Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Spooks - Zusammenführung

von Barb Ara
Kurzbeschreibung
GeschichteFreundschaft, Schmerz/Trost / P18 / MaleSlash
Adam Carter Lucas North Tom Quinn
26.05.2015
24.06.2015
22
57.596
2
Alle Kapitel
3 Reviews
Dieses Kapitel
noch keine Reviews
 
27.05.2015 2.389
 
Hier kommt eine neue Figur ins Spiel. Es handelt sich dabei um eine Mischung von Dr. Tony Hill (Hautnah – die Methode Hill) und Spencer Ried (Criminal Minds).


02 Spencer Hill

„Doktor Spencer Hill?“, vergewisserte sich Tom Quinn.

„Ja, der bin ich“, sagte der während er sich umdrehte, „sie müssen dann wohl Tom Quinn sein?“

Zu Toms Verblüffung stand vor ihm ein schlaksiger Jüngling von vielleicht 1.80m, mit schulterlangen, dunklem Haar. Er trug eine schwarze Hornbrille und einen Pullunder, was ihn wohl älter erscheinen lassen sollte, jedoch nur den Eindruck von einem Streber und Muttersöhnchen erweckte. Die Hand die Tom ihm hinstreckte ignorierte er einfach.

Tom fragte sich gerade, ob dieser junge Mann wohl schon ein Auto fahren durfte, als dieser sagte: „Lass uns gehen, wir haben noch eine lange Fahrt vor uns.“ Zügig schritt er aus und kurze Zeit später sassen sie in einem älteren Geländefahrzeug.

„Ich weiss nicht genau, wieso ich dich hier abholen muss. Der Colonel weiss genau, wie ungern ich mich hinters Steuer setze.“

„Ist es dir lieber wenn ich fahre?“, bot Tom ihm an.

„Da ich deine Akte kenne, bin ich mir nicht sicher, ob du fahrtauglich bist.“

‚Bumm, das hat gesessen‘, dachte sich Tom: ‚Das scheint ja ein ganz liebenswürdiges Früchtchen zu sein.‘

„Falls du dich fit genug fühlst, eine Weile zu steuern, überlasse ich dir gern das Steuerrad. Da kommt jetzt dann die Hauptstrasse, auf welche immer viel Verkehr ist. Du sagst es mir aber, wenn es dir zu viel wird. Ist ja nicht nötig, dass du uns in den Spital bringen.“

Spencer fuhr links ran und sie tauschten die Plätze.

„Ich weiss nicht, was in meiner Akte alles über mich steht, aber bis jetzt war ich ein ausgezeichneter Fahrer.“

„Nun, ich könnte dir ganz genau sagen, was alles in deiner Akte steht, aber ich will auf keinen Fall, dass du dich während dem Fahren aufregst. Stress und Gefühle wie zum Beispiel Wut, erhöhen die Unfallgefahr darum massiv.“

Tom schwieg, da ihm schlicht die Worte fehlten. So legte sich eine bedrückende Stille über den Wagen, nur hin und wieder durch Anweisungen des Navigationsgeräts unterbrochen.

„Wie du wahrscheinlich schon gemerkt hast“, unterbrach Spender die Stille nach einer Weile, „ist der interpersonelle Austausch nicht meine Stärke.“

„Dir mangelt es an Sozialkompetenz“, antwortete Tom trocken.

„So kann man dem wahrscheinlich auch sagen“ erwiderte Spender ohne eine Spur von Verärgerung: „Es ist nicht so, dass ich mir die theoretischen Grundlagen fehlen, es macht nur für mich keinen Sinn, wenn ich sie anwenden soll.“

'Wo hat mich der Colonel nur hingeschickt?', fragte Tom sich im Geheimen und war sich nicht mehr sicher, ob das eine gute Idee gewesen war, auf den Deal einzugehen.

Da Tom nichts sagte, fuhr Spencer fort: „Das war auch der Grund warum ich Soziologie und Psychologie studiert habe.“

'Nicht, dass das etwas genützt hätte', dachte Tom sich.

„Aber wie du merkst, hat es nicht so viel genützt. Somit kam Praktizieren natürlich nicht in Frage. Der Umgang mit Menschen ist doch recht stressig für mich. Weshalb ich mich dem Profiling zugewandt habe.“

„Erstaunlich, dass du dort so erfolgreich bist. Geht es dabei ja schliesslich genau, um solche Sachen, die du nicht auf die Reihe kriegst“, sagte Tom. Es war nicht bösartig gemeint, sondern eine Feststellung.

