit niemand wegen Dehydrierung zusammenbrach und unsere Reise so ungewollt zum Stillstand kam. Erst, als die Sonne wieder kurz davor stand, unterzugehen, hatten wir unseren Rastplatz erreicht, der erneut unter freiem Himmel war.
„Spannt die Pferde von den Karren und entladet die Kamele. Wir brauchen Wasser. Die Zelte müssen wieder aufgebaut werden...“ Mit wenigen Worten hatte Cassius zusammengefasst, was erneut die Aufgaben des Abends waren. Wie schon am Tag zuvor gab er niemanden genaue Anweisungen, wer was zu tun hatte, doch anders als am vorherigen Tag, hatte ich meine Aufgabe für mich gefunden.
Unter aller Vorsicht befreite ich die Pferde von ihren Karren und bereitete ihnen, mit Hilfe von Chen, das Abendessen vor, welches aus einem Säckchen Futter bestand. Irgendwie erbärmlich, dass sie sich nach all der harten Arbeit nur mit jeweils einem Säckchen Futter abgeben mussten, aber gut, ich hatte ja doch noch eine kleine Belohnung für sie.
Nur zu gut achtete ich darauf, dass Cassius es nicht bemerkte, als ich den beiden noch jeweils ein Äpfelchen in den Futtersack legte. Es blieb auch dieses Mal unser kleines Geheimnis.
Als die Pferde versorgt und von ihrem Geschirr befreit waren, kümmerte ich mich nur noch um die Karren, die ich mit Holzpflöcken vor den Rädern sicherte. Zumindest imitierte ich das von den Wagen der anderen, auch wenn mir nicht ganz klar war, warum man dies auf einer flachen Ebene tun sollte. Aber gut, ich war bei so etwas nicht die Expertin.
Ich hatte meine Karren schneller gesichert, als erwartet, und überließ Chen die Begutachtung, ob ich auch alles richtig gemacht hatte. Ein Nicken zeigte mir, dass es gut war. Damit war meine Aufgabe für diesen Tag erledigt. Ich war auch nicht die einzige, die bereits ihre Aufgabe beendet hatte. Varius und der andere Wächter hatten bereits die Kamele entladen, Hinata und Chen die Zelte aufgebaut und in der Ferne hörte ich Panthea und Nel, die von ihrer Wassersuche zurückkamen.
Damit konnte die gesellige Runde beim Abendessen also stattfinden. Ein Abendessen, welches mir vom Abend zuvor noch sehr gut vertraut war. Es gab erneut den geschmacklosen Brei mit Obst zum Nachtisch. Ich wollte mich aber nicht beschweren und ließ den Brei dieses Mal auf meiner Zunge zergehen. Nachdenklich blickte ich dabei in die Flammen und versuchte auch nur einen Funken Geschmack herauszubekommen, aber da war einfach nichts. Ideal eigentlich, um daraus mal etwas zu machen. Vielleicht mit etwas Zucker, oder Honig oder derart. Dann konnte es ein guter Milchreis-Ersatz sein. Oder man aß dazu Bratgemüse. Da der Brei geschmacklos war, würde er den Geschmack von Beilagen oder Fleisch nicht korrumpieren. Natürlich musste unserer Reiseführer auch damit einverstanden sein, oder Tacita. Sonst wäre diese Überlegung reichlich sinnlos. Und Fleisch war, dass hatte ich in der Karawanserei gelernt, nicht billig. Da fragte ich mich wirklich, wie Sadiq immer wieder an so exotische und vor allem kostspielige Dinge gekommen war. In Anbetracht der Tatsache, dass die Soldaten Balbadds unser Heim gestürmt hatten, war es da vielleicht doch nicht so abwegig, dass er ein Dieb gewesen war. Nur, wie sollte Assad einen Dieb kennenlernen? Und warum waren die beiden einander so vertraut? Fragen über Fragen, auf die ich wohl keine Antworten bekommen würde. Zumindest nicht so schnell, denn in nächster Zeit würde ich sicher nicht mehr nach Balbadd zurückkehren.
„Da Tiberius verletzt ist, brauchen wir heute jemanden, der mit Varius Wache hält. Freiwillige dürfen gerne vortreten.“
Als Cassius Stimme sich über das Geschnatter der anderen erhob, wurden meine Sinne wieder in die Realität zurück geholt. Ich horchte auf und sah zu Tiberius, der angesäuert seinen Blick von der Gruppe abwandte und nur deutlich zeigte, dass ihm diese Entscheidung nicht gefiel, er sie aber wohl akzeptieren musste. Er war also der Abendpinkler gewesen.
„Ich mach es!“ Ohne groß darüber nachdenken, hob ich meine Hand und sah zu Cassius. Im Gegensatz zu den anderen schien er nicht überrascht, allerdings war es nur schwer überhaupt eine Gefühlsregung aus seinem Gesicht ablesen zu können.
„Dir ist klar, dass du die ganze Nacht wach bleiben musst?“, fragte Cassius noch einmal nach, wobei ich eher das Gefühl hatte, dass er mir damit den Job madig machen wollte. Da hatte er sich aber gehörig getäuscht. Mir konnte man so eine Nachtschicht nicht madig machen. Auch wenn ich den Tag über nicht viel geschlafen hatte, würde mir diese eine späte Schicht doch nichts ausmachen. Umso besser könnte ich dann am nächsten Abend schlafen.
„Ich bin Arbeit am späten Abend gewohnt und habe auch kein Problem damit, die ganze Nacht über wach zu bleiben. Also ja, mir ist klar, dass ich die ganze Nacht wach bleiben muss.“ Nein, mich würde Cassius nicht von dieser Aufgabe abbringen, wenn ich sie schon freiwillig machte. Noch dazu war ich munter genug. Warum sollte ich also nicht die Nachtwache probieren? Vielleicht entpuppte ich mich ja als Naturtalent darin.
„Na schön. Ihr anderen geht heute früh schlafen. Wir brechen morgen frühst möglich auf.“
Die anderen nickten verstehend auf Cassius Worte, mir hingegen warfen einige von ihnen, besonders Hinata, misstrauische Blicke zu. Wahrscheinlich glaubten sie nicht, dass ich diese Nachtschicht überstand, oder auch nur helfen konnte. Die Aufgabe bestand schließlich darin die Schlafenden zu wecken, wenn ein Angriff nahte. Nur weil ich aus meiner sicheren Welt stammte, hieß es nicht, dass mir das Prinzip der Nachtwache nicht bekannt war.

Wie ich es mir schon am Abend zuvor gedacht hatte, schnitzte Varius während seiner Wache. Das Feuer knisterte hörbar und auch die Geräusche der Schlafenden waren zu vernehmen. Den einzigen, den ich nicht hören konnte, war Cassius, auf dem mein Blick ruhte. Wieder lag er nahe am Feuer statt in seinem Zelt bei seinem Hauslehrer, der erneut im Schlaf über Politik und Cassius lamentierte.
Anders als aber am Abend zuvor, gab es keine Grille die zirpte, sodass es wirklich totenstill war und man eine Stecknadel auf Steinboden fallen hören würde, wenn auch nur eines von beiden hier gewesen wäre.
Da das Feuer genug Licht spendete, hatte ich mir die gekaufte Schriftrolle geholt und mich in Sindbads Abenteuer vertieft, während meine anderen Sinne, bevorzugt meine Ohren, geschärft blieben und imaginär bei jedem Lager-uneigenen Lauten zuckten.
„Lesen bei der Arbeit, wenn Cassius das sehen würde...“, begann Varius schließlich. Seine Stimme war gedämpft, so dass er die Schlafenden nicht wecken würde.
„Er weiß es wahrscheinlich... Sicher riecht er das Papier...“, flüsterte ich selbst gedankenverloren in der Schrift vertieft.
Richtig. Vielleicht roch er es wirklich.
„Du meinst... so wie wir deine Verletzung gerochen haben?“
Verwundert sah ich von dem „Buch“ auf und sah zu Varius, der mich breit angrinste. Sein Gesicht war in orange-rötlichen Farben getaucht, dank des Feuers, und ließen selbst seine Haare, die wie Cassius einen seltsamen Rotstich im Blond hatten, in kräftigeren Rottönen leuchten.
„Wir?“, fragte ich leise, woraufhin sich Varius zu mir rüber beugte, so wie am Abend zuvor, als ich die Geschichte von Romulus und Remus erzählt hatte. Das war wirklich merkwürdig gewesen aber...
Ich verstand auf einmal, wer „Wir“ waren.
„Wie habt ihr das bitte gerochen? Nicht einmal ich habe gemerkt, dass die Wunde etwas aufgegangen war.“
Die Neugier hatte mich gepackt und Varius nahm wieder genügend Abstand zu mir.
„Gute Veranlagung. Manche Dinge sterben eben nicht aus, auch wenn das Blut des Ursprunges dünner wird. Aber das ist auch ganz praktisch, man riecht das Räuberpack meilenweit gegen den Wind.“
Fragend hob sich bei mir eine Augenbraue, als Varius etwas von guten Veranlagungen sagte. Ich wusste ja, dass Menschen ein feines Gehör haben konnten, oder empfindliche Geschmacksnerven, gute Augen und so weiter. Aber eine so feine Spürnase, dass sie selbst einen Hund Konkurrenz machen konnte? Gab es so etwas?
„Wie du hast es immer noch nicht verstanden?“
Ich schüttelte auf Varius Frage den Kopf. Was sollte ich bitte nicht verstanden haben? Hatte er mir irgendeine geheime Botschaft über seine Worte versucht mitzuteilen?
„Ahhh... Cassius hat Recht und das gebe ich nicht gerne zu. Du bist wirklich wie ein kleines Kind, dass neu auf diese Welt gekommen ist.“
War das nun eine Beleidigung? Wobei, recht hatte er. Ich selbst fühlte mich auch wie ein Kind, das alles erst einmal von Grund auf neu lernen musste. Zu schade, dass die Umstände dafür nicht gerade das beste Umfeld waren.