„Ich weiss. Je umfangreicher und detaillierter die Aktien, umso besser werden meine Profile. Wo andere in der puren Masse von Daten den Überblick verlieren, blühe ich auf.“

„Ausser bei den Spionen.“

„Obwohl es ja überraschend viele Schnittpunkte zwischen Spionen und Serienkillern gibt. Misstrauen, Verfolgungswahn, Paranoia, Narzissmus, Psychosen, Neurosen, Neigung zu Gewalt und Sadismus, alle was das Herz begehrt. Trotzdem ticken sie irgendwie anders. Ihr Verhalten lässt sich nicht so einfach voraus sagen.“

„Kein Wunder, Routine ist der Tod eines jeden Agenten. Da muss man immer auf der Hut sein und keine Gewohnheiten einreissen lassen.“

„Siehst du, das ist spannend. Woher weisst du das?“, Spencer war auf einmal ganz kribbelig geworden.

„Sieben Jahre Feldeinsatz, davon drei als Abteilungsleiter“, meinte Tom nur trocken. Er hatte nicht das Gefühl, etwas bewegend gesagt zu haben.

„Erzähl mir mehr davon“, bat Spencer.

„Jetzt?“, fragte Tom und deutete mit einer Hand auf den dichten Verkehr, um sie herum.

Überrascht schaute Spender aus dem Fenster: „Nein, besser nicht jetzt. Wir werden ja noch viel Zeit miteinander verbringen.“

„Wo sie es gerade von Zeit verbringen haben“, hackte Tom nach: „Der Colonel hat gesagt, dass du mir weiter hilfst. Aber du hast gerade erklärt, dass du gar nicht praktizierst.“

„Nur weil ich keine Praxis führe, heisst das nicht, dass ich dir nicht weiter helfen kann.“

„Nur weil du über das theoretische Wissen verfügst, heisst das noch lange nicht, dass du mir weiter helfen kannst.“

„Da ist ein interessanter Ansatz“, gab Spencer zu. Er überlegte eine Weile: „Warum probieren wir es nicht einfach aus. Wenn wir sehen, dass ich es nicht auf die Reihe kriege, bin ich der Erste der den Colonel anruft und ihn bitte dich woanders hin zu schicken.“

Den Rest der Fahrt konzentriert sich Tom auf das Fahren und Spencer studierte irgendetwas in seinem Laptop. Für Tom der hin und wieder einen Blick rüber warf, sah es nach Akten aus. Aber Spencer blätterte in einem so irren Tempo jeweils weiter, dass Tom es nicht genau sagen konnte.

Tom war froh, als sie endlich am Ziel angekommen waren. Die fast sechs Stunden Fahrt hatten ihn doch recht geschafft, zumal die meiste Zeit ein ziemlicher Verkehr herrschte.

Spencer schloss das kleine Haus auf. Es schien sich um einen alten Bauernhof zu handeln. Es sah aber nicht so aus, als ob er noch in Betrieb wäre. Um ehrlich zu sein, es sah auch nicht so aus, als ob er überhaupt bewohnt wäre.

„Suche dir ein Zimmer aus“, sagte Spencer und deutete auf eine sehr steile, enge und abgenutzte Treppe. Vorsichtshalber nahm Tom nur den Seesack mit und liess den Rucksack noch unten.

In den Zimmern konnte er knapp stehen, musste sich aber in den Türrahmen ziemlich verbeugen, um den Kopf nicht anzuschlagen. Das Haus war definitiv nicht für grosse Menschen gebaut worden. Es hatte zwei fast identische Schlafzimmer. Doppelbett, Schrank, kleine Kommode, für mehr war nicht Platz. Es hatte einen Lichtschalter und darunter eine Steckdose. Mehr an Technik war nicht vorhanden. Im zweiten Zimmer sah es so aus, als ob nachträglich eines der Betten entfernt worden war. Tom wählte dieses Zimmer aus, weil es ein bisschen mehr Platz bot.

Ausserdem hatte es hier oben noch einen kleinen Verschlag in dem eine Kloschüssel und ein Waschbecken, sowie halb in der Dachschräge eine primitive Dusche war. Er konnte sich beim besten Willen nicht vorstellen, wie er dort drin duschen sollte.

Ernüchtert ging er ins Erdgeschoss zurück. Auf der einen Seite befand sich eine Küche mit altem Holzherd. Immerhin es gab fliessend Wasser. Nun ja, zumindest die Wasserhähne dafür waren vorhanden. Tom war versucht zu prüfen, ob sie überhaupt funktionierten, liess es dann aber bleiben. In einer Ecke war eine Eckbank montiert. Der dazugehörige Esstisch fehlt jedoch, dafür stand ein niedriger Salon Tisch davor.