„Da habt ihr Recht... Ich bin wie ein Kind... meine Unwissenheit stört mich auch und es tut mir Leid, wenn ich euch mit meinen Fragen belästige und es auch in Zukunft machen werde. Ich will so viel wie möglich über diese Welt lernen, damit ich mich unauffällig eingliedern kann. Zumindest solange, bis ich einen Weg nach Hause gefunden habe.“
Ich rollte die Schriftrolle von Sindbads Abenteuer zusammen und starrte in das Feuer. Wie viel konnte ich diesen Menschen hier anvertrauen? Konnte ich ihnen vertrauen?
„Ich komme von weiter weg und weiß nicht einmal, wie ich in Balbadd gelandet bin. Auf einmal war ich da, an diesem fremden Ort und musste mir ein neues Leben aufbauen. Ich verdanke es nur der Gutherzigkeit meiner Mitmenschen, dass ich einen ganzen Monat überleben konnte und nun bin ich gezwungen diese vertraute Umgebung zu verlassen und eine Reise ins Ungewisse zu beschreiten. Auch wenn ich mir Sindria selbst als Ziel gewählt habe, muss ich gestehen, dass ich doch Angst habe. Angst, dass ich es aus eigener Kraft nicht weit schaffe, dass meine Fähigkeiten nicht reichen. Jeden Tag, wenn ich aufwache, wird mir bewusst, wie wenig ich in meinem früheren Leben eigentlich wirklich gelernt habe. Und das, was ich gelernt habe, bringt mich hier auch nicht viel weiter. Ich muss also von null anfangen und hoffen, dass das, was ich tue reicht, oder ich schnelle Fortschritte mache. Gleichzeitig ist das aber auch alles irgendwie aufregend. In meiner Heimat gibt es nicht so viele Gefahren wie hier. Ich meine, wie haben auch unsere Gefahren wie Mörder und Diebe oder Kriege... Aber hier ist das alles so allgegenwärtig. Anders als bei mir Zuhause, wenn ich es nur übers Hören-Sagen mitbekomme. Hier hingegen steckt man mitten drin. So wie in Balbadd, wo man schneller zur falschen Zeit am falschen Ort ist und plötzlich zum Feind der Rebellen werden kann. Oder zu einem gesuchten Namen bei den Soldaten Balbadds. Alleine durch solche Kleinigkeiten hat man schneller alles wieder verloren, als man glauben mag. Und doch... will ich weitermachen. Ich will mehr lernen, ich will stark werden um irgendwann nach Balbadd zurückzukehren, ohne eine Gefahr für jene zu sein, die mir helfend ihre Hände gereicht haben.“
Es war der unausgesprochene Schwur, den ich geleistet hatte, als ich Balbadd verlassen musste und nun war er mir über die Lippen gekommen und hatte jemanden, der bezeugen konnte, ob ich stark wurde oder an diesem Vorsatz scheiterte.
„Dann solltest du vielleicht damit anfangen, indem du vergisst was du kannst oder nicht kannst. Probiere dich aus, entdecke jeden Tag etwas Neues und wenn du eine Schwäche findest, dann nimm sie nicht als Grund aufzugeben, sondern als Herausforderung um diese Schwäche zu überwinden. Niemand wird erwarten, dass du alles auf Anhieb perfekt kannst, solange du unentwegt weiter machst und dich stetig verbesserst.“
Weise Worte eines Mannes der an Frauen schnüffelte, dass musste man Varius lassen. Ich lächelte schweigend und musste mir selbst eingestehen, dass er Recht hatte. Vielleicht sollte ich einfach vergessen was ich konnte und was nicht. Einfach von vorne anfangen, komplett, ohne Druck oder Ballast. Für diese Welt, wäre das vielleicht sogar der passendere Einstieg für mich gewesen.
„Nah. Ich erinnere mich lieber daran, was ich kann. Zum Beispiel kann ich kochen wie kein anderer. Lust auf einen Mitternachtssnack?“
Ich grinste Varius vielsagend an und erhob mich. Der Wächter schien zu verstehen und erwiderte mein Lächeln, welches ich als ein Ja deutete. Vorsichtig und ohne die anderen zu wecken, ging ich zu meinem Reisegepäck und kramte den Sack Reis hervor. Es war Zeit für ein paar Onigiri.


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Ich entschuldige mich an dieser Stelle, dass Erenya echt verpeilt und ein Spätzünder ist. Hätte meine Göttin mich nicht angehintet auf soviele Dinge, wäre selbst ich als Schreiber noch etwas dumm gestorben, bezüglich Varius und Cassius Herkunft. X'D Vielleicht habt ihr bereits auch verstanden was das für Leute in Cassius Gefolge sind, nicht einmal das kapier Erenya.

Oh und Mathe früh am morgen. Ich habe die Szene mit dem Wertsystem gehasst. Aber sowas von. Dafür habe ich mir eindeutig einen Band von Sindbads Abenteuer verdient.
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