Das Haus war sehr rustikal eingerichtet, um nicht zu sagen primitiv. Aber wenigstens war alles sauber und ordentlich. Er ging weiter und fand Spencer im anderen Raum, der früher wohl das Wohnzimmer war. Das mit dem ordentlich, strich Tom gleich wieder aus seinen Gedanken.

Die alten Bauernbuffets standen immer noch drin und quellten über vor Bücher. Beim Fenster stand ein grosser Tisch, der aus der Küche vermutete Tom, und war mit diversen PCs, Druckern und Modem überstellt. An einer Wand stand etwas, dass ein Sofa sein könnte, war aber auch dermassen mit Akten und Büchern überstellt, dass man das nicht so sicher sagen konnte. Ausserdem hatte man das Bett, das oben fehlte, hier rein gequetscht. So dass man sich kaum drehen konnte, ohne dass man an irgendetwas stiess.

„Dein Zimmer? Geschmackvoll eingerichtet.“

Spencer blickte überrascht auf. Er sah sich kurz im Zimmer um: „Es freut mich, dass es dir gefällt.“

'Sarkasmus scheint ihm fremd zu sein', dachte Tom für sich. Laut sagte er: „Wo wird denn hier gegessen?“

„Gegessen? Wo man gerade Lust hat.“

„Du hattest hier wohl noch nicht viele Gäste?“

„Um ehrlich zu sein, bist du der Erste seit...“, er überlegte eine Weile: „Also bisher wolle noch niemand hier essen oder übernachten.“

„Das verstehe ich“ sagte Tom und nickte heftig dazu.

„Morgen kommt Frau Meier. Sie kommt alle zwei, drei Tage vorbei und macht sauber und kocht vor. Wenn du ihr bitte sagen würdest, dass sie in Zukunft für dich mit kochen soll.“

„Werde ich machen“, sagte Tom: „Ich geh dann mal meine Sachen einräumen.“

Spencer hatte sich schon wieder seinem PC zugedreht und winkte nur mit der Hand.

'Na das kann ja heiter werden', dachte Tom bei sich. Er packte seinen Rucksack und buckelte ihn die altersschwachen Stufen hinauf, die bei jedem Tritt bedenklich knarrten. Der Schrank war zum Glück leer und es hingen sogar einige Kleiderbügel drin. Da er nicht so viele Sachen dabei hatte, hatte sogar alles Platz.

In einem Schrank im Gang fand er Bettwäsche und Handtücher. Er bezog das Bett und testete es. Es knarzte zwar gotterbärmlich, war zu seiner grossen Erleichterung jedoch recht bequem, nur definitiv zu klein für ihn. Er besah sich die Konstruktion. Zu seinem grossen Glück, war das Bettende nur in den Bettposten eingehängt. Mit ein bisschen hebeln und schieben, konnte er es entfernen.

Danach gab er endlich seinem knurrenden Magen nach. „Wann gibt es denn zu Essen?“, fragte er Spencer.

„Das Essen ist im Kühlschrank hinter der Küchentüre. Nimm dir einfach worauf du Lust hast.“

Tatsächlich stand da ein moderner Kühlschrank. Tom öffnete ihn und er war überrascht ihn recht gut bestückt vor zu finden. Es standen diverse Plastikgefässe darin. Alle fein säuberlich beschriftet, mit Inhaltsangaben und Datum. Es hatte sogar drei Gefrierschubladen in welchen sich hauptsächlich gefrorene Beeren und Eiscreme befanden.

Er ging wieder zu Spencer: „Es hat Salat, Tomatensuppe und Lasagne.“

„Ist schon recht, nimm dir was du willst, ich nehme dann später was übrig ist“, sagte Spencer ohne von der Arbeit aufzublicken.

„Nein, nein“, korrigierte Tom: „Wenn man zusammen lebt, dann isst man auch zusammen.“

Jetzt richtete Spencer sich auf und dreht sich zu Tom um. Entgeistert sah er ihn an. „Du willst mit mir zusammen Essen?“

„Ja“, bestätigte Tom: „Es kommt noch besser, ich will auch, dass wir zusammen kochen.“

„Kochen?“, jetzt war Spencer völlig ratlos: „Ich schieb einfach immer alles in die Mikrowelle.“

„Gut, dann lass uns zusammen die Mikrowelle füllen.“

„Wieso?“

„Weil man das so macht. Man kocht zusammen, erzählt sich gegenseitig, wie der Tag so war. All solche Sachen halt.“

„Du sollst mir nur in Sachen Spione auf die Sprünge helfen, nicht mir in Sachen Sozialkompetenz Nachhilfe geben“, reklamierte Spencer.

Tom sah ihn nur an und hob die eine Augenbraue.

„Na warte, ich werde mich beim Colonel beschweren. Das ist Einmischung in meine Privatsphäre.“

Mit einem breiten Grinsen im Gesicht, ging Tom wieder in die Küche. Zufrieden hörte er, wie Spencer ihm folgte.

„Wo sollen wir denn hier bitte Essen?“, fragte Spencer empört.

„Habe ich die Küche so eingerichtet oder du?“

„Den grossen Tisch brauche ich zum arbeiten. Ich kann ja nicht auf so einem niederem Tischchen am PC arbeiten.“

„Wie wäre es damit, einen passenderen Tisch für hier zu kaufen? Gibt es hier kein Brockenhaus oder Trödelladen?“

„Keine Ahnung. Bis her war das nie ein Thema, hier drin zu essen.“

„Du kannst auch gern den Tisch nebenan abräumen, damit wir dort essen können.“

„Kommt nicht in Frage“, empört sich Spencer: „Das dauert Stunden, bis das Netzwerk wieder steht.“

„Apropos Netzwerk, ich benötige auch einen Internetanschluss.“

Spencer sah ihn mit offenen Mund an: „Oben gibt es keinen Telefonanschluss.“

„Dann musst du mir wohl auf dem Tisch ein Eck frei räumen.“

„Ich wusste, ich hätte mich vom Colonel nicht breitschlagen lassen sollen. Es hat so harmlos getönt und jetzt artet das aus in..., in...“, Spencer schien selber nicht so recht zu wissen, in was es ausartet.

„In Umstände?“, half Tom auf die Sprünge.

„Genau, es artet in Umstände aus.“

„Brauchst du denn die Bücher alle in Griffnähe?“, wollte Tom wissen.

„Die Bücher? Nein, die Meisten sind noch von meiner Grossmutter.“

„Du liest die also gar nicht? Wieso räumst du die denn nicht weg?“

„Na, weil die schon immer da waren“, Spencer schien nicht zu verstehen, worauf Tom hinaus wollte.

„Habt ihr hier den keinen Dachboden oder Schuppen, wo du die rein tun könntest, damit du mehr Platz hast?“

„Frau Meier wüsste da vielleicht Bescheid“, meinte er dann nach einer Weile.

„Gut, dann sehen wir das Morgen mit ihr an und kümmern uns jetzt um das Essen.“

Erstaunlich bereitwillig zeigte Spencer Tom wo die Teller und das Besteck waren und wie man die Mikrowelle bediente. Er deckte sogar freiwillig den Tisch. Kurze Zeit später konnten Sie Essen.

„Du erwartetest jetzt aber nicht von mir, dass ich mit dir rede?“, fragte Spencer zwischen zwei Bissen.

„Doch irgendwie erwarte ich, dass wir uns unterhalten. Wie war denn dein Tag?“, begann Tom das Gespräch.

Spencer sah ihn einmal mehr entgeistert an: „Du warst doch den grössten Teil davon dabei. Der Colonel hat mich zur Ramstein Air Base geschickt, um dich abzuholen.“

„Das sagt nur, was du getan hast, aber nicht, wie er war.“

„Wie, wie er war?“

„Aus deinen Äusserungen entnehme ich, dass dich das gestresst hat. Du könntest also sagen 'ich musste zur Ramstein Air Base fahren, das hat mich ganz schön gestresst. Zum Glück war Tom so nett und hat uns sicher nach Hause gefahren' “, half Tom ihm auf die Sprünge.

„Du willst also, dass ich das Offensichtliche sage? Es ist dir aber schon klar, dass das keinen Sinn macht.“

Tom stöhnte. Das würde noch eine harte Nuss werden.

„Nachdem du das Offensichtliche gesagt hast, stellst du die Gegenfrage 'wie war dein Tag so, Tom'?“

„Warum soll ich das tun?“

„Interesse am Leben seiner Mitmenschen zu zeigen, ist ein guter Anfang.“

„Und wenn es mich nicht interessiert?“

Einen Moment lang überlegte Tom, was er darauf sagen sollte. Aber dann schüttelte er nur den Kopf. Den Rest der Mahlzeit verbrachten sie schweigend. Spencer beobachtete ihn immer mal wieder unauffällig, was Tom natürlich nicht verborgen blieb.

Nach dem Essen räumten sie noch zusammen das Geschirr in die Geschirrspülmaschine ein. Dann verabschiedete sich Tom. Der Tag hatte mitten in der Nacht für ihn begonnen, damit er um fünf Uhr früh reisefertig war.
Review schreiben
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast